Mittwoch, 24. Juni 2009

32.Darmstädter Stadtlauf

Diese 5’er Läufe mag ich eigentlich gar nicht. Nichts wird es mit einer Renneinteilung, oder langsam angehen. Das bringt hier alles nichts. Hier heißt es von Anfang an, laufen was das Zeug hält, und irgendwie diese 5km hinter dich bringen. Warum mache ich dann diesen Lauf überhaupt mit ? Die Erklärung ist einfach. Der Lauf selbst ist einfach klasse. Es geht 3 ½ Runden durch die Darmstädter Innenstadt. Es gibt viele Zuschauer. Die Stimmung ist top. Der Preis von 13€ (incl. Nike Funktionsshirt) ist super günstig. Der Lauf hat eine sehr lange Tradition. Viele behaupten dies wäre „die Mutter aller Stadtläufe“.
Was das Training hierfür angeht, war es diesmal äußert schwierig. Ich hatte gerade das Marathontriple erfolgreich überstanden und versuche die Probleme an Leiste/Schambein irgendwie in den Griff zu bekommen. Ganz lockeres Training ist angesagt. 2 Wochen lang nur easy. Meistens lockere 10-12 KM, und am Wochenende auch mal über 25km. Keine Intervalle oder Tempoläufe. Die Leistenprobleme werden etwas besser, und so traue ich mich sogar am Tag vor dem Wettkampf 4 Steigerungen ins Abschlusstraining einzubauen.
Frühzeitig fahre ich nach Darmstadt. Der Lauf ist erst um 19:40 Uhr. Aber ich muß ja noch Startunterlagen holen, umziehen, Treffen mit Foris usw. Die Startunterlagen gibt es wie immer beim Sport Hübner. Hier kann man nochmal schön nach Laufsachen schauen und plaudern, mit der lokalen Laufgröße Abdel Graine.



Startnummern und T-Shirt Ausgabe beim Sport Hübner

Um 19:15 Uhr gibt es beim Ditsch Bretzel Stand einen kleinen Treff mit Thomas und Dominik (der extra für einen 5’er aus Fulda angereist ist !). Am Startplatz treffen wir noch auf Michael und Sascha. Zum anfeuern sind Gergor und Harald an die Strecke gekommen.
Es ist irgendwie schwülwarm, das warmlaufen reicht mir schon. 19:40 Uhr es wird eng am Ludwigsplatz. Jeder versucht noch irgendwie einen guten Startplatz zu bekommen. Ich starte aus, naja sagen wir mal 4. oder 5. Reihe. 299 Starter dicht gedrängt. Für mich zum letzten mal die „normale“ Klasse. Nächstes Jahr muß ich dann in der Senioren Klasse starten.



Der Start am Ludwigsplatz

Los geht’s! Ich versuche gleich mal in eine bessere Position zu kommen. Alles noch sehr eng. Runter die Elisabethenstraße, vorbei an Karstadt. Das erste Stück führt gleich hinunter zum Luisenplatz. Ab dort werden dann 3 Runden gelaufen. Aber dann mit dem müheseligen Anstieg rauf zur Kuppelkirche. Scharf rechts in die Wilhelminenstraße, zur rechten das Luisen Center. Tolle Stimmung, es läuft. Das Ziel ist auf dem Luisenplatz aufgebaut. Aber dort wird die „3“ hochgehalten, also ab jetzt 3 Runden.



Tolle Stimmung am Luisenplatz

Das Tempo ist brutal, Eine Kurve wird vor dem „langen Ludwig“ gelaufen. Hier steht jetzt Gregor und Harald. Super, mit Unterstützung läuft es doch viel besser. Rein in die enge Passage am Carree. Wieder raus auf den Carree-Platz.



Einlauf ins Carree

Tolle Stimmung, hier ist echt was los. Das ist der Vorteil wenn man Runden läuft. Weiter geht es scharf rechts in die Ernst-Ludwig-Straße, und kurz darauf wieder links, durch die engen Passagen, in Richtung Piazza an der Stadtkirche. Die Stadtkirche vor Augen sofort wieder rechts die gefürchtete Treppe an der Piazza hinauf. Geht doch ! Aber oben angekommen, schon leichte Ermüdungserscheinungen. Durch die überdachte Passage geht es auf die Schulstraße. Scharf rechts und schon kann man den Start am Ludwigsplatz sehen.



Sammelplatz für die Läufer/innen - der Ludwigsplatz

Kurz vorm Startplatz ist der erste Kilometer absolviert. Jetzt bin ich gespannt. 3:38/km. Das ist ja irre ! Das halte ich nie durch. Der Hammer kommt ja jetzt erst. Diesmal geht es nach Karstadt links hinaus zur Kuppelkirche. Der Anstieg läßt sich noch ganz gut nehmen. Aber ich bin froh, als ich am Wendepunkt vor der Kuppelkirche bin. Da muß ich jetzt noch 2 mal rauf ! Das schaffe ich unmöglich in diesem Tempo. Jetzt erst mal ein wenig erholen. Immer gerade aus runter bis zum Luisenplatz. Ein schönes Bild hat man hier vor Augen. Von beiden Seiten feuern die Zuschauer an. Mit erholen wird’s also nichts. Am Ziel wird jetzt die „2“ hochgehalten.



Der Zieldurchlauf, 3x muß man hier durch, bevor man dann in den Zielkanal nach rechts darf

Oh je ! Wie ich diese kurzen Läufe doch hasse. Los zusammenreißen. Die lange Kurve rum auf dem Luisenplatz, und plötzlich steht da ein Arbeitskollege von mir. Ja das gibt es doch gar nicht. Das ist ja super. Ich freue mich, und weiche von der Ideallinie ab, um mich bei Ihm per Handschlag dafür zu bedanken. KM2 zeigt die Uhr mit 3:37/km. Ich weis nicht wie, aber ich habe das Tempo sogar gehalten. Weiter geht es : Carree - Ernst-Ludwig-Straße – Piazza. Wieder die Treppe. Wenn es doch schon die letzte Runde wäre. Wieder mal mitreißen lassen beim Start. Ich lerne es wohl nie. Ein Blick auf den Pulsmesser 177 (97% HFmax). Ich laufe schon am Anschlag. Vorbei am Sport Hübner. Klasse Stimmung. Hier läuft laute Musik. Wieder hoch zur Kuppelkirche. Ich gebe nochmal alles. Anfeuerung von beiden Seiten. Das braucht man hier auch. Ich kann einfach nicht mehr dieses Tempo halten. Auf nochmal bis zur Kirche, dann geht es abwärts. Da kann ich wieder Kräfte sammeln. Fast am Wendepunkt kommt die Zeit für KM3. Immer noch eine 3:45/km. Auf geht’s nochmal runter zum „langen Ludwig“ dann ist es noch eine Runde. Durchhalten ! Das wird eine neue Bestzeit. Ein letztes Mal vorbei am Ziel. Die „1“ wird hochgehalten. Gregor und Harald feuern noch mal mächtig an. Durch‘s Carree geht es weiter. Ich bin total platt. Ich muß diese Runde noch irgendwie packen. Die Stadtkirche kommt, Treppe an der Piazza hochgekrochen.



die gefürchtete Treppe an der Piazza.........

Oben in der Passage bleibt einem fast die Luft weg. Ich komme fast nicht mehr in Tritt. Die Uhr meldet KM4 mit einer 3:52/km. Macht insgesamt 14:52. Die PB ist zum greifen nah ! Ich muß den letzten KM nur noch unter 4min laufen. Vorbei am Ludwigsplatz, Elisabethenstraße runter, noch hoch zur Kuppelkirche. Sofort kommt die Anfeuerung der Zuschauer „auf Frank, es ist gleich geschafft“. Tolle Zuschauer, ich fühle mich fast ein bisschen wie in Luxemburg. Jetzt nicht mehr schlapp machen. Wenn ich die Wende an der Kuppelkirche hinter mir habe kann nichts mehr schiefgehen. Ich quäle mich auf den letzten Reserven hinauf. Die Wende. Jetzt nur noch laufen lassen. Fahrt aufnehmen zum Endspurt. Nochmal alles rausholen. Das Ziel kommt immer näher, zur rechten schon das Luisen Center. Die Uhr zeigt weit unter 19 Minuten. Laufen was das Zeug hält. Die letzten Meter. Jaaaa !!! Geschafft !!!!
Was für ein Stau im Zielkanal. Aber das stört mich nicht. Ich schau mal auf die Uhr. 18:36 !!!! Jaaaaa !!!! Bestzeit. Und ganz ohne Intervalltraining oder sonst irgendwelche Tempoläufe. Ich bin super zufrieden. Gegen den Durst gibt es original Darmstädter Wasser aus dem Wasserhahn. Das gehört hier einfach dazu. Wie soll man auch bei dem geringen Betrag von 13 Euro noch Bier, Bananen und Isogetränke bereitstellen. Das ist schon in Ordnung so. Ich treffe im Zielauslauf auf Dominik, Thomas und Sascha. Nach einem kurzem Zielplausch, schnell trockene Sachen holen und an die Strecke stellen. Den im nächsten Lauf startet Michael und es kommen noch die Eliteläufe.



Stadtlauf gut überstanden Frank und Thomas


Schön war’s wieder in Darmstadt. Auch wenn 5km einfach nur ätzend sind, ich komme nächstes Jahr wieder.

Samstag, 6. Juni 2009

5.RZ-Mittelrhein Marathon

Der 3. Marathon innerhalb von 4 Wochen. Was kann man da noch trainieren ? Was macht Sinn, was ist eher kontra produktiv ? Ich weis es auch nicht.
Die Ausgangslage nach dem Luxemburg Marathon am 23.5.09 :
Müde aber dennoch halbwegs fit. Die Probleme im Bereich der Leiste und Schambein haben sich nach dem Luxemburg Marathon leicht verstärkt, lassen aber reduziertes Training zu. Wade/Wadenbeinproblem scheint komplett verschwunden zu sein.
Nach 2 Tagen Lauf-Pause (nur eine Gymnastik Einheit) steige ich vorsichtig wieder ins Lauftraining ein. Die Leiste macht keinen großen Ärger, aber man merkt es schon. Samstags dann noch mal ein langer Lauf von 25km. Sonntags ein bisschen flotter als sonst, aber nicht zu schnell. Noch 2 lockere Jogging Einheiten am Dienstag und Donnerstag. Fertig ist die Vorbereitung. Insgesamt 87,6 Trainings KM zwischen den beiden Marathon Läufen, und alles recht locker gelaufen.

Samstag 6.6.2009
Heute Abend ist es soweit. Mein 10. Marathon steht auf dem Programm. Es regnet in Strömen. Der Wetterbericht sagt auch für den ganzen Samstag nichts anderes voraus. Es ist ja schön, wenn es nicht zu warm ist, aber im strömenden Regen laufen macht auch keinen Spaß. Ich packe also lange und kurze Laufsachen ein. Bevor es losgeht in Richtung Koblenz, wird noch schnell die Wade und Leiste getaped, vielleicht bringt es ja was. Bisher hatte ich damit nur gute Erfahrungen gemacht.
Abfahrt kurz vor 12 Uhr. Das Wetter ist echt total mies. Ich fahre durch den Taunus nach Koblenz, das Wasser steht teilweise auf den Straßen. Während der Fahrt futtere ich kalte Nudeln aus der Tupperdose. Die Sporthalle am Oberwerth für die Startnummernausgabe läßt sich leicht finden. Eine riesige Halle, in der auch die Marathon Messe stattfindet. Ich hole meine Unterlagen samt Läuferbeutel ab. Ein bisschen klein der Läuferbeutel, um all die Kleidung und Dusch-Utensilien unterzubringen. Aber dafür habe ich meinen schönen großen Läuferbeutel vom Mainz Marathon dabei. Leider kann mir keiner in der Halle sagen, ob ich diesen Beutel überhaupt verwenden darf. Ich werde an das Orga-Team im Zielbereich am Deutschen Eck verwiesen (ca. 4,5km entfernt)! Toll, und jetzt ? Ich versuche einfach irgendwo in der Nähe der Duschen zu parken, dann brauche ich nicht so viel mitzuschleppen, und der original Mittelrhein Läuferbeutel wird dann reichen. Nach einigen Versuchen schaffe ich es tatsächlich ca. 100 Meter von den Duschen entfernt zu parken. Besser geht es nicht. Gut 1km zum Deutschen Eck, ca. 2km zum Hauptbahnhof und natürlich noch 42,2km Marathon zu laufen. Was will man mehr. Ich verweile noch im Auto, und hoffe darauf, dass es endlich aufhört zu regnen. Die Situation wird leider nicht besser und die Zeit drängt. Ich muß zum Hauptbahnhof ! Also die Tüte vom Darmstadt Marathon, welche ich eigentlich für meine nassen Sachen nach dem Lauf vorgesehen hatte, über den Kopf gehalten und die 2 km im strömenden Regen zum Bahnhof gelaufen. Im Bahnhof sind unzählige Läufer versammelt. Wenigstens ist es hier warm. Um 16:30 Uhr fährt der Sonderzug zum Start nach Oberwesel. Vielleicht kann ich mich ja während der Zugfahrt in aller Ruhe schon mal umziehen und die Startnummer befestigen. Irgendwie wird es immer voller, und nichts bewegt sich im Hauptbahnhof. Und auch die Anzeigetafel verstehe ich nicht. Da steht was von Sonderzug nach Oberwesel um 16:51 Uhr. Zur Sicherheit frage ich mal jemanden, der so aussieht als könnte er vom Orga-Team sein. Ja, tatsächlich 16:51 Uhr fährt der Zug ab, und nicht wie ursprünglich angegeben um 16:30 Uhr. Egal, macht ja nix. Reicht doch noch locker von der Zeit.



Wann fährt der Sonderzug ? Orga-Team sagt, keine Sorge, um 16:51 Uhr geht's dann los.

Um 16:40 Uhr begebe ich mich mal Richtung Bahnsteig. Evtl. ist der Zug ja schon da, und ich kann einsteigen. Der Sonderzug ist schon da ! Und er ist proppenvoll ! Nichts geht mehr. Und jetzt ? Ich laufe einfach der Meute hinterher und komme zu einem zweiten Zug (eine normale Regional Bahn). Auch schon sehr voll, aber man kann sich noch „reinquetschen“. Ich gehe einfach rein, denn auch in diesem Zug befinden sich fast nur Läufer/innen. Drinnen frage ich ungläubig, „fährt der nach Oberwesel ?“ Einige rufen „ja, du bist richtig“, andere meinen : „nein, nur bis Boppard“. Was wird denn hier eigentlich gespielt, ich will nur um 18:15 Uhr an der Startlinie in Oberwesel sein. Ein Läufer beruhigt mich : „Ich fahre auch nach Oberwesel, das wird hier ein bisschen länger dauern, aber das reicht noch von der Zeit“. Der eigentliche Sonderzug ist bereits schon weg und endlich setzt sich die Regio-Bahn in Bewegung. Also mit umziehen, oder Startnummer befestigen, das kann man mal komplett abhaken. Trotzdem ist die Stimmung im Zug gut, die Läufer/innen machen Witze und außerdem hat es aufgehört zu regnen ! An jedem popeligen Bahnsteig wird Halt gemacht. Um 17:40 Uhr ist endlich Oberwesel erreicht. Was für ein Chaos, und jetzt noch einen guten Kilometer zum Start laufen, umziehen, Kleiderbeutel abgeben usw. Gabi, Joe und Thomas haben trotz der knappen Zeit am Bahnübergang auf mich gewartet. Super !



Alles klar zum Start : Joe,Frank,Gabi und Thomas
(Foto von http://laufjoe.blogspot.com zur Verfügung gestellt)

Wir laufen gemeinsam zum Start, plaudern schnell noch ein bisschen. Hastig umgezogen, mit nervösen Händen die Startnummer befestigt, Schuhe an, noch mal die Toilette aufsuchen. Läuferbeutel ab in den bereitstehenden Lastwagen, der Sprecher sagt, noch 1 Minute, ich laufe mich quasi zum Start warm und schon geht es auch los. Jetzt muß alles stimmen. Schuh Schnürung etc. Ich kann jetzt nichts mehr ändern.



Gerade noch rechtzeitig am Start
(Foto von www.thomaswenning.de zur Verfügung gestellt)

Los geht es, ich versuche gleich mal in eine bessere Position zu kommen. So viele Marathon Starter/innen sind ja auch nicht unterwegs und die Bundesstraße 9 ist breit. Wenige Überholmanöver später habe ich Platz und auch der Lauf-Rhythmus ist gefunden. Was geht heute noch nach dem Hammer Programm der letzten 4 Wochen. Kann ich die Probleme mit der Leiste ausblenden ? Die ersten 3 KM laufen trotz leichtem Gegenwind recht gut 4:26,4:14,4:04. Auf der anderen Rheinseite kann man die ganze Zeit die Loreley und Burg Katz bewundern. Das Wetter ist für die Sehenswürdigkeiten am Rhein nicht optimal, aber dafür zum laufen umso besser. KM 4 laufe ich in einer Gruppe in 4:20. Ich ziehe der Gruppe davon und laufe weiter in 4:10, 4:12 und KM 7 auch in 4:12. Das ist ganz schön anstrengend, zumal der Gegenwind eher zunimmt. Aber mal ehrlich gesagt. Ich muß solche Zeiten laufen, will ich mir die minimal Chance auf ne Sub 3:00 offenhalten. Klar ist mir schon, dass dies eigentlich total unmöglich ist, aber ich kann ja mal so weiterlaufen bis zur HM Marke, dann wird sich zeigen in wie weit ich den Schnitt halten kann. Ehrlich gesagt, läuft das nicht so locker und leicht wie in Mainz vor 4 Wochen, und am liebsten würde ich jetzt schon gerne einen Gang zurück schalten. Wir durchlaufen St.Goar. Das Zuschauerinteresse an der Strecke ist leider sehr dürftig. Hier ist kaum was los. Aber was will man auch erwarten, bei diesem Wetter. Raus aus St.Goar richtet man gleich den Blick auf die Burg Rheinfels zur linken, und Burg Maus auf der rechten Seite über den Rhein. Ich lasse ein wenig mit dem Tempo nach. 4:19,4:20,4:18 sind die folgenden Zeiten bis KM10. 42:39 auf 10km. Das wären 9 Sekunden zu langsam für die Sub 3:00. Ich bin einfach nicht frisch genug um so was jetzt durchzuziehen. Dann der Wind noch dazu. Ich ziehe trotzdem noch mal an, um auf Kurs zu bleiben. Mit 4:12, 4:25 und 4:12 auf den jeweiligen Kilometer geht es weiter. Die Ortschaft Hirzenach wird durchlaufen. Inzwischen hat sich doch jemand in meinen Windschatten gemogelt. Sehr clever macht er das. Geht jede Richtungs und Tempoänderung mit. Ich gehe zur Seite, er geht mit. Ich werde langsamer, er wird ebenfalls langsamer. Also so geht das nicht, jetzt bist du mal dran, mit Pace machen. Nix zu wollen. Er geht einfach nicht nach vorne. KM 14-16 laufe ich in 4:12,4:23,4:18. In Bad Salzig folgt mir der Typ sogar zum Versorgungsstand.



Vorbildlich sind die Versorgungsstationen, wer da zu kurz kommt ist selber schuld !
(Foto von www.thomaswenning.de zur Verfügung gestellt)

Jetzt wird’s mir zu blöd. Egal was das jetzt für ne Kraft kostet, den häng’ ich ab. Ich ziehe kurz an, der Puls geht hoch bis 173 (95% HFmax). Abgehängt ! Das war’s mir wert. So muss ich mich nicht länger ärgern, und kann auf der anderen Rheinseite die Burg Liebenstein und Burg Sterrenberg bewundern. Trotz des kleinen Zwischenspurts wird KM 17 nur eine 4:13. KM 18 und 19 folgen mit 4:21/4:11. Rein geht es in das Städtchen Boppard. Hier wird die Stimmung bedeutend besser. Entlang am Rheinufer, vorbei an Hotel und Cafes. Es gibt es auch eine Passage mit Gefälle zum kurzen Verschnaufen. Das erste Gel wird nun runtergedrückt kurz vor KM 20. Hier kommt dank der Zuschauer eine kleine Euphorie auf. Ich laufe eine 4:15/km und für KM21 ne 4:19. Der Halbmarathondurchlauf kommt. Aber vorher muß man noch eine nicht unerhebliche, kurze Steigung, hinauf auf die Bundesstraße, hinter sich bringen. Zu meiner Überraschung steht da doch tatsächlich Klaus Hafner (auch bekannt als Stadion Sprecher vom Mainz 05) mit dem Mikrofon in der Hand und feuert die Läufer an. Kaum hat er meinen Namen ausgesprochen, da rufe ich ihm zu „hallo Klaus“. Etwas verwundert ruft er zurück „Grüss dich“. Das sind die kleinen Dinge, welche einem kurzzeitig von den Qualen ablenken. Jetzt mal die HM Zeit checken. 1:30:07 ! Ja ich bin noch auf Kurs zur Sub 3:00 ! Wär hätte das gedacht. Aber jetzt kommt ein endloses Stück, das ich fast schon alleine laufen muß. Ab und zu mal jemand von der Marathon Staffel, aber sonst nix los. Keine Zuschauer, keine Ortschaft. Das wird sich jetzt endlos ziehen bis Spay. Ich beiße die Zähne zusammen. KM23 - 4:19, KM 24 – 4:18 und KM25 sogar 4:10 ! Das sind noch über 17km und ich müsste ja mal ein paar KM wenigstens konstant unter 4:15 laufen um noch irgendwie eine theoretische Chance für die Sub 3:00 aufrecht zu erhalten. Es geht einfach nicht mehr. Ich bin total platt. KM26 in 4:18 und KM27 in 4:23. Inzwischen sind wir in Spay, und die Leute hier machen gute Stimmung. Ich versuche noch mal alles um eine vernünftige KM Zeit zu erreichen. Vergeblich. KM28 schaffe ich noch in 4:17. Bei KM29 dann die Ernüchterung 4:29 ! OK, da war jetzt auch ne kleine Steigung zu nehmen, aber bei allem was recht ist, ich muß mich jetzt endgültig von der verrückten Vision der 2:59:59 verabschieden und zusehen, dass ich irgendwie diese 13 KM noch schaffe, ohne komplett einzubrechen. Wieder Bundesstraße, aber mehr Läufer/innen. Sind das jetzt tatsächlich schon die ersten Halbmarathonies ? Muss wohl so sein. Zur rechten gibt es jetzt die Marksburg zu sehen. Das Örtchen Brey und Rhens kommt näher. Der Weg geht noch mal ab von der Bundesstraße durch die Fußgängerzone. Das Kopfsteinpflaster tut weh, aber der Beifall der Zuschauer tut gut. Ich habe mich inzwischen darauf beschränkt irgendwie anzukommen mit einer respektablen Zeit. Ne Zielzeit von 3:05-3:09 wäre bei meiner jetzigen Verfassung schon sehr zufriedenstellend. Eine Sub 3:05 wäre fast schon sensationell, aber das will ich jetzt unbedingt erreichen. KM 30 und 31 nehme ich in jeweils 4:31. Da ruft doch jemand der Zuschauer : “auf noch 10km !“ ja schön wär’s, es sind noch über 11km und ich kann einfach nicht mehr.



Der Marathon hinterläßt seine Spuren
(Foto von www.thomaswenning.de zur Verfügung gestellt)

Raus aus Rhens, jetzt geht es wieder hinauf. Das sind im Normalfall nun wirklich keine schlimmen Steigungen, aber jetzt kommt mir das vor als wäre es ein Berglauf. KM32, die Uhr sagt 2:17:43. Noch 10km zu laufen. Jetzt rechnen, für Sub 3:05 bleiben mir noch 46 Minuten 16 Sekunden übrig für 10km. Und dann hätte ich noch 1 Minute für die letzten 200 Meter. Macht einen KM Schnitt von 4:38/km. Puh, das wird verdammt schwierig. Auf der anderen Rheinseite kann man noch die Martinsburg und Burg Lahneck bewundern. Aber das heitert mich jetzt nicht mehr auf. Ich muß jetzt den besagten KM Schnitt halten. Das ist jetzt meine Herausforderung. Jede Zeit über 3:05 würde jetzt einer Niederlage gleichkommen, nachdem ich so gut unterwegs war. Immer mehr Halbmarathonies auf der Straße. KM33 wird ne 4:35. Jetzt nicht nachlassen ! KM34 zum Glück wieder ne 4:26. Noch 8 endlose Kilometer. Es wird jetzt ne echte Qual. Da muß ich jetzt durch. Hirn ausschalten und nur noch laufen. Immer wieder geht es leicht hoch und runter. Oh je, jetzt kommt der K.O. KM 36 stoppe ich mit 4:38. Meine Güte zusammenreißen, kämpfen für die Sub 3:05 ! Ich kann die Königsbacher Brauerei schon sehen. Eine Blaskappelle spielt davor. Sehr schön, da ist noch mal was los. KM37 wieder eine 4:32. Noch 5 km, ich muß es jetzt durchziehen. 5km, wie beim 3x5000er Intervalltraining im Marathontempo. Los der letzte Intervall kommt jetzt. Auf geht’s ! Es wird immer schlechter 4:42 für KM 38. Zu allem Unglück bekomme ich jetzt schlimme Schmerzen in der Leistengegend. Die ganze Zeit ging es, und jetzt so kurz vorm Ziel. Es muß jetzt irgendwie halten bis zum Schluss. Jetzt steigt die Strecke auch noch an. Koblenz ist nun erreicht, wir sind ganz in der Nähe von der Halle am Oberwerth, wo ich heute Mittag noch die Startunterlagen geholt habe. Jetzt gibt es auch wieder ein paar Zuschauer. KM 39 wird die schlechteste Runde mit 4:51. Die Leiste schmerzt, die Füße kochen, die Reserven sind längst aufgebraucht. Ich schnappe noch mal nach Cola am Versorgungsstand. Diese letzten 3 KM muß ich jetzt schaffen. 2:50:06 stand auf der Uhr. Das würde bedeuten ungefähr ein KM Schnitt von 4:39. Die Zuschauer machen mir Mut. Ich muß jetzt wirklich alles in die Waagschale werden. Endlich KM40 kommt. 4:33, ok das passt. Weiter so. Noch 2 KM. Die Leute hier sind jetzt echt gut drauf und beflügeln mich. Die Leiste zieht und zieht. Jetzt habe ich es so weit geschafft, da wird das auch noch 2 KM gut gehen. Ich überquere den Friedrich-Ebert –Ring, dahinter ist doch schon die Fußgängerzone. Jetzt muß doch gleich die 41 kommen. Da kommt das erlösende Schild. 2:59:20 steht auf der Uhr. Das werde ich jetzt schaffen. Abzweig zum Rhein runter. Ich hab das Ufer erreicht. Wieder links rum auf's Konrad Adenauer Ufer. Ein Zuschauer ruft :“Ihr habt es gleich geschafft, die Zeit ist doch egal, Hauptsache ankommen“. Waaassss ??? Die Zeit ist für mich im Moment das Wichtigste ! Ich sehe schon den Einlauf vom Deutschen Eck. Das Kaiser Wilhelm Denkmal. Das KM 42 Schild erscheint. Jetzt sind es noch 200 Meter. Ein letzter Blick auf die Uhr 3:03:50 ! Jaaa, das nimmt mir keiner mehr. Das langt locker. Ich kann jetzt schon feiern. Der Zielbogen kommt. Wie geil, ich hab’s gleich. Geschafft !!!!!



Für die späteren Finisher gibt es brennende Kerzen im Zieleinlauf
(Foto von www.thomaswenning.de zur Verfügung gestellt)

Mann oh Mann, das war jetzt echt ne brutale Aktion, aber ich habe es geschafft. 3:04:41 ist meine offizielle Endzeit. 3. Marathon in 4 Wochen gelaufen ! Und nirgends geschont ! Geradeaus laufen kann ich auch noch, ohne zu hinken. Also auf zum Zielbierstand. Jetzt wird gefeiert !
Aber ehrlich gesagt ist es saukalt und ich ziehe es vor, mich erst einmal um meinen Läuferbeutel zu kümmern, um an trockene Sachen ran zu kommen. Ein Glück steht in der Nähe der Läuferbeutelausgabe ein kleines Zelt. Ich weis nicht wofür das Zelt gut ist, aber da drin stehen Bänke und man ist windgeschützt. Ewig dauert die umzieherei. Ich schaffe es kaum die Strümpfe aus zu bekommen. Mit halbwegs trockenen Klamotten geht es wieder raus. Da kommt auch schon Gabi freudestrahlend angelaufen. Sie hat doch tatsächlich den 3. Gesamtplatz der Frauenwertung erreicht. Das ist ja wirklich unglaublich ! Super Gabi ! Glückwunsch ! Wenn ich mir jetzt noch überlege, dass Sie direkt aus dem Urlaub an den Start gefahren ist, eigentlich kaum bis gar nicht trainiert hat, und seit ein paar Wochen mit dem Knie und Sprunggelenk Probleme hat. Da fällt mir echt nichts mehr ein. Was für eine Leistung. Also jetzt schnell duschen und zurück zur Siegerehrung ! Jetzt kommt auch Thomas, er strahlt ebenfalls. Mit seiner Zeit von 3 Stunden 18 Minuten ist er hoch zufrieden. Na dann gibt es ja einiges zu feiern im Biergarten. Fehlt nur noch Joe. Er ist am nächsten Wochenende in Biel am Start und wollte deswegen nicht ganz so schnell laufen. Die Duschen sind leider etwas über 1km vom Deutschen Eck entfernt. Es dauert also eine ganze Weile, bis ich wieder frisch geduscht am Deutschen Eck eintreffe. Tja, und dann kommt der Hammer. Die Siegerehrung war schon ! Selbst Gabi, die sich sehr beeilt hat, hat davon nichts mehr mitbekommen. Auch die 1.Plazierte der Frauen ist zu spät erschienen. Was soll man davon halten ? Irgendwie passt es in das gesamte Bild dieser Veranstaltung. Ab und zu kommen immer noch ein paar Läufer/innen durch das Ziel gelaufen. Leider gibt es kein Zielbier und keine Riegel mehr für die späten Finisher. Die Stände werden gerade abgebaut. Wirklich schade, dass es jetzt so enden muß. Im Biergarten ist auch schon Schluß. Joe und Thomas sind bereits schon auf dem Heimweg. Es wird leider nichts mehr mit der kleinen Feier. Ja dann, wenigstens noch ein alkfreies Bier vom offiziellen Bierstand. Aber auch das wird nichts mehr. Das alkfreie Bier ist bereits leer ! Nun ja, was soll’s – ab nach Hause !
Erst am Montag Nachmittag gibt es endlich die offiziellen Ergebnislisten mit Netto Zeiten. Für mich am Ende Platz 26 der Gesamtwertung, und Platz 4 in der Altersklasse. Also das ist unterm Strich eine super Leistung. Ich bin total zufrieden. Und die Sub 3:00 kann ich im Herbst nochmal gezielt angehen, dann wird es klappen !

Danke an www.thomaswenning.de und http://laufjoe.blogspot.com für die Fotos

Samstag, 23. Mai 2009

4.ING Europe Marathon Luxembourg

Der 2.Marathon innerhalb von 13 Tagen. Wie kann ich das am besten regeln ? Einerseits Erholung vom Mainz Marathon, zum anderen lockeres Training für den Luxembourg Marathon, um für die nächsten 42,2km einigermaßen fit zu sein. Aber diesmal ging es ja nicht darum volle Pulle zu laufen. Ich will mich zurück halten, um auch beim 14 Tage späteren Mittelrhein Marathon noch eine gute Zeit zu erreichen. Der Mininmalziel war unter 3:30 zu laufen, und einfach mal den Marathon genießen. Das Trainingprogramm hatte ich drastisch runter gefahren. Zwischen den zwei Wettkämpfen bin ich 5 Einheiten mit insgesamt 78km gelaufen, alles locker, ein langer Lauf von 29km war auch dabei. Einigermaßen erholt fühle ich mich nach dem letzten Training. Keinerlei Probleme. Daher mache ich mir insgeheim Hoffnungen auf eine Zeit unter 3:20.
Am Wettkampftag dann die schwierige Frage mit dem Essen. Start war Abends um 18 Uhr. Ich hatte schon unter der Woche ordentlich Nudeln gefuttert. Das Frühstück war am Samstag wie immer mit Brötchen und Müsli. Für die Fahrt nahm ich noch 2 Bananen, Brötchen und fertige Nudeln in der Tupperdose mit.
Kurz vor 12 Uhr geht es endlich los in Richtung Luxemburg. Schon während der Fahrt zeigt das Thermometer teilweise bis 27 Grad an. Es ist total warm im Auto. Zum ersten Mal in diesem Jahr schalte ich ab und zu die Klimaanlage ein. Mir läuft echt der Schweiß runter. Was für tolle Bedingungen um einen Marathon zu laufen. Während der Fahrt greife ich immer wieder in die Tupperdose mit den Nudeln. Endlich erreiche ich die Elzbachtalbrücke an der Grenze zu Luxemburg. Ich werde total euphorisch, drehe die Musik laut, und freue mich einfach nur auf den Marathon. Jetzt nur noch ein kleines Stück und ich bin da. Gleich mal den P+R Parkplatz am Kirchberg angesteuert. Von hier aus fahren die Shuttle Busse zur Coque (das riesige Sport/Freizeitzentrum in Luxemburg). Ich packe die nötigsten Dinge in meinen Läuferbeutel und los geht’s zur Coque.



Vor der Coque trohnt der Löwe des Hauptsponsors

Jetzt erst mal die Startunterlagen organisieren. Nun in aller Ruhe umziehen. Dazu gehe ich in die Halle und kann schon mal den Zieleinlauf bestaunen. Also wenn ich dort unten durchlaufe, dann hab' ich es geschafft.



Spätestens gegen 21:30 Uhr werde ich da durchlaufen !

Ich gehe noch mal das Höhenprofil durch. Von Berichten, und Luxemburg erfahrenen Läufern, wurde ich vor dem ständigen auf und ab gewarnt.



das Höhenprofil, welches mir noch ganz schön zusetzen wird.

Jetzt geht es nach draußen. Um 17 Uhr will ich mich mit ein paar Lauffreunden am Haupteingang de Coque treffen. Tausende von Menschen. Ich glaube mit dem Treffen, das wird schwierig. Doch da, Norbert ist da. Super, wenigstens einer. Wir plaudern noch ein bisschen und dann geht es runter zum Starterblock.



noch bester Laune vor dem Start : Norbert aus Belgien und Frank

Schnell den Läuferbeutel noch abgeben. Letztes mal ins Dixie Häuschen, und rein in den Block. Das Wetter ändert sich jetzt zum Glück. Es wird kühler und die Sonne verschwindet. Ich treffe zu meinem erstaunen doch ein paar Läufer aus Wiesbaden und Darmstadt im Starterblock. Doch die meisten laufen nur den Halbmarathon. Diese Läufer/innen haben auf Ihren Rücken noch eine zusätzliche "21". Das finde ich mal eine gute Sache. So weis man gleich Bescheid. Tolle Stimmung im Block, viele Franzosen, aber auch die Deutschen sind stark vertreten.
18 Uhr - Los geht's
Vom Start weg geht es gleich rechts rum in den Stadtteil Kirchberg. Die Strecke steigt an. Trotz hoher Teilnehmerzahl (das Teilnehmerlimit wurde schon vor Wochen erreicht) wird man kaum ausgebremst. Die Kontrolle am Blockeingang scheint gut funktioniert zu haben. Nach 3 KM erreichen wir die höchste Stelle der Strecke beim Sender RTL. Meine min/KM Zeiten bis dahin gut im Plan 4:42,4:35,4:29. Leicht abwärts geht es nun wieder zurück zur Coque. Schon wieder macht eine der zahlreichen Samba Gruppen Stimmung. Hier wird echt was geboten. Wir erreichen die Avenue J.F.Kennedy. Vorbei am Startplatz und an der Coque. Jetzt Wendepunkt und wieder am Start und Coque vorbei. Links hoch wieder zum Stadtteil Kirchberg. Was für ein Durcheinander....Zeiten jetzt um die 4:20/km. Die Strecke steigt wieder an, und bei KM 7,2 geht es wieder runter. Wir durchlaufen eine Parkanlage hinter der Coque. Hier ist jetzt gute Stimmung von den Zuschauern. Auf einem Felsen sitzt ein riesiger, aufgeblasener Löwe vom Hauptsponsor des Luxembourg Marathons. Die Strecke macht einen Bogen und läuft wieder zurück zur Coque. Endlich auf der Avenue J.F.Kennedy welche direkt in das Zentrum führt. Es geht mächtig abwärts von KM9 bis KM11. Dumm ist nur, das müssen wir zum Schluss bei KM 37-40 auch wieder hoch laufen. Ich merke den Mainz Marathon ganz schön, und die ständige bergauf/bergab Strecke macht einem auch nicht gerade frischer. Jetzt kommt KM10 und damit eine erste Messlatte. Mal sehen...44:02. Logischerweise nicht so schnell wie in Mainz, aber mit einem Genuslauf hat das auch nichts zu tun. Es sieht mal wieder so aus, als wäre der Vorsatz langsam laufen, völlig ignoriert worden. Inzwischen bekomme ich auch leichte Probleme mit der rechten Leistengegend. Aber wenn wundert’s, nach diesem Programm ? Die rechte Wade hatte ich bereits heute Morgen mit einem Kinesio-Tape abgeklebt. Das hat in Mainz gut funktioniert, also wird es hier auch helfen. Es geht nun über die Brücke der Alzette, dem kleinen Fluß in Luxemburg. Unter uns der Stadtteil Pfaffenthal. Wunderschöner Blick hinunter ins Tal. Vor uns die Kulisse der „Centre-Ville“ und rechts das „Grand Théâtre“. Es geht auf den Roundpoint Robert Schuman zu, die Strecke biegt nach rechts ab. Hier wird es jetzt absolut gigantisch. Die Zuschauer haben für die Läufer eine Gasse gebildet. Es gibt hier jetzt ca. 1 – 1,5 Meter Platz in der Breite. Rechts und links von mir total begeisterte Zuschauer. Es ist der Wahnsinn. Bilder wie man Sie nur von der Tour de France kennt. Und ich mittendrin ! Von allen Seiten kommen die Anfeuerungsrufe „Allez Frank“ oder „Allez Fronck“. Mir läuft es eiskalt den Rücken runter. Was für eine Atmosphäre. Jetzt geht es wieder leicht berauf in den Stadtteil Limpertsberg. Auch hier super Stimmung. Überall sind die Menschen auf der Straße und feiern. Selbst organisierte Partys vor den Häusern. Eine La-Ola Welle nach der anderen. Ich kann es nicht fassen, was hier los ist. Schon wieder eine Blasmusikkapelle. Insgesamt 39 Live-Acts gibt es an der Strecke. Ich entdecke das KM 12 Schild. Jetzt mal schnell checken, wie es läuft. Gut läuft es ! Die letzten beiden KM habe ich mit einer Pace von 4:21 absolviert. Aber das hoch und runter laufen macht mich platt. Vorbei an der Portugiesischen Botschaft. Es geht weiter rauf. Plötzlich ein ziehen im hinteren linken Oberschenkel. Mist, was ist das jetzt. Nicht drüber nachdenken, weiterlaufen. Der höchste Punkt des Abschnittes in Limpertsberg ist bei KM 14, in der rue Jean Pierre Beicht, erreicht. Ein Glück es geht runter auf den großen Platz „champ du Glacis“. KM 15 passiere ich bei 1:05:15. Ich bin dem eigentlichen Plan weit voraus. Aber mir ist klar, der 2. Streckenabschnitt wird fast nur bergauf gehen, und der Mainz Marathon macht sich immer mehr bemerkbar. Aber von langsamer machen keine Spur. Dieses tolle Luxemburger Publikum hat es verdient, dass ich alles gebe ! Auf dem „champ du Glacis“ ist ein riesiger Heißluftballon aufgebaut. Der Platz wird fast umrundet, vorbei an einer der zahlreichen Versorgungsständen. Hier fehlt es an nichts. Die Stationen sind gut erreichbar und die Tische lang. Ich bleibe anfangs noch bei Wasser. Es gibt aber auch eine Art Isogetränk, Orangen, Bananen, klein gedrückte Müsliriegel und später kommt auch noch Cola dazu. Die Helfer stehen rufend mit den Getränken parat. So muß es sein, klasse ! Rein geht es in den Stadtpark. Auch hier die Rasenflächen voller begeisterter Zuschauer. Im Park geht es an der „Villa Vauban“ vorbei. Hier war bis 2005 die städtische Kunstgalerie beheimatet. Wieder raus aus dem Stadtpark geht es in Richtung „Centre-Ville“. Meine Güte, was ist den hier los. Welch eine Begeisterung. Die Menschen sind press an den Absperrungen. Von allen Seiten strecken Kinder Ihre Hände zum abklatschen in Richtung der Läufer. Es ist so geil ! Ich schwebe förmlich auf dieser Euphoriewelle. Da ist es klar, dass ich KM18 sogar mit einer 4:11 laufe. Ich bin so beeindruckt von dieser Begeisterung. Ich möchte mich am liebsten bei jedem einzelnen dafür bedanken. Ich bin nur noch am applaudieren und halten den Daumen nach oben für dieses Publikum. Nun muß ich aufpassen, dass ich die Abzweigung für den Marathon nicht verpasse. Bei 18,3km wird getrennt. Aber ich hätte es mir ja denken können. Auch das ist bis ins kleinste Detail vom Orga-Team sehr liebevoll hergerichtet. Zwei große Bahnen sind nebeneinander aufgebaut. Schilder weisen den richtigen Weg. Zusätzlich stehen in der Mitte der beiden Bahnen auf Podesten freundliche Helfer mit großen, runden Schildern in der Hand und weisen mir den Weg. Das Ganze sieht aus wie auf der Landebahn eines Flughafens. Einfach nur toll ! Da ist es kein Wunder, dass die „Lotsen“ mit T-Shirts von Luxair ausgestattet sind. Damit nun auch wirklich nichts mehr schief läuft, steht am Ende der „Einflugschneise“ noch ein Helfer und ruft mir noch mal zu „Marathon“ und zeigt in die Richtung. Jetzt sind keine Läufer mehr bei mir. Ich bin fast alleine. Wie immer. Der Großteil läuft eben nur den Halben. Das tut aber meiner Stimmung keinen Abbruch. Ich laufe durch eine überdachte enge Einkaufspassage. Zur Rechten ein Schokoladen Feinschmecker Laden. Ich sehe die leckeren Pralinen und Schoko Tafeln. Schon denke ich an das große Fressen im Zielauslauf. Aber bis es soweit ist, liegen noch über 23KM vor mir. Es geht leider raus aus der Innenstadt, und wieder ein kleines Stück durch den Stadtpark. Im Park vorbei an der „Villa Louvigny“ dem ehemaligen Hauptsitz von Radio Luxembourg, dessen Sitz jetzt im Europaviertel auf dem Kirchberg ist. Nach dem Stadtpark geht es auf die „Route D’Arlon“. Im Hintergrund kann man bereits dir Flutlichtmasten vom Fußballstadion „Stade Josy Barthel“ sehen. Aber kurz vor dem Stadion biegt der Weg nach links in den Stadtteil Belair. KM19 kommt und die Uhr zeigt 1:23:12. Der Puls ist bei 167 (91%) angelangt. Ein bisschen zu hoch. Ich muß mich jetzt echt mal bremsen. Der 2. Abschnitt wird wirklich hart. Auch wenn vereinzelnd hier jetzt noch ein paar Zuschauer stehen, ist dies doch ein trostloser Teil dieser Strecke. Ich bin gespannt auf die Zeit bei der Halbmarathon Marke. Zwischendurch mal ein Gelpack reingedrückt. Mein Magen und Darm fühlt sich nicht besonders gut an, aber ich brauche das Zeug jetzt. Es hilft doch nichts. KM20 und 21 je mit 4:31 genommen. So jetzt aufgepasst, HM Zeit ist 1:32:41 ! Bin ich verrückt ! Das kann ich nie und nimmer durchhalten. Einfach weiterlaufen und nicht drüber nachdenken. Zurück durch „Belair“ geht es wieder Richtung Innenstadt. Die Begeisterung an der Strecke wird mehr. Vorbei am „Place W. Churchill“ wieder ein Stück durch den Stadtpark. Die Uhr läuft und läuft. Wo sind denn die KM Schilder ? Irgendwie verliere ich total das Gefühl für meine Geschwindigkeit. Naja wird schon passen. Wieder verlassen wir das Zentrum und laufen in den Stadtteil Hollerich. Entlang auf der Avenue Marie Therese, jetzt auf die Avenue Guillaume. Das zieht sich ja endlos. Jetzt wäre ein KM Schild wirklich mal hilfreich. Endlich KM25 die Uhr steht bei 1:50:16. Das ist ein KM Schnitt von 4:25. Immer noch verdammt schnell. Noch 17KM zu laufen. Wie soll ich das nur schaffen. Warum muß ich auch wieder am Anfang so schnell losrennen. Jetzt haben wir den Salat. Ich bin total ausgepowert. Bloß kein zweites Saarbrücken hier ! Auf weiter durchhalten ! Diese tolle Stadt mit Ihren fantastischen Zuschauern hat es einfach verdient sich bis zum umfallen zu quälen ! Nun wird es sehr kurvig. Wir sind bereits im Stadtteil Merl angelangt. Ich laufe schon eine längere Zeit hinter einem Läufer mit dem Aufdruck „I am Amsterdam“ auf dem Rücken seines T-Shirt her. Womöglich das Shirt vom Amsterdam Marathon. Teilweise kann ich Ihn überholen, aber bei jeder Kurve nimmt er die Abkürzung über den Bürgersteig und ist wieder vor mir. Das geht eine ganze Weile hin und her. Gerade habe ich Ihn eingeholt, und schon kürzt er wieder ab. Hey, was soll das ? Die Ordner sagen nichts, und lassen Ihn abkürzen. Das regt mich jetzt wirklich auf. Klar, man kann ja mal ne Kurve über den Bürgersteig schneiden. Aber wirklich jede Abkürzung zu nutzen, das geht nun wirklich zu weit. Wenigstens habe ich die Zuschauer auf meiner Seite, denn „Mr. Amsterdam“ bekommt kaum Applaus für diese Aktionen. Da, schon wieder kürzt er ab. Also lieber „I am Amsterdam“ das ist unsportlich ! Irgendwann wirst du für solche Aktionen disqualifiziert ! Jetzt kann ich nicht mehr folgen und er läuft mir davon. Naja, da brauche ich mich auch nicht mehr weiter drüber zu ärgern. Wieder geht es in einen Park. Diesmal ist es der „Parc de Merl“. Hier gibt es einen Teich und auch wieder viele Zuschauer. Ich entdecke mal wieder ein KM Schild. Es ist die „28“. Die letzten 2 Schilder habe ich verpasst. Mal runterrechnen. Auf den letzten 3 KM ein Schnitt von 4:27. Na also das geht doch. Jetzt noch 14 KM. Das müsste doch irgendwie zu packen sein. Noch mal ein Streckenabschnitt im Stadtteil Hollerich. Die Strecke wird nun ansteigend. Jetzt geht’s los. Fast nur noch bergauf bis ins Ziel. KM 29 schaffe ich noch mal mit einer 4:30/km. Aber ich werde zunehmend schwächer. Ich komme wieder auf die Avenue Marie Therese. Auf der anderen Seite laufen noch viele Läufer/innen. Die haben ja noch fast 20km vor sich ! Ein Glück bin ich schon über die 30’er Marke hinaus. Aber wo ist denn die 30’er Marke. Also irgendwie habe ich das Gefühl, hier hat jemand die Schilder versteckt. Es geht über die Brücke Pont Adolphe, welche den kleinen Fluß Pétrusse überquert. Direkt vor mir das Historische Gebäude der Staatssparkasse. Ich kann einfach nicht mehr. Ich drücke mir den 2. Gelpack rein. Inzwischen greife ich auch schon zu Cola und Isogetränk. Da ist ja das KM31 Schild. Die letzten beiden KM bin ich im Schnitt 4:40 gelaufen. Also jetzt muß ich mich zusammenreißen. Der Stadtteil Gare muß noch durchlaufen werden, bevor es wieder in die Innenstadt mit der sagenhaften Stimmung geht. Auf jetzt ! Noch mal alles rausholen. Die 11km werden doch zu schaffen sein. KM32/33 geht noch mal leicht runter. Ich schaffe jeweils ne 4:26 ! Aber nun geht es nur noch hoch. Ich sehe schon das Gebäude des Hauptbahnhofes mit dem hohen Uhrenturm. Noch mal scharf um die Kurve. Ich überhole einen Läufer der geht. Ich versuche ihn aufzumuntern, Aber er deutet an, dass er nicht mehr will. Die Strecke zieht bergauf. Die Zuschauer feuern an. Ich quäle mich, aber KM34 wird ne 5:14 ! Noch 8 KM, halte durch. Die Avenue de la Liberte zieht sich. Rum um die Staatssparkasse. Wie soll ich das nur schaffen ? Kämpfen ! Die Brücke Viaduc rüber über die Pétrusse. Die Innenstadt naht. Lautstarke Anfeuerungsrufe kommen von allen Seiten. Schleife laufen auf dem Place de la Consitution. Hier herrscht wieder super Partystimmung. Danke, Danke liebe Luxemburger, Ihr seid so klasse. Vorbei an der Nationalbibliothek und der Kathedrale „Unserer Lieben Frau von Luxemburg“. Jetzt werde ich wieder getragen auf der Welle der Begeisterung. Die engen Fußgängerzonen. Die Menschen jubeln und machen die Welle. Ist das geil hier. KM 36 ist ne 4:50. Wenn ich das so zu Ende laufen könnte das wäre klasse. Nur noch bergauf, und der Hammer kommt ja noch. Immer wieder von allen Seiten höre ich „Allez Frank“. Wie schaffen die das nur diesen kleinen Namen von so weit zu entziffern ? Gehpausen ? Kommt nicht in die Tüte. Für diese Zuschauer wäre es ja geradezu eine Beleidigung. Das haben die nicht verdient. Ich werde mich bis zum Schluß zerreißen für diese fantastischen Luxemburger !
Wieder keine KM Schilder gesehen, ach was soll’s. Solange ich keine Gehpause mache ist alles noch gut. Ich komme wieder auf den Roundpoint Robert Schuman zu. Wahnsinnstimmung. Aber jetzt geht es die Avenue J.F.Kennedy rauf zur Coque. Letzter Abschnitt und gleichzeitig der schwierigste Teil der Strecke. Noch mal ein Blick runter vor der Brücke über die Alzette. Plötzlich bekomme ich übelste Seitenstechen. Muß das jetzt sein. Kein Wunder, bei all dem was ich in der letzten Zeit zusammen gesoffen habe. Mir bleibt die Luft weg. Es wird nicht besser. Und der Anstieg wird immer brutaler. Stehenbleiben. Niemals ! Irgendwie geht es weiter. Ich versuche beim auftreten auszuatmen. Hilft auch nichts. Egal jetzt, komm weiter ! Auch hier sind noch Zuschauer an der Strecke und feuern mich an. Irgendwie schaffe ich es. Die Coque muß doch gleich mal zu sehen sein. Es nimmt kein Ende. Aber ich bekomme wieder etwas besser Luft. Die Seitenstechen nehmen ab. Ich sehe das KM 39 Schild. Jetzt bin aber mal gespannt. Seit 3 KM keinen Wert mehr erhalten. 14:57 also 4:59 pro KM trotz der brutalen Steigung. Das ist super. Auf noch 3 km. Ich sehe die Coque. Aber ich muß noch mal links abbiegen. Irgendwie müssen die restlichen Kilometer ja auf die Uhr kommen. Es geht weiter hoch. Von hinten komme ich nun in den Park der Coque rein. Hier ist jetzt wildes Durcheinander, denn die Halbmarathon Finnisher tummeln sich im Park, haben schon das Finisher Bier in der Hand ! Ich muß mir teilweise mit rufen Platz verschaffen. Verdammt, das zieht sich. Wo bleibt KM 40. Viele Leute rufen mir zu, dass es gleich geschafft ist. Ja von wegen, es sind mindestens 2km. Endlich KM40. Uhr zeigt 5:04, das ist ok. Ich laufe auf den allerletzten Reserven. Die Coque habe ich jetzt fast umrundet und was ist das ? Da schicken die mich noch mal in die andere Richtung ! Es ist zum verzweifeln. Da sieht man den Zieleinlauf, und muß noch mal weiter ! KM 41 nehme ich jetzt auf der flachen Straße mit 4:54. Der Wendepunkt ist da. Der letzte Kilometer. Jetzt geht es zur Coque !



gleich hat die Quälerei ein Ende.
(Foto von www.thomaswenning.de zur Verfügung gestellt)

Ich ziehe noch mal an. Ist das geil ! Es können doch höchstens noch 500 Meter sein. Vorm Einlauf in die Halle sind Kerzen aufgebaut. KM 42 wird sogar noch mal eine 4:35 ! Was für eine atemberaubende Atmosphäre. Die Halle kommt. Ich sehe das flackern der Lightshow. Laute Musik. Es ist einfach nur der Wahnsinn. Ich strahle über das ganze Gesicht. Rein in die Halle. Es ist einfach nur unglaublich. Ich habe es mal wieder geschafft, und das nach dem voll gelaufenen Mainz Marathon vor 13 Tagen. Die Menge jubelt und ich bin so glücklich. Ich reiße die Arme nach oben, laufe Richtung Zielbogen. Jaaaaa, geschafft.
Jetzt ein Wasser und ein Zielbier. Prost Luxemburg ! Es geht gleich wieder nach dem Einlauf in die Halle raus ins Freie. Sofort bekommt man eine Plastiktüte zum umhängen gegen die Kälte in die Hand gedrückt.



fix und fertig, aber glücklich !

Läuferbeutel geholt und jetzt nach oben, zur Zielparty ! Hier gibt es alles was der Läufer/in jetzt braucht. Äpfel, Bananen, Riegel, Müsli, Wasser, Cola, alkfrei Weizen. Super ! Ach ja das hätte ich ja fast vergessen. Meine Zeit 3:11:29 !!!! Bin mal gespannt wo ich damit lande.
In den Duschen ist es bei dem Andrang natürlich sehr eng. Aber auch das läßt sich gut regeln. Die Duschen sind warm ! Frisch geduscht gehe ich wieder auf die Finisher Party, und trinke noch ein paar alkfreie Weizen. Aber der Heimweg ist lange, und deshalb werde ich mich so langsam Richtung Shuttle Busse bewegen. Ich komme an dem Haupteingang der Coque vorbei und was sehe ich da ? Ergebnislisten ! Na, da will ich noch mal schauen. Ein ganz schönes Gedrängel. Endlich bin ich dran zum schauen.
Nein, das halte ich im Kopf nicht aus. Gesamtplatz 35 ! Bei den vielen Startern. Das kann nicht sein. Und so wie ich das sehe, bin ich der 3. beste Deutsche Läufer ! Also nun fällt mir gar nichts mehr ein. Das muß ich erst mal verarbeiten.



Auch für die Finisher mit 5 Stunden 20 Minuten ein unglaubliches Erlebnis, der Einlauf in der Coque

Ich gehe zum Shuttle Bus und kann es einfach nicht glauben. Was für toller Tag. Es hat einfach alles gepasst. Um 3 Uhr Nachts bin ich dann endlich zu Hause. Trotzdem schlafe ich noch nicht gleich ein. Viel zu beeindruckt von all den Erlebnissen !

Eine Veranstaltung bei der einfach alles gepasst hat. Eine außergewöhnlich tolle Stadt. Die herzlichen und freundlichen Menschen überall. Eine Atmosphäre wie ich sie so noch nie erlebt habe. Ein Tag der mir ewig in schöner Erinnerung bleiben wird. Ich bin wirklich gerührt !

MERCI LUXEMBOURG

Sonntag, 10. Mai 2009

10.Gutenberg Marathon Mainz



Auch in diesem Jahr wieder dabei : der Mainz Marathon

Zum zweiten mal für mich der Gutenberg Marathon in Mainz. Den Trainingsplan hatte ich diesmal nicht so genau verfolgt, und zusätzliche Wettkämpfe eingebaut. Trotzdem lief es gut. Die geforderten Zeiten und KM Leistungen wurden eingehalten und auch teilweise übertroffen. Minimalziel für Mainz war die Maratonbestzeit von 3:09:36 (Darmstadt 2008) zu unterbieten. Realistisch erschien mir sogar eine Sub 3:05. Der 3 Wochen vorher gelaufen Halbmarathon in Griesheim auf ebener Straße in 1:25:30 versprach sogar bei optimalen Bedingungen in die Nähe der Sub 3:00 zu laufen. Aber immer wenn es zu gut läuft, dann kommen die Probleme. Diesmal 2 Wochen vor dem Marathon. Nach dem langen Lauf mit 36KM incl. 10KM im MT war es passiert. Die rechte Wade schmerzte unterhalb vom Knie. Erst dachte ich mir nichts dabei und machte ganz normal im Trainingsplan weiter. Der letzte 3x5000er Intervall im MT wurde mir dann zum Verhängnis. Die Schmerzen zogen von der Wade in die Kniekehle. Das mit Schmerzen Laufen ging gerade noch so, aber nichts für eine schnelle Pace. So gab es dann 1 Woche vor Mainz nur eine Möglichkeit. Training runter, Tempo weglassen und hoffen auf schnelle Regeneration. Zwei Sitzungen beim Physio brachten merkliche Besserung. Trotzdem war beim normalen Joggen immer noch nach ca. 10-12 KM ab und zu ein ziehen und stechen in der Wade spürbar. Ärgerlich, gerade jetzt. Ein Kinesio-Tape über der Wade und an den Knieaußenseiten sollte mir zusätzliche Sicherheit geben. Letzter Trainingslauf über 10KM Freitags Abends verlief im langsamen Tempo ohne größere Probleme. Also Hoffnung war wieder vorhanden. Am Samstag dann die Startunterlagen abgeholt und noch irgendwie versucht auszuspannen. Es war schwül und ich bekam gegen Abend schlimme Kopfschmerzen. Trotz leichter Übelkeit drückte ich mir wie gewohnt die komplette extra große Portion Nudeln rein. Schlafen war auch eher eine Qual. Die Kopfschmerzen hielten mich wach. Zusätzlich wurde ich jetzt noch nervös, da ich nicht schlafen konnte. Irgendwann bin ich dann doch scheinbar eingeschlafen. Morgens vom Wecker um 5:30 Uhr geweckt, brummte der Schädel immer noch leicht. Die Nase war auch noch zu. Also Radikalkur. Nasenspray und japanisches Heilminzöl auf Stirn, Schläfe und Nacken. Kopfschmerztabletten kommen beim Wettkampf nicht in Frage. Dieses Risiko ist mir zu groß. Noch mal schnell gefrühstückt mit Brötchen, Joghurt und Müsli. 3 Tassen Kaffee getrunken und siehe da, der Kopf klart langsam auf ! Na bitte ! Kurz nach halb sieben ging es dann in Richtung Mainz. Ich war so früh, dass ich die Ausfahrt Weisenau nehmen kann. Noch nichts gesperrt, prima ! Überall schon fein säuberlich die Absperrungen am Rand der Straße, Aufbauarbeiten beginnen. Ich komme langsam in Stimmung. Vom Parkhaus geht es dann mit Läuferbeutel durch die Mainzer Innenstadt. Parkende Autos auf der Laufstrecke werden noch schnell abgeschleppt. Die frische Luft tut gut, die Kopfschmerzen sind inzwischen komplett verschwunden. Was für ein Glück ! Es ist noch Zeit, also schlendere ich noch mal über die Marathonmesse. Um 8:30 ist dann Forumstreffen hinter dem Hilton Hotel. Alle sind soweit fit, lediglich Thomas unterliegt im Moment starken Leistungsschwankungen, er will einfach mal sehen und gut durchkommen. Und was ist mit mir ? Wenn ich das nur wüßte ? Wie lange kann ich laufen, bis sich die Wade meldet. Und wie lange kann ich dann noch mit Schmerzen weiterlaufen. Und vor allem, in welchem Tempo ? Fragen über Fragen. Ich werd' einfach mal losrennen mit ner Pace um die 4:20 und die Lage abwarten.



Vor dem Start : Sascha,Christian,Frank,Peter,Christian,Gregor,Thomas

9:15 Uhr. Jetzt aber schnell weg mit dem Läuferbeutel und rein in den Starterblock. Diesmal ist es Block 1. Trotzdem sind ne Menge Leute vor mir. Wie üblich heizt Mainz Null Fünf Stadion Sprecher Klaus Hafner die Läufer und die Zuschauer gleichermaßen ein. Besser kann es nicht sein. Der optimale Mann für diese Veranstaltung. Warmlaufen ist unmöglich, viel zu eng alles. Die meisten Läufer/innen tippeln auf der Stelle. Mein Puls, wie gewohnt mit 70-75 vorm Start sehr niedrig.
Der Himmel immer noch leicht bewölkt, noch angenehm niedrige Temperaturen. Der Startschuss fällt. Es geht los. Zumindest ganz vorne. Bis ich über die Zeitmessmatte laufe vergeht doch einige Zeit. Jetzt kommt das übliche Gerangel um eine gute Position. Überholmanöver versuche ich zu vermeiden, und laufe lieber langsam weiter und hoffe, dass sich das Feld auseinander zieht. Aber irgendwie ist es sehr voll und ich werde nervös, und fange jetzt doch mit dem überholen an. Immer wieder wird man ausgebremst. Hier gehen schon so viele wertvolle Sekunden drauf. Aber ich kann nichts daran ändern. Es geht entlang am Rheinufer. Die Theodor-Heuss Brücke ist schon vorbei. Mal wieder das KM1 Schild übersehen. Ich muß warten auf die 2. Auf der langen Gerade der Rheinallee geht es Richtung Schottwerke. KM2 jetzt der Richtwert. 8:50, also 4:25 pro KM. Ja, das geht aber ich dachte es wäre schneller. Also ein bisschen die Pace erhöhen und auf KM3 warten. Rein ins Schott Werksgelände. Tolle Stimmung. Was 4:45 für KM3 ?? Also so wird das heute ganz bestimmt nichts. Sollte mir die reduzierte Trainingswoche so viel geschadet haben. Also gut, dann muß ich meine Ziele ganz klar gewaltig nach unten korrigieren. Weiter geht es durch das nicht so attraktive Industriegebiet vom Mombach. KM4 ist ne 4:26. Puls ist schon bei 159 (87%). Das kann es doch nicht sein ? Noch schneller werden. Die Sonne kommt nun raus, und es sieht ganz so aus, als würde es warm werden. Also das läuft ja heute gar nicht. Getränkestände habe ich noch ausgelassen. Kurz vor der Wende im Industriegebiet Mombach nehme ich KM 5 mit 4:00. Aha, jetzt geht’s doch. Aber trotzdem 5 KM in 22:03, das ist ein 4:25'er Schnitt. Nach der Bahnunterführung geht es rein nach Mombach. Wie immer tolle Stimmung. Klasse das beflügelt, und jetzt werden auch die Zeiten deutlich besser. KM6 und KM7 in 4:07/4:06. Jetzt bloß nicht versuchen alles wieder aufzuholen, sonst bin ich bald am Ende. Weiter Richtung Mainzer Neustadt. KM8 noch mal ne 4:08 und KM9 ne 4:19. OK alles jetzt scheinbar im normalen Bereich. Puls liegt inzwischen bei 163% (89%). Die Stimmung ist einfach genial, und wir sind noch nicht mal in der Innenstadt. Die Frage wird sein, wie lange kann ich das Tempo durchhalten, und vor allem das angeschlagene Bein wird sich irgendwann melden. So ca.12km im Training waren ja kein Problem, aber mehr und im schnellen Tempo ? Nicht drüber nachdenken. Das Kinesio-Tape wird es schon richten. Ich bemerke, dass vor mir ein paar Leute mit bunten Luftballons laufen. Sind das etwa Pacemaker ? Tatsächlich, es sind Pacemaker für die HM Zeit 1:30. Na, das wär doch super. Aber sind wir denn überhaupt in der Zeit ? Einer der Pacemaker meint, wir wären ca.150-200 Meter hintendran, da eine Absperrung nach den Schott Werken falsch postiert war. Eigentlich sollte diese zusätzliche Schleife erst in der zweiten Runde gelaufen werden. Aha, das würde ja auch die unglaublich hohen Zwischenzeiten in der Nähe von Schott erklären. Alles schön und gut, aber was bringt das letzt endlich ? Die Schleife bin ich nun ja gelaufen, und kann es nicht mehr ändern. Unter den Pacemakern wird nun vermutet, dass diese Schleife in der 2. Runde eben wegfällt, und somit die zuviel gelaufenen Meter wieder ausgeglichen sind. Hmmm, kann man hoffen, dass es so ist. Aber verlassen kann ich mich darauf nicht. Alles in allem würde das bedeuten, dass ich doch gar nicht so schlecht unterwegs bin. In der Mainzer Neustadt ist die Stimmung ebenfalls sehr gut. Überall gibt es neben den offiziellen Verpflegungsständen auch private Stände mit Wasser. Jetzt kommt der KM10 Richtwert. Die Uhr zeigt 42:54. Das ergibt ungefähr ein Schnitt von 4:17/km. Mal sehen wie es weiterläuft. Ich habe doch schon ganz schön mit mir zu kämpfen. Wir laufen nun bereits die Kaiserstraße in Richtung Christuskirche runter. Die Christuskirche wird umrundet, es geht dann die Kaiserstraße noch ein kleines Stück auf der anderen Seite zurück, dann folgt die Abzweigung zur Altstadt. Hier ist jetzt richtig was los, man wird förmlich von der Begeisterung getragen. Vorbei am Landesmuseum, dem Dom, dann die kleine Augustinerstarße mit dem Kopfsteinplaster. Es ist einfach nur genial bei dieser Stimmung hier zu laufen. Die KM Zeiten liegen nun alle unter 4:15/km, und ich frage mich wie lange das wohl noch gut gehen kann. Jetzt ist es leider vorbei mit der Altstadt, wir passieren das Hotel Ibis, es geht nun die ewig lange Gerade runter nach Weisenau. Eine Wendepunktstrecke voll in der Sonne. Immer mehr greife ich nach Wasser. Kurz vor der Wende kommt mir auf der anderen Seite Gregor entgegen. Die Wende kostet ein wenig Zeit. KM18 wird daher nur eine 4:22. Aber gleich drauf geht es weiter mit 4:09 und 3:59 für KM 19 und 20. Jetzt wird es mal Zeit für den ersten Gel-Pack. Plötzlich sehe ich auf der Straße einen Läufer liegen, der zusammengebrochen ist. Sanitäter kümmern sich gleich um Ihn. Meine Güte, da bekommt man Angst. Alles Gute, hoffentlich ist es nichts Ernsthaftes. Es geht nun Richtung Halbmarathon Durchlauf. KM21 wird ne 4:27, der Durchlauf unter tosendem Beifall stoppe ich bei 1:29:52. Liegt da vielleicht eine kleine Sensation in der Luft ? Ich glaube kaum, dass ich dieses Tempo halten kann. Außerdem muß jetzt noch zwei mal die Brücke über den Rhein überquert werden. Trotzdem rufe ich einem Mitläufer zu, die Sub 3:00 schaffen wir ja wohl jetzt auch noch. Die Brücke zieht sich. Immer noch nicht den höchsten Punkt erreicht. Es ist so anstrengend. Aber jetzt geht es runter. Von weitem kann ich eine Alemannia Aachen Fahne sehen, dort steht Gabi. Sie kann leider verletzungsbedingt heute nicht starten. Aber Sie ist extra mit Ihrer Familie an die Strecke gekommen, um uns anzufeuern. Eine tolle Aktion. Das freut mich. Jetzt wird natürlich auf keinen Fall langsamer gelaufen. Beim vorbeilaufen wird noch Jürgen abgeklatscht. Mit neuem Schwung geht es nun die Brücke runter und rein nach Kastel. Jetzt wird es wieder zäh. Und leider sind die Zuschauer hier auf diesem äußert unangenehmen Stück nicht mehr so zahlreich. Jetzt geht es rein ins Wohngebiet von Kastel. Die Stimmung wird besser. Hier werden die Läufer wieder beim Namen genannt, das baut noch mal auf. Aber der Trend ist leider da, Die Kräfte schwinden so langsam. Ich habe große Mühe den Schnitt von 4:15 zu halten. Der Wendepunkt in Kastel ist erreicht. Es geht die Hochheimer Straße zurück zur Brücke über den Rhein. KM26 und KM27 schaffe ich doch tatsächlich noch einmal mit 4:10/4:13. Jetzt über die Brücke. Gabi feuert mich noch mal an, und Jürgen knipst fleißig Bilder. Vielen Dank ! Das hat mir echt geholfen, diesen unangenehmen Teil in Kastel besser zu ertragen. Und auch den KM über die Brücke schaffe ich in 4:16. Wieder auf der Rheinland/Pfälzer Seite angekommen laufe ich einen großen Schlenker um an Getränke zu kommen. Die Sonne ist inzwischen brutal, ich nutze jeden Schatten, der sich bietet. Es geht wieder die lange Rheinallee Richtung Schott. Wesentlich mehr Zuschauer stehen hier als letztes Jahr. So gibt es vereinzelnd immer wieder aufbauende Zurufe. KM29 und KM30 je mit 4:18 absolviert. Der Schnitt zur Sub 3:00 (es bleibt halt ein Traum) ist unter diesen Bedingungen nicht mehr zu halten. Ich überhole eine Läuferin, welche noch viel schlechter dran ist wie ich. Ich sage nur :"Sub 3 wird heute nichts". Sie antwortet :"nee, heute nicht". Also noch mal durch die Schott Werke. Hier wieder tolle Stimmung. Eine extra Tribüne für die Zuschauer ist am Ausgang der Schott Werke errichtet. Das ist wirklich große klasse was hier geboten wird. Daumen nach oben für die Schott Mitarbeiter. Danke ! Jetzt kommt es nun darauf an, ist der zuviel gelaufene Teil aus der ersten Runde korrigiert ? Tatsächlich die Schleife ist weg. Na also, das Orga Team hat reagiert, das bringt wieder ein paar Sekunden. Jetzt KM31, mal schauen 3:40 ! Ich freue mich nur kurz über die "Zeitgutschrift", denn ich merke natürlich, dass mir die Kräfte schwinden. Zweiten Gelpack runtergewürgt. Vielleicht bringt's noch mal was. Und dann noch dieses langweilige Industriegebiet von Mombach. KM32 ist ne 4:24. Jetzt wird es abwärts gehen. Die Uhr zeigt 2:15:41 und noch 10km + 200 Meter zu laufen. Ich überschlage schon mal ein paar mögliche Endzeiten im Kopf. Ich rechne schon mit dem schlimmsten. Bei einem 5'er Schnitt wären das ca. 51 Minuten. Ergäbe ne Endzeit von ca. 3:06. Immer noch ne super Zeit und die PB fällt heute sowieso. Aber nach so einem tollen Lauf werde ich mich doch jetzt nicht mit 5 Minuten auf den Kilometer zufrieden geben. KM33 wird eine 4:20. Also, der Einbruch läßt sich noch ein wenig rauszögern. Ich will jetzt wenigstens das ursprüngliche Ziel von Sub 3:05 schaffen. Das müßte doch locker drin sein ! Rein nach Mombach, Stimmung kommt auf. KM34 in 4:26. Mir kommt das alles so langsam vor. Noch 8km, oder sagen wir mal noch 5km bis zur Altstadt. Wenn ich mal dort bin, dann schaffe ich den Rest auch noch. Mombach ist durchquert und damit auch die Stimmung weg. Noch mal muß irgendwie die Strecke bis zur Altstadt überbrückt werden. Ich weis nicht wie ich das schaffen soll. KM35 wieder ne 4:26. Mir ist das jetzt echt ein Rätsel wie ich dennoch diese Zeiten laufen kann. Ab durch die Mainzer Neustadt. Danach nur noch die Christuskirche und dann bin ich in der Altstadt. Der Rest müßte doch von selbst laufen. Ich versuche mich aufzumuntern, in dem ich daran denke, wie schlecht es genau an dieser Stelle vor einem Jahr ausgesehen hat. Damals war der Schnitt schon fast auf 5min/km. Na das ist doch heute viel besser. Irgendwie laufe ich nur noch wie ferngesteuert. KM36 und KM37 mit 4:31/4:28 genommen. Jetzt die Christuskirche. Mann das ist wirklich eine Qual. Auf los, weiter. KM38 immer noch gut mit 4:27. Was macht eigentlich der Puls ? 165 (90%) absolut ok für die letzten KM. Irgendwie werde ich es schaffen. Noch 4KM. Das ist doch eigentlich gar nichts. Ein Glück, ich habe die Christuskirche umrundet. Bei KM39 zeigt die Uhr 2:46:54. Mal scharf nachdenken. Mit einem 4'er Schnitt würde ich die Sub 3:00 noch schaffen. Guter Witz. Ich kann bei allem was recht ist keine 4'er Zeiten mehr laufen. Ich kann nur noch so gut es geht ankommen. Unternehmen Sub 3:00 damit endgültig verschoben. Jetzt zieht es auch plötzlich in der Wade. Ja, darauf habe ich ja nur gewartet. Aber 3 KM kann ich damit bestimmt noch laufen. Aber nach ein paar hundert Metern verschwindet die Verkrampfung, und es geht normal weiter. Überhaupt, was rege ich mich hier eigentlich über die vertane Chance der Sub 3:00 auf. Ich bin kurz davor eine sensationelle neue Bestzeit aufzustellen. So wie es aussieht werde ich das ganze auch noch verletzungsfrei überstehen. Bedenkt man noch die letzten 2 Wochen mit den Waden/Wadenbeinproblemen ist das doch sagenhaft ! Was will ich eigentlich noch ? So, Schluß damit. Jetzt wird gefreut und die letzten 3 KM gequält. Die Altstadt kommt. Überall tosender Beifall und jubelnde Zuschauer. Es ist herrlich und unterdrückt die Qual. KM40 und KM41 in 4:26/4:36. Noch mal durch die enge Augustinerstraße. Das Kopfsteinpflaster tut weh, aber der Gedanke an den Zieleinlauf läßt das alles vergessen. Rum ums Hotel Ibis. Jetzt ist es gleich vollbracht. Was geht noch. Ich ziehe an. Das KM42 Schild kommt. Ich sehe den Zielbogen. Wahnsinn. Ich laufe fast alleine, niemand um mich rum. Sprecher Klaus Hafner verkündet über das Mikro "und da kommt Frank, Applaus für Frank" und unglaublich, die ganzen Zuschauer im Zieleinlauf machen mit. Ich bin total gerührt. Es ist der Wahnsinn. Ich klatsche Beifall für die Zuschauer und halte den Daumen nach oben für diesen tollen Empfang. Es ist unbeschreiblich. Ich habe es geschafft. Mein 8. Marathon ist überstanden. Was sagt denn die Uhr ? 3:01:17 !!! Also da kann ich mich nun wirklich nicht mehr beklagen. Was für eine Zeit. Über 8 Minuten die alte Bestmarke verbessert. Gregor kommt auch schon auf mich zu. Er hat eine Zeit um die 2:55. Na super, da können wir ja mal mit alkfrei Bier anstoßen. Ein toller Tag. Neue Bestzeit, Zielzeit von 3:05 locker erreicht und ganz wichtig verletzungsfrei ! Das Marathontriple geht weiter. Auf nach Luxemburg !

Dienstag, 28. April 2009

Vorschau : das Marathon Triple

Wie schaffe ich es, dass mich meine Mitmenschen für noch verrückter halten, als Sie es ohnehin schon tun ?
Ganz einfach - Ich laufe das Marathon Triple* !
*Marathon Triple - 3 Marathons innerhalb von 4 Wochen laufen.



Gutenberg Mainz, ING Europe Luxembourg, Mittelrhein

Ursprünglich war nur der Mainz Marathon geplant. Später entschließe ich mich noch, den 4 Wochen darauf folgenden Mittelrhein Marathon zu laufen. Also warum sollte ich "mittendrin" nicht noch ein Marathon laufen. Quasi als Ersatz für den langen Sonntags Lauf. Müßte doch klappen. Zur Auswahl stehen Luxemburg oder Würzburg. Nach langem hin und her überlegen, entscheide ich mich für Luxemburg.

So. 10.5.2009 Gutenberg Marathon Mainz
Start : 9:30 Uhr
- wird voll gelaufen, Zielzeit : Sub 3:05

Sa. 23.5.2009 ING Europe Marathon Luxemburg
Start : 18 Uhr
- mit reduzierten Tempo, Zielzeit : Sub 3:30

Sa. 6.6.2009 Mittelrhein Marathon
Start : 18:15 Uhr
- wird voll gelaufen, allerdings werden mir die vorherigen Läufe sehr zu schaffen machen daher Zielzeit : Sub 3:15

Zwischen den Wettbewerben wird nur noch locker trainiert, keine Temposachen mehr.

Sonntag, 19. April 2009

38.Griesheimer Merck Straßenlauf

Endlich wieder mal ein Halbmaraton. Der letzte war im August 2008 in Hüttenfeld. Damals für mich ein super Lauf. Alles lief perfekt und ich konnte mit 1:27:44 eine um über 4 Minuten verbesserte neue PB aufstellen. Ich hatte in den letzten Monaten das Training nur noch auf Marathon ausgelegt. Kaum Tempoeinheiten gelaufen. Vom letzten Wettkampf (Ultra Marathon in Echollbrücken) bis zum HM blieben mir 3 Wochen. Erste Woche nur locker gelaufen. Der Ultra steckte noch in den Beinen. Zweite Woche immer noch Nachwirkungen vom Ultralauf. Aber wenigstens ein Intervall gelaufen, um mich schon mal an die Geschwindigkeit zu gewöhnen. Am Ende dieser Woche war mit fast 107km ein erhebliches Pensum auf der Uhr. Aber mir ging es gut. Die Fußprobleme waren fast verschwunden, also die letzte Woche vor dem HM weiter voll im Plan trainiert. Nochmal 4000'er Intervall um die 4:15/km gelaufen, um zu sehen was so geht. Das Training lief sehr gut, also stellte ich mir folgenden Plan zusammen.
Zielzeit : auf jeden Fall unter 1:30 , angehen mit 4:15/km und nach 10km mal sehen wie es läuft.
Sonntagmorgen 19.4.2009
Pünktlich um 6 Uhr aufgestanden, gleich gefrühstückt mit Müsli, Brötchen, Joghurt und Kaffee. Noch die restlichen Sachen gepackt und ab nach Griesheim. Kurz vor 9 Uhr habe ich schon alle formellen Dinge erledigt, und sitze zusammen mit Gregor in der Halle. So gibt es noch Zeit zum plaudern. Gregor will es heute wissen, er hat die super leichten, schnellen Schuhe an. Soll ich das auch tun. Dabei hätte ich den ganzen Kram ja. Nein, ich entscheide mich für die schwereren Mizuno Wave Rider, um nicht unnötig Verletzungen zu riskieren. Der Mainz Marathon steht vor der Tür, da kann ich mir eine Trainingspause nicht erlauben. Schnell zum Auto umziehen. Unterwegs trifft man auf so viele bekannte Leute da vergeht die Zeit sehr schnell. Ein wenig warmlaufen mit Gregor, Thomas (hat Knieprobleme, will daher lieber die 10km laufen), Peter (Miatara) und Christian (Funky) auf dem Kunstrasenplatz. Der Start wird bestimmt sehr voll und eng werden, daher sicher ich mir lieber gleich mal ein Plätzchen in der Nähe das 1:30 Pacemakers. Über 10 Minuten warten im Block. Aber ich treffe noch ein paar bekannte Leute, und es wird weiter übers Laufen geplaudert. Die Bedingungen sind nahezu optimal. Sonnig, aber nicht zu warm. Mal sehen wie ich vom Start aus weg komme.
10 Uhr, der Startschuß fällt. Los gehts.
Trotz der vielen Läufer gibt es kaum Gerangel. Ich komme sehr gut raus. Ein ca. 400 Meter langes Stück Straße bleibt, um in eine günstige Position zu kommen. Denn jetzt folgt ein kurzer Abstecher runter von der Straße nach links. Der Weg wird schmaler, aber ich bin in einer guten Position, und verliere hier kaum Zeit. Wieder auf der Straße muß jetzt noch ein kleiner Schwenk durch das Wohngebiet gemacht werden, bevor es auf der Bundesstraße runter bis zum ersten Wendepunkt, weit hinter dem Wasserwerk kommt. Das Anfangstempo ist hoch, und ich habe den ersten KM Marker verpaßt. Nun bin ich gespannt was bei KM 2 auf der Uhr steht. 8:01, also 4min/km !! Was für ein Anfangstempo ! Jetzt ganz ruhig bleiben und Tempo rausnehmen. Am Anfang der Bundesstraße ist tolle Stimmung. Zuschauer und ein paar Trommler stehen am Straßenrand. Klasse. So macht es Spaß. 4:03 und 4:04 für KM3 und KM4. Ich muß jetzt drosseln. So war das nicht geplant. Die erste Wasserstelle lasse ich aus. Rum um die Kurve Richtung Wendepunktmerke. KM5 jetzt in 4:05. Immer noch das gleiche schnelle Tempo. Ich fühle mich aber gut. Puls ist auf 165/90% HFmax. Die ersten Läufer kommen auf der Wendepunktstrecke entgegen. Da ist die Wende. Scharfe 180 Grad sind zu nehmen. Das kostet etwas Zeit. Aber dafür ist der Rest der Strecke schnell. KM6 ergibt eine 4:09 trotz Wende. Bekannte Gesichter laufen auf der anderen Seite zur Wende hin. Das ist interessant und lenkt ein bisschen ab. Jetzt bekomme ich doch einen trockenen Hals. Wasser wäre jetzt gut. Aber die Wasserstelle ist auf der anderen Seite der Straße. So ein Mist. Ich habe Glück. Ein paar Jungs von der Versorgungsstelle laufen einfach mit Wasserbechern auf die andere Straßenseite. Super, Danke ! KM 7 wird sogar eine 3:59. Ja was läuft denn hier ? Jetzt sollte ich mich echt mal ein wenig zurück nehmen. Aber auch KM 8 und 9 werden eine 4:05 und 4:04. Das kann nicht mehr lange gut gehen. Puls ist inzwischen auf 169/92% angestiegen. Ich bin immer noch gut drauf. Nun wieder kurz der Abstecher runter von der Bundesstraße den kleinen Weg bis zur Abzweigung Halbmarathon links/10KM rechts. Die 10'er haben es so gut wie geschafft. Ich habe noch nicht mal die Hälfte. Wieder auf die Bundesstraße. Noch 2x runter zum Wendepunkt. So, jetzt wird es interessant. 10'er Marke kommt. 40:36 !! Ja gibt's denn das ? Das würde schon als gute 10'er Zeit durchgehen. Kann ich das nochmal 11km durchhalten ? Das wird schwer werden. So langsam merke ich das auch. Jetzt sollte ich wirklich mal einen Gang runterschalten. Vorbei an den Trommlern. Runter zur neuen Wende für Runde 2/3. Diesmal noch vor der Kurve am Wasserwerk. Die Zeiten pendeln sich jetzt im Schnitt auf 4:08 ein. Das ist mir immer noch zu schnell. Von hinten kommt ein Läufer in schnellen Schritten angelaufen. Aha, jetzt werde ich langsamer. Er holt mich ein, und ich versuche an Ihm dran zu bleiben. "habe ich mich überpaced, oder bist du zu langsam angegangen ?" frage ich ihn. "war etwas zu langsam am Start". Das beruhigt mich. Also alles noch ok. Die 2. Wende kommt. Ich kann dem Läufer immer noch folgen. Also frag ich mal, was er laufen will. 1:26 will er laufen. Was für Zeiten, so schnell war ich noch nie. Ich bin jetzt erst einmal darauf aus, meine letzte Bestzeit von 1:27:44 zu verbessern. Den Gedanken, einfach nur Sub 1:30 zu laufen, habe ich schon längst vergessen. Heute geht mehr, und ich bin super drauf ! Trotzdem muß ich den Kontakt bei KM 13 zum "1:26 Läufer" abreißen lassen. Ich rufe ihm zu : "lauf du die 1:26, ich versuche meine PB zu verbessern, viel Glück wir sehen uns im Zielbereich". Immer wieder kommen einem bekannte Läufer/innen dank der Wendepunktstrecke entgegen. So kann man sich gegenseitig anfeuern. KM 14 kommt, mal wieder eine 4:06. Also langsamer werde ich nicht, obwohl ich jetzt doch ganz schön zu kratzen habe. Runter von der Bundesstraße auf den kleinen Weg, Becher geschnappt an der Wasserstelle. Überhaupt sind die Versorgungsstellen vorbildlich. Kaum Zeitverlust, keine Drängelei, und keine Qual der Wahl, es gibt nur Wasser. So muß es sein. KM 15 erreiche ich bei 1:01:12. Ein letztes mal die Bundesstraße runter und wieder hoch, dann ist es geschafft. Die neue PB ist zum greifen nahe. Jetzt bloß keinen Fehler mehr machen. Noch 6km, das werde ich doch irgendwie hinbringen, und wenn es nur im 4:15'er Schnitt ist, dann reicht es. Ja sogar beim 4:30'er Schnitt wäre es noch eine Zeit unter 1:30. Wie 1:30 ?? Nix da, heute wird neue PB gelaufen. Es sind noch 6km also weiter so, auch wenn es jetzt weh tut. Das versaue ich mir jetzt nicht. Vorbei wieder an den Trommlern. KM 16 wird eine 3:57 ! Weiter laufen ! Die alte Bestmarke wird heute geknackt ! KM 17 in 4:02. Noch 4 KM, durchhalten. Auf der anderen Seite kommt Gregor schon hoch gelaufen. Der wird eine sensationelle Zeit haben. Wahnsinn ! Nochmal Getränk aufnehmen, ganz geschickt die Wendemarke möglichst kraftsparend nehmen. Nur noch einmal die Bundesstraße hoch dann hast du es geschafft. KM 18 die Uhr zeigt 1:13:18. Jetzt könnte ich im 4:30'er Tempo weiterlaufen und würde immer noch eine neue PB erreichen. Noch 3km jetzt wird das letzte rausgeholt. Da vorne, da läuft ja der "1:26 Mann" ! Dranbleiben, los jetzt. KM 19 kommt, ich drücke auf die Uhr 3:57 ! Der Puls ist inzwischen auf 174/95%, aber das sollte ich doch bis ins Ziel durchhalten können. Jetzt wird es echt eng. Trotzdem werde ich jetzt nicht langsamer machen. Noch 2 KM, kämpfen. Ich höre schon die Trommler. KM 20 Schild kommt die Uhr zeigt 3:58 für den letzten KM. Zum letzten mal runter von der Bundesstraße. Es ist jetzt nicht mehr weit, es wird eine neue PB ! Und es wird unter 1:27 werden, das ist mir jetzt schon klar. Nochmal vorbei an der letzten Wasserstelle. Die Jungs machen noch Späße mit mir, "hier nochmal trinken, damit du erfrischt im Ziel ankommst". Nix da, jetzt wird nichts mehr gesoffen. Volle Konzentration, letzte Energie freisetzen. Jetzt geht es auf die Straße, aber diesmal in Richtung Ziel. Das sind noch geschätzte 500 Meter. Das ist noch so ewig weit weg. Auf jetzt ! alles geben ! So langsam kann ich die Zieluhr lesen. Sie ist noch unter 1:26 ! Komm jetzt, die letzten Meter, das reicht für unter 1:26 ! Das Ziel ist zum greifen nahe. Gleich sind alle Strapazen vorbei. Ja, ich bin durch. Geschafft ! Was für ein Lauf. Ich kann es noch gar nicht richtig fassen. Erstmal trinken. Gregor ist bereits im Ziel. Er hat wohl auch einen sensationellen Lauf hingelegt. Na dann prost mit alkfrei Bier ! Erst jetzt schaue ich auf meine Uhr. 1:25:30 ist meine Endzeit !! Das glaub ich jetzt nicht. Aber es stimmt, denn die Zieluhr hat ja die Bruttozeit gezeigt. Also hat es 12 Sekunden gedauert, bis ich über die Startlinie gelaufen bin. Jetzt wird gefeiert !

Nach dem duschen gleich zur Siegerehrung. Super, Gregor hat es mit seiner 1:23:16 auf den 3. Platz in der AK geschafft. Ja sauber, Glückwunsch ! Und auch für die anderer Lauffreunde gab es neue Bestzeiten. Ein super Tag, bei dem einfach alles gepaßt hat !



Zufriedene Gesichter oben im weissen Shirt : Peter und Gregor, unten : Ole, Michael, Frank

Sonntag, 29. März 2009

18. Eschollbrücker Ultramarathon

Frage : Kann ich mitten im Marathontrainingsplan anstelle des Langen Laufes am Sonntag einen Ultramarathon laufen ?
Antwort : Na klar !

Vorbereitung :
2 Ultras innerhalb von 8 Wochen laufen, ist schon ein straffes Program. Aber 3 Wochen vor dem 2.Ultra noch in Wiesbaden den Lauf auf die Platte zu absolvieren, und die Woche drauf den Wintersteinlauf in Friedberg zu bestreiten, das ist schon mehr als grenzwertig. Soll ich das wirklich wagen ? Na klar ! Was den sonst ! Schließlich winkt ja mit 2 Ultrateilnahmen ein Eintrag in der deutschen Ultra Cup Wertung.
Nach dem guten Ergebnis vom Wintersteinlauf sah ich dem ganzen Vorhaben sehr positiv entgegen. Obwohl immer noch leicht geplagt von Erkältungserscheinungen erholte ich mich recht schnell. Dass man natürlich in den verbleibenden 2 Trainingswochen bis zum Ultra nichts mehr groß reißen kann war klar. Also schraubte ich die Wochenkilometer leicht runter und setzte mehr auf Erholung. In der ersten Woche nach dem Winterstein wurden zum Glück die Leistenbeschwerden besser. Samstags lief ich nochmal einen langen Lauf über 32km. Mit im Lauf war eine 5km Runde vom Eschollbrücker Ultra zum antesten. Alles lief soweit gut. Der Rückweg war dann etwas abenteuerlich, da ich einen mir nicht bekannten Weg wählte. Leider bekam ich am nächsten Tag die Quittung für einen 2km mehr oder weniger unfreiwilligen Abstecher auf Ackerboden/Feldboden. Das Sprunggelenk muckte wieder auf. 2 Monate war alles halbwegs ok, dank Einlagen und Fußgymnastik. Das sind ja beste Aussichten. Und nun ? Wie immer eben. Nur 3 leichte, statt 4 Einheiten. Temposachen ganz weglassen.



Streckenbegutachtung 1 Woche vor dem Wettkampf

Der Plan :
Bestärkt durch das gute Ergebnis vom Winterstein setze ich mir das Ziel Sub 3:50. Das wäre mit einer Pace von 4:36/km machbar. Um vernünftig ins Rennen zu kommen versuche ich mich diesmal an einer 3 Stufen Taktik mit negativem Split.
km 1-3 Pace 4:41
km 4-19 Pace 4:37
km 21-50 Pace 4:35
soweit die Theorie.........
Thomas und Gabi wollten die zurückhaltende Anfangspace mitlaufen um nicht unnötig auf den ersten Kilometern zu überpacen.

Wettkampftag :
Früh aufstehen ist angesagt. Um 9 ist schon der Start. Außerdem klaut uns die Umstellung auf die Sommerzeit nochmal 1 Stunde Schlaf. Ich schaffe es tatsächlich um 5:30 Uhr aufzustehen. Nochmal die letzten Sachen in die Tasche gepackt. Zum Frühstück gibt es Kaffee ein Brötchen mit Honig, Müsli mit Joghurt und Apfel. Trotz der immer noch niedrigen Temperaturen will ich bis auf ein hauchdünnes Langarm Unterhemd in kurzen Sachen laufen. Die Winterkleidung beim Wintersteinlauf hatte mich doch ganz schön ins Schwitzen gebracht.
Heute muß ich nicht fahren, Gabi holt mich wie verabredet um 7:30 Uhr ab. Eschollbrücken ist ja nicht weit weg, und so haben wir um 8:00 Uhr schon die ganzen formellen Dinge mit Startnummer usw. erledigt. Es gibt noch für jeden Starter eine Tafel Nußknacker Schokolade und ein Duschgel (das hat hier schon eine längere Tradition). Die Taschen bleiben einfach in der Umkleide stehen. Alles ist super familiär und einfach gehalten. Man fühlt sich gleich wohl. Es gibt noch etwas Zeit zum plaudern. Wir treffen auf Thomas und besprechen noch einmal die "Bremstaktik" für die ersten Kilometer. Nun geht es raus zum Start. Ich mache es wirklich wahr. Kurze Sachen, wie geplant. Das hauchdünne Langarmshirt verspricht tatsächlich was ich kaum glauben kann. Es hält warm und man merkt es kaum auf der Haut. Prima. Trotzdem nehme ich eine Kappe für den Kopf und Handschuhe. Kappe und Handschuhe kann ich ja bei Bedarf einfach in einer der zehn Runden im Start/Zielbereich auf die Seite werfen.

Start :
81 Ultramarathonläufer/innen stehen bereit für 50km. Alles ist irgendwie locker und entspannt. Los gehts. Vom Sportplatz raus geht es gleich nach rechts. Ein kurzes Stück auf dem Waldweg, dann kommt die Abzweigung nach links auf den Damm. Hier steht schon Gerhard der 1. Streckenposten. Er nennt doch tatsächlich die Leute beim Vornamen. Wie geht das ? Wir haben doch nur eine Nummer. Hoch geht es auf den Damm und gleich wieder nach links. Wo sind denn die Bremsläufer ? Thomas habe ich scheinbar schon verloren. Gabi läuft vor mir. Ich schließe auf, wir wünschen uns einen guten Lauf und ziehe davon. Alle guten Vorsätze vom Start weg über den Haufen geworfen. Ich kann einfach in der Anfangsphase nicht langsam laufen. Das werde ich wohl nie lernen. Jetzt kommt der erste Wert. KM1 eine 4:24. Ein kurzes aber heftiges Gefälle kommt. Gleich darauf geht es wieder langsam hoch auf die normale Dammhöhe. Hier muß man auch ein Stück neben der Autobahn laufen. Jetzt die Dammschniese im Wald. Hier könnte es ab und zu ziehen. Wir verlassen den Damm an der gleichen Stelle, wo wir hochgelaufen sind. Ein kurzes Stück, bei dem Läufer/innen entgegenkommen können. Der Damm ist quasi ein Rundkurs von ca.1800m. Das KM2 Schild kommt, ich drücke auf die Uhr 4:22. So kann das nicht weiter gehen, der Puls ist schon über 160/88%HFmax. Ich muß jetzt Tempo rausnehmen sonst ist der Lauf schneller vorbei, als mir recht ist. Jetzt geht es scharf links, wieder vorbei am genialen Streckenposten Gerhard. Er nennt jeden beim Namen, und hat noch einen aufmunternden Spruch drauf wie, "prima, das läuft gut, sieht sauber aus......." Jetzt folgt ein langes Stück durch den Wald. Mitten drin ein leichter Knick nach rechts. Ich schließe auf eine Gruppe mit Läufern auf und versuche mich deren Tempo anzupassen. Es funktioniert. Am Waldrand vor dem Feld steht wieder ein weiterer interessanter Streckenposten. Zwei ältere Männer lehnen an einem Fahrrad und haben ebenfalls lockere Sprüche für die Ultraläufer übrig. KM3 wird mit einer 4:31 gestoppt. Na bitte geht doch. Auch der Puls beruhigt sich wieder. Das kurze Stück durch das Feld ist nicht sehr angenehm zu laufen. Ein Glück ist es auch bald wieder vorbei. Die Strecke führt jetzt wieder in Richtung Sportplatz zurück. Es geht direkt am Waldrand vorbei. Zur linken schon die Wohngebiete, aber leider kaum Zuschauer. Ein kleiner Abstecher geht jetzt kurz in den Wald rein. Es folgt eine Spitzkehre und auf einem schwer zu laufenden Stück, geht es auf einer Laufspur zurück an den Weg am Waldrand. Das wird sicher schwierig hier zu überholen. Es bleibt nur die Ausweichmöglichkeit durchs Gestrüpp. Weiter am Waldrand folgt KM4 mit 4:30. Immer noch einen Tick zu schnell. Wir nähern uns dem Sportplatz. Um den letzten Kilometer der Runde voll zu bekommen ist auf dem Rasenplatz im Sportgelände ein Kurs abgesteckt der es gilt zu durchlaufen. Mitten drin sind die fleißigen Helfer vom TVS Eschollbrücken-Eich und zählen die Runden jedes einzelnen Teilnehmers. Im Hintergrund hört man ununterbrochen die markante Stimme von Manfred Kraft. Hier ist jetzt richtig was los, und das wird die Läufer/innen Runde für Runde aufheitern. Allerdings merkt man hier gleich, das Laufen auf dem Rasenplatz ist kräftezehrend. KM 5 ist absolviert. Die Uhr zeit 4:34. Vorbei geht es am Verpflegungsstand. Ich habe vorm Lauf kaum etwas getrunken und muß jetzt dringend nachladen. Doch bis ich im Vorbeiflug kapiere wo was steht, ist auch schon der Tisch zu Ende. Mist, jetzt muß es in der nächsten Runde klappen. Die ersten Runde in 22:24 gelaufen. Viel zu schnell, aber jetzt bin ich ja im Rhythmus.

Runde 2 :
Jetzt läuft es wie es sein soll. Im Schnitt 4:34 auf den KM. Ich versuche weiter an der kleinen Gruppe dran zu bleiben. Aber leider wird der Abstand immer größer. Ein paar aus der Gruppe verschwinden schnell zur Pinkelpause, und ich kann nochmal aufholen. Aber bereits auf dem Rückweg zum Sportplatz bin ich wieder eingeholt. Egal, ich ziehe jetzt mein Ding durch. Das hohe Tempo am Anfang war sowie schon nicht sehr geschickt. Außerdem bin ich in meinem Zeitplan mehr als im Soll. Für die zweite Runde benötige ich 22:50. Auf dem Sportplatz sind bereits die ersten 25KM Starter eingetroffen. Jetzt der Getränkestand. Wo ist das Wasser ? Geschafft, endlich Wasser.

Runde 3 :
Auf 10KM 45:16 gebraucht, das ist eigentlich zu schnell für mich. Aber es läuft doch. Die Zeiten in Runde 3 sind wieder ein Tick schneller 4:34, 4:25, 4:30, 4:28, 4:32 macht in der Summe 22:33. Zu schnell, das wird nicht lange so weiter gehen. Aber der Puls bleibt niedrig. Im Schnitt um die 153/84%HFmax rum. Also was spricht dagegen so weiter zu laufen. Außerdem werde ich jetzt noch beim Rundendurchlauf von Michael, Gregor, Christian und Harald die auf den 25km Start warten angefeuert. Danke Jungs, das baut auf. Da macht man doch nicht langsamer.

Runde 4 :
Eine absolute Glückssache mit dem Verpflegungsstand. Diesmal greife ich Apfelsaft. Na super, das bekommt mir ja überhaupt nicht beim Laufen. Egal, rein damit, ich brauche jetzt irgendwas. Auf das es Blähungen gibt. Für den Streckenposten Gerhard, sieht mein Laufstil immer noch gut aus, obwohl ich da langsam anderer Meinung bin. Immer mehr Läufer/innen überrunde ich bereits. Hoffentlich geht die Rechnung auf. Es ist alles nicht mehr so locker wie am Anfang. Durchlauf an der Sportplatztribüne, die 25KM Starter muntern auf. Diesmal schnappe ich mir einen Wasser Becher. Analyse der Runde: 22:44 ; Gesamtzeit nach 20km 1:30:31. Puls weiterhin im grünen Bereich bei 155/85%HFmax. Ich bin jetzt im Vergleich zum Rodgau Ultra schon über 2 ½ Minuten schneller und liege knapp 2 Minuten vor der geplanten Zeit.

Runde 5 :
Dies wird die letzte ruhige Runde werden. Danach kommen die 25km Läufer/innen dazu. Der Plan war, mindestens 1km vor den 25’er zu liegen um nicht unnötigen Überholmanövern und engen Streckenteilen ausgesetzt zu sein. Am Ende dieser Runde werde ich den Gel-Pack mit Wasser runterspülen. Vielleicht bekomme ich den leichten Hänger damit ein bisschen in den Griff. Ich lasse etwas nach. Auch merke ich leichte Probleme am Sprunggelenk. Aber das ist ja nichts neues, und da habe ich ja die Erfahrung gemacht, dass man so was in Wettkämpfen irgendwann ausblendet. Rein in den Sportplatz, Gelbeutel aufgerissen und alles fein runtergeschluckt. Die 25’er scharren schon mit den Hufen, denn bald wird der Startschuss fallen. Jetzt ganz wichtig Wasser nehmen, sonst klappt das nicht mit dem Energie Gel. 25km sind geschafft. Halbzeit, jetzt zählen die KM rückwärts. Wasser im Vorbeiflug am Verpflegungsstand genommen und runter damit.

Runde 6 :
Wieder den Anstieg auf den Damm. Das tut jetzt merklich weh, und ich habe meine Mühe oben wieder in Gang zu kommen. Jetzt werden erstmal Hochrechnungen angestellt. Für 25km habe ich 1:53:34 gebraucht. Die letzte Runde war mit 23:03 etwas schwächer. Aber immer noch ein Schnitt von 4:37/km. Das geht noch, aber die Tendenz zeigt, dass ich dieses Tempo nicht mehr lange halten kann. Auch der Puls ist trotz geringerem Tempo weiter geklettert auf 86%HFmax. Mir wird es warm. Ein Glück habe ich mich für die kurzen Sachen entschieden. Nicht auszudenken, was jetzt wäre wenn ich das Winteroutfit anhätte. Die erste Abschnitt auf dem Damm ist für mich fast vorbei, da sehe ich die ganzen frischen 25’er Läufer/innen den Damm rauf kommen. Jetzt bin ich der Gejagte. Das wird nicht lange dauern, dann haben mich die ersten eingeholt. Geschätzter Vorsprung ca. 1300-1500 Meter. Ich muß zu mindestens versuchen, das augenblickliche Tempo zu halten. Es sind noch weit über 20km zu laufen, wie soll ich das nur schaffen ? Im Rodgau hatte ich einen ähnlichen Hänger, dort bin ich irgendwie wieder in Tritt gekommen. Das muß ich hier jetzt auch schaffen. Und irgendwie auf dem langen Stück durch den Wald erhole ich mich ein wenig. Aber das Stück durchs Feld tut weh. Ich wechsele die Spur, aber es ändert sich nichts. Abstecher in den Wald, direkt an der Holzeule. Hier hab ich noch vor einer Woche total entspannt Fotos gemacht. Auch hier stehen Streckenposten und haben aufmunternde Kommentare für mich. Ich bin jetzt wieder etwas besser drauf, ich glaube der Hänger ist überwunden. Sportplatzdurchlauf kommt. KM30, die Uhr zeigt 2:16:30. Die letzten 5km in 22:56. Also nicht schlechter geworden. Auf jetzt, noch 20km dann ist es geschafft.

Runde 7 :
Noch schnell mit Cola versorgen, so ein bisschen Zucker kann jetzt nicht schaden. Bäh, was ist das denn ? Malz-Bier. Hmmm, ob das was bringt, oder ob es den Magen nur belastet ? Säuft das nicht die Eishockey Nationalmannschaft Kastenweise ? Ich schluck’s runter, 5 weitere KM ohne was, geht jetzt nicht mehr. Ich verlasse den Damm, da läuft Gabi gerade hoch. Hey super, dann ist Gabi gerade mal 1800 Meter hinter mir. Wahnsinn, die ist voll auf Kurs. Ich drücke die Daumen, dass Sie es durchhält.
Die KM Zeiten werden jetzt zu meinem großen Erstaunen sogar leicht besser. 4:34 ; 4:28 ; 4:31 ; 4:32 ; 4:35. Wobei der Puls jetzt weiter steigt, Inzwischen auf 162/88%HFmax. Aber das war klar. Immer mehr Läufer/innen müssen überholt werden. Ganz besonders schlecht ist das auf dem kleinen Trampelpfad nach der Eule. Aber ich möchte auch hier keine wertvollen Sekunden verschenken und überhole im Gestrüpp. Das ist kräftezehrend. Wieder auf den Sportplatz. Ich laufe an der Tribüne vorbei, da höre ich jemanden rufen „auf, ein Platz in der AK winkt“. Wie ? Was ? Bin ich doch so gut auf Kurs ? Jedenfalls habe ich diese Runde in 22:43 geschafft. Die Gesamtzeit steht auf 2:39:13. Das würde ja bedeuten, bei Sub 3:50 fast 1 Stunde 11 Minuten Zeit für 15km. Das ist heute meine Chance. Weiter geht’s.

Runde 8 :
Beim Anstieg auf dem Damm kommt mir Christian entgegen, der trotz heftiger Knieprobleme die 25km auf sich genommen hat. Wir machen schnell „shake-hands“. Super Christian, halte durch ! Es wird immer schwierigen nach dem eigentlich lächerlichen Dammanstieg wieder in den Rhythmus zu kommen. Mir wird jetzt echt warm. Beim nächsten Durchlauf werfe ich erst mal die Handschuhe weg. Nach dem Stück neben der Autobahn sehe ich Thomas auf dem Damm gehen ! Oh nein, was ist denn da los. „Hey Thomas, auf weiter, häng dich dran, nicht gehen !“ Er ruft, „es geht nichts mehr.“ Das kann ich nicht glauben. Er hat sich so gequält im Training. Monatsschnitt bei weit über 400km. Das ist wirklich schade, hoffentlich kann er sich noch mal aufraffen und den Lauf zu Ende bringen.
Auf eine 4:42 bei KM 36 kommt zum Glück gleich die 4:28 bei KM37. Jetzt muß ich am Ball bleiben, blos nicht nachlassen. Vorbei am Streckenposten vor dem Feld. Die zwei älteren Herren sind mir echt sympathisch. Ganz lässig lehnt der eine am Fahrrad. Ich laufe vorbei, da ruft einer der zwei „du bist neunter.“ „ne kann nicht sein“, „doch, doch neunter“. Ja,ja, vielleicht neunzehnter. Das kommt schon eher hin. Das sind doch so viele vor mir gewesen. Das passt nicht. Oder vielleicht doch ? Mal überlegen, also ganz vorne ist ja der Rene Strosny, dann waren da noch so ein paar, die am Anfang abgegangen sind, als wär’s es ein 5km Stadtlauf. Einer von „Passtschon 98“ hat mich in der 2.Runde mit einen, ja fast schon Gazellenartigen Laufstiel überholt. Und natürlich die Gruppe welche mir in Runde 3 enteilt ist. Also es könnte tatsächlich stimmen. Es könnte aber auch nicht stimmen, und außerdem sind noch über 11km zu laufen. Jetzt konzentrieren und zusammenreißen für die letzten 2 Runden, die es mit Sicherheit gnadenlos in sich haben werden. Nochmal durch den Sportplatz, die „Bonusrunde“ auf dem Rasenplatz wird zur Qual. Da helfen auch kaum mehr die Sprüche von den fleißigen Rundenzählern. Weg mit den Handschuhen. Diese werfe ich einfach beim vorbeilaufen an der Tribüne, in die Richtung meines Läuferbeutels. Mal sehen was die Uhr sagt beim 40km Durchlauf. 3:02:04 Gesamtzeit ; also 22:51 für die Runde. Na das ist doch super, jetzt noch 10km.

Runde 9 :
Kaum auf dem Damm, da überholt mich Gregor der auf 25km unterwegs ist, in einer abartigen Geschwindigkeit. Er fragt : „und ? wie lange noch ?“. „noch 10, aber ich bin am Ende“. „Beiß dich durch“ und weg ist er. Nicht zu glauben, ist der gestern Abend nicht noch beim Nightrun mitgelaufen. Wie kann man da heute Morgen so fit sein ? Jetzt kommt der Marathondurchlauf, das ist mal wieder was, wo einen kurz ablenkt von der Qual. Für die letzten 10km habe ich noch fast 48 Minuten zur Verfügung. Ich kann mir jetzt KM Zeiten im Schnitt von 4:48/km erlauben. Aber in diesem Zustand ist eine 4:48 auf den Kilometer so unglaublich anstrengend. Tatsächlich beiße ich mich durch, und schaffe Runde neun mit KM Zeiten von 4:42 ; 4:33 ; 4:40 ; 4:44 ; 4:47. Den Streckenposten rufe ich zu „wir sehen uns noch einmal“. Auf dem „Trampelpfad“ treffe ich noch einmal auf Christian, er zieht trotz Verletzung die 25km bravourös durch, super Christian. Den Marathondurchlauf habe ich ungefähr bei 3:12:20. Das wäre meine 2. beste Marathonzeit. Nicht mal 3 Minuten langsamer als meine Bestzeit. Noch eine Runde, dann bin ich durch. Jetzt noch schnell die Kappe wegwerfen und noch mal ein Getränk nehmen. Aber am Verpflegungsstand ist reger Betrieb. Ich komme gar nicht richtig ran. Ja sind die schon alle fertig ? Nein, die machen Pause. In der Hektik rempele ich noch jemanden, - sorry, das war keine Absicht.

Runde 10 :
Ich quäle mich wieder den Damm hoch, Streckenposten Gerhard feuert mich noch mal an. Die letzte Runde. Jetzt wird nicht mehr aufgegeben. Für das Ziel Sub 3:50 bleiben mir noch 24min26sec. Also ein Schnitt von 4:53/km. Ich komme kaum mehr in Tritt auf dem Damm. Nochmal durch die Schleuse. KM46 ich habe eine 4:58 ! Das darf doch nicht wahr sein, so kurz vor Schluß brech’ ich jetzt ein. Ganz locker bleiben, noch mal das letzte rausholen. Das wäre ja noch schöner. Es geht steil den Damm runter. Es kommt mir vor, als wären die Füße kurz vorm platzen. Wieder hoch. Noch einmal die Damm Schneise durchlaufen. Ich komme mir so langsam vor. Auf jetzt, hast du dafür die ganze Zeit trainiert, um jetzt den Lauf mit über 3:50 zu beenden. Niemals ! Runter vom Damm KM47 mit 4:48. Naja geht gerade noch so. Machs gut Gerhard, du warst super, danke ! Das lange Stück im Wald. Noch 3km, das ist doch eigentlich ein Klacks. Jetzt reiß dich zusammen, in spätestens 15 Minuten ist das Ding hier durch. Immer noch muß man andere Läufer/innen überholen. Jeder Schritt ist jetzt zuviel. Es geht auf das Feld zu. Noch mal die zwei älteren Streckenposten. Macht’s gut Ihr zwei, ihr wart klasse, danke für die Unterstützung. KM48 mit 4:45 absolviert. Jetzt noch 2km. Läppische 2km, die mich echt an die Grenze des machbaren bringen. Ein Glück das Feld ist vorbei. Noch mal rein auf den Trampelpfad. Schon wieder überholen im Gestrüpp. Egal jetzt. Gleich kommt KM 49. Ich kann das Schild schon sehen. Es wird eine 4:57. Nicht nachlassen. Durchziehen. Ich habe für den letzten Kilometer genau noch 4 Minuten 57 Sekunden Zeit. Ziehen wir mal 5 Sekunden vom Start ab, dann wäre ich mit einer 4:50 auf der sicheren Seite. Los, quäl dich. Rein auf das Sportgelände. Ich mobilisiere alles. Versuche die Arme noch mit einzusetzen. Vorbei an den Rundenzählern. Einer ruft : „Ziel hier lang“. Oh, fast hätte ich noch den richtigen Weg verpeilt. Das muß reichen, ich bleibe unter 3:50 ! Ich bin schon auf der Bahn. Das können höchstens noch hundert Meter sein. Ich ziehe noch mal an. Das Ziel ist zum greifen nah. Geschafft. Ja, ja, ja, ja. 3:49:42. Ich hab’s tatsächlich in der geplanten Zielzeit geschafft. Ich kann es kaum glauben. Das ist der Wahnsinn. Über 4 Minuten schneller als vor 2 Monaten im Rodgau.

Völlig neben der Spur, gehe ich zu meinem Läuferbeutel und hole schnell Jacke und Hose zum überziehen gegen die Kälte.

Ich habe mein Möglichstes getan, jetzt heißt es abwarten, was diese Zeit am Schluß wert ist. Vielleicht reicht es zu einer Platzierung in der Altersklasse.
Gregor ist schon im Ziel, er ist die 25km in der Hammerzeit von 1:43:57 gelaufen. Unglaublich ! Jetzt wird sich erstmal über das Ziel Büffet hergemacht. Schokolade, Kekse, Malzbier alles da. Jetzt kommt auch Michael in Ziel. 2:02:48 ist für Ihn eine super Zeit. Glückwunsch ! Nun müßte doch auch Gabi bald eintreffen. Ihr kann heute der ganz große Coup gelingen. Da kommt Sie auch, klasse. Zieh durch die letzten Meter. Sie hat es geschafft. In 4:06:01. Und es hat Sie keine Frau überholt ! Also Gesamt Platz 1 der Frauen !!!! Ja !!!! Das ist nun wirklich der Oberhammer. Super gemacht Gabi !

Duschen, dann ab zur Siegerehrung und zum feiern !
Die Duschen sind wie im Rodgau nur mit kaltem Wasser. Aber das belastet mich heute nicht mehr. Ich packe gerade meine Sachen zusammen, da kommt auch Thomas in die Umkleide. Er hat den Lauf tatsächlich noch durchgezogen. Klasse !
Ich gehe nach draußen, da kommt mir auch schon Gregor entgegen und gratuliert mir zum 2.Platz in meiner AK. Nein, das kann nicht sein. Ich gehe zu den Ergebnislisten. Es stimmt. Jawohl !!!!! 2. Platz hinter Rene Strosny dem Gesamtsieger der Männer. Zum ersten Mal aufs Treppchen gehen….ich bin total happy. Und Greger, ja der hat den 1. Platz in seiner AK über die 25km erreicht. Es ist der Wahnsinn heute. Also nichts wie hin, zur Siegerehrung. Schade dass Christian, Michael und Harald schon nach Hause gegangen sind.



Was für ein geiler Tag ! Gregor, Thomas, Gabi, Frank