Sonntag, 10. März 2013

38.Bienwald-Marathon



Es sollte die erste top Zeit im Jahr 2013 über die Marathondistanz werden. Mit einer 39:14 am 9.Februar beim 10'er in Gross-Gerau war die Euphorie groß. Doch dann kam die Grippewelle auch zu mir. Eine ganze Woche kein Lauftraining. Kurz darauf den Halbmarathon in Mörfelden noch geschwächt in 1:31:58 gelaufen. Noch 2 Wochen bis Kandel und der nächste Rückschlag kam. Verschleimete und teilweise schmerzhafte Bronchien lassen wieder kein richtiges Training zu. Dennoch komme ich auf 84km darunter 2 Läufe Sa/So über 26/20km.

Es kam noch schlimmer. In der Woche vorm Marathon wird der Druck auf Stirnhöhlen und Nebenhöhlen anstatt endlich nachzulassen immer mehr. So lasse ich 2 Trainingseinheiten aus und mache einen letzten Test am Samstag vorm Marathon. Das ganze Gesicht pumpt, es ist eine einzige Katastrophe. Der Puls im Vergleich 10 Schläge höher als normal. Ich belasse es bei 8km und versuche den Rest des Tages zur Erholung zu nutzen. Inhallieren, Nasenduschen und Tee trinken gehört sowieso schon seit langem zum täglichen Pflichtprogramm.

Der Wecker klingelt um 4:30Uhr. Ich komme gut raus, und zu meinem erstaunen hab ich mich über Nacht sogar ein wenig erholt. Mit geht es auf jeden Fall schon mal viel besser als gestern. Frühstück eingenommen, Tasche gepackt. Bisschen Fernsehen zur Enspannung. Immer wieder das gleiche Ritual. Um 6:30Uhr geht es los nach Kandel. Laufkumpel Thomas aus dem Ort noch eingeladen. Kurz vor 8 Uhr sind wir schon in Kandel. Das Wetter ist gegen allen Regen Prognosen gut. Es wird heute zum Lauf so um die 8°C werden. Teils sonnig, teils bewölkt. Quasi ideales Marathon Wetter.

Schnell sind die Startunterlagen abgeholt. Noch einen Kaffee getrunken. Das gratis Funktionslaufshirt wird ebenfalls gerne genommen. Bisschen rumgammeln auf der kleinen, überschaubaren Marathonmesse. In aller Ruhe umziehen für den Marathon. Ich entscheide mich für kurz/kurz plus ein Halstuch. Um 9:15Uhr geht es zum verabredeten Fori Treff vor der Halle. Treffpunkt an einer der unzähligen Kandel Bienen, welche noch in den letzten 3 Jahren an fast jedem Platz in - und um Kandel zu finden waren. Aber was ist in 2013? Alle Kandel Bienen sind wie vom Erdboden verschluckt! Lediglich im Stadion trifft man noch auf die Fussball-Biene. Aber auch ohne die Kandel Bienen finden fast alle den Treffpunkt.



Wieder viel zu früh, noch gar nichts los bei der Startnummernausgabe



Gerne genommen werden die Bienwald Shirts die im Startpreis mit enthalten sind



Fast alle haben den Fori Treff gefunden, auch wenn die markante Biene vor der Halle nicht mehr da war



Eckhard ist schon mal zum Start gegangen, voller vorfreude auf den Lauf. Carmen, Volker, Thomas, Gero, Frank, Mustafa

Wieder einmal ist Kurt Beck, der ehemalige Ministerpräsident von Rheinland-Pfalz, mit von der Partie, um den Start zum 38.Bienwald Marathon freizugeben. Ich bin spät dran und wurschtele mich nach vorne. Da treffe ich wieder auf Eckhard, dem kurzerhand am Start der Job des 3:45 Pacemakers aufgeschwatzt wurde. Wo soll ich mich heute einordnen? Ich bin auf keinen Fall fit. Der Halbmarathon von Mörfelden hat gezeigt, wie brutal sich eine gerade überstandene Grippe mit Trainingsausfall bemerkbar macht. Der 8km Test von gestern war ebenfalls schlecht. Ich würde sogar sagen, der Zustand vor dem Halbmarathon in Mörfelden war besser als heute. Am vernünftigsten wäre es wohl den Marathon heute nicht zu laufen. Aber dafür bin ich viel zu unvernünftig. Ein Lauf nicht am Limit, quasi als Training für den Wien Marathon im April. Zielzeit unter 3:30. So hatte ich mir das heute morgen noch beim Tasche packen ausgedacht. Aber ganz automatisch bewege ich mich in den Startblock für 3:15 und schneller.

10:00Uhr - Start

Ich komme gut weg vom Start. Das Feld is gut gefüllt, aber die Läufer/innen haben sich sehr diszipliniert, entsprechend ihrer Zielzeit eingeordnet. Keine sinnlosen Manöver, man wird fast gar nicht ausgebremst. Trotzdem will ich mich ein wenig zurückhalten. Die Ansprüche sind heute ja nicht so hoch. Nach einem kurzen Stück im Feld geht es wieder rein nach Kandel. Immer weiter die Saarstraße runter. KM1 in 4:32min ist schon mal ganz ok. Links und rechts viele Zuschauer, machen tolle Stimmung. KM2 sogar in 4:18min. Das ist zu schnell. Damit bin ich mit dem derzeitigen Trainingsstand in kürzester Zeit am Ende. Also bisschen Tempo raussnehmen. Die Strecke führt jetzt raus aus Kandel über das offene Feld. Bisschen Wind aber alles nicht so schlimm.Weit vorne kann ich Gero vom Foritreff sehen. Wenn der das durchhält, dann springt da heute ne top Zeit für ihn raus. Für mich ist heute nach den Grippe und Erkältungswochen kein großer Wurf drin. Ich muß sehen dass ich hier sauber durchkomme. Die Kräfte werden schneller nachlassen als mir recht ist. KM3 mit 4:25min ist daher immer noch zu schnell.

Die Ortschaft Minfeld kommt. Auch hier gibt es Anfeuerung von den Minfeldern am Straßenrand. KM4 in 4:24min. Was ist denn da los. Noch gestern ging nichts mehr im Training und heute läufts verhältnismäßig gut. Puls mit 142 (79%) ist top. Also warum nicht so weiterlaufen. Ein paar Kurven und Schlenker durch die Straßen und schon wird KM5 mit 4:18min/km abgedrückt. Wir verlassen Minfeld, es geht wieder raus ins Feld.

Die Strecke führt weiter durch Feld und Wald bis auf die Bundesstraße K15 nach Schaidt. KM6-9 laufe ich konstant im Schnitt von 4:15-4:20min/km. Am Abzweig zur Bundesstraße gibt es noch einmal ein paar Zuschauer, dann wird es recht eintönig. Breite Bundesstraße im Wald. Fast nur gerade aus. Die einzigen nennenswerten Dinge sind die Getränkestände und die 10km Messmatte welche ich bei 43:32min überquere. Das macht ein Schnitt von 4:21min/km. Das ich das nicht bis zum Ziel halten kann ist mir klar, denn so langsam geht die Pace auf die 4:30min/km zu. Hier fehlt jetzt einfach die Kraft. Wenn ich das so wenigstens bis zum HM Durchlauf halten kann dann sieht es doch gar nicht so schlecht aus.

Die Halbmarathonies haben uns nun auch verlassen und befinden sich bereits auf dem Rückweg. Das ist echt trostlos. Ich laufe fast alleine. Schaffe es nicht mich an jemanden ran zu hängen. Keiner da zu quatschen, wie öde! So bleibt nichts anderes übrig als das Programm runterzuspulen. Ein leichter Schmerz macht sich an der rechten Ferse bemerktbar. Mistkram, das wird wohl ne schöne Blase werden! Kurz vor Scheidt kommen bereits die Führenden vom Wendepunkt zurück. Endlich Schaidt ist erreicht. Traditionel steht wieder die Musikkapelle am Ortseingang.

Hier ist jetzt durch den Wendepunkt wieder was los auf der Strecke. Man feuert sich gegenseitig an und schon kann ich die Pace für ein paar KM wieder unter die 4:25min/km drücken. Wendepunkt genommen, alles wieder zurück. Jetzt kommt mir auch Thomas entgegen. Er will heute die Sub 3:30 packen, so wie das aussieht packt er das locker, da sehe ich kein Problem. Die Musikkapelle ist passiert, ich bin wieder auf der Bundesstraße. KM19 in 4:24min. Puls auf 158 (87%) das passt doch alles!

Noch 2km sind zu laufen bis der Abzweig zur Wald Wendepunktstrecke kommt. Auf der Gegenspur ist ganz schön was los. Schön das doch so viele den Marathon laufen. Eckhard mit der Pace für Zielzeit 3:45 ist auch dabei. Gefolgt von einem ganzen Pulk. Ich muß mich jetzt so langsam um die Versorgung kümmern. Der erste Gelpack muß rein. Klappt super. Die Getränkestände sind vorbildlich aufgebaut. Die Helfer machen das prima, man verliert keine Zeit.

Jetzt der Abzweig in den Wald, über die Messmatte zur HM-Zeitnahme 1:32:32 meine Durchlaufzeit. Schnittpace von 4:23min/km für die erste Hälfte. Mal sehen wie der 2.Abschnitt verläuft. Noch immer kann ich die aktuelle Pace unter 4:30min/km halten. Jeder KM mehr auf der Uhr ist einer weniger zu laufen. Schon kommt der 25'er Marker. Man kann den Wendepunkt vom Abschnitt quasi schon fühlen. Auf der Gegenseite kommen die schnelleren entgegen. Auch Gero ist weiter mit dabei, das könnte reichen für eine Sub3. Auf Gero gib alles!

Es wird immer zäher. KM26 mit 4:33min jetzt doch über der 4:30'er Marke. Der Wendepunkt kommt, ich versuche nochmal dagengen zu halten. KM27 und KM28 in je 4:29min bzw. 4:26min/km gelaufen. Nochmal ein Gel rein für die letzten 14km. Ich bin wirklich platt, aber das muss ich jetzt durchziehen. Von hinten zieht Isabella Bernhard, die Siegerin von 2002, an mir vorbei. Die läuft hier wie ein Uhrwerk, "super eingeteilt!" kann ich da nur anerkenned zurufen. Ich hänge mich dran, versuche dranzubleiben. Und tatsächlich, es gelingt mir die Pace weiterhin unter 4:30min/km zu halten. Ja ich kann sogar nochmal an Isabella vorbeiziehen. Da kommt Eckhard mit der Zielzeit 3:45 auf der Gegenseite. Und er hält sogar extra an, um von mir ein Foto zu schießen! Was für ne super Aktion! Danke Eckhard! KM29 in 4:30min und KM30 in 4:27min/km.



Was für ne geile Aktion. Eckhard bleibt einfach stehen und knipst Bilder von mir. Fotoquelle Eckhard



Laufanalyse Kandel 2013. Deutlich zu sehen der Einbruch bei KM34.

Den Marker für KM30 passiere ich bei 2:12:14. Selbst mit einem 5'er Schnitt bis ins Ziel, schaffe ich locker eine Sub 3:15. Aber das ist längst nicht mehr mein Ziel. Jetzt will ich ne Sub 3:10 packen! Da heißt es aber wirklich auf die Zähne beißen! Die Blase an der Ferse macht immer mehr Schmerzen, aber für 12km wird es wohl noch gehen. KM31 weiter top mit 4:29min. Die Bundesstraße ist erreicht. Jetzt wird es extrem trostlos. Diesen qualvollen Abschnitt kenne ich nur zu gut aus 2010 und 2011. KM31 in 4:29min.

Immer mal wieder packe ich es sogar noch jemanden zu überholen. Vor mir läuft jemand mit Fahrrad Begleitung. Nein, es ist ganz bestimmt nicht der Führende. Es ist eine privat Begleitung! Getränke, Gels, alles wird auf dem Rad mitgenommen und bei Bedarf gereicht. Da muß man sich um nichts mehr kümmern, sogar der Umweg zum Getränkestand wird damit erspart. Also jetzt mal ganz ernsthaft. Ich könnte jedesmal ausflippen wenn ich sowas sehe! Das ist Betrug! Aber ansporn genug um an den beiden vorbei zu gehen. KM32 in 4:27min. Gesamtzeit 2:21:10. Die Sub 3:10 ist greifbar nahe.

Der Kräfteverschleiß wird immer extremer. Wie lange geht das noch gut? Wieder 4:28min für KM33. Ich bin trotz allem weiter auf Kurs. Wenn da nicht diese ewig lange Bundesstraße wäre. Das zermürbt einen total. Man kann noch nicht einmal den Abzweig in den Wald erkennen. Langsam aber sicher geht die Pace und der Puls runter. Die klassischen Anzeichen vom Einbruch. KM34 in 4:33min und KM35 in 4:36min. Noch geht es irgendwie, aber diese letzten 7km können zur Hölle werden. Mir bleiben noch gut 35 Minuten für 7,2km.

4:39min für KM36. Wieder ein KM mehr auf der Uhr, aber immer noch 6km zu gehen. Weningstens kann man jetzt den Abzweig von der Bundesstraße erkennen. Es wird das befürchtete Drama. Ich schlurfe über den Asphalt. Hier geht nicht mehr viel. Abzweig nach links. Die Bundesstraße ist abgehakt. KM37 in 4:41min. Ich darf jetzt nicht nachlassen. Dranbleiben auch wenn jetzt nichts mehr geht. 5km, das muß doch zu machen sein! Ein leichtes Schwindelgefühl im Kopf kommt jetzt auch noch mit dazu.

Zum wiederholten Male zieht Isabella Bernhard an mir vorbei. Doch diesmal werde ich bestimmt nicht mehr aufschließen können. Verzweifelt versuche ich mitzugehen. KM38 Marker wird mit 4:39min abgedrückt. Bisschen mehr als 21 Minuten bleiben um unter 3:10 durch's Ziel zu laufen. 4km in diesem Zustand! Im Kopf dreht sich's immer mehr. Ich muß mich jetzt echt zusammenreißen. Das ist wirklich grenzwertig. Locker bleiben! Schön weiterlaufen, du packst das! KM39 in 4:46min. Der Querweg zurück zum Stadion entlang an den Gärten ist in Sicht. Meine Güte was für ein Drama! Durchbeißen! Ab und zu stehen Leute am Straßenrand, aber leider keine Aufmunterung. Das wäre jetzt so hilfreich.

KM40 hab ich erreicht. Mit 4:48min gar nicht mal schlecht. Ferngesteuert geht es weiter. Im Kopf zähle ich vor mich hin. Der Abzweig zum Stadion kommt. Die Zeit passt, aber ich muß noch ankommen! Alles dreht sich im Kopf, mir ist echt übel. KM41 trotz allem in 4:49min abgedrückt. Die Stadionrunde müßte doch eigentlich von alleine gehen. Aber erstmal hinkommen. Jeder Schritt eine Qual. Die aufgescheuerte Ferse brennt dazu. Ein letzes Mal zusammenreißen. Der Eingang zum Stadion. Rauf auf die Laufbahn. KM42, die Uhr zeigt 3:08:19. Hier geht jetzt gar nix mehr. Kein Endspurt, nichts. Einfach nur irgendwie durch's Ziel. Der Zielbogen kommt näher. Ich hab noch nicht mal Kraft zum jubeln und freuen. Nur ganz kurz strecke ich den Finger hoch. Mehr geht nicht. Rüber über die Messmatte, geschafft! 3:09:17. Ganz langsam torkele ich zum Versorgungsstand. Wie benebelt stehe ich vor den Getränken. Heute zuerst mal ne Cola mit Zucker. Nach ein paar Minuten geht es wieder etwas besser. Erst jetzt gönne ich mir ein alkfrei Weizen.

Eine grenzwertige Aktion, 2 Wochen nach einer Grippe die scheinbar immer noch nicht ausgestanden ist, den Bienwald Marathon zu laufen. Unterm Strich hat's wie immer Spaß gemacht, aber bleibt abzuwarten wie lange es dauert um wieder auf die Beine zu kommen. Schließlich ist am 14.April Vienna City Marathon und da sollte die erste top Zeit für 2013 gelaufen werden.

Samstag, 9. Februar 2013

Gross-Gerau 29.Frühjahrslauf



Der Frühjahrslauf über 10km sollte lediglich dazu dienen die Grundschnelligkeit und Tempohärte zu verbessern. Dies ist eindeutig eines meiner größten Schwächen. Auch wenn es mir nicht liegt und ich die 10'er einfach nur zum kotzen finde, hilft es mir doch letztendlich die Marathonzeit zu verbessern.
Befinden: Permanente Probleme mit chronischen NNH sind ja eh' schon quasi Standart. Beim letzten langen Lauf kamen noch Achillessehnen Probleme links mit dazu.

Training: Besonders das Intervalltraining am Mittwoch war zäh, und die Zeiten schlecht. Auszug aus letzter Trainingswoche:
So - 33km langer Lauf in 5:05min/km
Mo - 12,3km mit Tempoteil 10km 4:26min/km
Di - Pause
Mi - 11,3km mit Intervalle 5x1000 -> 4:05min/km; 3:59min/km; 3:56min/km; 3:59min/km; 4:04min/km
Do - 12,1km in 5:00min/km
Fr - 10,1km in 5:31min/km
Sa - 10'er WK Frühjahrslauf

Außerdem kam in den letzten Tagen noch Schnee, somit dürfte die Strecke im Wald in einem schlechten Zustand sein. Eine gute Zeit ist also nicht zu erwarten.

Samstag 9.Februar

Reichhaltiges Frühstück um 10 Uhr mit 4 Brote, 2x mit Banane und 2x mit Honig. Dann noch ein Joghurt und klar, viel Kaffee.

14 Uhr nach Gross-Gerau gefahren. Parkplatz ist schon gut gefüllt. Unterlagen geholt, dabei noch Laufkumpel Gregor getroffen. Gerade mal 6Euro Startgebühren kostet der Frühjahrsklassiker, der immer am Fastnachtssamstag stattfindet. Schnell noch die Bedingungen abgecheckt. Wege sind frei von Schnee, bisschen matschig, aber erstaunlich gut. 2° ist nicht gerade warm. Trotzdem bleibe ich bei kurzen Hosen, dünnes langarm Unterziehshirt, darüber Langarmshirt, Halstuch, Mütze und Handschuhe.

5 Minuten warmlaufen, dann rein in den Starterblock. Ich bin nicht ganz vorne, aber in guter Position. Man sollte hier wirklich die Schnellen nach vorne lassen, der Weg ist eng und es gibt viele Starter.



Startnummer abholen



Nochmal kurz warmlaufen vorm Start

15:00 Uhr Start:

Ein paar Sekunden gehen drauf bis ich die Startlinie überschreite. Keine Chipzeitmessung, da kann man halt nix machen. Die Strecke führt durch den Gross-Gerauer Nordwald. Bis auf 6 einfach zu nehmende Abzweigungen geht es nur gerade aus. Ein Höhenprofil ist fast nicht vorhanden. Ich komme gut raus, kann gleich mein Tempo gehen. Ein paar Läufer/innen müssen noch überholt werden, aber dann ist praktisch frei Fahrt. Den ersten KM mit 3:57min abgedrückt, so hatte ich mir das ungefähr vorgestellt.

Abzweig nach rechts, der Belag bleibt leicht matschig aber trotzdem guter Grip. 4:14min für KM2! Hier stimmt doch was nicht, oder bin ich schon platt? Abwarten auf den nächsten Marker. 3:37min zeigt die Uhr für KM3. Also war der Marker für KM2 nur falsch postiert. Es ist jetzt schon zäh, aber ich kann das Tempo mitgehen. Wenn ich das bis KM5 so durchhalten, kann ich ernsthaft über eine Zeit unter 40 Minuten nachdenken. KM4 weiter im Takt mit 3:57min.

Abzweig in nördliche Richtung. Bin mal gespannt auf den 5km Durchlauf. Aber noch ist es nicht so weit. Das Tempo ist brutal, keine Ahnung wie lange das noch gut geht. Der Abzweig nach links kommt. Kurz davor der 5'er Marker. 3:55min für KM5 und 19:41min die Nettozeit. Sagen wir mal 1-2 Sekunden beim Start drauf, dann macht das gut 15 Sekunden Vorsprung auf die Sub 40.

Den nächsten Abschnitt kenne ich nur zu gut von der Mörfelder Marathonstaffel, diesmal aber in umgekehrter Richtung. Leichter Anstieg rauf und gleich wieder runter. Die Kräfte schwinden, bin platt. Dennoch ziehe ich an einer Gruppe vorbei, welcher ich die ganze Zeit gefolgt bin. Jetzt muß ich die Pace machen. KM6 in 3:52min.

Die Typen sitzen mir mächtig im Nacken. Hatte ich beim überholen noch das Gefühl, die wären platt, bleibt zumindestens einer auf Tuchfühlung. KM7 in 3:55, Gesamtzeit 27:29min. Nur noch 3km und fast 30 Sekunden Vorsprung auf die Sub40.

Völligst am Limit ist endlich der Abzweig zur langen Geraden zum Ziel gekommen. KM8 Marker in Sicht. Wieder 3:55min, Gesamtzeit 31:24min. Die Sub40 packe ich heute, das steht schon mal fest. Aber geht da noch mehr? Noch 2km durchbeißen und ich schaffe heute vielleicht sogar ne neue PB.

39:26min ist die Bestzeit vom Silvesterlauf Griesheim aus dem Jahre 2010. Das kann ich heute packen! Dran bleiben, Puls längst auf 172 (95%). Ich bin so fertig weis gar nicht was mich überhaupt noch bei der Stange hält. Da hinten ein KM Marker! Ja schön wärs, das ist der Marker vom KM1. Egal weiter, jetzt kommt die 9. Wieder 3:55min. Uhr auf 35:19!

4'er Schnitt würde schon reichen für die neue PB. Jetzt ziehen die Mitstreiter aus meinem Windschatten. Der eine ruft! Los Jungs, nochmal alles geben! Ich klammere mich mit letzter Kraft ran. Nur noch ein paar 100 Meter! Durchhalten. Ein leichter Knick der Strecke, das Ziel ist sichtbar. Letzte Reserven. Der Startmarker ist schon überquert. Vielleicht noch 100Meter. Die Uhr steht auf 39 Minuten. Das packst du! Der Zielkanal ist da. Geschafft! 39:13min zeigt die Uhr. Offizielle Zielzeit 39:14min. Was für ein Hammer! Neue PB!
Noch 3 warme Tee abgebohrt und dann nach Hause zum Duschen.



Nach 10km am Limit, endlich der Zielkanal



Super Zeiten gelaufen. 39:14min, neue PB für mich und eine abartige 37:57min für Gregor

Samstag, 26. Januar 2013

14. Rodgau Ultramarathon



Wieder einmal stand Ende Januar der Rodgau Ultramarathon auf dem Programm. Meine 5.Teilnahme dieser traditionellen Kult Veranstaltung. Die Vorbereitung lief trotz extremer chronischen NNH-Problemen recht gut. Ich hatte im Dezember und Januar ordentlich Kilometer gesammelt. 13 Tage vor Rodgau sogar noch die Marathonstaffel in Mörfelden mit 3:12:09 komplett durchgelaufen. Das lies doch einiges erwarten beim Ultra.
Die Knie (besonders das linke) waren durch das gesteigerte Laufpensum leicht angeschlagen. Viel schlimmer jedoch waren die permanenten Kopfschmerzen und der Druck auf den Ohren wegen der bekannten chronischen NNH Geschichte. Aber alles keine Gründe den Rodgau Ultra zu streichen.

Samstag 26.Januar

Wie immer gleich um 6 Uhr in der Früh aufgestanden. Übliches Marathonfrühstück mit viel Kaffee, 2 Honig Brötchen und ein Joghurt. Tasche packen, bisschen relaxen noch und heute ganz wichtig Wettervorhersage checken. Es liegt viel Schnee, die Temperaturen werden sich bei -5° bis -2° einpendeln. Dafür aber trocken.
Die Fahrt nach Rodgau Dudenhofen geht fix. Um 8:30 Uhr werde ich von den Helfern des RLT Rodgau auf einen der vielen Parkplätze eingewiesen.
Startnummer abgeholt, praktische Umhäng-Lauftasche gibt es noch gratis dazu. Kurzer Blick in die Halle. Sehr viele bekannte Gesichter aus der Läuferszene, da fühlt man sich doch gleich wohl. Kurze Info vom Veranstalter dass die Strecke teilweise geräumt und teilweise mit Split gestreut ist. Naja, wenn es griffig ist, dann wird es schon gehen. Lange Kleidung in 3 Schichten + Mütze, Handschuhe und Halstuch. Wie beim verschneiten Siebengebirgsmarathon im Dezember 2012, kommt der Asics DS Trainer 17 als Laufschuh zum Einsatz. Wer braucht schon Trailschuhe, wir sind hier ja nicht im Hochgebirge!
Fußmarsch zum Start am Gänsbrüh, es ist bitterkalt. Zum Glück geht es gleich los. Tasche deponieren, nochmal pinkeln im Wald, dann rein in den Starterblock. Was geht hier heute? Unter 4 Stunden ist Pflicht. Wenn es super läuft kann ich evtl. unter 3:50 laufen. Die Bestzeit über 50km aus dem Jahre 2011 (3:44:20 auf gleicher Strecke), wird wohl unter den heutigen Bedingungen unmöglich sein.



Startunterlagen holen



Laufartikel Shopping bei -5° C



Fussmarsch zum Start am Gänsbrüh



Letzte Vorbereitungen kurz vorm Start



Beutel mit Utensilien einfach in der Schutzhütte ablegen

10:00Uhr Start

10 Runden je 5km sind zu absolvieren.

Von 967 Voranmeldern, gehen incl. Nachmelder 734 Läufer/innen ins Rennen. Am Ende werden gerade mal 449 Teilnehmer die vollen 50km laufen.

1.Runde
Ich komme gut weg vom Start, ziehe gleich mal das Tempo an und bin am überholen. Nach 400 Metern kommt die fast 180° scharfe Rechtskurve. Keine Probleme hier, die Strecke ist geräumt. Weiter überholen, vorbei am Verpflegungsstand. KM1 in 4:35min abgedrückt. Na das geht doch gut los! Aber nicht überziehen am Anfang, es sind noch 49km! Nach dem Abzweig nach rechts steigt die Strecke leicht an. Bin immer noch fleißig am überholen. Der Wald kommt, und damit ist es vorbei mit dem griffigen Belag. Es geht weiter im Schneematsch! Die Strecke ist zwar wie angekündigt geschottert, allerdings hilft das kaum weiter. Man rutscht teilweise leicht weg und der Kraftaufwand ist um einiges höher als auf schneefreiem Boden. KM2 dennoch mit 4:36min ist ok. Am Abzweig auf die Wendepunktstrecke ist wie jedes Jahr eine Musikbeschallung aufgebaut. Hits der 60’er und 70’er Jahre sollen die Läufer/innen bei Laune halten.
Die Wendepunktpunktstrecke bietet nicht viel Platz zum laufen. Wer überholen will, muß in den tiefen noch beschwerlicher zu laufenden Schnee ausweichen. Der Wendepunkt selbst ist ordentlich mit Split versehen, dennoch kommt man ins straucheln und muß aufpassen dass man nicht hinfliegt. Ich bin froh, als endlich die Wendepunktstrecke vorbei ist und wieder der komplette Weg zum laufen genutzt werden kann. KM3 in 4:39min. Der Belag wird aber nicht besser, mir wird schnell klar, dass hier heute nichts zu holen ist. Eine Zeit gerade so unter 4 Stunden wäre schon ok. Weiter durchs Feld, wenigstens geht kein Wind. Trotzdem, es ist wahrlich kein Vergnügen. Wieder im Wald angekommen, die nächste Ernüchterung. Der Abschnitt parallel zur Opel Teststrecke stellt sich als der schwierigste Teil heraus. Extremer Schneematsch, dazu noch leichte Steigung. Ich bin komplett bedient. KM4 in 4:40min, naja mal sehen wie das in Runde 7 oder 8 aussieht. Runter zum Start/Ziel am Gänsbrüh ist normalerweise der Teil, bei dem man nochmal zulegen kann. Heute ist das alles anders, schwer zu laufen trotz leichtem Gefälle. KM5 in 4:37min. Gesamtzeit für die erste Runde 23:10min, Pace 4:38min/km.

2.Runde
Ich komme ins Gespräch mit einem Läufer aus der Nähe vom Fichtelgebirge. Gemeinsam meckern über die Bedingungen und plaudern über bisherige Lauferlebnisse sorgt für Abwechslung. Allerdings geht auch die Pace ein bisschen runter. 23:39min, Pace 4:44/km.

3.Runde
Ich ziehe alleine weiter, mein Mitstreiter will etwas Tempo rausnehmen. Wasseraufnahme am Versorgungsstand geht noch reibungslos. Mir dröhnt ein wenig der Kopf, aber das war ja irgendwo klar nach den erneuten NNH Problemen die Woche über. Aber sonst, linkes Knie verhält sich gut. Ich lege ein bisschen Tempo zu. 23:02min, Pace 4:36.

4.Runde
Gleich mal den ersten Gelpack am Versorgungspunkt reingedrückt. Der Untergrund wird zunehmend schwieriger zu laufen. Dennoch kann ich das Tempo halten. 23:06min, Pace 4:37.

5.Runde
Ich wundere mich wie gut ich immer noch unterwegs bin. Die ersten gehen schon und ich leg weiter zu. Zu mindestens auf dem geräumten Abschnitt kann man die Zeiten unter 4:30min/km laufen, so wie ich mir das eigentlich von der ganzen Strecke erhofft hatte. Doch sobald der Untergrund von griffig auf Schneematschsülze wechselt, ist man nur noch am fluchen. 22:50min / Pace 4:34.



Weit über 3km pro Runde (5km) müssen auf übelster Schneematschsülze gelaufen werden



Ein paar Zuschauer haben sich im Start/Zielbereich eingefunden

6.Runde
Die Hälfte ist geschafft. 1:55:48 ist doch unter den Bedingungen ganz ordentlich. Weitere 25km stehen noch aus. Ich hoffe der Einbruch lässt noch ein bisschen auf sich warten. Der Getränkestand ist belagert. Läufer/innen bleiben einfach stehen. Nur mit Mühe komme ich im vorbeilaufen an einen warmen Tee heran. Tempo machen bis kurz vor den KM2 Marker. Durch die Matschpampe zum Wendepunkt. Hier wird es immer schwieriger ohne großen Zeitverlust durchzukommen. Beim Abschnitt um KM4 herum wechsele ich ständig von einer Spur auf die andere um den besten Bodenbelag unter den Füßen zu haben. 22:46min, Pace 4:33min/km (schnellste Runde)

7.Runde
Noch 20km vor mir. 2.Gelpack rein. Leider viel zu wenig Wasser im Becher um das alles vernünftig runter zu spülen. Wird schon klappen. Seitenstechen kann ich jetzt wirklich nicht auch noch gebrauchen. Hoffentlich ist das bald vorbei, die Strecke gibt echt nicht mehr viel her. Runde um Runde werden die Bedingungen schlechter. Umso erstaunter bin beim Blick auf die Uhr. Die Kräfte schwinden aber immer noch gut in der Zeit. 23:06min, Pace 4:37min/km.

8.Runde
2:41:41 zeigt die Uhr. Selbst mit einem 5’er Schnitt auf den letzten 3 Runden bleibe ich locker unter der angepeilten 4 Stunden Marke. Mal sehen vielleicht geht das was in Richtung Sub 3:55. Zähne zusammenbeißen und durch. 15km das muß doch zu packen sein. Am Wendepunkt staut es sich fast. Immer mehr Läufer/innen legen längere Gehpausen ein. Das Trainingsprogramm mit erhöhtem KM Pensum im Dezember und Januar zahlt sich jetzt voll aus. Wenn ich diesen Lauf mit dem Ultra in Bottrop am 11.November vergleiche, bin ich im Rodgau trotz deutlich schlechteren Bedingungen wesentlich besser unterwegs. 23:11min, Pace 4:38min/km.

9.Runde
Jetzt erst mal eine gute Zeit beim Marathondurchlauf. Dann geht der Rest auch noch! Mit 4:37 bzw. 4:34min/km für KM41 und KM42 werden die letzten Reserven mobilisiert. Marathondurchlauf mit 3:14:59. Ab jetzt wird es zäh. Knapp 8km irgendwie durchstehen. Diese Runde bleibt die Pace in der Schneematschpampe noch unter 4:50min/km. Ich bin fix und alle. Aber für 5km wird es noch irgendwie gehen. 23:39min, Pace 4:44min/km.

10.Runde
Selbst auf dem griffigen Asphalt schleppe ich mich nur noch über die Strecke. Da hilft auch kein Getränk mehr. Die Batterien sind leer. 4:45min/4:42min für KM46 und KM47 sind das maximale was noch geht. Die Steigung rauf, Abzweig zum Wendepunkt. KM48 mit 4:57min gerade noch so unter der markanten 5min Marke. So muß ich das nur noch halten bis ins Ziel. Jeder Schritt tut weh, aber es sind nur noch 2km, das geht noch! Passage übers Feld, rein in den Wald. Jetzt nur noch die kleinen Steigungen. KM49 in 4:50min, Uhr auf 3:47:45. Kann ich sogar die Zeit von Bottrop (3:52:36) knacken? Nochmal alles reinhängen. Runter zum Gänsbrüh. Der Zielbereich ist sichtbar. Vielleicht noch 400 Meter. Die Uhr steht noch unter 3:53. Alles rausholen was noch geht. Es reicht!!! 3:52:32 meine Endzeit. Besser konnte es nicht laufen in der Schneematschpampe vom Rodgau.



Trotz Schneepampe, die Zeit vom Bottrop Ultra Nov.2012 um 4 Sekunden unterboten



reichhaltiges Finischer Buffet

Bisschen Zielverpflegung reinhauen, Finisher Weizen und dann der Fußmarsch zurück zu den Duschen. Normalerweise war das immer eine Qual, den gut 1km langen Weg durchgefroren und platt vom Ultra zurück zu gehen. Aber es geht in diesem Jahr erstaunlich gut. Und diesmal sind auch noch die Duschen warm! Was will man mehr?

Sonntag, 13. Januar 2013

36.Marathonstaffel SKV Mörfelden



Im Zuge der Vorbereitungen für den Rodgau Ultramarathon Ende Januar stand am 13.Januar der längste Trainingslauf mit ca.35km oder mehr auf dem Programm. Also dachte ich mir, warum eigentlich nicht einen Marathon laufen gleich bei mir um die Ecke. Denn genau an diesem Tag gibt es in Mörfelden die traditionelle Marathonstaffel des SKV Mörfelden.

Das Training habe ich deswegen jetzt nicht groß geändert. Die letzten vier Trainings Wochen im Schnitt mit 97,1km waren doch sehr hart und haben ihre Spuren hinterlassen. Das linke Knie schmerzte ein wenig, aber fürs Training war es immer noch halbwegs ok. Die Woche vorm Marathon hab ich auf Berg und Tempoläufe verzichtet. Nochmal 59,4km auf 4 Einheiten verteilt. Die letzte Einheit am Freitag war dann eine Test Runde auf der Mörfelden Marathonstaffel Strecke. Nach der Trainingseinheit gab es doch erhebliche Knieschmerzen, und ganz neu kam noch ein ziehen in der linken hinteren Oberschenkelmuskulatur dazu.

Den Samstag nochmal zur Regeneration genutzt. Linkes Knie und den hinteren Oberschenkel getaped. Sachen gepackt und früh‘ ins Bett gegangen.

Sonntag:

Um 5 Uhr in der früh aufgestanden. Klar, Mörfelden ist nur 30 Minuten von mir entfernt, aber das Frühstück muß ja verdaut werden bis zum Start um 9:00Uhr.
2 Brötchen mit Honig, Joghurt und ein Ei. Das bewährte Marathonfrühstück. Noch ein bisschen relaxen, dann geht es nach Mörfelden.

Um kurz nach 8Uhr bin ich da. Gleich mal die 15 Euro bezahlt und Startnummern abgeholt. Man gibt mir die Nummern mit der Bemerkung, „ach, komplette Strecke“. Ich weis das schon von Lauffreunden, dass solche „Alleingänge“ hier gar nicht so gerne gesehen werden. Schließlich soll ja bei einer Marathonstaffel das Team im Vordergrund stehen. Trotzdem sind die Helfer der SKV Mörfelden sehr freundlich und geben gerne Auskunft was die Startnummern anbetrifft.



Schnell mal die Unterlagen klar gemacht



Der Spaß kann losgehen

Ich muß immer die jeweils der Runde entsprechenden Startnummer gut sichtbar anbringen. Außerdem irgendwie im Zieldurchlauf erkenntlich machen dass ich in die nächste Runde gehe. Für die Zeitmessung steht ein Chip zur Verfügung. Allerdings registriert der Chip nur den Rundendurchlauf und nicht den Start. Die Uhr läuft mit dem Startschuss. Das wird mich ein paar Sekunden kosten, da ich mich logischerweise weiter hinten anstelle beim Start. Getränke gibt es erst im Zielschluss. Klar, für 10,55km braucht man unterwegs keine Getränke. Also das bedeutet für mich Eigenversorgung. Deshalb habe ich mir ne Flasche mit 1 Liter Wasser mit ganz wenig Iso Mix mitgebracht. Die postiere ich erst mal gleich nach dem Stadioneinlauf. Die Startnummer tackere ich alle übereinander fest und werde nach jeder Runde eine Nummer abreißen. Das wird schon irgendwie klappen.

Bei sonnigen, aber frostigen -3° Grad gibt es nicht viel zu überlegen. Lange Hose, 2 Schichten langarm Shirt, dünne Laufjacke, Halstuch, Mütze und Handschuhe. Raus in die Kälte. 2 Runden im Stadion locker warmlaufen, dann rein in den Starterblock. Noch ein bisschen Hinweise vom Sprecher und Punkt 9 Uhr fällt der Startschuss. 4 Runden a 10,55km liegen vor mir.

Start:

1.Runde
Vom Start weg noch eine viertel Runde im Stadion, Abzweig in den Wald. Schon hier spüre ich ein leichtes ziehen in der linken Kniekehle. Das geht ja gut los. Egal erst mal locker weiter. Zeit ist heute nicht so wichtig. In erster Linie soll das ja als langer Trainingslauf für den Rodgau Ultra dienen. Die Strecke führt, mal abgesehen von den Stadionrunden, komplett durch den Wald zwischen Mörfelden und Mönchbruch. Jeder KM ist gut sichtbar markiert. Abzweigungen sind durch Pfeile gekennzeichnet, und teils mit Helfern vom SKV Mörfelden besetzt. Hier verläuft sich bestimmt keiner!
Den ersten KM laufe ich in 4:36min/km. Viel zu schnell. Also hänge ich mich an einen Läufer dran, der die Runde unter 50 Minuten laufen will. Das ist genau mein Tempo für die erste Runde denk ich mir. Aber bereits nach KM3 wird die Pace immer langsamer und mir wird das zu blöd. Ich ziehe weiter mit KM Zeiten unter 4:40min/km. Das Problem Knie meldet sich immer wieder mal, aber spätestens nach dem Wendepunkt bei ca.5,7km nehme ich das irgendwie nicht mehr wahr, oder das bewährte Wettkampfadrenalin unterdrückt die leichten Schmerzen. Die Pace pendelt sich jetzt um die 4:35min/km ein. Mir kommt das immer noch wie ein fast normaler Trainingslauf vor. Es fällt mir schwer nicht noch schneller zu werden. Aber genau das wollte ich heute trainieren. Am Anfang nicht überpacen! Die erste Runde ist fast beendet, ich nähere mich dem Stadion. Die Startnummer muß getauscht werden! Mit einer Hand die Sicherheitsnadel festgehalten, mit der anderen wird die Nummer abgezupft. Klappt prima, ich muß noch nicht mal die Handschuhe ausziehen. Im Stadion schnappe ich noch die vorher deponierte Getränkeflasche. Wasseraufnahme, Flasche wieder für die nächste Runde geschickt weggeworden. Beim Zieldurchlauf halte ich die alte Nummer über die Nummer für Runde 2. Klappt auch super!
Daten für Runde 1 - 49:18min. Pace 4:40min/km ; Puls 144 (79%)

2.Runde
Automatisch werde ich schneller. Immer noch läuft das sehr gut. Keine Ermüdungserscheinungen. Ich hänge mich an eine Läuferin ran, welche ziemlich konstant die Pace auf 4:30min/km hält. Das funktioniert bis ca. 3km vor Ende der Runde. Dann läßt die Läuferin nach und ich ziehe alleine weiter. Im der Stadionrunde die gleiche Prozedur. Nummer wechseln, Getränk aufnehmen. Zieldurchlauf.
Daten für Runde 2 - 47:59min. Pace 4:33min/km ; Puls 152 (84%) -> HM Durchlauf 1:37:16

3.Runde
Mit dem Schwung von der Stadionrunde wird die Pace noch schneller und geht jetzt teilweise unter die 4:30min/km. Plötzlich starkes ziehen im hinteren Oberschenkel. Das hatte ich die ganze Zeit befürchtet. Es wird nicht besser. Bei jedem Schritt zieht es. Laufposition wechseln bringt auch nix. Kann ich so zu Ende laufen? Mistkram! Aussteigen oder weiterlaufen und Verletzung riskieren? Erst mal weiter, ausgestiegen bin ich noch nie. Also wird es auch diesmal irgendwie gehen! Trotzdem habe ich ein ungutes Gefühl beim laufen. Immer wieder kurzes ziehen und zwicken. Da muß ich jetzt durch! Noch ca. 16km sind zu laufen. Das wird nicht einfach. Wieder der Wendepunkt. Zurück zum Stadion. Endlich, das ziehen läßt etwas nach. Ich denke ich kann das durchziehen bis zum Schluss! Kurz vorm Stadion, Wasseraufnahme klappt nicht optimal, ich muß kurz bremsen und nachgreifen um die Flasche zu schlappen. Ein letztes mal die Nummer tauschen. Nur noch eine Runde!
Daten für Runde 3 - 47:38min. Pace 4:31min/km ; Puls 157 (87%)

4.Runde
Noch 10,55km. Ich bin platt kann aber das Tempo noch halten, ja sogar ein paar Abschnitte mit 4:25min/km sind drin. Knie und Oberschenkel völlig ausgeblendet. Es tut sowieso jetzt alles weh, da fällt das gar nicht mehr so auf. Es wird zäh‘ und der übliche Kampf auf den letzen Marathonkilometern ist angesagt. Zähne zusammen beißen. Versuchen die Pace unter der 4:30min zu halten, dann wird das hier sogar eine Zeit unter 3:15! Das wäre top und war eigentlich so nicht geplant. Wäre ich am Start mit einer Zeit um die 3:20 zufrieden gewesen, will ich jetzt unbedingt unter der 3:15 bleiben. Der Wendepunkt kommt. Rum um die Stange. Wieder anlaufen fällt schwer. Zusammenreißen, noch gut 4km sind zu laufen. Die Staffeln haben Ihre Schlussläufer auf die Strecke geschickt, und die sind natürlich schnell. Da bleibt es nicht aus, dass ich auf der letzten Runde noch 4x überholt werde. Jeder KM Marker bringt mich dem Ziel näher. Die letzten Reserven zusammenkratzen. KM40 sagt der Forerunner. Vom Gefühl her werden es letztendlich noch 2,5km sein. Die Zeit ist top. Noch immer kann ich die Pace unter 4:30min/km halten. Der letzte Abschnitt zum Stadion. Quälen, kämpfen, nicht nachlassen! Rein ins Stadion. Die letzte Runde! Gleich ist es vorbei! Das Ziel vor Augen. Zeit passt! Geschafft! Erster Marathon in 2013 gefinisht. 3:12:09 (3:12:17 offizielle Einlaufzeit) meine Zeit. Ich bin total zufrieden.
Daten für Runde 4 - 47:15min. Pace 4:29min/km ; Puls 160 (88%)



Erster Marathon für 2013 abgehakt

Ein paar warme Tee im Ziel abgebohrt. Duschen und Heimfahren. Gelungene Marathonprobe für den Rodgau Ultra in 2 Wochen. Spaß gemacht hat es auch noch. Jetzt noch die Knie und Oberschenkel Probleme in den Griff bekommen, dann sollte der Rodgau Ultra gut laufen. Es sei denn ich hab mich mit dem Start im Mörfelden über die Marathondistanz abgeschossen. Aber das werden wir am 26.Januar sehen.

Sonntag, 30. Dezember 2012

34.Silvesterlauf Frankfurt



Was für eine Snapsidee zum Jahresende nochmal einen 10'er zu laufen. Warum hab ich mich dafür überhaupt gemeldet? Alles spricht gegen so einen Lauf.

- 9 Tage Lauftraining ohne Ruhetag (160km)
- angeschlagen vom Berg/Hügeltraining im Odenwald 2 Tage vorm WK
- allgemein schlechter Zustand wegen chronischer NNH-Probleme
- Training ist seit Jahren nur auf Langdistanzen ausgelegt
- 3 Jahre kein 10'er mehr gelaufen, mal abgesehen von einem Test 10'er im jogging Tempo nach Verletzung.
- ICH HASSE DIESE DRECKS KURZSTRECKEN!!!!

Naja hilft ja nix. Auf nach Frankfurt. Gefrühstückt habe ich ganz normal. 2 Brote mit Honig und Ei, Joghurt mit Müsli. Kann ich ja noch locker alles verdauern. Start ist eh' erst um 12 Uhr. Der Lauf findet in der unmittelbaren Umgebung der Commerzbank Arena, Spielstätte der Frankfurter Eintracht, statt. Es gibt ausreichend Parkmöglichkeiten. Sehr gut ist alles organisiert. Trotz proppenvoller Wintersporthalle keine hektig bei der Startnummernausgabe.

Für gerade mal 10Euro in der Voranmeldung, bekommt man hier eine Startnummer mit eigenem Namen, vermessene 10k Strecke, Chipzeitmessung von Mika-Timing und ausreichend Zielvepflegung so wie man es von Marathonläufen her kennt.



Commerzbank Arena



proppenvolle Wintersporthalle



Fertig zum Start



Kurz warmlaufen und ab in den Startbereich

Start 12:00Uhr

Die Elite Läufer werden zwei Minuten vorher losgelassen. Kurz darauf kommt das Hauptfeld mit Zielzeit 35-45 Minuten. Ehrlich gesagt hab ich keine Ahnung was ich hier laufen kann. In erster Linie will ich keine Verletzung riskieren. Das Trainingsprogramm, insbesondere der Berg/Hügellauf vor 2 Tagen steckt mir extrem in den Beinen. Vielleicht so knapp unter 42 Minuten, das wär schon echt ok.

Los geht es. Die breite Straße in Richtung Bahnhof Sportfeld runter. Es gibt erstaunlicherweise genug Platz zum laufen. KM1 in 3:55min, was für ein Tempo. War ja auch leicht abschüssig auf den letzten Metern. Das werde ich nicht durchhalten können. Unter der Bahn durch, gleich wieder links. Ganz leichter Anstieg aber ich bleibe im Feld, kann sogar noch überholen. KM2 in 4:01min. Überquerung der A5, ich versuche das Tempo zu halten. Ist das brutal! Warum bin ich bloß so schnell angegangen. KM3 in 4:03min zeigt dass ich nachlasse.

Einmal unter der Bahn durch dann ein Ansteig über die Bahnlinie. Das kostet Kraft aber ich versuche dranzubleiben. KM4 in 4:00min ist wieder etwas besser. Die Strecke wird abschüssig. Ich komme richtig in Fahrt. Irgendwie läuft das jetzt. Die Beine spielen trotz Müdigkeit gut mit. Abzweig nach links, die 5km Messmatte kommt. 3:50min für KM5 und 19:49min gesamt. Ja geht da vielleicht ne Zeit unter 40min?

Weiterlaufen, es sind nur noch 5km. Aber das hier sind keine 5km eines Marathons, sondern 5 knüppelharte KM am Anschlag. Weiter geht es an den ausläufern vom Stadtteil Goldstein entlang. KM6 wieder etwas langsamer in 4:02min. Also nur noch 9 Sekunden Vorsprung auf die Sub40. Das wird verdamt eng, aber ich kann es schaffen. Der Ansteig nach KM7 wird es zeigen. Also nochmal alles reinhängen.

KM7 in 3:54min super! Dranbleiben, ich pack das heute! Wieder unter der A5 durch, dann Abzeig rechts. Hier stehen auch ein paar Zuschauer und feuern an. Man kann den Anstieg schon sehen. Mal sehen was ich an Zeit hier liegenlasse. Mit kleinen kurzen Schritten rauf. Ich kann sogar noch ein paar Mitstreiter überholen. Geht doch eigentlich! Die Kuppe ist erreicht. Abzweig links KM8 Marker mit 4:07min. Gsamtzeit bei 31:52. 8 Sekunden noch auf die Sub40.

Das muß ich jetzt durchziehen! Noch 2km Zähne zusammenbeißen. Puls ist auf 173 (96%) das ist ok für den Schlussspurt. Nocheinmal unter der Bahn durch. KM9 Marker kommt. 3:53min Wahnsinn. Ich bin ganz kurz davor ne Sub40 zu laufen. Und das alles ohne spezielles 10'er Training und schweren Beinen. Jetzt steigt die Strecke an. Ich verliere an Geschwindigkeit. Eine 4:14min müßte ich minimum laufen für km10, um unter der 40'er Marke zu bleiben. Das zieht sich hier. Ich gebe alles, mir wird übel. Da muß ich jetzt durch! Der Forerunner zeigt eine Pace von 4:22. Das reicht nicht! Endlich in der Ebene angekommen, ziehe ich nochmal an. Alles was geht. Das Ziel kommt näher. Die Uhr steht noch locker unter 40min. Nicht nachlassen. Weiter durchziehen. Der Zielbogen kommt. Ja! 39:46min! Geschafft!

Na das hat sich doch geloht hier zu starten. Eine Zeit unter 40min. Das mag jetzt für viele ein bisschen merkwürdig klingen, aber für mich ich eine 10'er Zeit unter 40min saugut. Ein schöner Abschluss für 2012.



Top Zielverpflegung



super! 39:46min. Schöner Jahresabschluss

Sonntag, 9. Dezember 2012

13.Siebengebirgsmarathon



Tja, so kann‘s gehen. Da setzt man alles dran um den Twistesee Adventsmarathon zu laufen. Immer weiter im Training trotz andauernder Probleme mit chronischen NNH Entzündungen. Dienstags vorm Twisteseemarathon noch den üblichen 3x1500 Intervall im Marathontempo absolviert. Doch dann mittwochs 3 Tage vorm Wettkampf ist endgültig Schluss. Der Kopf drückt, Schwindel, mir ist kotz übel. Donnerstags zieht mich der Arzt aus dem Verkehr. Das war’s mit Bad Arolsen. Schade! Und ich hatte mich so darauf gefreut. Ganz besonders ärgerlich, da auch ein Treff mit Laufkumpel Eckhard aus dem Osnabrücker Land geplant war.
Aus und vorbei! So wie es aussieht gibt es für mich kein Marathon mehr in 2012 zu laufen.

Was gibt es wohl besseres gegen Kopfschmerzen, Übelkeit und Schwindel. Ein bisschen locker joggen hilft da immer. So 16km, Di 13km, Mi 14km und Do 14km im Tempodauerlauf. Tagsüber auf der Arbeit geht es mir noch ziemlich schlecht, aber beim laufen fühle ich mich doch relativ gut. Der Puls zeigt auch normale Werte. Ich hab da so ne fixe Idee………..Am Sonntag ist der Siebengebirgsmarathon. Es gibt noch genug Startplätze für Nachmelder, da die Wettervorhersage mit Schnee und Schneeregen viele Starter/innen abschreckt.

Ich machs! Samstags der letzte Test über gut 10km bei realen Bedingungen auf dem komplett zugeschneiten Kühkopf. Schon mal die Sachen gepackt und den Wecker auf 4:30Uhr gestellt. Schneewarnungen werden ausgegeben, somit ist es besser frühzeitig zum Siebengebirge loszufahren.

Sonntag 9.12.2012

4:30Uhr, raus aus dem Bett. Gemütlich frühstücken. 2 Brötchen mit Banane, Honig, Ei und ein Joghurt. Um 6:00Uhr geht die Fahrt nach Aegidienberg/Siebengebirge los. Somit habe ich noch 3 Stunden Zeit. Bis 9:00Uhr kann man noch nachmelden. Zuerst läßt es sich auf der schneebedeckten A3 noch halbwegs gut fahren, doch nun kommt noch heftiger Schneefall dazu. Es wird zur
Rutschpartie. Jetzt heißt es erst einmal ganz locker bleiben und irgendwie heil in Aegidienberg ankommen.

Geschafft! Kurz nach 8Uhr bin ich im Bürgerhaus von Aegidienberg. Die Halbmarathonies machen sich schon mal startklar. Ich fülle die Unterlagen für die Nachmeldung aus und trinke noch gemütlich einen Kaffee. Das Orga Team weist nochmal ausdrücklich darauf hin, heute die Sicherheit und Gesundheit in den Vordergrund zu stellen. Die Strecke ist komplett mit Schnee bedeckt, und im Siebengebirge könnte man ja sowieso keine Bestzeiten laufen. Ein Verkaufsstand mit Trailschuhen und 30% Nachlass findet logischerweise reges Interesse.



Nachmeldung kein Problem. Ganz im Gegenteil, man ist froh dass trotz verschneiter/vereister Straßen noch ein paar Verrückte mehr den Weg zum Siebengebirge gemacht haben



nur kucken nicht anfassen! Erst mal laufen, dann gibt's auch ne Medaillie



Nach der Rutschpartie auf der Autobahn erst mal in aller Ruhe einen Kaffee.



Findet heute reges Interesse.Trailschuhe 30% günstiger

Die Halbmarathonies begeben sich zum Start. Das Bürgerhaus füllt sich jetzt so langsam mit den Marathonläufer/innen. Fast überall sieht man Trail Schuhe. Mit normalen Laufschuhen ist man heute Außenseiter. Also wenn ich mir so diese Schuhe ansehe, dann könnte man gerade meinen einige wollten heute noch das Matterhorn erklimmen. Ich hab ja sowieso keine andere Wahl. Ich entscheide mich für den Asics DS „Trailer“ 17. Mein derzeitiger Standard universal Marathon Schuh für alle Untergründe.

Ein letzter Check draußen im Freien. Es ist arschkalt, Schneeregen kommt vom Himmel. Ich ziehe nun doch noch eine leichte Laufjacke drüber. 3 Schichten also. So bin ich schon lange nicht mehr einen Marathon gelaufen. Aber heute ist es wohl besser so.
Noch einmal mahnt der Veranstalter zur Vernunft. Lieber langsam und vorsichtig laufen, als verletzt irgendwo auf der zugeschneiten Strecke auf den Krankenwagen zu warten.
Dann mal los. Der traditionelle Fußmarsch zum Startplatz läßt schon mal erahnen, was da heute auf 42,2km/ca.800Hm auf uns zu kommt. Bisschen Gelaber noch vorm Start und dann geht es endlich los.



Vorbesprechung zum Marathon - Vorsicht beim Laufen im zugeschneiten Siebengebirge hat heute höchste Priorität



noch umziehen und dann raus zum Startplatz

10:00Uhr Start:

Ich starte aus der 3. oder 4. Reihe. Versuche gleich mal ein bisschen weiter nach vorne zu kommen. Jetzt nicht steckenbleiben bei all den vorsichtigen Schnee-Genußläufern. Einen Schlenker um die Pferdekoppel, dann auf die zugeschneite Hauptstraße durch Aegidienberg. Bisschen aufmunternder Applause von vereinzelnden Zuschauern. Vorbei am Aegidiusplatz, dann gleich nach links. Etwas abschüssig der Weg, da wird man automatisch schneller. Die Glocken der Kirche läuten. Wie immer hier beim Siebengebirgsmarathon. Ist das nur für uns, oder geht der Gottesdienst jetzt los? Die Strecke biegt ab in den Wald. Zum ersten Mal leicht ansteigend. KM2 Marker kommt. Pace 4:19min/km. Viel zu schnell! Erst mal langsamer werden! Das denken sich wohl auch die anderen, denn einige Läufer lassen hier bereits deutlich nach, um scheinbar die Kräfte für die weiteren 40km im Schnee einzuteilen. Trotz drosseln meiner Pace, wird einer nach dem anderen einkassiert.
Am Ende der Steigung kann man erst mal verschnaufen. Allerdings führt der Weg kurzzeitig über das freie Feld und somit bläst Schnee und Wind ins Gesicht. Gute Wahl mit den drei Schichten! Das ist heute die beste Option.

Kleine Verwirrung bei den Mitstreitern, wo geht’s lang? Rechts rum! Passt schon! Trotz den extremen winterlichen Verhältnissen ist die komplette Strecke sehr gut gekennzeichnet. KM3 Marker mit 4:50min/km abgedrückt. Wieder folgt abschüssige Strecke. Der Belag ist halbwegs griffig und ich nehme vorsichtig Geschwindigkeit auf. KM4 mit 4:01min sehr schnell. Noch eine Kurve und vor mir liegt ein malerisches eingeschneites Tal. Obwohl mein letzter Start hier 3 Jahre zurück liegt, kommt es mir vor als wäre ich hier gestern erst gelaufen, so vertraut erscheint mir die Gegend. Ich bin glücklich hier zu laufen, auch wenn das noch ne ganz krasse Nummer wird. Vergessen sind die Probleme der letzten Wochen, die bittere Absage des Twisteseemarathons. All das ist weit weg, ich bin auf der Strecke und fühle mich gut. Weiter durch die verschneite Winter Landschaft. Scharfe Wende, leichter Anstieg. Guter Blick auf das herankommende Läuferfeld. Noch einmal kurz entspannen, denn jetzt gilt es. Der erste ernst zu nehmende Anstieg ca.30hm auf 500Meter Strecke. Das klingt zwar noch nicht so schlimm, aber es ist der Anfang einer fast ständigen Steigung bis ca. KM9,5.

Kleine, kurze Schritte rauf. Puls klettert bis auf 172 (95%). Noch einen Läufer überholt. Nicht nachlassen, gleich ist das erste Zwischenplateau erreicht! Oben angekommen gibt es zur Belohnung den Versorgungspunkt 1. Ich greife erst mal zu Tee. Ein kurzes Stück in der Ebene zur Erholung bleibt noch, dann steigt die Strecke auch gleich wieder an. Vor mir ein paar Läufer fixieren und immer schön dranbleiben. Mit Schnittpace 5:24min/km und Puls 166 (92%) die nächste Etappe zur Löwenburg rauf. Ab und zu den Blick links den Hang runter zeigt neben der verschneiten Landschaft, auch die zurückgelegten Höhenmeter. Immer näher kommt die nächste Läufergruppe. Kurz vor dem Versorgungspunkt 2 unterhalb der Löwenburg ziehe ich an der Gruppe vorbei.

Weiter im Takt zum vorläufig höchsten Punkt der Strecke am Lohrberg. Der Untergrund mit Schnee ist nicht gerade komfortabel zu laufen, aber ich komme doch ganz gut zurecht damit auch ohne Trailschuhe. Einzig die nassen Füße sind unangenehm. Wieder schließe ich zu 2 Läufern auf. Einer wird überholt, mit dem anderen komme ich ins Gespräch. Wir labern und labern. Da vergisst man die Anstrengung vom anstieg. Alles geht wie von selbst und schon haben wir die höchste Erhebung passiert. Den 10km Marker passiere ich bei 47:10 Minuten. Mal vergleichen zu 2008(49:03) und 2009(44:47). Top Zeit unter den heutigen Bedingungen würde ich mal sagen!

Die nächsten 2km kann man wieder verschnaufen. Es geht runter. Aber Vorsicht! In den Ausläufern vom Örtchen Lahr ist es erfahrungsgemäß sehr glatt im Gefälle. Trotzdem bleibt die Pace für diesen Teil mit 4:20min/km schnell. Quasi „von Hinten“ kommen wir jetzt wieder ansteigend an den VP(Verpflegungspunkt) unterhalb der Löwenburg heran. Viele Läufer/innen kommen uns jetzt erst vom VP entgegen, müssen noch den ganzen Abschnitt Lohrberg hinter sich bringen. Am VP einmal komplett um die Löwenburg rum. Mein Mittstreiter hat Trailschuhe an und da muß ich doch jetzt echt mal fragen, ob das tatsächlich was bringt. „ja und ob! Das ist super! Keine nassen Füße, da Gore Tex, im Schnee sehr griffig usw. Trotz meinen stink normalen DS Trainer 17 Schuhe, übernehme ich erst mal die Pace am nächsten Anstieg. Der Abstand vergrößert sich und ich denke schon, dass ich ab jetzt wohl wieder alleine laufen muß, aber kurz vor Ende der Löwenburg Umrundung kommt der Laufkollege mit den Trailschuhen wieder angesprintet und schließt auf. Na super, da können wir ja wieder weiter quatschen!

Unterhalb der Löwenburg haben sich ein paar Kinder versammelt und sausen mit dem Schlitten hinunter. Wir haben ebenfalls über 2km mit extremem Gefälle. Es ist genau die gleiche Strecke welche wir uns von KM5,5 bis 8,5 rauf gequält haben. Schnell erreicht man hier ne Pace von unter 4:00min/km. KM um KM wird gelaufen. Weiter im Gespräch kommt heraus, dass mein derzeitiger Laufpartner ne Marathonbestzeit von 2:38 zu bieten hat! Wahnsinn! Gelaufen dieses Jahr in Hannover. Da frage ich mich allerdings, warum er mir nicht davon zieht? Nach KM18 kommt VP4 und ich versäume es hier ein Gel zu nehmen. Wie dumm! Nächster VP ist meines Wissens erst bei ca.KM25. Zu spät!

Über die Bundesstraße L144 rüber, steigt auf der anderen Seite die Strecke wieder an. Zwei weitere Läufer kommen ins Blickfeld. Ein Streckenpostet ruft uns zu: „Platz 12 und 13“. Ja super! Da geht heute was! Das motiviert! Ich nehm das Heft hier jetzt in die Hand. Auch auf die Gefahr hin dass mich der 2:38 Läufer später zersägt. Ich ziehe davon, und gleichzeitig kassiere ich den nächsten Läufer ein. Platz 11 schon mal! Abzweig nach links. Ein paar hundert Meter wieder im Gefälle. Ganz weit vorne sehe ich Platz 10 laufen. Mal sehen ob ich da rankomme. In der Ebene angekommen. Neben der Straße geht es über einen Parkplatz wieder rein in den Wald. Extremer Anstieg, für mich das brutalste Stück des ganzen 7G Marathons, kurz vorm HM Durchlauf. Auch der Schneefall wird immer schlimmer.

Ich bin dran am nächsten Läufer. Abwartend stapfe ich hinter ihm die Steigung rauf. Das erinnert jetzt so ein bisschen an Szenen eines Langlaufes. Ja quasi fast synchron sind unsere Bewegungen. Nur die Ski fehlen noch. Jetzt ergreife ich die Chance! Ich ziehe vorbei! Gleich ist die Steigung gepackt dann kann ich mich davon erholen. HM Durchlauf bei 1:39:00 und Platz 10, wenn das stimmt was der Streckenposten gesagt hat. Mal sehen wie ich das durchhalten kann. Das hohe Tempo hat natürlich im Schnee viel Kraft gekostet. Die HM Zeit ist im Vergleich zu 2008 (1:41:14) und 2009 (1:33:24) sehr gut. Erfahrungsgemäß ist der 2. Abschnitt im Siebengebirge jedoch etwas langsamer. Aber mal sehen. Evtl. kann ich hier unter 3:20 bleiben.

Erst mal ganz locker bleiben, nicht umdrehen und irgendwie wieder zu Kräften kommen nach dem Anstieg zu HM Durchlauf. Das Gefälle kommt mir sehr entgegen. Relativ schnell geht der Puls wieder von 176 auf 152 runter. Das wird aber nicht lange so bleiben, denn schon stehen die nächsten Steigungen auf dem Programm. Ich denke jetzt erst mal nur bis zum nächsten Versorgungsstand. Hier muß jetzt unbedingt die Gelaufnahme erfolgen. Die Anstiege sind hart, aber nicht so lange. Somit gibt es immer wieder gute Gelegenheiten um sich wieder zu erholen. Plötzlich vernehme ich ein stapfen im Schnee. Ein Läufer von hinten! Den hatte ich doch bei KM19 überholt! Der hat sich scheinbar die Kräfte besser eingeteilt. Tja! Dumm gelaufen. Hab ich’s doch wieder verrissen? So ein Mist! Wir plaudern kurz, und es stellt sich raus, dass er wie ich in der AK40 läuft. Das ist jetzt fatal und gleichzeitig für mich der Ansporn doch nochmal alles zu geben! Ja und tatsächlich, am Getränkestand bei KM24 liege ich wieder vor ihm. Auch das Gel hab ich endlich reingedrückt. Somit kann ich mich wieder voll und ganz auf die restlichen 18km konzentrieren.

Den Läufer habe ich wohl tatsächlich abgeschüttelt und schon kann man im Augenwinkel ganz vorne den nächsten sehen. Da läuft Platz 9. Das geht jetzt alles Schlag auf Schlag. Schon wieder ein KM Marker passiert. Die 26. Also noch 16km. Die Pace schwankt von 4:20 bis 5:00min/km so unterschiedlich sind jetzt die Streckenabschnitte. Auch der Platz 9. Läufer rückt immer näher in mein Sichtfeld.

Bei KM27 erfolgt der Abzweig links in die Matschpampe. Hier ist es schwierig zu laufen. Aber das ist ungefähr ein KM dann ist auch dieser Teil vorbei. Außerdem müßte danach ja wieder ein Versorgungspunkt kommen. Ich habe Durst! Jetzt stehen da auch noch Pferde mit Reitern rum. Die werden doch nicht auf unsere Laufstrecke einbiegen? Ein Glück die warten bis wir vorbei sind. Das hätte jetzt noch gefehlt, auf dem ohnehin schon fast zum Trampelpfad geschrumpften Weg. Der Querweg ist in Sicht. Das wars! Auch dieser Teil ist erledigt! Ich bin fast dran am Platz 9.

Wieder etwas griffigerer Belag, VP6 kommt. Ich schnappe eiskaltes Wasser. Platz9 lässt sich Zeit am VP und ich kann auch dieser Läufer erstmal überholen. Kaum mehr Schuhspuren zu sehen im zugeschneiten Laufweg. Einsam ziehe ich davon durch die weiße Idylle des Siebengebirges. KM29 kommt und 5:10min steht auf der Uhr, aber da kann man heute echt nichts drauf geben. Das wurde ja bereits bei der Vorbesprechung im Bürgerhaus vom Orgateam angekündigt, dass die KM Marker unter Umständen schon bis zu 100m davor, oder hinter dem tatsächlichen KM stehen können. Jedoch sollte spätestens bei den etwas schnelleren Läufer/innen alle 6min ein Marker zu sehen sein, denn sonst ist man wohl falsch abgebogen. Und genau das macht mir jetzt etwas Kopfzerbrechen. Ich weiß noch aus den Läufen von 2008/2009, dass hier in diesem Bereich doch endlich der Abzweig nach links kommen müßte. Die Wege sind inzwischen so zugeschneit, man kann das jetzt echt nicht mehr genau deuten.

Puh! Alles richtig gemacht, da ist die „30“ und gleich danach der besagte Abzweig nach links. Hatte man auf diesem Teilstück in den vergangen Jahren einen herrlichen Ausblick auf die Landschaft, liegt heute alles im Nebel und Schneefall. Die Laufspuren sind zugeschneit. Ständig wechsele ich von einer Seite auf die andere. Es ist aber überall genau so beschissen zu laufen. Mal die Zeit checken. 2:20:55 bei KM30, also Schnittpace 4:41min/km im Schneechaos. Wahnsinn! Das ist doch sau gut! 12km noch zu gehen. Wenn ich dran bleibe dann kann ich unter 3:20 im Bürgerhaus einlaufen. Da kommt die „31“, 4:32min für den letzten KM gebraucht. Weiter so!

Immer beschwerlicher wird der Weg. Noch gut einen Kilometer, dann beginnt der 2. lange Anstieg des Siebengebirgsmarathons. Also nochmal diese letzen Meter in der Ebene nutzen um Kraft zu tanken. Aber hier ist nix mit ausruhen. Viel zu tief der Schnee, als ob man hier noch locker laufen könnte. KM32 ist erreicht. 3:55min steht auf der Uhr. Das können wir heute komplett vergessen mit den KM Zeiten. Nie und nimmer laufe ich hier eine Zeit unter 4min/km. Die Schilder sind wirklich nur Hinweise dass man sich noch auf der Laufstrecke befindet. Jetzt geht es los. Sie Strecke steigt an und zusätzlich sind die Laufspuren jetzt komplett zu. Das kostet extrem viel Kraft und wenn das so weiter geht dann kann ich mit ner Zeit unter 3:30 im Ziel schon zufrieden sein.

Irgendwie muß ich da jetzt durch! Ein bisschen neidisch auf die Läufer/innen mit Goretex wasserdichten Schuhen bin ich jetzt doch. Alles schwimmt im Schuh, dazu kommen tiefgefrorene Zehen. Durchhalten! Du bist so gut dabei! Jetzt nicht verzweifeln, den anderen geht es genauso beschissen, außer dass die Laufspuren evtl. mehr platt getreten sind. KM33 in 5:33min/km glaube ich diesmal sofort! VP7 und der Abzweig nach rechts kommt. Wasser geschnappt mit Eiswürfeln drin! Das wäre nun wirklich nicht nötig gewesen! Mistkram, jetzt verschlucke ich mich auch noch an dem Zeug! Na wenigstens ist die Strecke trotz Anstieg wieder etwas besser zu laufen.

Ich höre hinter mir Stimmen von Verpflegungspunkt. Sind das die nächsten Läufer? Wahrscheinlich schon! Nicht umdrehen! Ich muß mein Ding jetzt durchziehen. Das sind jetzt noch gut 2km langgezogener Anstieg, da muß ich jetzt nochmal alles mobilisieren, dann kann der Rest von 6km bis nach Aegidienberg nur mehr oder weniger Formsache sein. Vor mir eine Gruppe von Spaziergängern. Die lachen und haben richtig Spaß. Sieht so aus als hätten die Glühwein dabei! Auf jeden Fall feuern die mich an, und das kann ich jetzt gut gebrauchen.KM34 mit 4:47min ist der Hammer. Also von Einbruch kann ich hier nichts erkennen! Weiter im Takt, es sind nur noch 8km!

Dieser Teil der Strecke zieht sich bekanntlich ewig. Aber wenigstens sorgen ein paar Spaziergänger ab und zu für ein bisschen Abwechslung und Aufmunterung. KM35 kommt. Mal sehen. 4:51min/km und Gesamtzeit bei 2:44:34. Noch mal 30hm sind zu überwinden bis KM36. Wo bleibt nur der Abzweig zum finalen Anstieg? Immer weiter! Nur noch 7km, und höchstens einer bis zum höchsten Punkt der Strecke. Immer mehr Spaziergänger sind nun ebenfalls auf der Strecke. Abzweig kommt und Vorsicht! Hier rodeln Kinder die Strecke runter. Für solche Manöver fehlt mir jetzt echt die Kraft. Da ist er der finale Anstieg. Und außerdem kann ich ganz weit vorne noch einen Läufer erkennen. Aber ich glaube da komme ich nicht mehr ran.

Ich krieche den Weg hinauf. Auf jetzt! Gleich ist es geschafft. Zusammenreißen! Kurve nach links, man kann die Kuppe schon sehen. KM36 in 5:30min/km ist für diesen Teil echt ok. Die Strecke ist wieder halbwegs eben. Das wars! Obwohl, da kommt noch so ein kleiner Anstieg kurz vor Himberg. Aber das ist doch ein Klacks gegen das hier. Nur noch 6km das werde ich packen! Und wie! Einmal unter den ersten zehn beim Siebengebirgsmarathon….. Hallo! Nicht träumen! Kämpfen! Weiter geht’s. Am Ende kommen da ein paar von hinten und alles war nur für die Galerie! KM37 Marker. 4:25min für den letzten KM in der Ebene. Da kann ich jetzt im Gefälle noch einen draufsetzten. Die Strecke schießt nach unten. Ich nehme ordentlich Fahrt auf. Der Läufer vor mir kommt stetig langsam näher! Den pack ich auch noch wenn das so weiter geht. Aber vielleicht legt er nochmal zu wenn ich näher komme? Der Abstand wird immer kleiner. Ich bin fast dran. VP8 kommt. Wie immer im vollen Lauf den Becher geschnappt und vorbei bin ich. Platz 8! Aber jetzt hat er es gemerkt, vielleicht dreht der nochmal auf. Deshalb gar nicht zurück schauen. Einfach weiter, alles was geht. Aber mit Hirn und Verstand, denn noch sind hier über 4km bis ins Ziel.

KM38 kommt. Uhr steht auf 2:59:41. Ich kann es sogar packen unter 3:20 zu finishen. Weiter im Gefälle. Uhr zeigt ne Pace von 4:20min/km. Ich kann hören, dass mir noch jemand in Nacken sitzt. Also keinen Grund hier langsamer zu werden. KM39, nur noch 3km! Ich kann den Abzweig sehen, da geht es nochmal rauf. Das ist die letzte Herausforderung. Hier wurde ich 2009 nochmal überholt. Aber heute weiß ich Beschied was da noch kommt. Also los, kleine Schritte hoch. Tempo halten. Zähne zusammenbeißen. Das ist gleich vorüber! Ein Stück noch und die Strecke ist wieder eben. Alle Verfolger sind auch nach diesem Teil noch hinter mir. Da ist Himberg und das KM40 Schild. 3:08:19 auf der Uhr.

Weiter geht es auf dem Bürgersteig. Hier ist eine Matsch Papp Sülze aus Schnee und Dreck. Extrem rutschig und kräftezehrend. Hier könnten jetzt die Trailschuhe wirklich weiterhelfen. Aber die 2km schaff ich jetzt auch noch in meinen Standard Schläppchen. Über die abgesperrte Straße weiter in die Seitengasse. Der Bodenbelag bleibt scheinbar so bis ins Ziel. Zum Glück ist es nicht mehr weit, denn das laufen mit Tempo ist jetzt ist Schwerstarbeit. Über die Straße weiter nach Aegidienberg. KM41 mit 4:19min/km ist der Hammer auf diesem Boden. Vorbei am Startplatz von heute Morgen. Rein ins Ort. Nur noch ein paar hundert Meter. Keiner direkt hinter mir. Stur laufe ich mit dem letzten was geht weiter. Die Lichter von Aegidiusplatz sind in Sicht. Vorbei an den paar Geschäften dann Abzweig rechts zum Bürgerhaus. Uhr auf 3:17, das gibt sogar nochmal ne Wahnsinnszeit. „Vorsicht, weg da, Läufer kommt!“ rufe ich, denn der Eingang zum Bürgerhaus ist ganz schön belagert. Rein ins Bürgerhaus auf dem roten Teppich. Ich hab’s gepackt! 3:17:29 meine Endzeit und Platz 7 wie mir gleich einer vom Orgateam mitteilt. Ja da hab ich doch scheinbar noch einen überholt und hab’s nicht mal gemerkt. Egal wie! Ich bin einfach nur glücklich und genieße den Augenblick. Letzte Woche noch krank, Twisteseemarathon abgesagt und jetzt 7. vom Siebengebirgsmarathon. Für mich ist heute schon Weihnachten!



es ist vollbracht, die letzten Meter ins Bürgerhaus



keine Ahnung wie ich das unter diesen Bedingungen hinbekommen habe, 3:17:29 und Platz 7 gesammt. Da ist die Freude groß

Weiter ins Foyer zu den fress und sauf Ständen. Hier gibt es ne super Gemüsesuppe, absolut vegetarisch, wie man mir versichert. Ich hau gleich mal 3 Becher weg. Mann so leckere Gemüsesuppe hab ich schon ewig nicht mehr getrunken. Nach einem Marathon schmeckt eben einfach alles super! Ein Brötchen und bisschen Studentenfutter noch für den Weg zu den Duschen ins Aegidienberger Hallenbad.



Total leckere Gemüsesuppe wärm und aut wieder auf



Frisch gesträrkt mit Gemüsesuppe gleich mal mit anderen Finishern den Marathon analysieren.

Frisch geduscht und mit trockenen Schuhen schaue ich nochmal im Bürgerhaus rein. Die Ergebnislisten hängen aus. Tatsächlich Platz 7 gesamt und sogar 3.Platz in der AK40. Wieder mal ein weiteres schönes Marathonerlebnis im Siebengebirge. Ein dickes Lob an die Tri-Power Rhein Sieg. Hier wurde trotz der extremen Bedingungen alles versucht um diesen Lauf so professionell wie immer durchzuziehen. Nicht zu vergessen, die ganzen Helfer an der Strecke, welche trotz eisiger Kälte und Schneefall immer gut drauf waren. DANKE Tri Power Rhein Sieg! Das war wieder Marathon vom feinsten!

Sonntag, 11. November 2012

40.Herbstwaldlauf 50km Bottrop



Vorbereitung:

Ich bin hin und her gerissen. Soll ich nochmal ein 50’er Marathon in diesem Jahr zu laufen? Bottrop wäre der 4 Marathon in 6 Wochen, oder der 6 Marathon in 11 Wochen. Ich mach‘s!
Wie schon in den Wochen zuvor, genau 2 Wochen Zeit zur Erholung und weiteres Training.

Erste Woche nach Frankfurt Marathon 75km - 2x Dauerlauf, 1xJogging, 1xTempolauf 13km @4:36min/km, 1xLanger Lauf 21km bei strömenden Regen viel zu schnell in 4:51min/km.
Zweite Woche - Dienstag 16km in 4:59min/km, Mittwoch locker 16km in 5:36min/km.
Freitag 10km in 5:21min/km. Das war der letzter Test mit üblichem Marathonschuh Asics DS Trainer 16. Der Schuh ist platt. Es hatte sich ja schon beim Frankfurt Marathon abgezeichnet, aber ich dachte es geht noch mal. Nein, damit kann ich unmöglich einen 50km Ultra durchlaufen. Nach 13 Marathons und zig Trainingskilometer ist das zu mindestens für die Wettkämpfe keine Option mehr. Da muß ich mir noch was überlegen.
Freitagabend nach dem Bundesliga Fußball Mainz 05 – 1.FC Nürnberg sogar 2 Weizenbiere getrunken. Irgendwie halte ich mich nicht mehr an die Regel: „eine Woche vorm Marathon, kein Alkohol und keine Schokolade“ .
Samstag dann außerplan nochmal 7km im Regen gelaufen, um eine passende Schuh Alternative zu suchen. Die Wahl fällt auf den Nachfolger Asics DS Trainer 17, von dem ich im Training eigentlich noch nicht so überzeugt war. Aber jetzt habe ich keine andere Wahl mehr.

Sonntag 11.11.

3:00 Uhr in der Nacht. Der Wecker klingelt. Nicht richtig ausgeschlafen, packe ich die restlichen Sachen in die Tasche. Ein Brötchen und ein Joghurt reingedrückt. Dazu drei Tassen Kaffee schnell abgebohrt. Weitere 3 Brötchen mit Käse nehme ich mit auf die Fahrt. Der Toilettengang klappt um diese Uhrzeit noch nicht. Das muß ich dann unterwegs erledigen.
Ganz gemütlich die fast 300km nach Bottrop gefahren. Um 7:30Uhr bin ich auf dem Gelände von Bergwerk Prosper Haniel. Hier befindet sich Start/Ziel und alles was dazu gehört. Überall fleißige Helfer in den Shirts vom Herbstwaldlauf. Kaum zu übersehen, dass es sich in diesem Jahr bereits um die 40.Ausgabe dieses Kultlaufes handelt. Zu der Startnummer gibt es diesmal ein sehr schönes Halstuch vom Herbstwaldlauf und eine aufwendige Broschüre zum Lauf.



Pünktlich um 7:30Uhr bin ich auf dem Gelände von Prosper Haniel



Zur Startnummer gibt es Halstuch und ein aufwendiges Heft zum 40.Herbstwaldlauf



wie immer lecker Kuchentheke



zum 40.Herbstwaldlauf gibt es für 15€ das Laufshirt

Ich trinke noch ein Kaffee und denke über die Kleidung nach. Es sind um die 9° Grad, kein Regen, bisschen frisch, und wärmer wird das heute auch nicht mehr. Ich laufe in kurzer Hose, dünnes langarm Shirt, Laufshirt drüber und Halstuch. In die Taschen stopfe ich mir 3 Gels für unterwegs. Nochmal aufs Klo, aber irgendwie klappt das heute nicht richtig. 3 Uhr aufstehen, das hat mich total aus dem Rhythmus gebracht. Das sind keine guten Voraussetzungen. Leicht aufgebläht und etwas unwohl stehe ich um kurz vor 9Uhr an der Startline. Der Veranstalter gibt noch die Hinweise, für die langsameren Läufer/innen doch bitte rechts zu laufen, damit die Schnelleren ohne Probleme vorbeilaufen können. Der Abschnitt von KM20-28 kann sehr eng werden, da hier zeitversetzt auch die 6,8km, 10km und 25km Läufer/innen die Strecke mit benutzen. Ich habe mich recht nah an der Startline postiert, dass ich erstens gleich mein Tempo laufen kann, und zweitens läuft in Bottrop die Uhr mit dem Startschuss gleich für jeden mit. Die Zeitmessung erfolgt nur bei 25km und im Ziel. Jedoch nicht beim Start.



Umziehen in den Bergwerkskauen



Langarmshirt, Laufshirt drüber, kurze Laufhose und ein Halstuch ist meine Wahl für heute

9:00Uhr Start

Los geht es über die 50km. Je 2 Runden à 25km durch das Waldgebebiet Heidesee / Heidhofsee nördlich vom Bergwerk Prosper Haniel. Anfangs gibt es noch einen aufmunternden Beifall von den Zuschauern im Start/Zielbereich, ansonsten leider kaum weitere Unterstützung auf der Strecke. Der erste KM führt durch den Fernewald. Dann Brücke über die Betriebsstraße zur Halde Schöttelheide und weiter bis zur Bundesstraße L621. Der Untergrund ist eine Mischung aus Waldboden mit Steinen und Blättern. Nicht ganz so einfach zu laufen. KM1 in 4:22min und KM2 in 4:34min/km. Ich hab keine Ahnung, was da heute noch geht. Unter 4 Stunden müßte doch machbar sein, obwohl sich der Anfang schon sehr zäh anfühlt.

Kleines Stück auf dem Radweg neben der Bundesstraße, dann die Überquerung der L621 in das Waldstück Kirchheller Heide. Vor mir ein Läufer aus Essen. Den kenne ich schon von meinem 1.Start aus 2009. Ich laufe auf und wir quatschen ein bisschen. KM 3 und 4 mit je 4:29min/km ist im Vergleich zum Frankfurt Marathon etwas langsamer, aber es fühlt sich für mich schon jetzt zu schnell an. Die Strecke zweigt nach rechts ab. Immer gerade aus bis zum Wendepunkt. Hier ist bei KM7,6 der 2.Verpflegungsstand aufgebaut. Den Essener Läufer habe ich leicht abgehängt. Ich sehe Ihn nochmal kurz auf der Wendepunktstrecke, bevor der Weg wieder links abzweigt. Der wird mich wie in 2009 wieder am Ende einholen denke ich mir.

KM5-8 im 4:30’er Schnitt gelaufen. Eigentlich alles nach Plan, aber heute passt das irgendwie nicht. Ich bin müde, muß pinkeln und es sind noch 42km zu laufen! Was für ne Schnapsidee wieder mal. Ich könnte jetzt so schön gemütlich auf der Couch liegen, mittags noch einen lockeren langen Lauf über 20-25km machen. Aber nein, ich bin jetzt hier im Wald nördlich von Bottrop und muß das jetzt durchziehen!

Der 10km Marker kommt. Die Uhr zeigt 44:51. Wieder zweigt die Strecke nach rechts ab. Immer nur gerade aus. Ein kleines Stück jetzt auch durchs Feld. Außer ein paar Reitern und Sonntagsspaziergängern ist hier gar nichts. KM11 in 4:18min und KM12 in 4:34min/km. Nördlichster Punkt der Strecke ist erreicht. Abzweig Richtung Süden zum Heidehofsee. Die Strecke führt direkt am See entlang. Schöner Ausblick jetzt, das bringt doch ein bisschen Abwechslung. Weiter zum Heidhof. Ein großes Plakat mit der Aufschrift „nur einer wird Sieger sein, kehre hier gemütlich ein“ kündigt den nächsten Versorgungspunkt an. Hier ist wieder ein bisschen Stimmung. Wasser geschnappt und weiter geht’s. KM13/14 in je 4:25min/km.

Weiter durch die Kirchheller Heide zum Heidesee. Teilweise mit langgezogenen kleineren Steigungen und Gefälle. KM15-18 laufe ich mit Schnittpace 4:32min/km. Ein Streckenfahrrad kommt mir entgegen und gibt mir die aktuelle Platzierung durch. 14.Platz. Gar nicht mal so schlecht, aber ob ich das halten kann? Kurz vorm Heidesee muß man die Strecke ein kleines Stück mit den 10km Läufern teilen, aber das sind zum Glück noch die schnelleren und somit verliere ich hier keine Zeit. Abzweig am Versorgungspunkt Heidesee. Die Ultras müssen den See umrunden, die 10’er laufen auf einer Landzunge quasi mittendurch den See. Das erste Gel wird nun auch runtergespült. Ich hab leider viel zu wenig Wasser geschnappt am Verpflegungspunkt. Deshalb drücke ich den Gelpack auch nicht komplett rein. Weiter den See umrunden mit Pace 4:30min/km. Mal wieder etwas Abwechslung. Ein paar Spaziergänger sind auch schon unterwegs. Aber jetzt kommt genau das, was ich befürchtet habe.

Die langsamen 10’er treffen auf die Ultrastrecke. Es wird eng. Ich rufe „hallo Vorsicht, von links“. Die meisten Läufer/innen machen vorbildlich Platz, aber es gibt auch andere. Läufer mit Ohrenstöpselmusik checken nichts, oder erschrecken im letzten Moment. Da laufen sogar welche mit Kopfhörern rum, so groß wie Ohrenschützer. Wie sollen die denn was mitbekommen? Das ärgert mich und ich werde sauer. Ich sage es immer wieder, Kopfhörer mit Musik hat beim Wettkampf nichts verloren! Ich muß teilweise Slalom laufen. Will hier nur noch durch. KM21 im Frust mit 4:06min gelaufen. Aber das hat echt Kraft und Nerven gekostet. Höchster KM Pulswert vom ganzen Lauf mit 160(90%). Da kommt es mir gerade Recht, dass die Ultrastrecke kurzzeitig von der 10’er Strecke zum Versorgungspunkt 1 abzweigt. Jetzt erstmal einen Gang zurück schalten und erholen.

Das Getränk am Versorgungspunkt tut gut. KM22 wegen dringend benötigter Erholungsphase in 4:42min etwas langsamer. Über die Querung der Bundesstraße, zurück auf den Radweg. Wieder habe ich die 10’er vor mir. Hier auf dem Radweg ist es aber einfacher zu überholen. Trotzdem wird man automatisch schnell, weil man nur noch da durch kommen will. Abzweig zurück zur Zeche. KM23 in 4:16min.
Jetzt kommen zu allem Unglück auch noch die 6,8km Läufer/innen von der „Haldenumrundung“ mit dazu. Anstieg zur Brücke über den Betriebsweg. Das ist jetzt ganz eng auf der Brücke. Da kommt auch schon das Fahrrad für den Führenden des 50km Ultralaufes entgegen. Gerade noch so durchgeschlängelt. Die Fernewaldstraße zum Start/Zielgelände zurück. Wieder mehr Zuschauerunterstützung. Die 10’er und 6,8km Läufer/innen haben es geschafft, lassen sich feiern.



Einmal um den Heidesee laufen, in der ersten Runde noch kein Problem. Bildquelle: Stefan Dringenberg



25km Durchlauf bei 1:51:42. Das ist gerade mal 2:10min langsamer als in 2009

Einlauf auf dem Gelände vom Bergwerk Prosper Haniel. 25km Durchlauf bei 1:51:42. Das ist gerade mal 2:10min langsamer als in 2009. Wende zur zweiten Runde. Die entgegenkommenden Läufer/innen zeigen den Daumen nach oben, geben Applause. Danke! Das kann ich brauchen! Wieder über die Brücke gequält. Runter versuche ich kurzzeitig zu erholen. KM27 in 4:35min. Ich kann dieses Tempo nicht mehr halten. Diese 2.Runde wird zum absoluten Desaster. Da bin ich mir jetzt schon ganz sicher. Ich bin total platt. Weiter Radweg, jetzt Bundesstraßenquerung. Der Gegenverkehr ist jetzt zum Glück endgültig vorbei. KM28 wieder schneller mit 4:25min. Kaum bin wieder im Waldgebiet Kirchheller Heide, da werde ich auch schon überholt. Da hat sich einer die Kräfte wesentlich besser eingeteilt als ich. Ich kann irgendwie gar nichts mehr entgegensetzten. Vielleicht bringt ein Gel nochmal was. Da kommt schon der Versorgungspunkt. Rein damit. Wieder viel zu wenig Wasser um das vernünftig zu verdauen. Ich baue immer weiter ab. Der Läufer enteilt mir total obwohl ich versuche an Ihm dran zu bleiben. KM29 in 4:35min. Der Druck auf der Blase wird auch immer schlimmer. Normalerweise halte ich sowas durch bis zum Schluss. Aber heute ist das unerträglich! Vielleicht geht es ja vorbei. KM30 in 4:32min. Gesamtzeit bei 2:14:16. Macht ein Schnitt von 4:29min/km. Das ist doch noch ganz ordentlich. Ich halte es jetzt wirklich nicht mehr aus. Heute geht das echt nicht mehr. Kurzer stopp, pinkeln und sofort weiter. Mit 4:45min ist KM31 incl. Pinkelpause noch ganz gut.

Wieder Abzweig nach rechts auf die Wendepunktstrecke. Ich schleppe mich über die Strecke. Mein Zustand ist inzwischen wie im Marathon bei KM40. Nur bin ich erst bei KM31 und habe noch 19km vor mir! Was für ein Drama! Verdammt nochmal, reiß dich jetzt am Riemen und spul das Programm runter! Na bitte KM32 in 4:30min gibt nochmal Auftrieb. Wenn ich die Pace unter 5min halte, dann werde ich heute auf jeden Fall unter 4 Stunden im Ziel ankommen. Das muß das Ziel bleiben. Über 4 Stunden kommt überhaupt nicht in die Tüte! Immer weiter, wenn ich erst mal am Heidhofsee bin, dann geht der Rest auch noch irgendwie. Wendepunktstrecke, Wasser aufgenommen. Weiter entgegengesetzte Richtung. Nach meinen Berechnungen müßte ich noch auf Platz 15 liegen. Ein Läufer kommt mir auf der anderen Seite der Wendepunktstrecke entgegen. Diesen Abstand muß ich halten.

Abzweig nach rechts. KM33 in 4:44min/km. Ich kann nichts mehr zulegen. Kann nur noch versuchen dieses Tempo zu halten. Stur weiter laufen und in Etappen denken. Hier ist aber auch keine Ablenkung. Kein Mitläufer mit dem man gemeinsam jammern könnte. Trostlos! Nur das Schild von KM34 bringt wieder eine neue Meldung auf die Uhr. 4:36min, das ist doch top. Abzweig nach links. Jetzt steigt die Strecke auch noch leicht an. Total im Eimer laufe ich weiter. Vor mir erkenne ich einen Läufer mit Jogginghosen! Was macht der denn da? Nur mit Mühe laufe ich zu ihm auf. Er hat keine Startnummer. Der läuft hier nur zum Training! Wir quatschen kurz beim vorbeilaufen und schon ist wieder ein weiterer KM gepackt! KM35 in 4:51min ist allerdings besorgniserregend. Aber wir hatten ja auch eine leichte Steigung, versuche ich mir die Situation schön zu reden.

Wieder Abzweig nach rechts. Jetzt kommt diese ewig lange Gerade. Noch 15km die Uhr steht bei 2:37:53. Bleiben wir mal realistisch. Wenn ich diese 15km mit einer Pace von 5min/km laufe dann wäre ich um die 3:53 im Ziel. Das wäre ja echt ok. Aber das muß ich erst mal packen. KM36 in 4:34min Wahnsinn! Wie ist das möglich? Ich krieche doch nur noch über die Strecke. Jetzt kommt der Abschnitt im Feld. Vor mir gehen Sonntagsspaziergänger. Wahrscheinlich kehren die jetzt irgendwo in einem Gasthaus ein und schlagen sich den Magen voll. Die registrieren mich ja gar nicht beim überholen. Ein bisschen Applause oder ein paar aufmunternde Sprüche würden jetzt so gut tun! Wahrscheinlich fühlen die sich nur gestört von den ganzen laufbesessenen Verrückten die hier im Wald rumirren.

Das trostlose Stück im Feld ist geschafft, der Abzweig zum Heidhofsee kommt. KM37 in 4:57min. Der klassische Einbruch ist nicht mehr zu stoppen. Leider ist diesmal nicht bei KM42,2 Schluss. Heute wird es richtig schlimm! Der Heidhofsee kommt. Plötzlich ein ziehen im Unterleib. Es geht nicht weg! Seitenstechen! Das hat ja gerade noch gefehlt. Ich kann mich kaum mehr bewegen. Die Schmerzen werden immer stärker! Cool bleiben und beim auftreten ausatmen. Nichts hilft. Ich kann nur noch ganz langsam laufen. Was für eine Kacke! Laufe ich schneller werden die Schmerzen unerträglich! Das ist ja schlimmer als die Seitenstechen beim diesjährigen Luxembourg Marathon nach dem Tal de Pétrusse. Wie soll ich da noch ankommen? Die scharfe Wende am Ende des Heidhofsees treibt die Schmerzen in einen kaum erträglichen Bereich. Was habe ich auch für einen Scheiß zusammen gefressen in den letzten Tagen. Dann heute morgen insgesamt 3 Brötchen, ein Joghurt und ein Ei. Das muß ja schief gehen! Egal wie, gegangen wird jetzt nicht! Zähne zusammen beißen und versuchen locker weiter zu laufen! Der Verpflegungsstand am Heidhof kommt. „Helau!“ rufen die Helfer. „Ist den schon Fassenacht?“ frage ich. Ja! Wir haben längst nach 11:11Uhr. Na gut, das hilft mir aber auch nicht weiter. Ich greife nach Tee und bohre den ganzen Becher beim laufen hastig ab. Ganz allmählich entspannen sich die Seitenstechen. Es wird ganz langsam besser. Was für eine Erlösung! Diese Aktion hat jetzt Zeit gekostet. KM39 in 5:06min! Immer noch ist ein leichter Schmerz zu spüren, aber das läßt sich jetzt verkraften. Auf weiter noch 11km!

Immer noch keiner hinter mir. Haben die denn alle so viel Zeit verloren in der 2.Runde? Von weitem kann ich den KM40 Marker sehen. Jetzt wird es spannend. 3:02:04. Wenn ich ohne Gehpausen durchkomme, dann hab ich die angepeilte Sub4. Halte ich die Pace so gut es geht um die 5min/km, dann schaffe ich locker noch eine Zeit unter 3:55. Unter 3:55 das wär schon gut nach dem Programm der letzten Wochen. Auf geht’s, das pack‘ ich!

Mir kommt es so vor als würde die Strecke wieder ansteigen, aber wahrscheinlich bilde ich mir das nur ein. 10km, das ist wie die beiden letzten 5km Runden vom Rodau-Ultra, oder meine kleine Trainingsrunde auf dem Kühkopf. Das muß doch zu schaffen sein! KM41, 4:52min für den letzten KM gebraucht. Das ist ok. Abzweig nach links und jetzt steigt die Strecke wirklich an. Was für eine Schinderei! Immer wieder zähle ich jetzt schon verzweifelt im Kopf die Schritte „1-2-3-4-1-2-3-4“. Am 42‘er Marker drücke ich eine 4:59min ab. Ich bin fix und alle. An einem Baumstammstapel hängt die Markierung für den Marathondurchlauf. 3:12:52 meine Zeit. Das sind 4 Minuten langsamer als bei meinem letzten Start in 2009. Ja damals war ich besser vorbereitet. Hatte nur den Frankfurt Marathon und das Training in den Beinen. Diesmal sind die Vorzeichen anders. Da darf man schon mal ein paar Minuten langsamer unterwegs sein.
Der Heidesee ist in Sicht. Abzweig am Versorgungspunkt. Auf ein weiteres Gel verzichte ich jetzt lieber. Zu riskant! Jetzt bloß keine weiteren Seitenstechen mehr! Noch einmal um den See. Inzwischen sind jetzt viele Spaziergänger unterwegs, aber auch hier leider keine Reaktion. So muß ich mich jetzt selber für die letzten 7km aufbauen. Ich denke an andere grenzwertige Läufe in diesem Jahr. Luxembourg der letzte Aufstieg den Kirchberg rauf. Die letzten 8km von Münster bei überraschenden 28°. Oder die letzte Runde im Marburger Lahntal in der Sommerhitze. Alles irgendwie gepackt. Und das bring ich jetzt auch zu Ende.

Der See ist zur Hälfte umrundet. KM44 in 4:57min. Weiter laufen, es sind noch 6km. Der Weg führt jetzt weg vom See. Diesmal habe ich die Strecke für mich ganz alleine. KM45 in 5:12min. Gesamtzeit 3:27:05. Zusammenreißen! Bloß nicht nachlassen! Weiter im Wald parallel zur Bundesstraße. Diese letzten KM verlangen alles ab. KM46 wieder in 4:57min. Wie geht das nur, so k.o. zu sein und dennoch unter 5min zu bleiben? Mir soll’s recht sein. Auf nochmal zum letzten Versorgungspunkt. Wo ist der Tee. Mist schon vorbei gelaufen. Es gibt nur noch Wasser am letzten Tisch. „Scheiß egal jetzt, gib den Becher her“ rufe ich dem Helfer zu. Sorry, das war keine Absicht hier so pampig zu sein. So ein Ultra am Limit macht echt aggressiv. Die Helfer hier machen einen tollen Job. Ich hab mich mal wieder über mich selbst geärgert, dass ich den Tee am ersten Tisch verpasst habe.
Oh meine Güte. KM47 in 5:19min. Im Grunde ist doch alles gut, solange ich nicht in Gehpausen verfalle. Hinter mir ist immer noch keiner. Aber vor mir ist jetzt jemand! Das gibt es doch nicht. Da hole ich doch tatsächlich noch jemanden ein auf den letzten Kilometern. Der ist sichtlich am Ende, geht nur noch. „Los komm, häng‘ dich ran“, „die 3km laufen wir noch zum Ziel“. Keine Chance, er will nicht. Ein letztes Mal über die Bundesstraße auf den Radweg. Auf noch maximal 15 Minuten dann hast du es gepackt. Und das sieht gar nicht mal so schlecht aus. Platz 14 nach meinen Berechnungen und ne Zeit wohl unter 3:55. Aber noch ist das Ding hier nicht gegessen. Der Abzweig in den Wald kommt. Ganz hinten kann ich schon die Rampe für die Brücke erkennen. Das wird die letzte große Hürde. Da noch drüber, der Rest ist nur noch Formsache. KM48 in 5:02min, Gesamtzeit 3:42:24. Die Rampe hoch zur Brücke. Ich wußte gar nicht, dass die so steil war. Los quälen! Über die Brücke. Jetzt laufen lassen auf der anderen Seite. Ein Kontroll Fahrrad kommt mir entgegen. „Du hast die ganze Strecke für dich alleine“ ruft mir der Helfer zu. Na super! Immer noch keiner hinter mir. Ja haben die denn alle so abgebaut wie ich? Oder sogar schlimmer noch? Da waren doch noch so viele bei der 25’er Marke dicht zusammen. Mir soll‘s recht sein. KM49 in 5:24min. Die Brücke hat alles nochmal abverlangt. So jetzt rausholen was noch geht für den letzten KM. Wo bleibt nur die Einfahrt zum Gelände. Den Lärm kann man schon gut hören. Zuschauer gibt es auch wieder. Da ist der Abzweig! Vor mit der Förderturm von Prosper Haniel. Der Zielbogen. Die Zeit ist nicht so toll wie vor 3 Jahren, aber die Freude ist trotzdem genauso groß. Jetzt darf gejubelt werden! Was für eine Nummer. Das werde ich so schnell nicht vergessen. 3:52:38 ist die Endzeit. Damit kann ich sehr gut leben!



Nach 3:52:38 ist das Ziel erreicht.



Geschafft und glücklich! Jetzt erst mal in die heiße Dusche

Zum Schutz gegen die Kälte gibt es gleich ne Folie. Mir ist total übel. Schnell ein paar Tee abgebohrt und es geht besser. Weiter zum Bierstand. Mit Erdinger alkfrei Weizen kann man schon mal ein bisschen feiern. Duschen wie immer in der Bergwerkskaue mit heißem Wasser. Wunderbar! Da könne ich stundenlang duschen. Frisch geduscht noch schnell beim Urkundendruck vorbei schauen um die Platzierung und Zielzeit zu erfahren. Wie vermutet, Platz 14 insgesamt und jetzt kommt der Hit zum Abschluss:
3.Platz in der AK40! Wie geil!
Jetzt wird sich die Heimfahrt noch ein bisschen verzögern, aber das macht man ja gerne.



Auch wenn ich eigentlich nicht so der Landschaftsläufer bin, Bottrop immer wieder gerne! Vielleicht schon im nächsten Jahr.