Samstag, 19. Mai 2012

7.ING Europe Luxembourg Marathon


3 Wochen Zeit blieben mir um mich vom Düsseldorf Marathon zu erholen. Aber wie immer in der Euphorie völligst das Training überzogen. Von wegen Erholung. Die ersten beiden Wochen mit je 6 Trainingseinheiten absolviert. Dann kam der Rückschlag! Heftige Knieschmerzen, schon wieder. Aber diesmal war es wirklich schlimm. Nur noch Dienstags und Donnerstags gerade so gelaufen, Rest der Woche versucht das Knie zu schonen. Beim letzten Test 2 Tage vorm Marathon immer noch keine Besserung. Schmerzen beim Laufen, ich war froh als ich endlich zu Hause war. Was ist das jetzt bloß wieder. Hab ich doch übertrieben? Es hilft ja nichts, jetzt muß man das Beste daraus machen. Luxembourg sausen lassen, das kommt ja überhaupt nicht in die Tüte. Erst mal hinfahren und schauen wie es läuft. Hat ja bisher immer funktioniert.

Samstag 19.Mai 2012

Morgens ordentlich gefrühstückt. Für die Fahrt noch die restlichen Käse Tortelloni/Rucola-Ricotta-Capoelletti, Brötchen mit Käse und eine Banane mitgenommen. Das schmerzende Problemknie getaped. Sachen ins Auto rein und ab ins schöne Lux!
Schon während der Fahrt hab ich alles außer der Banane verdrückt. 14Uhr bin ich auf dem Kirchberg P+R Parkplatz direkt vor der Lux-Expo. Noch immer haufenweise Parkplätze sind frei. Das kenne ich so von den Jahren davor nicht. Schnell sind die Unterlagen klar gemacht. Restliche Zeit bis 19Uhr bleibt noch zum rumhängen. Das Wetter ist trotz aller Regenprognosen noch gut. Ja vielleicht sogar noch ein Tick zu warm. Die kleine Marathon Messe gibt nicht viel her in Luxembourg. Obwohl erst für 18Uhr geplant, treffe ich jetzt schon auf Christoph und Balazs aus Frankfurt. Christoph ist schon mehrfach in Lux gestartet und ist sich noch unschlüssig ob er die volle Distanz laufen soll. Er hat nicht optimal trainiert und fürchtet gerade den 2.Teil der Strecke. Balazs ist auch am überlegen, ob voll oder nur halb. Es wäre sein Marathondebut. Bisher ist er einen Halbmarathon in 1:45 gelaufen, nachdem er ein Weizenbier getrunken und eine Bratwurst gegessen hatte!
Für's Marathondebut Luxembourg ausgewählt! Na viel Spaß! In Lux hat man ja freie Wahl bei KM15 auf dem Place Guillaume II. Obwohl ich selbst ein Haufen eigener Probleme habe, rede ich natürlich auf die beiden ein, die komplette Strecke zu laufen.


Gibt's doch gar nicht, noch 143 freie Plätze


Bis um 1:00Uhr Nachts geht hier mal gar nix mehr!


Dieses Jahr ein regulärer Parkplatz!


Wer will schon warten bis die Marathonsperrung des P+R Parkplatzes geöffnet wird. Mein Ausgang für "vor 1:00Uhr Nachts" ist schon klar gemacht.


Trotz aller Unwetter Warnungen erstrahlt der Löwe in der Sonne


Treff mit bekennendem FC Köln Fan Christoph aus Frankfurt Griesheim


Christoph und sein Kumpel Balazs sind noch am überlegen ob Halb oder voll. Am Ende laufen beide die volle Distanz. Christoph in 4:50 und Balazs bei seiner Marathonpremiere in 4:28! Sauber gemacht! Glückwunsch an beide!


Manu Cuadra aus Südfrankreich läuft den Marathon auf Stelzen


Fauja Singh mit 101 Jahre ältester Langstreckenläufer der Welt. Hier mit seiner Staffel.


Der Marathon ist in Luxembourg ein Fest für die ganze Stadt


Hab ich doch schon immer gesagt, Wer Marathon läuft braucht kein Sex!


Wie immer Kleiderbeutel weg und ab zum Start.

Jetzt heist es noch ewig lange warten bis es endlich 19Uhr ist und der Startschuss fällt. Vor lauter Langeweile futtere ich auch noch die Banane rein! Irgendwie viel zu überladen im Magen. Ob das gut geht? Läuferbeutel weg, raus in den Starterblock. Nochmal Schuhe prüfen, ja alles passt. Wieder vertraue ich als auf die Asics DS Trainer 16. In meinem Block sind fast nur Starter mit dem "21" Schild auf dem Rücken. Ich verstehe das nicht! Wie kann man sich bei so einem Event nur mit der Hälfte zufrieden geben? Das Wetter hält immer noch. Keine Spur von den befürchteten heftigen Regenfällen. Die Top Athleten werden noch vorgestellt, Uhr runtergezählt. Start! Wieder einmal ertönen die Black Eyed Peas - Tonight's Gonna Be a Good Night durch Lautsprecher. Ca. 30 Sekunden später laufe ich über die Messmatte.

Scharfe 180° links Kurve auf dem Lux Expo Gelände bisschen Gedrängel, vorbei am P+R Parkplatz, leichte Steigung zum RTL Sendezentrum und schon wird KM1 abgedrückt mit 4:42min. Über Boulevard Konrad Adenauer zum Kirchbergplateau wo die ersten Zuschauergruppen schon gut anfeuern. Es läuft erstaunlich gut. KM2 in 4:16, KM3 und 4 in je 4:25min/km. Das Knie ist leicht instabil macht aber sonst noch keinen Ärger. Na also! Geht doch! Der 7.Luxembourg Marathon läuft und ich bin zum 4. Mal mit dabei! Erste Wasserverpflegung aufgeschnappt. Vorbei am Campus Kirchberg, runter auf die große Avenue John F. Kennedy. Immer schön leicht abschüssig läuft man super Zeiten. Einer ruft, ich kenn‘ dich doch von Düsseldorf. Ja, klar! Wir plaudern ein bisschen, dann ziehe ich weiter davon. Die rote Brücke über das Tal der Alzette ist schon erreicht. KM8 mit 4:13min/km Gesamtzeit von 35:12min auf der Uhr. Wäre ein KM Schnitt von 4:24min/km. Das ist viel zu schnell für meinen Leistungsstand und jetzt schon merke ich dass ich mich ganz schön überpaced habe. Rüber in den Stadtkern. Man kann die gnadenlos gute Stimmung vom Glacis hören. Jetzt am Roundpoint brennt die Luft. Da ist wieder einer der Momente warum ich immer wieder in Lux laufen will. Hier lassen dir die Zuschauer gerade so viel Platz wie du zum laufen brauchst. „Allez Fronck“ höre ich immer wieder. Und die schreien für jeden, das ist der Hammer. Jetzt doch ein bisschen Anstieg auf der Avenue Victor Hugo. Das ist jetzt nicht mehr locker. Oben angekommen drücke ich den KM9 in 4:36min/km ab. Ich versuche jetzt im Stadtteil Limpertsberg ein wenig zu verschnaufen. Aber schon wieder geht es bergauf. Leute ich bin platt! Mal sehen was die 10’er Messmarke sagt. 44:19min. Also KM Schnitt 4:25min/km. Das Knie fängt jetzt auch leicht an. Erst mal weiterlaufen. Wieder Steigung rauf. Wasser aufgenommen. Alphornbläser an Strecke. Das ist ein Applaus wert! Avenue de la Faienceri wieder abschüssig runter zum Glacis. Eine Kneipe total im Bayern München Fieber, wegen des Campions League Endspieles, macht mächtig Stimmung. Die fangen ja auch bald an. Dann werden die Straßen bestimmt etwas leerer werden. Das Knie meldet immer mehr Schmerzen und wir sind doch erst bei KM12. Um den Champ du Glacis herum. Also was hier los ist. Da muß ich noch mal zulegen. Zum ersten Mal geht es in den Stadtpark. Hier auch top Stimmung. Wieder so eine kleine fiese Steigung und weiter geht es. Das zehrt jetzt und wir haben noch nicht mal die Innenstadt durchlaufen. Raus aus dem Park, rein in die „Centre-Ville“. Wie immer enge Gassen mit Absperrungen rechts und links. Begeisternde Zuschauer jolen was das Zeug hält. Wieder leg ich an Geschwindigkeit zu. Im Hintergrund kann man jetzt die Cathédrale Notre-Dame de Luxembourg erkennen. Kurz vorher kommt aber der „Place Guillaume II“. Hier muss man sich jetzt entschieden. HM oder die volle Distanz. Also diese Frage stellt sich mir eigentlich gar nicht. Rechts rum! Marathon, was sonst! Die altbekannte Passage auf den „Place d’Armes“ und schon sind Sie alle weg mit der „21“ auf dem Rücken.


Der Knuedler (Place Guillaume II) Zentraler Platz der Stadt mit Hotel de ville und Cathédrale Notre-Dame. Hier bei KM 15,6 ist die Verzweigung von Halbmarathon und Marathon. Bildquelle: Cayambe



Nach der Passage auf den Place D'Armes ist die Strecke wie leergefegt. Die Halbmarathonies sind schon auf dem Rückweg. Bildquelle: Johnny Chicago

Ich laufe jetzt fast alleine. KM 15 und 16 in 4:22 bzw. 4:23min/km machen wieder neuen Mut. Noch einmal ein Stück durch den Stadtparkt „Ed-J-Klein“ und dann steht erst mal der etwas langweiligere Abschnitt durch den Stadtteil „Belair“ auf dem Programm. Vorbei ist die Stimmung und der Zauber der schönen Innenstadt. Ein letztes Mal den Schwung mitnehmen, denn nun folgt die ganz leicht ansteigende Val-Sainte Croix. Am Wendepunkt müssen noch ein paar Schleifen in einem halb fertigen Neubaugebiet gelaufen werden. Das ist jetzt nicht mehr so toll, aber man kennt das ja schon von den letzten Jahren. Der Himmel zieht sich zu. Es wird immer dunkler und ein paar Regentropfen bekomme ich auch schon ab. Das wird doch jetzt nicht schütten? Endlich auf der Rue Gaston Diederich geht es zurück. KM19 in 4:38min gelaufen. Da ist schon ein leichter Zeitverlust erkennbar. Die Kraftreserven schwinden, es wird Zeit für ein Gelpack! Die Regentropfen werden mehr und mehr. Es geht los! Es schüttet in Strömen. Die Wettervorhersage hatte es ja prophezeit. Über ein paar Seitenstraßen geht es raus aus „Belair“ wieder in den Stadtpark „Ed-J-Klein“. Durch die Bäume nimmt man den Regen nicht mehr so wahr, aber beim Blick auf den Teich im Park sieht man erst einmal wie sehr das hier eigentlich runter schüttet! Alles klebt an mir und Bäume gibt es auch keine mehr. Wir haben den Park verlassen und laufen über die breite Avenue Marie-Therese in Richtung Stadtteil „Merl“ und „Hollerich“. Der Halbmarathondurchlauf kommt. Ich lege nochmal zu um irgendwie eine bessere Zeit auf die Uhr zu bekommen. 1:34:23 - das klingt erst mal gut, aber ich bin ja nicht zum ersten mal hier und weis ganz genau was noch auf mich zukommt. Für mich gilt die Lux-Marathon Faustformal Endzeit = HM Durchlauf x2 + ca.8 Minuten. Also da komme ich auf eine Zeit um die 3 Stunden 17 Minuten. Meine Schuhe sind inzwischen total durchgeweicht. Das Wasser läuft die Straße runter. Keine Besserung am Himmel in Sicht. Leider hat das Wetter auch viele Zuschauer an der Strecke vertrieben. Keine kleinen Partys mit Grill Steak und Bier. Aber es stehen doch einige mit Regenschirmen da und versuchen mit Anfeuerungsrufen uns ein wenig aufzuheitern. Avenue Guillaume, Rue du Maréchal Foch, Rue Charlemagne immer weiter geht es. KM23 mal wieder etwas besser mit 4:31min/km. Ein paar Schleifen sind zu laufen im Stadtteil „Merl“ bis endlich der westlichste Punkt der Strecke erreicht ist. Über den Stadtteil „Hollerich“ geht es jetzt wieder zurück zum Stadtkern. KM24 sogar in 4:24min/km gelaufen. Ich wundere mich nur noch, denn ich bin jetzt schon platt wie ein Eimer. Darf gar nicht an die restlichen 18km denken. Der Parc du Merl muß jetzt durchlaufen werden. Immer weiter geht es durch den strömenden Regen. KM25 mit 4:44min/km gelaufen. Gesamtzeit 1:52:08, also derzeitiger km Schnitt von 4:29min/km. Das ist immer noch sehr gut. Ich weiß dass hier bald nichts mehr geht, doch geblendet vom guten KM Schnitt träume insgeheim von der Sub 3:15. Ich muß realistisch bleiben. 2010 war ich hier sogar bis KM31 auf Kurs Sub3 und am Ende haben gut 7 Minuten auf die Sub3 gefehlt. Am Ausgang vom Parc du Merl höre ich zum ersten Mal eine Live Übertragung vom Championsleague Endspiel. Natürlich ist hier gleich mehr los. Den breiten Boulevard Pierre Dupong hinunter. Die Gegend gibt nicht so viel her. Hier ist noch vieles in Bau. Wieder links rein in Rue Poincaré. KM26 sogar in 4:26min/km. Ich flipp gleich aus. Aber jetzt geht es im Zick-Zack Kurs durch die Seitenstraßen wieder rauf. Ich sehne jede Kuppe herbei. Das kostet jetzt Kraft. KM27 am Place de Nancy schon eine 4:42min/km. Der Regen läßt nach, aber das bringt ehrlich gesagt auch nichts mehr. Es ist sowieso alles durchgeweicht. Über die Route D’Esch zurück zur Avenue Marie Therese. Auf der anderen Straßenseite laufen immer noch viele Läufer/innen den Abschnitt um KM21 herum. Die Strecke steigt nur noch an. Eigentlich nicht sehr viel, aber für mich reicht es. Endlich die Pont Adolphe über das von allen Startern gefürchtete „Tal de Pétrusse“. KM28 in 4:49min/km. Das sieht gar nicht gut aus! Los zusammenreißen! Noch mal ein schöner Anblick von der Staatsparkasse, kurze Schleife laufen und jetzt geht es runter ins Tal de Pétrusse.


Über die Pont Adolphe in den Stadtteil "Gare". Im Hintergrund die Staatssparkasse. Bildquelle: Claude Wians

Brutal dieses Gefälle! Mir schmerzen die Knie, da weiß man gar nicht ob man jetzt bremsen soll, oder laufen lassen. Das ist jetzt echt nicht mehr angenehm. Ich hole den Versorgungs Riegel raus und versuche langsam Stück für Stück davon zu essen. Da kommt man außer Puste aber ich brauche den Energieschub dringend. Das hatte sich in Düsseldorf gut bewährt mit dem Riegel anstelle eines Gels. KM29 mit 4:33min/km eigentlich zu langsam bedenkt man das heftige Gefälle. Egal weiter jetzt. Bald ist es wieder eben, da können sich die Knie wieder etwas erholen. Immer weiter runter ins Tal noch eine Kehre. Der tiefste Punkt der Strecke ist erreicht. Ich bin völlig bedient. Die Ebene Strecke ist jetzt total ungewohnt nach dem Gefälle und ich habe Mühe damit zurecht zu kommen. KM30 drücke ich ab bei 2:15:12. Das ist immer noch eine Pace von 4:30min/km. Aber wie schon gesagt, vor 2 Jahren hatte ich an gleicher Stelle eine Pace von 4:14min/km auf der Uhr stehen und am Ende total eingebrochen. Noch einmal Getränk aufgenommen. Versuchen zu erholen in der Ebene vom Tal de Pétrusse. Aber ich bin fertig! Total kaputt! Komm‘ reiß dich am Riemen. Aber irgendwie werde ich auch nicht überholt. Lediglich ab und zu kommt einer dieser „Team“ Runner und zieht vorbei. Aber das ist ja auch keine große Schwierigkeit die Jungs und Mädels müssen ja auch nur einen Abschnitt von 10,55km laufen. Psychologisch jetzt total wichtig, dass ich an den anderen dran bleibe. Das gelingt mir auch, aber trotzdem in 2km geht der gnadenlose Anstieg los. Kleine Brücke führt auf die rechte Seite der Pétrusse und paar hundert Meter weiter auch wieder zurück auf die linke Seite. Wirklich eine malerische Umgebung. Weit oben blickt man auf die Festungsmauern. KM31 in 4:45min/km obwohl die Strecke eben ist. Plötzlich fangen leichte Seitenstechen an. Was ist denn das jetzt für ein Mist! Es wird immer heftiger. Erst mal die üblichen Tricks versucht das Ganze in den Griff zu bekommen. Keine Chance. Die Rampe aus dem Pétrusse Tal kommt. Es geht nach oben. Das Seitenstechen wird immer schlimmer beim Anstieg. War das der Riegel? Hab ich doch schon x-mal getestet. Hat immer geklappt. Es geht nicht vorbei. Ich muß mich damit jetzt irgendwie arrangieren. Platt wie ein Eimer, Knieschmerzen, Seitenstechen und noch 10km meist anteigend zu laufen. Was kommt da noch? Wenigstens habe ich das Pétrusse Tal hinter mir. Rue de Strassbourg weiter. Durch den Stadtteil „Gare“. KM33 in 4:56min/km. Versuche echt alles um dieses blöde Seitenstechen loszuwerden aber nix hilft. Jeder Eliteläufer würde jetzt aussteigen, aber sowas kann ich mir nicht erlauben. Ich muß und will das hier zu Ende laufen! Avenue de la Liberté zum historischen Bahnhof runter. Fast 180° Wende am Bahnhof in die Avenue de la Gare. Die Stimmung wird wieder besser. Über die Rue du Fort Bourbon wieder auf die Avenue de la Gare. Vorbei an den historischen Gebäuden der Arcelor Stahl Zentrale und der Staatssparkasse.


Die Zentrale des weltgrößten Stahl Herstellers ArcelorMittal kurz vor KM34. Bildquelle: Werneuchen

Wo bleibt denn der nächste KM Marker? Abzweig rüber zur Rue de la Pétrusse, KM34 in 5:02min/km. Gesamtzeit auf 2:34:50. Jetzt mal schnell rechnen. 8,2 km zu laufen, selbst bei einem 5’er Schnitt komme ich ungefähr auf ne 3:16. Also vergiss den Irrsinn mit der Sub 3:15, Sub 3:20 wäre heute unter den Voraussetzungen echt gut. Am Pétrusse Tal geht es weiter. Schöner Blick nach unten. Abzweig nach links über die Brücke „Viaduc“. Wieder im Stadtkern „Ville Haut“ muß ich jetzt irgendwie den „Place de la Constitution erreichen. Zähne zusammenbeißen. KM35 zu meinem Erstaunen in 4:42min/km. War ja auch noch einmal ein fast ebener Abschnitt. Die Schleife auf dem Platz laufen. Leider hier nicht so viel los wie in den vergangenen Jahren. Der heftige Regen hat wohl die Leute vertrieben. Es regnet zwar nicht mehr, aber überall klatscht man in die Wasserpfützen. Vorbei an der Cathédrale Notre Dame in die Innenstadt.


Einmal den Place de la Constitution umlaufen. Bildquelle: Cayambe


Vorbei an der Cathédrale Notre Dame in die Innenstadt. Bildquelle: John Williams

Wieder geniale Stimmung wie man es kennt. Mit dem Seitenstechen hab ich mich wohl irgendwie abgefunden und merke das jetzt nicht mehr so sehr. „Allez Fronck, c‘est très bien“ höre ich aus der Menge. Die sind wirklich super hier. Danke Luxembourg! Ohne diese Unterstützung würde ich das auch gar nicht schaffen. Unter tosendem Beifall quäle ich mich durch die Fußgängerzone. Vorbei am Pizzaduft und Weizenbier. Jetzt auch noch ein Stück Kopfsteinpflaster! Place du Théatre. Die Innenstadt ist fast geschafft. Ich bin schon wieder auf der Avenue de la Porte Nouve, steuere geradezu auf den Roundpoint Robert Schuhman vor den Glacis zu. Hier sind jetzt noch einmal Bögen mit Marathon und Halbmarathon aufgebaut. Getränkeaufnahme, rechts ab am Roundpoint zum letzten entscheidenden, schwierigsten Abschnitt. Rauf zum Kirchberg! Noch geht es auf der „roten Brücke“ über die Alzette und den Stadtteil Pfaffenthal hinweg. KM37 kommt 2:49:47 steht auf der Uhr. Der KM Schnitt jetzt locker über 5min/km. Es wird langsam duster, kein Wunder es ist ja auch schon kurz vor 22Uhr. Ich schleppe mich den Kirchberg rauf. Nicht gehen! Immer weiter! Konzentrieren! Das geht hier aber auch rauf. Kein Wunder, dass man auf den ersten KM in entgegengesetzter Richtung so schnell ist. Ich schaue nach dem nächten KM Marker. Über den Schildern wurden extra blinkende Baustellen Lampen angebracht. Aber hier auf der Avenue John F. Kennedy ist eine Großbaustelle. Hier blinkt alles! Doch da kommt die 38! 5:12min/km ist noch sehr ordentlich. Weiter so, noch 4km. Nicht nachlassen! Höre ich da Musik von hinten? Da hat aber jemand seinen MP3 Player laut gestellt! Nein das ist ein Handy! Da kommt jemand mit dem Handy am Arm gelaufen, Musik auf laut gestellt und läßt sich berieseln! Sachen gibt’s! Da fällt mir nichts mehr ein. Er zieht an mir vorbei. Der erste welcher mich seit langem überholt. Ich klemme mich ran. Erst fällt es mir extrem schwer, doch dann kann ich dranbleiben. Zur linken jetzt die Coque und da kommt ja auch schon KM39. 5:14min/km. Macht 3:00:13 in der Summe. Die Sub 3:20 schaffe ich. Da bin ich mir ziemlich sicher. Aber diese letzten 3km sind noch so lang. Noch einmal Samba Drums zum aufheitern an der Ecke. Abzweig links in die stark ansteigende Rue Richard Coudenhove-Kalergi. Ich dreh‘ durch! Das nimmt ja überhaupt kein Ende. Kämpfen jetzt! Brauch ich nochmal Wasser. Ja aber nur ein kleiner Schluck. Jetzt bloß keine weiteren Seitenstechen mehr. Ich bin oben. Rechts rum und erst mal ist die Strecke wieder eben. KM40 in 5:37min/km ist eigentlich logisch. Ich schaue schräg links auf die letzten beiden KM über den Boulevard Pierre Frieden. Eine idyllische Ruhe ist das jetzt hier. Nach 22Uhr, leicht kühl, fast keine Menschen mehr an der Strecke. Ich höre das trippelt meiner Schuhe ganz klar. Nur noch die zwei, dann hast du es geschafft! Abzweig links noch einmal die lang angezogene Steigung. Höchstens noch 10 Minuten, dann stehst du im Zielauslauf, Medaille umgehängt, Weizen in der Hand. Die Kuppe ist erreicht. Von jetzt an geht es nicht mehr hoch. KM41 abgedrückt in 5:34min/km. Jetzt nochmal alles was geht. Das Messegelände ist sichtbar. Weiter! Abzweig links. Gleich muß doch der Zieleinlauf zu sehen sein. Ja da ist die Einbiegung runter zur Messe. Die letzten Meter sind mit Kerzen ausgeleuchtet. Nicht so schön und beeindruckend wie 2009 vor der Coque, aber für mich ist es jetzt ok. Die Musik aus der Messehalle wird deutlich lauter. KM42 in 5:06min/km, na also! Nochmal anziehen, rein in die Halle auf den blauen Teppich. Tolle Stimmung wie immer! Letzte Kurve, Zielbogen ist vor mir. Ich hab’s gepackt! Was für ein Kampf! Uhr abdrücken und freuen.


Sehr schön! Mit Kerzen die letzten Meter zum Ziel beleuchtet.


Zieleinlauf in der Halle


Das war heftig! Total platt im Ziel.

3:17:16 ist meine Endzeit. Das ist echt gut für die ganzen Probleme in der letzten Zeit. Da kann ich mehr als zufrieden sein. Schnell die Tüte gegen das auskühlen übergezogen und rüber in die zweite Halle zu den Kleiderbeuteln. Ich zittere am ganzen Körper, mir geht es plötzlich echt beschissen. Ich fummele an dem Kleiderbeutel rum, schaffe es aber nicht den selbstgemachten Knoten aufzumachen. Irgendwann hab ich es geschafft. Es wird immer schlimmer, ich zittere als hätten wir -20° Grad. Schnell in die 3.Halle rüber zur Verpflegung und Duschen. Ein Apfel, Banane paar Getränke. Das ist heftig heute. Zum Glück gibt es den Hans Grohe Duschtruck mit warmem Wasser. Das warme Wasser tut gut und ich erhole mich wieder. Frisch geduscht nehme ich nach kurzer Wartezeit den Massage Service in Anspruch. Das ist heute wirklich nötig und die Physio Mädchen und Jungs geben sich alle Mühe. Nach der Massage will ich noch was für die Kaffeekasse der fleißigen Physio’s geben. Was muß ich da feststellen. Ich bin der erste der nach einer Kaffeekasse fragt. Das ist ja wohl mal unglaublich! Die machen hier einen Knochenjob über mehrere Stunden und alles unentgeltlich. Keiner der Läufer/innen drückt hier irgendein Trinkgeld ab. Schämt euch!
Jetzt noch ein bisschen was futtern und trinken dann geht es auf die 3 stündige Heimreise. Zum Glück ist wieder der Geheimausgang an der Bushaltestelle offen, sonst hätte ich noch über eine Stunde mit der Heimfahrt warten müssen. So bin ich inklusive billig Tanken und billig Kippchen für Anja mitbringen um 3 Uhr zu Hause.


Was wäre ein Marathon ohne den Erdinger Stand?


Trotz später Stunde immer noch tolle Party im Zielbereich


Tschüß ING Löwe, bis zum nächsten Jahr.

4.Start in Luxembourg war sehr schön. Es führt kein Weg dran vorbei. Nächstes Jahr wieder würde ich sagen.

Sonntag, 29. April 2012

10.Düsseldorf Marathon


Was geht noch 2 Wochen nach dem Wien Marathon?
Erstmal ging es ganz gut. Training wieder aufgenommen, Knieprobleme waren nach dem Wien Marathon wesentlich besser geworden. Und ja, ich war endlich etwas schneller unterwegs. Sogar noch ein Tempolauf eingeschoben. Aber dann! Montags, der Tag nach dem letzten langen Lauf bzw. 6 Tage vorm Marathon macht das rechte Sprunggelenk wieder Schmerzen und Probleme beim auftreten. Schöner Mist. Gerade hatte sich das Knie wieder etwas erholt und jetzt das. Notprogramm mit 2 Einheiten eingeschoben und hoffen auf Besserung für den Sonntag.

Samstag 28.April

Gemütlich um 12 Uhr in Richtung Düsseldorf losgefahren. Keine Hetze, kein Stress. Noch ganz kurzfristig hab ich mir eine Übernachtung im Hostel Nähe Bahnhof gebucht. Sonntags früh um 4 Uhr wollte ich dann doch nicht losfahren. Gegen 3 Uhr Mittags die Messe erreicht um die Startunterlagen abzuholen. Schwül warmes Wetter mit Temperaturen an die 27° Grad machen mich etwas platt und geben schon mal einen kleinen Vorgeschmack für den morgigen Marathontag. Die Prognosen stehen bei 25° Grad. Die Messe ist zu meinem erstaunen doch sehr klein und übersichtlich. Schnell sind die Unterlagen organisiert und ich kann bereits die Unterkunft aufsuchen. Mitten in der Innenstadt finde ich sogar noch einen regulären Parkplatz. Prima! Das klappt ja schon mal ganz gut. Im Hostel angekommen, treffe ich nicht wie erwartet auf Läufer, sondern auf trinkwütige, kleinere Gruppen, meist in Einheits T-Shirts unterwegs. Manche haben sich für diesen Düsseldorf Suff Event sogar eigene Kostüme gebastelt. Super! Das kann ja ne ganz tolle Nacht werden, die sind ja alle nur zum saufen hier!

Hallo Düsseldorf, sehr schöne Stadt so der erste Eindruck

Marathon Messe. Alles überschaubar.

Hier ist nicht mehr ausgestellt als beim Bienwald Marathon in Kandel!

Mehr braucht man auch nicht. Die Startnummernausgabe

Startnummer und Jubiläums "Shoulder Bag". Schöne Idee, aber als Läuferbeutel einfach zu klein!

Meine Unterkunft, eine beliebte Bleibe für Altstadt Sauf-Touristen

Mein Bett für die Nacht. Kosten mit Bettwäsche aber ohne Frühstück 29 Euro

Jetzt fehlt noch ein schönes Abendessen. Am besten wie immer beim Italiener ein paar leckere Spaghettis. Ich latsche locker 2km bis in die Altstadt. Endlich werde ich fündig. Die Pizzeria "La Candeletta" mitten in der Altstadt. Sehr lecker das Essen. Ich ordere eine doppel Portion, Salat und noch 2 alkfrei Weizen. Billig war's nicht (28 Euro), aber dafür sehr gut und dann ist das auch ok. Wieder den ganzen Weg zurück. Mir tut echt das rechte Sprunggelenk weh. Dieses ganze rumgelatsche, nicht gerade gut. Keine Ahnung wie das morgen über 42km aussieht. Wieder in der Unterkunft treffe ich auf meinen Zimmerkollegen. Ein aus Libyen stammender Mann, ich schätze Ihn mal um die 50 Jahre. Wie selbstverständlich fängt er sofort ein Gespräch auf Englisch an, als wäre das meine Muttersprache. Er ist sehr nett, aber eigentlich bin ich platt und will nur noch schlafen. Zum Glück geht er bald in die Stadt und ich habe das Zimmer wieder ganz alleine für mich, denn die anderen Betten sind nicht belegt. Es dauert nicht lange, da schlafe ich auch schon ein.

Carboloading im "La Candeletta" mitten in der Altstadt

Erstmal ein Salat vorweg

Dann doppel Portion Spaghetti mit Brokkoli

Sonntag 29.April (Marathontag)

4:45Uhr, mein Zimmerkollege kommt nach Hause. Die Tür knallt, er fällt ins Bett und schläft sofort mit lautem geschnarche ein. Wie praktisch! Ich bin wach! Ein besseren Wecker gibt es doch gar nicht! Überhaupt konnte ich recht gut schlafen, lediglich ein paar Sauflieder habe ich mitten in der Nacht vom Gang vernommen. Jetzt gleich loslegen mit Frühstücken. Dafür habe ich mir extra 2 Brötchen mit Käse und ein Ei von zu Hause mitgenommen. Etwas knatschig von der gestrigen Hitze, aber noch gut. Das reguläre Frühstück im Hostel gibt es erst ab 7:00Uhr. Viel zu spät für mich, und wahrscheinlich viel zu früh für die Düsseldorf Sauf-Touris. Toilettengang, umziehen, Sachen packen, auschecken.
Weiter im Fußmarsch zur Tram, die mir ein paar Meter vom Fussweg abnehmen soll. Die Tram fährt mir vor der Nase weg. 20min warten? Nein, ich laufe! Bald habe ich die Altstadt erreicht. Ein paar Besoffene kommen mir noch mit ner Bierflasche in der Hand entgegen. Ich will erst mal ein Kaffee. So ganz ohne Kaffee das geht ja gar nicht. Weiter zum Burgplatz, hier ist die Kleiderbeutelabgabe, aber nicht der Start! Dafür muß man noch mal ein bisschen laufen. Noch gar nichts los hier. Bin wie immer zu früh! Aber dafür kann ich noch auf die Toilette ohne anzustehen!

Morgens um 7 ist die Welt noch in Ordnung. Idylle in der Altstadt

noch nichts los auf dem Marktplatz, aber ein Laden um die Ecke verkauft schon Kaffee. Hurra!

Bin mal wieder viel zu früh, der Burgplatz wird sich bald füllen

Die Städtische Müllbeseitigung bereinigt noch schnell den Dreck aus der Nacht

Trotz aktueller Probleme freue ich mich auf den Marathon

Weg mit dem Kleiderbeutel und rüber laufen zum Jos.-Beuys Ufer wo sich der Start befindet. Ganz schönes Stück zu gehen. Unter der Oberkasseler Brücke durch, das muß der Start sein. Aber irgendwie alles so klein und überschaubar. Ich bin etwas überrascht. Wird doch der Düsseldorf Marathon in einem Atemzug mit Berlin, Hamburg, Köln oder Frankfurt genannt. Na gut, ist mir nur recht. Stehe sowieso nicht auf diese Megaevents wo man vor lauter Startern sein reguläres Tempo nicht laufen kann. Bisschen warmlaufen um die Schuhschnürung zur checken, kleine Modifikationen vornehmen. Ich setzte diesmal wieder auf den vom Wien Marathon bewährten leicht gestützten Asics DS Trainer 16 Schuh anstelle des normalerweise üblichen Mizuno Wave Rider 13. Die Handbiker sind schon los. Jetzt wird es ernst. Ab in den Block für die Zielzeit 3:00-3:30. Überhaupt kein Gedrängel hier. Sehr schön. Da fühle ich mich gleich wohl. Das Ziel lautet für heute, auf jeden Fall unter 3:30 laufen wie in Wien. Wenn das Sprunggelenk durchhält, möchte ich schon eine Sub 3:25 erreichen. Das Wetter ist entgegen aller Prognosen doch mit ca. 16° Grad recht kühl, und es sieht eher danach aus als würde es gleich losregnen anstelle der im Vorfeld befürchteten 25° plus Grade.

Countdown runterzählen - Start!

Die breite Straße des Jos.-Beuys Ufer runter. Bisschen Manöver laufen muß man doch, aber im großen und ganzen kann man sein geplantes Tempo laufen. So ist der erste KM Marker mit 4:52min/km bereits voll im Soll. Die Pacemaker 3:30 hab ich schon mal hinter mir gelassen, da ist mir einfach zu viel los. Weiter in der Cecilienallee, die Gegenspur ist abgesperrt und wird nach einer Schleife um den Nordpark herum, von KM5,7 - KM7,3KM gelaufen. Weiter geht es am Rheinufer entlang, KM2 in der Anfangseuphorie in 4:39min und KM3 sogar in 4:36min gelaufen. Jetzt aber mal ein bisschen auf dem Teppich bleiben, so ein Tempo kann ich nicht durchhalten. Die Strecke biegt nun nach rechts weg vom Rhein. Zur rechten der Nordpark und zur linken das Massegelände. Dahinter müßte sich die neue Esprit Arena, die Heimspielstätte von Fortuna Düsseldorf befinden. Leider nicht sichtbar durch die vielen Messegebäude. Überhaupt sind viele Läufer im Trikot von Fortuna unterwegs.

Das Messegelände Düsseldorf, hinten links die Esprit Arena. Bildquelle: Messe Düsseldorf GmbH

Weiter um den Nordpark in den Stadtteil Stockum. KM4 abgedrückt in 4:42min. Immer noch zu schnell. Abzweig rechts in die Kaiserwerther Straße. Hier ein kleineres Stimmungsnest an der Strecke macht schon mal Laune auf die ganz große Stimmung in der Innenstadt. Och nö! Kopfsteinpflaster! Hoffentlich geht das schnell vorbei! Da hat man schon ein ausgeleiertes Sprunggelenk und dann kommen die mit Kopfsteinpflaster. Trotzdem läuft es sehr gut, keine Schmerzen, oder sagen wir mal besser es läßt sich ausblenden. Der 5KM Marker kommt. Jetzt bin ich gespannt. Erstmal eine 4:36 für den letzten KM und Gesamtzeit 23:25min. Hammer! Das ist ja eine Pace von 4:41min/km. Ich fühle mich wesentlich frischer als vor 2 Wochen in Wien. Kann noch ohne größere Probleme diese Pace laufen. Aber was wird in 10km sein? Den Pulsmesser hab ich heute zu Hause gelassen, also von hier kann ich schon mal keine beängstigende Rückmeldung erhalten. Weiterlaufen, evtl. ein Tick langsamer und schauen was passiert. Abzweig rechts Stockumer Kirchstraße, wieder normaler Straßenbelag. Schleife ist gelaufen. Zurück am Rheinufer auf der Gegenspur Cecilienallee. Viele Läufer/innen nehmen jetzt schon jeden Bürgersteig bei Abzweigungen mit um ein paar Meter auf die Gesamtstrecke zu betrügen. Ich hasse es! Euch sehe ich alle wieder, wer jetzt schon mit so einem Kram anfängt, der ist bei KM15 platt! Das läuft ja heute. Schon der Abzweig links in die Klever Straße und wieder rechts in die Fischerstraße. KM6 in 4:37 und KM7 in 4:34min/km. Vorbei an den Bauten der ERGO Versicherungsgruppe. Wenn ich mir das so ansehe, dann muß ich sagen, mit Versicherungen kann man wohl sehr viel Geld verdienen. Weiter die Kaiserstraße hinunter, zur rechten die Parkanlagen vom Hofgarten. Über die Maximilian-Wehye-Allee auf die leicht ansteigende Hofgartenrampe zur Oberkasseler Brücke über den Rhein. KM8 hab ich wohl verpasst, aber jetzt bei KM9 die Zeitkontrolle. 9:13min, also das heist 4:37min/km für die letzten 2km. Der Anstieg auf die Oberkasseler Brücke macht doch ein bisschen zu schaffen. Bleibt zu hoffen, dass sich der Wind auf der Brücke in Grenzen hält. Bevor es über den Rhein geht kann man noch die Tonhalle auf der rechten Seite bewundern.

soll eine ausgezeichnete Akustik haben. Die Düsseldorfer Tonhalle. Bildquelle: Alice Wiegand

Über die Oberkasseler Brücke nach Niederkassel auf der linksrheinischen Seite von Düsseldorf. Bildquelle: Sandra v. Zezschwitz-Kippar

Endlich der höchste Punkt der Brücke ist erreicht. Das hat jetzt doch etwas Kraft gekostet. Die Stimmung auf der Brücke ist klasse. Viele Zuschauer haben sich hier eingefunden um die Läufer/innen anzufeuern. Auffällig ist, dass sich sehr viele Japaner auf der Strecke und auch unter den Zuschauern befinden. Das ist auch kein Zufall, denn Düsseldorf hat den größten Anteil an japanischen Mitbürgern in Deutschland. Viele japanische Großkonzerne haben sich in Düsseldorf angesiedelt. Leicht abschüssig geht es die Brücke runter in die Luegallee. Ich versuche mich ein bisschen zu erholen. Die 10km Messmatte ist in Sicht. 46:25min stehen auf der Uhr. Das bedeutet eine Pace von 4:38min/km. Wenn ich dieses Tempo halten kann, würde eine Endzeit knapp über 3 Stunden 15 rauskommen. Was ist denn heute hier los? OK, 3:15 wäre wirklich etwas übertrieben, und so frisch wie am Start bin ich auch nicht mehr. Aber es macht echt Spaß hier zu laufen, die orthopädischen Probleme halten sich noch zurück, und ich bin irgendwie gut drauf. Weiter gehts, auch wenn ich diesen Schnitt nicht mehr allzu lange halten kann. Bei KM11 knickt es leicht rechts ab in die Hansaallee. 4:28min für den letzten km! Was haue ich denn da für Zeiten raus? Trotzdem habe ich das Gefühl, dass ich etwas nachlasse. Wieder mal ein Getränk aufgenommen. Sehr gut sind die Stände aufgebaut. Ca. alle 3km kommt ein Verpflegungspunkt. Man verliert kaum Zeit, es ist genug Platz und die tollen Helfer geben alles, damit hier nicht wertvolle Sekunden liegen bleiben. Schon wieder ein KM Marker. 4:36min für die 12. Abzweig in den Niederkasseler Lohweg. Vorbei an einem Altenheim und das ist jetzt wirklich super, schade kein Bild davon vorhanden. Da hat sich scheinbar das ganze Altenheim auf der Straße versammelt und feuert die Läufer/innen an. Teilweise in Rollstühlen sitzen die älteren Damen und Herren an der Strecke und geben alles! Das ist einmalig! Super Düsseldorf! Da laufe ich doch glatt KM13 in 4:34min. Auf der rechten Seite die Unternehmenszentrale von Vodafone. Davor ein Verpflegungsstand des Mobilfunkanbieters. Abzweig Lütticher Straße, kurz darauf links in die Brüsseler Straße und gleich in den parallel verlaufenden Kaiser-Friedrich-Ring. KM14 mit 4:42min etwas schwächer aber immer noch sehr gut. Weiter im Wohngebiet von Niederkassel und Oberkassel, da wird auch gleich die Stimmung besser. Ich komme immer näher an die Pacemaker von 3:15 heran. KM15 mit 4:31min schon fast wie in alten Zeiten. Weiter am Rhein entlang, unter der Oberkasseler Brücke durch. KM16 und 17 in je 4:36min/km. Noch einmal eine Schleife laufen, bevor es wieder über den Rhein geht. Jetzt Düsseldorfer Straße (Hä?) in Düsseldorf Oberkassel. Ich muß mir mal so langsam Gedanken machen, wie ich hier weiterlaufen will. Soll ich weiter diesen Kurs beibehalten, oder doch etwas nachlassen um mehr Reserven für den 2.Teil zuhaben. Schwierig, schwierig. Auf jeden Fall bleibe ich erst mal an den Pacemaker von 3:15 dran. Über die Barmer Straße zurück auf die Luegallee. Hier ist wieder was los. Da kann man auf keinen Fall das Tempo rausnehmen! 4:34 und 4:38 für KM18 bzw. KM19. Das erste Gel hab ich jetzt auch schon drin und will mal hoffen, dass es wieder neue Energie bringt. Ich bin jetzt doch schon etwas ausgelaugt und fange an darüber nachzudenken, wie viele KM noch vor mir liegen. Erstmal Halbmarathonzeit checken und dann weitersehen. Die Oberkasseler Brücke führt wieder über den Rhein. Auf der andern Seite versuche ich die Hofgartenrampe runter zum verschnaufen zu nutzen. KM20 in 4:33min. Durch die teilweise in Bau befindlichen Anlagen des Hofgarten und den oberen Teil der Kö geht es rüber zur Hofgartenstraße. Der Halbmarathondurchlauf ist nicht mehr weit. Ich bin fast aufgeschlossen auf die 3:15 Pacemaker. Rechts ab in die Jägerhofstraße. Hier ist tolle Stimmung, eine Uhr zeigt die laufende Brutto Zeit. Jetzt bin ich gespannt. 1:37:13 - das ist Kurs 3:15! Soll ich das wirklich riskieren? Ich muß nochmal 21km laufen. Ich will wirklich nicht die letzten Kilometer komplett einbrechen und nur noch über die Strecke schlurfen. Ich plaudere kurz mit dem 3:15 Pacemaker, dann ein kurzer antritt und ich laufe ein paar Meter vor der Traube um die beiden Pacemaker. Vor dieser Traube will ich jetzt erst mal bleiben, so lange es eben geht.

Halbmarathondurchlauf ist geschafft, vorbei am Schloss Jägerhof. Bildquelle: Jörg Wiegels

Es geht nun durch den Stadtteil Pempelfort. Jetzt wird es sich zeigen wie gut ich heute wirklich drauf bin. Das Sprunggelenk meldet nun doch ein paar Schmerzen. Trotzdem, jetzt bleibe ich dran. 4:35/4:35/4:33 für KM22/23/24. Schon eine Zeit unter 3 Stunden 20 hätte ich heute morgen für absolut unrealistisch gehalten. Und jetzt befinde ich mich immer noch vor den 3:15 Pacern. Über die Roßstraße/Tannenstraße führt die Strecke in den Stadtteil Derendorf. Durch die Ulmenstraße, vorbei an der ehemaligen Justiz-Vollzugsanstalt-NRW "Ulmer-Höh". Abzweig links Jülicher Straße. 4:39 und 4:37 für KM25 bzw. KM26. Es wird zäh, das läuft nicht mehr so flüssig aber ich kann die Pace halten. Weiter in den Stadtteil Düsseltal in die Brehmstraße. Hier steht das berühmte alte Eisstadion der Düsseldorfer EG.

Legendär, das Eisstadion an der Brehmstraße. Hier wurden die Deutschen Meisterschaften klar gemacht. Bildquelle: Johann H. Addicks

Am Brehmplatz der Abzweig in die Graf-Recke-Straße. KM27 in 4:31min gelaufen. Immer noch locker vor den 3:15 Pacern. Jetzt hab ich mir einen Ultrabar Riegel verdient! Weiter tolle Stimmung an der Strecke. Die Temperaturen bleiben niedrig. Über die Fritz-Wust/Sohnstraße führt die Strecke auf die Grafenburgerallee. Die Pacemaker 3:15 schließen wieder zu mir auf. Ich kann das trippeln der ganzen Gruppe um die Pacer hören. Jetzt werde ich sogar überholt. Lasse ich jetzt nach? Mal sehen, KM28 und KM29 in je 4:40min/km gelaufen. Das war zu befürchten, jetzt kommt der Punkt wo man wirklich beißen muß. Auf los, reiß dich zusammen und bleib an der Gruppe dran! Lindemannstraße wieder rauf zum Brehmplatz KM30 Messmatte kommt 2:18:13 macht eine Pace von 4:36min/km. Jetzt links ab in die Rethelstraße. Hier veranstaltet ein Anwohner eine super privat Party am Fenster. Billy Idols "Rebel Yell" donnert von der Häuserwand als wäre hier ne riesen PA Anlage aufgebaut. Sehr gut! Das pushed wieder für einen Moment. Die Strecke steigt an in Richtung S-Bahn Station Düsseldorf Zoo. Auf komm' gleich ist die Kuppe erreicht, dann geht es wieder runter. Da ist ja schon der KM31 Marker. 4:32min/km für KM31. Also es geht doch! Los noch 11km, die Pacer hab ich auch wieder abgeschüttelt. Grafenberger Allee über die S-Bahn rüber auf die Adlerstraße. KM32 mit 4:36min abgedrückt. Eine Aufschrift auf der Straße zeigt an: "nur noch 10km bis ins Ziel". Wieder links in die Jacobistraße. Das kenne ich schon. Hier waren wir schon mal. Da ist wieder das Schloss Jägerhof. Aber diesmal geht es weiter in die Tonhallenstraße. Die Strecke führt nun durch die Stadt-Mitte. Jeder weitere KM Marker wird herbeigesehnt. Es geht nun richtig los mit dem Kampf gegen den Einbruch.

Noch gut 9km zu laufen, vorbei an der Kirche St.Maria Empfängnis. Bildquelle: Wiegels

KM33 mit 4:42min wieder langsamer. Nochmal Wasser geschnappt, kleiner Plausch mit einem Läufer lenkt ab. 3:15 wird er nicht packen, 3:20 wäre für Ihn top. Also ich will jetzt die 3:15 schaffen. Jetzt hab ich mich so gut geschlagen, da werde ich diese letzten 9km noch einmal alles dransetzen um das neue Ziel zu erreichen. Also konzentrieren, zusammenreißen und weiterlaufen! Über den Platz der Deutschen Einheit geht es in die Berliner Allee. Was ist denn hier los? KM34 mit 5:11 gestoppt? Das kann nicht sein! Bestimmt Marker falsch gestellt. Cool bleiben, nicht durchdrehen. Weiter Corneliusstraße an meiner Unterkunft vorbei. Ob die Altstadt-Saufnasen schon wach sind? Ich bin hellwach und stemme mich mit aller Macht gegen das langsamer werden. Rechts rum in die Herzogstraße. Leichter Anstieg die Rampe zur Rheinkniebrücke rauf. Vorbei am Ständehaus. KM35 in 4:11min! Also doch der KM Marker verschoben. Alles wieder im Lot! Noch ein bisschen, dann kommt der Wendepunkt. Der Blick fixiert auf den Rheinturm. Dranbleiben, ich pack das! Noch 7KM! Durchhalten und kämpfen!

Das Ständehaus. Trotz sturem Autopilot die Kulturellen Highlights noch wahrgenommen. Bildquelle: Alice Wiegand


Der Rheinturm fest im Blick, jetzt will ich's wissen. Sub 3:15 ist immer noch möglich. Bildquelle: Alexostrov

Der Wendepunkt auf der Rampe zur Rheinkniebrücke kommt. Die Menge tobt und johlt was das Zeug hält. Sowas kann ich jetzt sehr gut gebrauchen. Kurzes Stück auf der Gegenseite und gleich rein mit Schwung in die Kronprinzenstraße. Dann rechts Fürstenwall und wieder ist der Rheinturn fixiert im Blick. Jetzt links Lorettostraße, KM36 abgedrückt mit 4:36min. Sauber! Aber es sind noch 6km zu laufen. Nochmal Gel? Nee, besser nicht. Dieses Zeug so kurz vor Ende hat mir in Wien schon Ärger gemacht. Ich denke der Ultrabar Riegel war heute genau richtig. Jetzt nochmal nachladen belastet nur den Magen. Abzweig rechts in die Gladbacher Straße. Die noch durch, dann bin ich dem Ziel wieder ein Stück näher gekommen. Das wird jetzt aber auch zäh! Wieder eine der zahlreichen Samba Bands an der Strecke. Klasse! Ich kann jetzt wirklich jede Unterstützung gebrauchen. KM37 Marker mit 4:39min abgedrückt. Gesamzeit steht auf 2:50:33. Mir bleiben also noch 24 Minuten 25 Sekunden Zeit für die letzten 5,2km. Wäre ungefähr eine Pace von 4:42min/km. Ganz schon flott für die letzten 5km. Das wird sau-knapp. Ich darf mir jetzt noch nicht mal einen kleinen Hänger erlauben. Alles was geht für die letzten 5km. Abzweig rechts in die Hammer Straße. Ist das die Straße wo der Mann mit dem Hammer wohnt? Ach papperlapapp! Weiter im Rhythmus, nicht aus dem Konzept bringen lassen. Jetzt war ich bis hierher so gut unterwegs, dann pack ich den Rest auch noch. Also, Rheinturm fixieren, und schön konzentriert weiterlaufen. Jetzt Abzweig in die Ernst-Gnoß-Straße, ich kann das trippeln der beiden Pacemaker mit Ihrer deutlich kleine gewordenen Läufertraube hören. Sie kommen näher. Auf! Kämpfen! KM38 wird ne 4:39min. Gut, weiter so. Jetzt bloss nicht überholen lassen. Nochmal alle Reste mobilisieren. Noch 4km! Gleich sind wir auf der Kö, da steppt bestimmt der Bär und das wird mich bis ins Ziel tragen! Noch einmal unter der Rheinkniebrücke Rampe durch. Jetzt kann man links schon mal ein Blick vom Zielgelände erhaschen. Aber ich muß erst noch die Kö rauf und runter laufen. Weiter über die Haroldstraße. Weit hinten sehe ich das KM39 Schild. Das zieht sich vielleicht. 4:38min, sehr gut! Jetzt nur noch 3,2km. Zusammenreißen sonst war all die Mühe für die Galerie wenn am Ende ne 3:16 auf der Uhr steht! Das wird hier heute mein Comeback Lauf nach all den Drecks Verletzungen! Ich hab die Königsallee erreicht. Jetzt noch einmal hoch bis zur Wende. Tolle Unterstützung jetzt. Nochmal alles geben was geht. Es wird zur Qual, aber das zieh ich heute durch! KM40 endlich. 4:40min gebraucht. 3:04:30 steht auf der Uhr. 10 Minuten 29 Sekunden für 2,2km. Ich darf nicht locker lassen. Das wird jetzt noch knüppelhart. Die Wende kommt, rüber auf die andere Straßenseite. Noch einmal die Kö runter. Eine Samba Gruppe haut nochmal rein, ich nehme den Rhythmus auf. Jetzt gilt es!

Einmal noch die Kö hoch

KM40, jetzt bloss nicht abreißen lassen!

und die Kö wieder runter

2km noch. Das muß ich durchhalten!

Jeder Schritt wird zur Qual, aber der Gedanke an eine super Zeit hält mich bei der Stange. Ich hab's bald geschafft! Carl Theodor Straße kommt. Die Kö ist abgehakt! Nochmal durch das Erdinger Weißbier Tor laufen. Da bekommt man gleich Durst, und es ist ja nicht mehr weit! Wieder auf der Haroldstraße sehe ich die "41" von weiten schon leuchten. Mit allem was geht versuche ich das Tempo konstant zu halten. Jetzt die Zeit. 4:27min für KM41, jetzt werd ich verrückt! Macht 3:08:57 auf der Uhr. Nur noch einen Kilometer zusammenreißen! Der Triumpf ist zum greifen nahe!

4:27min für KM41, jetzt ist das Ding durch! Wie geil!!!

Der letzte Kilometer geht irgendwie von alleine. Getragen von dem tosenden Beifall laufe ich geradezu auf das Rheinufer zu. Der Weg bis ins Ziel zieht sich und verlangt nochmal alles ab, aber es ist eine Freude. Hätte mir das jemand heute morgen erzählt, dass ich mit dieser Zeit hier einlaufe, das hätte ich nie für möglich gehalten. Letzte Zeitkontrolle bei KM42. 4:29min für den letzten Kilometer. Sensationell, jetzt sind auch die letzten Zweifel beseitigt. Jubelnd laufe ich auf den Zielbogen zu. Wahnsinn! Das kann man nicht beschreiben. Klack, Uhr abgedrückt und 3:14:12 steht drauf! Das ist der Durchbruch für 2012. Ab jetzt geht es wieder aufwärts!

lang ist der Zieleinlauf in Düsseldorf

noch hundert Meter, fertig machen zu jubeln!

Zu meinem erstaunen geht es mir echt gut, und somit stört es mich jetzt nicht dass ich noch locker 400 Meter bis zum Versorgungspunkt laufen muß. Aber bedenkt man, dass es genug Läufer/innen gibt die im Ziel fast zusammenbrechen und dann noch diesen Weg auf sich nehmen müssen. Nicht so gut, aber wohl aus logistischen Gründen nicht anders zu lösen.

Keine Getränke im direkten Nachzielbereich. Der Versorgungspunkt befindet sich etwa 400 Meter entfernt!

Die Wege sind weit in Düsseldorf. Besonders wenn man 42,2km gelaufen ist und endlich was trinken will!

Überglücklich und zufrieden. Richtiges Comeback für 2012 geschafft.

Toll wars in Düsseldorf. Sehr schönes Erlebnis. Schöne Stadt, begeisternde Zuschauer und gute Strecke.