Sonntag, 18. April 2010

27.Wien Marathon



Vorbereitung:
Das erste große Highlight in diesem Jahr rückt immer näher. Der Vienna City Marathon. Auf dieser fast flachen Strecke will ich es mal wieder versuchen. Die Sub 3 soll zum 2. Mal nach Frankfurt 2009 gepackt werden ! Allerdings war mein Vorprogramm im März mit 2 gelaufenen Marathons, in Kandel/Bienwald und Freiburg, alles andere als vorteilhaft für solch ein Unterfangen. Trotzdem das Training nach Freiburg weiter angezogen. Mehr aufs Tempo gedrückt, und die langen Läufe auf max 26km beschränkt ! Die immer noch anhaltenden Schmerzen im Fußballen links wurden leider nicht besser. Ich lief meine Trainingseinheiten fast nur noch in sehr weichen Schuhen mit Vorfußdämpfung. Damit war es eben am angenehmsten. 1 Woche vor Wien. Der letzte lange Lauf stand auf dem Programm. Sollte eigentlich gemütlich werden, nach 3 Tempoläufen unter der Woche (Montag/Donnerstag/Samstag). Aber in der Euphorie bin ich Idiot die ganzen 26km mit einem Schnitt von 4:48min/km gelaufen. Wie blöd muß man eigentlich sein ? Die Quittung kam noch am gleichen Tag. Knie und Oberschenkel Schmerzen ! Es war einfach zu viel und zu schnell. Die letzte Woche also nur noch 2x ganz vorsichtig gejoggt. Durch jeden Lauf wurden die Schmerzen schlimmer. Ja sogar beim sitzen hat man das gemerkt. Was für tolle Aussichten für Wien. Was kann ich jetzt noch tun ? 1x Physiotherapie, Knieinnenseite und Oberschenkel getaped. Hoffen dass ich damit irgendwie den Lauf verletzungsfrei überstehe. 4 verschiedene Schuhe eingepackt um alle Möglichkeiten von weich, hart, gedämpft, gestützt am Wettkampftag offen zu haben. Die Sub 3 habe ich bereits abgeschrieben und auf den Herbst verlegt.

Samstag 17.4.
Sehr früh um 5:30 Uhr geht es los. 750km bis Wien. Die Straßen werden voll sein, da ein Vulkanausbruch auf Island den kompletten Flugverkehr kurzfristig lahm gelegt hat. Die Autofahrt zieht sich. Die Knie und die Oberschenkel schmerzen. Ich halte ständig an, um mir die Beine zu vertreten. Endlich ! Kurz nach 3, ich habe Wien erreicht. Weiter geht es durch die Stadt zum Messegelände. Ich bin beeindruckt ! Alles so sauber. Kein Dreck, kein Papier fliegt rum. Die Gebäude sehen alle aus wie frisch renoviert. Ein Hingucker nach dem andern, ich kann mich kaum auf den Verkehr konzentrieren, so geblendet bin ich. 15:30 Uhr Messegelände erreicht, Startunterlagen klargemacht. Noch ein wenig auf der Messe rumschlendern und weiter geht es in die Unterkunft.



Wien muß sauber bleiben ! Wirklich an jeder Ecke steht ein Mülleimer. Die Stadt ist wie geleckt.



Das Messegelände Wien



Reibungslose Abwicklung bei der Startnummernausgabe

Zur Übernachtung bin ich in einer sauberen und ordentlichen Jugendherberge, im Wiener Stadtteil Brigittenau, ca.3km vom Start entfernt untergebracht. Nach kurzer Erholung von der Autofahrt wird die Innenstadt erkundigt. Um 19:30 Uhr gibt es Abendessen im "La Norma" ganz in der Nähe vom Stephansdom. Alles organisiert von Wolfgang aus Wien für 12 Personen aus dem Runnersworld Forum. Hier nochmal meinen besonderen Dank, für diese herzliche Betreuung und Unterstützung über das gesamte Marathonwochenende. Ich bin viel zu früh, und latsche noch ewig durch die Wiener Innenstadt. Bei jedem Schritt merke ich meine Knie und Oberschenkel, und ich frage mich, wie das morgen nur gutgehen soll. Ich habe mächtig Hunger, ein Glück es ist halb acht. Beim Essen gibt es außer dem Laufen noch ein anderes Thema. Der Vulkanausbruch und das damit verbundenen Flugverkehrsverbot. Viele hatten günstige Flugtickets erworben, und mußten nun mit der Bahn oder dem Auto anreisen. Einige haben den Marathon sogar komplett gestrichen. Sehr ärgerlich, aber nun nicht mehr zu ändern.
Zufälle gibt es manchmal, das ist schon verwunderlich. Da treffe ich beim Abendessen in Wien, auf Yvonne aus Dietzenbach, das ja quasi gleich bei mir um die Ecke liegt. Außerdem sind wir noch in der gleichen Jugendherberge untergebracht. Prima ! Da muß ich ja morgen früh gar nicht alleine zum Start losziehen.




Da kann sich jede deutsche Stadt eine Scheibe von abschneiden. 24 Stunden Ticket 5,70 Euro !



Jugendherberge reicht vollkommen, 2 Übernachtungen mit Frühstück für 38,50 Euro.



Der Stephansdom, mit ner normalen knipser Kamera gar nicht komplett drauf zu bekommen



Leckeres Abendesssen im "La Norma"

Sonntag 18.4. Wettkampftag
Aufstehen um 5:30 Uhr. Läuferbeutel habe ich schon am Vortag gepackt. Bleibt nur noch die Schuhwahl. Die Qual der Wahl. Ich nehme nicht wie geplant die weichen Saucony Schuhe um den gereizten Fußballen zu entlasten, sondern den weit aus härteren Wave Rider. Die Überlegung ist folgende : Lieber mit Schmerzen am Fußballen laufen, als die lädierten Knie und Oberschenkel mit weicherer Dämpfung noch mehr zu strapazieren. So, jetzt schnell noch das Frühstück einnehmen. Ausnahmsweise gibt es das heute schon um 6:30 Uhr. 2 Brötchen mit Käse und Honig, dazu natürlich viel Kaffee.



Marathonfrühstück : Brötchen mit Käse oder Honig, viel Kaffee

Auf gehts zur U-Bahn. Jetzt bloß nicht zu viel laufen ! Aber Yvonne kennt sich hier schon super aus, nur 10min bis zur Station. Überall sieht man Läufer/innen mit den gepackten Beuteln laufen. Ja, jetzt geht es bald los. Ausstieg in der Uno-City auf der anderen Seite der Donau. Wahnsinn, was hier los ist. Das muß man alles erst mal kapieren. Wo ist mein Startblock ? Und wie ist das mit der Kleiderabgabe ? Also der Startblock ist schon mal klar. Es wird in zwei Bahnen gestartet, welche kurz vor KM 3 zusammengeführt werden. Mir ist es wirklich ein Rätsel, wie das bei über 30000 Startern ohne größere brems und Ausweichmanövern gerade am Anfang klappen soll. Die Läuferbeutelabgabe befindet sich ganz am Ende des Starterfeldes. Hier stehen LKWs bereit, welche nach dem Start die Beutel in den Zielbereich am Heldenplatz bringen werden. Wie üblich nochmal aufs Dixie Klo, Läuferbeutel weg. Powerriegel gefuttert und ab in den Starterblock.



Startbereich in der Nähe der Uno City



Die Läuferbeutel werden auf LKWs gepackt und nach dem Start in den Zielbereich am Heldenplatz gefahren



Gleich gehts los, ab in den Starterblock !

9:00 Uhr Start
Nachdem die Eliteläufer um 8:59Uhr losgelassen wurden, setzt sich jetzt das riesige Hauptfeld von Marathon und Halbmarathon Läufer/innen in Bewegung.
Die Befürchtungen, am Start im Läuferstau stecken zu bleiben waren unnötig. Gerade mal 35 Sekunden nach dem Startschuß passiere ich die Messmatte der elektronischen Zeiterfassung. Natürlich muß man hier den einen oder anderen Schlenker laufen, aber das habe ich z.B. in Frankfurt oder auch anderswo viel schlimmer in Erinnerung. Gleich der erste Highlight zu Beginn des Marathons. Sofort geht es nach dem Start über die Reichsbrücke. Man hat einen fantastischen Blick auf das Donauufer und die Stadt. Wahnsinn ! KM 1 kommt schon und jetzt bin ich gespannt. 4:30min/km, genau richtig für den Anfang. Mein erster Eindruck: Knie sind etwas wackelig, aber keine Schmerzen. Der Fuß sitzt sehr gut im Schuh, gereizter Fußballen macht keinen Ärger. Und ich bin irgendwie gut drauf ! Reichsbrücke runter, Fahrt aufnehmen. KM2 in 4:00min. Top ! Linkskurve am Praterstern, beide Laufspuren führen nun zusammen. Auch hier keine größeren Probleme trotz großer Läufermasse.



Kurz vor KM3 am Praterstern werden die beiden Startlinien zusammengeführt

Auf der Hauptallee geht es weiter, das KM 3 Schild fliegt mit ner 4:04min/km an mir vorbei. So jetzt aber mal schön cool bleiben und nicht überpacen ! KM4 kommt und ich schaue ungläubig auf die Uhr 3:59min/km. Das kann nicht gutgehen ! Den ersten Getränkestand lasse ich wie immer aus. Die Gegend im Prater ist sehr grün. Viele Bäume, die Sonne blinzelt durch die Blätter. Es macht einfach im Augenblick eine riesen Freude hier zu laufen. Abzweig in die Stadionallee. Messmatte für KM5 kommt. 3:53 für KM5 und 20:26min insgesamt ! Wir sind doch hier nicht auf einem 10er Volkslauf ! Jetzt muß Tempo raus, sonst kann ich das Ding hier in spätestens einer Stunde abhaken ! Abzweig in die Schüttelstraße direkt am Ufer das Donaukanals. Toller Blick auf die andere Seite. Die Temperaturen steigen langsam an. Das könnte ein kleiner Nachteil werden. Es soll heute bis knapp an die 20 Grad werden. Mit 4:08 und 4:18 für KM 6 und 7 habe ich jetzt das Tempo leicht gedrosselt, aber trotzdem ist das eigentlich für meinen Anspruch zu schnell. Die Zuschauer machen tolle Stimmung, das ganze drum herum. Es ist so toll hier, ich denke überhaupt nicht an die Knie, die Fußballen. Es läuft ! Und wie KM8 in 3:43 und KM9 in 4:04min/km. Jetzt Untere Donaustraße, dann ganz leichter Anstieg die Schwedenbrücke über den Donaukanal. Franz Josefs Kai auf der Innenstadtseite des Donaukanals. Super Stimmung ! Enge Zuschauergasse, Kinderhände abklatschen....ein bisschen "Luxembourg Marathonfeeling" kommt auf. Abzweig in den Wiener Ring. Hier läuft jetzt klassische Wiener Opernmusik über Lautsprecher. Normal ist sowas ja zum Einschlafen ganz gut, aber hier passt es wirklich, denn wir sind ganz in der Nähe der Oper.



Die Wiener Staatsoper. Die Streckenführung ist wirklich genial, man bekommt sehr viel zu sehen. Bildquelle: Wikipedia

Die KM10 Messmatte wird bei 40 Minuten 56 Sekunden überquert. Jetzt frage ich mich wo das hinführen soll ? Ich merke so langsam dass dieses brutal hohe Anfangstempo sehr viel Kraft gekostet hat. Aber so gut war ich noch nie bei einem Marathon unterwegs. Die Knie, die Füße alles spielt bisher gut mit. Also das Ziel kann jetzt nur noch lauten : Sub 3, auf geht's !!!! Ab jetzt wird die Strecke leicht ansteigen ca.50 Höhenmeter kontinuierlich bis KM19. Das wird man leicht merken. (danke für den Hinweis beim Abendessen von den Wiener Insidern). Wenn ich das hinter mich gebracht habe, dann schauen wir mal was die Halbmarathonzeit sagt. Vorbei geht es an der Secession, rein in die Linke Wienzeile Richtung Schloss Schönbrunn.



Die Wiener Secession war eine Vereinigung bildender Künstler in Wien. Bildquelle: Wikipedia

Den leichten Anstieg nehme ich erst mal kaum wahr. KM 11 und 12 mit je 4:02min/km genommen. Jetzt merke ich doch schon ein bisschen das hohe Tempo. Zur Ablenkung stecke ich mir so ein Schaum Ding mit Koffein in die Backen. Soll ja angeblich super schnell wirken (wenn man dran glaubt). Die Wien Zeile zieht sich. Ich halte die Pace von 4:09 bis zur KM15 Messmatte. Gesamtzeit 1:01:26. Mal kurz hochrechnen. Das wären ja bereits über 2 1/2 Minuten "Vorsprung" auf die Sub 3 ! Nicht blenden lassen, sowas hatten wir ja schon öfter. Einfach weiterlaufen. Am Schloss Schönbrunn geht es die Schlossallee hinauf, Abzweig Mariahilfer Straße.



Westlichster Punkt der Strecke, Schloss Schönbrunn. Bildquelle: Wikipedia

Puh ! Jetzt merke ich es auch an den Zeiten KM16 4:17 und KM17 nur 4:24min/km. Aber das macht gar nichts, ich bin gut unterwegs, die Probleme mit den Knien sind wie ausgeblendet, der Fußballen regt sich auch nicht, also weiter, nicht locker lassen, dran bleiben. Stimmung wird besser, es geht Richtung innere Stadt. Die nächsten beiden KM (je 4:10) kann ich wieder etwas zulegen. Für die Halbmarathonies ist bereits der Schlußspurt angesagt. Ich lasse mich mitreisen und drücke den KM 20 mit 3:48 ab. Tolle Stimmung hier im Zielbereich. Links ab in den Burgring. Hier verzweigt sich jetzt Marathon und Halbmarathon. Zum ersten Mal kann man erahnen was hier am Heldenplatz für eine Stimmung ist. Halbmarathondurchlauf mit 1:27:03, das haut mich echt aus den Latschen. Das ist meine 2.beste Halbmarathonzeit ! Was läuft denn hier heute für ein Film ? Fast 3 Minuten schneller als der Sub 3 Plan. Das muß ich heute einfach packen ! Die Strecke ist abschüssig, weiter Fahrt aufnehmen. Vorbei am Wiener Rathaus. KM22 in 4:00. An der Seite ein Polizeiauto mit der Geschwindigkeitsanzeige auf dem Dach. Schöne Idee. Bei mir zeigt das Ding 14km/h. Weiter die Lichtensteinerstraße. KM23 wieder 4:00 ! Ich fasse es nicht. Das wird heute klappen !



Grandiose Laufkulisse : Wiener Rathaus. Bildquelle : Wikipedia

Es geht in Richtung Friedensbrücke. KM24 weiterhin mit 4:12 voll im Plan. Über den Donaukanal rüber auf die windanfällige Donaustraße direkt am Donaukanalufer. Jetzt wird es ungemütlich. Der Wind pfeift empfindlich von der Seite. Ich stemme mich mit aller Gewalt dagegen und versuche so die Pace zu halten. Die 25km Messmatte kommt. 3:56min/km und 1:42:47 insgesamt. Das ist wirklich der Hammer. Kurze Hochrechnung ergibt : 3 Minuten 51 Sekunden Vorsprung auf Kurs Sub 3. Aber jetzt wird der Seitenwind immer schlimmer. Das schlaucht, die Kräfte schwinden. Die Zuschauer sind nun auch nicht mehr so zahlreich an der Strecke. KM26 und 27 fallen mit 4:34 und 4:20 schon weit schlechter aus. Dieses Donauufer, wie lange geht das denn noch ? Versaut mir das jetzt noch alles ? Los weiter, das lasse ich mir doch jetzt nicht vom Brot nehmen. Plötzlich auf der anderen Straßenseite ein riesen Aufgebot von Autos, Motorrädern, als wenn hier gleich der Pabst vorbeifahren würde. Aber am Ende der ewigen Schlange von Motorrädern ist nicht der Pabst, sondern Paul Kimogul aus Kenia der momentane Führene des Marathons. Dicht gefolgt von weiteren Afrikanern und zwei Polnischen Läufern. Nebenbei bemerkt, gewinnen wird am Ende Henry Sugut aus Kenia in 02:08:40. Aber wo bleibt den nur Günther Weidlinger ? Endlich da kommt sein Auto. Damit es auch der letzte Zuschauer kapiert, fährt extra ein Smart mit dem Schild Günther Weidlinger auf dem Dach voraus. Aber der Lokalmatador sieht nicht gerade glücklich aus. Er scheint Probleme zu haben. Der Mann ist mir sowieso sympathisch also feuere ich ihn an. Auf weiter Günther ! Wann hat man schon mal die Möglichkeit Günther Weidlinger in noch nicht einmal 2 Metern Abstand direkt zu unterstützen. Was für Weidlinger die Sub 2:10 ist, das ist für mich die Sub 3. Also kämpfen gegen den Wind. KM29 wieder ne 4:04. Na bitte, es geht doch noch. Der Einbruch ist noch nicht da. Jetzt geht es weg von Donauufer in den Prater. Der Wind ist nicht mehr so heftig. Doch die Kräfte lassen jetzt endgültig nach. 4:34 für KM 30 und 2:04:45 insgesamt. Macht nach Hochrechnung auf Sub 3 noch 3 Minuten 12 Sekunden Vorsprung. Noch 12 KM, Auf ! Durchbeißen ! Jetzt die Wendeschleife am Ernst-Happel-Stadion. Schon wieder so ne windanfällige Stelle.



Das Ernst Happel Station, hier haben also unsere National Kicker das EM Endspiel gegen Spanien verloren. Bildquelle: Wikipedia

Schleife am Stadion passiert. Kurzes Stück zurück, vorbei an KM31(4:18) und rein in die Hauptallee runter zum Lusthaus. Für diese Wendestrecke haben sich die Organisatoren was ganz besonderes einfallen lassen. Alle paar 100 Meter sind Lautsprecher aufgestellt, und es dröhnt die Musik aus "Fluch der Karibik" auf die Läufer. Eine tolle Idee. Obwohl ich noch nie einen dieser Filme komplett gesehen habe, beflügelt mich die Musik. KM 32 und 33 in 4:25 und 4:22. Wende am Lusthaus. Wieder die ganze Strecke zurück zur Stadionallee. Pace jetzt wieder für die nächsten 2 km bei 4:17min/km.



Wende in der Hauptallee am Lusthaus, ab hier noch 9 KM bis zum Ziel Bildquelle: Wikipedia

Die KM35 Messmatte kommt. 2:26:24. Das macht immer noch 2min 53sek Vorsprung auf die Sub 3. Wieder runter zum Donau Kanal. 2km müssen hier noch mit Seitenwind gelaufen werden. Nochmal ein Gel mit Koffein eingeworfen. Inzwischen meldet sich die rechte Wade. Das fühlt sich an wie kurz vorm Krampf. Jetzt hat alles so super geklappt. Knie, Füße alles durchgehalten und jetzt bahnt sich da ein ganz anderes Problem an. Auf komm' es wird gehen die letzten 7km. Durchbeißen ist jetzt angesagt. Wind am Donauufer ist zum Glück nicht mehr so schlimm. Ich bin mit Zeiten von 4:22 (KM36) und 4:15 (KM37) weiter voll im Soll. Noch 5 KM bis zum großen Triumpf. Es ist jetzt wirklich hart, die Wade meldet sich immer mehr. Doch da kommt ein Lichtblick. Wolfgang und Katja vom gestrigen Runnersworld Forumsabendessen stehen an der Strecke und machen mir Mut für die letzten Kilometer.



KM 38, noch gut 4 Kilometer trennen mich von einer möglichen neuen Marathonbestzeit Foto: Katja Wist (Danke)

Ich baue weiter ab. KM38 wird ne 4:35. Die kleinen Anstiege jeweils an den Brückenköpfen werden zur echten Herausforderung. Direkt vor mir fährt ein Radfahrer der die Straße überqueren will, in einen Läufer rein. Was für ne überflüssige Aktion. Hoffentlich kommt der Läufer wieder in Tritt. Aber so wie es aus sieht, ist zum Glück nichts passiert, er läuft verärgert weiter. Da ist endlich die Franzensbrücke über den Donaukanal. Rüber gehts. KM39 in 4:30min. Jetzt geht echt nix mehr, das Limit ist erreicht. Noch 3km durchhalten. Über den Radetzkyplatz geht es in die vordere Zollamtstraße. Ich quäle mich über den Asphalt. Wo beleibt die KM40 Marke ? Das nimmt ja gar kein Ende mehr. Da kommt die "40" mit der Messmatte. 4:37 für KM40 und 2:48:44 insgesamt. Der Vorsprung auf die Sub 3 ist auf 1 Minute 53 zusammengeschmolzen. und das ja auch nur bei einem 4:15er Schnitt. Aber an Sub 3 denke ich schon lange nicht mehr. Die alte Bestmarke von 2:59:40 aus Frankfurt 2009 muß geknackt werden ! Bis ins Ziel ist die Strecke jetzt auch noch leicht ansteigend. Über die Weiskirchnerstraße wieder rüber in den Ring. Vorbei am Stadtpark. Alles mobilisieren was noch geht. Die Wade verhärtet immer mehr. Weiter im Kärntner Ring. KM41 in 4:34min/km das ist ok. 2:53:18 stehen auf der Uhr. Ich muß einfach nur so weiterlaufen, dann fällt heute die alte Bestmarke. Vorbei an der Staatsoper. Ich kann den Lärm von Heldenplatz hören. Das wird heute der größte Erfolg in meiner Freizeitläufer Laufbahn werden. Durchhalten !!! Zähne zusammenbeißen. Da kommt auch schon das Völkerkunde Museum zur rechten. Dahinter ist der Heldenplatz. Ich habs gleich. Noch die paar Meter. Die Stimmung ist super ! KM42 Schild ist sichtbar.



Fast geschaft. KM42 fest im Blick. Noch 200m bis zur neuen Marathonbestzeit

Nochmal ein prüfender Blick auf die Uhr. KM42 in 4:37min/km. Gesamtzeit 2:57:55. Das reicht ganz locker zur neuen PB. Was für ein Knaller. Durch das Heldentor auf den Heldenplatz. Einfach nur genial diese Kulisse für das Ziel zu nehmen. Noch ein paar Meter. Endspurt mit allem was noch geht. Der Zielbogen kommt. Jaaaaa !!! Geschafft !!!!
Wien Marathon in 2:58:43 gelaufen !!!! Das halte ich im Kopf nicht aus.




Die letzten 200 Meter. Unter tosendem Beifall durchs Heldentor treibt mir fast die Tränen in die Augen



Emotional wohl kaum mehr zu toppen. Einlauf auf dem Heldenplatz

Im Zielauslauf, kurz sammeln und dann den Läuferbeutel abholen. Doch dafür muß ich erst einmal über den ganzen Heldenplatz gehen. Die LKWs mit den Beuteln stehen ewig weit weg vom Zielbereich. Aber trotzdem, eine logistische Meisterleistung des Wien Marathon Orgateams. Bedenkt man doch, wie viele Leute hier am Start waren.



Geschafft !!!! 2:58:43 !!! Heute Abend wird gefeiert !!!



Weite Wege sind zu gehen auf dem Heldenplatz, aber bei dieser Menschenmasse wohl nicht besser zu lösen.



Überall Bananenschalen und leere Getränkeflaschen

Geduscht wird in den Feldduschen der Bundesmarine. Eng, aber es geht doch irgendwie. Frisch geduscht geht es in ein Cafe zum Forumstreff. Wie üblich brauche ich eine Ewigkeit zum Duschen, und so ist es kein Wunder, dass nur noch ein paar Leute beim Treff sind. Wolfgang der einheimische Wiener kümmert sich wieder rührend um uns. Nochmal zurück zum Heldenplatz. Hier warten noch die Lauffreunde aus Hannover.



Allen Grund zum strahlen. Wien Marathon geschafft. Frank, Holger, Moni, Nobby und Yvonne (ich hoffe, ich habe hier jetzt keine Namen verwechselt) Foto: Wolfgang Zissler (Danke)

Am Abend geht es es mit Yvonne in den Prater. Wir essen was leckeres, trinken viel Bier, Wein und feiern !



Im Prater läßt sich es sich schön feiern



Servus Wien, es war sehr schön ! Ein unvergessliches Marathonerlebnis mehr.

Sonntag, 28. März 2010

7.Freiburg Marathon



Endlich wieder ein Stadt Marathon.

2 Wochen nach dem Bienwald Marathon steht nun der Freiburg Marathon auf dem Programm. Gute Stimmung, schöne Stadt, tolle Strecke so die Kommentare im Vorfeld.
Trainingsmäßig läuft es allerdings nicht optimal. Ich merke dass so langsam die Luft raus ist. Ständige Probleme mit den Zähnen und dem Darm machen mir ebenfalls zu schaffen. Schließlich hilft es nichts mehr, Die Zahnschmerzen werden immer schlimmer. 3 Tage vorm Marathon wird mir der Kiefer aufgeschnitten, um eine Zahnwurzel zu behandeln. Mit genähtem Kiefer geht es nach Freiburg an den Start.

28.März

Die Umstellung der Winter auf Sommerzeit klaut zusätzlich noch eine Stunde wichtigen Schlaf. Um 5 Uhr rasselt der Wecker. Los gehts. Frühstücken, Sachen packen, ab nach Freiburg.
Um 9:30 Uhr bin ich bereits auf dem Messegelände. Noch viel Zeit. Es ist leicht stürmig, es sieht nach Regen aus. Temperaturen um die 10° Grad. Startunterlagen holen, kurz über die Messe schlendern und umziehen. Ich treffe auf Gabi, die bereits Samstags angereist ist. Wir können noch ein bisschen plaudern bevor es los geht.




Die Freiburger Messe, Start/Ziel und Marathonzentrum, das Wetter sieht alles andere als gut aus



Pacemeker für die Zeiten ab 3:00 Stunden stehen zur Verfügung

11:20 Uhr Start

Pünktlich geht es los. Der Wind pfeifft, das Wetter hält noch. Vom Start gut weggekommen. Kaum Gedrängel auf der breiten Straße. Es geht durch den Stadtteil Bezenhausen. Bereits hier sorgen Musikbands für gute Stimmung. Die ersten KM sind schon nicht so locker wie sonst. Trotzdem halte ich erst mal die Pace von 4:15. Doch bereits bei KM 5 im Stadtteil Haßlach muß ich einsehen, dass es heute nicht mein Tag ist. Ein leichtes Höhenprofil ist auch in der Strecke. Immer mal wieder langgezogene leichte Anstiege und Gefälle kosten Kraft. Es nähert sich der erste Highlight der Strecke. Die Wiwili Brücke über die Bahngleise wird überquert.



Die Wiwilibrücke ist wieder mit im Programm, für 6,3 Millionen Euro saniernt, wurde die Brücke nach eineinhalb Jahren im September 2009 wieder geöffnet. Fotoquelle : Wikipedia

Tolle Stimmung am Ende der Brücke, rein in die langgezogene Wilhelmstraße. Am Ende folgt die fast 180° Wende und weiter geht es in die Werthmannstraße. Vorbei am Freiburger Staatstheater. Schon wieder ein Versorgungsstand. Also das ist hier ja wirklich vorbildlich. Alle 2,5 km ein Versorgungspunkt. von links und rechts gibt es Wasser, Iso, Riegel, Bananen. Man verliert hier überhaupt keine Zeit.



Staatstheather Freiburg. Fotoquelle: Wikipedia

Über den Friedrichring geht es in die Innenstadt. Kopfsteinpflaster ! Ich suche nach dem bequemsten Weg. Am besten geht es gleich neben dem "Freiburger Bächle".



Das Freiburger Bächle,ein Wahrzeichen der Stadt, welches sich fast durch die gesammte Altstadt schlängelt. Bildquelle: Wikipedia

Hier gibt es jetzt überall etwas zu sehen. Top Stimmung, sändig eine Musikband. Das macht Spaß und läßt das Kopfsteinpflaster vergessen. Die Strecke führt durch das Martinstor. Kurz darauf verlassen wir vorläufig den Altstadtbereich.



Martinstor - das ältere der beiden noch erhaltenen Tortürme der mittelalterlichen Stadtbefestigung. Fotoquelle: Wikipedia

Erholung für die Füße - kein Kopfsteinpflaster. Aber über die Wallstraße und Greiffeneggring geht es schon wieder rein in den Altstadtbereich/Herrenstraße. Hier geht es jetzt am Freiburger Münster vorbei. Allerdings gibt es davon nur einen kurzen Seitenausschnitt zu sehen.



Freiburger Münster, das Wahrzeichen der Stadt.

Das wars vorerst mit dem Kopfsteinpflaster. Kaum wieder festen Boden unter den Laufschuhen, da geht es auch gleich den Schlossbergring bergauf. Das zehrt jetzt ganz schön an den Kräften. Ein Glück die Kuppe ist erreicht. Erstmal verschnaufen. Über die Karthäuser Straße geht es zum Ufer der Draisam. Jetzt schauen, was sagt die Uhr. Genau 43 Minuten für 10km. Das wäre ein guter Schnitt, aber ich werde merklich langsamer. Auf der anderen Uferseite sieht man jetzt die Ganter Brauerei. Ach, wenn ich nur schon das Zielbier in der Hand hätte.....Oberaubrücke über die Draisam, weiter auf der anderen Seite. KM11 kommt ich drücke ab, da meldet der Forerunner doch "Speicher voll". Und jetzt ? Im laufen versuche ich irgendwie ein bisschen Platz auf der Uhr zu schaffen. Ergebnis: Ich habe alles gelöscht ! Inklusive der aktuellen laufenden Zeit ! Also schlimmer gehts nimmer. Jetzt muß ich ohne Gesammtzeitangabe weiterlaufen. Das darf doch nicht wahr sein !
Der Wendepunkt an der Sandfangbrücke ist endlich erreicht. Wieder rüber auf die andere Seite. Zurück, durch den Stadtteil Oberau bis zur Karthäuserstraße. Hier kann man jetzt die entgegenkommenden Läufer/innen sehen. Man feuert sich gegenseitig an. Vorbei geht es am Schwabentor in die Bezirke Neuburg und Herdern.



Ein Sightseeing Highlight jagd den anderen. Das Schwabentor wurde um 1250 errichtet. Fotoquelle: Wikipedia

Die Strecke ist abschüssig, da kann man mal wieder etwas Zeit gutmachen. Trotzdem pendelt sich die Pace jetzt über der 4:20er Marke ein. Die Gegend wirk jetzt eher langweillig. Wohngebiet eben. Jedoch gibt es immer wieder eine der 42 Musikbands an der Strecke zu sehen. Erst KM17, ich bin platt. Das war alles zu viel in der letzten Zeit. Unter der Bahnlinie durch in den Stadtteil Zähringen. Wendepunktstrecke am Ende der Alban Stolz Straße. Jetzt pfeifft der Wind empfindlich ins Gesicht. Gel rein bei KM20. Abzweig in die Waldkircherstraße. Leichter Anstieg und Gegenwind. Wo soll das noch hinführen, wir haben ja noch nicht mal die Hälfte und ich bin nur am jammern ! Das Messegelände kommt. Über die Brücke rüber, da ist auch schon die Verzweigung von 2. Runde und Ziel. Ich überquere die Messmatte für den Halbmarathondurchgang. Keine Ahnung wo die Uhr steht, ich schätze bei 1:32 grob über den Daumen gepeilt. Auf gehts in die 2.Runde !
Berliner Allee, ich versuche an einer Gruppe dran zu bleiben. Ein Streckenposten kommt mit dem Fahrrad und kennt scheinbar ein paar aus der Gruppe. Er fragt wie's denn so läuft. "Schnell" ist die Antwort. Also schnell bin ich jetzt nicht mehr. Saft und kraftlos bewege ich mich weiter. Die Pace pendelt um die 4:30min/km. Jetzt blos nicht nachlassen, irgendwie werde ich doch noch diese 20km schaffen. Ich quäle mich durch den Stadtteil Haslach. Ein paar Leute an der Strecke rufen uns zu "das sieht gut aus !" Der Meinung bin ich ganz und gar nicht. Ich hoffe auf den Innenstadt Bereich. Vielleicht kann hier die Welle der Begeisterung mir nochmal zu neuen Kräften verhelfen. Engelbergerstraße, Wiwili Brücke. Runter in die Wilhelm Straße. Die Pace ist jetzt bereits auf 4:40 angelangt. Ich darf jetzt nicht nachlassen. Los weiter ! Vorbei am Staatstheater. KM28 immer noch 14 km zu laufen. Ich überhole die ersten Gehpausen Läufer. Ich versuche aufzumuntern. "Los komm weiter, nicht gehen !" Aber es kommt ein klares "nein" zurück. Wieder kein Mitstreiter auf den letzten Kilometern. Es geht alleine weiter. Ein Glück kommt jetzt die Altstadt, da gibt's wieder Stimmung. Tolle Atmosphäre in einer schönen Stadt. Allerdings auch das ungeliebte Kopfsteinpflaster. Mit 4:36, 4:41 und 4:35min/km geht es weiter. Vorbei an einer der zahlreichen Bands. Hier gibts jetzt richtig was auf die Ohren. Von Slayer bis zu den frühen Metallica Krachern, Heavy Metal vom feinsten. Soviel Zeit muß jetzt sein : Ich klatsche Beifall und halte den Daumen nach oben. Sauber Jungs, das gibt mir nochmal Schwung für den leichten Anstieg auf dem Schlossbergring. KM31 Marker kommt. Meine Gesammtzeit kann ich nur schätzen. Wenn ich diesen Lauf heute in unter 3 Stunden 10 beenden kann, dann ist das absolut ok. Weiter an der Draisam entlang. Ganter Brauerei zur rechten. Kleine Brücke über die Draisam. Auf zum Wendepunkt der Strecke. KM33 ist passiert. Noch 9 Kilometer, das muß doch zu schaffen sein. Der bereits leichte Regen wird immer stärker. Ach das macht jetzt kein Spaß mehr. Wendepunkt an der Sandfangbrücke erreicht, nochmal über die Messmatte von Mika Timing. Der Versorgungspunkt im Stadtteil Oberau ist zu sehen. Soll ich noch ein Gel nehmen ? Besser nicht, irgendwie fühle ich mich vollgepumpt mit dem ganzen Wasser und Iso Zeugs. Die KM Zeiten bleiben weiter im soll. Pace um die 4:35, damit kann ich zufrieden sein. Es folgt der parallele Streckenabschnitt im Schwabentorring. Vorbei am Schwabentor, leichtes Gefälle im Schlossbergring und Mozartstraße ermöglichen mit noch einmal Zeiten von 4:33, 4:32, 4:32 für KM 35-37. Noch 5km, das schaffe ich jetzt auch noch. Trostlos der Stadtteil Herdern. Hier ist kaum was los. 4:38 für KM38. Da sehe ich einen Kirchturm. Ungefähr zehn Minuten nach zwei. Rechnen : Start war um 11:20 Uhr, also für ne Sub 3:10 muß ich nur vor halb drei im Ziel sein. Bleiben noch ca. 20 Minuten für 4,2km ! Weiter parallel zur Bahnlinie. Abzweig unter der Bahn durch. Da steht das Schild "Messe 3KM". Ich hab's gleich geschafft. Weiter kämpfen ! Die Zähringer Straße, endlich ! Nochmal die Wendepunktstrecke hoch. KM40 ist passiert mit 4:34min/km. Das muß reichen für die Sub 3:10. Andere Straßenseite nach dem Wendepunkt, und schon pfeifft der Wind wieder. Ich schließe auf einen Läufer auf. "Gleich haben wir es geschafft" meint er. Endlich einer der spricht ! Wir jammern beide gemeinsam um die Wette. Es ist aber auch zum kotzen mit dem Gegenwind. Und das wird auch nicht besser nach dem Abzweig in die Waldkircherstraße. 4:52min/km für KM41 ! Jetzt nochmal alles rausholen für den letzten Kilometer. Abzweig zum Messegelände. Hier gibt es sogar noch eine Versorgungsstation. Brücke über die Bahn. Nachmal alles geben. Abzweig in den Zielkanal. Ich kann die Brutto Zeit sehen. Sie ist bei knapp über 3:09. Nachmal alles mobilisieren. Nicht zu glauben. Irgendwie hab ich es wieder mal geschafft. Jetzt darf gestrahlt werden. Der Zielbogen entschädigt für alle Leiden der letzten Runde. Es hat doch alles geklappt, der angeschlagene Fußballen hat kaum gemuckt, der genähte Oberkiefer hat ebenfalls keinen Ärger gemacht, die Zeit mit 3:09:30 immer noch gut. Marathon Nr.20 gefinished ! Es hat sich gelohnt ! Gleich mal ein paar warme Tee's abgekippt. Weiter zum Stand mit fester Nahrung, plötzlich höre ich da schon Gabi rufen ! Sie hat ein Wahnsinnslauf hingelegt, mit 3:12:39 neue persönliche Bestzeit. Das ist ja irre.
So, jetzt aber schnell duschen, blos keine Erkältung holen bei diesem Regenwetter. In drei Wochen ist ja schon der Vienna City Marathon auf dem Plan.



Geschafft Marathon Nr.20 gelaufen

Sonntag, 14. März 2010

35.Bienwald Marathon



Schnell noch ein Marathon eingeschoben, quasi als Ersatz für den langen 35'er, 14 Tage vor dem Freiburg Marathon. Ein schnellerer Trainingslauf sollte es werden.
Die Probleme mit dem Fußballen werden inzwischen immer akuter. Diagnose : Sesambein gereizt/entzündet. Außerdem mußte ich mich wegen einer vereiterten Zahnwurzel noch einer schönen Wurzelbehandlung unterziehen :-( Daher kaum KM gemacht im Training. Mit "Ach und Krach" gerade mal knapp über 70km in den letzten beiden Wochen gelaufen. Zu allem Übel, noch am Donnerstag beim Training Probleme mit der rechten Wade bekommen.
Macht das so überhaupt Sinn den Bienwald zu laufen ?
Ach was, wird schon klappen. Wade getaped, und für den Fuß wieder mal die weichen Saucony Guide Schuhe genommen. Damit müßte man doch einen Marathon im schnelleren Trainingstempo durchlaufen können.
Wie üblich, sehr früh aufgestanden, gefrühstückt mit Brötchen, Müsli und Banane. Um 6:30 Uhr geht die Fahrt ins 120km entfernte Kandel am Bienwald.
Kurz vor 8 Uhr fahre ich ins Ort Kandel rein. Hier hat alles in irgendeiner Form mit den Bienen zu tun. Quasi an jeder Ecke stehen irgendwelche Bienen schön angemalt.
Hier mal ein paar Kostproben :



Die "Euro-Biene" am Ortseingang mit den Flaggen der verschieden Verschwisterungsgemeinden



Die "Kicker-Biene" für den ortsansäßigen Fußballverein VFR Kandel



Die "Narren-Biene" in der Bienwaldhalle



Die "Begrüßungs-Biene" vor der Bienwaldhalle

8:00 Uhr. Genügend Zeit um Startunterlagen klar zu machen, bisschen umsehen, über die kleine Marathonmesse schlendern und natürlich die entscheidende Frage klären :
Das Outfit : Lang oder kurz ? Draußen ca. 5° leicht windig. Ich entscheide mich für kurze Hosen, dünnes Langarm Shirt und kurzes Wettkampf Shirt drüber. Mütze, Halstuch und Handschuhe. Damit komme ich den kompletten Lauf super aus. Absolut richtige Wahl getroffen.
10:00 Uhr. Bei der Startaufstellung gehe ich wie ferngesteuert in den Bereich 3:10. Es gibt noch ne kurze Ansprache und dann fällt der Startschuß.

Gut weggekommen, kaum Gedrängel es geht rein ins Ort Kandel. Hier stehen ein paar Zuschauer und machen Stimmung. KM1 in 4:22min/km. Aber darauf kommt es ja heute nicht so an. Trotzdem setzte ich meine Überholmanöver fort. Da kommt schon KM2, und ich bin für einen Trainingslauf schnell unterwegs. 4:13 steht auf der Uhr. Es geht raus aus Kandel und schon pfeift der Wind unangenehm von der Seite. Über einen Kilometer auf dem freien Feld. Ich versuche ich der Gruppe Windschutz zu finden. KM3 wird ne 4:15. Wir erreichen das Ort Minfeld, und wieder stehen ein paar Zuschauer am Straßenrand. Jetzt Abzweig der Straße, leicht abschüssig. Noch ein paar Ecken und Kurven schon sind wir wieder draußen aus Minfeld. Freies Feld, aber nicht mehr so windanfällig. Die 5km Marke drücke ich bei 21:10min ab. Wie soll ich weiterlaufen ? Langsamer ? Pace beibehalten ? Fragen über Fragen. Ich laufe erst mal so weiter. Es geht doch gut. Ich kann ja später immer noch Geschwindigkeit rausnehmen. Inzwischen gesellt sich ein Läufer aus Heidelberg zu mir. Wir haben ungefähr das gleiche Tempo. Weiter geht es mit netter Unterhaltung. Inzwischen sind wir schon im Bienwald. Kein unangenehmer Wind mehr von der Seite. Das läuft sich echt gut und die KM Marker fliegen nur so vorbei. Bei KM10 habe ich eine 42:02min auf der Uhr stehen. Ich trau mich kaum drüber nachzudenken, das ist Kurs Sub3 ! Nun bin ich wirklich nicht auf so eine Marschroute vorbereitet. Wenig Training, angeschlagene Füße und in 14 Tagen der Freiburg Marathon. Aber für meinen Heidelberger Laufkollegen ist es doch die Chance ne Sub 3 zu laufen. Aber davon will er erst mal nichts wissen. Viel zu sehen gibt es im Bienwald nicht. Es geht stur die Landstraße nach Schaidt weiter. Die KM Zeiten liegen jetzt knapp über der magischen 4:15'er Grenze. Immer noch eine top Zeit von 1:03:32 bei KM15. So langsam meldet sich nun auch der angeschlagene Fußballen. Aber alles noch halb so wild, ich kann die Probleme ausblenden. Endlich Abwechslung, das Ort Schaidt wird an den Ortsausläufern berührt. Schon steht eine Stimmungskapelle bereit und spielt munter vor sich hin. Jetzt geht es auf die Wendepunktstrecke die genau zwischen Schaidt und den Wald liegt. Nochmal kurz um die Ecke und schon ist die Wende da. Gleicher Weg zurück, vorbei an der Musikkapelle und wieder rein in den Bienwald. KM Zeiten pendeln weiter um die 4:15. Kurz vorm Verpflegungspunkt 4 hole ich das erste Gel aus der Tasche. Durch das ganze rumgewurschtel verliere ein bisschen Zeit auf den Heidelberger. Ich versuche dran zu bleiben, doch es wird jetzt echt hart. Es folgt die Abzweigung auf die 2. Wendepunktstrecke runter Richtung Büchelberg. Hier ist jetzt auch die Zeitnahme für die HM Marke. 1:29:27 ! Wahnsinn ! Das wären ja sogar 33 Sekunden Vorsprung auf die Sub3.....Ich werd einfach mal weiter laufen, mal sehen was da geht. 4:14 ; 4:16 ; 4:17 die nächten KM Zeiten. An den Heidelberger komme ich aber nicht mehr ran. Der wird das heute packen ! KM 25 kommt - 1:46:05, das würde bedeuten immer noch 33 Sekunden Vorsprung auf die Sub 3. Wendepunkt, wieder alles zurück. Ganz leichter Anstieg ist jetzt in der Strecke. Mit 4:21, 4:19, 4:20 geht es weiter. Da schmilzt er dahin, der Vorsprung auf die Sub 3. KM29 drücke ich mit 4:24 ab. Also das wird nix mit Sub3. Da brauche ich gar nicht mehr drüber nachdenken. So kraftlos wie ich jetzt bereits bin, kann ich das abhaken. Also irgendwie schauen, dass ich die Pace auf 4:30 halten kann, erscheint mir im Augenblick als realistisches Ziel. Die Wendepunktstrecke hat ein Ende und es geht wieder auf die Landstraße. Mir kommt es vor als wäre ich total langsam, aber immer noch Zeiten um die 4:30. Na wenn ich das so zu Ende laufen kann, das wäre doch der Hammer. KM32 meine Zeit 2:16:59 noch 10km und die 200 Meter halt. Jetzt geht die Quälerei richtig los. Der Vorfußbereich brennt nur noch. Der Fußballen drückt. Ich versuche ständig die Position zu ändern, um irgendwie das alles so angenehm wie möglich zu haben. Nochmal Gel rein, Wasser bei VP7 aufgenommen und stur die Straße runter. Endlos zieht sich das wieder. KM35 noch 7km. Trotzdem jetzt nicht nachlassen, das wäre schade drum. Die Zeit ist noch sehr gut für ein top Ergebnis. 2:39:29 - Sub 3:05 ist heute auf jeden Fall Pflicht ! Nicht locker lassen, schauen dass die Pace nicht die 4:30 überschreitet. Der Abzweig runter von der Landstraße kommt. Jetzt noch das Stück raus aus dem Bienwald. KM38 immer noch 4 KM zu laufen. Jetzt kommt auch wieder der Wind von der Seite. 4:44 für KM39 gebraucht. Ich bin jetzt echt am Limit. Endlich die Häuser von Kandel sind zu sehen. Abzweig Richtung Stadion. Weit kann es nicht mehr sein. KM40 mit 4:43. Da geht ja echt gar nix mehr. Los jetzt die letzten beiden KM nochmal zusammenreißen. 2:53:32 steht auf der Uhr. Das könnte mein 3. bestes Marathonergebnis werden. Dafür muß ich jetzt aber die Zähne zusammen beißen. Ich höre schon den Lärm vom Stadion. Nochmal Abzweig, Seitenwind. KM41 Marke kommt. 4:34min , na also. Letzte Reserven, Ich laufe bereits am Stadion vorbei. Abzweig, rein ins Stadion. Nochmal ne 3/4 Runde dann ist alles erledigt. Kämpfen ! KM42 Marker bei 3:02:35 passiert. Endspurt, Zielbogen, geschafft ! 3:03:23 ! Was für ne top Zeit unter diesen Bedingungen. 3. beste Marathonzeit ! Was will man mehr. Sofort bekomme ich eine Tüte übergestülpt gegen die Kälte. Jetzt gleich mal ins Verpflegungszelt.
Und da steht er auch schon, der Heidelberger, er hat die Sub 3 ganz knapp geschafft. Na super, prima gekämpft, Glückwunsch !
Nach kurzer Erholungspause mit Erdinger alkfrei Weizen, Bananen und Orangen schlurfe ich im Schneckentempo rüber in die Bienwaldhalle zum Duschen. Noch ein Kaffee und Kuchen für kleines Geld und dann geht es nach Hause.
Hat Spaß gemacht im Bienwald. Perfekte Orga und gemütliche Atmosphäre trotz hoher Teilnehmerzahl. Strecke sehr schnell, aber nicht spektakulär. Wenn es klappt, dann bin ich nächstes Jahr wieder dabei.



Medallien gibt es nur für die ersten 3. jeder AK, dafür ist im Startgeld von günstigen 26 Euro ein Funktionsshirt enthalten



fast geschafft, noch eine 3/4 Runde im Stadion, dann kann gefeiert werden



Zieleinlauf



klein aber absolut ausreichend, die Zielverpflegung

Sonntag, 21. Februar 2010

Midwinter Marathon Apeldoorn



Als ich mich im Dezember für den Midwinter Marathon angemeldet hatte, war ich noch voller Euphorie und konnte es kaum abwarten, endlich auch mal in den Niederlanden zu laufen. Doch jetzt sieht alles anders aus.
Seit Mitte Januar plagen mich Schmerzen am linken Fußballen, Den Ultramarathon im Rodgau Ende Januar, konnte ich noch so halbwegs laufen, aber nun wird es immer schlimmer. Dazu kommt noch eine Erkältung zwei Wochen vorm Midwinter Marathon. Ich trainiere nur noch das Nötigste um nicht unnötig den Fuß zu belasten.

Wettkampftag :

Aufstehen um 4 Uhr ! Schnell noch Frühstücken, letzte Dinge in die Tasche packen, kurz relaxen beim Winter Olympia TV, und um 5:30 Uhr fahre ich los. Auf der A3 gibt es plötzlich heftigen Schneefall, ich schleiche mit 50km/h über die Autobahn. Wenn das mal nicht knapp wird mit der Zeit. Doch zum Glück läßt der Schneefall nach dem Siebengebirge nach, und ich kann wieder zügig weiter fahren. Auf den letzten Tropfen Sprit komme ich doch noch zeitig in Apeldoorn an. Der Versuch irgendwo im Start/Zielbereich zu Parken schadet kläglich, und so fahre ich auf einen der zwei Pendelparkplätze außerhalb der Stadt.



6:15 Uhr, heftiger Neuschnee auf der A3. Vor mir liegen noch ca.300km Autofahrt, 42,2km Marathon laufen und 380km Heimfahrt.



Der Start/Zielbereich ist komplett abgeriegelt, da hilft nur die vorgeschriebenen Bustransfer Parkplätze zu nutzen



gut organisierter Bustransfer zum Start/Zielbereich



gute Stimmung im Pendelbus

Mit dem Bus geht es nun direkt zum Marathonzentrum im Orpheus. Hier ist alles etwas unübersichtlich und durcheinander. Keiner kann mir so genau sagen, wo ich denn meine Tasche abgeben kann. Wo ist denn bitte die Kleiderbeutel Abgabe ? Draußen beim Start und Zielbereich sagt man mir bei einem Infostand. Naja, dann also erst mal umziehen, den Problemfuß mit Diclofenac einreiben, wundgelaufene Blase an der Achillessehne abkleben, und ab nach draußen. Ich laufe einfach den anderen hinterher, welche auch noch ein Kleiderbeutel in der Hand haben. Ich habe schon ein halben Fußmarsch hinter mir, und noch immer keine Sammelstelle für die Sachen in Sicht. Ich frage nochmal, doch niemand weis so recht Bescheid. Weg nochmal zurück zum Start. Es sind noch 20 Minuten, ich werde langsam nervös. Was mache ich denn jetzt mit der Tasche ? Ich frage nochmal. Ich bekomme die Antwort, ein paar hundert Meter vom Start weg, da ist eine Schule. Dort wäre die Kleideraufbewahrung. Ich jogge mit der schweren Tasche in der Hand die Straße hinunter. Um 11:50 Uhr finde ich die Schule und stelle meine Tasche zu einem Haufen anderer in einem Raum. Von Kleiderabgabe kann hier keine Rede sein. Na wenn das mal gutgeht….. Wieder zurück zum Start joggen……ich bin jetzt schon platt von dieser Aktion. 11:58 Uhr, ich bin am Ende des Startbereiches angekommen. Keine Chance mehr nach vorne zu kommen. Egal jetzt, es wird irgendwie gehen, die Straße ist ja einigermaßen breit.



Willkommen zum Midwinter Marathon 2010



Das Orpheus, Marathoninformationszentrum



Eingang ins Orpheus



Dichtes Gedrängel. Kein Wunder, den hier gibt es was umsonst. Die begehrten T-Shirts zum Lauf



Im Orpheus wartet man auf den Start



Kurz vorm Start, die "Grote kerk" leicht im Nebel



Holländische "Dixies"



Darf in Holland natürlich nicht fehlen. Pommesbude gleich neben dem Ziel

12 Uhr der Startschuß fällt

Es dauert 1:30 Minuten bis ich endlich im dichten Gedrängel die Startlinie überquere. Nun geht der Slalomlauf los. Immer wieder ausgebremst. Das wird mich am Ende viel Kraft kosten. Die breite Straße „Loolaan“ zweigt nun am Denkmal „De Naald“ ab in die „Jachtlaan“. Es ist mal wieder wie immer. Ich möchte gerne schneller laufen, aber ich werde ständig ausgebremst. KM1 drücke ich dennoch mit 4:28min/km und KM2 sogar mit 4:20min/km.



"Apeldoorn in beweging", na dann mal los



Auf gehts. 42,2km auf der lt. Veranstalter anspruchsvollen Strecke
Foto: Wim Derksen / AV '34 Apeldoorn

Die Strecke führt jetzt durch ein Wohngebiet. Am Freizeitpark „Berg en Bos“ verzweigt sich die Strecke. Wir müssen erst einmal noch eine kleine Schleife laufen, bevor es in die Wälder westlich von Apeldoorn geht. Die Strecke wird immer schmäler, aber inzwischen hat sich das Feld zum Glück auseinander gezogen. Wieder am Eingang vom „Berg en Bos“ angekommen, da kommt das KM5 Schild. 21:45 Minuten stehen auf der Uhr. Das ist eigentlich mal wieder viel zu schnell. Ich weis, dass ich nicht richtig fit bin, der linke Fuß mit dem durchgetretenen Quergewölbe wird sich auch bald melden, und die Strecke ist doch entgegen meiner Erwartungen leicht hügelig. Nicht drüber nachdenken, denn erst mal kommt der Verpflegungspunkt 1, und ich habe Durst. Bis ich schnalle was da abgeht, da bin ich auch schon vorbei und habe leider nur Tee in der Hand ! Egal jetzt, weiter geht es die „J.C. Wilslaan“ leicht abschüssig hinunter. KM6 mit 4:04min/km gelaufen. Abzweig auf den „Soerenseweg“. Jetzt haben wir Apeldoorn endgültig hinter uns gelassen. Die größere der beiden Runden im Wald Gebiet um „Hoog Soeren“ und „Assel“ muß erst mal gelaufen werden. Der leichte Anstieg der Strecke bringt den Puls zum ersten Mal auf die Höchstmarke von 172 (94%). KM 7 und 8 im Schnitt mit 4:36min/km ist dafür echt ok. Allerdings schwinden mir jetzt schon die Kräfte. Vorbei am kleinen Dorf Hoog Soeren, Strecke wieder leicht abschüssig. KM10 Marke, Zeit 43:50. Das ist mehr als im Plan. Mal sehen vielleicht kann ich heute ne Sub 3:10 schaffen. Weiter geht es auf dem „Pomphulweg“. Eine dünenartige Landschaft erscheint jetzt. Sehr seltsam ? Hier sieht es aus, als wäre das Meer gleich um die Ecke. Am Verpflegungspunkt 2 kann ich jetzt endlich Wasser ergattern. Trostlos diese Gegend, hier gibt es nichts zu sehen. Die Strecke zieht sich. Da endlich ! Zuschauer ! Ein paar Menschen stehen am Ausflugslokal „Halte Assel“ und feuern uns beim Abzweig auf den Weg „Assel“ an. Nicht mehr so schön zu laufen, ein schmaler Fahrradweg. Der Problemfuß meldet jetzt erste Schmerzen. Erst KM14, meine Güte, was habe ich mir da wieder eingebrockt. 1:01:18 die Zeit, was im Moment ein Schnitt von 4:23min/km bedeutet. Das ist doch gar nicht schlecht. Aber wenn ich daran denke, dass ich noch 28km vor mir habe…..Ich fange mit einem Niederländer ein Gespräch an, um nicht weiter darüber nachzudenken. Er ist auch am jammern, viel zu kalt für gute Zeiten, so seine Meinung. Der Weg ist jetzt auch nicht mehr asphaltiert, aber da bin ich ja aus den letzten paar Wochen laufen auf Schnee viel schlimmeres gewohnt. Nochmal Getränk aufnehmen bei KM15. Bäääh, was ist das ? Schmeckt ja wie Fanta. Das ist ja der pure Zucker ! Was geben die denn hier für einen Kram raus ? Ich kann das nicht saufen ! Weg damit. Abzweig nach rechts auf die Bundesstraße in Richtung Apeldoorn. Gleich mal heftiger Anstieg. Das macht mich noch kaputt. Ich dachte hier wäre alles halbwegs eben. Hier und da mal ein Anstieg, aber sowas, das hatte ich nicht auf der Rechnung. Die KM Zeiten gehen jetzt doch über die 4:30’er Marke hinaus. Nur Bundesstraße wie trostlos, ich klammere mich krafthaft an meinen Vordermann. Wenn nur diese ständige leichte Steigung bald vorbei ist. Bei KM20 scheint es endlich ein wenig abschüssig zu werden. Mit einem kaum gefüllten Becher Wasser von VP4 versuche ich jetzt das Gel runter zu spülen. Was für ein gefummel, mit den kalten Fingern, da klappt ja heute irgendwie gar nichts. Jetzt ist mal ein bisschen Erholung angesagt auf der etwas abfälligen Strecke. Mal rechnen KM20, 1:28:48 macht 4:26min/km im Schnitt. Das müßte doch zu schaffen sein mit der Sub 3:10. Jetzt kann man ein bisschen Zeit gutmachen. Schnitt wieder unter 4:30min/km. Apeldoorn ist nicht mehr weit, dann wird auch die Zuschauerunterstützung wieder dabei sein. Die ersten Häuser kommen. Endlich wieder Abwechslung. Runter von der Bundesstraße in den „Soerenseweg“ hinein. Super das geht ja fast nur runter. Das könnte der Vorteil für die 2. Runde werden. Abzweig in die „Juniperlan“, rein in die „Wildernislaan“ mit dem VP5 bei KM25. Hier ist wieder Stimmung. Das beflügelt mich. Die Läufer/innen der "Asselrunde" (26,7km) haben es gleich geschafft. Die sind echt zu beneiden ! Das hätte mir heute auch gereicht. Am Denkmal „De Naald“ muß ich abzweigen. Für die meisten Läufer/innen geht es zum Ziel.



Das Denkmal "De Naald" Hier kommt man exakt 3x vorbei, doch so richtig wahrgenommen hab ich das Ding nicht. Bildquelle: Wikipedia User Brbbl

Ich habe noch gut 16km vor mir. Runde 2, nochmal Wohngebiet. KM28 kommt. Zeiten jetzt etwas über 4:30min/km. Es geht nun wieder leicht nach oben. Am „Berg en Bos“ gibt es diesmal keine Schleife zu laufen. VP6 bei KM30, ich brauch was zu trinken. Ich rufe nach Wasser, aber keiner hält einen Becher für mich bereit. Das gibt es doch nicht. Verärgert laufe ich weiter und fluche vor mich hin. Plötzlich kommt da von hinten ein Streckenposten auf dem Fahrrad, der diese Aktion wohl mitbekommen hat. Er reicht mir einen vollen Becher mit Wasser. Das nenn‘ ich Service. Ich bedanke mich mehrmals bei Ihm. Hinauf die „J.C.Wilslaan“. Das kommt mir jetzt natürlich alles viel steiler vor als in der ersten Runde. Mir brennen die Füße. Der angeschlagene Ballen schmerzt. Meine Zeiten liegen jetzt um die 4:45min/km. Mehr ist jetzt einfach nicht mehr drin. Wenn es jetzt nicht mehr zur Sub 3:10 reicht, dann ist es auch ok. Das hier in Apeldoorn ist alles andere als ein Spaziergang. Aber völlig wegbrechen, nee…. das will ich auch nicht. Zähne zusammen beißen. Bald kommt doch die abschüssige Straße nach Apeldoorn rein, vielleicht geht da ja noch was. Aber erst muß ich hier mal durch. Über den „Soerenseweg“ wieder Richtung Hoog Soeren. Diesmal aber der Abzweig in den „Kampsteeg“ vor der kleinen Siedlung Hoog Soeren. „Kampsteeg“, das passt ja gut, klingt irgendwie nach kämpfen. Und das muß ich jetzt hier auch, denn die letzten beiden Kilometer habe ich im Schnitt mit 4:47min/km absolviert. Jetzt rebelliert auch noch der Magen, aber kein Wunder bei dieser Getränkezusammenstellung. Das 2.Gel, und auch den Riegel schenke ich mir heute, sonst wird das immer schlimmer mit dem Magen. Umsonst das ganze Zeug mitgeschleppt. Los jetzt, nochmal alles geben. Ich kann das 35km Schild schon sehen. 4:14 für den letzten KM und Gesamtzeit 2:36:13 bei KM35. Na also, es ist noch nicht vorbei mit der Sub 3:10 ! Abzweig auf die Bundesstraße nach Apeldoorn kommt. Noch einmal ein kleiner Anstieg, vorbei an VP7. Wasser geschnappt. Bääh ! Warmes Wasser ! Also was soll denn das alles ? Ich trinke trotzdem, und der Magen grummelt noch mehr. Ernüchterung ! KM36 drücke ich mit ner 4:57min/km ab. Aber jetzt ist die Steigung geschafft, Fahrt aufnehmen für die letzten 6km. Leicht abschüssig geht es weiter, ich versuche nochmal ein bisschen anzuziehen. KM37 4:05min/km ! 2:45:15 die Gesamtzeit. Mal kurz überschlagen……wenn ich mit 4:30’er Zeiten weiterlaufe, dann sollte es reichen für die Sub 3:10. Weiter so, nicht nachlassen. KM38 mit 4:34min/km ist immer noch gut. 4KM noch. Vor mir sehe ich eine Frau vom 100. Marathon Club laufen. Sie hat das Rodgau Halstuch um, genau wie ich. Beim vorbei laufen rufe ich „Rodgau !“. „Rodgau war schlimmer“ antwortet Sie. Und da hat Sie Recht. Das ist doch hier wirklich ein Klacks, gegenüber den Schneeverwehungen vom Rodgau Ultra. Runter die „J.C. Wilslaan“, Abzweig „Soerenseweg“. KM 39 in 4:16min/km. Wieder ein paar Zuschauer an der Strecke. Letzter Verpflegungspunkt in der „Wildernislaan“ kommt, aber ich nehme nichts mehr. Jetzt nochmal Kontrolle bei KM 40. 2:58:34 ! Das müßte jetzt mit dem Teufel zugehen, wenn ich das noch aus der Hand gebe. Obwohl, die Strecke ist wieder eben. Noch nicht zu früh freuen. „2e Beukenlaan“ durch, Abzweig in den „Amersfoortseweg“ KM41 3:03:02. Da langt ganz locker. Das Denkmal „De Naald“ kommt näher. Ich kann jetzt schon feiern. Jetzt kommt der Triumpf. Runter geht es die „Loolaan“ in Richtung Ziel. Endlich mal mehr Stimmung. Ich ziehe nochmal an. Gleich ist es geschafft. Alle Qualen sind gleich beendet. Der Zielbogen kommt. Sogar die Bruttozeit ist noch unter 3:10. Hurra !!! Ich hab‘s gepackt ! 3:08:25 am Ende. Was für eine Aktion ! Sofort bekomme ich die Finisher Medaille, und eine wärmende Decke gereicht. Erst mal mit Getränken versorgen. Jetzt ist es ja egal was der Magen sagt. Zum Essen gibt es hier scheinbar nichts. OK, dann gleich zum duschen.



die Qual hat ein Ende, die letzten Meter von Apeldoorn
Foto: Wim Derksen / AV '34 Apeldoorn



wieder mal geschafft. Marathon Nr.18 gefinished
Foto: Wim Derksen / AV '34 Apeldoorn

Mindestens 10 Minuten brauche ich um vom Ziel bis zu der Schule zu gehen, in der sich hoffentlich noch meine Tasche befindet. Tasche noch da, alles ehrliche Leute hier in Apeldoorn :-) . Jetzt höre ich, dass die Duschen nochmal ein Stück weiter weg sind. Das ist zu viel für mich. Jetzt wird erst mal der Riegel gefuttert, den ich umsonst mitgeschleppt habe. Nach kurzer Erholungspause mache ich mich auf den Weg.
Gerade mal 3 Leute befinden sich beim Duschen. Kein Wunder, wenn hier alles so versteckt ist. Nach dem Duschen gibt es noch ein Kaffee zum wach werden für die Heimfahrt, dann schnell zum Pendelbus. Ich will einfach nur noch nach Hause.



Fix und fertig, erst mal wieder sammeln bevor es unter die verdiente (hoffentlich warme) Dusche geht



Auf dem Weg zum Pendelbus, die etwas langsameren Läufer/innen kommen kurz vorm Besenwagen noch durchs Ziel



Tschüss "Grote Kerk", tschüss Aperldoorn, es bleibt keine Zeit zum verweilen. Vor mir liegen noch 380km Heimfahrt.....

Samstag, 30. Januar 2010

11.Rodgau Ultramarathon



Der 2. Start für mich beim 50km Ultramarathon im Rodgau. Das Trainingsprogramm hatte ich leicht gesteigert. Ja, ich wollte richtig was reißen im Rodgau ! Aber dann, etwa 2 Wochen vorm Ultra bekomme ich immer mehr Probleme mit den Fußballengelenk links. Es wird kaum besser, trotz Diclofenac, Kälte, Wärme und anderen Mittelchen. Dennoch Training weiter durchgezogen. Immer so ab 10km kommen die Probleme. Am besten läuft es noch mit dem bequemen, gut gefederten, aber schweren Saucony Guide 2 Schuhen.



Ich werde untreu. Einen (Ultra)Marathon diesmal nicht in Mizuno Schuhen

Zu allen orthopädischen Problemen, kommen noch die schlechten Witterungsverhältnisse der letzten Wochen. So ist ausgerechnet am Wettkampftag, trotz aufopfernder Räumungs und Streumaßnahen des RLT Rodgau, die Strecke in einem denkbar schlechten Zustand. Überfrierende Nässe, Schnee, Eis und im Waldbereich Schneematschsülze, werden ein schnelles Rennen unmöglich machen.



Erstmal die Startuntergen klar machen. Was gibt es schöneres, als Samstags morgens bei vereisten, schneebedeckten Laufwegen und -1° Grad einen Ultramarathon zu laufen ?

Über die zugeschneiten Straßen geht es in den Rodgau. Pünktlich angekommen, bleibt mir viel Zeit um Startunterlagen klar zu machen, zum plaudern und zum überlegen.....
Soll ich oder soll ich nicht ? Ich mach es ! Kurze Hosen bei -1°. Und damit bin ich fast alleine. Beim Fußmarsch zum Start am Gänsbrüh wird mir klar, dass ich wohl einer der wenigen bin, welcher in solch einem Outfit starten wird.

10 Uhr es geht los. Über eine Minute vergeht, bis ich endlich durch die Zeitmessung komme. Jetzt gilt es. Hunderte von Läufer/innen quälen sich über die verschneiten und vereisten Wege. Zwar befindet sich Split auf den Wegen, aber schon bei den ersten Metern wird klar, das wird hier ne ganz brutale Nummer werden. Es gibt kaum ein vorbeikommen auf den ersten 2 Kilometern des Rundkurses. 10 Runden a 5KM müssen gelaufen werden. Viele werden heute bei diesen Bedingungen von der Ausstiegsmöglichkeit Gebrauch machen, und die 50km nicht beenden. Von 1094 Voranmeldern haben letztendlich 410 Läufer/innen die 50km gefinischt.

Nach ca. 3km habe ich durch Slalomlaufen mich endlich in eine bessere Position gebracht, und kann nun mein gewohntes Lauftempo durchziehen. Im Feld pfeift ein eisiger Wind entgegen, da ist man froh dass die letzten 1,5km der Runde im Wald absolviert werden. Doch von wegen, im Wald ist der Boden mit einer sehr schwer zu laufender Schneesülze vermatscht. Na super ! Hat man sich hier doch immer ein wenig ausruhen können, wird es in diesem Jahr der aufwendigste Teil der Strecke sein. Da bin ich doch froh, dass Harald mit der Ratsche am Streckenrand steht und die Läufer/innen aufmuntert. Runde 1 in 22:35min gelaufen. Das ist doch ganz ok. Mein ursprünglicher Plan, eine 3:45 zu laufen, wird heute nicht klappen. Aber egal wie, ich laufe erst mal in diesem Tempo weiter. Mal sehen wie lange das gut geht bei diesem kraftraubenden Boden. Die 2.Runde wird schon schneller. 22:03 Minuten, ein Schnitt von 4:25min/km. Ich bin tatsächlich auf Kurs Sub 3:45 ! Abwarten, heute wird der Einbruch sehr viel früher kommen als sonst. Jetzt endlich mal was trinken. Der einzige Getränkestand der Strecke ist belagert, ich komme gar nicht richtig ran, und so entschließe ich mich nochmal ne Runde ohne Getränk zu laufen. Immer wieder gibt es unterwegs kurze Gespräche. Meistens werde ich auf die kurzen Hosen angesprochen. Nein, ich friere nicht ! Nur meine Arme sind kalt ! Der Matsch im Wald wird immer schlimmer. Man muß sich den Boden so vorstellen, wie bei der ansteh' Schlange eines Skiliftes. Aber immerhin Runde 3 in 22:19min gelaufen. Es geht irgendwie doch. Aber das ständige Überholen im Schneematsch macht müde. Jetzt blos nicht den Getränkestand verpassen. Ich schlittere am Getränkestand, schnappe ein Wasser und weiter geht es. Das kostet Zeit. Ist auch irgendwie ungeschickt, den Stand mitten in einer Kurve aufzubauen. Der enge Wendepunktteil der Strecke wird nun auch immer schlechter zu laufen, da bereits die langsamsten Läufer überrundet werden müssen. Direkt am Wendepunkt wurde inzwischen Sand gestreut, damit hier Niemand hinfliegt. Zusätzlich schallt noch Musik aus den Lautsprechen die irgendwie nach Sommer und warmen Strand klingt. Das braucht man auch jetzt wenn es wieder ins Feld geht, wo der Wind heftig von der Seite pfeift. Ab durch die Schneesülze zum Gänsbrüh runter KM20 ist geschafft. Runde 4 in 22:19min absolviert. Gesamtzeit 1:29:16. Viel zu schnell für den Boden. Zeit für ein Gelpack. Ich wurschtele an meiner Tasche rum, aber ohne Gefühl in den Finger keine einfache Aufgabe. Endlich halte ich den Gelpack in der Hand. Aufgebissen und rein damit. Getränkestand, ich brauche jetzt unbedingt Wasser. Wieder Zeit verloren. Viele der Läufer sehen diesen Stand jetzt schon als willkommene Pause an, und bleiben einfach am Stand stehen. Irgendwie habe ich Sprudelwasser bekommen. Wieso gibt es hier Sprudelwasser ? Das verursacht doch nur Seitenstechen. Habe ich mich da vergriffen ? Es hilft nichts, ich muß das Gel jetzt damit runterspülen. Die Kräfte schwinden immer mehr. Noch nicht mal die Hälfte rum. Weiter im Takt. Runde 5 in 22:26min. 1:51:42 für 25KM. Ich bin noch auf Kurs Sub 3:45 wär hätte das gedacht. Mal schauen, es wird immer beschwerlicher zu laufen. Getränkestand kommt, und schon wieder Sprudelwasser ! Ich glaube die haben nichts anderes ! Nächste Runde werde ich Tee nehmen. Weiter spule ich mein Programm ab. Rauf zur Wendepunktstrecke, rüber ins Feld. Matschpampe im Wald. Die KM Zeiten liegen jetzt über der 4:30min Marke. Ab jetzt geht es abwärts. War ja klar. Unter diesen Bedingungen kein Wunder. Ein Glück steht jetzt Gabi im Zielbereich und hat ein paar aufmunternde Worte für mich. Leider kann Sie nach einer Lungenentzündung heute nicht starten. Runde 6 stoppe ich in 22:37min. Auf gehts noch 4 Runden. Es wird zur Qual. Zum Glück meldet sich der angeschlagene Fußballen kaum. Es war richtig mit den bequemen Schuhen zu laufen. Die KM Zeiten gehen jetzt deutlich über die 4:30'er Marke. KM34 stoppe ich mit 4:50min. Ich versuche mich gegen den Einbruch zu stemmen. Fast eine Ewigkeit dauert es bis ich endlich den Powerriegel auf meiner Tasche gefummelt habe. Und fast genauso lange dauert es bis ich endlich diese blöde Verpackung auf habe. Verzweifelt laufe ich wieder durch die Sülze runter zum Start/Zielbereich. Für Runde 7 brauche ich schon 23:17min. Immer mehr Läufer/innen geben auf und steigen aus. Ich habe auch keinen Bock mehr. Das macht heute echt keinen Spaß. Schon wieder ne gefühlte halbe Ewigkeit am Getränkestand gebraucht um einen Becher Tee zu bekommen. Aus den restlichen Läufer/innen werden immer mehr Spaziergänger. Viele haben einfach keinen Elan mehr um den Ultra "laufend" zu Ende zu bringen. Plötzlich bekomme ich Seitenstechen. Was für ein Mist. Ich habe es ja gewußt. Dieses blöde Sprudelwasser. Also wie war das ? Einfach beim Auftreten des gegenüberliegenden Beines fest ausatmen. Und tatsächlich, nach einen halben KM ist es weg ! Runde 8 ist geschafft in 23:44min. Ich bin schon bei einem Schnitt von 4:45min/km angelangt. Die Gesamtzeit steht bei 3:01:20. OK, Sub 3:45 längst gelaufen. Sub 3:50 noch drin, aber quasi unmöglich, da ich schon froh bin noch nicht gehen zu müssen. Ich bin nur noch froh, wenn das hier vorbei ist. So schlecht kann es nicht sein, denn überholt werde ich nicht. Nochmal Gel mit tiefgefrorenen Fingern aus der Tasche zupfen. Wieder Sprudelwasser zum runterspülen. Fast ausgerutscht am Verpflegungsstand. Wieder das Feld rauf, jetzt kommt die Marathonmarke. 3:12:07 für die 42,2km. Jetzt noch 8KM. Beiß es durch, nicht aufgeben. Wendepunktstrecke, hier geht ja fast gar nix mehr. Jeder ist am kämpfen und verzieht das Gesicht. Nochmal vorbei im Tiefschnee. Die Füße tun jetzt echt weh, und jeder Schritt ist eine Qual. Ich komme kaum noch in Gang beim Wendepunkt. Nochmal eisiger Wind im Feld. Sülze im Wald. Aufmunterung im Zielbereich. Die letzte Runde, das sollte man doch eigentlich geniesen. Aber nicht heute. Runde 9 in 24:25min. Gesamtzeit 3:25:45. Irgendwie noch diese Runde durchkommen. Vielleicht geht da ja noch ne Sub 3:50. Aber es ist mir egal, was soll das auch. Ich bin froh wenn das hier rum ist. Alles tut weh, ich laufe nur noch mechanisch den Weg entlang. KM46 in 5:03min/km raubt mir die letzte Hoffnung auf ne Zeit unter der 3:50 Marke. Ich plaudere noch mit einem Läufer der sich ebenfalls in der letzten Runde befindet. Seine Bestzeit für die 50km ist ne 3:38. Na, da bin ich doch scheinbar gar nicht so schlecht unterwegs. Zum letzten mal Wendepunktstrecke. Nochmal vorbeiquälen im Matsch. Letztes mal Wind im Feld. Immer noch 2km. Das ist so ewig lange, und dann noch die Schneesülze. Runter zum Ziel, ich mobilisiere nochmal alles. Aber da geht nichts mehr. Die Batterien sind leer. Die Füße qualmen. Ich habe echt genug. Das Ziel kommt näher, ich kann es kaum glauben. Ich habe es mal wieder geschafft. Ab durch den Zielbogen. Die Matsch und Schneeschlacht ist vorbei. Endzeit 3:50:01,7. Na die 2 Sekunden hätte ich dich auch noch rausholen können. Egal jetzt. Ich will nur noch schnell unter die warme Dusche.

Die 1km vom Start bis zu den Duschen schlurfe ich im Schneckentempo. Ich werde nur noch überholt. Keine Ahnung wo die anderen diese Energie hernehmen. Ich für meinen Teil bin fix und alle.
Gerade noch so kann ich bei lauwarmem Wasser duschen. Immerhin, letztes Jahr war es kalt ! Draußen herrscht inzwischen ein übler Schneesturm. Die Läufer welche jetzt noch auf der Strecke sind, haben meinen höchsten Respekt.
Zurück in der Sporthalle gibt es bereits erste Ergebnislisten. Platz 16 insgesamt. Na also, ist doch ein schöner Erfolg. Da kann ich heute Abend ein paar Bierchen drauf trinken.