Sonntag, 17. April 2011

28.Vienna City Marathon



Die letzten beiden Wochen vor dem Marathon

Denkbar schlecht verlief die Vorbereitung. Ständige Knieprobleme und Gelenkschmerzen zwingen mich dazu, das Trainingsprogramm zu ändern bzw. sogar auszulassen. 2 Wochen vorm Wien Marathon dann die fixe Idee, einfach den Freiburg Marathon als langen Lauf zu nutzen. Am Ende dann doch das Tempo angezogen. Egal, schön war‘s. Also was soll‘s. Die Woche nach Freiburg bekam ich immer mehr Gelenkschmerzen. In Ruhestellung sogar schlimmer als beim Laufen. Trotzdem das Training weiterhin durchgezogen. Sogar eine Woche vor Wien den langen Lauf mit komplett getapter Achilles Sehne versucht zu laufen. Aber ab KM 11 bekam ich solche Schmerzen in der Sehne, so dass ich den langen Lauf gerade noch so nach Hause joggen konnte. 1 Woche bis Wien. Der Highlight schlechthin. Das ist doch mein Lauf! Was soll ich jetzt machen? Komplettes Trainingsverbot! Bei jeder Treppenstufe meldet sich die Sehne. Das wird nichts werden und dann diese ständigen Gelenkschmerzen. Dazu kommt noch ein kribbeln in den Füßen bis hoch zu den Knien. Was ist da nur? Wahrscheinlich liegt der Ursprung dieser ganzen Geschichte nicht unbedingt mal beim laufen. Da ich mich seit inzwischen 17 Jahren mit einer chronischen Darmkrankheit rumärgern muß, vermute ich hier eher die Ursache für die ständigen Gelenkschmerzen. Schnell noch mal einen Termin am Freitag morgen bei der Ärztin bekommen. Mittwochs noch mal in eine Physio-Sitzung investiert. Immer schön Gelenke gekühlt und Dehnübungen für die Sehne gemacht. Ich will Wien unbedingt laufen. Wenigsten einfach nur durchlaufen. Das wird doch irgendwie gehen.
Freitags nun das Gespräch bei der super verständnisvollen Ärztin. Kortisonprogram verschrieben bekommen und mit dem Satz: „viel Spaß und Erfolg in Wien“ aus der Praxis verabschiedet worden! Bleibt also zu hoffen, dass damit bis zum Sonntag die Gelenkschmerzen und das Sehnenproblem so halbwegs erträglich wird für den Marathon.

Samstag 16.April

5 Uhr in der Früh fährt der Zug los. Erst einmal nach Frankfurt zum Umsteigen. Von dort in den ICE der direkt nach Wien fährt. Schon in Frankfurt kann ich einige Läufer/innen erkennen. Man kommt ins Gespräch. Tatsächlich gibt es doch ein Haufen Leute die den halben laufen und hierfür bis nach Wien reisen. Die Fahrt ist doch anstrengend für mich. Das lange sitzen merke ich den Gelenken und natürlich im Problem-Knie. Daher bin ich echt froh als um 13:26Uhr der Wiener Westbahnhof in Sicht ist. So jetzt das 48-Stunden Ticket für billige 10 Euro ziehen. Wahnsinn! Ich staune immer wieder über diese Preise.



2011. Ich bin wieder in Wien! Und alles noch immer so sauber wie im letzten Jahr



Wer hier noch mit dem Auto fährt muss bekloppt sein. 48 Stunden Wien für 10 Euro!

Weiter zur Messe. Die Startunterlagen klarmachen.



Eine Station zu früh ausgestiegen. Ich muß alles laufen mit der schweren Tasche.

Taschendepot gibt es ebenfalls nicht auf der Messe. Also weiter geht es mit dem ganzen Gepäck durch die Messe. Die Weltrekordschuhe von Haile gibt es beim Adidas Stand zu sehen. Ja Haile Gebrselassie ist da, um den Halbmarathon zu laufen, und ganz Wien flippt aus! Überall kann man die Schilder zum hochhalten bekommen „Thank you Haile“ in Flaggenfarben von Äthiopien gehalten. Der Clou: Wenn Haile vorbei geflitzt ist, dreht man das Schild flux rum, und schon steht da Go “Hans“ oder „Fritz“ oder was man auch immer drauf schreibt.



Ob das wirklich die original Weltrekordschuhe von Haile sind? Sehen so sauber aus.



Irgendwas scheint dran zu sein, noch mehr Rekordschuhe von Adidas. Vielleicht würde mir ein Markenwechsel von Mizuno zu Adidas ein paar Sekunden bringen.



Wie immer lange Schlangen bei den Halbmarathonies und Staffeln, bei meinem Schalter geht es ruck-zuck



Ach du Scheiße! Ich hab den roten Punkt, somit muß ich aus dem Sub3 Block starten

Wie immer gibt es noch den reichlich gefüllten „Goodie-Bag“ am Ausgang. Diesmal von der BILLA Supermarkt Kette. Alles in allem finde ich 55Euro für diese Mega-Veranstaltung ein angemessener Preis.
Voll bepackt weiter in die Jugendherberge im 20.Bezirk Brigittenau. 44 Euro für 2 Nächte mit Frühstück ist echt ok. Aber diesmal bin ich doch leicht geschockt. Die Jugendherberge hat massiv ausgebaut. Das Haupthaus ist jetzt moderner, aber ich muß über die 4 spurige Hauptstraße in ein anderes Gebäude. Wie? Und Frühstück? Und W-LAN? Alles nur im Hauptgebäude zu bekommen! Wegen jedem Furz also über die Straße. Leicht verärgert schleppe ich meine Sachen rüber ins andere Gebäude. Nächster Schock: Ich komme ins Zimmer und es sieht aus als hätte eine Bombe eingeschlagen. 6 Betten, alles etwas runtergekommen, überall fliegen Klamotten und Plastik Flaschen rum. Auf einem Bett sitzt jemand. „Hello I’m Theodor. I was born in Vietnam, and I come from Australia!“ Ich quatsche kurz mit Theodor. Er ist nicht zum Marathon hier, aber die anderen 3 aus dem Zimmer. Also gut. Jetzt erst mal Notebook schnappen, rüber ins andere Gebäude und die Bundesligaergebnisse checken. Außerdem schauen im Runnersworld Forum, ob die verabredete Zeit vom Foritreff Abendessen im La Norma mit 17:30Uhr noch aktuell ist.



Kein Witz, Unterkunft im anderen Gebäude auf der gegenüberliegenden Straßenseite



Das Zimmer, naja ich muß ja hier nur schlafen

Mit der nächstem Tram in die Altstadt. Auf Anhieb das La Norma wieder gefunden. Und Nobert aus Belgien samt Familie ist auch schon da. Kurz darauf erscheint auch schon Wolfgang und Gudrun. Die beiden haben das mal wieder super organisiert. Schon hier jetzt meinen herzlichsten Dank an euch beide. Sollte ich im nächten Jahr wieder in Wien starten, dann liegt das bestimmt nicht nur an Wien, sondern auch daran dass man hier so nette Lauffreunde hat! Vielen lieben Dank!
Wie im letzten Jahr wieder die Spaghetti aglio olio und einen scharfen Salat bestellt. Sehr schöner Abend. Am Ende läd uns Norbert sogar noch zu einem Getränk ein, da er vor ein paar Tagen 50. geworden ist. Gegen 9:30 Uhr bin ich wieder zurück in der Jugendherberge. Jetzt treffe ich auch auf die anderen Läufer. Sie haben sogar aufgeräumt! Wir reden noch ein bisschen über den morgigen Lauf, dann wird endlich geschlafen.




Ich komme raus aus der U-Bahn Station und was kann ich zu erst sehen? Na klar! Der Dom steht noch!



Gehört zum Wien Marathon einfach dazu. Der Abendessen Foritreff im La Norma




Norbert aus Belgien. Vor ein paar Tagen 50 Jahre geworden. Ganz klar zu sehen - Laufen hält jung!

Sonntag 17.April

Das Aufstehen um 5:30Uhr klappt super. Gleich mal die Kortison Ration geschluckt, fertig gemacht und rüber ins Haupthaus zum Frühstück um 6:00Uhr. Also lecker schaut das ja schon aus. Ich lade mächtig den Teller auf. 2 Brötchen, Müsli mit zusätzlichen Leinsamen und Kleien, Joghurt und das wichtigste natürlich der Kaffee.
Das klappt prima mit dem Frühstück ich habe genug Zeit muß nicht hetzen. Jetzt noch letzte Sachen zusammenpacken, Toilettengang und ab zur U-Bahn Station Handelskai. Ich laufe die 10 Minuten zur Station, durch die noch schlafende Stadt. Was für eine Ruhe. Ich denke nach, über den Lauf, wie soll ich angehen, was ist mit der Sehne, dem Knie, den Gelenken. Soll ich voll durchziehen, langsam - auf ankommen. Es wird sich auf den ersten 10km zeigen, wo es langgeht. Aber ne Sub 3:10 will ich eigentlich doch am Ende auf der Uhr stehen haben. Den Sub3 Fabelrekord vom letzten Jahr da denke ich am besten erst gar nicht dran. Kein vernünftiges Training. Vor 14 Tagen in Freiburg abgeschossen, letzte Woche gar nichts mehr gemacht.



So bescheuert kann man sein. Ich haue rein als wäre ich hier im Urlaub

Mit S-Bahn und U-Bahn geht es über die Donau in die Uno-City zum Startplatz. Ich kenn‘ das ja alles schon vom letzten Jahr. Muß nicht fragen, kenne genau den Ablauf mit Kleiderbeuteln, Starterblöcken usw. Also erst mal ganz nach hinten zur Abgabe der Läuferbeutel. Vielleicht doch noch mal anstehen für die Toilette. Besser wär's schon. Aber was für eine Schlange hat sich hier gebildet. Es hilft nichts, ich muß da noch mal drauf. Anstellen, die Zeit läuft. Noch 20min bis zum Start. Läuferbeutel muß noch weg, und dann ganz nach vorne in den Sub3 Block. Ja genau Sub3 Block wegen der Zeit vom letzten Jahr. Endlich bin ich dran. Eine nette Österreicherin aus der Kloschlange hatte mir vorher zum Glück ein Taschentuch gegeben, denn das Papier was natürlich alle! Schnell raus, Beutel auf den LKW, nach vorne gejoggt, bis es nicht mehr weitergeht vor lauter Menschenmassen. Aber das ist doch noch lange nicht mein Block. Also von hier hinten kann ich unmöglich starten. Das habe ich ja in Freiburg gelernt. Weiter nach vorne kämpfen, es wird knapp mit der Zeit. Aber ich schaffe es bis fast noch bis in den Sub3 Block. Die Elite Läufer sausen los. Mit einem Rückstand von 2 Minuten, wird auch Haile Gebrselassie auf die Strecke gelassen. Jetzt sind wir dran.



Trotz mehr als 32000 Starter/innen kein Problem mit der U-Bahn den Startplatz zu erreichen



Noch alles ruhig auf dem Startgelände in der Uno City



Für die Frauen gibt es ein extra Klo mit Zelt



Die Männer dagegen bekommen nur eine Trennwand



So langsam füllt sich das Starterfeld, bis ganz da vorne muß ich



8:30 Uhr. Riesenschlange vor den Dixie Klo's. Die Zeit rennt und ich muß noch mal drauf



Kleiderbeutel weg und irgendwie nach vorne in den Sub3 Block kämpfen

9:00 Uhr Start

Ich komme verhältnismäßig gut weg, ein paar Überholmanöver müssen doch sein. Immer wieder trifft man auf Läufer, bei denen man sich fragt wie die bloß in diesen Starterblock reingekommen sind. Ein fantastischen Bild hat man vor Augen, die Läufermassen auf der Reichsbrücke und linker Hand am Ufer die Franz-von-Assisi-Kirche auf dem Mexicoplatz. KM1 drücke ich bei 4:27min/km ab. Das ist erst einmal gut für dieses Gedrängel. Sehne und Knie ok. Schnürung der Schuhe etwas zu locker, aber jetzt ist es sowieso zu spät für irgendwelche Änderungen. Das sind jetzt meine Bedingungen für die nächsten 42km. Abschüssig jetzt die Reichsbrücke. Die Lassallestraße runter in den 2.Bezirk Leopoldstadt. Tolle Stimmung. KM2 abgedrückt mit 4:00min/km. Nun aufpassen, die 2 Startspuren werden am Praterstern zusammen geführt. Es könnte eng werden. Auch das wäre geschafft weiter auf der Hauptallee durch den schattigen Prater.



Start weg über die Reichsbrücke



Blick nach links bei KM3 der Praterstern

KM3 in 4:13min/km. Ich bin mehr als zufrieden. Es läuft trotz aller Probleme im Vorfeld. KM4 in 4:09min/km. Jetzt sollte ich mir langsam mal im klaren sein, was ich heute laufen will. Das geht ja wie beim Bestzeitenlauf vor einem Jahr an gleicher Stelle. Getränkeaufnahme kommt jetzt. Das wird heute wichtig werden. Immer schön trinken, mir ist jetzt schon sehr warm. Wasseraufnahme problemlos, abzweig rechts in die Stadionallee. 5KM Messmatte kommt. Gleich mal ne Marke setzten für den kostenlosen SMS Zwischenzeitendienst. 20:54min für 5km das ist der Hammer, das hätte ich noch am Start nicht für möglich gehalten. Es ist einfach diese tolle Stadt, die Atmosphäre, und ganz klar der heilige Asphalt, über den vor ein paar Minuten Haile Gebrselassie gelaufen ist. Noch ein kleines Stück im Prater und schon sind wir am Ufer des Donaukanals. Rechts ab in die Schüttelstraße. Hier scheint jetzt die Sonne auf den Kopf. Mit 4:18, 4:15, 4:14 und 4:13 geht es weiter bis KM9 den Donaukanal entlang. Noch machen mir die Anstiege an den Brückenköpfen nichts aus. Aber lange werde ich dieses Tempo nicht mehr halten können. Endlich rüber über die Schwedenbrücke auf die andere Donaukanal Seite. Eine Bombenstimmung am Franz-Josefs Kai. Abzweig in den Stubenring. Da steht Gudrun und ruft mir zu. Wahnsinn! 400000 Zuschauer an der Strecke und ich erkenne jemanden! Nun hört man 1km lang die klassische Musik Beschallung aus den Lautsprechern. Wie sich das gehört. Wir sind ja auch in Wien. 10km Messmatte bei 42:14 überlaufen. Das wären sogar noch 16 Sekunden im Plan für ne Sub3. Ein bisschen zieht es jetzt in der Achilles Sehne. Das darf doch nicht wahr sein. Geht das jetzt trotz einer Woche Schonung wieder los. Nicht drüber nachdenken, weiterlaufen. Vorbei am Stimmungsnest im Kärntner Ring. Das ist wirklich super heute. Das schöne Wetter hat haufenweise Zuschauer an die Strecke gelockt. Es folgt der Abzweig Richtung Schloss Schönbrunn. Die gehasste linke Wienzeile. Leicht ansteigend. KM12 drücke ich noch mit einer 4:09 ab. Aber dann KM13 doch in 4:19. Nochmal zulegen, oder lieber in diesem Tempo weiter? Ich bin jetzt schon halb platt. Ich will wenigstens unter 1:30 die Halbmarathonmarke passieren. Das setze ich mir jetzt erst mal zum Ziel. Mit 4:16,4:17,4:21 zum KM16 am Schloss Schönbrunn. Der leichte Anstieg geht bis etwa KM18 dann müßte wieder mehr drin sein. Jetzt heißt es erst mal nicht abreißen lassen. Irgendwie hat sich die Achillessehe zum Glück beruhigt. Das geht jetzt wieder ohne Probleme. Na immerhin! Die Mariahilfer Straße hinauf. KM17 wieder ne 4:22. Das wird echt zäh heute. Je näher man in Richtung Heldenplatz kommt, desto besser wieder die Stimmung. Das baut auf. Bis KM20 kann ich die Zeiten unter 4:20min/km halten. Das wäre geschafft, nun geht es leicht abwärts. Erstes Gel hab ich auch schon eingeworfen. Jetzt einordnen für die nächste Runde. Die Halbmarathonies haben es geschafft, biegen ab zum Heldenplatz.



Kann sich bereits ausruhen und feiern lassen. Haile Gebrselassie läuft den Halbmarathon in 60:18 Minuten. Wahnsinn!

KM21 dank Gefälle in 4:05min/km. Halbmarathonmessmatte mit 1:29:23 überquert. Also das ist echt top. Was geht da heute noch? Für Sub3 wäre selbst bei optimalem Training der Vorsprung von 37 Sekunden zu knapp. Auf der linken Seite kann man jetzt das Wiener Rathaus bewundern.



Für die Halbmarathonies leider nicht mehr zu bewundern. Das Wiener Rathaus kurz vor KM22 Bildquelle: Gryffindor

KM22 und KM23 im leichten Gefälle in je 4:11 gelaufen. Plötzlich flimmern vor den Augen. Was ist das denn? Sowas hatte ich noch nie gehabt. Ist das der Kreislauf? Was jetzt? Erst gestern Abend beim Foritreff war genau sowas ein Gesprächsthema. Es wird nicht besser. Und was mache ich dagegen? Ich senke die Pace von 4:11 auf 4:18min/km. Das zeigt mir zumindestens mal meine Uhr. Mal sehen wie sich das entwickelt. Auf jeden Fall beim nächsten Wasserstand ordentlich nachtanken. Weiter durch den 9.Bezirk Alsergrund. Über die Brücke wieder auf die andere Seite des Donaukanals. Ich suche die Schattenseite. Warum macht mir das heute so viel aus mit dem Wetter. Das sind doch nicht mal 20° Grad. Aber das flimmern vor den Augen wird zum Glück etwas besser. KM25 die Uhr steht bei 1:45:46. Da hab ich ja sogar noch zulegen können. Das wären ja mehr als 1:20min Vorsprung auf die Sub3. Aber KM26 holt mich wieder zurück auf den Boden der Tatsachen 4:37 für KM26! Ich schätze mal, die 25'er Messmatte lag wohl etwas falsch. Zu allem Unglück gibt es jetzt auch noch Seitenstechen. Das ideale Gel gib es wohl nicht. Ruhig atmen, dann wird das wieder. Das zieht sich hier jetzt am Donaukanal. Ich kann nichts mehr zulegen. Die Straße ist jetzt wieder zweigeteilt für den Rückweg. Ich sehe die KM38 Marke auf der anderen Seite. Bis dahin ist noch so weit. Da kommen mir auch schon die Führenden entgegen. Ich kenne die Läufer nicht, aber eines ist mal klar. Sie sind alle aus Kenia! KM27 hab ich wohl übersehen, wir sind schon bei KM28. Die letzten beiden KM somit in 4:21 genommen. Endlich wieder Schatten, abzweig in den Prater. Ich laufe nur noch auf Reserve, der Trainingsrückstand macht sich gnadenlos bemerkbar. Nochmal Gel mit Koffein. Vielleicht hilft's ja was. KM30 Messmatte bei 2:07:53 überquert. Die letzten beiden KM im je 4:24min. Damit wäre der Sub3 Vorsprung auf 6 Sekunden dahin geschmolzen. Natürlich nur bei einer 4:15er Pace versteht sich! Damit dürften auch die allerletzten, minimalen Gedanken an eine Sub3 gestorben sein. Eine Zeit unter 3:05 sollte aber doch irgendwie machbar sein. Der Wendepunkt am Ernst Happel Stadion kommt. Gute Stimmung, denn hier ist eine Wechselzone für die Staffel. KM31 wird ne 4:27. Ok, weiter so noch 11km. Nun die Hauptallee runter zum Lusthaus. Genau bei diesem 4km langem Abschnitt hatte ich 2010 beim Bestzeitenlauf die Schlacht geschlagen. Alles mobilisiert was ging, gekämpft gegen den drohenden Einbruch. Und am Ende alles gewonnen. Das wird heute wieder der Knackpunkt werden. Und was hat mir damals ungemein geholfen? Der Soundtrack von "Pirates of the caribbean" zu hören über die Beschallungsanlage komplett bis zum Lusthaus runter. Und ja, da ist es wieder! Ich höre die ersten Paukenschläge von diesem genialen Meisterwerk. Ein neuer Kraft Schub geht durch mich, sofort sind die Erinnerungen an 2010 wieder da. Zum Glück habe ich die Sonnenbrille auf, denn mir stehen die Tränen in den Augen. KM32 in 4:25 und KM33 sogar in 4:20min/km. Also mit ner Zeit über 3:05 laufe ich heute ganz bestimmt nicht durchs Heldentor. Wendekreis am Lusthaus, wieder hoch die Hauptallee.



Wendepunkt der Hauptallee am Lusthaus

KM34 in 4:28. Irgendwie versuchen unter der 4:30 zu bleiben. So lange wie irgendwie möglich, dann gibt das heute ne top Zeit. Plötzlich ruft jemand von der Gegenseite "Go Moengel Go". Wer war das? Keine Ahnung aber es hilft. Danke! Dieser Abschnitt ist fast geschafft. KM35 in 4:31 ist immer noch gut. Wieder Abzweig in die Stadionallee runter zum Donaukanal. Da kommt auch Nobbie auf der gegenüberliegen Seite angelaufen. "hau rein Norbert". KM36 wieder 4:31, sehr gut! Noch 6km weit ist es nicht mehr. Los jetzt! Plötzlich die Waden, bretthart! so ein Mist! Das tut weh! Ich hab doch genug getrunken, warum das denn jetzt. Was soll ich jetzt machen? Kurz stehenbleiben und dehnen? Das steht alles kurz vorm Krampf. Vorsichtig weiter laufen. Jeder Schritt ne Qual. Ich werd es irgendwie durchziehen müssen. Bloß nicht stehenbleiben. Wieder die Schüttlerstarße am Donaukanal. Heute geht hier wenigstens kein Wind. Durchhalten und Zähne zusammen beißen, auch wenn es jetzt echt schmerzt. KM37 in 4:28min/km. Trotz der Probleme, ich werd verrückt. Trotzdem lasse ich ein bisschen Tempo nach. Die Waden sind echt ne Qual jetzt und ich sollte keinen Krampf riskieren. Und jetzt noch diese Brückenköpfe hoch und runter. Ganz cool bleiben, und nichts vermasseln. Nochmal an der Seite ein Stimmungsnest. "Vienna calling" dröhnt aus den Lautsprechern. Super Wien, kann ich da nur sagen! Heute gebt ihr alles! KM38 jetzt in 4:44min. Aber die Waden werden nicht schlimmer. Wenn ich so durchkomme ist das ok. Noch 4km ist doch ein Klacks! Aber heute irgendwie ne Ewigkeit. Da muß doch jetzt mal die Franzensbrücke rüber zur Inneren Stadt kommen. Endlich, es geht rüber. Vorbei am Radetzkyplatz, KM39 wohl irgendwie übersehen, weiter Radetzkystraße. Weiter durchziehen. Es ist nicht mehr weit. Abzweig in die vordere Zollamtstarße. Das nimmt ja überhaupt kein Ende. Da! KM40 jetzt mal sehen, die letzten beiden KM in je 4:36! Das ist super! Ich kann es kaum glauben, denn irgendwie kommt mir das schon fast vor wie normaler Dauerlauf. Mit 2:53:02 habe ich die 40'er Messmatte überquert. Also fast 12 Minuten für 2,2km. Das nimmt mir keiner mehr! Über die Weiskirchnerstraße in den Parkring. Jetzt Schubertring. Wie genial! Nochmal Wiener Walzer aus den Lautsprechern! Man kann schon den Lärm vom Heldenplatz hören. Die letzten beiden km vom Wien Marathon sind nochmal etwas ansteigend, aber das wird mich jetzt auch nicht mehr aus der Bahn werfen. Ich bin schon im Kärntner Ring, KM41 passiert mit ner 4:39min/km. Jetzt kommt die Kür. Auf beiden Seiten der Straße drängen die Zuschauer an die Absperrgitter und jubeln. Was für eine geile Atmosphäre. Nochmal ein Stimmungsnest vom Energydrink Hersteller Powerade auf der rechten. Jemand vom Powerade Team streckt mir die Hand zum abklatschen entgegen. Was für ne Stimmung. Danke Wien! Jetzt nach rechts in den abgesperrten Teil der Strecke für den Zieleinlauf. Vorsicht, denn hier laufen die Straßenbahnschienen. Das KM42 Schild ist in Sicht. Ich versuche nochmal alles. In 4:43min drücke ich die 42 ab. Jetzt kommt der Lohn für die Qualen. Unter tosendem Jubel der Abzweig zum Heldenplatz. Sogar der rote Teppich wurde ausgerollt. Ich laufe durchs Heldentor. Hier ist jetzt ein super Empfang für jeden Finisher. Einfach nur geil! Der Zielbogen kommt. Bei 3:03:14 stoppt meine Uhr! Mir fehlen echt die Worte. Das ist ja geradezu sensationell. Da kann ich heute Abend ein paar Bierchen drauf trinken.



Bombenstimmung beim Einlauf auf den Heldenplatz



Der Zieleinlauf auf dem Heldenplatz



Lohn für alle Qualen, einmal bejubelt durchs Heldentor laufen



zum 2.Mal Wien gefinished

Geduscht wird wieder in den Zeltduschen des Österreichischen Bundesheeres. Kurz ausruhen, um 14Uhr dann die "Nachbesprechung" beim Bier mit den Runnersworld Foris.



Kaum ist der Marathon vorbei, wird schon wieder sauber gemacht!

Das hab ich mir jetzt verdient



Salat



Spinatnockerln hausgemacht, in Käseoberssauce



..........und Weizenbier. Prost!



Wieder sehr schön in Wien. Ich plane schon mal den 3.Start in 2012

Am Montag dann noch ein bisschen durch die Stadt schlendern, um 16:36Uhr geht es wieder mit dem Zug in die Heimat.

Sonntag, 3. April 2011

8.Freiburg Marathon



Anstatt langem Lauf, Spontanmarathon in Freiburg.

Langweilliger 35km Lauf als Vorbereitung für den Wien Marathon am 17.April? Das muß nicht sein, gibt es doch an diesem Wochenende in Freiburg den Marathon. Was liegt also näher, als den langen Trainingslauf um 7km zu verlängern, anstatt auf dem heimischen Kühkopf, im 250km entfernten Freiburg gegen einen Unkostenbeitrag von 58 Euro zu verlagern?
Ich behalte das mal im Auge, packe Samstags sicherheitshalber die Tasche und stelle den Wecker für 5 Uhr.
Total unvorbereitet, mit Weizenbier und Schokolade total gesündigt unter der Woche. Training hat wegen erheblicher Knieprobleme quasi nicht stattgefunden.

Sonntag morgen, 5 Uhr. Wecker klingelt, ich bin wach. Also Freiburg ich komme. Gut frühstücken, rein ins Auto, bis 10 Uhr kann ich nachmelden. 9:15Uhr bin ich da. Sofort die Startunterlagen klargemacht. Hier zeigt sich jetzt ganz klar der Vorteil vom Nachmelden. Sofort hat man seinen Unterlagen, hingegen die bereits gemeldeten Starter müssen ewig warten.

Folgenden Plan habe ich mir zurecht gelegt. Auf keinen Fall langsamer als 3:30. Anlaufen mit gemütlichem 5'er Schnitt, am Ende als gewünschten Trainingseffekt dann etwas flotter.



Ewig anstehen für bereits gemeldete Starter



Hingegen nicht mal 1 Minute warten für die Nachmelder Joe und Andy



Der Preis ist heiß, 58 Euro für die Nachmelder (Laufshirt zusätzlich 29 Euro extra). Ganz schön happig.



Um 5 Uhr morgens noch für die freiwillige Feuerwehr Erfelden im vollen Einsatz unterwegs, jetzt kurz vor 10 Uhr schon beim Freiburg Marathon. Jens aus meinem Ort Erfelden. Respekt!



Alles klar für den Marathon, ärztlich verordnete Partellabandage gegen Kinesiotape getauscht. Angeschlagenes Sprunggelenk ebenfalls mit Tapes stabilisiert.

11 Uhr 11, Startschuss fällt.
Ich habe mich mal beim 3:30 Pacemaker eingeordnet, gehe das Tempo die ersten 10km mit. Aber irgendwie ist in diesem Bereich alles so voll, dass ich mich nun doch entscheide etwas vor dem Pacemaker für die 3:30 zu laufen. Super tolle Stimmung überall. Das warme Wetter hat eine Menge Zuschauer in die wunderschöne Innenstadt von Freiburg gelockt. Überhaupt ist das heute irgendwie ne super Atmosphäre. Ich freue mich, dass es so halbwegs läuft trotz der ganzen Probleme mit Knie und Sprunggelenk. Die 42 Bands an der Strecke geben alles. Das macht Spaß. Sogar außerhalb der Innenstadt gibt es fast keine Flecken ohne Zuschauerunterstützung. Die erste Runde ist schon fast geschafft, da fangen auch schon einige Läufer an zu gehen. ich bin ja langsam angegangen und mir macht das warme Wetter noch nichts aus. Trotzdem nehme ich jeden Getränkestand mit. Kurz vor dem Halbmarathondurchlauf der erste Schock. Ein Läufer liegt auf der Straße, die Sanitäter kümmern sich um ihm. Nach dem Lauf habe ich dann gehört, dass heute viele Probleme mit den unerwartet hohen Temperaturen hatten. Ich passiere den Halbmarathondurchlauf bei 1:42:17. Jetzt wird es wieder einsam. Aber auch viel Platz auf der Strecke. Ich habe noch einiges an Reserven und es macht Spaß jetzt ein bisschen aufzudrehen und Läufer um Läufer einfach ganz locker zu überholen. Ich fange an zu rechnen. Irgendwie könnte man ja doch noch ne Sub 3:20 erreichen. Ich ziehe das Tempo an. Wieder durch die Innenstadt. Danke an Freiburg für diese tolle Unterstützung. Kein Vergleich zum Freiburg Marathon im letzten Jahr. Ich schaffe es tatsächlich das verschärfte Tempo zu halten. Im Schlusssprint sichere ich mir ne 3:19:56. Was will man mehr.
Ein spontaner Ausflug nach Freiburg, der für mich in schöner Erinnerung bleibt. Auch wenn ich jetzt wahrscheinlich in Wien keine schnelle Zeit mehr laufen kann. Es war ein echt toller Tag in Freiburg. Ich habe es genossen.

Sonntag, 13. März 2011

36.Bienwald Marathon



Seit dem Ultramarathon Ende Januar im Rodgau werden die Knieprobleme immer schlimmer. Vor 3 Wochen beim Untertagemarathon in Merkers hat das irgendwie noch geklappt. Aber jetzt geht Trainingsmäßig fast nichts mehr. Knieschmerzen lassen nur noch normales Training zu. Keine Tempoeinheiten, kein Bergtraining mehr, nur noch irgendwie ein paar KM sammeln und die Kondition nicht verlieren.

Unter diesen Umständen kann man nicht viel erwarten. Irgendwie durchkommen. Vielleicht ne Sub 3:10 wäre super. Aber auch nur ankommen ist ok.

Sonntag morgen, schnell noch was gefuttert, Problemknie getaped, alles rein ins Auto und ab nach Kandel.

Schnell bin ich in Kandel. Ist ja nicht weit. Wie immer alles super organisiert. Hier gibt es nichts spektakuläres, nichts außergewöhnliches, aber es ist proppenvoll! Kein Wunder! Denn bei gerade mal 29 Euro Startgeld bekommt man einen top organisierten Marathon, eine super schnelle Strecke, ein Funktionsshirt, beste Verpflegung, kurze Wege, warme Duschen und diesmal gratis dazu eine Flasche Wein nach Wahl, da 125 Jahre TSV Kandel.

Um 10Uhr geht es dann los. Ich reihe mich in den Block bis 3:10 ein. Der Blick geht nach vorne zum Start. Wer steht denn da mit der Knarre in der Hand? Es ist der Ministerpräsident von Rheinland Pfalz Kurt Beck! Kurzes Gelaber noch, und dann drückt Kurt ab. Die Masse setzt sich in Bewegung.




Sub 3:10 wäre heute wirklich ne gute Zeit

Überhaupt kein Platzgerangel, im 4:16er Schnitt geht es in die ersten KM. Immer schön dicht beim Sub3 Pacemaker. Nein, nein das ist heute ganz bestimmt nicht meine Zielzeit. So ist nun mal mein Anfangstempo. Da kann ich nichts gegen machen.
Die Strecke ist so unspektakulär, das es nichts weiteres darüber zu berichten gibt. Zum größten Teil eine abgesperrte Bundesstraße. Doch eines fällt mir auf - ein Läufer. Ja genau, das ist doch der Typ, der mich vor 3 Wochen in Merkers beim Untertagemarathon quasi im Zielkanal noch überholt hat! Er ist mit dem Fahrrad von Leipzig hergeradelt. Wahnsinn! Und heute will er scheinbar ne Sub 3 laufen. "Meine Motivation läuft da vorne" meint er und deutet auf den Sub 3 Pacemaker. Na dann, viel Erfolg! Mir wird das alles zu viel um den Pacemaker rum, ich laufe jetzt ein paar Meter weiter vor dem ganzen Pulk. KM10 passiere bei 42:32min und immer noch vor dem 3 Stunden Pacemaker. Doch bei KM 12 werde ich nun endlich von dem ganzen Sub 3 Pulk überholt. Ich plaudere noch kurz mit dem Leipziger, "das ist jetzt genug für mich, ich lasse abreißen", "3:10 wäre heute schon super für mich", meine ich. Er erwidert, "wie gesagt meine Motivation läuft da vorne" er meint den 3 Stunden Pacemaker. Weiter geht es immer noch im Schnitt unter 4:20min/km. Aber das wird jetzt schon knüppelhart. Wie im letzten Jahr, am Ortseingang von Schaidt spielt eine Blaskapelle. "The Wanderer", das passt ja gut. Mit wandern hat das nix zu tun. Ich muß laufen! Und zwar noch 26KM! Eigentlich war das ja total verrückt mit dem bisschen Training in diesem Tempo anzugehen. Lange wird das so nicht mehr weiter gehen. Den Wendepunkt in Schaidt habe ich nun geschafft. Zurück geht es. Ab und zu ein paar aufmunternde Worte vom den Läufern die mir entgegenkommen. Jetzt folgt bald der Abzweig in den Wald. Erstes Gel runtergespült. KM Zeiten sind inzwischen über 4:20min/km. Ich treffe wieder auf einen bekannten Läufer. Die Welt ist so klein. Wir haben uns schon beim Marathon Vignoble D'Alsace 2010 getroffen. Stimmt! Er hat recht. Wieder ein paar KM Unterhaltung, das lenkt ab. Halbmarathondurchlauf bei 1:30:44. Mit ein paar Reserven könnte man jetzt glatt mal versuchen auf Sub 3 zu laufen. Aber heute nicht. Ich bin fix und alle. Irgendwie so lange wie möglich noch Tempo halten, dann wird es am Ende reichen für ne Sub 3:10. Endlich, der Wendepunkt auf dem Waldweg Abschnitt ist erreicht. Noch 16km. Schnitt immer noch unter 4:30min/km. Ich kann es kaum glauben wenn ich die Marker auf der Uhr abdrücke. Das alles mit reduziertem Training und instabilem Knie. Trotzdem, der Einbruch steht unmittelbar bevor. Aber was sehe ich denn da ganz weit vor mir? Der Läufer aus Leipzig! Und ich komme trotz langsamerem Tempo immer näher ran! Wie war das? "Da vorne läuft meine Motivation" genau so ist es. Heute bin ich am Ende vorne! Ja und tatsächlich, kurz bevor es wieder auf die Bundesstraße geht bei KM31 kann ich ihn überholen. Jetzt noch mal alles mobilisieren. Gel rein, Wasser geschnappt. KM32 immerhin noch in 4:33min/km. Noch 10km und nicht ganz 50 Minuten über auf die Sub 3:10. Das sieht gut aus! Knie läuft trotz Problemen gut, brennende Fußsohlen bei weitem nicht so schlimm wie beim Untertage Marathon. Aber wirklich nichts mehr in der Reserve. Es wird zäh! Brutal zieht sich die Bundesstraße. KM34 in 4:45min, und KM36 in 4:51min. Jetzt echt zusammenreißen. Sub 3:10 muß gepackt werden! Abzweig von der Bundesstraße kommt. So weit ist das doch nicht mehr! Plötzlich quält sich ein Läufer an mir vorbei, dicht begleitet von einem Fahrrad mit Getränken, Verpflegung, technische Beratung und Betreuung, mentales Aufbauprogramm usw. Hey was soll denn das jetzt. Direktes coaching vom Lauf-Trainer für ne Sub 3:10. Leute, wo sind wir hier denn? KM38 kommt. Noch 4km. Endlos zieht sich das. Schnitt jetzt über 4:50min/km. Nicht aufgeben. Jetzt bloß keine Zeit über 5min. Das wäre psychologisch sehr schlecht. Jetzt hilft es schon, wenn man von weitem die Ansagen aus dem Stadion hören kann. Irgendwie schleppe ich mich von Kilometer zu Kilometer. Den Schnitt kann ich irgendwie halten. Nochmal Abzweig zum Stadion. KM41 Schild wie eine Erlösung. Jetzt kann mich nichts mehr aufhalten. Das wird geschafft. Rein ins Stadion die Runde auf der Aschenbahn tut wirklich weh, aber ist doch so schön. Zieleinlauf. Diesmal überholt niemand mehr. 3:08:21 also bitte, das ist doch echt ein schöner Erfolg unter den Bedingungen. Das wohlverdiente alkfreie Weizen schmeckt heute besonders gut. Jetzt noch den Jubiläumswein abholen, schnell duschen, umziehen und ganz geschwind nach Mainz zum Fußballschlagerspiel gegen Leverkusen.



Jubiläums Wein. 125 Jahre TSV Kandel. Normalerweise stehe ich mehr auf Weizenbier aber der Wein war auch gut.

Sonntag, 20. Februar 2011

5.Kristallmaraton Merkers



Nach dem Rodgau Ultra mußte ich das Training wegen anhaltender Knieprobleme stark reduzieren. Die Woche vor dem Untertagemarathon verzichte ich komplett aufs Training. Zu stark waren die Knieschmerzen. Lieber mit weniger Problemen starten. Zusätzlich kommt Freitags noch eine Erkältung hinzu. Die Nase ist dicht. Der Kopf drückt. Zahnschmerzen......das darf doch alles nicht wahr sein.

Am Samstag geht es los. Diesmal ist meine Lebensgefährtin Anja mit dabei. Wir wollen in Bad Salzungen übernachten, und Sonntags eben dann der Marathon. Ich habe gleich mal ein Ticket für eine Begleitperson mitgeordert.

Schon bei der Fahrt bekomme ich Kopfschmerzen wegen der Erkältung. Es ist zum kotzen. Als ob die Knieprobleme nicht schon genügen. Wir erreichen um 17 Uhr das Hotel in Bad Salzungen. Für 66 Euro ein Doppelzimmer mit Frühstück ist echt ok. Am Abend geht es in den "Kartoffelkäfer" zum Essen. Hier wird alles aus der Kartoffel gemacht. Ich gönne mir die Spezialität des Hauses - eine Kartoffelpizza. Sehr lecker und kalorienreich. Noch ein kleiner Spaziergang um den See am Hotel, dann falle ich auch schon todmüde ins Bett.



Kann man nur empfehlen, der "Kartoffelkäfer" in Bad Salzungen

Sonntag um 6 Uhr in der Früh aufstehen. Soweit schon mal alles einpacken, Knie und Oberschenkel noch schnell getaped. Die Kopflampe am Helm befestigt. 7 Uhr leckeres Frühstücksbüffet. Hier könnte ich mich jetzt wirklich sattessen. Aber geht leider nicht. Müsli mit Joghurt und 2 Brötchen. Start ist um 11 Uhr, das müßte ja dann gut verdaut sein.



Helm und Kopflampe sind Pflicht beim Untertagemarathon

Pünktlich 8:30Uhr sind wir im Gebäude der Erlebnisbergwelt Merkers. Ich hole die Startunterlagen und den Zeitmesschip ab. Im Umschlag befindet sich noch ein Fahrchip mit einem Kordel darum. Was wir jetzt noch nicht wissen, es ist bereits die Finisher Medaille. Eigentlich können wir auch schon die 500 Meter nach unten fahren. Vor dem Marathon gibt es noch einen 10KM Lauf. Also kann man sich das ja noch ansehen.



Das Bergwerk in Merkers



Bin schon sehr gespannt was mich 500 Meter tiefer erwartet



Ausgabe der Zeitmesschips



Ganz schön viel Elektronik für ne Zeitnahme



Das ist kein Fahrchip, das ist die Finisher Medaille!



Mit Transportern werden wir vom Förderschacht zum Start/Ziel Bereich gefahren



Erinnerungsfoto am riesigen Schaufelradbagger



allgemeines warten auf den Start



Noch ein bisschen von dem guten Rennsteig Wasser, die Luft hier unten ist sehr trocken



bereit zum Start

Die 10km Läufer sind fast alle durch. Jetzt wird der Marathon gestartet. 13 Runden mit je 3,25km sind zu absolvieren. Insgesamt rund 750 Höhenmeter. Das alles bei angenehmen 21-23° Grad. Los geht es! Die Gerade im großen Saal hinunter, gleich folgt eine scharfe Linkskurve raus aus dem Saal und hinein in die dunkeln Gänge des Bergwerkes. Aber was ist das denn für ein Hammer gleich zum Anfang! Ein brutal steiler Anstieg mit mehreren Kurven versehen. Natürlich geht das jetzt in der ersten Runde noch, aber ich bin echt froh, als ich die Kuppe erreiche und es erst einmal wieder eben ist. Weiter geht es im ständigen auf und ab. Ich bin schon total geschwitzt. Dieser fiese Anstieg gleich zu Anfang hat es wirklich in sich. Die Wege sind sehr breit, hier gibt es keinen Platzmangel. Vorbei an an verschiedenen Grubenfahrzeugen, einer kleine Nische mit Tischen für Untertage Feierlichkeiten. Alles in allem ist die Strecke gut ausgeleuchtet, ab und zu gibt es ein paar dunkle Stellen. Doch dafür hat man ja schließlich die Kopflampe. Nicht nur die Steigungen sind heftig, auch die Gefälle. Brutal geht es teilweise nach unten. Ich will gar nicht darüber nachdenken, wenn man da hinfällt. KM Marker sucht man vergebens, das macht es nicht einfach das Tempo vernünftig einzuteilen. Der Verpflegungsstand kommt. Pro Runde hat man 2x die Gelegenheit Sprudelwasser oder Cola nachzuladen. Ein Verpflegungsstand befindet sich direkt am Ausgang des großen Saales, der 2. etwa nach ca. 1,8km nach einem Anstieg. Jetzt folgt eine ewig lang gezogene leicht ansteigende Gerade. Die scheint ja gar nicht aufzuhören. Plötzlich ein Warnschild 15% Gefälle und ein Abzweig nach links. Das scheint nun der Gegenpart vom steilen Anstieg gleich zu Anfang des Rundkurses zu sein. Hier wird jetzt wirklich alles abverlangt von Knochen, Bändern, Muskeln und Sehnen. Noch einmal rechts um die Kurve, wieder ein Gefälle. Eine kleine Wendepunktstrecke folgt und ab geht es auf einer Geraden in Richtung dem großen Saal. Man kann das helle Licht schon sehen. Runter in den Saal. Die Ansagen aus dem Lautsprechen schallen einem entgegen. Auf einer kleinen Anzeigetafel wird für die Läufer die aktuelle Zeit und die Anzahl der noch zu laufenden Runden angezeigt. Der allererste Richtwert für Runde 1 liegt nun vor. 13:34min auf 3,25km das bedeutet ein KM Schnitt von 4:10min/km. Ein abartiges Tempo, welches ich da vorgelegt habe. Ich muß bescheuert sein!



Breite Laufwege. Bild von Wolfgang Bernath zur Verfügung gestellt. Danke!



Ausgediente Fortbewegungsmittel. Bild von Wolfgang Bernath zur Verfügung gestellt. Danke!



2. Verpflegungsstelle des Rundkurses. Bild von Wolfgang Bernath zur Verfügung gestellt. Danke!

Vorbei an den Zuschauern, da steht auch schon Anja und macht fleißig Fotos. Die zweite Runde folgt. Gleich mal der Hammer Anstieg. Ich bin ja jetzt schon so platt wie im Rodgau nach 20km! Das gibt hier ein Drama, wenn ich nicht bald etwas an Geschwindigkeit rausnehme. Schnell mal Wasser an der Verpflegung. Sprudelwasser! Was soll das? Haben die denn kein stilles Wasser. Ich habe echt kein Bock auf Seitenstechen! Aber es bleibt mir wohl nichts anderes übrig. Das Knie verhält sich bisher ganz gut, trotz diesen extremen Belastungen. Auch die verstopfte Nase und der Druck auf im Kopf lässt sich dank Wettkampfadrenalin gut ausblenden. Von langsamer werden keine Spur. Runde 2 in 13:41min Schnitt 4:12min/km.



Nach 2 Runden im viel zu hohen Anfangstempo kommen schon die ersten Zweifel

Auf in die 3. Runde, dann hätte ich schon mal fast 10km geschafft. Der Anstieg gleich zu Anfang macht mich völligst platt. Auch diese kleinen fiesen Anstiege werden schon zur Herausforderung. Jede Runde jetzt Sprudelwasser, es muß sein bei dieser trockener Luft. Durchlauf im großen Saal, ich höre Anja rufen, "du fällst immer weiter zurück". Ja das war klar! Aber trotzdem nehme ich Runde 3 und 4 noch im 4:19er Schnitt. 13km sind jetzt gelaufen. Endlich mal ne volle KM Zahl, da kann ich doch mal hochrechnen. 55min20sekunden das macht ein Gesamtschnitt von 4:15min/km. Ich muß wohl total die Nerven verloren haben, was für ein mörderisches Tempo bei diesem Höhenprofil. Noch nicht mal die Hälfte ist gelaufen und ich bin bereits am Limit. Runde um Runde verliere ich weiter an Boden.



Die Rundenzeiten: Wieder mal zu schnell angegangen, gegen Ende gibt es nur noch Schadensbegrenzung

Es wird zur Qual, die Fußsohlen melden sich bereits. In Runde 6 greife ich zum ersten Mal zu Gel. Gerade die Gefälle sind sehr schmerzhaft für die Fußballen. Hoffentlich kann ich das durchhalten.



Noch 7 Runden. Nach der nächsten Runde habe ich gerade mal die Hälfte geschafft!

Schon längst laufe ich irgendwie nur noch durch. Als nächstes Ziel habe ich mir KM26 vorgenommen. Hier sollte ich doch irgendwie noch unter 1:57:00 bleiben. Das würde bis dahin noch einem KM Schnitt von 4:30min/km bedeuten. Die schlimme Steigung gleich zu Anfang wird von den meisten Läufer/innen bereits halb im gehen, halb im joggen genommen. Das Ding hat es aber auch in sich. Kein Vergleich mit irgendwelchen Steigungen vom Bergtraining im Odenwald. Ich muß das alles auch noch alleine durchstehen, keiner läuft in meinem Tempo. Also auch kaum mentale Unterstützung unterwegs. Ebenfalls sehr mau der Durchlauf im Saal. Auch hier ist jetzt kaum mehr was los. Die 10km Läufer haben wohl das Bergwerk schon verlassen.



Wie leergefegt. Die meisten 10km Läufer/innen haben bereits das Bergwerk verlassen. Kaum mehr Unterstützung beim Durchlauf. Sehr schade....

Wie ferngesteuert laufe ich weiter. Die angepeilte KM26 Zeit schaffe ich trotzdem locker. Mit 1:53:27 bin ich wirklich gut im Soll. Natürlich kann ich diesen Schnitt nicht mehr halten, aber wenn ich mich jetzt zusammenreiße und das irgendwie durchziehe, dann sollte doch ne gute Platzierung rausspringen. Mich überholt doch seit Runden keiner! Auf los, nochmal Gel reingedrückt. Wieder diese 15% Gefälle. Mir platzen gleich die Füße! Durchlauf im Saal, 9.Runde geschafft. Noch 4 Runden! Jetzt wird nicht schlapp gemacht. Steigung rauf, komm weiter! Irgendwie wird es gehen. Immer schlimmer werden die Schmerzen von den Fußsohlen. Kaum irgendwelche Streckenteile sind zur Erholung zu gebrauchen. Die langgezogene leicht ansteigende Gerade scheint gar nicht mehr enden zu wollen. Und wenn es dann endlich geschafft ist, dann folgt das 15% Gefälle Warnschild. Wieder habe ich irgendwie diese Runde geschafft. Der KM Schnitt von 4:41min/km ist für meinen Zustand geradezu sensationell. Ich zeige Anja 3 Finger für 3 Runden beim Durchlauf im Saal. Steigung rauf. Denk ich doch mal so: wenn die Steigung geschafft ist, dann klappt der Rest auch. Noch 3x hier hoch. Jetzt nicht gehen, das ist das Ende, auch wenn es noch so verlockend ist. Lass die anderen ruhig gehen. Dafür bin ich eine Stunde früher im Ziel. Noch einmal überrunde ich Lauflegende Sigrid Eichner, die hier ganz bravourös ihre Runden dreht. Altersklasse W70, weit über 1500 gelaufenen Marathons........Riesenrespekt vor dieser Frau.



Lauflegende Sigrid Eichner. Bild von Wolfgang Bernath zur Verfügung gestellt. Danke!

Lange Gerade stur rauf, Gefälle stark abgebremst noch unten. Es geht echt nichts mehr. Die Fußsohlen brennen wie Feuer. Nach der Wende komme ich fast nicht mehr in Gang. Rein in den großen Saal. Nur noch 2 Runden, nur noch 6,5KM. Nur noch ist gut, der Anstieg holt mich gleich mal auf den Boden der Tatsachen zurück. Die Oberschenkel fangen schon leicht an zu verkrampfen. Wieder geschafft. Ich bin oben! Ob ich das noch einmal schaffe. Die Oberschenkel sind echt kurz vor der Krampfgrenze. Ich schleppe mich irgendwie durch diese Runde. Das Gefälle ist die Hölle. Aber der Gedanke, dass ich da nur noch 1x durch muß läßt mich weiter laufen.



Die letzte Runde wird eingeläutet, noch einmal alles rausholen

Steigung rauf, die Oberschenkel sind zum zerreißen gespannt. Jetzt nicht aufgeben, gleich bin ich oben. Noch eine Kurve, die Kuppe ist zu sehen. Ja! Ich bin oben, so jetzt nur noch die paar kleinen, kurzen Steigungen und natürlich die Gefälle. Die Füße brennen, ich darf gar nicht an die Gefälle denken. Nochmal Steigung zum Getränkestand rauf. Wasser geschnappt. Weiter geht es. Vor mir läuft noch jemand in meinem Tempo, der könnte auch in der letzten Runde sein. Ob ich da nochmal vorbei komme? Eher nicht, er zieht davon. Ich versuche dran zu bleiben. Nochmal das Hammer harte Gefälle. Ich weis nicht wie ich das schaffen soll. Ach egal, einfach runter. Die Hölle, es ist wie barfuß über heißen Asphalt laufen. Zum letzten Mal der Wendepunkt. Läufer vor mir im Blick. Ich bleibe dran. Er zieht an. Ich versuche auch nochmal alles. Die Gerade zum Saal. ich sehe schon das Licht. Ja und ich schaffe es doch tatsächlich an Ihm vorbei zu ziehen! Runter in den Saal. Ich habe es geschafft. Im Endspurt geht es zum Ziel. Ich jubele, freue mich, ich hab's geschafft. Ich kann es kaum glauben. Der Zielkanal kommt. Plötzlich zieht doch der bereits überholte Läufer noch an mir vorbei. Unglaublich! Ach was soll's. Ist mir egal. Im Ziel gibt es gleich das Ergebnis per Ausdruck. Ich bin Gesamt 11. und 1. in der Altersklasse 40. Was für ein Kracher! Es hat sich gelohnt! Die Quälerei war nicht umsonst. Wahnsinn! 3:12:05 meine Endzeit.



Geschafft und 1.Platz in der Altersklasse 40! Heute Abend wird gefeiert.

Leider gibt es hier nichts zu trinken im Zielauslauf. Auch die üblichen Riegel oder Äpfel sucht man vergebens. Sehr schade, bedenkt man noch den Preis von 44 Euro.......
Egal Anja holt mir gleich ein alkfreies Weizen von der Bar, und ne Banane habe ich auch noch dabei. Ich bin kaum mehr in der Lage zu gehen. Es ist wirklich heftig. Kurze Erholung, bisschen frisch machen auf der Toilette. Duschen gibt es Untertage leider keine. Aber ich habe Wechselklamotten dabei. Ich will eigentlich nur noch nach oben. Nun muß ich die Siegerehrung abwarten! Ich treffe noch auf Wolfgang Bernath, der heute seinen 50.Marathon/Ultramarathon gelaufen ist.



noch ein Grund zum feiern! Wolfgang Bernath finished seinem 50.Marathon! Bildquelle: Wolfgang Benrath. Danke!

Fast 2 Stunden warten bis zur Siegerehrung. Das alkfreie Weizen ist bereits aus! Endlich Siegerehrung! Aber außer ner Urkunde und einem Händedruck gibt es für die AK Sieger nichts! Ein bisschen ärgerlich ist das schon.
Um 17:15 Uhr sind wir dann endlich wieder oben an der frischen Luft. Die erste Zigarette für Anja seit 9 Uhr! Das ist auch ne tolle Leistung!

Samstag, 29. Januar 2011

12. Rodgau Ultramarathon



Der erste Wettkampf in 2011. Jetzt wird es sich zeigen, wie gut ich die Verletzung vom September letzten Jahres verkraftet habe. Das Lauf-Training hatte ich langsam seit November wieder aufgenommen. Im Januar dann zum erstem mal wieder richtig planmäßiges Training, mit allen Einheiten die man so in der Marathonvorbeitung macht. Ein wenig übertrieben hatte ich es auch. So bekomme ich doch 1 Woche vor dem Ultra Probleme mit dem linken Knie. Es knackt mal wieder beim Treppensteigen und fühlt sich auch sonst leicht instabil an. Trotzdem geht das Training normal weiter. Von beiden Seiten ein Kinesio Tape mit leichtem Zug für mehr Stabilität schafft ein wenig Abhilfe. Donnerstags Abends dann noch leichtes Halskratzen. Aber mit haufenweise gesunden Bonbons und ein paar Dolo Dobendan kommt es zum Glück nicht zu Halsschmerzen.

Samstag Morgen dann aufstehen um 5 Uhr, noch schnell Müsli und 2 Brote essen. Raus ins Auto. Es ist bitterkalt draußen -5° zeigt das Thermometer.
Im Rodgau hat sich schon alles versammelt. Viele bekannte Gesichter aus der Laufszene sind hier. Die Sonne scheint, und es sieht so aus als sollte das ein sehr schöner Tag werden. Ich werde mit 2 Schichten Kleidung, Halstuch und Mütze laufen. Das müßte doch reichen trotz -5° Grad. In der Sonne wird es sonst zu warm werden.
Schon traditionell folgt der Fußmarsch rüber zum Start am Gänsbrüh'. Ich bin irgendwie gut drauf fühle mich gut, obwohl das Knie getaped ist und der Hals immer noch leicht kratzt. Voller Euphorie stelle ich die Pace auf der Uhr bei 4:30min/km ein. Mal sehen, ich kann ja mal in diesem Tempo anlaufen. Wenn es am Ende knapp für unter 3:50 reichen würde, dann wär das absolut ok.



Wie in jedem Jahr, der Rodgau Ultra zieht an die 1000 Läufer/innen an



top organisiert, es fehlt an nichts. Um die 80 freiwillige Helfer stemmen diese Veranstaltung



Schneechaos beim Bärenfelsmarathon verbindet. Andy von der LT Hemsbach.



gehört einfach dazu: Fussmarsch zum Start am Gänsbrüh'



noch ein paar Minuten, dann geht es los. Gabi und Frank



Idylle kurz vorm Start

10:00 Uhr. Es wird ernst. Ich bin nicht ganz vorne an der Startlinie, aber dennoch so, dass ich nicht allzu viele kraftraubenden Manöver in der ersten Runde absolvieren muß. Ich komme ganz gut weg. Gleich mal um die erste scharfe Kurve rum. Da pfeift einem schon der kalte Wind ins Gesicht. Vorbei am Versorgungsstand, raus auf das offene Feld in die Sonne. Schön warm ist das, prima. 2 Schichten Kleidung bei -5° genau richtig! Ab und zu muß ich doch den Weg verlassen um mich an den anderen Läufer/innen vorbei zu schlängeln. KM1 in 4:36min trotz Läufermassen, sehr gut. Leichter Anstieg hinauf, jetzt noch spielend, und schon KM2 in 4:23min. Abzweig Wendepunktstrecke, Musik der 70'er dröhnt aus den Lautsprechern. Wendepunkt erreicht, rum um den Tisch ganz locker geht das noch. Nun wird es eng. Die große Läufermasse kommt einem natürlich auf der anderen Seite entgegen. Jetzt wieder die ganze Spur ohne Gegenverkehr. KM3 Schild hab ich übersehen, also weiter ohne Zeitangabe über das Feld in der Sonne. Also das ist doch herrlich heute. Ich frage mich wie all diese total vermummten Mitstreiter wohl nach 6 Runden ins Schwitzen kommen mit der X-fachen Menge an Kleidungs Schichten. Wieder rein in den Wald. Die Strecke ist mir ja gut bekannt, ich fühle mich total wohl. Es macht Spaß heute. Nochmal ein kurzes Stück rauf. KM4 Schild, diesmal die Zeitnahme nicht vergessen, Abzweig runter zum Gänsbrüh. Hier kann man jetzt noch mal ein bisschen Geschwindigkeit zulegen. Von weitem hört man gleich die Ansage vom Zielbereich. Fast jeder wird hier Runde für Runde namentlich erwähnt. Mal sehen was die Uhr sagt, Genau 22 Minuten für die erste Runde. Was für ein Auftakt. Das ist weit besser als ich gedacht hatte. Aber, jetzt nicht durchdrehen. Das ist ein KM Schnitt von 4:24min/km. Bisschen Tempo rausnehmen, das kann ich nicht durchhalten. Für so ne Geschwindigkeit habe ich mich im Training noch total gequält. Erst mal was trinken, außer 4 Tassen Kaffee habe ich noch nichts anderes zu mir genommen. Warmer Tee tut gut bei diesen frostigen Temperaturen. Ganz besonders weil mir heute morgen noch der Hals ein bisschen gekratzt hat. Trotzdem ist es in der Sonne total angenehm. Nur meine Fußzehen sind von der Kälte taub. Aber das wird sich bestimmt irgendwann bessern. Ganz locker geht es durch die zweite Runde. 21:43min - Schnitt 4:21min/km für Runde 2. Ich werd verrückt 43:44 für 10km. Sollte ich nicht Tempo rausnehmen? Das kann nicht funktionieren. Egal weiter geht es. Keine Schmerzen, Problemknie scheint gut zu laufen. Vom Bänderriss und den Frakturen merke ich gar nix. Trainingsprogramm habe ich auch komplett durchgezogen. Was soll das also, langsamer werde ich noch schnell genug. 3. Durchlauf KM15, 21:52min Schnitt 4:22min/km. Nun fängt es ein bisschen an weh zu tun beim leichten Anstieg, aber ein Plausch unter Läufern lenkt mich wieder ab. Wahnsinn! Mein Gesprächspartner läuft heute seinen ersten Ultra. Den Marathon läuft er in 2:38, aber normalerweise ist er mehr auf der Halbdistanz unterwegs. Schon ist auch die 4.Runde absolviert. 22:03min - 4:25min/km. Mal nachladen mit dem ersten Gelpack. Wasser zum runterspülen am Getränkestand geschnappt. Bäh! Mit Kohlensäure. Wenn das mal gutgeht. Ich muß es trinken. Es hilft ja nichts. Immer mehr Manöver für die überrundeten Läufer/innen müssen jetzt zusätzlich in Kauf genommen werden. Ganz besonders an der Wendepunktstrecke ist das jetzt teilweise nur noch neben dem befestigten Weg möglich. Das kostet extra Kraft. Bei der Wende merkt man jetzt immer mehr wie schwierig es ist wieder auf Touren zu kommen. Jetzt wird es zäh! Aber das war zu erwarten. Trotzdem ich bin sehr gut im Plan. Was wollte ich laufen? 3:50? Da geht heute mehr. Bestzeit muß das werden! OK, das Knie meldet sich leicht, aber ist alles noch ganz normal. Runter zum Zieldurchlauf. Nochmal Schwung holen. Halbzeit KM25 1:49:36 - 21:57min für Runde 5. Das ist sogar noch schneller als die 4.Runde. Wie war noch die 25km Durchlaufzeit vom Ultra im Bottrop? 1:49:30 also in etwa gleich. Doch heute bin ich besser drauf. Da geht was, durchhalten! Diese Runde kann ich noch mal mit 21:59min laufen. Noch 20km, die ersten Zweifel kommen auf und Seitenstechen kommt mit dazu. Das war mir irgendwie klar nach dem Sprudelwasser. Es wird jetzt echt hart. Ich versuche den Trick mit dem ausatmen beim auftreten. Es hilft, nach ca. 1km bin ich die Seitenstechen los. Wieder ne Runde geschafft. Aber jetzt mit 22:20min etwas langsamer, aber immer noch mit Schnitt unter 4:30min/km. Das hätte ich mir vor dem Lauf nie träumen lassen. Es wird zur Qual, los reiß dich zusammen! Nochmal Gelpack mit Koffein. Aber diesmal mit Iso runtergespült. Vielleicht bringt es nochmal was. Ich laufe den Anstieg hoch, da treffe ich auf Stefan vom Bärenfels Marathon. Was für eine Aktion, wenn ich da noch dran denke. Wir haben zusammen im Schneechaos mein Auto vom Parkplatz gezogen. Völlig durchnäßt und natürlich nach gelaufenem Marathon. Da werde ich doch diese 13km hier noch schaffen. Ja und was macht der Stefan da? Obwohl ich ihn zum 2. mal überrunde, dreht er voll auf und zieht mich! Mal locker 2km läuft er in meinem Tempo mit. Danke Stefan, super Aktion! Wieder ne Runde mehr. 22:55min - 4:35min/km das ist immer noch top. 2:57:42 die Zeit bei KM40. Mit einem 5'er Schnitt laufe ich locker unter 3:50. So war es ja geplant. Aber jetzt ist doch mehr drin. Bestzeit! Vielleicht sogar Sub 3:45. Das war doch mein Ziel für Bottrop 2010. Leider wurde es ja nichts durch diese blöde Verletzung. Aber heute bin ich wieder voll da. Los jetzt, 10km alles mobilisieren. Anstieg hochgeschleppt, Marathondurchlauf kommt. In diesem Jahr sogar mit extra Zeitmessmatte. 3:07:15 ich brech ab, diese Zeit bin ich beim letzten Koberstädter Waldmarathon nicht gelaufen. Und das hier ist ein 50'er! Also noch 7,8km beißen. Die Füße brennen jetzt auch, aber das werd' ich jetzt auch noch überstehen. Denk an das Zielbier, die Sub 3:45 es ist so greifbar nahe. Ich schleppe mich runter zum Gänsbrüh. Wenn ich jetzt da unten durch bin, dann ist es noch eine Runde. 23:25min - 4:41min/km. Mir kam das schon vor wie ein Schnitt über 5min/km. 5km noch, das ist doch eigentlich gar nichts. Wie viel Zeit bleibt mir noch? 24:46 für 5km. Ich darf also auf keinen Fall über die 5min/km kommen. Das wird verdammt hart in diesem Zustand. Zum letzten mal vorbei am Versorgungsstand. KM Marker kommt. 4:49 für KM46. So würde es reichen. Aber jetzt geht es erst mal wieder leicht hoch. Endlos zieht sich dieser eigentlich harmlose Anstieg. Bin total platt, KM 47 in 4:53min. Das kann doch nicht wahr sein, ich verliere immer mehr an Boden. Es geht nichts mehr. Wendepunktstrecke, nochmal überholen im Grünstreifen. Wende am Tisch, ich komme kaum mehr vom Fleck. Noch einmal übers Feld, dann in den Wald und runter zum Gänsbrüh'. Das ist doch echt nicht weit! 4:53min für km 48. So muß es doch reichen. Nur noch rüber in den Wald. Zum Gänsbrüh' runter geht es doch von selbst. Endlich rein in den Wald. Nochmal anziehen, jetzt alles rausholen. 4:50 zeigt die Uhr für KM49. Mir bleiben noch 5:20min für den letzten KM. Das werde ich schaffen. Den Lärm vom Ziel kann ich schon hören. Wie geil, das ist jetzt was für Genießer. Ich werde schneller. Das nimmt mir keiner mehr. Was für ein Comeback nach der Verletzung. Das hätte ich mir nicht träumen lassen. Das ist der Lohn für konsequentes Training. Mit der Zieluhr im Blick geht es runter. Das reicht locker für die Sub 3:45. Noch ein paar Meter. Ja, geschafft!! 3:44:20 neue Bestzeit auf 50km.



Nicht möglich! Sub 3:45 und neue PB über 50km



Alles da, vorbildliche Zielverpflegung



Immer wieder schön, der Zieleinlauf



Erst zieht er beim Bärenfelsmarathon mein Auto aus dem Schnee, dann macht er 2km lang die Pace in Runde 8 für mich. Stefan vom Bärenfelsmarathon Team

Der Rückweg zu den Duschen wie immer eine Qual. Ich werde ständig überholt. Wo nehmen die denn alle die Kraft her? Wohl nicht alles gegeben beim Ultra?
Noch etwas ganz besonderes in diesem Jahr. Die Duschen sind warm! Ein Traum!