Sonntag, 9. September 2012

11.Volksbank Münster Marathon



Vorbereitung:

Die Sub 3:10 sollte es werden in Münster. Nach einer 3:10:22 beim Hornisgrinde Marathon Ende Juli auf hügeligem Profil, erwartete ich gerade zu diese Zeit auf einer flachen Strecke. Jedoch war es erst mal nichts mit Tempoeinheiten. 3 Wochen lang recht hoch dosiertes Antibiotika gegen chronische NNH Entzündung, ließen nur Jogging bis Dauerlauf zu. Hauptsache ich konnte irgendwie gerade so die nötigsten Kilometer laufen. Als das endlich überstanden war, gab es als Zugabe wieder Probleme mit ISG und LWS. Dauerproblem linkes Knie fing im sitzen an der Innenseite an zu schmerzen. Da fragt man sich echt manchmal ob es doch nicht besser ist, den ganzen Kram einfach sein zu lassen! Aber wenn es dann wieder so halbwegs geht, dann sind solche grausigen Gedanken schnell vergessen.

Training angezogen, 2 Wochen vor Münster sogar noch den Koberstädter Waldmarathon (3:13:32) mitgelaufen. Keine Pause eingelegt, sondern fleißig weiter Training mit Tempo Einheiten gemacht.

Am Freitag schon mal so halb die Sachen gepackt. Ich verspüre leichte Schluckbeschwerden und die Ohren drücken. Fühlt sich an wie ne aufkommende Erkältung. Das hat mir ja gerade noch gefehlt. Letzte lockere Laufeinheit zeigt allerdings normale bis gute Pulswerte.

Samstag:

Voller Vorfreude, leider auch mit Halsschmerzen und Ohrendrücken, geht es die 320km nach Münster. Die Marathonmesse ist schnell gefunden. Relativ klein und übersichtlich ist die Messe im Gymnasium Paulinum aufgebaut. Startunterlagen holen, bisschen umsehen. Weiter in die Unterkunft "Sleep-Station" in der Nähe des Bahnhofes. Dort habe ich für 32 Euro ein Einzelzimmer bekommen. Duschen und WC sind auf der Etage, das reicht mir. Kurz ausruhen, dann gleich in die Innenstadt ein gemütliches Restaurant suchen für das Abendessen.



Marathonmesse im Gymnasium Paulinum



klein und übersichtlich die Startnummernausgabe



Meine Unterkunft. Sleep-Station in Münster Einzelzimmer incl. Frühstück (leider zu spät) 32 Euro pro Nacht



Sehr ansprechend dekoriert, Sleep-Station in Münster.

Die Altstadt von Münster ist das absolute Highlight. Ich komme gar nicht mehr aus dem staunen heraus. Der Prinzipalmarkt ist bereits geschmückt und herausgeputzt für den morgigen Zieleinlauf. Wahnsinn!
Meine Wahl für das Abendessen fällt auf den Italiener "La Torre". Wie üblich Spaghetti aglio olio, Salat und alkfreie Weizen. Ich bin echt müde und die Halsschmerzen machen mir zu schaffen. Ich gehe wieder zurück zur Unterkunft, lege die Sachen raus für morgen und versuche früh zu schlafen.



Münster ist die fahrradreichste Stadt Deutschlands



Die Lambertikirche vom Prinzipalmarkt aus gesehen



Der Prinzipalmarkt ist schon festlich geschmückt für den Marathon



Das historische Rathaus von Münster



St.Paulus Dom



Abendessen im "La Torre"



Erst mal ein Salat vorweg



Dann wie immer Spaghetti aglio olio

Sonntag:

Um 5 Uhr bin ich pünktlich wach. Immer noch leichte Halsschmerzen, die Ohren drücken ein bisschen. Aber ich fühle mich besser als gestern Abend. Der Schlaf hat also gut getan. Mitgebrachtes Frühstück aus dem Kühlschrank geholt. 2 Brötchen mit Käse und ein Ei. Dazu gibt es reichlich Kaffee, denn im Flur steht eine Kaffeemaschine mit allem was man braucht! Super! Gegen 7 Uhr würge ich noch den Ultra Bar Starter Pack runter, in der Hoffnung damit den Einbruch auf der Strecke zu verzögern.
Ich genieße die Ruhe beim Fussmarsch durch die Innenstadt in Richtung Start am Schlossplatz. Wie geil der Prinzipalmarkt hergerichtet ist. Das wird ein super Zieleinlauf heute. Total motiviert komme ich ins Gespräch mit anderen Startern welche auch zum Schlossplatz laufen. Viele sind skeptisch wegen den Wettervorhersagen von bis zu 28°C. Ja klar, unterm Strich wird das wohl 2-3 Minuten kosten. Dennoch bleibe ich bei meinem Ziel von Sub 3:10.

Wie üblich noch der obligatorische Gang zum Dixiklo, Läuferbeutel abgeben und dann zum vereinbarten Treff mit Eckhard und Mike vor dem Amtsgericht. Kurzer plauder Plausch, dann müssen wir auch schon los zum Startplatz.



Mein Frühstück, 2 Brötchen mit Käse und ein Ei. Dazu gibt es reichlich Kaffee



Idylle in der Altstadt vorm Marathon



Der Start ist ganz in der Nähe vom Schloss



Treff mit Mike und Eckhard

Bisher eine perfekte Orga des Marathons. Überhaupt kein Gedrängel im Block, keine übermütigen 4 Stunden Läufer im 3:00-3:30 Block. Eine kleine Showeinlage hat man sich auch noch einfallen lassen. Reckturnerlegende der 70'er Eberhard Gienger landet kurz vor 9 Uhr mit dem Fallschirm und übergibt die Pistole zum Startschuss dem Oberbürgermeister. Sogar die Event Sängerin "Lore-Lei" wurde verpflichtet um hier die deutsche Nationalhymne zu singen. Was das allerdings bei einem ganz normalen Stadtmarathon soll, versteht wohl keiner so genau. Noch einmal feuern wir uns gegenseitig an. Eberhard und Ich wollen die Sub 3:10 angehen. Mike hat seine Ziele ein paar Minuten dahinter gesteckt. Der Countdown wird gemeinsam runter gezählt, der Startschuss fällt und los geht's.



Das Starterfeld füllt sich, trotzdem kein Gedrängel



Alles klar zum Start Mike, Frank und Eckhard

Start:

Die breite Straße am Stadtgraben hinunter. Rechts und links der Strecke sehr viele Zuschauer. Das verspricht schon mal einiges für den Lauf. Scharfe Linkskurve in die Aegidiistraße. KM1 mit 4:30min/km genau im Soll. Über die Johannisstraße in die Krummer Trimpen, vorbei an der Überwasserkirche. Leicht verspüre ich den linken hinteren Oberschenkel. Immer noch ein Überbleibsel vom Koberstädter Waldmarathon. Abzweig rechts in die Rosenstraße. Schon hier nutzen die meisten Läufer/innen die Möglichkeit zum betrügen über einen Platz an der Abzweigung.

KM2 und 3 in je 4:22min/km. Die Zeiten sind ok, aber ich tue mich schwer dabei. Abzweig links vorbei an der nächsten Kirche. Diesmal die St.Martini. Jetzt geht es zum ersten Mal auf die "Promenade", eine Fahrradautobahn welche um die gesamte Innenstadt führt. Überhaupt wird hier sehr viel für die Radfahrer gemacht. Nicht umsonst gilt Münster als die fahrradfreundlichste Stadt Deutschlands. Es geht weiter im Norden der Altstadt, hier muß jetzt eine Schleife gelaufen werden um dann wieder auf die Promenade zurück zu kommen. KM4 in 4:29min/km und KM5 in 4:23min/km.



Überwasserkirche Münster. Bildquelle: Carschten



St.Martini Kirche Münster. Bildquelle: Tobias Nüssel

Getränk am ersten Versorgungspunkt geschnappt. Ganz wichtig heute, viel trinken! Schon jetzt merkt man langsam die Temperaturen. Inzwischen läuft es besser. Ich habe mich an das Tempo gewöhnt, laufe immer noch zusammen mit Eckhard. Wieder auf der Promenade diesmal in entgegengesetzter Richtung. Vorbei am "Zwinger". KM6 in 4:26min und KM7 in 4:39min. Der nächste Getränkestand. Das klappt ja prima mit der Wasseraufnahme. Als hätten die das vorher geübt. Gleich reihenweise strecken mir Hände die Wasserbecher entgegen. Die Unterstützung an der Strecke ist wirklich top, sogar außerhalb der Innenstadt.



Die "Promenade" ist ein Ring von ca. 4.5km länge für Fußgänger und Radfahrer, welcher die komplette Altstadt umschließt



Der "Zwinger" Bildquelle: Bernhard Kils. Als mächtiges Bollwerk und Geschützturm wurde er im frühen 16. Jahrhundert zur Sicherung der Stadtbefestigung errichtet

Eckhard läuft an den Versorgungsstellen nicht durch, somit wird der Abstand zwischen uns größer. Ich bin jetzt in diesem Rhythmus drin, möchte nur ungern langsamer laufen. Also geht es erst mal alleine weiter. KM8 wieder ne 4:25min. Abzweig rechts Ludgerisstraße, vorbei am Marienplatz. Wieder durch die Innenstadt, da wird mächtig Tempo gemacht. Das macht richtig Spaß hier! Jetzt bin ich drin im Marathon! Über die Klosterstraße zum Stadtmuseum Münster. Abzweig Salzstraße, vorbei an der Dominikanerkirche. KM9 in 4:26min. Tolle Stimmung in den schmalen Gassen der Innenstadt. Es kommt der erste Höhepunkt. Vorbei am Stadthausturm und der Blick auf den Prinzipalmarkt. Einfach nur geil! Dann noch diese Stimmung. Noch 32km dann bin ich wieder hier zum finishen! KM10 Durchlauf bei 44:24min. Es läuft alles nach Plan. Wenn ich das durchhalten kann dann ist die Sub 3:10 heute machbar!



Stadtmuseum Münster



Stadthausturm

Aegidiistraße runter, vor uns liegt der Aasee. Weiter entlang am Ufer des Sees. Immer noch top Unterstützung von den Zuschauern. Über den Richard Schumann Weg führt die Strecke auf die Scharnhorststraße und somit weg von Ufer des Aasee. KM11 in 4:22min. Nächster Verpflegungspunkt kommt. Dann gleich der Abzweig rechts. Brücke über den Aasee. KM12 in 4:27min. Jetzt den Zentralfriedhof Münster umrunden. Erst schön im Schatten dann in der Sonne. Diese knallt inzwischen ganz schön runter. Das wird heute absolut kein Spaziergang! KM13 in 4:26 und KM14 in 4:23.

Ich komme ins Gespräch mit einem Läufer der sehr flott unterwegs ist. Er erzählt mir, dies ist sein erster Marathon seit 18 Jahren! Er will unter 3:30 bleiben. Aber wir sind hier gerade auf Kurs Sub 3:10! Nee, 3:30 bleibt sein Ziel. Abzweig auf den breiten Rishion-le-Zion-Ring. Zur linken das Uniklinikum von Münster. KM15 sogar in 4:17min, da ich Idiot das Tempo von meinem Gesprächspartner mitgegangen bin. So geht das nicht lange gut, ich lasse abreißen und drossele das Tempo ein wenig.



der Aasee ist der größte Naherholungsraum im Stadtgebiet von Münster. Bildquelle: Odo

Weiter zum Stadtteil Gievenbeck. Mit 4:25/4:25/4:30/4:22min/km für KM16-19 bleibt die Pace voll auf Kurs. Die Strecke führt nun außerhalb von Münster durch das Feld. Eine Brücke über die Bundesstraße 54 wird zur ersten größeren Herausforderung. Ich bin froh als die Kuppe der Brücke erreicht ist. 4:31min für KM20. Ernsthafte Ermüdungserscheinungen machen sich jetzt schon breit. Über den Kreisel auf die Steinfurther Straße. Jetzt wird er interessant. HM Durchlauf, die Uhr steht bei 1:33:22. Das ist gut, so hatte ich mir das vorgestellt. Aber ich hab ordentlich zu kratzen. Noch mal 21km, los weiter durchhalten.

Über die Autobahn A1 nach Nienberge rein. Top Stimmung hier, Staffel Wechselzone. Hier brennt die Luft. So mag ich's. Mit neuem Schwung geht es weiter. Weiter durch Nienberge. Die Stimmung hier steht der von Münster in nichts nach. Ja sogar Stelzenläufer als Schmetterlinge gekleidet, runden diesen tollen Eindruck von Nienberge ab. KM22 in 4:29min. Diesen Schnitt muß ich so lange es geht halten!

Das Ort wird verlassen und somit ist auch die Stimmung weg. Trotzdem KM23/24 in 4:24 und 4:22min/km gelaufen. Ich bekomme Seitenstechen. Sofort versuche ich durch gezieltes ausatmen das Problem in den Griff zu bekommen. Klappt leider nicht. Egal wie, es muß jetzt weitergehen. Ich bin gut in der Zeit, auch wenn es immer schwerer fällt. Hier eine Sub 3:10 wäre der Hammer!

Auf dem Schonebecker Weg erreichen wir den 25km Marker. Mit 1:50:41 ist alles im grünen Bereich. Macht eine gesamt Pace von 4:26min/km. Weiter geht es am malerisch gelegenen "Haus Vögeding". Nochmal Wasser aufnehmen. Es wird immer schwieriger die Pace zu halten. Immerhin schaffe ich noch den Schnitt von unter 4:30min/km für KM26 und 27.

Den Läufer von KM13 habe ich wieder eingeholt. "Auf komm' unter 3:15 das geht heute" rufe ich ihm zu. "3:30 bleibt mein Ziel", seine Antwort. Das Gehöft am Stodtbrockweg ist erreicht. Bald sind wir in Roxel, so langsam wird es wirklich zäh. Schon die ganzen letzten Kilometer knallt die Sonne auf den Kopf. KM28 die Ernüchterung ist da, 4:38min! Ich stemme mich dagegen, aber irgendwie geht da nicht mehr viel. Ich könnte noch ein Gel nehmen, aber die Seitenstechen sind immer noch nicht so richtig verschwunden. Vielleicht hilft jetzt die Stimmung in Roxel. KM29 in 4:33min. Anfeuerung von allen Seiten. Daran liegt es wirklich nicht. Verzweifelt versuche ich noch ein paar Reserven zu mobilisieren.

KM30 Messmatte, die Uhr steht auf 2:13:21. Macht ne Gesamtpace von 4:27min/km. Noch 12km zu gehen. Raus aus Roxel KM31 in 4:32min. Über die Autobahn A1 rüber. Strecke jetzt leicht abschüssig. Ich versuche nochmal Tempo aufzunehmen, das muß ich jetzt ausnutzen. Letzter Staffelwechselpunkt und somit wieder Stimmung. KM32 dank Gefälle in 4:22min/km. Noch 10km. Durchhalten und kämpfen! Gievenbeck ist erreicht. Ich quäle mich die Strecke entlang, bin völligst platt. Abzweig in die Dieckmannstraße, die beiden Kreisel durchlaufen, KM33 zu meinem entsetzten in 4:53min abgedrückt. Ich glaube das war's dann wohl mit der Sub 3:10.

Es geht aber auch gar nix mehr. Noch 9km zu laufen und jetzt schon total im Eimer. Die Staffelläufer welche an mir vorbeiziehen, nehmen einem noch die letzte Motivation. Es hilft doch nichts, vergiss die Sub 3:10, konzentrieren auf's ankommen in einer halbwegs ordentlichen Zeit! Komm weiter! Trostlos jetzt das Neubaugebiet von Gievenbeck. Hier ist kaum Stimmung und jetzt wäre das doch so wichtig. Noch einmal probiere ich alles und schaffe immerhin ne 4:36min für KM34. Ferngesteuert geht es weiter, schon längst habe ich kein Blick mehr dafür was am Straßenrand abgeht.

Der nächste Verpflegungspunkt kommt. Ich bin am überlegen ob ein Iso-Getränk was bringen könnte. Nein besser nicht. KM35 ist mit 4:45min akzeptabel. Den Nünningweg runter. Nur noch 7km rede ich mir ein. Das muß doch zu packen sein. Wo ist nur der nächste KM Marker? Wieder Stimmung am Power Point in Gievenbeck. Abzweig Arnheimweg. KM36 in 4:44min ist geradezu sensationell für meinen Zustand. Weiter über die "Gievenbecker Reihe". Noch 6 verdammte Kilometer.

War es dumm von mir den Koberstädter Waldmarathon vor 2 Wochen zu laufen? Warum hab ich so viel Tempo im Training gemacht? Wäre eine Regenerationswoche nach dem Waldmarathon besser gewesen, als ganz normal weiter zu trainieren? Mit hätte, wenn und aber komme ich auch nicht schneller ins Ziel. Ich muß mich jetzt konzentrieren und zusammenreißen. KM37 in 4:54min. Jetzt bloss keine Gehpausen einlegen! Immer weiter, scheiß egal wie. Immer schön im fluß bleiben. Auch wenn die Zeiten schlechter werden. Unterm Strich wird das immer noch ein gutes Ergebnis. Außerdem überholt mich keiner außer Staffelläufer. So schlecht kann's also nicht sein.

Verpflegungsstand kommt. Ich greife diesmal doch zu Iso. Warum weis ich auch nicht, aber in der Verzweiflung tut man so manches. Wieder auf der breiten Roxeler Straße nähern wir uns Münster. KM38 in 4:55min, obwohl ich nur noch über die Strecke schlurfe. Rechts ab über die Albert-Schweizer-Straße in die Schmeddinger Straße. "Auf es ist nicht mehr weit", hört man immer wieder von der Seite. KM39 endlich, 5:13min gebraucht. Bei mir geht absolut nichts mehr! Mausbacher Straße, Niels-Stensen-Straße, letzter Verpflegungspunkt. Wasser geschnappt. Ein junger Helfer hält mir ein Iso Getränk hin, "möchten Sie vielleicht noch ein Iso, das baut nochmal auf!" Wirklich rührend die Unterstützung hier an den Verpflegungsstellen.

KM40 in 5:04min, Gesamtzeit 3:01:20. Noch einmal halb um den Zentralfriedhof rum, das kenne ich schon von heute morgen, aber diesmal geht es wesentlich langsamer. Der Aasee ist in Sicht. Weit ist es nicht mehr und die Stimmung zieht mächtig an. Das ist super, danke Münster! Ich quäle mich, gebe alles was noch drin ist. KM41 in 4:52min. Die Aegidiistraße ist in Sicht, gleich ist es geschafft! Rüber geht es am Aegidiitor. Die Straße rauf unter tosendem Applaus. Abzweig am Aegidiimarkt in die Rothenburg. Von allen Seiten nur noch Jubel und Lärm, eine fantastische Stimmung hier in der Altstadt. Das entschädigt für all die Qualen der letzten Kilometer. KM42 die Uhr steht auf 3:11:13. Nochmal alles reinhauen. Der Prinzipalmarkt bebt! Ist das geil hier. Wahnsinn! Ja sogar mein Name wird durchgesagt. Der Zieldurchlauf kommt. Ich habs geschafft!



Super Unterstützung am Aegidiiplatz



Wahnsinn, was für eine Stimmung im Zieleinlauf



nur noch wenige Meter bis ins Ziel



Geschafft! Jetzt erst mal ein paar alkfreie Weizen im Zielauslauf

3:11:58, na das ist doch noch ne super Zeit geworden. Ich bin echt zufrieden. Kurz nach mir kommt auch Eckhard ins Ziel. Zusammen läßt es sich schöner feiern! Haufenweise alkfrei Bier wird abgepumpt. Mit einer guten 3:36:56 kommt nun auch Mike ins Ziel. Nochmal Prost.
Zum Duschen geht es zurück ins Paulinum. Der kurze Fußmarsch durch die Innenstadt tut gut macht die müden Beine wieder locker.
Schön wars in Münster. Eine tolle Veranstaltung in einer sehr schönen Stadt. Ich komme wieder in 2013!




Münster gefinished in 3:11:58



Die Sub 3:10 nicht erreicht, dennoch hoch zufrieden Eckhard und Frank

Sonntag, 26. August 2012

34.Koberstädter Waldmarathon



Trotz anhaltender Probleme geht das Training für die drei großen Marathons weiter. 9.9. Münster ; 30.9. Berlin ; 14.10. Köln. Aber da war doch was! Ja, gleich bei mir um die Ecke. Natürlich! Der Koberstädter Waldmarathon! Hier fing doch alles an, vor fünf Jahren! Mein erster Marathon! Grund genug auch in diesem Jahr außerplan den Koberstädter Waldmarathon zu laufen.

Freitags vorm Marathon noch mal schnell den Gesundheitszustand beim laufen gecheckt. LWS/ISG immer noch etwas schmerzhaft, Knie links doch sehr bedenklich. Besonders die Innenseite schmerzt. 18Uhr ist Online Meldeschluss. Was tun? 17:40Uhr vom laufen zurück. Rechner hochgefahren, Anmeldung abgeschickt. Irgendwie wird es gehen. Ist ja noch ein Tag zum ausruhen dazwischen.

Sontag Morgen 5:00Uhr aufgestanden. Zwei Brote, ein Joghurt und 3 Tassen starken Kaffee müssen reichen. Hastig schnell das Problemknie und die Rückenpartie um LWS/ISG getaped. Tasche geschnappt, rein ins Auto und ab nach Egelsbach. Alles ist wie immer. Mein 4.Start bei dieser schönen familiären Veranstaltung. Doch etwas ganz entscheidendes ist heute anders! - Die Strecke!

Bedingt durch den Ausbau einiger Industrieanlagen mußte ein sehr großer Teil des Koberstädter Waldes gerodet werden. Dies betraf den südlichen Teil der Strecke. So mußten sich die Organisatoren des Waldmarathons um eine geänderte Strecke bemühen. Anstelle des 2 Runden Kurses wurde nun ein 3 Runden Kurs. Die neue amtlich vermessene Strecke ist wie ich finde akzeptabel. Sagen wir mal so, man hat von Seiten des Orga Teams das best mögliche daraus gemacht.



Die neu gestaltete Strecke im Koberstädter Wald. Jetzt erstmal eine kleine Runde, dann 2 verkürzte Runden der Strecke der letzten Jahren.

Pünktlich um 8 Uhr wird wie immer neben dem Sportgelände der SG Egelsbach gestartet. Die Strecke führt kurz durch den Ort, dann an den Kleingärten vorbei. Schließlich über die A661 in den Koberstädter Wald. Der Anfang fällt mir extrem schwer. Nur mit Mühe erreiche ich KM Zeiten unter 4:40min/km. Aber warum will ich hier eigentlich so schnell laufen? War dieser Marathon nicht geplant als langer Lauf unter Wettkampfbedingungen? Also könnte ich doch ruhig ein bisschen Tempo rausnehmen. Aber wie schon befürchtet, wenn die Startnummer mal hängt.....

Die erste verkürzte Runde ist ein einziger Krampf, genau wie meine Rückenbeschwerden, welche ich seit 10Tagen habe. KM5 Durchlauf bei 22:55min, und ich fühle mich jetzt schon wie bei KM25. Was für eine Schnapsidee, 2 Wochen vor dem Münster Marathon mich nochmal auf so eine Aktion einzulassen. Es hilft nichts, jetzt muß ich es durchziehen. Also häng ich mich irgendwie an die Läufer vor mir ran und versuche das Tempo mitzugehen. Langgezogene Anstiege im hügeligen Gelände kommen noch mit dazu. Endlich die höchste Erhebung ist für diese Runde erreicht, jetzt wird es ein bisschen angenehmer.

Im leichten Gefälle kommt mir das Tempo gar nicht mehr so anstrengend vor. Die 2.(größere) Runde beginnt. Plötzlich läuft es! Ich überhole sogar ein paar Mitstreiter. KM10 bei 45:48min abgedrückt. Das ist ein Schnitt von 4:35min/km. Ist doch gar nicht so schlecht! Wenn ich das noch ein bisschen halten kann, dann kann ich heute vielleicht sogar unter 3:20 finischen. Das wäre doch eine super Sache für 5 Jahre Marathonjubiläum!

Immer mal wieder ein paar längere fiese Ansteige machen kurzzeitig das Leben schwer. Aber im großen und ganzen läuft es jetzt. Die Rückenbeschwerden sind zu merken, aber behindern doch nicht so sehr. Viel mehr macht mir das linke Knie zu schaffen. Aber das kenne ich schon, und es bringt mich vorerst nicht aus der Ruhe. KM15, Zeit steht bei 1:08:25 KM Schnitt 4:34min/km. Sogar noch Tempo zugelegt, aber das war nur möglich durch mehr Gefälle als Anstieg. Weiter geht es mit angezogenem Tempo. Ja sogar die Steigungen laufen besser als gedacht.

KM20 und wieder zugelegt! 1:31:09 Schnitt 4:33,5min/km. Jetzt kommt die Verpflegungsstation, die Gelegenheit zur Gelaufnahme. Am Verpflegungsstand entdecke ich meinen ehemaligen Chef aus der der guten alten Zeit. Er engagiert sich seit ein paar Jahren, zusammen mit seiner Frau, bei der SG Egelsbach. Eine super Sache! Da lasse ich mich nicht lumpen und lege nochmal Tempo zu.

Die überwiegend leichte Steigung zehrt an den Kräften. Trotzdem bin ich inzwischen motiviert genug, den Lauf nicht nur als Trainingslauf für Münster zu nutzen, sondern jetzt will ich auch ein gutes Ergebnis erzielen. Vielleicht geht da ja sogar eine Zeit unter 3:15! Das wär' ja der Knaller! Aber erst mal die paar KM Steigung schaffen. So wie es aussieht erreiche ich den Abzweig in die 3.Runde bevor die HM Läufer (Start um 9:40Uhr) mir in die Quere kommen. Aber es wird nicht lange dauern, da werden mich die schnellsten eingeholt haben. Das HM Feld ist gut besetzt, denn für die HM Strecke gibt es Punkte für die Pfungstädter Laufcup Wertung.

KM25 in 1:54:08 passiert. Schnitt weiterhin bei 4:34min/km. Nur noch 17km durchbeißen, hier geht was! Nun ziehen auch die schnellsten HM Läufer an mir vorbei. Später werden sich wohl auch noch ein paar Läufer der 10km Runde dazu gesellen. Ein notwendiges Übel mit den HM/10K Starter/innen um solche Veranstaltungen letztendlich finanzieren zu können. Immer noch kann ich auf der leicht abschüssigen Strecke die Pace um die 4:30min/km halten. Die Sub 3:15 also weiterhin drin.

Nun wird es aber ungemütlich. KM28 passiert, die Strecke steigt jetzt an. Hier habe ich schon in Runde 2 viel Körner liegen lassen. Ich quäle mich hinauf. KM30 die Uhr steht bei 2:16:50min. Gesamtschnitt 4:34min/km. Noch einen Kilometer rauf, dann kommt der Verpflegungsstand. Das ist jetzt wirklich heftig. Gel raus gekramt, rein damit, Wasser am Versorgungspunkt geschnappt. KM31 Marker abgedrückt mit 5:02min/km! Jetzt wird es ernst! Noch 11km. Ich bin noch völlig platt von den letzten ansteigenden Kilometern, komme überhaupt nicht mehr in die Spur. KM32 immer noch in 4:45min/KM. Der Vorsprung auf die Sub 3:15 schwindet.

Abzweig kurz vor dem Messeler Tor. Jetzt kann man nochmal Fahrt aufnehmen, wieder fällt die Strecke kurzzeitig ab. Ich versuche nochmal alles. Noch die zwei weiteren Steigungen dann ist das hier eigentlich durch. Kann ich den Schnitt halten. Erster Anstieg geht los. Kämpfen und rauf! KM34, die Pace der letzten beiden KM wieder um die 4:30min/km! Die Kuppe der Steigung ist erreicht. Noch einmal kurz verschnaufen. KM35 in 4:39min/km ist ok. Letzte lange Steigung rauf. Alles rausholen. Das zieht sich wieder. Hier werden jetzt die letzten Körner verschossen. Verpflegungsstand nochmal Wasser rein, Abzweig nach rechts. KM36 in 4:55min/km doch deutlich abgebaut. Jetzt irgendwie wieder erholen und die letzten KM alles geben.

KM37 in 4:40min/km und KM38 in 4:43min/km, mehr ist nicht mehr drin. Ich bin platt, aber das ist ja auch kein Wunder. Nicht mehr vernünftig trainiert in den letzten Wochen, immer wieder neue Rückschläge mit Knie und Rücken. Und außerdem war das hier im Koberstädter Wald nicht geplant. Also was reg' ich mich auf! Ist doch ne super Zeit für einen "Trainingslauf" zum Münster Marathon in 2 Wochen. Noch 4km, die schaff' ich auch noch! Weiter geht es. Abzweig rechts am Koberstädter Falltorhaus. Noch einmal eine kurze Steigung nehmen. KM39, die Uhr steht bei 2:59:13. Das muß doch zu schaffen sein mit der Sub 3:15!

An Steigungen kommt jetzt nix mehr. Nur noch runter oder eben. Letzte Reserven rausholen für 3km bis zum Ziel. KM40 jawoll 4:20min/km. Das wird reichen für die Sub3:15. Da kommt kein Einbruch mehr. Die Steigungen haben mich nicht erledigt! Vorbei an den 10km Läufer/innen, aber das Slalom laufen hält sich in Grenzen. Rein nach Egelsbach. Nur noch die paar Seitenstraßen. Das Stadion ist zu hören! KM41 in 4:27min/km, Gesamtzeit 3:08:00min. Das Ding ist durch! Der Rest ist nur noch Formsache. Letzte Runde im Stadion. Das macht jetzt sogar Spaß! Vergessen ist die Qual, die Knie und Rückenschmerzen. Der Zielbogen wird bei 3:13:32 durchlaufen. Was für Kracher! Wer hätte das heute morgen noch gedacht?

Nach dem duschen, gleich mal schauen bei den Ergebnislisten. 11. gesamt und 2. in der AK. Unglaublich! Das hat sich ja gelohnt! Jetzt volle Konzentration auf Münster. Hier wird jetzt die Sub 3:10 angegangen. Auf einer flachen Strecke und wieder erholt müßte das doch machbar sein.

Sonntag, 22. Juli 2012

40.Schöck Hornisgrinde Marathon



Vorbereitung:

Ganze drei Wochen und zwei Tage blieben Zeit nach dem Marathon Doppel Pack von Fürth (24.6) und Marburg (29.6), um mich auf den Hornisgrinde Marathon vorzubereiten. Die erste Woche mit 96,4 Trainings km verlief recht gut. Ich konnte sogar seit langem mal wieder eine Berg/Hügel Einheit mit ca. 550 aufaddierten HM (Melibokus/Hessische Bergstraße) durchziehen. Doch was sich hier schon mit Zahnschmerzen ankündigte, entpuppte sich in der 2. und 3. Trainingswoche als sehr hartnäckige Nasen Neben Höhlen Entzündung. So blieb mir keine andere Wahl als das Training auf lockere Einheiten zu beschränken. 2. Woche 72,2km. In der Marathonwoche nur noch 3 Einheiten mit insgesamt 33,4km.

Sonntag 22.7.2012

Um 4:00Uhr in der Früh klingelt der Wecker. Schnell noch was essen. Tasche ins Auto und los geht’s. Die Autobahn wird kurz nach Baden-Baden verlassen. Über die Schwarzwald Hochstraße rauf ins Bühlertal, bzw. zum Hundseck wo sich Start/Ziel Bereich des Hornisgrinde Marathons befindet. Schon bei der Fahrt sehr schöne Aussichten auf die Landschaft vom Nordschwarzwald. Auf ca.900 Metern Höhe befindet liegt das Gelände „Hundseck“. Hier ist im Winter bestimmt alles proppenvoll. Es gibt sehr viele Skilifte und Pisten. Nach ein paar Metern Fußmarsch erreiche ich das Festzelt mit Anmeldung und Startnummernausgabe.

Das Ganze hat den Charme einer kleinen gemütlichen Laufveranstaltung. Sehr schön organisiert vom TV Bühlertal. Sogar auf eine Chipzeitmessung wird verzichtet. Hier läuft alles „old school mäßig“ mit einem Zielkanal und manueller Zeitmessung. Ich hol mir noch einen Kaffee, setzte mich hin, denke mir noch „das ist hier so abgelegen, hier kennt dich keine Sau“. Da läuft mir Rudi und Christiane aus meiner direkten Nachbarschaft über den Weg! Kurzer Plauder Plausch und schon müssen wir uns fertig machen für den Start. Es ist sehr kühl, etwa um die 10° C. Da versucht man natürlich so lange wie möglich die langen Sachen anzubehalten.



Frühstück um 4:30Uhr mit Streuselkuchen, Joghurt mit Banane, Brötchen mit Banane,Ei und Kaffee



Bin heute zum ersten mal hier am Start. Ich weis nur daß ein paar Höhenmeter zu überwinden sind.



noch nix los bei der Anmeldung



Da fährt man fast 200km zu einem total abgelegenen Marathon und am Start treffe ich aus Rudi aus meiner Nachbarschaft.



Es kann losgehen. Bisschen frisch am Morgen, aber das geht schon

Pünktlich um 8:30 Uhr fällt der Startschuss. Ich komme super weg, verschenke auch kaum Zeit bis ich über die Startlinie laufe. Quer über den Platz, gleich rein in den Wald. Eine ganz kurze Steigung und dann nur bergab, soweit man auch schauen kann. Der Waldweg ist leicht steinig, aber dennoch gut zu laufen. KM1 dank dem Gefälle in 3:58min gestoppt. Jetzt geht es runter vom Waldweg. Wir laufen ein kurzes Stück auf der Schwarzwaldhochstraße. Zur rechten die Talstation der Mehliskopflifte. Helfer sichern die Straßenüberquerung über die L83 bei „Sand“. Nach ein paar weiteren Metern auf der Schwarzwaldhochstraße geht es wieder rein in den Wald.



die ersten Meter nach dem Start, ich komme gut weg



gleich nach dem Start geht es ein kleines Stück bergauf, dann fast nur noch runter bis KM25

KM2 in 4:03min immer noch sauschnell. Gerade diese ersten KM sind extrem abschüssig. Die Häuser von Plättig Bühlerhöhe sind in Sicht. KM3 in 3:59min abgedrückt. Eine Hand von Zuschauer steht am Abzweig nach rechts in den Klammweg. Jetzt folgt auch der erste Anstieg. Hier kann ich gleich zwei Läufer überholen. Wieder ein Abzweig. Der Streckenposten pennt und zeigt mir erst im letzten Moment die Richtung. Ein blöde Aktion, welche Kraft und Zeit kostet. Der Strecke ist jetzt erst einmal eben. Die beiden zuvor überholten Läufer ziehen wieder an mir vorbei. Ist auch besser so, da läuft man wenigstens nicht falsch. KM4 doch jetzt deutlich langsamer in 4:23min. Für meinen Geschmack immer noch zu schnell. Da hab ich mich wohl mal wieder überpaced. Ich gehe das Tempo trotzdem erst mal mit.

Bei 20:32min habe ich die 5km Marke erreicht. Inzwischen laufen wir auf dem Bernsteinweg. Immer mal wieder führt die Strecke kurze Abschnitte raus aus dem Wald und man merkt trotz frischen Temperaturen jetzt schon die Sonne. Vom Veranstalter wird die Strecke als waldreichste Marathonstrecke Deutschlands ausgeschrieben. Sogar von 100% Wald ist hier die Rede. Ich kann bis zum KM10 Marker eine Pace von 4:15min/km halten. Allerdings hat dieser Abschnitt auch eine Höhenänderung von ca. -65 Metern auf 5km. So ist die 10’er Durchlaufzeit von 41:53min im Augenblick nur Augenwischerei. Es bleibt abzuwarten, wie ich mich bei den Aufstiegen im 2.Abschnitt schlagen werde.

Am Waldgasthof Scherrhof zweigt die Strecke nach rechts ab. Es geht sogar noch ein Stück weiter rein in den Wald – nämlich auf einen Trampelpfad! Hier kann jetzt nur noch einer laufen, überholen ist quasi unmöglich. Etwas Vorsicht ist geboten, den ganz schnell bleibt man hier bei diesem Tempo an einer Wurzel hängen, oder stolpert über einen Stein. Mit „gelenkschonenden Waldwegen“ wie vom Veranstalter ausgegeben, hat das hier nun wirklich nichts mehr zu tun. Ich bin froh, wenn dieser Abschnitt ohne Probleme durchlaufen ist. Nach einen Kilometer ist der Spuk erst mal vorbei und wir laufen wieder auf einem normalen Weg. Das Tempo ist nach wie vor sehr hoch, ja sogar noch etwas schneller geworden. KM10-15 laufe ich in einer durchschnittlichen Pace von 4:10min/km, bei einer Höhenänderung von -20 Metern auf 5km. Schon wieder geht die Strecke von Weg runter in den Wald. Nächster „adventure path“, jetzt habe ich sogar nasse Füße bekommen. Aber auch dieser Abschnitt geht unbeschadet vorüber und wir haben bald wieder richten Weg unter den Füßen.

Fast 180° Kurve an der „roten Lache“, die Passhöhe der Bundesstraße L79 (690m ü. NN) und gleichnamiges Ausflugslokal. Weiter leicht ansteigend führt der Weg. Die beiden Läufer vom Anfangsabschnitt habe ich inzwischen wieder hinter mir gelassen. Also bin ich doch gar nicht so schlecht unterwegs! Einsam laufe ich weiter. Immer mal wieder eine Abzweigung ohne Streckenposten und ohne klare Markierung. Es fällt schwer den richtigen Weg zu finden. Da beruhigt es doch ungemein, wenn das nächste KM Schild auftaucht. Jetzt hat der Spaß aber erst mal ein Ende, die Strecke steigt leicht an, trotzdem schaffe ich es immer noch die Pace um die 4:25min/km zu halten. Ist das die gute Schwarzwaldluft? Ist es der Streuselkuchen von heute Morgen? Die vielen Schokoriegel von gestern? Oder vielleicht die 2 Weizenbiere vom Donnerstag Abend. Alles Dinge die ich normal nie vor einem Marathon machen würde! Aber aufgrund der allgemeinen schlechten Verfassung ging es mir irgendwie am A…. vorbei diesmal auf so einen Kram zu achten.

Plötzlich höre ich von hinten jemanden rankommen. Er läuft auf mich auf, und wir plaudern ein bisschen. „Ich bin schon ganz schön platt, das kann ja lustig werden im 2.Abschnitt“ meine ich. Da sagt er doch zu mir: „Wieso? Man muß immer so laufen, dass es nicht weh tut!“ Wie meint er das? Dass es nicht weh tut? Bei mir tut es immer weh! Ich glaube der könnte noch viel schneller, aber er will sich nicht quälen! Dieses Tempo kann ich aber nicht weiter mitgehen und lasse Ihn ziehen. Und ich bin wirklich froh dass es vor mir läuft, denn urplötzlich biegt er vom Weg ab auf einen anderen, wesentlich schlechteren Weg. Als ich näher ran komme sehe ich das kleine Schild mit dem Richtungspfeil! Also das war jetzt wirklich super schwer zu finden und mal wieder kein Streckenposten!

Dieser KM hat es in sich. 30 Höhenmeter sind zu überwinden. Dennoch mit 4:42min/km noch ne klasse Zeit für KM21. Versorgungsstand kommt. Jetzt endlich das Gel rein. Versorgungsstände gibt es hier so ca. alle 5km. Also wäre es fatal einen auszulassen! Der Halbmarathondurchlauf erfolgt bei einer Zeit von 1:29:55. Das muß man sich mal kurz durch den Kopf gehen lassen! In einen flachen Stadtkurs würde ich jetzt auf Sub 3 gehen. Ich kann das hier ganz schlecht einschätzen. Noch bis KM25 bleibt es eben oder abschüssig, aber dann geht es größtenteils nur noch bergauf! Die HM Zeit ist verdammt gut und ich will auf jeden Fall die Jahresbestzeit aus Fürth mit 3:12:55 unterbieten. Vielleicht kann ich sogar in den Bereich einer Sub 3:10 laufen.

Erst mal wieder erholen nach dem kurzzeitigen Aufstieg. Es fällt schwer und wirkt sich auf die Zeit aus. 4:38min für KM22 obwohl die Strecke fast eben ist. Noch einmal geht es 3km extrem nach unten zum tiefsten Punkt des Hornisgrinde Marathons. Dem Stausee der Schwarzenbachtalsperre. Fast -90 Meter Höhenunterschied von KM22-25. Mit einer Pace von 4:09min/km brettere ich runter zum Stausee. Unten angekommen hat man erst mal den genialen Blick auf den Stausee und eine Verpflegungsstation. Schnell Wasser aufgenommen, auch mal ein bisschen über das lädierte Knie zur Kühlung geschüttet. Ich bin ja gleich wieder zurück am Versorgungspunkt. Das ist ja nur eine Wendepunktstrecke. Ein paar Läufer kommen mir entgegen. Die haben teilweise 5 Minuten Vorsprung, ich denke nicht dass ich da nochmal einen sehen werde. Wendepunkt ist erreicht. Da sitzen 2 Streckenposten ganz gemütlich in den Liegestühlen und markieren damit den Wendepunkt. Vor den beiden ist ein Punkt aufgemalt und der Pfeil geht drum herum. Also schnell bremsen, um dem Punkt rum und gleich wieder Tempo aufnehmen.



Stausee an der Schwarzenbachtalsperre. Landschaftlicher Highlight der Strecke bei KM25. Blöd nur, daß es ab jetzt fast nur noch bergauf geht! Bildquelle: Johan Spaedtke

Da kommen auch schon meine Verfolger entgegen. Das sind schon ein paar. Wenn ich hier schlapp mache, dann werde ich locker mal 10 Plätze durchgereicht. Also es hilft gar nichts, weiter laufen was das Zeug hält. Zum zweiten mal vorbei am Versorgungspunkt. Jetzt bleibt die Strecke unten am Stauseeufer. Schon wieder so ne kniffelige Abzweigung. Kein Hinweis, kein Streckenposten. Ich entscheide mich für den Weg am Ufer weiter. Da kommt auch der nächste KM Marker. Wieder mal die richtige Entscheidung getroffen.

Der erste Steigungsabschnitt fängt an. Von KM26-29 müssen 60Meter Höhendifferenz überwunden werden. Bei KM28 geht über den „Herrenwieser Schwallung“. Das ist ein kleiner Behelfs Staudamm über den Schwarzenbach. Kurz darauf muß die Bundestraße L83 überquert werden. Doch vorher geht es durch eine abgemähte Wiese und den Straßengraben. Immer wieder neue Überraschungen beim Hornisgrinde Marathon. Auf der anderen Seite der Bundesstraße erwartet mich ein brutales Stück Steigung. Erstmal geschafft und KM30 in 4:58min abgedrückt. Insgesamt bin ich die letzten 4km mit einer Schnittpace von 4:33min/km gelaufen. Keine Ahnung wie ich das gemacht habe, aber jetzt ist erst mal eine kleine Erholung angesagt. Die Steigung hat mich völlig geschafft.

Ich bin sogar auf einen Läufer ran gelaufen, da werde ich mich jetzt dahinter klemmen. Ich trotte hinterher KM31 kommt. 4:54min/km bei nur geringer Steigung. Ganz klar ich bin total platt. Jetzt geht der Kampf los. Gesamtzeit 2:13:37. Das bedeutet also fast eine Stunde Zeit für eine neue Jahresbestzeit und ein bisschen mehr als 55 Minuten wenn es unter die 3:10 gehen soll. Ich bleibe mal realistisch und peile eine neue Jahresbestzeit an. Für Sub 3:10 ist das Restprogramm hier am Berg zu heftig. Den Läufer überhole ich jetzt. Ich kann doch noch ein bisschen schneller laufen.

Wieder kommt eine Abzweigung ohne Beschilderung. Ich laufe einfach dem Gefühl nach gerade aus weiter. Kurzer Blick nach hinten. Ja, der überholte Läufer folgt mir. Wenn, dann sind wir jetzt beide falsch! KM32 Schild in Sicht, also alles ok. Nur die Zeit sieht nicht so gut aus. 5:14min habe ich für den letzten KM gebraucht. Der Kräfteverschleiß, die Steigung! Das war zu erwarten! Der Abstand zu dem andern Läufer vergrößert sich dennoch weiter. Ich muß mich jetzt zusammenreißen, sonst geht die gute Zeit hier wieder verloren. Noch gut 10km sind es. 2:18:51 auf der Uhr. Mit einem 5’er Schnitt würde am Ende eine Sub 3:10 rausspringen.

Ich quäle mich weiter nach oben, der Strecke verläuft jetzt 2km lang fast wieder eben. Die letzte Chance noch einmal ein wenig auf das Tempo zu drücken. KM34 kommt. Die Uhr steht bei 2:28:05. Ich bin die letzen beiden KM in je 4:37min/km gelaufen! Ab jetzt wird es kein ebenes Stück mehr geben! Nur noch kurz vor KM41 ist noch einmal ein kleines Stück flach. Mit allem was noch möglich ist laufe ich gegen die kontinuierliche Steigung an. Jetzt wird sogar der Boden noch schlammig! KM35 in 4:47min/km, das ist doch top! Versorgungsstand kommt. Wasser rein. Die Helfer machen Scherze, ja prima! Mir ist das Lachen vergangen! Wo bleibt die 36? Es nimmt kein Ende. Da denkt man, da wäre eine Kuppe, aber sobald man dort ist, bleibt die Strecke trotzdem ansteigend. KM 36 wird jetzt eine 5:17min. Noch 6km. Uhr steht bei 2:38:09. Die Sub 3:10 kann ich vergessen, wenn ich das so hochrechne. Aber die neue Jahresbestzeit die ist heute fällig. 3:12:55 waren es in Fürth beim Metropolmarathon. Das pack ich! Und zwar hier und heute am Berg!

Weiter kämpfen! KM37 in 5:03min. Es sind doch nur noch 5km. Ablenkung gibt es hier leider keine. Außer Wald nichts zu sehen. Schon seit mehreren Minuten laufe ich ganz alleine die Strecke rauf. Den Verfolger habe ich längst abgeschüttelt. KM38 in 5:16min. Die Kräfte schwinden immer mehr! Ich muß das jetzt durchziehen! 3:48:28 auf der Uhr! Die Uhr läuft und läuft, der 39’er Marker ist immer noch nicht zu sehen. Endlich da hinten kommt er zum Vorschein. 5:42min! Was ist denn da los? So schlecht war ich doch nun wirklich nicht unterwegs. Oder täuscht das? Ach, es hilft ja nichts, ich muß weiter laufen. Nochmal irgendwie für die letzen 3km alles mobilisieren!

Was hör ich denn da von hinten? Da kommt doch jemand ran gelaufen. Ich dachte den hätte ich eigentlich abgeschüttelt. Mal umdrehen. Das ist ein ganz anderer Läufer. In riesen Schritten kommt der immer näher ran! Ist der gedopt? Das gibt‘s doch gar nicht. Da schaltet der nochmal auf diesem Abschnitt den Turbo ein! Mir fehlen die Worte! Der zieht so locker an mir vorbei, als wäre das die leichteste Übung! Jetzt hilft nur eines. Irgendwie diesen Typ im Blick behalten und dranbleiben. KM40 in 4:56min, na bitte! Gesamtzeit steht bei 2:59:05. Es gibt ja immer noch diesen letzten KM der eine durchgehende Steigung von 10% haben soll. Noch ist hier also nichts in trockenen Tüchern! Weiter dem Läufer hinterher, die Strecke ist jetzt noch einmal kurzzeitig fast flach. Oh je, jetzt kann ich den letzten KM sehen. Das sieht extrem brutal aus. Die Bundesstraße L80b wieder komplett rauf bis zum Hundseck. Eine extra Spur mit Pylonen wurde für die Läufer abgesteckt.

KM41 in 4:44min kommt mir geradezu sensationell vor. Aber jetzt geht es los! 1km lang alles rausholen! Kleine schnelle Schritte nach oben. Nicht nachlassen! Es ist bald geschafft. Wer hier geht, wird wahrscheinlich nicht wieder anlaufen. Kein Ende in Sicht. Und noch eine Kurve, und wieder eine weitere Kurve……da muß doch bald das Hundseck kommen. Jetzt kann man es sehen. Da ist der Abzweig! Nochmal voll reinhängen. KM42 in 5:25min gelaufen. 3:09:14 auf der Uhr! Kann man da nochmal einen Schlussspurt machen? Keine Chance! Der Weg zum Ziel führt direkt über eine weitere Steigung nach oben. Zuviel Zeit kostet das alles. Vorbei an der Gaststätte „Hundseck“. Endlich mal ein paar Zuschauer. Der Zielkanal kommt näher. Ja super, ich hab’s gepackt! 3:10:22. Was für eine Zeit. Ich freu‘ mich total!



Der Knaller kommt zum Schluss. Der komplette letzte KM hat eine Steigung von 10%



Die letzten 200 Meter zum Ziel auch nur noch Quälerei



nur noch wenige Meter, vorbei an der Gaststätte Hundseck



das Ziel ist zum greifen nahe



Endlich geschafft! Das war ein hartes Stück Arbeit, gerade nach dem brutalen letzten KM



Versorgungsstand gleich im Zeilbereich



Trotz aller Probleme den Hornisgrinde Marathon in 3:10:22 gefinished! Platz 12 gesammt, Platz 2 in der AK40 und neue Jahresbestzeit

Kurze Verschnaufpause, ein paar Getränke abpumpen, da kommt auch schon der Moderator vom Lauf an, und fängt mit mir per Mikrofon für jeden hörbar an zu quatschen! Sowas hab ich ja auch noch nicht erlebt! Kurzes Statement zum Lauf von mir und der Tipp vom Moderator zur Beinmassage mit Kühlungseffekt. Ist gerade nichts los dort, also warum nicht! Nochmal muß ein kleiner beschwerlicher Weg bis zur Skihütte mit den Duschen absolviert werden.

Frisch geduscht geht es zum Weizenbier und Siegerehrung. Für mich hat es zu Gesamtplatz 12 und Platz 2 in der AK 40 gereicht. Ein toller Tag im Schwarzwald. Was will man mehr?