Sonntag, 15. April 2012
29. Wien Marathon
Der diesjährige Wien Marathon steht unter keinem guten Stern. Verletzungen am rechten Sprunggelenk und ständige Schmerzen im operierten linken Knie machen ein vernünftiges Training unmöglich. Den kompletten Februar (21km) quasi nichts gemacht. Im März (186km) teilweise unter Schmerzen und Laufverbot vom Arzt. Im April dann weiter mit Schmerzen noch versucht ein bisschen Trainingsrückstand gut zu machen. Tempoläufe oder Intervalle habe ich weggelassen. Lediglich ein paar lange Läufe über 20km waren Pflichtprogramm.
Was soll ich laufen in Wien? Ordentlich ankommen wäre schon super. Am besten ohne weitere Schäden. Aber insgeheim träume ich doch von einer Zeit unter 3:30…… naja, mal sehen was da geht.
Am Freitag früh geht es los. Lange geplant, nun ist es soweit. Der Wien Marathon und diesmal ist meine Lebensgefährtin Anja auch mit dabei. Deshalb haben wir noch ein paar Tage dran gehängt um Wien anzusehen.
Pünktlich ist die Bahn um kurz vor 14Uhr im Wiener Westbahnhof. Mit der U-Bahn geht es weiter in die Unterkunft. Sachen auspacken, kurz ausruhen. Ich fahre gleich mal rüber zur Messe um die Unterlagen abzuholen. Startblock Zielzeit 3:00 schnell mal auf den Block 3:30-3:59 umschreiben lassen. Besser ist das! Auf der Messe treffe ich auf Andreas von der Österreichischen Seite des Bodensees. Was für Typ, läuft den Marathon in 2:45. Das sind Zeiten da komme ich schon gar nicht mehr hin.
Am Abend geht es dann ins alt bekannte La Norma direkt in der Inneren Stadt am Dom. Sehr lecker wieder Spaghetti aglio olio bestellt. Dazu noch einen Salat. Noch nie habe ich hier etwas anderes gegessen.
Wien ist mal wieder wie geleckt. Eine neue Müllkampagne sorgt für Sauberkeit. Quasi alle 10 Meter gibt es einen Mülleimer mit praktischen Ascher für die Kippenstummel. "Host an Tschick?". Man hat überhaupt keine Chance den Dreck irgendwohin zu werfen. Sehr gut Wien!
Billiger gehts nicht mehr! 72 Stunden Ticket für alle Wiener Linien für 13,60 Euro!
Die Wiener Linien sind schon schnell. Noch schneller geht es mit dem Wiesel!
Sehr schöne Unterkunft in der Jugendherberge Brigittenau. Dachgeschoss Zimmer mit Dusche/WC und Frühstücksbüffet - pro Person 25Euro
Ab zur Messe die Startunterlagen klar machen.
Total überteuerte Vienna Marathon Souveniers, trotzdem wird zugeschlagen
Bei der Startnummernausgabe lasse ich mich von Block 3:00 auf 3:30-3:59 Block zurückstufen
Netter Treff auf der Messe, Andreas vom Bodensee läuft den Marathon in 2:45. Hut ab!
Samstag dann Kulturprogramm. Mit dem sogenannten Hop on Hop Ticket fahren wir 3 Stadtrundfahrten a 1 Stunde durch Wien. Der Bus hält an vielen Punkten, wenn etwas interessiert, kann man einfach aussteigen und in den nächsten Bus zur Weiterfahrt wieder einsteigen. Tolle Sache und mit 20 Euro pro Nase auch ganz ok vom Preis. Weiter geht es zur Spanischen Hofreitschule. Das nehmen wir auch noch mit. Aber danach kommt die Höchststrafe. Sisi Museum! Was macht man nicht alles….. Mir tut jetzt wirklich das Knie weh von der vielen Rumlauferei und Treppen steigen. Ich hab‘s gewusst.
Noch einen guten Wiener Kaffee trinken am Dom, dann kommt auch schon Lauffreund Gregor aus Darmstadt. Wir gehen wieder ins La Norma zum Abendessen. Na klar, wieder Spaghetti aglio olio bestellt. Essen tut gut, plaudern lenkt ab, Knie geht wieder besser.
Mit dem Hop on Hop Ticket Wien erkunden
Hier wird morgen das große Marathon Finish sein. Das Heldentor
Da muß ich morgen durch
Kulturprogramm: Hofreitschule und Sisi Museum
OK, Hofreitschule geht noch so
Sisi-Museum. Das ist jetzt zu viel für mich. Trotzdem halte ich auch dieses Event tapfer durch
Kunstwerk in der Wiener Innenstadt
Anja ist begeistert, Wien ist schön. Trotz schlechtem Wetter, ein original Wiener Kaffee direkt am Stephans Dom schmekt einfach gut!
Abendessen im "La Norma" mit Gregor aus Darmstadt, der morgen eine fantastische neue Bestzeit von 2:51:46 laufen wird!
Die ganze Nacht sehr schlecht geschlafen, ständig Knieschmerzen. Ich wache immer wieder auf. Um 5 Uhr bin ich daher auch schon wach. Kurz vor 6 Uhr schon im Speisesaal. Bin erster beim Frühstück! Zwei Brötchen mit Käse und Honig. Bisschen Obst mit Joghurt, das reicht. Bloß nicht den Fehler vom letzen Jahr mit dem Müsli machen. Da gab es auf den letzen Kilometern schlimme Wadenprobleme. Zur Sicherheit nehme ich das langarm drunterzieh Shirt und ein Halstuch mit. Es ist doch sehr kalt und die Wetterprognosen sehen eher Temperaturen unter 10° Celsius mit leichtem Regen, teilweise stärkere Windböen. Noch so ein widerliches Zeug getrunken, das angeblich den Einbruch ein wenig nach hinten verschieben soll. Um 7:15Uhr geht es rüber zur U-Bahn Station Handelskai. 2 Stationen, umsteigen am Praterstern. Hier schon viele Läufer/innen unterwegs. Leicht überfüllte U-Bahn zum Startplatz in der Uno-City. Jetzt das übliche vorm Start. Nochmal anstellen fürs Klo und schon mal überlegen ob langarm Shirt oder doch kurz trotz der Kälte. Mir ist irgendwie schlecht, ganz komisch. Leichte Schwindelgefühle wie beim München Marathon 2011. Das operierte Knie schmerzt, das ist heute wirklich grenzwertig. Kein richtiges Training, längster Lauf seit dem Rodgau Ultra war ein 26km Lauf, Knie Schmerzen, Luftprobleme und seit Monaten weit entfernt von der Form vor einem Jahr. Endlich, ich bin dran für den Klo. Letztes Geschäft erledigt. Taschen vollgestopft mit Gel, Riegel und Hustenliquid gegen den Schleim im Hals. Ich habe mir das langarm Shirt angezogen, doch kurz vorm abgeben des Kleiderbeutels entscheide ich mich zum Glück doch nur für das kurz Arm T-Shirt. Noch verabschieden von Anja, rein in den Block 3:30-4:00. Ich plaudere im Startblock noch mit einem Österreicher über den neuen Forerunner 410, ob das Ding den auch gut funktioniert und dann geht es so langsam los.
Lockere Stimmung auf dem Weg zum Start
Kleiderbeutel weg und ab zum Starterblock
Gedrängel im Block
Der Start ist schon längst erfolgt, Paula Radcliffe und Haile Gebrselassie liefern sich ein Catch me if you can Rennen auf der halben Distanz. Die 3 Stunden Läufer/innen befinden sich auch schon auf der Strecke. Mein Startblock geht mit 5 Minuten Verspätung auf die Strecke. Diesmal befinde ich mich auf der rechten Startrampe, muß also die äußere Kurve am Praterstern laufen, bevor die beiden Starterspuren zusammen geführt werden. Es war keine gute Idee, den Startplatz bis in den 3:30-4:00 Stunden Block zurück stufen zu lassen. Ein Gedrängel ist hier, vernünftiges Laufen quasi unmöglich. Ständig ist man eingequetscht, kein fortkommen und Leute sind hier unterwegs, die werden das Ziel wahrscheinlich nicht erreicht und schon gar nicht unter 4:00 Stunden. Ich ärgere mich! Warum schummeln sich immer wieder Läufer/innen in einen Block den sie niemals von der Zeit her packen werden. Jetzt bin ich gespannt, KM1 Marker kommt. 5:28min/km. Na prost Mahlzeit! Schon jetzt renne ich einem Rückstand von 30 Sekunden hinterher. Ich versuche das Gefälle der Reichsbrücke zu nutzen um etwas an Geschwindigkeit zuzulegen. Im Slalom geht es um die Läufer/innen. Was für ein Mist! Schon hier muß ich wertvolle Reserven aufbrauchen um ein bisschen nach vorne zu kommen. Vorbei am Eingang zum Praterpark. Jetzt kommt noch die andere Starterspur dazu, es wird noch enger. Die Prater Hauptallee hinunter. KM2 trotz Slalom in 4:50 gelaufen. Das nervt total, völlig überfülltes Feld. KM3 in 5:07 und KM4 in 5:04min/km gelaufen. Das Knie verhält sich bisher sehr gut, da kann ich mich noch nicht beschweren, aber das kam ja auch immer erst ab KM15. Mal sehen, jedenfalls werde ich so nicht mein insgeheimes Ziel von Sub 3:30 erreichen. Da muß jetzt was passieren. Ich ziehe weiter an. Schließlich bin ich hier nicht zum Spaß, und das Weizenbier wird heute Abend im Praterpark viel besser schmecken mit einer Zielzeit unter 3:30. Doch Vorsicht! Mir fehlen die nötigen KM und Tempoläufe aus dem Training. Ich muß davon ausgehen, dass ich ab KM 20-25 Stück für Stück einbrechen werden. Jetzt die 5km Messmatte. 25:23min zeigt die Uhr. Immer noch weit hinter der Zielzeit. Ich müßte die Pace jetzt mal um die 4:55min/km halten, sonst wird das hier nix. Jetzt Stadionallee dann Abzweig in die windanfällige Schüttelstraße direkt am Donaukanal. Wieder nur ne 5:07 für KM6. Es ist einfach kein durchkommen bei dieser großen Läufermasse. Mit Hilfe vom Bürgersteig kann man ein paar Hindernisse überwinden. Das mache ich nie wieder! Bin viel zu ehrlich und lasse mich so weit zurück stufen! Was für ein Fehler! Jetzt schon mal ein kleiner Vorgeschmack auf die Brückenköpfe, welche einem um KM38 den letzten Rest an Kraft rauben werden. Wir bewegen uns bereits auf der unteren Donaustraße. KM7 Marker hab ich übersehen, jetzt kommt die 8. Mit je 4:54min für KM7 und 8 läuft es jetzt so langsam besser, aber mein Puls ist auch schon auf 162(89%). Für KM9 setze ich sogar noch einen drauf. 4:49min/KM. Na also, nicht locker lassen. Die Schwedenbrücke über den Donaukanal. Tolle Stimmung hier am Schwedenplatz und Franz Josefs Kai. Das pusht ein bisschen. Rein in den Stubenring, hier ist jetzt Platz zum laufen. Getränk aufnehmen klappt gut trotz Andrang, trinken und den Rest übers linke Knie zur Kühlung. Messmatte für KM10 kommt. 50:08 steht auf der Uhr. Vorbei am Stadtpark. Schubertring weiter. Abzweig Kärntner Ring. Begleitet von klassischer Musik zur rechten die Oper. KM11 jetzt sogar in 4:46min. Jetzt läuft es denke ich mir, so kann es weitergehen. Da könnte ich die Sub 3:30 wirklich angreifen. Aber es bleibt abzuwarten, wie sich das Knie verhält. Die wenigen langen Läufe waren ja nicht so gut verlaufen. Links der Abzweig in die linke Wien Zeile. Ätzend dieser Abschnitt. Bis runter zum Schloss Schönbrunn geht es jetzt. Zur linken sieht man die vielen kleinen Restaurants vom Wiener Naschmarkt. KM12 in 4:46min und KM13 in 4:54min/km. Ich bin auf Kurs. Jetzt fängt doch schon langsam das linke Knie ein wenig an zu schmerzen. Ich hatte es befürchtet. Irgendwie weiterlaufen und hoffen, dass sich das wieder gibt. Vor mir läuft jemand mit einem T-Shirt der Mainz 05 Fan Kollektion. Gleich mal ansprechen. Nach einer Kurzanalyse vom gestrigen Spiel bei den Bayern und Berechnung der derzeitigen Tabellensituation kommen wir zum Laufen. Er will ne 3:50 schaffen. Also ich merke schon, ich bin hier in einem Bereich wo man nicht so schnell unterwegs ist. Gleich mal bisschen die Schlagzahl erhöhen. Mit 4:56 und 4:50 für KM14 und 15 bin ich weiter im Soll. Das Knie merke ich doch ganz schön, aber alles kein Grund jetzt nachzulassen. Ebenfalls merke ich jetzt schon die extrem fehlende Kondition um ein solches Tempo über längere Zeit zu halten. KM16 mit 4:59min noch gerade so akzeptabel.
Westlichster Teil der Strecke bei KM16 Schloss Schönbrunn
Abzweig am Schloss Schönbrunn in die Schlossallee und gleich wieder in die Mariahilfer Straße in Richtung Innere Stadt. KM17 jetzt sogar 5:01min/km. Bin schon am Ende. Hab ich mich überpaced? Tatsache ist mal, dass ich ganz schön zu kratzen habe. Das Knie wird etwas besser, oder merke ich das jetzt nicht mehr so? Stimmung wird wieder besser auf der Strecke. Ich versuche das Tempo wieder anzuziehen. 4:47min/km auf KM18 und 19. Jetzt fertigmachen zur Gel Aufnahme. Rein damit, Wasser zum runterspülen. Man kann den Heldenplatz schon erahnen, die tolle Stimmung ist zum greifen nahe. KM20 in 4:54min ist ok. Abschüssig ist das letzte Stück der Mariahilfer Straße zum Burgring. Einordnen für die 2.Runde. Die Halbmarathonies haben es quasi fast geschafft, vor mir liegen noch gut 21km die ich so schnell nicht vergessen werde. KM21 mit 4:37 schon fast sensationell für mich. Halbmarathondurchlauf mit 1:43:54 absolut im Zeitplan. Das ist besser als ich erwartet habe. Die nächsten KM kann man erfahrungsgemäß noch ein bisschen Zeit gut machen. Vorbei am Parlament und dem Wiener Rathaus.
Nach dem Halbmarthondurchlauf wird es etwas leerer auf der Strecke. Vorbei am Österreichischen Parlament
Im Schottenring weiter, KM22 sehr gut in 4:45min. Weit vor mir erkenne ich doch jemanden mit einem FC Köln Trikot. Motivation genug um ran zu laufen. Links rein in die Liechtensteinstraße. Den Kölner hab ich fast eingeholt, Klaus steht auf dem Trikot. Ich kann es mir nicht verkneifen und spreche Ihn an. „na Klaus, bleibt der FC drin?“ Klaus ist total erschrocken aber antwortet: „na klar, wir gewinnen heute in Gladbach!“ Wie wir inzwischen alle wissen, hat der FC 3:0 in Gladbach verloren und steckt bis zum Hals im Abstiegsschlamassel. Weiter geht es, ich bin jetzt gut drauf, 4:43 für KM23 lassen mich hoffen auf das Ziel Sub 3:30. Abzweig am Liechtensteinpark in die Alserbachstraße. Das Feld hat sich jetzt doch ganz schön auseinander gezogen kein Gedrängel mehr wie am Anfang. KM24 in 4:48min/km kurz vor der Friedensbrücke über den Donaukanal. Jetzt geht es auf der anderen Seite des Donaukanals weiter. Der Wind hält sich zum Glück in Grenzen. KM25 Messmatte bei 2:02:12 überquert. Das hätte ich mir nicht träumen lassen, dass ich hier so gut unterwegs bin, mit dem lächerlichen Trainingsprogramm der letzten 2 Monate. Mal schnell hochrechnen, mit einem 5:06min/km würde ich die Sub 3:30 packen! Aber es wird langsam sehr zäh! Ich quäle mich, da kommt auch schon der Dämpfer 5:14min für KM26. Jetzt heißt es kämpfen bis zum umfallen! Weiter bin ich im Training der letzten 2 ½ Monate auch nicht gelaufen. Erinnerungen an den brutalen Einbruch beim Rodgau Ultra Ende Januar kommen wieder. Und da hab ich wenigstens so halbwegs den Trainingsplan eingehalten. KM27 und KM28 wieder in 4:53min/km. Immer mal wieder Musik Beschallung von den Balkonen der Häuser. Ab und an kommen einem auf der Gegenspur schon die top Läufer entgegen. Die sind schon bei KM37 und ich habe noch so viel vor mir. Nicht drüber nachdenken, wieder rein in den Prater KM29 abgedrückt mit 4:36, ich werd‘ verrückt. Das kann nicht mehr lange gut gehen. Getränk aufnehmen, Messmatte KM30 überlaufen. Die Uhr steht bei 2:26:58 aber für den letzten KM habe ich 5:08min gebraucht. Mit bleiben also 1 Stunde 3 Minuten für 12,2km, ein Schnitt von 5:09min/KM würde also reichen für die Sub 3:30. Ich laufe jetzt aber schon auf der Reserve. Das Ernst Happel Stadion ist im Hintergrund zu sehen. Hier kommt der Wendepunkt. Ich stemme mich mit aller Macht gegen den Einbruch. Wende am Happel Stadion, wieder zurück. KM31 in 5:00min. Jetzt der Abzweig in die Prater Hauptallee runter zum Lusthaus. Hier wird es sich jetzt zeigen ob die 3:30 wirklich machbar ist. Ich versuche alles, da kommt doch auf der Gegenseite Alex aus Traunstein entgegen, klatscht mich ab und ruft wir sehen uns heute Abend. Ja! Und ob! Zum Weizenbier im Praterpark, da freue ich mich schon drauf. Aber erst muß ich das hier ordentlich zu Ende bringen. Mann ist der heute schnell unterwegs. Das ist doch schon KM35 auf der anderen Seite. Wahnsinn, der wird heute locker neue Bestzeit laufen. Endlich höre ich die Klänge von Klaus Badelts genialem Soundtrack zu „Piraten der Karibik“. Diese spezielle nur für den Wien Marathon gemixte Version der Filmmusik peitscht einen nach vorne, gibt neue ungeahnte Kraft und bessere Zeiten! 4:53 und 4:51min für KM31 und 32. Rundschleife am Lusthaus zurück in die entgegengesetzte Richtung. Jetzt muß ich irgendwie nochmal Gel aufnehmen. KM34 in 4:56min, alles noch im Plan! Wo bleibt nur der Getränkestand? Da kommt er, aber alles voll, Mist ich verliere wertvolle Zeit. Aber gerade jetzt ist das Gel mit Getränk so wichtig. Daher KM35 auch nur in 5:08min. Noch 7km durchbeißen, ich bin völligst platt. Wir verlassen die Prater Hauptallee. Ich schleppe mich über die Strecke. Endlos dauert das bis der KM36 Marker kommt. Wieder nur 5:07min. Da geht jetzt nix mehr. Ich muß mich echt zusammen reißen. 6km noch das ist eine halbe Ewigkeit. Neben mir eine Läuferin total am Ende, jammert nur noch rum, hat wohl auf die 3:30 trainiert und bricht jetzt völlig weg. Da geht es mir noch ein bisschen besser und ich gehe an Ihr vorbei. Der Donau Kanal kommt. Wind geht soweit, aber die Beine sind so schwer. Jeder Brückenkopf wird zum Drama. Ich muß dranbleiben! Sub 3:30 muß klappen. Ich fahre doch nicht nach Wien um am Ende länger als 3:30 zu brauchen. Da würde das Weizen im Prater bestimmt nicht schmecken. Los! Kämpfen! KM37 wieder 4:56min. Noch 5,2km zu laufen. Gesamtzeit ist bei 3:01:52. Über 28 Minuten Zeit für den letzten Abschnitt. Das pack‘ ich heute, egal wie. Ich laufe nur noch ferngesteuert die Schüttelstraße hinunter. Ich schaue den Donaukanal hinunter, aber ich kann die Brücke in Richtung Innere Stadt noch nicht erkennen. KM38 in 5:21min! So wird es eng. Zusammenreißen auch wenn alles weh tut! Platt gelaufen wie beim Rodgau Ultra. Es ist zum verzweifeln. Jetzt kann ich endlich die Franzensbrücke sehen, ja da geht es rüber! Bald ist es geschafft. Noch einmal den Brückenkopf hinauf quälen links herum, man kann die Innere Stadt ja schon quasi riechen und trotzdem ist es noch so weit. Viele um mich herum japsen, aber ziehen Ihr Programm durch. KM39 wird wieder ne 5:07. So werde ich es schaffen. Obwohl eigentlich gar nichts mehr geht, laufe ich immer weiter. Zähle in Gedanken einfach ein paar Zahlen hoch. Getränkestand, hab das Wasser verpennt, naja dann halt Iso. Diese verdammten 3km müssen doch zu packen sein. Der Radetzky-Platz kommt. Abzweig nach rechts, immer stur weiter die Radetzkystraße runter. Am kleinen Wien Fluss kommt der Abzweig nach links in die Wiener Straße. Weiter am Wien Fluss entlang. Wo bleibt denn bloß die KM40 Messmatte. Das gibt es doch gar nicht. Ich bin jetzt wirklich am verzweifeln. Durchhalten!!! Alles über 3:30 wäre jetzt eine Schande! Mir wird langsam echt übel, das letzte Gel und das Iso-Zeugs an der Strecke war wohl nicht so gut. Da kommt die Messmatte, 3:17:34. Das muß ich einfach packen! Rechts rüber über den Wien Fluss, vorbei am Park. Links in den Parkring. Das ist aber nochmal ein langes zähes Stück. Das kam mir in den letzten Jahren alles kürzer vor. Egal, ich muß da jetzt durch! Der Stadtpark ist vorbei, die Straße wird zum Schubertring. Die Stimmung auch immer besser an der Strecke. Jetzt leichter Abzweig nach rechts. Vorbei am Schwarzenbergplatz. Hier geht echt gar nix mehr. Ich habe das Gefühl, es sind die schlimmsten letzten beiden KM die ich je gelaufen bin. Wenn am Straßenrand nicht so eine super Stimmung wäre, dann wäre ich bestimmt in eine Gehpause verfallen. Aber das hier ist Wien! Und Wien ist so geil! Mein 3.Wien Marathon und ich komme bestimmt noch ein paar mal wieder her. Auf los, gib nochmal alles für diese tolle Stadt und die super Wiener Zuschauer an der Strecke! KM41 drücke ich in 5:10min ab. Gesamtzeit 3:22:45. Das nimmt mir keiner mehr! Los jetzt der Rest ist zum geniesen! Von wegen! Ich baue immer weiter ab, weis gar nicht warum ich überhaupt noch laufen kann. Die Oper ist in Sicht. Eine Wahnsinns Partyzone ist hier aufgebaut. Was für ein toller Empfang so kurz vorm Ziel! Ich kann schon die Schilder sehen mit den Markierungen 600m, 400m usw. Das zieht sich, jetzt das letzte rausholen. Vielleicht wird das sogar noch ne Zeit unter 3:29. Wär hätte das gedacht, noch vor ein paar Tagen. 600 Meter Schild ist passiert. Weiterlaufen! Nicht nachlassen. 400 Meter Schild vorbei. Ich kann nicht mehr. Was für eine Aktion. Der Rodgau Ultra Ende Januar war echt schlimm, aber das hier ist viel schlimmer. Das Museumsquartier kommt zum Vorschein, jetzt nur noch abbiegen, durchs Heldentor auf den Heldenplatz. Was für ein Moment. Die Menge jubelt. Ich bin total glücklich, dass ich das hier in dieser Zeit packe. Die letzten Meter. Der Zieldurchlauf. Grandios dieser Einlauf in Wien. Ein bisschen muß ich mit den Tränen kämpfen. Das ist jetzt alles zu ergreifend. Noch die Medaille umhängen und dann in die Fresszone im Schlosshof. Mir ist total übel. Ich glaub ich muß mich übergeben. Nur ganz langsam komme ich zu mir. Das hat wirklich alles abverlangt. Aber geschafft, die Zeit von 3:28:55 ist für meine derzeitigen Verhältnisse super. Heute Abend kann gefeiert werden. Wien ist einfach geil! Nach ein paar Wasser und einer Banane geht es mir zum Glück wieder besser. Jetzt noch Kleiderbeutel abholen, Wechselkleidung anziehen und dann in die Unterkunft zum Duschen.
Wieder mal super Stimmung am Heldenplatz
Nach 3 Stunden 28 Minuten Kampf auf der Strecke geht es endlich durchs Heldentor
Schnell die Wechselkleidung an und ab in die Unterkunft zum Duschen
Total platt aber glücklich geht es in die Unterkunft. Jetzt erst mal duschen und kurz ausruhen. Mit dem ausruhen wird es leider nichts. Ständig bekomme ich Wadenkrämpfe. Gegen 18Uhr fahren wir in den Praterpark. Da freu ich mich schon besonders drauf, denn es steht ein Treffen mit Alex und Christine im Schweizerhaus auf dem Programm. Alex ist mit 3:06 ne Wahnsinns Zeit gelaufen. Da kann man ja schön feiern.
Treff im Praterpark/Schweizerhaus zum feiern
Netter Abend im Schweizerhaus Alex, Anja, Christine, Frank
Am Montag geht es noch in den Tiergarten Schönbrunn. Leider regnet es fast die ganze Zeit, und ich habe ersthafte Sorgen dass ich mich gerade nach dem gelaufenen Marathon erkälte. Das wäre fatal, denn in 13 Tagen steht der Düsseldorf Marathon auf dem Plan. Nach dem Tiergarten nochmal ins Schloss Schönbrunn. Kulturprogramm muß sein! Wenn man schon mal hier ist. Abschluss Abends in einem schönen Lokal in der Nähe unserer Unterkunft im 20.Bezirk Brigittenau.
Nochmal Kulturprogramm: Tiergarten Schönbrunn und Schloss Schönbrunn
Trotz Regen, wars schön im Tiergarten. Kann man empfehlen.
Schloss Schönbrunn hat noch offen, also nehmen wir das auch noch mit
Dienstag ist Rückreisetag. Nochmal schnell ne Fahrt im legendären Riesenrad im Praterpark und dann geht es zum Hauptbahnhof zur Rückreise.
Was wäre Wien ohne die Riesenradfahrt?
Bevor man zum Riesenrad gelangt, kann man in einer schön gemachten Ausstellung noch alles über das Riesenrad erfahren
Man sollte die Fahrt wohl eher am Abend machen, wenn es dunkel ist. So spektakulär war das jetzt nicht.
Sehr schön in Wien wieder mal und das trotz schlechtem Wetter. Bin auch bereits zum 30. Wien Jubiläumsmarathon für 2013 angemeldet.
weitere Bilder kann man in den Berichten von 2011 und 2010 sehen.
Samstag, 28. Januar 2012
13. Rodgau Ultramarathon

Es ist mal wieder soweit. Der traditionelle Rodgau Ultra Marathon steht zum 4.Mal auf meinem Programm. Doch wie schon beim München Marathon ganz ohne Zeitziel. Ankommen heist es für mich seit der Knie OP im vergangenen Juni.
Das eigentliche Lauftraining war in den letzten Monaten total ins stocken geraten. Dank einer NNH OP Ende November und eines erneuten Klinikaufenthaltes kurz vor Weihnachten konnte ich den Dezember quasi komplett abhacken. Um so ehrgeiziger stieg ich wieder ins Training ein. Irgendwie noch halbwegs fit werden für den Rodgau Ultra. Schnell bekam ich im Training meine Grenzen gezeigt, wegen fehlender Ausdauer und die immer noch anhaltenden Folgen der NNH Geschichte. Die Sprunggelenke sind diesem brutalen Wiedereinstieg einfach nicht gewachsen, und ich bekomme ernsthafte Probleme eine Woche vor dem Ultra (rechter Fuß schmerzt beim auftreten). Daher beschließe ich nichts mehr zu machen, Sprunggelenk wird beim Wettkampf getaped, dann starten und schauen wie sich alles entwickelt.
Samstag 28.Januar
Ganz früh aufgestanden um noch schnell 2 Brote und ein Müsli zu essen. Dann Fahrt nach Dietzenbach um Yvonne abzuholen die auch für den Ultra gemeldet ist. Um 8Uhr bin ich bei Yvonne und haue mir gleich mal eine Packung Ultra Starter als 2.Frühstück rein. Keine Ahnung ob der Kram was bringt, aber ich habe mir ein paar Packungen gekauft und jetzt müssen die Dinger vorm Verfallsdatum verwertet werden.
Ich fahre mit Yvonne rüber nach Dudenhofen. Sie hatte in den letzten Monaten viel um die Ohren und konnte somit kaum trainieren. Ein paar Runden wären schön meint Sie. Also das sehe ich bei mir etwas anders. Sobald ich über die Startlinie gelaufen bin, dann werde ich das heute auch zu Ende laufen. Es sei denn es kommt irgendeine Verletzung.
Es haben sich sehr viele Läufer/innen vorangemeldet, entsprechend voll ist es beim Abholen der Startunterlagen.
Statistik Rodgau Ultra 2012:
Voranmelder: 1141
Starter: 833
Finisher: 554
Man trifft noch ein paar alte Bekannte, trinkt Kaffee und bereitet sich schon mal so langsam auf die 50km vor.
Noch bester Laune vor dem Start, Yvonne, Frank, Sven und Kathrin
Wie üblich der Fußmarsch zum Start über die Brücke der B45. Das geht jetzt noch so leicht und locker, aber aus Erfahrung weis ich, dass dieser lächerliche Fußmarsch nach dem gelaufenen Ultra zurück zu den Duschen eine extreme schmerzhafte Prozedur werden wird.
Startplatz ist das vertraute Gelände am Gänsbrüh. Die Strecke wie immer die gleiche. 10 Runde a 5km müssen gelaufen werden. Es gibt auf dieser Strecke keinen Highlight oder irgendetwas außergewöhnliches, trotzdem ist Rodgau Ultra der 50'er Kultlauf schlechthin. Das beweist immer wieder das große Starterfeld mit vielen bekannten Ultragrößen nicht nur aus Deutschland.
Ich deponiere noch schnell den Läuferbeutel, kurz nochmal ins Gebüsch und schon geht es los.
Runde 1 - 27:26,9 -> 5:29min/km
Ich habe mich ganz hinten aufgestellt, bin ja nicht fit. Doch dieses Tempo und die enge im Starterfeld macht mich ganz verrückt. Kaum ne Gelegenheit zu überholen. Aber dieses "ausbremsen" ist heute gerade am Anfang sehr wichtig. Wenn ich hier gleich zu Beginn etwas flotter loslaufe, dann werde ich nicht weit kommen. Nach der Wendepunktstrecke und KM3 Marker hat sich das Feld auseinander gezogen. Es läuft sich viel angenehmer und nicht so beengt. Das angeschlagene Sprunggelenk verhält sich sehr gut. Das hätte ich nach diesen Schmerzen (in Ruhestellung) unter der Woche so nicht erwartet. Die Runde ist schnell gelaufen, vorbei an der Grillhütte. Ein paar Zuschauer stehen trotz der Kälte dort und muntern uns auf. 27:27 Minuten für die erste Runde ist genau richtig. Die nächste wird erfahrungsgemäß schneller werden.
Runde 2 - 24:52,0 -> 4:58min/km
Jetzt läuft es richtig gut. Es ist Platz auf der Strecke. Ich bin nur noch am überholen. Keine Spur von Ermüdung. Ich fühle mich gut, also bleibt die Pace unter 5min/km.
Runde 3 - 23:56,7 -> 4:47min/km
Ich fühle mich wie ausgewechselt. Unglaublich was die Wettkampfatmosphäre ausmacht. Im Training wäre ich jetzt schon platt. Aber hier lege ich weiter zu. Hoffentlich rächt sich das später nicht.
Runde 4 - 24:06,2 -> 4:49min/km
Weiter im Takt immer noch flott unterwegs. In jeder Runde gibt es einen warmen Tee. Die Getränkeaufnahme beim laufen geht noch gerade so. Ein leichter Stau bildet sich aber bereits am Verpflegungsstand. Ein Läufer fragt mich nach meiner Zielzeit, und wundert sich über die Aussage von "ankommen" oder "um die 4:30". Er kennt mich noch vom letzten Jahr als ich den Rodgau Ultra unter 3:45 finishen konnte. Tja die Zeiten ändern sich, nichts ist mehr wie vor der Knie OP, man wird bescheiden. Die ganze Runde lang habe ich jetzt beste Unterhaltung, das lenkt ein bisschen ab. Denn langsam merke ich den Kräfteverschleiß.
Runde 5 - 24:13,4 -> 4:50min/km
Die Unterhaltung muß ich jetzt abbrechen, ich kann das Tempo nicht mehr mitgehen. Erstes Gel wird eingenommen. Es gibt leider nur Sprudel Wasser am Verpflegungsstand, ob das gut geht? Hab ja keine andere Wahl. Kurz nach dem ersten KM Marker steht schon die ganze Zeit Yvonne's Fanclub in der Kälte mit Getränken und Anfeuerung bereit. Tolle Sache, danke an die Dietzenbacher! Leider ist Yvonne kurz vorher ausgestiegen und sitzt nun ebenfalls in Decken eingehüllt an der Strecke. Weiter geht es die leichte Steigung rauf. Ich fange an mich zu quälen für dieses Tempo. Im Zieldurchlauf beträgt meine gesamt Schnitt Pace jetzt 4:59min/km.
Runde 6 - 24:34,2 -> 4:54min/km
Klar, das geht nicht mehr lange weiter so. Ich verliere an Tempo. Es ist ja gerade mal die Hälfte gelaufen. Die Füße tun auch schon weh. Also vor KM30 sollte ich noch nicht mit dem Jammern anfangen! Nochmal die Zähne zusammen beißen. Das lief doch bisher so gut. Noch einmal die Schnitt Pace gesteigert auf 4:58min/km.
Runde 7 - 25:59,4 -> 5:11min/km
Nun folgt der langsame Absturz. Ich wehre mich gegen den Einbruch. In dieser Runde komme ich mit einer akzeptablen Tempoverlangsamung gerade nochmal so rum.
Runde 8 - 27:14,5 -> 5:27min/km
Hatte ich in meiner Euphorie bereits Hochrechnungen von Endzeiten 4:10 - 4:15 angestellt, muß ich jetzt erkennen, dass es hier nur noch ums ankommen geht. Bloß nicht aufgeben! 2.Gel rein! Die Füße schmerzen, schon seit dem Start müßte ich eigentlich mal kurz austreten. Komm, scheiß egal jetzt. Ab in den Wald zum pinkeln. Das kostet mich locker 30 Sekunden! Und noch viel schlimmer, ich komme kaum mehr in die Gänge. Nächste Runde ist der Marathondurchlauf, das ist jetzt erst mal mein nächstes Ziel. Dranbleiben! Aber nur wie? Ich hab doch nur 4 Wochen am Stück richtig trainiert. Wo sollen denn die Körner für die letzten 2 Runden herkommen?
Runde 9 - 28:48,6 -> 5:45min/km
Immer noch 10km zu laufen. Ein Drama zeichnet sich ab! Für einen Marathon würde es reichen, aber einen 50'er. Aufgeben kommt überhaupt nicht in Frage! Nochmal ran an den Getränkestand. Hier ist jetzt wirklich viel los und ich nehme das Getränk sogar im gehen auf. Becher weg und wieder anlaufen. Oh das tut so weh! Ich bin am Ende! Steigung rauf. Durchbeißen jetzt. Das Marathonschild kommt. 3:35:09 für 42,2. Das ist für meinen Trainingsstand super! Über 13 Minuten schneller als München Marathon im Oktober unter ähnlich schlechten Voraussetzungen. Die 7,8km schaffe ich jetzt irgendwie auch noch. Wendepunktstrecke, was für ein Krampf das erneute anlaufen. Jede Bewegung schmerzt. An mir ziehen die schnelleren vorbei. Die werden nach dieser Runde finishen. Ich muß noch eine laufen! Selbst der abschüssige Zieldurchlauf fällt nicht mehr leicht.
Runde 10 - 29:27,3 -> 5:53min/km
Nur noch diese 5km. Das geht noch! Rum um die Kehre. Nächstes Ziel der Verpflegungsstand. Wieder nur im gehen das Getränk aufgenommen. Ich kann einfach nicht mehr. Weiter im Trab. Anders kann man das nicht mehr bezeichnen. Noch 4km, was für eine unglaubliche Aktion. Nochmal die Steigung rauf gekrochen. Durch den Wald, noch 3km, das muß doch irgendwie klappen. Auf die Uhr darf ich gar nicht mehr schauen. 5:55min für den letzten KM. Aber das ist jetzt völligst egal. Nur noch durchkommen. Zum letzten mal der Wendepunkt. Die Strecke zum nächsten KM Marker will einfach nicht enden. Noch ein letztes Mal durch das Feld. Es sind doch nur noch 2km aber es ist so brutal. Ich schleppe mich über die Strecke. Selbst kleinste Steigungen hauen mich um. Noch 1km, und der ist doch zum größten Teil abschüssig. Nur noch runter zum Zielbereich. Wo bleibt nur die Zeitanzeige. Noch ca. 500 Meter. Was freue ich mich auf die Getränke. Nur noch ankommen. Der Zielbereich kommt näher, ich werde es tatsächlich schaffen. Wie geil, das Ziel kommt immer näher. Ich habs geschafft. Nur noch über die Messmatte. Jaaaa! Ich bin viel zu platt zum jubeln oder freuen. Erst mal was trinken. Ich bin völligst von der Rolle. Gleich zum Läuferbeutel und die Jacke drüber ziehen.

Jetzt kommt die Verlängerung vom Ultra.
Es beginnt der qualvolle Fußmarsch zu den Duschen. Schön langsam einen Fuß vor den anderen. So werde ich eine halbe Ewigkeit brauchen. Aber das ist mir furz piep egal. Nach einer gefühlten Stunde erreiche ich endlich mein Auto, welches ich schlauer Weise direkt an der Brücke geparkt habe. Zu den Duschen fahre ich! Keinen Schritt mache ich mehr. Also Motor starten und Gas geben. Aber was ist das? Die Wade krampft sofort zu! Erst mal die Sitz ganz vorstellen und nochmal versuchen. Geht schon besser.
Die Duschen sind wie immer kalt. Nicht schön nach so einem Lauf, aber dafür kein Gedrängel unter den Duschen. Die meisten machen sich nur frisch und verschwinden gleich wieder. Einen Vorteil haben die kalten Duschen schon, man wird relativ schnell wieder fit für die Siegerehrung.
Kaffee, Kuchen und nette Unterhaltung unter lauter Lauf Verrückten runden den schönen Samstag ab. Ach so die Zeit, sollte ich auch mal nachsehen. 4:20:39 da bin ich zufrieden.
Sonntag, 9. Oktober 2011
26.München Marathon

Die Probleme reißen nicht ab, nach dem nicht gelaufenen Berlin Marathon. Ganz im Gegenteil es wird immer schlimmer. Die Woche nach Berlin werden die Schwindelprobleme schlimmer. Am Mittwoch dann geht gar nichts mehr. Ich gehe direkt von der Arbeit ins Krankenhaus. In der Aufnahme können keine besonderen Auffälligkeiten festgestellt werden. Trotzdem werde ich aus Sicherheitsgründen eingewiesen. Alles dreht sich, der Kopf, die Nase pumpt. Vielleicht auch besser so dass ich jetzt im Krankenhaus bin denke ich mir. Der München Marathon rückt immer weiter weg. Donnerstags nur auf Station. Keine Untersuchungen. Aber Freitags dafür das komplette Programm. Herz Ultraschall, Langzeit EKG mit Blutdruck und Vorstellung beim Neurologen. Zum Glück keine Probleme festgestellt worden. Der Neurologe erklärt die Schwindelgefühle und den Druck im Kopf mit einer Nasennebenhöhlenentzündung. Ich darf zum Glück wieder das Krankenhaus verlassen. Immer noch dreht sich alles. Jetzt habe ich ja Urlaub und hoffe dass ich die Schwindelgefühle mit etwas Ruhe wieder losbekomme. Es gibt ja immer noch das Ziel München Marathon! Vom Kreislauf gibt es keine Probleme, von daher gab es auch keine Einwände der Ärzte gegen einen Start.
Am Montag wird es besser, noch 6 Tage bis zum Marathon. Ich riskiere einen Trainingslauf über 12km. Es geht, aber Puls sehr hoch. Alles ziemlich anstrengend. Ganz klar ich bin krank!
Dienstag Vorstellung beim HNO. Tja das war zu befürchten, die Nebenhöhlen müssen operiert werden da die normalen Medikamente nichts bringen. Trotz alle dem gibt auch der HNO sein OK zum Marathonlauf.
Wieder Lauftraining, jetzt kommt das operierte Knie wieder hinzu. Total instabil, manchmal zieht es auch für einen kurzen Moment. Das ist doch alles zum verrückt werden.
Mittwoch morgen beim Physio eine Sitzung eingeschoben, ganz klar die Oberschenkelmuskulatur hat rapide abgenommen. 10 Tage ohne Training und schon ist alles wieder dahin was man sich müheseelig aufgebaut hat. Ich werd' hier noch verrückt. Noch ist es nicht zu spät die Unterkunft in München zu stornieren! Nix da das muß jetzt klappen. So wie es aussieht ist das meine letzte Chance auf einen Marathon in 2011! Wenn erst mal die nächste OP kommt, und der damit verbundene Trainingsausfall von mindestens 3 Wochen fange ich wieder bei absolut null an.
Laufen wäre heute nicht so gut, daher lieber bisschen Rad und Gerätetraining im Fitnessstudio.
Donnerstag ne ganz kurze Runde über 7,5km gelaufen. Das wars. Mehr geht nicht mehr bis München, denn morgen muß ich doch tatsächlich während meines Urlaubes in die Firma kommen. Es ist wirklich zum kotzen, die gönnen einem aber auch keine Verschnaufpause. Wie soll man da wieder auf die Beine kommen?
Freitag wie befürchtet den ganzen Tag in der Firma. Abends gerade noch genug Zeit um die Sachen zu packen und frühzeitig ins Bett zu gehen. Ich kann kaum schlafen. Die Nase drückt wieder mehr, der Kopf dröhnt. Ich hab's gewußt, der Tag in der Firma war zu viel für den angeschlagenen Körper.
Samstag morgen kaum Besserung, Tasche geschnappt und ab zum Bahnhof, immer wieder Nasenspray um den Druck los zu werden. Ich fühle mich wie vor zwei Wochen in Berlin. Klappt das in München auch wieder nicht?
Sogar die Zugfahrt wird zur Qual. Ein unfreiwilliger Halt von einer Stunde zwischen Ulm und Augsburg. Die Fahrgäste werden unruhig. Doch eine mitgereiste Nonne unterhält das Abteil mit Musik.

Super Unterhaltung bei unfreiwilligem Bahnstop! Eine Nonne spielt "über den Wolken", zwei leicht angeheiterte Schweizer singen den Text dazu
Mit einer Stunde Verspätung endlich in München angekommen. Erst mal zur Unterkunft die schwere Tasche abgeben, dann geht es zur Marathonmesse die Unterlagen klar machen.
Um die Zeit bis zum Abendessen zu überbrücken, fahre ich in die Innenstadt. Ich laufe über den Marienplatz, mir drückt wieder mächtig die Nase und die Ohren. Ich überlege schon wieder ob das so eine gute Idee war doch nach München zu fahren. So kann ich doch unmöglich einen Marathon laufen!
Am Abend ist noch ein netter Treff im Schwabinger Restaurant "Italy" mit Runnersworld Forumsmitglieder Daniela + Mann, Tobi aus München und Ich. Mehr Leute haben sich leider nicht gefunden. Gerne wäre ich noch länger geblieben, aber mir geht es echt beschissen, ich will nur noch in die Unterkunft und schlafen. - Hier noch mal sorry an euch drei, dass ich nicht so gut drauf war. Es hat mich trotzdem gefreut euch zu treffen.
In der Jugendherberge gibt es leider auch keine Ruhe. Im Keller ist eine Disco und dort brennt echt die Luft. Ich lege mich ins Bett, versuche zu schlafen, aber immer wieder dröhnt Shakira aus der hauseigenen Disco "Waka Waka - this time for Africa". Als nun endlich die Disco geschlossen hat, geht es weiter mit schlagenden Türen und johlenden Teenies. Aber irgendwie schaffe ich es doch einzuschlafen und wache relativ gut um 6Uhr morgens auf.

Da fühl ich mich doch gleich wie daheim. Brezel Ditsch im Münchner Hauptbahnhof

Auf dem Weg zur Marathonmesse, das Olympiastadion, das große Ziel für morgen

Turnerin kurz vor der Event Arena (Marathonmesse)

Joggl das Maskottchen vom München Marathon

Freundliche Mädchen in Landestracht geben mir die Startunterlagen

Marienplatz, bisschen Innenstadt besichtigen mit dröhnendem Kopf

meine Unterkunft, das Hostel "Haus International München"

mein Zimmer, als Einzelzimmer 2 Nächte mit Frühstück für insgesamt 66Euro
Sonntag 9.10.2011
Der Wecker klingelt um kurz nach 6:00Uhr. Obwohl die ganze Nacht eine Disco-Party im Hostel zugange war, konnte ich doch ein wenig schlafen. Der Kopf fühlt sich etwas besser an als gestern Abend. Trotzdem Druck auf den Ohren und der Nase. Erst mal frühstücken gehen und weiterschauen.
Das Frühstück tut gut. 2 Brötchen bisschen Joghurt und natürlich viel Kaffee. Ein paar Läufer haben sich bereits im Speisesaal eingefunden. Man plaudert ein bisschen über das miserable Wetter und natürlich welche Kleidung denn die richtige ist bei fröstelnden Temperaturen.

Bereit für den Fußweg zum ca. 2km entfernten Olympiagelände
Ich bin noch unschlüssig, packe mal alles ein, der Läuferbeutel ist zum Glück groß genug. Kurz nach 8:00 Uhr laufe ich die 2km zum Olympiagelände. Ich treffe auf einen Läufer aus Graz und so wird der Weg nicht so langweilig. Wir plaudern über den Graz Marathon, Wien Marathon und natürlich mache ich wieder mal Werbung für den Luxemburg Marathon. Am Olympiagelände angekommen gehe ich nochmal den Umweg in die Messe um mir eine Überziehtüte für den Start zu holen. Es ist saukalt. 6° Grad werden es wohl sein, aber bestimmt nicht mehr. Waren es vor 3 Tagen noch weit über 20° Grad, so trifft einen dieser Temperatursturz besonders brutal. Weiter ins Olympiastadion. Jetzt muß ich mich entscheiden, bevor ich den Kleiderbeutel abgebe. Immer wieder drücken die Ohren und die Nase. Leichte Schwindelgefühle bekomme ich auch wieder. Was für eine Nummer wird das heute werden? Ankommen wäre wirklich gut. Das alles ohne richtiges Training, das operierte Knie ist noch lange nicht wieder ok. Die 10 Tage Zwangspause. Wie soll das nur über 42,2km gutgehen? Auf jetzt komm‘ los geht’s. Ich entscheide mich für kurze Hosen, dünnes Langarmshirt, darüber ein kurzes Laufshirt, Halstuch und ein weiteres Tuch zusammengefaltet über die Ohren und Stirn. Zum letzten Mal ne Ladung Nasenspray in den Kopf, Läuferbeutel weg und los geht der 15 minütige Fußmarsch zum Start in der Ackermannstraße.
Es gibt zwei Blöcke. Einen für Sub 3:45 und den anderen für langsamer als 3:45. Halbmarathon, 10km und der ganze andere Kram wie Staffel, S’cool Lauf startet zum Glück wo anders.
Ich stelle mich ganz hinten an. Der erste Block startet um 10Uhr. Weitere 10 Minuten später fällt nun endlich auch der Startschuss für meinen Block. Ich bin froh, dass es nun endlich losgeht, mir ist saukalt. Weg mit der wärmenden Tüte über die Absperrung. Die Startline rückt näher, ja und ich bin dabei! Wer hätte das vor einer Woche noch gedacht.

Kurze Hosen, Langarmshirt, Halstuch und Kopftuch ist meine Wahl

Weg mit dem Kleiderbeutel, jetzt wird es ernst

Schon wieder laufen (zum Start 10-15min), und der Marathon hat noch gar nicht angefangen

München wird in zwei Blöcken gestartet, für mich heute mal der "über 3:45"
Um 10 Uhr 10 überquere ich die Messmatte von Mika Timing und die Uhr läuft!
Wie soll ich den Lauf angehen? Erst mal schön langsam und schauen was Puls und Knie macht. Ich laufe in der Menge mit, aber das nervt natürlich alles so eng hier und das Tempo dürfte so etwa schnelleres gehen sein. Abzweig in die Elisabethstraße, endlich mehr Platz. Die üblichen Manöver beginnen. Erste KM Marke kommt. 6:03min, Puls 131(73%). Ich werde schneller, so werde ich ja nie fertig. KM2 mit 5:25min/km gelaufen, Puls 140(78%). Weiter in der Franz Joseph-Straße, Abzweig Leopoldstraße. Hier ist jetzt schon gute Stimmung, das Marathonfeeling ist wieder da! Ich strahle, freue mich einfach nur dabei zu sein. Wir laufen auf das Siegestor zu, gleich dahinter kommt die Wende und es geht die Leopoldstraße wieder rauf. KM3 und 4 mit 5:46 bzw 5:40min/km wieder etwas langsamer. Was sind das für Zeiten? Noch vor 4 Monaten war ich in einer ganz anderen Klasse unterwegs. Aber heute geht es nicht um die Sub 3 oder irgendeine AK Platzierung. Heute heißt es wie für viele andere Starter auch, schlicht und ergreifend: durchkommen, wenn möglich ohne Gehpausen!

Siegestor München, der erste Highlight des München Marathons. Bildquelle: Ogmios
Vorbei an der Erdinger Power Zone. Die 5km Marke kommt bald. Dann wird hochgerechnet. Getränkestand kommt. Trotz eisiger Temperaturen ist das heute sehr wichtig mit dem Wasser. Ein Schluck wird getrunken, der Rest wird gleich über das lädierte Knie zur Kühlung geleert. Eine gute Idee die mir mein Physio mit auf den Weg gegeben hatte. 5km Marker. Die Uhr zeigt 28:26 Minuten. Puls hat sich bei 140(78%) eingependelt. Im Moment geht es mir noch gut und schon rechne ich die Zeit hoch. So wird es nichts werden mit einer Zeit unter 4 Stunden. Ich muß ein wenig das Tempo erhöhen. Wir verlassen die Leopoldstraße Richtung Englischer Garten. Über die Mandlsstraße weiter in den Norden. Die Zeiten pendeln sich jetzt unter 5:30min/km ein. Puls klettert weiter aber alles noch im grünen Bereich. Bei KM8 geht es nun endlich in den Englischen Garten. Denn schon die ganze Zeit drückt mir die Blase. Was ich normalerweise wegen der Zeit nie machen würde, kann ich mir heute doch locker erlauben. Schnell rein ins Gebüsch, Geschäft erledigt, zurück auf die Strecke und Zeit wieder reinholen bis zum nächsten KM Marker. Jetzt wieder die Messmatte bei KM10. Nun bin ich echt gespannt. 55:45min. Schon besser! Damit bin ich wenigstens schon mal auf Kurs Sub 4. Immer weiter im Englischen Garten. Ich konnte mir vorher gar nicht vorstellen, dass es einen so großen Stadtpark gibt. Sogar eine riesige Schaaf Herde gibt es hier! Und das mitten in der Stadt. Weiter in Richtung Süden. Ich sehe vor mir den Pacemaker für die 4 Stunden. Da muß ich vorbei! Eine riesige Traube hat sich um den Pacemaker gebildet. Da ist es schwer vorbei zu kommen. Gerade hier im Englischen Garten, wo die Wege nicht so breit sind. Ich wurschtele mich durch. Das wär geschafft. Ein Blick auf die Uhr zeigt einen immer mehr steigenden Puls. Das sind Werte die ich normalerweise bei einer Pace von 4:30 hätte, aber im Augenblick bin ich nur knapp unter 5:30min/km. Ich kann mir das nicht mehr mit ansehen, da macht man sich ja nur verrückt. Schnell mal die Einstellung am Forerunner geändert. Das war doch klar mit dem Puls. Ich habe einen riesigen Trainingsrückstand und fit bin ich erst recht nicht. Jetzt aber wieder aufs laufen konzentrieren denn die 15km Marke kommt. 1:22:44 das macht ein Schnitt von 5:31min/km also Endzeit um die 3:53. Aber bis dahin ist ein langer Weg. Wir verlassen den Englischen Garten und es geht wieder in die Stadt. Über die Isar rüber und ein langgezogener Anstieg rauf nach Oberföhring. Sowas bin ich nicht mehr gewohnt, und schon gar nicht das Knie. Ein leichtes ziehen am Innenband stellt sich ein. Ich wechsele ständig die Straße von links nach rechts um die beste Position für angenehmeres Laufen zu finden. Aber egal wie, so richtig weg geht es nicht mehr. Jetzt nicht ausflippen, ganz cool bleiben und weiterlaufen. Die Steigung läßt nach und irgendwie auch das ziehen am Innenband. Die Oberföhringer Straße wird nach rechts verlassen auf "an der Salzbrücke" die Querverbindung rüber zur Cosimastraße. KM19 ist erreicht. Mir geht es immer noch gut, bin ständig am überholen. Hier ist es jetzt doch ein bisschen öde. Nix los hier und auch der Streckenabschnitt gibt nicht viel her. Aber bald kommt der Halbmarathondurchlauf, dort sollte wieder was los sein, denn hier wurde auch gleichzeitig der Halbmarathonlauf gestartet, so dass jeder Starter den Zieleinlauf im Olympiastadion hat. Hier ist jetzt wirklich ein bisschen Stimmung und das ist auch echt nötig. 21,1km die Uhr zeigt 1:55:43 wenn ich da noch zulegen kann, dann ist vielleicht sogar ne Endzeit von unter 3:50 drin. Vorsicht! Nicht zuviel verlangen. So weit wie jetzt bin ich seit der Knie OP im Training gar nicht gelaufen. Also bleibt abzuwarten, wie ich das ganze konditionell verkrafte. Es geht durch den Stadtteil Bogenhausen. Ich spule weiter mein Programm ab. Um mich ein bisschen abzulenken spreche ich einen Läufer an. Na, was willst du denn heute laufen? Unter 4 Stunden, ist mein erster Marathon. Das packst du locker sag' ich ihm und ziehe weiter. Wir sind jetzt am östlichsten Teil der Strecke. Weiter durch den Stadtteil Berg am Laim KM25 kommt und ich bin immer noch gut drauf. Sogar die Kopf Probleme mit Nase, Ohren usw. merke ich im Augenblick nicht. Von weit her kann ich den guten alten Judas Priest Klassiker "United" hören. Gespielt von einer der zahlreichen Bands an der Strecke. Das macht Spaß, da gibt es extra Applause von mir für die Band. Abzweig in die Friedensstraße, vorbei am Ostbahnhof. Wieder merke ich das OP-Knie, aber auch das andere Knie macht sich ganz leicht bemerkbar. Also scheinbar die ganz normalen Marathonerscheinungen. Abzweig Rosenheimer Straße, KM27 schon passiert. Schnitt jetzt weit unter 5:30min/km. Hoffentlich kann ich das halten bis zum Ende. Für diese Distanzen habe ich nicht trainiert. Aber von Ermüdungserscheinungen keine Spur. Also immer weiter. Es geht über die Ludwigsbrücke, unter uns die Isar und die Museumsinsel mit dem bekannten Deutschen Museum München. Jetzt wird es wieder interessant, die Innenstadt rückt näher. Vorbei am Isartor weiter Richtung Altstadt.

KM29, vorbei am Isartor. Bildquelle: Stafan Beck
Das alte Rathaus kommt zum Vorschein, da noch durch und schon sind wir auf dem Marienplatz, was für ein bewegender Moment. Ich laufe durch das Tor vom alten Rathaus, vor mir erscheint das Münchner Rathaus davor die Mariensäule. Hier ist wieder tolle Stimmung mit Moderation. Ja und ich glaub das nicht mein Name wird durchgesagt. Ja, und ich bin dabei! Gestern noch als ich genau hier entlang lief, schien alles vorbei zu sein. Aber nun laufe ich den München Marathon. Ein paar Tränen muß ich hier schon verdrücken. Runter den "Oberanger" bis zum Sendlinger Tor. Die 30km Messmatte überquert in 2:42:54. Die Sendlinger Strasse wieder rauf zum Marienplatz. Noch einmal die tolle Stimmung aufschnappen, nicht mal mehr 12km bis zum Olympiastadion. Das packe ich heute, los dranbleiben.

Darauf habe ich gewartet durch Alte Rathaus auf den Marienplatz. Bildquelle: Christian Kreiß
Was für ein Anblick, den ich gestern schon fast abgeschrieben hatte, das Münchner Rathaus

KM30 Marke am Sendlinger Tor den Rest schaff' ich auch noch. Bildquelle: Ramgeis
Die Residenzstraße rauf. Vorbei am Nationaltheater und Odeonsplatz. Abzweig in die Theresienstraße. KM32 ist schon passiert, 2:53:27 noch gut 10km zu laufen. Jetzt will ich auch die Sub 3:50 packen! Also nochmal Zähne zusammenbeißen für den Rest der Strecke. Auf der anderen Seite kommen uns schon die ganzen Läufer/innen entgegen welche schon die Schleife in der Maxvorstadt gelaufen sind. Ich muß noch durch. Die Sonne scheint jetzt, es ist heute einfach herrlich trotz Temperaturen unter 10° Grad. Abzweig in die Arcisstraße vorbei an der technischen Universität. Links rum zum Karolinenplatz. Jetzt die Schleife über die Brienner/Otto/Max-Josephs-Straße laufen, nochmal Karolinenplatz. Gerade zu auf den Königsplatz.

Karolinenplatz, Bildquelle: Schlaier

Königsplatz noch gut 7km jetzt wird es zur Qual, Bildquelle: Tkarcher
Noch ein bisschen mehr als 7km, es wird langsam zur Herausforderung. Wieder rechts rum auf die Luisenstraße. Zurück über die Theresienstarße zur Leopoldstraße. Nochmal Schleife laufen. Wo bleibt denn der KM Marker. Endlich! Was? 6:38min für km37? Was ist denn hier los? Da stimmt doch was nicht. Leichte Verunsicherung macht sich breit bei mir. Bin ich schon am Ende? Zurück über die Franz-Joseph-Straße. KM38 kommt, jetzt bin ich gespannt. 5:21min/km also alles im Lot. Gesamtzeit 3:25:59. Noch 24 Minuten für 4,2km. Das muß zu packen sein. Jeder Kilometer zieht sich ewig. Aber das kennt man ja schon. Ich mobilisiere die letzten Reserven. KM39 in 5:17, immer noch kein Olympiapark in Sicht. Weiter durch die Elisabethstraße KM40 Schild ist in Sicht 5:30min/km Gesamtzeit 3:36:46 also noch gut 13 Minuten für 2,2km. Das wird reichen. Es geht vorbei an meiner Unterkunft. Von hier aus bin ich heute morgen noch losgegangen zum Olympiagelände. Da bin ich ja vor dem Start schon locker 3-4km gelaufen. Endlich der Abzweig in die Ackermannstraße kommt. Jetzt ist es doch nur noch ein Klacks. Rein in den Olympiapark, ich höre schon die Ansage vom Stadion.

KM41. Das lasse ich mir jetzt nicht mehr nehmen.
KM41 ist non auch geschafft. Obwohl total am Ende, genieße ich diesen letzten KM. Es geht links am Stadion vorbei, der Eingang will einfach nicht erscheinen. Dann der Abzweig in den Marathontunnel. Ich hab es doch tatsächlich geschafft. Lichter blitzen im Tunnel, raus ins Stadion. Und was ich da erlebe, hätte ich mir nicht träumen lassen. Das gigantische Olympiastadion, aus den Lautsprechern dröhnen die Sportfreunde Stiller mit "ich wollte dir, nur mal eben sagen.....". das ist so überwältigend nach den ganzen letzten Wochen voller Rückschläge, der gepatzte Berlin Marathon vor 2 Wochen, und jetzt laufe ich die letzte Runde im Olympiastadion. Ich muß losheulen, das ist jetzt wirklich zu viel mich. Noch nie waren die letzten 300 Meter eines Marathons so ergreifend. Immer wieder schaue ich in die große Runde der Zuschauerkurven, das Plexiglasdach. Vergessen sind in diesem Moment alle Problem, alle Sorgen. Der Zielbogen kommt näher, ja geschafft!!! 3:48:26 das ist ja der Wahnsinn. Gleich mal an den Erdinger Alkoholfrei Stand gehen. Das schmeckt so gut, Jetzt noch ein paar Brezeln und Schokoriegel reinfuttern. Ist das geil hier! Nur strahlende Gesichter.

Die letzte Runde im Olympiastadion bringt mich zum heulen
Zieleinlauf nach 3:48:26

Überglücklich, trotz aller Probleme München gefinished.

letzte Hürde, der Aufstieg nach dem Lauf zu den Kleiderbeuteln

Für Michel Descombes ist nun auch endlich das Ziel erreicht. Danke fürs anfeuern an der Strecke!

Geduscht wird in der Olympiasporthalle, wer mag darf kostenlos das Schwimmbad nutzen

Das hab ich mir jetzt verdient, reichhaltiges Abendessen

Danke München für dieses tolle Erlebnis, in einer Zeit in der nicht alles rund läuft.
Sonntag, 25. September 2011
38.Berlin Marathon

Es hat nicht sollen sein und am Ende hat wohl die Vernunft gesiegt.
Was ist passiert?
Hatte ich am letzten Wochenende noch 2x21km geschafft und war zuverlässig den Berlin Marathon irgendwie zu laufen, wurde die Situation zum Marathon Wochenende hin immer schlechter. Dienstag und Mittwoch noch je 10km gelaufen wie geplannt. Bisschen platt aber vom OP Knie her wars eigentlich ok.
Atemwegsprobleme hatte ich ja schon seit der Erkältung nach dem Mannheim Marathon, doch der behandelnde Arzt hatte keine Bedenken.
Freitag dann leichtes Drücken in der Nasenhöle, Ohren und Hals. Es wurde immer schlimmer. In der Hoffnung, es könnte über Nacht besser werden hab ich mich früh ins Bett gelegt.
Samstag 25.Sep.
Nach langen hin und her überlegen, bin ich um 6 Uhr ins Auto gestiegen und nach Berlin gefahren. Schon auf der Fahrt wurde es immer unangenehmer. Ohren, Hals, Nase alles pocht nur noch. Dazu die alt bekannten Luftprobleme mit dem Schleim. Zum kotzen! Nach 7 stündiger Autofahrt die Startunterlagen klar gemacht. Hab meinen Starterblock von Sub3 auf Sub4 ändern lassen. Jetzt ab in die Jugendherberge. Was für ein Glück, Einzelzimmer! Ab ins Bett gelegt und versucht irgendwie noch zu erholen. Ich werde ständig wach. Mir ist schwindlig, alles pocht. Ich habe heute schon 5 Liter Wasser gesoffen, da stimmt doch was überhaupt nicht. Dann doch irgenendwie geschlafen bis um 5 Uhr.
Ewig weit weg geparkt vom Eingang der Messe im stillgelegten Flughafen Tempelhof
Vorfreude auf den Marathon bei allen Besuchern der Messe. Bei mir dagegen herschen nur Zweifel und Fragen
schnell noch mal den Startblock von Sub3 auf Sub4 ändern lassen.
Mich motiviert heute gar nix mehr. Die Vorfreude ist dahin. Mir geht es beschissen
Sonntag 26.Sep.
Immer noch schwindelig, etwas besser als gestern. Ich überlege hin und her. Hab schon viele verrückte Dinger beim laufen gedreht, aber das jetzt geht einfach zu weit. Fassen wir zusammen.
vorher bekannte Probleme:
- viel zu wenig Trainingskilomter für einen Marathon
- OP Knie noch immer nicht richtig fit
- Luftprobleme
neu dazu gekommen:
- Schwindelgefühle
- Ohren, Hals und Nase pumpt
- Puls leicht erhöht
Das alles ist einfach zu viel um da irgendwie durchzukommen. Zeit würde sowieso keine Rolle spielen, aber selbst im 6'er Schnitt wird das zu einem Abenteuer, bei dem man wahrschienlich irreparabele Schäden davontragen würde.
Also: kein Start!!!
Ich packe die Sachen und fahre vernünftigerweise etwas traurig nach Hause. Irgendwie wird das wohl nix mit mir und Berlin. Schade!
Ich bin schon fast zu Hause, da höre ich von dem neuen Weltrekord im Radio. Wahnsinn 2:03:38!!! und ich war nun doch nicht dabei.
Ein weiterer schwarzen Tag in meiner Hobbyläuferlaufbahn. Nun werde ich alles dran setzen, um irgendwie wieder fit zu werden für München Marathon in 2 Wochen. Hoffentlich wird das wenigsten klappen.
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