Sonntag, 15. April 2012

29. Wien Marathon



Der diesjährige Wien Marathon steht unter keinem guten Stern. Verletzungen am rechten Sprunggelenk und ständige Schmerzen im operierten linken Knie machen ein vernünftiges Training unmöglich. Den kompletten Februar (21km) quasi nichts gemacht. Im März (186km) teilweise unter Schmerzen und Laufverbot vom Arzt. Im April dann weiter mit Schmerzen noch versucht ein bisschen Trainingsrückstand gut zu machen. Tempoläufe oder Intervalle habe ich weggelassen. Lediglich ein paar lange Läufe über 20km waren Pflichtprogramm.
Was soll ich laufen in Wien? Ordentlich ankommen wäre schon super. Am besten ohne weitere Schäden. Aber insgeheim träume ich doch von einer Zeit unter 3:30…… naja, mal sehen was da geht.

Am Freitag früh geht es los. Lange geplant, nun ist es soweit. Der Wien Marathon und diesmal ist meine Lebensgefährtin Anja auch mit dabei. Deshalb haben wir noch ein paar Tage dran gehängt um Wien anzusehen.
Pünktlich ist die Bahn um kurz vor 14Uhr im Wiener Westbahnhof. Mit der U-Bahn geht es weiter in die Unterkunft. Sachen auspacken, kurz ausruhen. Ich fahre gleich mal rüber zur Messe um die Unterlagen abzuholen. Startblock Zielzeit 3:00 schnell mal auf den Block 3:30-3:59 umschreiben lassen. Besser ist das! Auf der Messe treffe ich auf Andreas von der Österreichischen Seite des Bodensees. Was für Typ, läuft den Marathon in 2:45. Das sind Zeiten da komme ich schon gar nicht mehr hin.
Am Abend geht es dann ins alt bekannte La Norma direkt in der Inneren Stadt am Dom. Sehr lecker wieder Spaghetti aglio olio bestellt. Dazu noch einen Salat. Noch nie habe ich hier etwas anderes gegessen.


Wien ist mal wieder wie geleckt. Eine neue Müllkampagne sorgt für Sauberkeit. Quasi alle 10 Meter gibt es einen Mülleimer mit praktischen Ascher für die Kippenstummel. "Host an Tschick?". Man hat überhaupt keine Chance den Dreck irgendwohin zu werfen. Sehr gut Wien!


Billiger gehts nicht mehr! 72 Stunden Ticket für alle Wiener Linien für 13,60 Euro!


Die Wiener Linien sind schon schnell. Noch schneller geht es mit dem Wiesel!


Sehr schöne Unterkunft in der Jugendherberge Brigittenau. Dachgeschoss Zimmer mit Dusche/WC und Frühstücksbüffet - pro Person 25Euro


Ab zur Messe die Startunterlagen klar machen.


Total überteuerte Vienna Marathon Souveniers, trotzdem wird zugeschlagen


Bei der Startnummernausgabe lasse ich mich von Block 3:00 auf 3:30-3:59 Block zurückstufen


Netter Treff auf der Messe, Andreas vom Bodensee läuft den Marathon in 2:45. Hut ab!

Samstag dann Kulturprogramm. Mit dem sogenannten Hop on Hop Ticket fahren wir 3 Stadtrundfahrten a 1 Stunde durch Wien. Der Bus hält an vielen Punkten, wenn etwas interessiert, kann man einfach aussteigen und in den nächsten Bus zur Weiterfahrt wieder einsteigen. Tolle Sache und mit 20 Euro pro Nase auch ganz ok vom Preis. Weiter geht es zur Spanischen Hofreitschule. Das nehmen wir auch noch mit. Aber danach kommt die Höchststrafe. Sisi Museum! Was macht man nicht alles….. Mir tut jetzt wirklich das Knie weh von der vielen Rumlauferei und Treppen steigen. Ich hab‘s gewusst.
Noch einen guten Wiener Kaffee trinken am Dom, dann kommt auch schon Lauffreund Gregor aus Darmstadt. Wir gehen wieder ins La Norma zum Abendessen. Na klar, wieder Spaghetti aglio olio bestellt. Essen tut gut, plaudern lenkt ab, Knie geht wieder besser.


Mit dem Hop on Hop Ticket Wien erkunden


Hier wird morgen das große Marathon Finish sein. Das Heldentor


Da muß ich morgen durch


Kulturprogramm: Hofreitschule und Sisi Museum


OK, Hofreitschule geht noch so


Sisi-Museum. Das ist jetzt zu viel für mich. Trotzdem halte ich auch dieses Event tapfer durch


Kunstwerk in der Wiener Innenstadt


Anja ist begeistert, Wien ist schön. Trotz schlechtem Wetter, ein original Wiener Kaffee direkt am Stephans Dom schmekt einfach gut!


Abendessen im "La Norma" mit Gregor aus Darmstadt, der morgen eine fantastische neue Bestzeit von 2:51:46 laufen wird!

Die ganze Nacht sehr schlecht geschlafen, ständig Knieschmerzen. Ich wache immer wieder auf. Um 5 Uhr bin ich daher auch schon wach. Kurz vor 6 Uhr schon im Speisesaal. Bin erster beim Frühstück! Zwei Brötchen mit Käse und Honig. Bisschen Obst mit Joghurt, das reicht. Bloß nicht den Fehler vom letzen Jahr mit dem Müsli machen. Da gab es auf den letzen Kilometern schlimme Wadenprobleme. Zur Sicherheit nehme ich das langarm drunterzieh Shirt und ein Halstuch mit. Es ist doch sehr kalt und die Wetterprognosen sehen eher Temperaturen unter 10° Celsius mit leichtem Regen, teilweise stärkere Windböen. Noch so ein widerliches Zeug getrunken, das angeblich den Einbruch ein wenig nach hinten verschieben soll. Um 7:15Uhr geht es rüber zur U-Bahn Station Handelskai. 2 Stationen, umsteigen am Praterstern. Hier schon viele Läufer/innen unterwegs. Leicht überfüllte U-Bahn zum Startplatz in der Uno-City. Jetzt das übliche vorm Start. Nochmal anstellen fürs Klo und schon mal überlegen ob langarm Shirt oder doch kurz trotz der Kälte. Mir ist irgendwie schlecht, ganz komisch. Leichte Schwindelgefühle wie beim München Marathon 2011. Das operierte Knie schmerzt, das ist heute wirklich grenzwertig. Kein richtiges Training, längster Lauf seit dem Rodgau Ultra war ein 26km Lauf, Knie Schmerzen, Luftprobleme und seit Monaten weit entfernt von der Form vor einem Jahr. Endlich, ich bin dran für den Klo. Letztes Geschäft erledigt. Taschen vollgestopft mit Gel, Riegel und Hustenliquid gegen den Schleim im Hals. Ich habe mir das langarm Shirt angezogen, doch kurz vorm abgeben des Kleiderbeutels entscheide ich mich zum Glück doch nur für das kurz Arm T-Shirt. Noch verabschieden von Anja, rein in den Block 3:30-4:00. Ich plaudere im Startblock noch mit einem Österreicher über den neuen Forerunner 410, ob das Ding den auch gut funktioniert und dann geht es so langsam los.


Lockere Stimmung auf dem Weg zum Start


Kleiderbeutel weg und ab zum Starterblock


Gedrängel im Block

Der Start ist schon längst erfolgt, Paula Radcliffe und Haile Gebrselassie liefern sich ein Catch me if you can Rennen auf der halben Distanz. Die 3 Stunden Läufer/innen befinden sich auch schon auf der Strecke. Mein Startblock geht mit 5 Minuten Verspätung auf die Strecke. Diesmal befinde ich mich auf der rechten Startrampe, muß also die äußere Kurve am Praterstern laufen, bevor die beiden Starterspuren zusammen geführt werden. Es war keine gute Idee, den Startplatz bis in den 3:30-4:00 Stunden Block zurück stufen zu lassen. Ein Gedrängel ist hier, vernünftiges Laufen quasi unmöglich. Ständig ist man eingequetscht, kein fortkommen und Leute sind hier unterwegs, die werden das Ziel wahrscheinlich nicht erreicht und schon gar nicht unter 4:00 Stunden. Ich ärgere mich! Warum schummeln sich immer wieder Läufer/innen in einen Block den sie niemals von der Zeit her packen werden. Jetzt bin ich gespannt, KM1 Marker kommt. 5:28min/km. Na prost Mahlzeit! Schon jetzt renne ich einem Rückstand von 30 Sekunden hinterher. Ich versuche das Gefälle der Reichsbrücke zu nutzen um etwas an Geschwindigkeit zuzulegen. Im Slalom geht es um die Läufer/innen. Was für ein Mist! Schon hier muß ich wertvolle Reserven aufbrauchen um ein bisschen nach vorne zu kommen. Vorbei am Eingang zum Praterpark. Jetzt kommt noch die andere Starterspur dazu, es wird noch enger. Die Prater Hauptallee hinunter. KM2 trotz Slalom in 4:50 gelaufen. Das nervt total, völlig überfülltes Feld. KM3 in 5:07 und KM4 in 5:04min/km gelaufen. Das Knie verhält sich bisher sehr gut, da kann ich mich noch nicht beschweren, aber das kam ja auch immer erst ab KM15. Mal sehen, jedenfalls werde ich so nicht mein insgeheimes Ziel von Sub 3:30 erreichen. Da muß jetzt was passieren. Ich ziehe weiter an. Schließlich bin ich hier nicht zum Spaß, und das Weizenbier wird heute Abend im Praterpark viel besser schmecken mit einer Zielzeit unter 3:30. Doch Vorsicht! Mir fehlen die nötigen KM und Tempoläufe aus dem Training. Ich muß davon ausgehen, dass ich ab KM 20-25 Stück für Stück einbrechen werden. Jetzt die 5km Messmatte. 25:23min zeigt die Uhr. Immer noch weit hinter der Zielzeit. Ich müßte die Pace jetzt mal um die 4:55min/km halten, sonst wird das hier nix. Jetzt Stadionallee dann Abzweig in die windanfällige Schüttelstraße direkt am Donaukanal. Wieder nur ne 5:07 für KM6. Es ist einfach kein durchkommen bei dieser großen Läufermasse. Mit Hilfe vom Bürgersteig kann man ein paar Hindernisse überwinden. Das mache ich nie wieder! Bin viel zu ehrlich und lasse mich so weit zurück stufen! Was für ein Fehler! Jetzt schon mal ein kleiner Vorgeschmack auf die Brückenköpfe, welche einem um KM38 den letzten Rest an Kraft rauben werden. Wir bewegen uns bereits auf der unteren Donaustraße. KM7 Marker hab ich übersehen, jetzt kommt die 8. Mit je 4:54min für KM7 und 8 läuft es jetzt so langsam besser, aber mein Puls ist auch schon auf 162(89%). Für KM9 setze ich sogar noch einen drauf. 4:49min/KM. Na also, nicht locker lassen. Die Schwedenbrücke über den Donaukanal. Tolle Stimmung hier am Schwedenplatz und Franz Josefs Kai. Das pusht ein bisschen. Rein in den Stubenring, hier ist jetzt Platz zum laufen. Getränk aufnehmen klappt gut trotz Andrang, trinken und den Rest übers linke Knie zur Kühlung. Messmatte für KM10 kommt. 50:08 steht auf der Uhr. Vorbei am Stadtpark. Schubertring weiter. Abzweig Kärntner Ring. Begleitet von klassischer Musik zur rechten die Oper. KM11 jetzt sogar in 4:46min. Jetzt läuft es denke ich mir, so kann es weitergehen. Da könnte ich die Sub 3:30 wirklich angreifen. Aber es bleibt abzuwarten, wie sich das Knie verhält. Die wenigen langen Läufe waren ja nicht so gut verlaufen. Links der Abzweig in die linke Wien Zeile. Ätzend dieser Abschnitt. Bis runter zum Schloss Schönbrunn geht es jetzt. Zur linken sieht man die vielen kleinen Restaurants vom Wiener Naschmarkt. KM12 in 4:46min und KM13 in 4:54min/km. Ich bin auf Kurs. Jetzt fängt doch schon langsam das linke Knie ein wenig an zu schmerzen. Ich hatte es befürchtet. Irgendwie weiterlaufen und hoffen, dass sich das wieder gibt. Vor mir läuft jemand mit einem T-Shirt der Mainz 05 Fan Kollektion. Gleich mal ansprechen. Nach einer Kurzanalyse vom gestrigen Spiel bei den Bayern und Berechnung der derzeitigen Tabellensituation kommen wir zum Laufen. Er will ne 3:50 schaffen. Also ich merke schon, ich bin hier in einem Bereich wo man nicht so schnell unterwegs ist. Gleich mal bisschen die Schlagzahl erhöhen. Mit 4:56 und 4:50 für KM14 und 15 bin ich weiter im Soll. Das Knie merke ich doch ganz schön, aber alles kein Grund jetzt nachzulassen. Ebenfalls merke ich jetzt schon die extrem fehlende Kondition um ein solches Tempo über längere Zeit zu halten. KM16 mit 4:59min noch gerade so akzeptabel.


Westlichster Teil der Strecke bei KM16 Schloss Schönbrunn

Abzweig am Schloss Schönbrunn in die Schlossallee und gleich wieder in die Mariahilfer Straße in Richtung Innere Stadt. KM17 jetzt sogar 5:01min/km. Bin schon am Ende. Hab ich mich überpaced? Tatsache ist mal, dass ich ganz schön zu kratzen habe. Das Knie wird etwas besser, oder merke ich das jetzt nicht mehr so? Stimmung wird wieder besser auf der Strecke. Ich versuche das Tempo wieder anzuziehen. 4:47min/km auf KM18 und 19. Jetzt fertigmachen zur Gel Aufnahme. Rein damit, Wasser zum runterspülen. Man kann den Heldenplatz schon erahnen, die tolle Stimmung ist zum greifen nahe. KM20 in 4:54min ist ok. Abschüssig ist das letzte Stück der Mariahilfer Straße zum Burgring. Einordnen für die 2.Runde. Die Halbmarathonies haben es quasi fast geschafft, vor mir liegen noch gut 21km die ich so schnell nicht vergessen werde. KM21 mit 4:37 schon fast sensationell für mich. Halbmarathondurchlauf mit 1:43:54 absolut im Zeitplan. Das ist besser als ich erwartet habe. Die nächsten KM kann man erfahrungsgemäß noch ein bisschen Zeit gut machen. Vorbei am Parlament und dem Wiener Rathaus.


Nach dem Halbmarthondurchlauf wird es etwas leerer auf der Strecke. Vorbei am Österreichischen Parlament

Im Schottenring weiter, KM22 sehr gut in 4:45min. Weit vor mir erkenne ich doch jemanden mit einem FC Köln Trikot. Motivation genug um ran zu laufen. Links rein in die Liechtensteinstraße. Den Kölner hab ich fast eingeholt, Klaus steht auf dem Trikot. Ich kann es mir nicht verkneifen und spreche Ihn an. „na Klaus, bleibt der FC drin?“ Klaus ist total erschrocken aber antwortet: „na klar, wir gewinnen heute in Gladbach!“ Wie wir inzwischen alle wissen, hat der FC 3:0 in Gladbach verloren und steckt bis zum Hals im Abstiegsschlamassel. Weiter geht es, ich bin jetzt gut drauf, 4:43 für KM23 lassen mich hoffen auf das Ziel Sub 3:30. Abzweig am Liechtensteinpark in die Alserbachstraße. Das Feld hat sich jetzt doch ganz schön auseinander gezogen kein Gedrängel mehr wie am Anfang. KM24 in 4:48min/km kurz vor der Friedensbrücke über den Donaukanal. Jetzt geht es auf der anderen Seite des Donaukanals weiter. Der Wind hält sich zum Glück in Grenzen. KM25 Messmatte bei 2:02:12 überquert. Das hätte ich mir nicht träumen lassen, dass ich hier so gut unterwegs bin, mit dem lächerlichen Trainingsprogramm der letzten 2 Monate. Mal schnell hochrechnen, mit einem 5:06min/km würde ich die Sub 3:30 packen! Aber es wird langsam sehr zäh! Ich quäle mich, da kommt auch schon der Dämpfer 5:14min für KM26. Jetzt heißt es kämpfen bis zum umfallen! Weiter bin ich im Training der letzten 2 ½ Monate auch nicht gelaufen. Erinnerungen an den brutalen Einbruch beim Rodgau Ultra Ende Januar kommen wieder. Und da hab ich wenigstens so halbwegs den Trainingsplan eingehalten. KM27 und KM28 wieder in 4:53min/km. Immer mal wieder Musik Beschallung von den Balkonen der Häuser. Ab und an kommen einem auf der Gegenspur schon die top Läufer entgegen. Die sind schon bei KM37 und ich habe noch so viel vor mir. Nicht drüber nachdenken, wieder rein in den Prater KM29 abgedrückt mit 4:36, ich werd‘ verrückt. Das kann nicht mehr lange gut gehen. Getränk aufnehmen, Messmatte KM30 überlaufen. Die Uhr steht bei 2:26:58 aber für den letzten KM habe ich 5:08min gebraucht. Mit bleiben also 1 Stunde 3 Minuten für 12,2km, ein Schnitt von 5:09min/KM würde also reichen für die Sub 3:30. Ich laufe jetzt aber schon auf der Reserve. Das Ernst Happel Stadion ist im Hintergrund zu sehen. Hier kommt der Wendepunkt. Ich stemme mich mit aller Macht gegen den Einbruch. Wende am Happel Stadion, wieder zurück. KM31 in 5:00min. Jetzt der Abzweig in die Prater Hauptallee runter zum Lusthaus. Hier wird es sich jetzt zeigen ob die 3:30 wirklich machbar ist. Ich versuche alles, da kommt doch auf der Gegenseite Alex aus Traunstein entgegen, klatscht mich ab und ruft wir sehen uns heute Abend. Ja! Und ob! Zum Weizenbier im Praterpark, da freue ich mich schon drauf. Aber erst muß ich das hier ordentlich zu Ende bringen. Mann ist der heute schnell unterwegs. Das ist doch schon KM35 auf der anderen Seite. Wahnsinn, der wird heute locker neue Bestzeit laufen. Endlich höre ich die Klänge von Klaus Badelts genialem Soundtrack zu „Piraten der Karibik“. Diese spezielle nur für den Wien Marathon gemixte Version der Filmmusik peitscht einen nach vorne, gibt neue ungeahnte Kraft und bessere Zeiten! 4:53 und 4:51min für KM31 und 32. Rundschleife am Lusthaus zurück in die entgegengesetzte Richtung. Jetzt muß ich irgendwie nochmal Gel aufnehmen. KM34 in 4:56min, alles noch im Plan! Wo bleibt nur der Getränkestand? Da kommt er, aber alles voll, Mist ich verliere wertvolle Zeit. Aber gerade jetzt ist das Gel mit Getränk so wichtig. Daher KM35 auch nur in 5:08min. Noch 7km durchbeißen, ich bin völligst platt. Wir verlassen die Prater Hauptallee. Ich schleppe mich über die Strecke. Endlos dauert das bis der KM36 Marker kommt. Wieder nur 5:07min. Da geht jetzt nix mehr. Ich muß mich echt zusammen reißen. 6km noch das ist eine halbe Ewigkeit. Neben mir eine Läuferin total am Ende, jammert nur noch rum, hat wohl auf die 3:30 trainiert und bricht jetzt völlig weg. Da geht es mir noch ein bisschen besser und ich gehe an Ihr vorbei. Der Donau Kanal kommt. Wind geht soweit, aber die Beine sind so schwer. Jeder Brückenkopf wird zum Drama. Ich muß dranbleiben! Sub 3:30 muß klappen. Ich fahre doch nicht nach Wien um am Ende länger als 3:30 zu brauchen. Da würde das Weizen im Prater bestimmt nicht schmecken. Los! Kämpfen! KM37 wieder 4:56min. Noch 5,2km zu laufen. Gesamtzeit ist bei 3:01:52. Über 28 Minuten Zeit für den letzten Abschnitt. Das pack‘ ich heute, egal wie. Ich laufe nur noch ferngesteuert die Schüttelstraße hinunter. Ich schaue den Donaukanal hinunter, aber ich kann die Brücke in Richtung Innere Stadt noch nicht erkennen. KM38 in 5:21min! So wird es eng. Zusammenreißen auch wenn alles weh tut! Platt gelaufen wie beim Rodgau Ultra. Es ist zum verzweifeln. Jetzt kann ich endlich die Franzensbrücke sehen, ja da geht es rüber! Bald ist es geschafft. Noch einmal den Brückenkopf hinauf quälen links herum, man kann die Innere Stadt ja schon quasi riechen und trotzdem ist es noch so weit. Viele um mich herum japsen, aber ziehen Ihr Programm durch. KM39 wird wieder ne 5:07. So werde ich es schaffen. Obwohl eigentlich gar nichts mehr geht, laufe ich immer weiter. Zähle in Gedanken einfach ein paar Zahlen hoch. Getränkestand, hab das Wasser verpennt, naja dann halt Iso. Diese verdammten 3km müssen doch zu packen sein. Der Radetzky-Platz kommt. Abzweig nach rechts, immer stur weiter die Radetzkystraße runter. Am kleinen Wien Fluss kommt der Abzweig nach links in die Wiener Straße. Weiter am Wien Fluss entlang. Wo bleibt denn bloß die KM40 Messmatte. Das gibt es doch gar nicht. Ich bin jetzt wirklich am verzweifeln. Durchhalten!!! Alles über 3:30 wäre jetzt eine Schande! Mir wird langsam echt übel, das letzte Gel und das Iso-Zeugs an der Strecke war wohl nicht so gut. Da kommt die Messmatte, 3:17:34. Das muß ich einfach packen! Rechts rüber über den Wien Fluss, vorbei am Park. Links in den Parkring. Das ist aber nochmal ein langes zähes Stück. Das kam mir in den letzten Jahren alles kürzer vor. Egal, ich muß da jetzt durch! Der Stadtpark ist vorbei, die Straße wird zum Schubertring. Die Stimmung auch immer besser an der Strecke. Jetzt leichter Abzweig nach rechts. Vorbei am Schwarzenbergplatz. Hier geht echt gar nix mehr. Ich habe das Gefühl, es sind die schlimmsten letzten beiden KM die ich je gelaufen bin. Wenn am Straßenrand nicht so eine super Stimmung wäre, dann wäre ich bestimmt in eine Gehpause verfallen. Aber das hier ist Wien! Und Wien ist so geil! Mein 3.Wien Marathon und ich komme bestimmt noch ein paar mal wieder her. Auf los, gib nochmal alles für diese tolle Stadt und die super Wiener Zuschauer an der Strecke! KM41 drücke ich in 5:10min ab. Gesamtzeit 3:22:45. Das nimmt mir keiner mehr! Los jetzt der Rest ist zum geniesen! Von wegen! Ich baue immer weiter ab, weis gar nicht warum ich überhaupt noch laufen kann. Die Oper ist in Sicht. Eine Wahnsinns Partyzone ist hier aufgebaut. Was für ein toller Empfang so kurz vorm Ziel! Ich kann schon die Schilder sehen mit den Markierungen 600m, 400m usw. Das zieht sich, jetzt das letzte rausholen. Vielleicht wird das sogar noch ne Zeit unter 3:29. Wär hätte das gedacht, noch vor ein paar Tagen. 600 Meter Schild ist passiert. Weiterlaufen! Nicht nachlassen. 400 Meter Schild vorbei. Ich kann nicht mehr. Was für eine Aktion. Der Rodgau Ultra Ende Januar war echt schlimm, aber das hier ist viel schlimmer. Das Museumsquartier kommt zum Vorschein, jetzt nur noch abbiegen, durchs Heldentor auf den Heldenplatz. Was für ein Moment. Die Menge jubelt. Ich bin total glücklich, dass ich das hier in dieser Zeit packe. Die letzten Meter. Der Zieldurchlauf. Grandios dieser Einlauf in Wien. Ein bisschen muß ich mit den Tränen kämpfen. Das ist jetzt alles zu ergreifend. Noch die Medaille umhängen und dann in die Fresszone im Schlosshof. Mir ist total übel. Ich glaub ich muß mich übergeben. Nur ganz langsam komme ich zu mir. Das hat wirklich alles abverlangt. Aber geschafft, die Zeit von 3:28:55 ist für meine derzeitigen Verhältnisse super. Heute Abend kann gefeiert werden. Wien ist einfach geil! Nach ein paar Wasser und einer Banane geht es mir zum Glück wieder besser. Jetzt noch Kleiderbeutel abholen, Wechselkleidung anziehen und dann in die Unterkunft zum Duschen.


Wieder mal super Stimmung am Heldenplatz


Nach 3 Stunden 28 Minuten Kampf auf der Strecke geht es endlich durchs Heldentor


Schnell die Wechselkleidung an und ab in die Unterkunft zum Duschen

Total platt aber glücklich geht es in die Unterkunft. Jetzt erst mal duschen und kurz ausruhen. Mit dem ausruhen wird es leider nichts. Ständig bekomme ich Wadenkrämpfe. Gegen 18Uhr fahren wir in den Praterpark. Da freu ich mich schon besonders drauf, denn es steht ein Treffen mit Alex und Christine im Schweizerhaus auf dem Programm. Alex ist mit 3:06 ne Wahnsinns Zeit gelaufen. Da kann man ja schön feiern.



Treff im Praterpark/Schweizerhaus zum feiern


Netter Abend im Schweizerhaus Alex, Anja, Christine, Frank

Am Montag geht es noch in den Tiergarten Schönbrunn. Leider regnet es fast die ganze Zeit, und ich habe ersthafte Sorgen dass ich mich gerade nach dem gelaufenen Marathon erkälte. Das wäre fatal, denn in 13 Tagen steht der Düsseldorf Marathon auf dem Plan. Nach dem Tiergarten nochmal ins Schloss Schönbrunn. Kulturprogramm muß sein! Wenn man schon mal hier ist. Abschluss Abends in einem schönen Lokal in der Nähe unserer Unterkunft im 20.Bezirk Brigittenau.


Nochmal Kulturprogramm: Tiergarten Schönbrunn und Schloss Schönbrunn


Trotz Regen, wars schön im Tiergarten. Kann man empfehlen.


Schloss Schönbrunn hat noch offen, also nehmen wir das auch noch mit

Dienstag ist Rückreisetag. Nochmal schnell ne Fahrt im legendären Riesenrad im Praterpark und dann geht es zum Hauptbahnhof zur Rückreise.


Was wäre Wien ohne die Riesenradfahrt?


Bevor man zum Riesenrad gelangt, kann man in einer schön gemachten Ausstellung noch alles über das Riesenrad erfahren


Man sollte die Fahrt wohl eher am Abend machen, wenn es dunkel ist. So spektakulär war das jetzt nicht.

Sehr schön in Wien wieder mal und das trotz schlechtem Wetter. Bin auch bereits zum 30. Wien Jubiläumsmarathon für 2013 angemeldet.

weitere Bilder kann man in den Berichten von 2011 und 2010 sehen.