Samstag, 23. Mai 2009

4.ING Europe Marathon Luxembourg

Der 2.Marathon innerhalb von 13 Tagen. Wie kann ich das am besten regeln ? Einerseits Erholung vom Mainz Marathon, zum anderen lockeres Training für den Luxembourg Marathon, um für die nächsten 42,2km einigermaßen fit zu sein. Aber diesmal ging es ja nicht darum volle Pulle zu laufen. Ich will mich zurück halten, um auch beim 14 Tage späteren Mittelrhein Marathon noch eine gute Zeit zu erreichen. Der Mininmalziel war unter 3:30 zu laufen, und einfach mal den Marathon genießen. Das Trainingprogramm hatte ich drastisch runter gefahren. Zwischen den zwei Wettkämpfen bin ich 5 Einheiten mit insgesamt 78km gelaufen, alles locker, ein langer Lauf von 29km war auch dabei. Einigermaßen erholt fühle ich mich nach dem letzten Training. Keinerlei Probleme. Daher mache ich mir insgeheim Hoffnungen auf eine Zeit unter 3:20.
Am Wettkampftag dann die schwierige Frage mit dem Essen. Start war Abends um 18 Uhr. Ich hatte schon unter der Woche ordentlich Nudeln gefuttert. Das Frühstück war am Samstag wie immer mit Brötchen und Müsli. Für die Fahrt nahm ich noch 2 Bananen, Brötchen und fertige Nudeln in der Tupperdose mit.
Kurz vor 12 Uhr geht es endlich los in Richtung Luxemburg. Schon während der Fahrt zeigt das Thermometer teilweise bis 27 Grad an. Es ist total warm im Auto. Zum ersten Mal in diesem Jahr schalte ich ab und zu die Klimaanlage ein. Mir läuft echt der Schweiß runter. Was für tolle Bedingungen um einen Marathon zu laufen. Während der Fahrt greife ich immer wieder in die Tupperdose mit den Nudeln. Endlich erreiche ich die Elzbachtalbrücke an der Grenze zu Luxemburg. Ich werde total euphorisch, drehe die Musik laut, und freue mich einfach nur auf den Marathon. Jetzt nur noch ein kleines Stück und ich bin da. Gleich mal den P+R Parkplatz am Kirchberg angesteuert. Von hier aus fahren die Shuttle Busse zur Coque (das riesige Sport/Freizeitzentrum in Luxemburg). Ich packe die nötigsten Dinge in meinen Läuferbeutel und los geht’s zur Coque.



Vor der Coque trohnt der Löwe des Hauptsponsors

Jetzt erst mal die Startunterlagen organisieren. Nun in aller Ruhe umziehen. Dazu gehe ich in die Halle und kann schon mal den Zieleinlauf bestaunen. Also wenn ich dort unten durchlaufe, dann hab' ich es geschafft.



Spätestens gegen 21:30 Uhr werde ich da durchlaufen !

Ich gehe noch mal das Höhenprofil durch. Von Berichten, und Luxemburg erfahrenen Läufern, wurde ich vor dem ständigen auf und ab gewarnt.



das Höhenprofil, welches mir noch ganz schön zusetzen wird.

Jetzt geht es nach draußen. Um 17 Uhr will ich mich mit ein paar Lauffreunden am Haupteingang de Coque treffen. Tausende von Menschen. Ich glaube mit dem Treffen, das wird schwierig. Doch da, Norbert ist da. Super, wenigstens einer. Wir plaudern noch ein bisschen und dann geht es runter zum Starterblock.



noch bester Laune vor dem Start : Norbert aus Belgien und Frank

Schnell den Läuferbeutel noch abgeben. Letztes mal ins Dixie Häuschen, und rein in den Block. Das Wetter ändert sich jetzt zum Glück. Es wird kühler und die Sonne verschwindet. Ich treffe zu meinem erstaunen doch ein paar Läufer aus Wiesbaden und Darmstadt im Starterblock. Doch die meisten laufen nur den Halbmarathon. Diese Läufer/innen haben auf Ihren Rücken noch eine zusätzliche "21". Das finde ich mal eine gute Sache. So weis man gleich Bescheid. Tolle Stimmung im Block, viele Franzosen, aber auch die Deutschen sind stark vertreten.
18 Uhr - Los geht's
Vom Start weg geht es gleich rechts rum in den Stadtteil Kirchberg. Die Strecke steigt an. Trotz hoher Teilnehmerzahl (das Teilnehmerlimit wurde schon vor Wochen erreicht) wird man kaum ausgebremst. Die Kontrolle am Blockeingang scheint gut funktioniert zu haben. Nach 3 KM erreichen wir die höchste Stelle der Strecke beim Sender RTL. Meine min/KM Zeiten bis dahin gut im Plan 4:42,4:35,4:29. Leicht abwärts geht es nun wieder zurück zur Coque. Schon wieder macht eine der zahlreichen Samba Gruppen Stimmung. Hier wird echt was geboten. Wir erreichen die Avenue J.F.Kennedy. Vorbei am Startplatz und an der Coque. Jetzt Wendepunkt und wieder am Start und Coque vorbei. Links hoch wieder zum Stadtteil Kirchberg. Was für ein Durcheinander....Zeiten jetzt um die 4:20/km. Die Strecke steigt wieder an, und bei KM 7,2 geht es wieder runter. Wir durchlaufen eine Parkanlage hinter der Coque. Hier ist jetzt gute Stimmung von den Zuschauern. Auf einem Felsen sitzt ein riesiger, aufgeblasener Löwe vom Hauptsponsor des Luxembourg Marathons. Die Strecke macht einen Bogen und läuft wieder zurück zur Coque. Endlich auf der Avenue J.F.Kennedy welche direkt in das Zentrum führt. Es geht mächtig abwärts von KM9 bis KM11. Dumm ist nur, das müssen wir zum Schluss bei KM 37-40 auch wieder hoch laufen. Ich merke den Mainz Marathon ganz schön, und die ständige bergauf/bergab Strecke macht einem auch nicht gerade frischer. Jetzt kommt KM10 und damit eine erste Messlatte. Mal sehen...44:02. Logischerweise nicht so schnell wie in Mainz, aber mit einem Genuslauf hat das auch nichts zu tun. Es sieht mal wieder so aus, als wäre der Vorsatz langsam laufen, völlig ignoriert worden. Inzwischen bekomme ich auch leichte Probleme mit der rechten Leistengegend. Aber wenn wundert’s, nach diesem Programm ? Die rechte Wade hatte ich bereits heute Morgen mit einem Kinesio-Tape abgeklebt. Das hat in Mainz gut funktioniert, also wird es hier auch helfen. Es geht nun über die Brücke der Alzette, dem kleinen Fluß in Luxemburg. Unter uns der Stadtteil Pfaffenthal. Wunderschöner Blick hinunter ins Tal. Vor uns die Kulisse der „Centre-Ville“ und rechts das „Grand Théâtre“. Es geht auf den Roundpoint Robert Schuman zu, die Strecke biegt nach rechts ab. Hier wird es jetzt absolut gigantisch. Die Zuschauer haben für die Läufer eine Gasse gebildet. Es gibt hier jetzt ca. 1 – 1,5 Meter Platz in der Breite. Rechts und links von mir total begeisterte Zuschauer. Es ist der Wahnsinn. Bilder wie man Sie nur von der Tour de France kennt. Und ich mittendrin ! Von allen Seiten kommen die Anfeuerungsrufe „Allez Frank“ oder „Allez Fronck“. Mir läuft es eiskalt den Rücken runter. Was für eine Atmosphäre. Jetzt geht es wieder leicht berauf in den Stadtteil Limpertsberg. Auch hier super Stimmung. Überall sind die Menschen auf der Straße und feiern. Selbst organisierte Partys vor den Häusern. Eine La-Ola Welle nach der anderen. Ich kann es nicht fassen, was hier los ist. Schon wieder eine Blasmusikkapelle. Insgesamt 39 Live-Acts gibt es an der Strecke. Ich entdecke das KM 12 Schild. Jetzt mal schnell checken, wie es läuft. Gut läuft es ! Die letzten beiden KM habe ich mit einer Pace von 4:21 absolviert. Aber das hoch und runter laufen macht mich platt. Vorbei an der Portugiesischen Botschaft. Es geht weiter rauf. Plötzlich ein ziehen im hinteren linken Oberschenkel. Mist, was ist das jetzt. Nicht drüber nachdenken, weiterlaufen. Der höchste Punkt des Abschnittes in Limpertsberg ist bei KM 14, in der rue Jean Pierre Beicht, erreicht. Ein Glück es geht runter auf den großen Platz „champ du Glacis“. KM 15 passiere ich bei 1:05:15. Ich bin dem eigentlichen Plan weit voraus. Aber mir ist klar, der 2. Streckenabschnitt wird fast nur bergauf gehen, und der Mainz Marathon macht sich immer mehr bemerkbar. Aber von langsamer machen keine Spur. Dieses tolle Luxemburger Publikum hat es verdient, dass ich alles gebe ! Auf dem „champ du Glacis“ ist ein riesiger Heißluftballon aufgebaut. Der Platz wird fast umrundet, vorbei an einer der zahlreichen Versorgungsständen. Hier fehlt es an nichts. Die Stationen sind gut erreichbar und die Tische lang. Ich bleibe anfangs noch bei Wasser. Es gibt aber auch eine Art Isogetränk, Orangen, Bananen, klein gedrückte Müsliriegel und später kommt auch noch Cola dazu. Die Helfer stehen rufend mit den Getränken parat. So muß es sein, klasse ! Rein geht es in den Stadtpark. Auch hier die Rasenflächen voller begeisterter Zuschauer. Im Park geht es an der „Villa Vauban“ vorbei. Hier war bis 2005 die städtische Kunstgalerie beheimatet. Wieder raus aus dem Stadtpark geht es in Richtung „Centre-Ville“. Meine Güte, was ist den hier los. Welch eine Begeisterung. Die Menschen sind press an den Absperrungen. Von allen Seiten strecken Kinder Ihre Hände zum abklatschen in Richtung der Läufer. Es ist so geil ! Ich schwebe förmlich auf dieser Euphoriewelle. Da ist es klar, dass ich KM18 sogar mit einer 4:11 laufe. Ich bin so beeindruckt von dieser Begeisterung. Ich möchte mich am liebsten bei jedem einzelnen dafür bedanken. Ich bin nur noch am applaudieren und halten den Daumen nach oben für dieses Publikum. Nun muß ich aufpassen, dass ich die Abzweigung für den Marathon nicht verpasse. Bei 18,3km wird getrennt. Aber ich hätte es mir ja denken können. Auch das ist bis ins kleinste Detail vom Orga-Team sehr liebevoll hergerichtet. Zwei große Bahnen sind nebeneinander aufgebaut. Schilder weisen den richtigen Weg. Zusätzlich stehen in der Mitte der beiden Bahnen auf Podesten freundliche Helfer mit großen, runden Schildern in der Hand und weisen mir den Weg. Das Ganze sieht aus wie auf der Landebahn eines Flughafens. Einfach nur toll ! Da ist es kein Wunder, dass die „Lotsen“ mit T-Shirts von Luxair ausgestattet sind. Damit nun auch wirklich nichts mehr schief läuft, steht am Ende der „Einflugschneise“ noch ein Helfer und ruft mir noch mal zu „Marathon“ und zeigt in die Richtung. Jetzt sind keine Läufer mehr bei mir. Ich bin fast alleine. Wie immer. Der Großteil läuft eben nur den Halben. Das tut aber meiner Stimmung keinen Abbruch. Ich laufe durch eine überdachte enge Einkaufspassage. Zur Rechten ein Schokoladen Feinschmecker Laden. Ich sehe die leckeren Pralinen und Schoko Tafeln. Schon denke ich an das große Fressen im Zielauslauf. Aber bis es soweit ist, liegen noch über 23KM vor mir. Es geht leider raus aus der Innenstadt, und wieder ein kleines Stück durch den Stadtpark. Im Park vorbei an der „Villa Louvigny“ dem ehemaligen Hauptsitz von Radio Luxembourg, dessen Sitz jetzt im Europaviertel auf dem Kirchberg ist. Nach dem Stadtpark geht es auf die „Route D’Arlon“. Im Hintergrund kann man bereits dir Flutlichtmasten vom Fußballstadion „Stade Josy Barthel“ sehen. Aber kurz vor dem Stadion biegt der Weg nach links in den Stadtteil Belair. KM19 kommt und die Uhr zeigt 1:23:12. Der Puls ist bei 167 (91%) angelangt. Ein bisschen zu hoch. Ich muß mich jetzt echt mal bremsen. Der 2. Abschnitt wird wirklich hart. Auch wenn vereinzelnd hier jetzt noch ein paar Zuschauer stehen, ist dies doch ein trostloser Teil dieser Strecke. Ich bin gespannt auf die Zeit bei der Halbmarathon Marke. Zwischendurch mal ein Gelpack reingedrückt. Mein Magen und Darm fühlt sich nicht besonders gut an, aber ich brauche das Zeug jetzt. Es hilft doch nichts. KM20 und 21 je mit 4:31 genommen. So jetzt aufgepasst, HM Zeit ist 1:32:41 ! Bin ich verrückt ! Das kann ich nie und nimmer durchhalten. Einfach weiterlaufen und nicht drüber nachdenken. Zurück durch „Belair“ geht es wieder Richtung Innenstadt. Die Begeisterung an der Strecke wird mehr. Vorbei am „Place W. Churchill“ wieder ein Stück durch den Stadtpark. Die Uhr läuft und läuft. Wo sind denn die KM Schilder ? Irgendwie verliere ich total das Gefühl für meine Geschwindigkeit. Naja wird schon passen. Wieder verlassen wir das Zentrum und laufen in den Stadtteil Hollerich. Entlang auf der Avenue Marie Therese, jetzt auf die Avenue Guillaume. Das zieht sich ja endlos. Jetzt wäre ein KM Schild wirklich mal hilfreich. Endlich KM25 die Uhr steht bei 1:50:16. Das ist ein KM Schnitt von 4:25. Immer noch verdammt schnell. Noch 17KM zu laufen. Wie soll ich das nur schaffen. Warum muß ich auch wieder am Anfang so schnell losrennen. Jetzt haben wir den Salat. Ich bin total ausgepowert. Bloß kein zweites Saarbrücken hier ! Auf weiter durchhalten ! Diese tolle Stadt mit Ihren fantastischen Zuschauern hat es einfach verdient sich bis zum umfallen zu quälen ! Nun wird es sehr kurvig. Wir sind bereits im Stadtteil Merl angelangt. Ich laufe schon eine längere Zeit hinter einem Läufer mit dem Aufdruck „I am Amsterdam“ auf dem Rücken seines T-Shirt her. Womöglich das Shirt vom Amsterdam Marathon. Teilweise kann ich Ihn überholen, aber bei jeder Kurve nimmt er die Abkürzung über den Bürgersteig und ist wieder vor mir. Das geht eine ganze Weile hin und her. Gerade habe ich Ihn eingeholt, und schon kürzt er wieder ab. Hey, was soll das ? Die Ordner sagen nichts, und lassen Ihn abkürzen. Das regt mich jetzt wirklich auf. Klar, man kann ja mal ne Kurve über den Bürgersteig schneiden. Aber wirklich jede Abkürzung zu nutzen, das geht nun wirklich zu weit. Wenigstens habe ich die Zuschauer auf meiner Seite, denn „Mr. Amsterdam“ bekommt kaum Applaus für diese Aktionen. Da, schon wieder kürzt er ab. Also lieber „I am Amsterdam“ das ist unsportlich ! Irgendwann wirst du für solche Aktionen disqualifiziert ! Jetzt kann ich nicht mehr folgen und er läuft mir davon. Naja, da brauche ich mich auch nicht mehr weiter drüber zu ärgern. Wieder geht es in einen Park. Diesmal ist es der „Parc de Merl“. Hier gibt es einen Teich und auch wieder viele Zuschauer. Ich entdecke mal wieder ein KM Schild. Es ist die „28“. Die letzten 2 Schilder habe ich verpasst. Mal runterrechnen. Auf den letzten 3 KM ein Schnitt von 4:27. Na also das geht doch. Jetzt noch 14 KM. Das müsste doch irgendwie zu packen sein. Noch mal ein Streckenabschnitt im Stadtteil Hollerich. Die Strecke wird nun ansteigend. Jetzt geht’s los. Fast nur noch bergauf bis ins Ziel. KM 29 schaffe ich noch mal mit einer 4:30/km. Aber ich werde zunehmend schwächer. Ich komme wieder auf die Avenue Marie Therese. Auf der anderen Seite laufen noch viele Läufer/innen. Die haben ja noch fast 20km vor sich ! Ein Glück bin ich schon über die 30’er Marke hinaus. Aber wo ist denn die 30’er Marke. Also irgendwie habe ich das Gefühl, hier hat jemand die Schilder versteckt. Es geht über die Brücke Pont Adolphe, welche den kleinen Fluß Pétrusse überquert. Direkt vor mir das Historische Gebäude der Staatssparkasse. Ich kann einfach nicht mehr. Ich drücke mir den 2. Gelpack rein. Inzwischen greife ich auch schon zu Cola und Isogetränk. Da ist ja das KM31 Schild. Die letzten beiden KM bin ich im Schnitt 4:40 gelaufen. Also jetzt muß ich mich zusammenreißen. Der Stadtteil Gare muß noch durchlaufen werden, bevor es wieder in die Innenstadt mit der sagenhaften Stimmung geht. Auf jetzt ! Noch mal alles rausholen. Die 11km werden doch zu schaffen sein. KM32/33 geht noch mal leicht runter. Ich schaffe jeweils ne 4:26 ! Aber nun geht es nur noch hoch. Ich sehe schon das Gebäude des Hauptbahnhofes mit dem hohen Uhrenturm. Noch mal scharf um die Kurve. Ich überhole einen Läufer der geht. Ich versuche ihn aufzumuntern, Aber er deutet an, dass er nicht mehr will. Die Strecke zieht bergauf. Die Zuschauer feuern an. Ich quäle mich, aber KM34 wird ne 5:14 ! Noch 8 KM, halte durch. Die Avenue de la Liberte zieht sich. Rum um die Staatssparkasse. Wie soll ich das nur schaffen ? Kämpfen ! Die Brücke Viaduc rüber über die Pétrusse. Die Innenstadt naht. Lautstarke Anfeuerungsrufe kommen von allen Seiten. Schleife laufen auf dem Place de la Consitution. Hier herrscht wieder super Partystimmung. Danke, Danke liebe Luxemburger, Ihr seid so klasse. Vorbei an der Nationalbibliothek und der Kathedrale „Unserer Lieben Frau von Luxemburg“. Jetzt werde ich wieder getragen auf der Welle der Begeisterung. Die engen Fußgängerzonen. Die Menschen jubeln und machen die Welle. Ist das geil hier. KM 36 ist ne 4:50. Wenn ich das so zu Ende laufen könnte das wäre klasse. Nur noch bergauf, und der Hammer kommt ja noch. Immer wieder von allen Seiten höre ich „Allez Frank“. Wie schaffen die das nur diesen kleinen Namen von so weit zu entziffern ? Gehpausen ? Kommt nicht in die Tüte. Für diese Zuschauer wäre es ja geradezu eine Beleidigung. Das haben die nicht verdient. Ich werde mich bis zum Schluß zerreißen für diese fantastischen Luxemburger !
Wieder keine KM Schilder gesehen, ach was soll’s. Solange ich keine Gehpause mache ist alles noch gut. Ich komme wieder auf den Roundpoint Robert Schuman zu. Wahnsinnstimmung. Aber jetzt geht es die Avenue J.F.Kennedy rauf zur Coque. Letzter Abschnitt und gleichzeitig der schwierigste Teil der Strecke. Noch mal ein Blick runter vor der Brücke über die Alzette. Plötzlich bekomme ich übelste Seitenstechen. Muß das jetzt sein. Kein Wunder, bei all dem was ich in der letzten Zeit zusammen gesoffen habe. Mir bleibt die Luft weg. Es wird nicht besser. Und der Anstieg wird immer brutaler. Stehenbleiben. Niemals ! Irgendwie geht es weiter. Ich versuche beim auftreten auszuatmen. Hilft auch nichts. Egal jetzt, komm weiter ! Auch hier sind noch Zuschauer an der Strecke und feuern mich an. Irgendwie schaffe ich es. Die Coque muß doch gleich mal zu sehen sein. Es nimmt kein Ende. Aber ich bekomme wieder etwas besser Luft. Die Seitenstechen nehmen ab. Ich sehe das KM 39 Schild. Jetzt bin aber mal gespannt. Seit 3 KM keinen Wert mehr erhalten. 14:57 also 4:59 pro KM trotz der brutalen Steigung. Das ist super. Auf noch 3 km. Ich sehe die Coque. Aber ich muß noch mal links abbiegen. Irgendwie müssen die restlichen Kilometer ja auf die Uhr kommen. Es geht weiter hoch. Von hinten komme ich nun in den Park der Coque rein. Hier ist jetzt wildes Durcheinander, denn die Halbmarathon Finnisher tummeln sich im Park, haben schon das Finisher Bier in der Hand ! Ich muß mir teilweise mit rufen Platz verschaffen. Verdammt, das zieht sich. Wo bleibt KM 40. Viele Leute rufen mir zu, dass es gleich geschafft ist. Ja von wegen, es sind mindestens 2km. Endlich KM40. Uhr zeigt 5:04, das ist ok. Ich laufe auf den allerletzten Reserven. Die Coque habe ich jetzt fast umrundet und was ist das ? Da schicken die mich noch mal in die andere Richtung ! Es ist zum verzweifeln. Da sieht man den Zieleinlauf, und muß noch mal weiter ! KM 41 nehme ich jetzt auf der flachen Straße mit 4:54. Der Wendepunkt ist da. Der letzte Kilometer. Jetzt geht es zur Coque !



gleich hat die Quälerei ein Ende.
(Foto von www.thomaswenning.de zur Verfügung gestellt)

Ich ziehe noch mal an. Ist das geil ! Es können doch höchstens noch 500 Meter sein. Vorm Einlauf in die Halle sind Kerzen aufgebaut. KM 42 wird sogar noch mal eine 4:35 ! Was für eine atemberaubende Atmosphäre. Die Halle kommt. Ich sehe das flackern der Lightshow. Laute Musik. Es ist einfach nur der Wahnsinn. Ich strahle über das ganze Gesicht. Rein in die Halle. Es ist einfach nur unglaublich. Ich habe es mal wieder geschafft, und das nach dem voll gelaufenen Mainz Marathon vor 13 Tagen. Die Menge jubelt und ich bin so glücklich. Ich reiße die Arme nach oben, laufe Richtung Zielbogen. Jaaaaa, geschafft.
Jetzt ein Wasser und ein Zielbier. Prost Luxemburg ! Es geht gleich wieder nach dem Einlauf in die Halle raus ins Freie. Sofort bekommt man eine Plastiktüte zum umhängen gegen die Kälte in die Hand gedrückt.



fix und fertig, aber glücklich !

Läuferbeutel geholt und jetzt nach oben, zur Zielparty ! Hier gibt es alles was der Läufer/in jetzt braucht. Äpfel, Bananen, Riegel, Müsli, Wasser, Cola, alkfrei Weizen. Super ! Ach ja das hätte ich ja fast vergessen. Meine Zeit 3:11:29 !!!! Bin mal gespannt wo ich damit lande.
In den Duschen ist es bei dem Andrang natürlich sehr eng. Aber auch das läßt sich gut regeln. Die Duschen sind warm ! Frisch geduscht gehe ich wieder auf die Finisher Party, und trinke noch ein paar alkfreie Weizen. Aber der Heimweg ist lange, und deshalb werde ich mich so langsam Richtung Shuttle Busse bewegen. Ich komme an dem Haupteingang der Coque vorbei und was sehe ich da ? Ergebnislisten ! Na, da will ich noch mal schauen. Ein ganz schönes Gedrängel. Endlich bin ich dran zum schauen.
Nein, das halte ich im Kopf nicht aus. Gesamtplatz 35 ! Bei den vielen Startern. Das kann nicht sein. Und so wie ich das sehe, bin ich der 3. beste Deutsche Läufer ! Also nun fällt mir gar nichts mehr ein. Das muß ich erst mal verarbeiten.



Auch für die Finisher mit 5 Stunden 20 Minuten ein unglaubliches Erlebnis, der Einlauf in der Coque

Ich gehe zum Shuttle Bus und kann es einfach nicht glauben. Was für toller Tag. Es hat einfach alles gepasst. Um 3 Uhr Nachts bin ich dann endlich zu Hause. Trotzdem schlafe ich noch nicht gleich ein. Viel zu beeindruckt von all den Erlebnissen !

Eine Veranstaltung bei der einfach alles gepasst hat. Eine außergewöhnlich tolle Stadt. Die herzlichen und freundlichen Menschen überall. Eine Atmosphäre wie ich sie so noch nie erlebt habe. Ein Tag der mir ewig in schöner Erinnerung bleiben wird. Ich bin wirklich gerührt !

MERCI LUXEMBOURG

Sonntag, 10. Mai 2009

10.Gutenberg Marathon Mainz



Auch in diesem Jahr wieder dabei : der Mainz Marathon

Zum zweiten mal für mich der Gutenberg Marathon in Mainz. Den Trainingsplan hatte ich diesmal nicht so genau verfolgt, und zusätzliche Wettkämpfe eingebaut. Trotzdem lief es gut. Die geforderten Zeiten und KM Leistungen wurden eingehalten und auch teilweise übertroffen. Minimalziel für Mainz war die Maratonbestzeit von 3:09:36 (Darmstadt 2008) zu unterbieten. Realistisch erschien mir sogar eine Sub 3:05. Der 3 Wochen vorher gelaufen Halbmarathon in Griesheim auf ebener Straße in 1:25:30 versprach sogar bei optimalen Bedingungen in die Nähe der Sub 3:00 zu laufen. Aber immer wenn es zu gut läuft, dann kommen die Probleme. Diesmal 2 Wochen vor dem Marathon. Nach dem langen Lauf mit 36KM incl. 10KM im MT war es passiert. Die rechte Wade schmerzte unterhalb vom Knie. Erst dachte ich mir nichts dabei und machte ganz normal im Trainingsplan weiter. Der letzte 3x5000er Intervall im MT wurde mir dann zum Verhängnis. Die Schmerzen zogen von der Wade in die Kniekehle. Das mit Schmerzen Laufen ging gerade noch so, aber nichts für eine schnelle Pace. So gab es dann 1 Woche vor Mainz nur eine Möglichkeit. Training runter, Tempo weglassen und hoffen auf schnelle Regeneration. Zwei Sitzungen beim Physio brachten merkliche Besserung. Trotzdem war beim normalen Joggen immer noch nach ca. 10-12 KM ab und zu ein ziehen und stechen in der Wade spürbar. Ärgerlich, gerade jetzt. Ein Kinesio-Tape über der Wade und an den Knieaußenseiten sollte mir zusätzliche Sicherheit geben. Letzter Trainingslauf über 10KM Freitags Abends verlief im langsamen Tempo ohne größere Probleme. Also Hoffnung war wieder vorhanden. Am Samstag dann die Startunterlagen abgeholt und noch irgendwie versucht auszuspannen. Es war schwül und ich bekam gegen Abend schlimme Kopfschmerzen. Trotz leichter Übelkeit drückte ich mir wie gewohnt die komplette extra große Portion Nudeln rein. Schlafen war auch eher eine Qual. Die Kopfschmerzen hielten mich wach. Zusätzlich wurde ich jetzt noch nervös, da ich nicht schlafen konnte. Irgendwann bin ich dann doch scheinbar eingeschlafen. Morgens vom Wecker um 5:30 Uhr geweckt, brummte der Schädel immer noch leicht. Die Nase war auch noch zu. Also Radikalkur. Nasenspray und japanisches Heilminzöl auf Stirn, Schläfe und Nacken. Kopfschmerztabletten kommen beim Wettkampf nicht in Frage. Dieses Risiko ist mir zu groß. Noch mal schnell gefrühstückt mit Brötchen, Joghurt und Müsli. 3 Tassen Kaffee getrunken und siehe da, der Kopf klart langsam auf ! Na bitte ! Kurz nach halb sieben ging es dann in Richtung Mainz. Ich war so früh, dass ich die Ausfahrt Weisenau nehmen kann. Noch nichts gesperrt, prima ! Überall schon fein säuberlich die Absperrungen am Rand der Straße, Aufbauarbeiten beginnen. Ich komme langsam in Stimmung. Vom Parkhaus geht es dann mit Läuferbeutel durch die Mainzer Innenstadt. Parkende Autos auf der Laufstrecke werden noch schnell abgeschleppt. Die frische Luft tut gut, die Kopfschmerzen sind inzwischen komplett verschwunden. Was für ein Glück ! Es ist noch Zeit, also schlendere ich noch mal über die Marathonmesse. Um 8:30 ist dann Forumstreffen hinter dem Hilton Hotel. Alle sind soweit fit, lediglich Thomas unterliegt im Moment starken Leistungsschwankungen, er will einfach mal sehen und gut durchkommen. Und was ist mit mir ? Wenn ich das nur wüßte ? Wie lange kann ich laufen, bis sich die Wade meldet. Und wie lange kann ich dann noch mit Schmerzen weiterlaufen. Und vor allem, in welchem Tempo ? Fragen über Fragen. Ich werd' einfach mal losrennen mit ner Pace um die 4:20 und die Lage abwarten.



Vor dem Start : Sascha,Christian,Frank,Peter,Christian,Gregor,Thomas

9:15 Uhr. Jetzt aber schnell weg mit dem Läuferbeutel und rein in den Starterblock. Diesmal ist es Block 1. Trotzdem sind ne Menge Leute vor mir. Wie üblich heizt Mainz Null Fünf Stadion Sprecher Klaus Hafner die Läufer und die Zuschauer gleichermaßen ein. Besser kann es nicht sein. Der optimale Mann für diese Veranstaltung. Warmlaufen ist unmöglich, viel zu eng alles. Die meisten Läufer/innen tippeln auf der Stelle. Mein Puls, wie gewohnt mit 70-75 vorm Start sehr niedrig.
Der Himmel immer noch leicht bewölkt, noch angenehm niedrige Temperaturen. Der Startschuss fällt. Es geht los. Zumindest ganz vorne. Bis ich über die Zeitmessmatte laufe vergeht doch einige Zeit. Jetzt kommt das übliche Gerangel um eine gute Position. Überholmanöver versuche ich zu vermeiden, und laufe lieber langsam weiter und hoffe, dass sich das Feld auseinander zieht. Aber irgendwie ist es sehr voll und ich werde nervös, und fange jetzt doch mit dem überholen an. Immer wieder wird man ausgebremst. Hier gehen schon so viele wertvolle Sekunden drauf. Aber ich kann nichts daran ändern. Es geht entlang am Rheinufer. Die Theodor-Heuss Brücke ist schon vorbei. Mal wieder das KM1 Schild übersehen. Ich muß warten auf die 2. Auf der langen Gerade der Rheinallee geht es Richtung Schottwerke. KM2 jetzt der Richtwert. 8:50, also 4:25 pro KM. Ja, das geht aber ich dachte es wäre schneller. Also ein bisschen die Pace erhöhen und auf KM3 warten. Rein ins Schott Werksgelände. Tolle Stimmung. Was 4:45 für KM3 ?? Also so wird das heute ganz bestimmt nichts. Sollte mir die reduzierte Trainingswoche so viel geschadet haben. Also gut, dann muß ich meine Ziele ganz klar gewaltig nach unten korrigieren. Weiter geht es durch das nicht so attraktive Industriegebiet vom Mombach. KM4 ist ne 4:26. Puls ist schon bei 159 (87%). Das kann es doch nicht sein ? Noch schneller werden. Die Sonne kommt nun raus, und es sieht ganz so aus, als würde es warm werden. Also das läuft ja heute gar nicht. Getränkestände habe ich noch ausgelassen. Kurz vor der Wende im Industriegebiet Mombach nehme ich KM 5 mit 4:00. Aha, jetzt geht’s doch. Aber trotzdem 5 KM in 22:03, das ist ein 4:25'er Schnitt. Nach der Bahnunterführung geht es rein nach Mombach. Wie immer tolle Stimmung. Klasse das beflügelt, und jetzt werden auch die Zeiten deutlich besser. KM6 und KM7 in 4:07/4:06. Jetzt bloß nicht versuchen alles wieder aufzuholen, sonst bin ich bald am Ende. Weiter Richtung Mainzer Neustadt. KM8 noch mal ne 4:08 und KM9 ne 4:19. OK alles jetzt scheinbar im normalen Bereich. Puls liegt inzwischen bei 163% (89%). Die Stimmung ist einfach genial, und wir sind noch nicht mal in der Innenstadt. Die Frage wird sein, wie lange kann ich das Tempo durchhalten, und vor allem das angeschlagene Bein wird sich irgendwann melden. So ca.12km im Training waren ja kein Problem, aber mehr und im schnellen Tempo ? Nicht drüber nachdenken. Das Kinesio-Tape wird es schon richten. Ich bemerke, dass vor mir ein paar Leute mit bunten Luftballons laufen. Sind das etwa Pacemaker ? Tatsächlich, es sind Pacemaker für die HM Zeit 1:30. Na, das wär doch super. Aber sind wir denn überhaupt in der Zeit ? Einer der Pacemaker meint, wir wären ca.150-200 Meter hintendran, da eine Absperrung nach den Schott Werken falsch postiert war. Eigentlich sollte diese zusätzliche Schleife erst in der zweiten Runde gelaufen werden. Aha, das würde ja auch die unglaublich hohen Zwischenzeiten in der Nähe von Schott erklären. Alles schön und gut, aber was bringt das letzt endlich ? Die Schleife bin ich nun ja gelaufen, und kann es nicht mehr ändern. Unter den Pacemakern wird nun vermutet, dass diese Schleife in der 2. Runde eben wegfällt, und somit die zuviel gelaufenen Meter wieder ausgeglichen sind. Hmmm, kann man hoffen, dass es so ist. Aber verlassen kann ich mich darauf nicht. Alles in allem würde das bedeuten, dass ich doch gar nicht so schlecht unterwegs bin. In der Mainzer Neustadt ist die Stimmung ebenfalls sehr gut. Überall gibt es neben den offiziellen Verpflegungsständen auch private Stände mit Wasser. Jetzt kommt der KM10 Richtwert. Die Uhr zeigt 42:54. Das ergibt ungefähr ein Schnitt von 4:17/km. Mal sehen wie es weiterläuft. Ich habe doch schon ganz schön mit mir zu kämpfen. Wir laufen nun bereits die Kaiserstraße in Richtung Christuskirche runter. Die Christuskirche wird umrundet, es geht dann die Kaiserstraße noch ein kleines Stück auf der anderen Seite zurück, dann folgt die Abzweigung zur Altstadt. Hier ist jetzt richtig was los, man wird förmlich von der Begeisterung getragen. Vorbei am Landesmuseum, dem Dom, dann die kleine Augustinerstarße mit dem Kopfsteinplaster. Es ist einfach nur genial bei dieser Stimmung hier zu laufen. Die KM Zeiten liegen nun alle unter 4:15/km, und ich frage mich wie lange das wohl noch gut gehen kann. Jetzt ist es leider vorbei mit der Altstadt, wir passieren das Hotel Ibis, es geht nun die ewig lange Gerade runter nach Weisenau. Eine Wendepunktstrecke voll in der Sonne. Immer mehr greife ich nach Wasser. Kurz vor der Wende kommt mir auf der anderen Seite Gregor entgegen. Die Wende kostet ein wenig Zeit. KM18 wird daher nur eine 4:22. Aber gleich drauf geht es weiter mit 4:09 und 3:59 für KM 19 und 20. Jetzt wird es mal Zeit für den ersten Gel-Pack. Plötzlich sehe ich auf der Straße einen Läufer liegen, der zusammengebrochen ist. Sanitäter kümmern sich gleich um Ihn. Meine Güte, da bekommt man Angst. Alles Gute, hoffentlich ist es nichts Ernsthaftes. Es geht nun Richtung Halbmarathon Durchlauf. KM21 wird ne 4:27, der Durchlauf unter tosendem Beifall stoppe ich bei 1:29:52. Liegt da vielleicht eine kleine Sensation in der Luft ? Ich glaube kaum, dass ich dieses Tempo halten kann. Außerdem muß jetzt noch zwei mal die Brücke über den Rhein überquert werden. Trotzdem rufe ich einem Mitläufer zu, die Sub 3:00 schaffen wir ja wohl jetzt auch noch. Die Brücke zieht sich. Immer noch nicht den höchsten Punkt erreicht. Es ist so anstrengend. Aber jetzt geht es runter. Von weitem kann ich eine Alemannia Aachen Fahne sehen, dort steht Gabi. Sie kann leider verletzungsbedingt heute nicht starten. Aber Sie ist extra mit Ihrer Familie an die Strecke gekommen, um uns anzufeuern. Eine tolle Aktion. Das freut mich. Jetzt wird natürlich auf keinen Fall langsamer gelaufen. Beim vorbeilaufen wird noch Jürgen abgeklatscht. Mit neuem Schwung geht es nun die Brücke runter und rein nach Kastel. Jetzt wird es wieder zäh. Und leider sind die Zuschauer hier auf diesem äußert unangenehmen Stück nicht mehr so zahlreich. Jetzt geht es rein ins Wohngebiet von Kastel. Die Stimmung wird besser. Hier werden die Läufer wieder beim Namen genannt, das baut noch mal auf. Aber der Trend ist leider da, Die Kräfte schwinden so langsam. Ich habe große Mühe den Schnitt von 4:15 zu halten. Der Wendepunkt in Kastel ist erreicht. Es geht die Hochheimer Straße zurück zur Brücke über den Rhein. KM26 und KM27 schaffe ich doch tatsächlich noch einmal mit 4:10/4:13. Jetzt über die Brücke. Gabi feuert mich noch mal an, und Jürgen knipst fleißig Bilder. Vielen Dank ! Das hat mir echt geholfen, diesen unangenehmen Teil in Kastel besser zu ertragen. Und auch den KM über die Brücke schaffe ich in 4:16. Wieder auf der Rheinland/Pfälzer Seite angekommen laufe ich einen großen Schlenker um an Getränke zu kommen. Die Sonne ist inzwischen brutal, ich nutze jeden Schatten, der sich bietet. Es geht wieder die lange Rheinallee Richtung Schott. Wesentlich mehr Zuschauer stehen hier als letztes Jahr. So gibt es vereinzelnd immer wieder aufbauende Zurufe. KM29 und KM30 je mit 4:18 absolviert. Der Schnitt zur Sub 3:00 (es bleibt halt ein Traum) ist unter diesen Bedingungen nicht mehr zu halten. Ich überhole eine Läuferin, welche noch viel schlechter dran ist wie ich. Ich sage nur :"Sub 3 wird heute nichts". Sie antwortet :"nee, heute nicht". Also noch mal durch die Schott Werke. Hier wieder tolle Stimmung. Eine extra Tribüne für die Zuschauer ist am Ausgang der Schott Werke errichtet. Das ist wirklich große klasse was hier geboten wird. Daumen nach oben für die Schott Mitarbeiter. Danke ! Jetzt kommt es nun darauf an, ist der zuviel gelaufene Teil aus der ersten Runde korrigiert ? Tatsächlich die Schleife ist weg. Na also, das Orga Team hat reagiert, das bringt wieder ein paar Sekunden. Jetzt KM31, mal schauen 3:40 ! Ich freue mich nur kurz über die "Zeitgutschrift", denn ich merke natürlich, dass mir die Kräfte schwinden. Zweiten Gelpack runtergewürgt. Vielleicht bringt's noch mal was. Und dann noch dieses langweilige Industriegebiet von Mombach. KM32 ist ne 4:24. Jetzt wird es abwärts gehen. Die Uhr zeigt 2:15:41 und noch 10km + 200 Meter zu laufen. Ich überschlage schon mal ein paar mögliche Endzeiten im Kopf. Ich rechne schon mit dem schlimmsten. Bei einem 5'er Schnitt wären das ca. 51 Minuten. Ergäbe ne Endzeit von ca. 3:06. Immer noch ne super Zeit und die PB fällt heute sowieso. Aber nach so einem tollen Lauf werde ich mich doch jetzt nicht mit 5 Minuten auf den Kilometer zufrieden geben. KM33 wird eine 4:20. Also, der Einbruch läßt sich noch ein wenig rauszögern. Ich will jetzt wenigstens das ursprüngliche Ziel von Sub 3:05 schaffen. Das müßte doch locker drin sein ! Rein nach Mombach, Stimmung kommt auf. KM34 in 4:26. Mir kommt das alles so langsam vor. Noch 8km, oder sagen wir mal noch 5km bis zur Altstadt. Wenn ich mal dort bin, dann schaffe ich den Rest auch noch. Mombach ist durchquert und damit auch die Stimmung weg. Noch mal muß irgendwie die Strecke bis zur Altstadt überbrückt werden. Ich weis nicht wie ich das schaffen soll. KM35 wieder ne 4:26. Mir ist das jetzt echt ein Rätsel wie ich dennoch diese Zeiten laufen kann. Ab durch die Mainzer Neustadt. Danach nur noch die Christuskirche und dann bin ich in der Altstadt. Der Rest müßte doch von selbst laufen. Ich versuche mich aufzumuntern, in dem ich daran denke, wie schlecht es genau an dieser Stelle vor einem Jahr ausgesehen hat. Damals war der Schnitt schon fast auf 5min/km. Na das ist doch heute viel besser. Irgendwie laufe ich nur noch wie ferngesteuert. KM36 und KM37 mit 4:31/4:28 genommen. Jetzt die Christuskirche. Mann das ist wirklich eine Qual. Auf los, weiter. KM38 immer noch gut mit 4:27. Was macht eigentlich der Puls ? 165 (90%) absolut ok für die letzten KM. Irgendwie werde ich es schaffen. Noch 4KM. Das ist doch eigentlich gar nichts. Ein Glück, ich habe die Christuskirche umrundet. Bei KM39 zeigt die Uhr 2:46:54. Mal scharf nachdenken. Mit einem 4'er Schnitt würde ich die Sub 3:00 noch schaffen. Guter Witz. Ich kann bei allem was recht ist keine 4'er Zeiten mehr laufen. Ich kann nur noch so gut es geht ankommen. Unternehmen Sub 3:00 damit endgültig verschoben. Jetzt zieht es auch plötzlich in der Wade. Ja, darauf habe ich ja nur gewartet. Aber 3 KM kann ich damit bestimmt noch laufen. Aber nach ein paar hundert Metern verschwindet die Verkrampfung, und es geht normal weiter. Überhaupt, was rege ich mich hier eigentlich über die vertane Chance der Sub 3:00 auf. Ich bin kurz davor eine sensationelle neue Bestzeit aufzustellen. So wie es aussieht werde ich das ganze auch noch verletzungsfrei überstehen. Bedenkt man noch die letzten 2 Wochen mit den Waden/Wadenbeinproblemen ist das doch sagenhaft ! Was will ich eigentlich noch ? So, Schluß damit. Jetzt wird gefreut und die letzten 3 KM gequält. Die Altstadt kommt. Überall tosender Beifall und jubelnde Zuschauer. Es ist herrlich und unterdrückt die Qual. KM40 und KM41 in 4:26/4:36. Noch mal durch die enge Augustinerstraße. Das Kopfsteinpflaster tut weh, aber der Gedanke an den Zieleinlauf läßt das alles vergessen. Rum ums Hotel Ibis. Jetzt ist es gleich vollbracht. Was geht noch. Ich ziehe an. Das KM42 Schild kommt. Ich sehe den Zielbogen. Wahnsinn. Ich laufe fast alleine, niemand um mich rum. Sprecher Klaus Hafner verkündet über das Mikro "und da kommt Frank, Applaus für Frank" und unglaublich, die ganzen Zuschauer im Zieleinlauf machen mit. Ich bin total gerührt. Es ist der Wahnsinn. Ich klatsche Beifall für die Zuschauer und halte den Daumen nach oben für diesen tollen Empfang. Es ist unbeschreiblich. Ich habe es geschafft. Mein 8. Marathon ist überstanden. Was sagt denn die Uhr ? 3:01:17 !!! Also da kann ich mich nun wirklich nicht mehr beklagen. Was für eine Zeit. Über 8 Minuten die alte Bestmarke verbessert. Gregor kommt auch schon auf mich zu. Er hat eine Zeit um die 2:55. Na super, da können wir ja mal mit alkfrei Bier anstoßen. Ein toller Tag. Neue Bestzeit, Zielzeit von 3:05 locker erreicht und ganz wichtig verletzungsfrei ! Das Marathontriple geht weiter. Auf nach Luxemburg !

Dienstag, 28. April 2009

Vorschau : das Marathon Triple

Wie schaffe ich es, dass mich meine Mitmenschen für noch verrückter halten, als Sie es ohnehin schon tun ?
Ganz einfach - Ich laufe das Marathon Triple* !
*Marathon Triple - 3 Marathons innerhalb von 4 Wochen laufen.



Gutenberg Mainz, ING Europe Luxembourg, Mittelrhein

Ursprünglich war nur der Mainz Marathon geplant. Später entschließe ich mich noch, den 4 Wochen darauf folgenden Mittelrhein Marathon zu laufen. Also warum sollte ich "mittendrin" nicht noch ein Marathon laufen. Quasi als Ersatz für den langen Sonntags Lauf. Müßte doch klappen. Zur Auswahl stehen Luxemburg oder Würzburg. Nach langem hin und her überlegen, entscheide ich mich für Luxemburg.

So. 10.5.2009 Gutenberg Marathon Mainz
Start : 9:30 Uhr
- wird voll gelaufen, Zielzeit : Sub 3:05

Sa. 23.5.2009 ING Europe Marathon Luxemburg
Start : 18 Uhr
- mit reduzierten Tempo, Zielzeit : Sub 3:30

Sa. 6.6.2009 Mittelrhein Marathon
Start : 18:15 Uhr
- wird voll gelaufen, allerdings werden mir die vorherigen Läufe sehr zu schaffen machen daher Zielzeit : Sub 3:15

Zwischen den Wettbewerben wird nur noch locker trainiert, keine Temposachen mehr.

Sonntag, 19. April 2009

38.Griesheimer Merck Straßenlauf

Endlich wieder mal ein Halbmaraton. Der letzte war im August 2008 in Hüttenfeld. Damals für mich ein super Lauf. Alles lief perfekt und ich konnte mit 1:27:44 eine um über 4 Minuten verbesserte neue PB aufstellen. Ich hatte in den letzten Monaten das Training nur noch auf Marathon ausgelegt. Kaum Tempoeinheiten gelaufen. Vom letzten Wettkampf (Ultra Marathon in Echollbrücken) bis zum HM blieben mir 3 Wochen. Erste Woche nur locker gelaufen. Der Ultra steckte noch in den Beinen. Zweite Woche immer noch Nachwirkungen vom Ultralauf. Aber wenigstens ein Intervall gelaufen, um mich schon mal an die Geschwindigkeit zu gewöhnen. Am Ende dieser Woche war mit fast 107km ein erhebliches Pensum auf der Uhr. Aber mir ging es gut. Die Fußprobleme waren fast verschwunden, also die letzte Woche vor dem HM weiter voll im Plan trainiert. Nochmal 4000'er Intervall um die 4:15/km gelaufen, um zu sehen was so geht. Das Training lief sehr gut, also stellte ich mir folgenden Plan zusammen.
Zielzeit : auf jeden Fall unter 1:30 , angehen mit 4:15/km und nach 10km mal sehen wie es läuft.
Sonntagmorgen 19.4.2009
Pünktlich um 6 Uhr aufgestanden, gleich gefrühstückt mit Müsli, Brötchen, Joghurt und Kaffee. Noch die restlichen Sachen gepackt und ab nach Griesheim. Kurz vor 9 Uhr habe ich schon alle formellen Dinge erledigt, und sitze zusammen mit Gregor in der Halle. So gibt es noch Zeit zum plaudern. Gregor will es heute wissen, er hat die super leichten, schnellen Schuhe an. Soll ich das auch tun. Dabei hätte ich den ganzen Kram ja. Nein, ich entscheide mich für die schwereren Mizuno Wave Rider, um nicht unnötig Verletzungen zu riskieren. Der Mainz Marathon steht vor der Tür, da kann ich mir eine Trainingspause nicht erlauben. Schnell zum Auto umziehen. Unterwegs trifft man auf so viele bekannte Leute da vergeht die Zeit sehr schnell. Ein wenig warmlaufen mit Gregor, Thomas (hat Knieprobleme, will daher lieber die 10km laufen), Peter (Miatara) und Christian (Funky) auf dem Kunstrasenplatz. Der Start wird bestimmt sehr voll und eng werden, daher sicher ich mir lieber gleich mal ein Plätzchen in der Nähe das 1:30 Pacemakers. Über 10 Minuten warten im Block. Aber ich treffe noch ein paar bekannte Leute, und es wird weiter übers Laufen geplaudert. Die Bedingungen sind nahezu optimal. Sonnig, aber nicht zu warm. Mal sehen wie ich vom Start aus weg komme.
10 Uhr, der Startschuß fällt. Los gehts.
Trotz der vielen Läufer gibt es kaum Gerangel. Ich komme sehr gut raus. Ein ca. 400 Meter langes Stück Straße bleibt, um in eine günstige Position zu kommen. Denn jetzt folgt ein kurzer Abstecher runter von der Straße nach links. Der Weg wird schmaler, aber ich bin in einer guten Position, und verliere hier kaum Zeit. Wieder auf der Straße muß jetzt noch ein kleiner Schwenk durch das Wohngebiet gemacht werden, bevor es auf der Bundesstraße runter bis zum ersten Wendepunkt, weit hinter dem Wasserwerk kommt. Das Anfangstempo ist hoch, und ich habe den ersten KM Marker verpaßt. Nun bin ich gespannt was bei KM 2 auf der Uhr steht. 8:01, also 4min/km !! Was für ein Anfangstempo ! Jetzt ganz ruhig bleiben und Tempo rausnehmen. Am Anfang der Bundesstraße ist tolle Stimmung. Zuschauer und ein paar Trommler stehen am Straßenrand. Klasse. So macht es Spaß. 4:03 und 4:04 für KM3 und KM4. Ich muß jetzt drosseln. So war das nicht geplant. Die erste Wasserstelle lasse ich aus. Rum um die Kurve Richtung Wendepunktmerke. KM5 jetzt in 4:05. Immer noch das gleiche schnelle Tempo. Ich fühle mich aber gut. Puls ist auf 165/90% HFmax. Die ersten Läufer kommen auf der Wendepunktstrecke entgegen. Da ist die Wende. Scharfe 180 Grad sind zu nehmen. Das kostet etwas Zeit. Aber dafür ist der Rest der Strecke schnell. KM6 ergibt eine 4:09 trotz Wende. Bekannte Gesichter laufen auf der anderen Seite zur Wende hin. Das ist interessant und lenkt ein bisschen ab. Jetzt bekomme ich doch einen trockenen Hals. Wasser wäre jetzt gut. Aber die Wasserstelle ist auf der anderen Seite der Straße. So ein Mist. Ich habe Glück. Ein paar Jungs von der Versorgungsstelle laufen einfach mit Wasserbechern auf die andere Straßenseite. Super, Danke ! KM 7 wird sogar eine 3:59. Ja was läuft denn hier ? Jetzt sollte ich mich echt mal ein wenig zurück nehmen. Aber auch KM 8 und 9 werden eine 4:05 und 4:04. Das kann nicht mehr lange gut gehen. Puls ist inzwischen auf 169/92% angestiegen. Ich bin immer noch gut drauf. Nun wieder kurz der Abstecher runter von der Bundesstraße den kleinen Weg bis zur Abzweigung Halbmarathon links/10KM rechts. Die 10'er haben es so gut wie geschafft. Ich habe noch nicht mal die Hälfte. Wieder auf die Bundesstraße. Noch 2x runter zum Wendepunkt. So, jetzt wird es interessant. 10'er Marke kommt. 40:36 !! Ja gibt's denn das ? Das würde schon als gute 10'er Zeit durchgehen. Kann ich das nochmal 11km durchhalten ? Das wird schwer werden. So langsam merke ich das auch. Jetzt sollte ich wirklich mal einen Gang runterschalten. Vorbei an den Trommlern. Runter zur neuen Wende für Runde 2/3. Diesmal noch vor der Kurve am Wasserwerk. Die Zeiten pendeln sich jetzt im Schnitt auf 4:08 ein. Das ist mir immer noch zu schnell. Von hinten kommt ein Läufer in schnellen Schritten angelaufen. Aha, jetzt werde ich langsamer. Er holt mich ein, und ich versuche an Ihm dran zu bleiben. "habe ich mich überpaced, oder bist du zu langsam angegangen ?" frage ich ihn. "war etwas zu langsam am Start". Das beruhigt mich. Also alles noch ok. Die 2. Wende kommt. Ich kann dem Läufer immer noch folgen. Also frag ich mal, was er laufen will. 1:26 will er laufen. Was für Zeiten, so schnell war ich noch nie. Ich bin jetzt erst einmal darauf aus, meine letzte Bestzeit von 1:27:44 zu verbessern. Den Gedanken, einfach nur Sub 1:30 zu laufen, habe ich schon längst vergessen. Heute geht mehr, und ich bin super drauf ! Trotzdem muß ich den Kontakt bei KM 13 zum "1:26 Läufer" abreißen lassen. Ich rufe ihm zu : "lauf du die 1:26, ich versuche meine PB zu verbessern, viel Glück wir sehen uns im Zielbereich". Immer wieder kommen einem bekannte Läufer/innen dank der Wendepunktstrecke entgegen. So kann man sich gegenseitig anfeuern. KM 14 kommt, mal wieder eine 4:06. Also langsamer werde ich nicht, obwohl ich jetzt doch ganz schön zu kratzen habe. Runter von der Bundesstraße auf den kleinen Weg, Becher geschnappt an der Wasserstelle. Überhaupt sind die Versorgungsstellen vorbildlich. Kaum Zeitverlust, keine Drängelei, und keine Qual der Wahl, es gibt nur Wasser. So muß es sein. KM 15 erreiche ich bei 1:01:12. Ein letztes mal die Bundesstraße runter und wieder hoch, dann ist es geschafft. Die neue PB ist zum greifen nahe. Jetzt bloß keinen Fehler mehr machen. Noch 6km, das werde ich doch irgendwie hinbringen, und wenn es nur im 4:15'er Schnitt ist, dann reicht es. Ja sogar beim 4:30'er Schnitt wäre es noch eine Zeit unter 1:30. Wie 1:30 ?? Nix da, heute wird neue PB gelaufen. Es sind noch 6km also weiter so, auch wenn es jetzt weh tut. Das versaue ich mir jetzt nicht. Vorbei wieder an den Trommlern. KM 16 wird eine 3:57 ! Weiter laufen ! Die alte Bestmarke wird heute geknackt ! KM 17 in 4:02. Noch 4 KM, durchhalten. Auf der anderen Seite kommt Gregor schon hoch gelaufen. Der wird eine sensationelle Zeit haben. Wahnsinn ! Nochmal Getränk aufnehmen, ganz geschickt die Wendemarke möglichst kraftsparend nehmen. Nur noch einmal die Bundesstraße hoch dann hast du es geschafft. KM 18 die Uhr zeigt 1:13:18. Jetzt könnte ich im 4:30'er Tempo weiterlaufen und würde immer noch eine neue PB erreichen. Noch 3km jetzt wird das letzte rausgeholt. Da vorne, da läuft ja der "1:26 Mann" ! Dranbleiben, los jetzt. KM 19 kommt, ich drücke auf die Uhr 3:57 ! Der Puls ist inzwischen auf 174/95%, aber das sollte ich doch bis ins Ziel durchhalten können. Jetzt wird es echt eng. Trotzdem werde ich jetzt nicht langsamer machen. Noch 2 KM, kämpfen. Ich höre schon die Trommler. KM 20 Schild kommt die Uhr zeigt 3:58 für den letzten KM. Zum letzten mal runter von der Bundesstraße. Es ist jetzt nicht mehr weit, es wird eine neue PB ! Und es wird unter 1:27 werden, das ist mir jetzt schon klar. Nochmal vorbei an der letzten Wasserstelle. Die Jungs machen noch Späße mit mir, "hier nochmal trinken, damit du erfrischt im Ziel ankommst". Nix da, jetzt wird nichts mehr gesoffen. Volle Konzentration, letzte Energie freisetzen. Jetzt geht es auf die Straße, aber diesmal in Richtung Ziel. Das sind noch geschätzte 500 Meter. Das ist noch so ewig weit weg. Auf jetzt ! alles geben ! So langsam kann ich die Zieluhr lesen. Sie ist noch unter 1:26 ! Komm jetzt, die letzten Meter, das reicht für unter 1:26 ! Das Ziel ist zum greifen nahe. Gleich sind alle Strapazen vorbei. Ja, ich bin durch. Geschafft ! Was für ein Lauf. Ich kann es noch gar nicht richtig fassen. Erstmal trinken. Gregor ist bereits im Ziel. Er hat wohl auch einen sensationellen Lauf hingelegt. Na dann prost mit alkfrei Bier ! Erst jetzt schaue ich auf meine Uhr. 1:25:30 ist meine Endzeit !! Das glaub ich jetzt nicht. Aber es stimmt, denn die Zieluhr hat ja die Bruttozeit gezeigt. Also hat es 12 Sekunden gedauert, bis ich über die Startlinie gelaufen bin. Jetzt wird gefeiert !

Nach dem duschen gleich zur Siegerehrung. Super, Gregor hat es mit seiner 1:23:16 auf den 3. Platz in der AK geschafft. Ja sauber, Glückwunsch ! Und auch für die anderer Lauffreunde gab es neue Bestzeiten. Ein super Tag, bei dem einfach alles gepaßt hat !



Zufriedene Gesichter oben im weissen Shirt : Peter und Gregor, unten : Ole, Michael, Frank

Sonntag, 29. März 2009

18. Eschollbrücker Ultramarathon

Frage : Kann ich mitten im Marathontrainingsplan anstelle des Langen Laufes am Sonntag einen Ultramarathon laufen ?
Antwort : Na klar !

Vorbereitung :
2 Ultras innerhalb von 8 Wochen laufen, ist schon ein straffes Program. Aber 3 Wochen vor dem 2.Ultra noch in Wiesbaden den Lauf auf die Platte zu absolvieren, und die Woche drauf den Wintersteinlauf in Friedberg zu bestreiten, das ist schon mehr als grenzwertig. Soll ich das wirklich wagen ? Na klar ! Was den sonst ! Schließlich winkt ja mit 2 Ultrateilnahmen ein Eintrag in der deutschen Ultra Cup Wertung.
Nach dem guten Ergebnis vom Wintersteinlauf sah ich dem ganzen Vorhaben sehr positiv entgegen. Obwohl immer noch leicht geplagt von Erkältungserscheinungen erholte ich mich recht schnell. Dass man natürlich in den verbleibenden 2 Trainingswochen bis zum Ultra nichts mehr groß reißen kann war klar. Also schraubte ich die Wochenkilometer leicht runter und setzte mehr auf Erholung. In der ersten Woche nach dem Winterstein wurden zum Glück die Leistenbeschwerden besser. Samstags lief ich nochmal einen langen Lauf über 32km. Mit im Lauf war eine 5km Runde vom Eschollbrücker Ultra zum antesten. Alles lief soweit gut. Der Rückweg war dann etwas abenteuerlich, da ich einen mir nicht bekannten Weg wählte. Leider bekam ich am nächsten Tag die Quittung für einen 2km mehr oder weniger unfreiwilligen Abstecher auf Ackerboden/Feldboden. Das Sprunggelenk muckte wieder auf. 2 Monate war alles halbwegs ok, dank Einlagen und Fußgymnastik. Das sind ja beste Aussichten. Und nun ? Wie immer eben. Nur 3 leichte, statt 4 Einheiten. Temposachen ganz weglassen.



Streckenbegutachtung 1 Woche vor dem Wettkampf

Der Plan :
Bestärkt durch das gute Ergebnis vom Winterstein setze ich mir das Ziel Sub 3:50. Das wäre mit einer Pace von 4:36/km machbar. Um vernünftig ins Rennen zu kommen versuche ich mich diesmal an einer 3 Stufen Taktik mit negativem Split.
km 1-3 Pace 4:41
km 4-19 Pace 4:37
km 21-50 Pace 4:35
soweit die Theorie.........
Thomas und Gabi wollten die zurückhaltende Anfangspace mitlaufen um nicht unnötig auf den ersten Kilometern zu überpacen.

Wettkampftag :
Früh aufstehen ist angesagt. Um 9 ist schon der Start. Außerdem klaut uns die Umstellung auf die Sommerzeit nochmal 1 Stunde Schlaf. Ich schaffe es tatsächlich um 5:30 Uhr aufzustehen. Nochmal die letzten Sachen in die Tasche gepackt. Zum Frühstück gibt es Kaffee ein Brötchen mit Honig, Müsli mit Joghurt und Apfel. Trotz der immer noch niedrigen Temperaturen will ich bis auf ein hauchdünnes Langarm Unterhemd in kurzen Sachen laufen. Die Winterkleidung beim Wintersteinlauf hatte mich doch ganz schön ins Schwitzen gebracht.
Heute muß ich nicht fahren, Gabi holt mich wie verabredet um 7:30 Uhr ab. Eschollbrücken ist ja nicht weit weg, und so haben wir um 8:00 Uhr schon die ganzen formellen Dinge mit Startnummer usw. erledigt. Es gibt noch für jeden Starter eine Tafel Nußknacker Schokolade und ein Duschgel (das hat hier schon eine längere Tradition). Die Taschen bleiben einfach in der Umkleide stehen. Alles ist super familiär und einfach gehalten. Man fühlt sich gleich wohl. Es gibt noch etwas Zeit zum plaudern. Wir treffen auf Thomas und besprechen noch einmal die "Bremstaktik" für die ersten Kilometer. Nun geht es raus zum Start. Ich mache es wirklich wahr. Kurze Sachen, wie geplant. Das hauchdünne Langarmshirt verspricht tatsächlich was ich kaum glauben kann. Es hält warm und man merkt es kaum auf der Haut. Prima. Trotzdem nehme ich eine Kappe für den Kopf und Handschuhe. Kappe und Handschuhe kann ich ja bei Bedarf einfach in einer der zehn Runden im Start/Zielbereich auf die Seite werfen.

Start :
81 Ultramarathonläufer/innen stehen bereit für 50km. Alles ist irgendwie locker und entspannt. Los gehts. Vom Sportplatz raus geht es gleich nach rechts. Ein kurzes Stück auf dem Waldweg, dann kommt die Abzweigung nach links auf den Damm. Hier steht schon Gerhard der 1. Streckenposten. Er nennt doch tatsächlich die Leute beim Vornamen. Wie geht das ? Wir haben doch nur eine Nummer. Hoch geht es auf den Damm und gleich wieder nach links. Wo sind denn die Bremsläufer ? Thomas habe ich scheinbar schon verloren. Gabi läuft vor mir. Ich schließe auf, wir wünschen uns einen guten Lauf und ziehe davon. Alle guten Vorsätze vom Start weg über den Haufen geworfen. Ich kann einfach in der Anfangsphase nicht langsam laufen. Das werde ich wohl nie lernen. Jetzt kommt der erste Wert. KM1 eine 4:24. Ein kurzes aber heftiges Gefälle kommt. Gleich darauf geht es wieder langsam hoch auf die normale Dammhöhe. Hier muß man auch ein Stück neben der Autobahn laufen. Jetzt die Dammschniese im Wald. Hier könnte es ab und zu ziehen. Wir verlassen den Damm an der gleichen Stelle, wo wir hochgelaufen sind. Ein kurzes Stück, bei dem Läufer/innen entgegenkommen können. Der Damm ist quasi ein Rundkurs von ca.1800m. Das KM2 Schild kommt, ich drücke auf die Uhr 4:22. So kann das nicht weiter gehen, der Puls ist schon über 160/88%HFmax. Ich muß jetzt Tempo rausnehmen sonst ist der Lauf schneller vorbei, als mir recht ist. Jetzt geht es scharf links, wieder vorbei am genialen Streckenposten Gerhard. Er nennt jeden beim Namen, und hat noch einen aufmunternden Spruch drauf wie, "prima, das läuft gut, sieht sauber aus......." Jetzt folgt ein langes Stück durch den Wald. Mitten drin ein leichter Knick nach rechts. Ich schließe auf eine Gruppe mit Läufern auf und versuche mich deren Tempo anzupassen. Es funktioniert. Am Waldrand vor dem Feld steht wieder ein weiterer interessanter Streckenposten. Zwei ältere Männer lehnen an einem Fahrrad und haben ebenfalls lockere Sprüche für die Ultraläufer übrig. KM3 wird mit einer 4:31 gestoppt. Na bitte geht doch. Auch der Puls beruhigt sich wieder. Das kurze Stück durch das Feld ist nicht sehr angenehm zu laufen. Ein Glück ist es auch bald wieder vorbei. Die Strecke führt jetzt wieder in Richtung Sportplatz zurück. Es geht direkt am Waldrand vorbei. Zur linken schon die Wohngebiete, aber leider kaum Zuschauer. Ein kleiner Abstecher geht jetzt kurz in den Wald rein. Es folgt eine Spitzkehre und auf einem schwer zu laufenden Stück, geht es auf einer Laufspur zurück an den Weg am Waldrand. Das wird sicher schwierig hier zu überholen. Es bleibt nur die Ausweichmöglichkeit durchs Gestrüpp. Weiter am Waldrand folgt KM4 mit 4:30. Immer noch einen Tick zu schnell. Wir nähern uns dem Sportplatz. Um den letzten Kilometer der Runde voll zu bekommen ist auf dem Rasenplatz im Sportgelände ein Kurs abgesteckt der es gilt zu durchlaufen. Mitten drin sind die fleißigen Helfer vom TVS Eschollbrücken-Eich und zählen die Runden jedes einzelnen Teilnehmers. Im Hintergrund hört man ununterbrochen die markante Stimme von Manfred Kraft. Hier ist jetzt richtig was los, und das wird die Läufer/innen Runde für Runde aufheitern. Allerdings merkt man hier gleich, das Laufen auf dem Rasenplatz ist kräftezehrend. KM 5 ist absolviert. Die Uhr zeit 4:34. Vorbei geht es am Verpflegungsstand. Ich habe vorm Lauf kaum etwas getrunken und muß jetzt dringend nachladen. Doch bis ich im Vorbeiflug kapiere wo was steht, ist auch schon der Tisch zu Ende. Mist, jetzt muß es in der nächsten Runde klappen. Die ersten Runde in 22:24 gelaufen. Viel zu schnell, aber jetzt bin ich ja im Rhythmus.

Runde 2 :
Jetzt läuft es wie es sein soll. Im Schnitt 4:34 auf den KM. Ich versuche weiter an der kleinen Gruppe dran zu bleiben. Aber leider wird der Abstand immer größer. Ein paar aus der Gruppe verschwinden schnell zur Pinkelpause, und ich kann nochmal aufholen. Aber bereits auf dem Rückweg zum Sportplatz bin ich wieder eingeholt. Egal, ich ziehe jetzt mein Ding durch. Das hohe Tempo am Anfang war sowie schon nicht sehr geschickt. Außerdem bin ich in meinem Zeitplan mehr als im Soll. Für die zweite Runde benötige ich 22:50. Auf dem Sportplatz sind bereits die ersten 25KM Starter eingetroffen. Jetzt der Getränkestand. Wo ist das Wasser ? Geschafft, endlich Wasser.

Runde 3 :
Auf 10KM 45:16 gebraucht, das ist eigentlich zu schnell für mich. Aber es läuft doch. Die Zeiten in Runde 3 sind wieder ein Tick schneller 4:34, 4:25, 4:30, 4:28, 4:32 macht in der Summe 22:33. Zu schnell, das wird nicht lange so weiter gehen. Aber der Puls bleibt niedrig. Im Schnitt um die 153/84%HFmax rum. Also was spricht dagegen so weiter zu laufen. Außerdem werde ich jetzt noch beim Rundendurchlauf von Michael, Gregor, Christian und Harald die auf den 25km Start warten angefeuert. Danke Jungs, das baut auf. Da macht man doch nicht langsamer.

Runde 4 :
Eine absolute Glückssache mit dem Verpflegungsstand. Diesmal greife ich Apfelsaft. Na super, das bekommt mir ja überhaupt nicht beim Laufen. Egal, rein damit, ich brauche jetzt irgendwas. Auf das es Blähungen gibt. Für den Streckenposten Gerhard, sieht mein Laufstil immer noch gut aus, obwohl ich da langsam anderer Meinung bin. Immer mehr Läufer/innen überrunde ich bereits. Hoffentlich geht die Rechnung auf. Es ist alles nicht mehr so locker wie am Anfang. Durchlauf an der Sportplatztribüne, die 25KM Starter muntern auf. Diesmal schnappe ich mir einen Wasser Becher. Analyse der Runde: 22:44 ; Gesamtzeit nach 20km 1:30:31. Puls weiterhin im grünen Bereich bei 155/85%HFmax. Ich bin jetzt im Vergleich zum Rodgau Ultra schon über 2 ½ Minuten schneller und liege knapp 2 Minuten vor der geplanten Zeit.

Runde 5 :
Dies wird die letzte ruhige Runde werden. Danach kommen die 25km Läufer/innen dazu. Der Plan war, mindestens 1km vor den 25’er zu liegen um nicht unnötigen Überholmanövern und engen Streckenteilen ausgesetzt zu sein. Am Ende dieser Runde werde ich den Gel-Pack mit Wasser runterspülen. Vielleicht bekomme ich den leichten Hänger damit ein bisschen in den Griff. Ich lasse etwas nach. Auch merke ich leichte Probleme am Sprunggelenk. Aber das ist ja nichts neues, und da habe ich ja die Erfahrung gemacht, dass man so was in Wettkämpfen irgendwann ausblendet. Rein in den Sportplatz, Gelbeutel aufgerissen und alles fein runtergeschluckt. Die 25’er scharren schon mit den Hufen, denn bald wird der Startschuss fallen. Jetzt ganz wichtig Wasser nehmen, sonst klappt das nicht mit dem Energie Gel. 25km sind geschafft. Halbzeit, jetzt zählen die KM rückwärts. Wasser im Vorbeiflug am Verpflegungsstand genommen und runter damit.

Runde 6 :
Wieder den Anstieg auf den Damm. Das tut jetzt merklich weh, und ich habe meine Mühe oben wieder in Gang zu kommen. Jetzt werden erstmal Hochrechnungen angestellt. Für 25km habe ich 1:53:34 gebraucht. Die letzte Runde war mit 23:03 etwas schwächer. Aber immer noch ein Schnitt von 4:37/km. Das geht noch, aber die Tendenz zeigt, dass ich dieses Tempo nicht mehr lange halten kann. Auch der Puls ist trotz geringerem Tempo weiter geklettert auf 86%HFmax. Mir wird es warm. Ein Glück habe ich mich für die kurzen Sachen entschieden. Nicht auszudenken, was jetzt wäre wenn ich das Winteroutfit anhätte. Die erste Abschnitt auf dem Damm ist für mich fast vorbei, da sehe ich die ganzen frischen 25’er Läufer/innen den Damm rauf kommen. Jetzt bin ich der Gejagte. Das wird nicht lange dauern, dann haben mich die ersten eingeholt. Geschätzter Vorsprung ca. 1300-1500 Meter. Ich muß zu mindestens versuchen, das augenblickliche Tempo zu halten. Es sind noch weit über 20km zu laufen, wie soll ich das nur schaffen ? Im Rodgau hatte ich einen ähnlichen Hänger, dort bin ich irgendwie wieder in Tritt gekommen. Das muß ich hier jetzt auch schaffen. Und irgendwie auf dem langen Stück durch den Wald erhole ich mich ein wenig. Aber das Stück durchs Feld tut weh. Ich wechsele die Spur, aber es ändert sich nichts. Abstecher in den Wald, direkt an der Holzeule. Hier hab ich noch vor einer Woche total entspannt Fotos gemacht. Auch hier stehen Streckenposten und haben aufmunternde Kommentare für mich. Ich bin jetzt wieder etwas besser drauf, ich glaube der Hänger ist überwunden. Sportplatzdurchlauf kommt. KM30, die Uhr zeigt 2:16:30. Die letzten 5km in 22:56. Also nicht schlechter geworden. Auf jetzt, noch 20km dann ist es geschafft.

Runde 7 :
Noch schnell mit Cola versorgen, so ein bisschen Zucker kann jetzt nicht schaden. Bäh, was ist das denn ? Malz-Bier. Hmmm, ob das was bringt, oder ob es den Magen nur belastet ? Säuft das nicht die Eishockey Nationalmannschaft Kastenweise ? Ich schluck’s runter, 5 weitere KM ohne was, geht jetzt nicht mehr. Ich verlasse den Damm, da läuft Gabi gerade hoch. Hey super, dann ist Gabi gerade mal 1800 Meter hinter mir. Wahnsinn, die ist voll auf Kurs. Ich drücke die Daumen, dass Sie es durchhält.
Die KM Zeiten werden jetzt zu meinem großen Erstaunen sogar leicht besser. 4:34 ; 4:28 ; 4:31 ; 4:32 ; 4:35. Wobei der Puls jetzt weiter steigt, Inzwischen auf 162/88%HFmax. Aber das war klar. Immer mehr Läufer/innen müssen überholt werden. Ganz besonders schlecht ist das auf dem kleinen Trampelpfad nach der Eule. Aber ich möchte auch hier keine wertvollen Sekunden verschenken und überhole im Gestrüpp. Das ist kräftezehrend. Wieder auf den Sportplatz. Ich laufe an der Tribüne vorbei, da höre ich jemanden rufen „auf, ein Platz in der AK winkt“. Wie ? Was ? Bin ich doch so gut auf Kurs ? Jedenfalls habe ich diese Runde in 22:43 geschafft. Die Gesamtzeit steht auf 2:39:13. Das würde ja bedeuten, bei Sub 3:50 fast 1 Stunde 11 Minuten Zeit für 15km. Das ist heute meine Chance. Weiter geht’s.

Runde 8 :
Beim Anstieg auf dem Damm kommt mir Christian entgegen, der trotz heftiger Knieprobleme die 25km auf sich genommen hat. Wir machen schnell „shake-hands“. Super Christian, halte durch ! Es wird immer schwierigen nach dem eigentlich lächerlichen Dammanstieg wieder in den Rhythmus zu kommen. Mir wird jetzt echt warm. Beim nächsten Durchlauf werfe ich erst mal die Handschuhe weg. Nach dem Stück neben der Autobahn sehe ich Thomas auf dem Damm gehen ! Oh nein, was ist denn da los. „Hey Thomas, auf weiter, häng dich dran, nicht gehen !“ Er ruft, „es geht nichts mehr.“ Das kann ich nicht glauben. Er hat sich so gequält im Training. Monatsschnitt bei weit über 400km. Das ist wirklich schade, hoffentlich kann er sich noch mal aufraffen und den Lauf zu Ende bringen.
Auf eine 4:42 bei KM 36 kommt zum Glück gleich die 4:28 bei KM37. Jetzt muß ich am Ball bleiben, blos nicht nachlassen. Vorbei am Streckenposten vor dem Feld. Die zwei älteren Herren sind mir echt sympathisch. Ganz lässig lehnt der eine am Fahrrad. Ich laufe vorbei, da ruft einer der zwei „du bist neunter.“ „ne kann nicht sein“, „doch, doch neunter“. Ja,ja, vielleicht neunzehnter. Das kommt schon eher hin. Das sind doch so viele vor mir gewesen. Das passt nicht. Oder vielleicht doch ? Mal überlegen, also ganz vorne ist ja der Rene Strosny, dann waren da noch so ein paar, die am Anfang abgegangen sind, als wär’s es ein 5km Stadtlauf. Einer von „Passtschon 98“ hat mich in der 2.Runde mit einen, ja fast schon Gazellenartigen Laufstiel überholt. Und natürlich die Gruppe welche mir in Runde 3 enteilt ist. Also es könnte tatsächlich stimmen. Es könnte aber auch nicht stimmen, und außerdem sind noch über 11km zu laufen. Jetzt konzentrieren und zusammenreißen für die letzten 2 Runden, die es mit Sicherheit gnadenlos in sich haben werden. Nochmal durch den Sportplatz, die „Bonusrunde“ auf dem Rasenplatz wird zur Qual. Da helfen auch kaum mehr die Sprüche von den fleißigen Rundenzählern. Weg mit den Handschuhen. Diese werfe ich einfach beim vorbeilaufen an der Tribüne, in die Richtung meines Läuferbeutels. Mal sehen was die Uhr sagt beim 40km Durchlauf. 3:02:04 Gesamtzeit ; also 22:51 für die Runde. Na das ist doch super, jetzt noch 10km.

Runde 9 :
Kaum auf dem Damm, da überholt mich Gregor der auf 25km unterwegs ist, in einer abartigen Geschwindigkeit. Er fragt : „und ? wie lange noch ?“. „noch 10, aber ich bin am Ende“. „Beiß dich durch“ und weg ist er. Nicht zu glauben, ist der gestern Abend nicht noch beim Nightrun mitgelaufen. Wie kann man da heute Morgen so fit sein ? Jetzt kommt der Marathondurchlauf, das ist mal wieder was, wo einen kurz ablenkt von der Qual. Für die letzten 10km habe ich noch fast 48 Minuten zur Verfügung. Ich kann mir jetzt KM Zeiten im Schnitt von 4:48/km erlauben. Aber in diesem Zustand ist eine 4:48 auf den Kilometer so unglaublich anstrengend. Tatsächlich beiße ich mich durch, und schaffe Runde neun mit KM Zeiten von 4:42 ; 4:33 ; 4:40 ; 4:44 ; 4:47. Den Streckenposten rufe ich zu „wir sehen uns noch einmal“. Auf dem „Trampelpfad“ treffe ich noch einmal auf Christian, er zieht trotz Verletzung die 25km bravourös durch, super Christian. Den Marathondurchlauf habe ich ungefähr bei 3:12:20. Das wäre meine 2. beste Marathonzeit. Nicht mal 3 Minuten langsamer als meine Bestzeit. Noch eine Runde, dann bin ich durch. Jetzt noch schnell die Kappe wegwerfen und noch mal ein Getränk nehmen. Aber am Verpflegungsstand ist reger Betrieb. Ich komme gar nicht richtig ran. Ja sind die schon alle fertig ? Nein, die machen Pause. In der Hektik rempele ich noch jemanden, - sorry, das war keine Absicht.

Runde 10 :
Ich quäle mich wieder den Damm hoch, Streckenposten Gerhard feuert mich noch mal an. Die letzte Runde. Jetzt wird nicht mehr aufgegeben. Für das Ziel Sub 3:50 bleiben mir noch 24min26sec. Also ein Schnitt von 4:53/km. Ich komme kaum mehr in Tritt auf dem Damm. Nochmal durch die Schleuse. KM46 ich habe eine 4:58 ! Das darf doch nicht wahr sein, so kurz vor Schluß brech’ ich jetzt ein. Ganz locker bleiben, noch mal das letzte rausholen. Das wäre ja noch schöner. Es geht steil den Damm runter. Es kommt mir vor, als wären die Füße kurz vorm platzen. Wieder hoch. Noch einmal die Damm Schneise durchlaufen. Ich komme mir so langsam vor. Auf jetzt, hast du dafür die ganze Zeit trainiert, um jetzt den Lauf mit über 3:50 zu beenden. Niemals ! Runter vom Damm KM47 mit 4:48. Naja geht gerade noch so. Machs gut Gerhard, du warst super, danke ! Das lange Stück im Wald. Noch 3km, das ist doch eigentlich ein Klacks. Jetzt reiß dich zusammen, in spätestens 15 Minuten ist das Ding hier durch. Immer noch muß man andere Läufer/innen überholen. Jeder Schritt ist jetzt zuviel. Es geht auf das Feld zu. Noch mal die zwei älteren Streckenposten. Macht’s gut Ihr zwei, ihr wart klasse, danke für die Unterstützung. KM48 mit 4:45 absolviert. Jetzt noch 2km. Läppische 2km, die mich echt an die Grenze des machbaren bringen. Ein Glück das Feld ist vorbei. Noch mal rein auf den Trampelpfad. Schon wieder überholen im Gestrüpp. Egal jetzt. Gleich kommt KM 49. Ich kann das Schild schon sehen. Es wird eine 4:57. Nicht nachlassen. Durchziehen. Ich habe für den letzten Kilometer genau noch 4 Minuten 57 Sekunden Zeit. Ziehen wir mal 5 Sekunden vom Start ab, dann wäre ich mit einer 4:50 auf der sicheren Seite. Los, quäl dich. Rein auf das Sportgelände. Ich mobilisiere alles. Versuche die Arme noch mit einzusetzen. Vorbei an den Rundenzählern. Einer ruft : „Ziel hier lang“. Oh, fast hätte ich noch den richtigen Weg verpeilt. Das muß reichen, ich bleibe unter 3:50 ! Ich bin schon auf der Bahn. Das können höchstens noch hundert Meter sein. Ich ziehe noch mal an. Das Ziel ist zum greifen nah. Geschafft. Ja, ja, ja, ja. 3:49:42. Ich hab’s tatsächlich in der geplanten Zielzeit geschafft. Ich kann es kaum glauben. Das ist der Wahnsinn. Über 4 Minuten schneller als vor 2 Monaten im Rodgau.

Völlig neben der Spur, gehe ich zu meinem Läuferbeutel und hole schnell Jacke und Hose zum überziehen gegen die Kälte.

Ich habe mein Möglichstes getan, jetzt heißt es abwarten, was diese Zeit am Schluß wert ist. Vielleicht reicht es zu einer Platzierung in der Altersklasse.
Gregor ist schon im Ziel, er ist die 25km in der Hammerzeit von 1:43:57 gelaufen. Unglaublich ! Jetzt wird sich erstmal über das Ziel Büffet hergemacht. Schokolade, Kekse, Malzbier alles da. Jetzt kommt auch Michael in Ziel. 2:02:48 ist für Ihn eine super Zeit. Glückwunsch ! Nun müßte doch auch Gabi bald eintreffen. Ihr kann heute der ganz große Coup gelingen. Da kommt Sie auch, klasse. Zieh durch die letzten Meter. Sie hat es geschafft. In 4:06:01. Und es hat Sie keine Frau überholt ! Also Gesamt Platz 1 der Frauen !!!! Ja !!!! Das ist nun wirklich der Oberhammer. Super gemacht Gabi !

Duschen, dann ab zur Siegerehrung und zum feiern !
Die Duschen sind wie im Rodgau nur mit kaltem Wasser. Aber das belastet mich heute nicht mehr. Ich packe gerade meine Sachen zusammen, da kommt auch Thomas in die Umkleide. Er hat den Lauf tatsächlich noch durchgezogen. Klasse !
Ich gehe nach draußen, da kommt mir auch schon Gregor entgegen und gratuliert mir zum 2.Platz in meiner AK. Nein, das kann nicht sein. Ich gehe zu den Ergebnislisten. Es stimmt. Jawohl !!!!! 2. Platz hinter Rene Strosny dem Gesamtsieger der Männer. Zum ersten Mal aufs Treppchen gehen….ich bin total happy. Und Greger, ja der hat den 1. Platz in seiner AK über die 25km erreicht. Es ist der Wahnsinn heute. Also nichts wie hin, zur Siegerehrung. Schade dass Christian, Michael und Harald schon nach Hause gegangen sind.



Was für ein geiler Tag ! Gregor, Thomas, Gabi, Frank

Sonntag, 15. März 2009

33.Rund um den Winterstein

Schon im Dezember hatte ich mich für diesen Lauf angemeldet. Eigentlich eine recht sinnvolle Sache für die Mainz Marathon Vorbereitung. Ein 30’er mit 480 Höhenmeter, warum nicht. Was ich damals noch nicht wusste, dass ich im März noch zwei außerplanmäßige Läufe auf dem Programm habe. Eine Woche vor dem Winterstein „auf die Platte fertig los“ der 8,1km kurze, aber knackige Berglauf in Wiesbaden, und 14 Tage nach dem Winterstein noch den 50’er Ultra Lauf in Eschollbrücken. Wie bringt man das unter einen Hut ?
Ich fühlte mich nicht fit. Den Berglauf letzten Sonntag in Wiesbaden bin ich schon mit Erkältung gelaufen. Nach anfänglicher Besserung am Wochenanfang, kam allerdings am Donnerstag die Erkältung zurück. Was jetzt ? Das Donnerstagstraining wurde ersatzlos gestrichen. Stattdessen gab es Schlafeinheiten. Am Freitag dann noch mal vorsichtig 50 Minuten gejoggt. Das ging, aber es war anstrengend. Also habe ich am Samstag auch noch mal auf das kurze Abschlußtraining verzichtet, um alle Kraft für den Lauf am Sonntag zu sparen. Trotzdem wollte ich mich nicht verausgaben, in Anbetracht des anstehenden Ultralaufes in 2 Wochen. Eine Zeit knapp um die 2:20 sollte für diese hügelige Strecke eine gute Leistung sein. Das wäre ein Tempo von 4:40/km.
Am Sonntag morgen fühlte ich mich schon viel besser. Also fuhr ich gut gelaunt nach Friedberg. Lediglich die Frage der richtigen Kleidung, machte mir auf der Fahrt noch Kopfzerbrechen. Es waren fast 10 Grad. Lang oder Kurz, oder Kurz und lang ? Aber auf Grund der noch nicht ganz ausgestandenen Erkältung, entschied ich mich für Lang, so als ob es 0 Grad wären. Auf den Gelpack verzichte ich. Braucht man doch für 30km auch noch nicht. Schließlich habe ich beim Frühstück morgens um 6 Uhr noch ordentlich rein gehauen. Das muß für den Lauf reichen.
Ich bin früh in Friedberg angekommen. Noch gut 1 Stunde Zeit bis zum Lauf. Es ist sehr viel los in der Henry-Benrath-Schule, schließlich gibt es einen 30,10 und 5 km Lauf. Es wird mit weit über 1000 Läufern gerechnet. Trotzdem eine zügige Abwicklung bei der Startnummervergabe. Wie üblich gibt es wieder Kaffee und Kuchen. Einige Stände mit Laufkram sind auch da. Noch ca. 30 Minuten bis zum Start. Ich treffe auf Gabi. Wir plaudern noch ein bisschen, bevor es nach draußen geht zum Start.
Am Start haben sich schon jede Menge Läufer versammelt. Weiter nach vorne gehen ist leider nicht mehr. Also starten aus der Mitte raus. Wertvolle Sekunden vergehen bis ich endlich die Startlinie überschreite. Es gibt absolut kein durchkommen. Viel zu enge Wege und zu groß das Läuferfeld. Es wird gerempelt, überholt im Feld, aber alles hilft nichts. Ich stecke mitten drin fest. Vielleicht ja gar nicht so verkehrt, da überpace ich wenigstens am Anfang nicht, versuche ich mir einzureden. Aber es nervt total. Jetzt kommt auch noch eine Brücke. Da können maximal 4-5 Leute nebeneinander laufen. Ich koche innerlich. Endlich, das Ort Ockstadt ist erreicht. Die Straße wird breiter. Jetzt bin ich nicht mehr zu bremsen. Versuche alles wieder gutzumachen, was verloren ging. Das km 2 Schild kommt. Den ersten km Marker habe ich Dank dem Getümmel nicht gesehen. 9:17 also 4:39/km trotz der Enge. Da waren wir doch schnell unterwegs. Alles im Plan. Die Strecke steigt nun auch etwas an. Aber am Anfang nimmt man das noch locker. Wir verlassen Ockstadt. Es geht jetzt eine lange Straße hinauf Richtung Autobahnbrücke über die A5. Das Feld zieht sich weiter auseinander. km3 mit 4:19 und km4 eine 4:35 trotz leichter Steigung. Überall auf dem Weg liegen tote Frösche herum. Ein Schild weist auf die „Alligator-Action-Farm“ hin. Was es nicht alles gibt. Da passieren wir die Farm auch schon. Von außen keine Krokodille zu sehen. Es geht über die A5. Gleich darauf der erste Verpflegungsstand. Ich lehne hier noch dankend ab. Die Strecke biegt ab nach links. Der Weg verläuft durch den Wald. Allerdings genau parallel zur A5. Man kann gut die Autobahn hören. Mir wird es warm. Die Winterkleidung war wohl doch keine so gute Idee. Jetzt ist es zu spät, was abzulegen. Schwitzen bis zum Schluss :-( . Nun kommt km5 mit einer 5:02. Sehr seltsam ? Da war doch jetzt keine besondere Steigung. Hier stimmt was nicht mit dem Schild. Mein Verdacht bestätigt sich, da andere Läufer sich auch über die schlechte km5 Zeit wundern. Dieser Teil der Strecke ist sehr matschig, und man muss schon aufpassen, dass es keine nassen Füße gibt. Die ersten Steigungen sind geschafft. Jetzt kann man es (lt. Höhenprofil vom asc-marathon-friedberg), locker laufen lassen bis ca. km12. Es läuft gut. Km6 eine 4:17, km7 mit 4:33 und km8 in 4:40. Ein Glück, wir verlassen die Nähe der Autobahn. Immer mal wieder kommen jetzt kleine Teilabschnitte mit leichtem Anstieg. Aber gleich darauf wiederum „Erholungsabschnitte“. Ich schließe bei km9 auf einen Läufer auf. Ich frage kurz : „was willsten laufen ?“. „4:30er Schnitt“. Mehr wird nicht geredet. Ich ziehe weiter und rechne fleißig. 4:30er Schnitt das wäre eine 2:15. Ich bin also schon schneller unterwegs als ich es ursprünglich geplant hatte. Aber 2:15 könnte man doch schaffen….mal sehen. Km 10 kommt mir da als Anhaltspunkt gerade recht. Die Uhr sagt 45:11. Und das mit den jetzt schon gelaufenen Steigungen. Mit einem schnelleren Trainingslauf hat das jetzt nichts mehr zu tun. Ich bin gut dabei. Die 2:15 müßten heute drin sein. Der Verpflegungspunkt kommt. Jetzt muss ich trinken. Ich rufe schon mal „wo ist Iso ohne Kohlensäure“. „Ohne Kohlensäure haben wir nur warmen Tee !“. Na dann halt warmen Tee :-( . Ich muss jetzt trinken. Wer kommt denn auf die Idee mit der Kohlensäure bei einem Lauf ? Das gibt doch nur Probleme. Der Belag wird nun zu Asphalt. Die Steigung nimmt zu. Hatte ich km11 noch mit einer 4:33 genommen, schaffe ich km12 mit Mühe in 4:46. Das wird die gemeine Steigung bis km15 sein. Jetzt wird es ernst. Inzwischen meldet sich auch so ganz langsam meine Leiste und das Schambein. Aber noch kann ich die Probleme „ausblenden“. Zur rechten jetzt ein riesiges Kasernengelände. Der Weg zieht weiter steil nach oben. Brutal. Km 13 in 5:09. Immer wenn man glaubt, es würde ein kleiner ebener Abschnitt kommen, da sieht man auch schon die nächste Steigung vor sich. Hier wird es sich jetzt zeigen. Ich schließe langsam zu einer größeren Läufergruppe auf. Ich versuche mich zusammen zu reißen. Bleib an der Gruppe dran ! Jetzt nicht nachgeben ! Ab und zu pfeift der Wind noch entgegen. Zur Gruppe ist der Anstand leider zu groß um im Windschatten zu laufen. Km14 wird mit 4:59 gestoppt. Gleich hab ich es geschafft. Es sieht so aus, als ob die Strecke nach rechts abbiegt. Dann war es das mit den Steigungen. Ja, so ist es ! Der schlimmste Teil ist hinter mir. Es geht leicht runter. Wir bewegen uns wieder auf Waldboden. Ich bin nun mitten in der Gruppe, die ich bei der Steigung noch als Motivation benutzt hatte. Ich kann sogar überholen. Super ! Ich bin trotz der letzten Erkältungswoche gut drauf. Nur das Zwacken in der Leistengegend macht mir immer mehr Sorgen. Ich wechsele so oft es geht den Untergrund um irgendwie die angenehmste Laufposition herauszufinden. Hoffentlich geht das gut, wenn zum Schluss das Gefälle kommt. Halbzeit, die Uhr zeigt bei km15 die Laufzeit von 1:08:57. Hochrechnung anstellen. OK, das ist jetzt ein bisschen ab von der Zielzeit 2:15, aber der schlimmste Teil ist überwunden. Von jetzt an, kann es nur noch schneller werden. Km16 kommt mit 4:13. So kann es weitergehen. Dann müsste das doch reichen. Die Strecke geht nun hügelig weiter. Aber immer wieder kleine Teile zum verschnaufen. So komme ich dem Ziel Sub 2:15 immer näher. Km17 in 4:17. Noch einmal wird es ungemütlich. Eine längere Steigung zieht sich, aber so schlimm kann es doch nicht mehr werden. Ich bin inzwischen ganz alleine. Dieser KM hatte es in sich. Ich brauche 4:41. Jetzt wieder starkes Gefälle und dann gleich wieder hoch. So geht das jetzt immer weiter bis wir bei km21 am höchsten Punkt der Strecke angelangt sind. Neue Standortbestimmung kommt bei km20. Die Uhr zeigt 1:31:06. Das bedeutet mir bleiben jetzt noch 43:54 Minuten für 10km. Spätestens jetzt müsste doch klar sein, wenn ich hier kein Fehler mehr mache, dann ist die Sub 2:15 locker drin. Aber das Gefälle kommt. Was wird dann die Leiste sagen, wenn jeder Schritt abgefangen werden muss. Es ist alles noch im Rahmen. Ich muss noch kein Tempo rausnehmen. Km21 mit 4:13 geschafft. Jetzt geht’s, mal abgesehen von ein paar kleinen Passagen, nur noch runter. Das merkt man auch in den Zeiten : 3:58 / 3:54 / 3:53. Alles läuft nach Plan. Die Belastung ist groß für die Gelenke. Aber immer noch hält alles. Hoffentlich handele ich mir hier keine Verletzung ein. Kurz nach km24 wieder der Abzweig nach rechts. Es geht ein Stück rauf. Das tut im ersten Moment gut, aber nach kurzer Zeit wird es anstrengend. Ich kann noch eine kleine Gruppe überholen. Jetzt km25, was sagt die Uhr ? 1:51:17 . Das macht genau 23:43 Minuten für 5 KM, größtenteils im Gefälle. Das muss es sein ! Noch mal ne kleine Steigung, vorbei an einer Reihe von fest montierten Pfosten auf dem Weg. Sehr eng, obwohl ich ganz alleine durchlaufe ! Das hätten wir mal am Start haben müssen, denk ich noch. Ich sehe schon den Verpflegungsstand und die Brücke über die A5. Wieder nur warmen Tee bekommen. Aber was soll das jetzt auch. Noch etwas über 4 km. Es geht jetzt fast den gleichen Weg wie am Anfang zurück. Zur rechten wieder die Kroko-Farm. Wieder weiter abwärts. Auch die toten Frösche kleben noch auf dem Asphalt. Das hohe Tempo im Gefälle geht auf die Knochen. Ich versuche mich aufzumuntern. In spätestens 15 Minuten ist das Ding gelaufen. Da bist du im Zielbereich und kannst essen und trinken soviel du willst. Das Gefälle wird wieder angenehmer. Km26 und 27 knapp mit unter 4 Minuten genommen. Rein geht es nach Ockstadt. Gleich ist es geschafft. Noch mal links in die Straße abbiegen. Jetzt kämpfen. Km28 Marke bei 2:03:02 ! Die Sub 2:15 ist keine Frage mehr. Auch wenn es jetzt weh tut und sich schier endlos zieht. Rüber über die abgesperrte Hauptstraße. Kleiner zusätzlicher Knick im Wohngebiet. Raus aus Ockstadt. Man kann Friedberg schon sehen. Jetzt nur noch die kleine Brücke, dann ist es doch geschafft. Diese Brücke zieht sich. Was für eine Schikane so kurz vor Ende. Ich bin oben. Jetzt weis ich auch warum hier eine Brücke steht. Friedberg bekommt ne Ortsumgehung ! Jetzt sehe ich das erst. Das ist mit vor gut 2 Stunden im Gewühl überhaupt nicht ausgefallen. So nun aber noch mal alles geben. Ich höre schon den Sprecher vom Ziel. Es ist nicht mehr weit. Meine Uhr steht auf knapp über 2:10. Was für eine top Zeit. Da fallen die verschenkten Sekunden vom Start gar nicht mehr auf. Ich sehe schon den Zieleinlauf. Die Zeit zeigt noch unter 2:12…..Super. Noch mal anziehen, vergessen sind die Leistenschmerzen. Das hätte ich vorher nicht für möglich gehalten. Jetzt geht es durch den Zielbogen. Die Offizielle Zielzeit ist 2:11:30. Handgestoppt 2:11:11. Das ist ja der Hammer. Besser hätte es kaum laufen können. Schnell noch ein paar Becher warmen Tee getrunken, und die leckeren Bananen vom Bio Runner gefuttert. Geschafft !!!!
Beim Duschen ist es leider genau so eng, wie heute Morgen auf der kleinen Brücke kurz nach dem Start. Ist ja auch kein Wunder, bei so vielen Startern. Wo sollen die denn alle hin. Sogar der Gang vor den Umkleidekabinen ist voll mit Sporttaschen und Läufern. Ungemütlich, aber irgendwie geht es doch.
Ich schaue mir noch mit Gabi die Siegerehrung an, denn Sie hat es schon wieder geschafft. Platz 3 in der AK und Platz 7 in der Gesamtwertung der Frauen. Super ! Herzlichen Glückwunsch. Da kann ich nicht mithalten, bei mir ist es Platz 7 in der AK und Platz 43 der Gesamtwertung der Männer. Aber bei insgesamt 615 Männern die den 30km Lauf bis ins Ziel geschafft haben, da kann man zufrieden sein.
Jetzt heißt es alle Konzentration auf den Eschollbrücken Ultra in zwei Wochen.

Sonntag, 8. März 2009

Wiesbaden - auf die Platte fertig los 2009

Zum zweiten Mal hieß es für mich - auf die Platte fertig los. Der Kult Berglauf auf die Platte im Norden von Wiesbaden. Die Bedingungen für mich waren alles andere als gut. Zum einen stehen noch 2 schwere Wettkämpfe im März aus, und außerdem plagt mich schon seit längerem eine leichte Erkältung. Trotzdem meldete ich mich kurz entschlossen an. Zu allem Überfluß wurde die Erkältung am Tag vor dem Lauf immer schlimmer. Nase zu, Ohren zu, Luftprobleme, Schlappheit. Das volle Programm. Aber keine Anzeichen von Halsschmerzen, deshalb wollte ich auch unbedingt teilnehmen.
Sonntags Morgens mit Mühe und Not aus dem Bett gequält. Tasche gepackt, gut gefrühstückt und ab nach Wiesbaden. Auf der Fahrt ein Honigbonbon nach dem anderen gelutscht, um den leicht rauen Hals zu beruhigen.
Zeitig in der Sporthalle der Johannes Maas Schule angekommen, hab ich mir meine Startnummer abgeholt. Die "333" im Kleinformat gab es für mich. Danke Siegfried, tolle Sache :-) Noch umziehen und ein wenig rumstöbern in den ausgelegten Laufprospekten, und dann geht es runter ins Nerotal zum Start. Es haben sich schon viele Läufer eingefunden und laufen sich warm. Das mach ich jetzt auch. Schließlich geht es gleich in die Vollen, und ich will diesmal keine bleibenden Schäden mitnehmen, wie beim Silvesterlauf in Frankfurt, als ich unaufgewärmt loslief. Das Starterfeld steht bereit. Ich habe mir einen der vorderen Plätze organisiert. Es nieselt leicht, aber noch zum aushalten. Die Temperaturen etwa 5-7 Grad. Los gehts........
Ich habe eine gute Position, kein Gerangel keine Platznot auf den ersten Metern. Es geht leicht ansteigend durch die Parkanlage im Nerotal. Man kann schon die Pfeiler der Nerobergbahn sehen. Raus aus dem Park und schon die erste gemeine Herausforderung. Serpentinenartig geht nun einen sehr schmalen Weg hoch zur Nerobergbahn Gipfelstation. Ein Ansteig von 100 Höhenmetern auf ca. 800 Meter Wegstrecke. Mitten drin in den Serpentinen das KM1 Schild, das neben den gelaufenen Kilometern auch noch die Höhenmeter zeigt, die zu überwinden sind. 4:41 zeigt meine Uhr. Ja bin ich denn bekloppt, hier so schnell anzugehen ? Immer mehr Läufer lassen hier schon abreißen und sind erstmal bedient. Das Feld zieht sich auseinander. Nach 1,5KM bin ich endlich oben. Wir kommen an dem kleinen Tempel vorbei. Hier gibt es einen super Ausblick über Wiesbaden. Vorausgesetzt, das Wetter ist gut, und man ist nach dem ersten Anstieg in der Lage dazu dies auch zu genießen. Heute sind beide Voraussetzungen nicht vorhanden. Ein Blick auf die Pulsuhr sagt alles. 98% HFmax nach 1,5km. Bis KM2 geht es erstmal annähernd eben weiter. Zeit zum verschnaufen. 5:43 meine Zeit für KM2. Bedenkt man doch die 500m vom Serpentinenansteig ist das gut. Die Strecke biegt ab nach links, jetzt ein brutales Gefälle bringt uns wieder ca. 70 Höhenmeter nach unten. Das Hinablaufen ist auch kein Spaß, hier wird man nun mit Bremsarbeit gefordert. Warum geht es überhaupt wieder runter ? Das muß man doch hinterher wieder hochlaufen. Das Tal ist erreicht, es geht langsam wieder hoch. KM3 kommt mit einer 4:24 auf der Uhr. Hmmmm, das hätte ich mir eher schneller vorgestellt, hab ich soviel gebremst im Abwärzstück ? Keine Zeit drüber nachzudenken, es geht sowieso wieder stetig nach oben. KM4 eine 4:14 trotz leichter Steigung ! Da hat es sich doch gelohnt beim Abwärzlaufen ein bisschen das Tempo raus zu nehmen, um neue Kraft zu sammeln. Trotzdem ich bin jetzt schon k.o. , und erst mal die Hälfte geschafft. Die Steigung zieht wieder an. Es wird brutal, überall stehen vereinzelnd Zuschauer und muntern uns auf. Das KM5 Schild will einfach nicht kommen. Habe ich es übersehen ? Nein, da ist es ! 6:23 , oh je ! War das so steil, dass ich hier soviel Zeit verliere ? Oder bin ich einfach schon am Ende ? Es sind doch noch 3km und davon noch 400 Meter Rodelbahn. Wenn ich nur schon oben wäre. Was für eine Qual. War es ein Fehler hier trotz der Erkältung zu laufen ? Jetzt muß ich da irgendwie durch. Es geht ein wenig besser. KM 6 wird eine 5:11. Na bitte, geht doch. Oder hat einfach das Schild von KM 5 falsch gestanden ? Wie auch immer. Es sind noch gut 2km. Es geht wieder steiler nach oben. So langsam versuche ich den Puls zu drücken, will Kräfte sammeln für die Rodelbahn. Es wird zum Glück nochmal ein Stück eben. Letzte Chance zum Luft holen. KM7 in 5:46. Ich kann schon die Abzweigung zur Rodelbahn sehen. Gleich wird es ernst. Ich biege ab und rufe mir ein lautes "auf gehts" zu. Da ist sie vor mir, in voller Länge die Rodelbahn. Etwa 400 Meter lang, 100 Höhenmeter gilt es zu überwinden. Ich weis nicht ob das stimmt, aber es soll eine Steigung von 25% sein. Der unterste Teil der Rodelbahn geht noch, da kann ich im jogging Lauf Meter um Meter zurücklegen. Aber jetzt, wo die Steigung nochmal zunimmt, ist Ende. Der Puls ist am Anschlag, ich kann einfach nicht mehr. Und was viele andere Läufer sowieso schon machen, kann ich auch. Ich gehe die Strecke hoch. Im strammen Schritten ist man da fast genauso schnell wie im Jogging Tempo. Aber blos nicht stehen bleiben. Das wäre fatal.



Der blanke Hass, die Rodelbahn



warum tue ich mir das eigentlich an ?

Es nimmt kein Ende. Vielleicht noch 100 Meter. Oben stehen die Zuschauer und rufen uns zu. Ihr habt es gleich geschafft ! Ja, das beflügelt nochmal, ich jogge wieder leicht den vermatschten Trampelpfad nach oben. Endlich ich habe die Rodelbahn überwunden.
Jetzt vielleicht noch 200 Meter zu Ziel. Immer noch leicht ansteigend. Die KM8 Markierung kommt. 5:48 trotz halber Rodelbahn gegangen, na das ist doch gar nicht schlecht. Die letzten 100 Meter.



nochmal alles geben

Das Ziel kommt. Ja, ich habs geschafft ! Im Auslauf gibt es erst mal Ritter Sport Schokolade, warmen Tee und Gemüsebrühe. Siegfried vom LC Olympia Wiesbaden, den ich aus dem Läuferforum kenne, erwartet mich bereits. Super, das freut mich total. Damit habe ich nicht gerechnet.



Toller Empfang im Zielauslauf, Siegfried vom Orga Team des LCO Wiesbaden

Jetzt schaue ich auch mal auf meine Endzeit. 42:51 ! Das sind ja fast 4 Minuten schneller als letztes Jahr. Viel besser hätte ich es ohne die Erkältung wohl auch nicht machen können. Platz 35 von 220 Startern, ich bin mehr als zufrieden. Der Bus zum Abtransport ins Tal steht schon bereit. Ich will jetzt nur noch unter eine warme Dusche. Ein paar ganz hartgesottene laufen die Stecke runter ins Tal. Nö, das muß ja jetzt auch nicht sein. Unten angekommen geht es wieder in die kleine Schulsporthalle zum Duschen. Gerade mal 4 Duschen für alle Männer, das ist recht knapp. Aber auch das funktioniert reibungslos, wie der gesammte Ablauf der schönen Veranstaltung. Ich schaue mir noch die Siegerehrung bei Kaffee und Kuchen an. Die Platte ist kult ! Nächstes Jahr werde ich wieder dort sein , wenn nichts dazwischen kommt. Jetzt geht es erst mal nach Hause auf die Couch, um die Erkältung zu bekämpfen. Schließlich ist der nächste Wettkampf schon in einer Woche.

Danke an Siggi für die Bilder