Samstag, 15. August 2009

22.Hüttenfelder Kerwelauf

Der Halbmarathon in Hüttenfeld kam gerade recht als Test für die kommenden Marathonläufe in Koberstadt und Darmstadt. Die Strecke kenne ich bereits aus dem Vorjahr.
Das Training der letzten Wochen hat mir sehr zugesetzt, ich bin müde und platt. Außerdem plagen mich schon seit mehreren Tagen heftige Rückenschmerzen in der Nacht, vernünftige Erholung durch schlafen fast unmöglich.
Der Wettkampftag :
Als wären die Voraussetzungen nicht schon schlecht genug, kommen jetzt auch noch Temperaturen um die 30° hinzu. Ich begebe mich auf den Weg nach Hüttenfeld. Die Brühe läuft mir den Kopf runter, die Klimaanlage steht auf voll.
In Hüttenfeld angekommen, empfangen mich auch gleich die beiden Ordner, welche den Verkehr der Bundesstraße zwischen Start/Ziel und Bürgerhaus regeln. Es sind die gleichen fleißigen Helfer wie im Vorjahr.



optimale Verkehrsreglung. Die Ordner haben alles im Griff. Hier hat der Läufer Vorrang



Kein leichter Job bei 30° Grad. Trinken ist heute sehr wichtig !

Jetzt noch schnell die Anmeldung ausfüllen und abgeben. Auf dem Weg zum Bürgerhaus kommt man an einem Teich vorbei, der mitten im Ort liegt.



Idylle mitten im Ort Hüttenfeld

am Kerweplatz vorbei ins Bürgerhaus. Hier sind schon einige Läufer/innen versammelt. Allerdings nicht so viel los wie im letzten Jahr. Nur 112 Teilnehmer werden dieses Mal den Halbmarathon finischen. Die brutale Hitze wird wohl viele von der Teilnahme abgeschreckt haben. Eine Online Anmeldung gibt es immer noch nicht in Hüttenfeld. Hier ist noch alles recht einfach gehalten, aber dennoch sehr professionell.




selbstgemachter,leckerer Kuchen,liebevoll gebacken und hergerichtet von engagierten Hüttenfelder Frauen

Anmeldung ausgefüllt und die wirklich günstigen 7,50 Euro bezahlt.



Startnummer geholt, jetzt gibt es kein zurück mehr bei abartigen Temperaturen von 30° Grad

Noch schnell umziehen, als Schuhe kommen heute stabilen Mizuno Wave Rider 11 zum Einsatz. Der Waldboden ist hier einfach zu holprig. Im letzten Jahr lief ich den Kurs mit Lightweight Schuhen. Das brachte mir damals leichte Knieprobleme ein.
Ich begebe mich schon mal in den Start/Ziel Bereich. Warmlaufen beschränkt sich heute auf höchstens 5 Minuten. Schließlich will man sich ja nicht schon vor dem Lauf unnötig kaputt machen.



Letzte Vorbereitungen. Die Fahrrad Karren werden beladen, und dann begeben sich die Helfer in den Wald zu den Versorgungsstellen.



Die HM Strecke von Hüttenfeld, 2 Runden fast komplett im Wald, vorbei an den zahlreichen ehemaligen Munitionsbunkern der US Armee.
Profil: hauptsächlich Waldweg, kleines Stück Asphalt, Sand und Feldweg



Kaum Schatten in Start und Zielbereich. Bervor es losgeht wird man nochmal schön aufgewärmt

Ich trabe nochmal ein wenig und beschwere mich über die brutalen Temperaturen. Ein anderer Läufer meint : "Wieso ? Ist doch alles freiwillig hier" Wie recht er doch hat ! Es gibt keinen Startzwang, und trotzdem haben sich schon einige Starter im Start/Zielbereich eingefunden.



Die Zeitnahme ist bereit. In wenigen Minuten geht es los.

Die Halbmarathon Starter werden aufgefordert sich nun in den Startbereich zu begeben. Raus aus dem Schatten, rein in die Sonne. Ich bin begeistert.



Der Startbereich in der prallen Sonne. 16.45 Uhr es geht los.

Das erste Stück geht durchs Feld auf einem asphaltiertem Weg. Nach ca.500m dann links Richtung Wald, jetzt an der Waldgrenze rechts auf einem Feldweg mit reichlich Sand. Es ist nicht sehr voll es gibt kaum Gerangel um die Plätze. Ich habe mir diesmal fest vorgenommen, am Anfang nicht zu überziehen. KM1 kommt und eine 4:00/km. Ist das jetzt gut oder schlecht ? Ich würde mal sagen, viel zu schnell für diese Hitze ! Ein Läufer fragt mich nach der KM1 Zeit, wir kommen schnell ins Gespräch. Inzwischen knickt der Weg in den Wald ab. Zum Glück Schatten. Ich plappere wie ein Wasserfall, wir reden über die angestrebte Zielzeit, die bisherigen Läufe, und was wir noch so alles vorhaben. Wir sind uns einig, eine Zeit unter 1:30 wäre heute absolut ok. KM2 und KM3 laufen wir gemeinsam in 4:08. Eigentlich immer noch zu schnell. Das wird sich am Ende rächen. Der erste Versorgungspunkt kommt. Ich schnappe nach dem Getränk und frage gleich mal nach den aktuellen Bundesliga Ergebnissen, da hier fleißig die Konverenzschaltung gehört wird. Jetzt biegt die Stecke nach rechts ab. KM4 wird ne 4:13/km. Schon besser, so kann es weiterlaufen. Strecke biegt wieder nach links ab. KM5 4:12 und KM6 4:20 ! So wird das nichts. Das Tempo muß wieder etwas angezogen werden. Der südlichste Teil der Strecke ist ist bereits passiert und wir sind schon wieder auf dem Rückweg der ersten Runde. Die Beine sind jetzt schon schwer und es fällt mir schwer, das Tempo wieder etwas zu forcieren. Der Doppelverpflegungspunkt mit Bundesligakonverenzradio kommt näher. Wieder Wasser und kurze Info über die Spielstände. Mist, die Bayern haben den Ausgleich geschossen....Strecke biegt rechts ab. Die Wendepunktstrecke kommt gleich. KM7 endlich wieder ne 4:04/km. Na bitte so gehts doch. Meinem Mitläufer wird es leider zu schnell und er läßt mich ziehen. Schade, niemand mehr zum plaudern. Obwohl das Reden anstrengt, lenkt es doch ein wenig ab. Der Belag der Wendepunktstrecke ist eine einzige Katastrophe, kleine gebrochene Betonplatten vermischt mit Waldboden. Nun die brutale 180 Grad Wende. Auf engstem Raum geht es rum, das kostet Zeit. Die Wendepunktstrecke ist geschafft. Abzweig nach rechts. Erfahrungsgemäß geht es hier trotz engerer Spuren etwas flotter. KM8/4:04 und KM9/4:08. Wir verlassen den Wald, und müssen nun am Waldrand in der Sonne den schwierigsten Teil der Strecke überwinden. Sandboden und Feldweg. KM10 trotzdem ne 4:11/km. Gesamtzeit für 10km 41:29. Ich passiere den Start/Ziel Bereich. Wieder auf Asphalt, aber in der prallen Sonne, brutal. Mich hat bisher noch niemand überholt, das ist ein gutes Zeichen. Weit vorne kann ich einen Läufer sehen. Das ist doch mal wieder ein Ziel. Bleib dran, den schafst du ! Und tatsächlich, am Waldrand habe ich ihn überholt. KM11/4:13 und KM12 wieder im Wald wird eine 4:11/km. Auf jetzt noch 9 km. Mir schwinden die Kräfte, aber hinter mir ist weit und breit nichts. Scheinbar geht es den anderen auch so. Eine kleine, frische Brise weht mir um den Kopf. Das tut ein wenig gut. Aber KM13 ist eine 4:32/km. Bin ich schon platt ? Das wäre ja fatal ! Ich ziehe an, irgendwie muß ich doch wieder auf einen 4:15'er Schnitt kommen. Also über 1:30 will ich hier nicht laufen. War das brutale Training zu viel ? Ist das die Quittung dafür ? Versorgungspunkt kommt, Wasser aufnehmen, und Ergebnisse fragen. Mainz holt ein Punkt in Hannover, und die Bayern kommen nicht über ein 1:1 gegen Bremen hinaus. Na, wenn das keine Motivation ist ! KM14 und KM15 ne 4:19/km. Das ist zu langsam ! Zähne zusammenbeißen. Noch 6km, auf geht noch ! Ne Zeit über 1:30 wäre für meine weiteren Marathonläufe alles andere als motivierend. Ich überhole bereits die ersten 10km Läufer/innen. Jetzt muß man also noch mit zusätzlichen Manövern rechnen. KM16 ein 3:59/km ! Jawoll, das habe ich jetzt gebraucht. Ich bin wieder etwas zuversichtlicher. Abzweig nach links. Noch 5km. Vor mir immer mehr 10'er Läufer/innen, welche schon Gehpausen einlegen müssen ! Ich komme immer näher an die HM Läufer ran. Vielleicht geht da noch was. Abzweig auf die Wendepunktstrecke. KM17 4:13. Ich schaffe es einen HM Läufer zu überholen. Mir kommen ein paar Läufer auf der Wendepunktstrecke entgehen. Viele sind es nicht. Hier geht noch was. Ich bin wieder motiviert. Wendepunkt, brutal. Warum ist das so eng hier ? Ich komme kaum in Gang. Und noch der Boden.....KM18 doch wieder ne 4:21/km. Naja, die Wende nimmt doch Zeit in Anspruch. Anders kann ich es mir nicht erklären, denn der überholte Läufer kommt nicht näher. Abzweig nach rechts. Nochmal alles rausholen. Reiß dich zusammen für die letzten 3km. Erfahrungsgemäß läuft es ja hier auf diesem Abschnitt. Die 10'er Läufer/innen nerven, aber wenigstens machen diese bereitwillig und schnell Platz. Zwei HM Läufer sind vor mir. Einen davon bekomme ich bestimmt noch. Noch ca. 2,5km jetzt alles rausholen. Ich komme immer näher ran. KM19 in 3:54/km ! Jetzt ziehe ich es durch. Ich bin gleich auf mit dem HM Läufer. Er läßt abreißen ! Super, die sind alle platt ! Vor mir der nächste. Da geht noch was. Ich kämpfe mich ran. KM 20 Schild kommt. Mit 4:08/km nicht ganz so schnell wie der KM davor, aber noch voll im Soll. Noch 1 KM. Ich ziehe an dem nächsten HM Läufer vorbei, auch er kann nicht folgen. Raus aus dem Wald, Sandboden, egal jetzt. Alles geben für den letzten KM. Da läuft vor mir noch ein HM Läufer. Ich ziehe an, komme immer näher ran. Die letzte Kurve vor dem Ziel. Ich versuche rechts vorbei zu gehen, es klappt. Die Kurve nach links. Zielgerade kommt. Ich schaue mich um, er ist mir noch dicht auf den Fersen, aber er kommt nicht näher. Jetzt Endspurt, KM 21 kommt. Die Uhr zeigt 3:50/km für den letzten KM und 1:27:30 insgesamt. Das reicht noch für Sub 1:28. Alles geben. Hände mit einsetzen. Ziel kommt näher, letztes Blick nach hinten. Da kommt niemand mehr ran. Das Ziel kommt. Geschafft ! Wahnsinn, handgestoppt 1:27:50. Ich kann es kaum fassen. Im Zielbereich sind kaum HM-Läufer zu sehen. Ich muß wohl sehr weit vorne gelandet sein. Wie geil. Jetzt noch Duschen und Siegerehrung.



Der Zielbereich, mehr braucht man nicht !

Im letzten Jahr gab es hier einen Shuttle Service zu den Duschen, aber ich laufe die Strecke, ein Läufer begleitet mich und wir können den Lauf gleich analysieren.



Vorbildlich ! Shuttle Service zu den ca. 1,2km entfernten Duschen am neuen Sportplatz

Schade, in diesem Jahr ist der Rasenplatz gesperrt. Wie gerne wäre ich nochmal barfuß ein paar Runden ausgelaufen. Aber dafür sind die Duschen optimal und auch warm. Nach dem Duschen steht gleich der Shuttlebus abfahrtbereit zur Siegerehrung.
im Bürgerhaus stehen die Läufer/innen vor den Ergebnislisten. Als ich endlich dran bin, kann ich kaum glauben was ich da sehe. Platz 4 insgesamt und Platz 2 in der Altersklasse ! Es ist der Wahnsinn. Also hat es sich gelohnt in der Hitze alles zu geben. Mal wieder ein schönes Erlebnis, auch wenn es qualvoll war unter diesen Bedingungen. Ich komme nächstes Jahr wieder. :-)

Samstag, 1. August 2009

6.Fischerfestlauf Gernsheim



Der erste "richtige" Zehner in diesem Jahr für mich. Gernsheim, meine 3. Teilnahme. Ist ja auch praktisch. Keine langen Anfahrtswege, günstige Startgebühr und eine vertraute Strecke. Ich hatte ein paar Intervalle im Training eingebaut, aber sonst nichts spezielles gemacht. Das Training lief gut, die 1000'er Intervalle konnte ich alle unter 4 Minuten laufen. Also war das Ziel ganz klar eine Zeit unter 40 Minuten.

Samstag 1.August Fischerfestlauf.



Die Anlage in Gernsheim am Rhein

Es ist in jedem Jahr schon fast Tradition, dass es am Fischerfest Samstag sehr heiß ist. Auch in diesem Jahr wird diese Tradition fortgesetzt. Schon bei der Fahrt nach Gernsheim zeigt das Thermometer 30-31° ! Die Strecke ist komplett in der Sonne. Es wird eine Qual werden. Unter der Woche hatte ich schon erhebliche Probleme mit den Temperaturen im Training gehabt. Was soll das bloß heute wieder werden.



Lange Schlangen bei der Startnummernausgabe. Der Lauf wird dank Mannschaftswertung immer interessanter für Vereine, Clubs usw.

Ich treffe auf Gregor, der zum ersten Mal beim Fischerfestlauf am Start ist. Später kommt noch Thomas aus dem Läuferforum, und Helge ein alter Schulkamerad von mir dazu.
Der Start ist total überfüllt. Es gibt keine Chipzeitmessung, also mal schnell in die vorderen Reihen mogeln. Ca. 3-4 Startreihe für mich, das ist ok.



Start und Zielbereich 45 Minuten vor dem Start. Später wird es hier sehr eng zu gehen

Es geht los. Jetzt ist ca. 200 Meter Platz für ein paar Überholmanöver. Dann ein kurzer Anstieg auf den sehr schmalen Damm. Es ist eng, überholen kaum möglich. Aber ich bin von schnellen Leuten umgeben. Hier schon mal keine Probleme mit dem großen Läuferfeld. Erster Richtwert 1km, die Uhr zeigt 3:48 für den ersten KM. Was für ein Anfangstempo, das kann nicht gutgehen. Wir verlassen den Damm, es geht durch das Wohngebiet im Süden von Gernsheim. Über die abgesperrte Hauptstraße Richtung Bahngleise. Ich bin schon am hadern mit mir, warum bin ich wieder so schnell angegangen bei diesen mörderischen Temperaturen. Gregor enteilt mir so langsam, naja das war ja auch klar, dass ich da nicht mitgehen kann. Jetzt geht es parallel an den Bahngleisen entlang. KM2 stoppe ich mit 3:55/km. Nach ganze 8km sind vor mir.



Der Fischerfestlauf im Überblick

Überall haben die Bewohner von Gernsheim kleine Duschen zum durchlaufen aufgestellt. Diesen Service nehme ich heute gerne in Anspruch. Die Strecke an den Bahngleisen zieht sich, endlich der Abzweig in die Innenstadt. Hier müssen jetzt 4 Runden gelaufen werden. Dafür hat jeder Läufer/in 3 Kabelbinder bekommen. Nach jeder Runde wird ein Kabelbinder in eine bereitgestellte Tonne geworfen. Hat man keinen Kabelbinder an der Tonne mehr übrig, dann darf man wieder zurück zum Start. Diese Reglung stößt teilweise auf Unverständnis bei den Läufern/innen. Für mich nichts neues, ich sage nur, das ist Kult in Gernsheim.



4 Runden in der Innenstadt sind zu absolvieren

Meine erste Innenstadtrunde kommt. Vorher wird noch KM3 abgedrückt mit 3:55/km. Soweit so gut, alles im Kurs auf Sub 40. Einziges Problem, noch 7km zu laufen, und ich bin jetzt schon total am Ende. Egal jetzt, weiter geht es, irgendwie werde ich das Ziel schon erreichen. Die erste Runde in der Innenstadt geht noch so einigermaßen, lediglich die vielen Kurven werden etwas Zeit kosten. Zweite Runde wird schon schwieriger, man muss jetzt noch die etwas langsameren Läufer/innen im Slalom Kurs überholen. Dafür gibt es aber gute Stimmung von dem Innenstadt Publikum. An einem Stand haben es sich die Zuschauer besonderes gemütlich gemacht. Hier liegt man im Liegestuhl mit gekühltem Sekt in der Hand. Auch eine schöne Art, einen Stadtlauf anzusehen. Meine KM Zeiten werden logischerweise langsamer. KM4/4:05 ; KM5/4:08. Noch 2 Runden in dem immer enger werdenden Stadtrundkurs. Es ist zum verzweifeln. Wie soll ich bloß den Schnitt unter diesen brutalen äußeren Bedingungen halten. Es wird nicht klappen. Komm vergiss die Sub 40, heute geht es nur ums ankommen in einer halbwegs vernünftigen Zeit. In der 3. Runde zündet sich ein Zuschauer auch noch ne riesen Zigarre an, der Qual blasst mir direkt ins Gesicht, na super. Augen zu und durch. Nochmal vorbei an den Cafés. Letzte Runde kommt. KM6 ne 4:10 ! Aus der Traum, jetzt nur nicht völlig wegbrechen. Diese 10'er sind einfach nichts für mich. Nochmal durchhalten in der stimmungsvollen Innenstadt. Plötzlich ruft jemand: "Frank". Hey, da ist ja ein Rudi mit Frau, ein Läufer aus meiner Nachbarschaft. Toll, das freut mich. Der Glückliche wird bald nach Island zum Reykjavik Marathon fliegen. Irgendwann werde ich mir diesen Traum auch noch erfüllen ! Ich versuche alles um nicht noch mehr an Boden zu verlieren. Raus aus der Innenstadt. KM7 4:09/km. Vielleicht kann ich jetzt nochmal anziehen auf der Geraden an der Bahnlinie. Aber hier bläst jetzt der Wind. Es ist zum verrückt werden. In meinem Windschatten hat sich schon ein Läufer eingenistet, er kommt immer näher. Es geht nicht mehr, ich lasse ihn vorbei. Versuche gleichzeitig in seinem Windschatten zu laufen. Geht nicht, er ist schon weg. KM 8 in 4:06/km. Zähne zusammenbeißen. jetzt noch 2 km. Wieder in der absolut prallen Sonne. Die Kopf ist kurz vorm platzen, der Kreislauf am Anschlag. Nochmal über die große Hauptstraße. Ich schaffe es tatsächlich nochmal den Läufer, welcher mich an den Bahngleisen überholt hat, wieder einzuholen und auch an Ihm vorbei zu gehen. Na bitte. Aber wo bleibt den der Damm, es erscheint mir endlos. Endlich der Abzweig. Den Minianstieg den Damm hinauf. KM 9 in 4:07. Ich komme einfach nicht mehr ran an den 4'er Schnitt. Aber jetzt muss man mal realistisch bleiben, mehr ist da heute auch bei schätzungsweise 28-30 Grad in der prallen Sonne nicht drin. Jetzt nur irgendwie das alles zu Ende bringen. Ich überhole sogar noch einen Läufer auf dem Damm. Na so schlecht kann es doch nicht sein, schließlich hat mich doch auf dem Rückweg keiner mehr überholt. Die letzten Meter auf dem Damm. Wo bleibt den das Stadion, nochmal ein Kurve, da ist es. Ich kann den Zieleinlauf sehen. Was geht noch ? Komm jetzt gibt alles. Die magischen 40 Minuten sind überschritten, ein letzter Endspurt. Geschafft. Zielzeit 40:21 handgestoppt. Ich bin total platt. Meine Güte, was für eine Aktion.



Die wohlverdiente Dusche nach dem 10'er in Gernsheim

Unterm Strich, hier ging nicht mehr. Vielleicht mit einem langsameren Anfangstempo. Aber dann hätte man sich mit den Läufermassen rumärgern müssen. Sub 40 war heute unmöglich. Vielleicht kommt noch ein 10'er in diesem Jahr, wo ich es unter angenehmeren Bedingungen noch einmal versuchen kann.
Gernsheim, immer wieder schön, aber auch immer voller dank den Mannschaftswettbewerben. Teilnehmerfeld wird von Jahr zu Jahr stärker. Fürs nächste Jahr wünsche ich mir 20°.

Samstag, 18. Juli 2009

19.Tannenberglauf Seeheim

Kurzfristig mal schnell zum Tannenberglauf in Seeheim angemeldet. Den Flyer hatte mir jemand beim Darmstädter Stadtlauf in die Hand gedrückt. Voll mit Wettkampfterminen, wollte ich eigentlich 4 Wochen keinen Wettkampf laufen. Aber so ein 10'er geht doch irgendwie immer.
Der besondere Reitz des Tannenberglaufes besteht darin, in den ersten 3 km ca. 230 Höhenmeter zu überwinden. Dann sollte das schlimmste überstanden sein. Die Werbetrommel für den Lauf wurde heftig gerührt, es ist also mit einem hohen Teilnehmerzuspruch zu rechnen. Auf den Plakaten kann man schon sehen, dass der erste Platz schon vergeben ist. Dominik Burkhardt die lokale Laufgröße aus Südhessen wird am Start sein.



Der Tannenberglauf, für einen Flachlandläufer vom Altrhein ein heftiges Höhenprofil



noch keine Ahnung was auf mich zu kommt, Stimmung noch gut



ab hier 230 Höhenmeter bis zum Wendepunkt in den Ruinen der Tannenburg

Zeitig in Seeheim angekommen. Im aller Selenruhe die Startunterlagen geholt. Ich habe noch viel Zeit und erkunde schon mal den Start und Zielbereich. Der Start liegt ganz dicht beim Ziel. Allerdings ohne die Bibchip Sensoren. Das bedeutet, die Uhr läuft beim Startschuß und endet wenn man durch das Ziel (mit Bibchip Sensoren) läuft. Also ganz nach vorne beim Start, sonst kann man hier schon wertvolle Zeit in den beengten Straßen um den Zielbereich herum liegen lassen. Noch umziehen und ein wenig warmlaufen, dann kann es auch losgehen. Die Temperaturen sind sehr angenehm, etwas über 20°. Ich schaffe es tatsächlich in den vorderen Bereich der Startes zu kommen. Aber anstatt endlich den Startschuss abzufeuern, wird noch ewig lange der Streckenverlauf erklärt. Man könnte fast glauben, es würden keine Ordner an der Strecke stehen, und Schilder gibt es auch nicht. So ausführlich wird der Weg beschrieben, dass die Läufer/innen an der Startlinie schon die Gesichter verziehen. Aber jetzt geht es endlich los.



der Start mitten in der engen Fußgängerzone.

Wie immer gleich mal schnell weg von Start. Nach ein paar hundert Metern geht es links um die Kurve den Berg hinauf. Jetzt geht die Quälerei los. Der erste Anstieg von 90 Höhenmetern auf 700 Meter Strecke muß teileweise über Treppen erklommen werden. Mir reicht es jetzt schon. Auf was habe ich mich denn da wieder eingelassen. Ich bin total froh, dass ich endlich diese erste Hürde genommen habe. Vorbei an dem Schulungszentrum der Lufthansa. Hier ist die Strecke jetzt halbwegs eben. Der erste Verpflegungsstand ist auch schon da. Gleich mal ein Isotonisches Getränk geschnappt nach nicht mal 10 Minuten laufen. KM Schilder gibt es scheinbar keine. Ich habe überhaupt keine Orientierung wie schnell ich eigentlich unterwegs bin. Die kurze Erholungsphase ist vorbei. Der Weg führt wieder in den Wald, steil nach oben. Kein Ende in Sicht. Wie lange dauern denn diese 3 KM bis zur höchsten Erhebung. Dass es so brutal werden würde, habe ich mir nicht träumen lassen. Der Weg ist leicht aufgeweicht durch die vielen Regenfälle der letzten Tage. Zum Glück habe ich mich für die stabileren Wave Rider Schuhe, anstelle der sonst bei 10km Strecken üblichen Lightweight Treter entschieden. Der Matsch macht das Bergauflaufen noch schwieriger. Da denkt man, dass es nach der nächsten Kurve endlich wieder eben ist, aber es geht immer weiter nach oben. Von der Tannenburg noch keine Spur. Ich muß jetzt irgendwie da durch, blos nicht gehen. Das wäre der Anfang vom Ende. Los zusammenreißen. Da kommt mir Dominik Burkhardt entgegen. Er war also schon am Wendepunkt in der Tannenburg. Dann muß ich auch bald oben sein. Ja ! Da ist die Ruine. Mit letzter Kraft noch hochgeschleppt. Durch die Ruine durch und jetzt nur nach unten. Am Scheitelpunkt taumele ich fast wie ein Besoffener. Ich bin jetzt schon total am Ende. Und eigentlich sind ja erst ca.3km vorbei. Die Uhr sagt um die 15 Minuten 30 Sekunden. Da hier ja keine KM Schilder stehen, dann kann man das auch nicht richtig zuordnen.



Der Wendepunkt. Die Tannenburg. Das Schlimmste ist überstanden.
Urheber des Bildmaterials: Spot1972

Jetzt heißt es konzentrieren und nicht im Matsch ausrutschen. Die Strecke wird eng. Ein paar Meter müssen wir uns den Weg mit den noch rauflaufenden Läufer/innen teilen. Am Anfang ist das Bergablaufen noch angenehm. Aber je länger es dauert, um so anstrengender wird es. Es geht rasend schnell nach unten. Der Puls von 170 (93%HFmax) bei der Steigung ist jetzt auf 155 (85%) gefallen. Die Kurven haben es in sich. Aufpassen im Matsch ! Jetzt geht es wieder ein kleines Stück nach oben. Das müßte also ungefähr KM 4 sein. Wir passieren die Treppen vom Aufstieg. Aber diesmal geht es vor dem Schulungszentrum der Lufthansa links runter Richtung Ortskern von Seeheim. Wieder steil bergab diesmal auf Asphalt. Das tut jetzt schon sehr weh. Ich hoffe nur, dass ich das alles ohne Verletzung überstehe. Das Tempo ist brutal hoch. Jeder stürzt sich die Straße hinunter. Ein paar Abzweigungen und es wird wieder halbwegs eben. Die Gegend kommt mir vertraut vor. Wir sind wieder im Start/Ziel Bereich. Vorbei am Friedhof, der Sporthalle noch kurz hoch. Links und gleich wieder rechts in eine sehr schmale Gasse. Hier kann jetzt nicht überholt werden, nur ein Läufer passt zwischen den Häusern durch. Nochmal ein Stück bergauf und rechts zum Zieldurchlauf. Und jetzt, wie geht es weiter ? 4 Runden sind im Ortskern zu laufen. Das sorgt für Verwirrung. Ich bin mir jetzt auch nicht mehr so sicher, und frage fast jeden Streckenposten an dem ich vorbei komme. Insgesamt muß man also 4 mal durch das Ziel laufen. Ich bin nur noch am überholen, denn jetzt kommen immer mehr Teilnehmer dazu. Runde um Runde wird es voller. Ich bin am Ende, weis gar nicht, wie ich das noch schaffen soll. Dabei sieht es doch ganz gut aus. Die Stimmung im Ortskern ist klasse. Das baut nochmal auf für die letzten 2 Runden. Im Zielbereich wird es nun immer enger. Viele Läufer/innen stehen schon mit dem Zielbier in der Hand an der Seite, obwohl ich mir sicher bin, dass da noch die eine oder andere Runde fehlt. Nicht irre führen lassen. Ich vertraue auf die Uhr. Die sagt nach 3 Runden um die 40 Minuten. Das kommt hin mit der Zeit. Nochmal die letzten Kräfte mobilisieren. Da geht noch was. Schnell vor der kleinen Gasse noch ein paar Läufer überholt. Mist ! Trotzdem ist noch jemand vor mir. Ich kann leider nichts machen. Raus aus der Gasse gleich überholt. Endspurt angesetzt. Das Ziel ist sichtbar. Das schaffe ich noch unter 44 Minuten. Auf los jetzt. Geschafft ! 43:51 ! Na das ist doch ganz gut für mich als nicht Bergläufer. Was ich im Anstieg auf die Tannenburg verloren hatte, konnte ich wohl in den Runden im Ort wieder gutmachen.



Das Ziel mit Bibchip Zeitmessung. Am Start allerdings kein Sensor. Wie geht das denn ?



Siegerehrung mit Grossleinwand. Links, die beiden Sieger Said Azouzi und Younes Ammouta vom Lang Lauf Jugenheim verlassen gerade die Bühne. Platz 1 und 2 in der Zeit von 33:39,7 vor Lokalmatador Dominik Burkhardt (35:01,3).

Am Ende für mich fast unglaublich. Platz 19 insgesamt und Platz 2 in der Altersklasse. Super. Damit habe ich im Leben nicht gerechnet. Ein brutaler, aber letztlich schöner 10’er auf die Tannenburg.

Freitag, 3. Juli 2009

12.Marburger Nachtmarathon

Kurz entschlossen hatte ich mich für den Marburger Nachtmarathon angemeldet. Nicht mal 4 Wochen war es her, als ich den letzten Marathon (Mittelrhein) meiner Marathontripleserie gelaufen war. Nach dem Mittelrheinmarathon hatte ich doch erhebliche Probleme mit der Leiste bekommen. Es dauerte etwa 2 Wochen, bis das wieder so halbwegs im Griff war. Mehr als reduziertes Training war also erstmal nicht drin.
1. Woche - 3 Einheiten 44km locker
2. Woche - 6 Einheiten 86,4km incl. langer Lauf mit 25,5km
3. Woche - 5 Einheiten 70,7km incl. langer Lauf mit 25km und 5km Wettkampf Darmstädter Stadtlauf
4. Woche - 3 Einheiten 30,3km kurzer 3x1500m Testintervall im MT, Rest locker ; Freitags dann Marathon

Freitags zeitig von der Arbeit weg, noch schnell Gabi in Kriftel eingeladen, und ab auf die A5 Richtung Marburg. Es gab ein paar kleinere Staus, aber trotzdem sind wir relativ früh in Marburg. Es sind schon viele Läufer/innen im Marburger Universitätsstadion versammelt. Alles super organisiert und schön hergerichtet. Das einzige Problem an diesem Tag sind die hohen Temperaturen. Ca. 29 Grad sind es. Die Hitze drückt. Es sieht allerdings so aus, als könnte noch ein heftiges Wärmegewitter losgehen.



trotz hoher Anzahl von Voranmeldern professionel organisiert, ohne das Flair einer kleinen, beschaulichen Veranstaltung zu verlieren



Bis zum Ziel liegen noch 42,2km und Temperaturen um die 29 Grad vor uns

Vom Stadion aus, muß man noch den Fußweg zum Startplatz in der Marburger Altstadt hinter sich bringen. Das dauert ca.15 Minuten und beinhaltet um die 100 Höhenmeter. Also braucht man sich nicht mehr warmlaufen. Es geht nach oben durch die wunderschöne Marburger Altstadt. Der Marktplatz ist schon sehr voll, eine tolle Stimmung ist hier.



Der historische Marktplatz von Marburg. Alles wartet auf den Start
Foto von Laufjoe

Der ehemalige Weltklasse Biathlet Sven Fischer ist da, um den Startschuss abzufeuern. Überhaupt viel Prominenz ist angereist. Sogar die deutsche Spitzenathletin Susanne Hahn wird den Halbmarathon laufen, und auch in 1:16:48 gewinnen. Die Wolken haben sich verzogen, die Gewittergefahr ist vorbei. Die hohen Temperaturen um die 29 Grad bleiben jedoch. Pünktlich um 19 Uhr kommt der Startschuss.



Am Start wie immer bester Laune. Links die Marathonurgesteine Josef mit Frau und "Henne". Rechts Gabi und Frank
Foto von Laufjoe

Erst mal ca. 1km nur die enge Barfüßerstraße der Altstadt hinunter. Vorbei an kleinen Kneipen und Cafe’s . Trotz der Enge und einigen Überholmanövern hat man hier schnell ein super Tempo drauf. Wir verlassen den Altstadtbereich und kommen auf die fast 180 Grad Kurve an der Universitätsstraße. Jetzt ist viel Platz. Das Gefälle ist nun leider vorbei, aber die Geschwindigkeit ist immer noch sehr hoch. KM1 stoppe ich mit 3:54 ! Verrückt ! Nun gut, da war ja auch das Gefälle, entscheidend sind die nächsten KM, und wie wird sich die mörderische Hitze auswirken. Mein Plan ist wie in den letzten Marathonläufen gleich. Erst mal auf die Sub 3 Stunden angehen. Schauen, wie lange ich das Tempo halten kann. Mir ist natürlich klar, dass es heute damit nicht klappen wird, vielleicht wenn es 10 Grad kälter wär schon. Aber egal, ich schaue erstmal, dass ich ungefähr den 4:15/km Schnitt halten kann. Ich bin doch erstaunt, wie viele Leute an der Strecke stehen. Das beflügelt natürlich und macht Spaß. Immer wieder kann man links hinauf auf die historische Altstadt schauen. Wirklich sehr schön hier. Zur linken jetzt die Philips Universität, es gibt überall was zu sehen. Die Zeiten : KM2 kommt mit 4:03 und KM 3 mit 4:05. Das ist ja total irre ! Nun kommt auch schon zur rechten die Elisabethmühle eine der ältesten historischen Gebäude der Stadt. Nun hat das Marathonsightseeing erst mal ein Ende. Es geht raus aus der Stadt die Bundesstraße neben der Lahn zum Ort Wehrda. Die Hitze macht mir zu schaffen, aber es läuft. Die Halbmarathonies ziehen einen gut mit. Bei KM4 (4:21/km) nehm ich ein wenig Tempo raus, um den Puls wieder zu drücken. Das klappt aber nur kurz und der Puls schnellt wieder hoch. KM5-7 nun alle um die 4:15/km rum. So war es ja geplant. Nach Wehrda wird die Lahn überquert und es geht rechts rein, ins frisch abgemähte Feld. Puh ! Das macht einem zu schaffen. Die Luft ist hier sehr trocken und für Allergiker bestimmt kein Spaß. Hoffentlich kommt bald mal ein Versorgungsstand, dass ich den Staub im Hals runterspülen kann. Die Verpflegungsstation kommt und ich kann endlich was trinken. Es gibt alle 4 KM Verpflegungsstationen. Im Normalfall ist das absolut ausreichend, doch heute könnte ich alle 2 km so eine Station gebrauchen. Wir laufen an einem Footballfeld vorbei. Auf dem Parkplatz ziehen sich Spieler gerade um. Ich denke nur an die schwere Ausrüstung, die tun mir ja leid. Weiter am Lahnufer. Hier sitzen Angler in einer Seelenruhe und gehen Ihrem Hobby nach. Ich gehe auch meinem schönsten Hobby nach, nämlich Marathon laufen, und ich bin schon ganz schön am schwitzen. KM 9 Schild habe ich verpasst, jetzt muß ich aufpassen, dass ich die „10“ nicht übersehe, sonst gibt es keine Richtzeit für mich. Da kommt ja die „10“ endlich. Mal sehen……41:58 für 10km. Wie krank ist das denn ? Also das ist mal klar, dass es so nicht weitergeht, aber erstmal laufen wir wieder an einer schönen Ansammlung von Zuschauern vorbei. Sie bilden eine kleine Gasse für die Läufer, das mag ich ja total, also wird nicht gedrosselt mit dem Tempo. Weiter am wunderschönen Lahnufer, nur ein paar Mücken stören die Idylle. Das Universitätsstadion nähert sich zum ersten Mal. Kurz vor dem Stadion müssen wir über einen schmalen Holzsteg die Lahn überqueren. Nun geht es auf der anderen Seite weiter. Zur linken die Lahn und zur rechten sitzen viele Studenten auf den Lahnwiesen und genießen die Feierabendstimmung mit Bier und anderen Getränken. Da dieser Teil der Strecke 3 mal für die Marathonläufer absolviert werden muß, stehen auch schon die Schilder am Rand. Ich laufe an der „23“ vorbei, da wird mir erst bewußt, was ich noch alles vor mir habe. So geht es jetzt immer weiter an der Lahn entlang. Die Temperaturen werden nicht angenehmer. Was ich schon die ganze Zeit befürchtet habe tritt ein. Die KM Zeiten werden schlechter ! Der Puls geht weiter hoch auf 167(91%HFmax) und der Schnitt pendelt sich bei ca. 4:20/km ein. Also eines ist jetzt sonnenklar. Sub 3 kannste heute knicken ! Immer weiter in Richtung Gisselberg, jetzt ist der Laufweg neben der Bundesstraße, das ist nicht mehr so schön. Überall kleine Stimmungsnester. Die Zuschauer sind echt klasse. Endlich weg von der Bundesstraße, rein ins Örtchen Gisselberg. Hier ist was los auf der Straße. Und der nächste Getränkestand kommt zum Glück. Wir verlassen Gisselberg. Der Weg führt weiter Richtung Autobahn. Schließlich läuft er parallel dazu. Mit Hilfe der Autobahnbrücke geht es wieder über die Lahn. Ich versuche beim runterlaufen von der Brücke ein wenig zu verschnaufen. Aber ich bin jetzt schon fix und alle. Scharf rechts unter der Autobahn durch, geht es jetzt auf der anderen Seite wieder in umgekehrter Richtung weiter. Hier sieht man schon, dass es für Runde 2 und 3 eine kleine Zusätzliche Schleife zu laufen gibt. Kurz vor der Lahn wieder unter der Autobahn durch. Hier wird es jetzt ein bisschen abenteuerlich. Ein Trampelpfad für maximal 1 Läufer/in in der Spur. Überholen, sehr schwierig und kostet Kraft, da man ins Gras ausweichen muß. Aber es geht ja nicht lange. Nochmal unter der Bahn durch und schon sind wir wieder mitten im Feld auf einem asphaltierten Weg. Es geht wieder nördlich Richtung Stadion. Was macht denn eigentlich die Zeit. KM17 drücke ich bei 1:12:11 ab. Macht ein Schnitttempo von ca. 4:15/km. Trotz schlechterer KM Zeiten immer noch im super im Soll. Aber ich zehre ja auch von meinem erlaufenen „Vorsprung“ aus den ersten 10km. Ein Fahrrad begleitet uns die ganze Zeit schon. Ja hat der nichts besseres zu tun, als uns schwitzen zu sehen ? Nein, jetzt kapier‘ ich das Ganze. Er ist der Kumpel von einem Läufer, und jetzt gibt er Ihn noch die Getränkeflasche ! Das geht ja schon mal gar nicht ! So eine Sauerei ! In den Richtlinien steht doch ganz klar, dass Fahrradbegleitung verboten ist. Wo kommen wir denn da hin, wenn da jeder seinen Begleiter dabei hat. Ich hätte jetzt auch gern was zu trinken, aber ich muß warten auf den nächsten Getränkestand. Und dieser Typ kann trinken wann er will. Und das Beste, er muß die Flasche nicht mal mitschleppen. Auf solche Betrügereien steh‘ ich ja total ! Ich überhole die beiden, und kann es mir nicht verkneifen eine Bemerkung zu machen. Naja, die Startnummer läßt darauf schließen, dass er nur den Halbmarathon läuft. KM18, KM 19 wieder unter einer Brücke durch. Zur rechten jetzt der Stadtteil Cappel. Ein bisschen Industrie und Einkaufszentren, nicht mehr so schön, aber nun sind wir wieder direkt an der Lahn. Die Halbmarathonies setzen die letzten Kräfte frei. Ich plaudere mit einem der Glücklichen, welche es gleich geschafft haben. „stell schon mal weil das Bier kalt, ich muß noch zwei Runden laufen“, „für mich reicht heute der Halbe, ich bin vor 4 Wochen erst den ganzen in Koblenz gelaufen“ ist seine Antwort. Na super, ich bin vor 4 Wochen auch den ganzen in Koblenz gelaufen ! Jetzt hilft kein Jammern mehr, ich muß da noch zwei mal runter ! Der Lahndamm auf dem wir laufen teilt sich auf, links die Marathonläufer, rechts die glücklichen Halbmarathonfinisher. Es wird eng, viele Zuschauer und eine super Stimmung. Da kann man nochmal eine Schippe drauf legen. Ich laufe am Stadion vorbei und schaue etwas neidisch auf die Halbmarathonläufer, welche gerade ihre letzte Runde im Stadion laufen. Ich muß wieder rüber über den schmalen Holzsteg. Was ist denn hier los ??? Alles voller schleichender Läufer, ich rufe ACHTUNG von hinten. Es hilft nichts, kein Platz für mich, viel zu schmal der Steg. Einige machen Platz, aber andere hören dank MP3 Player im Ohr nichts. Ich rausche voll rein. Das bringt mich ein wenig aus dem Tritt, aber es geht weiter. Gleiche Strecke runter nach Gisselberg. Was waren denn das eigentlich für Läufer/innen ? Jetzt dämmert es mir. Das waren die Marathonläufer und Halbmarathonläufer welche erst 11km hinter sich haben. Das bedeutet, das werden jetzt immer mehr werden, welche ich überholen muß. Tatsächlich muß ich jetzt ständig mit rufen mir Platz verschaffen. Hier laufen jetzt viele nebeneinander, plaudern und versperren so die Strecke für die schnelleren. Aber die meisten machen doch rechtzeitig Platz. Aber es nervt, und so manche extra Manöver müssen gelaufen werden. Wie war denn eigentlich meine Halbmarathonzeit, ich habe die letzen Schilder alle verpasst. KM22 zeigt mir ne 1:34:09 an. Also dürfte der HM Durchlauf bei knapp unter 1 Stunde 31 Minuten gelegen haben. Mal sehen, wie sich das weiter entwickelt, ich rechne mit dem Schlimmsten. Diese Hitze macht mich heute einfach total fertig. Immer wieder Anfeuerung von den Studenten auf den Lahnwiesen. Die Strecke wird und wird nicht kürzer. Für KM23 brauche ich 4:29/km. Jetzt geht es also los ! Der Einbruch ist nicht mehr aufzuhalten. Trotzdem überholt mich niemand. Da hat wohl jeder so mit den Temperaturen seine Schwierigkeiten. Ich hoffe nun auf das Gel, das ich mir bei KM 20 eingeworfen habe. Stur geht es weiter den Radweg entlang. Ich muß hier jetzt echt mein Ding durchziehen. Keiner da, mit dem man laufen könnte, keine Unterhaltung, die einen mal ablenkt. Zum Glück plagen mich heute keine Orthopädischen Probleme wie beim Mittelrheinmarathon. Rechtzeitig zum Start in Marburg hatte ich doch alles so halbwegs in den Griff bekommen. Ich hatte mir lediglich über bei Waden/Wadenbein Kinesio Tapes geklebt und natürlich auch an der Problem Leiste. Das scheint ja heute zu klappen, denke ich mir noch. Aber wie soll ich bloß diese ganzen KM noch laufen ? Den Abzweig nach Gisselberg habe ich erreicht. Die Zuschauer hier harren immer noch aus. Klasse ! Der Getränkestand in Gisselberg ist schwierig zu erreichen. Viele Läufer/innen stehen einfach an den Tischen und machen keinen Platz. Wer kann es Ihnen verdenken, die sind halt alle am Ende. Weiter geht es, wie schon in der Vorrunde. Autobahnbrücke über die Lahn, aber jetzt der Zusatz für die Marathonläufer. Vor mir sehe ich 3 Läufer, die kann ich bestimmt noch einholen. Ich laufe am Streckenposten vorbei und frage „wie viele sind den vor mir ?“ „ungefähr 15“ ist die Antwort. OK, dann mal los, vielleicht geht da ja was. Die extra Schleife ist gelaufen, und ich bin wieder auf dem regulären Weg. Ich greife jetzt sogar zum nassen Schwamm. Sowas habe ich bisher noch nie gebraucht. Ich sehne die Getränkestationen herbei. Der Wasserbedarf ist heute enorm hoch. Nun der Trampelpfad, und wie schon befürchtet in der ersten Runde, hier kann es zu Staus kommen. Müheseelig versuche ich im Gras zu überholen. Geschafft, der sogenannte „Lahnfahrradweg“ ist wieder erreicht. Weiter geht es. KM 28 ist eine 4:31/km. Es sieht so aus, als könnte ich wenigstens noch unter 4:40/km bleiben. Wie lange wohl noch ? Aber, die 3 Marathonläufer habe ich eingeholt. Also wenn das stimmt, was die Streckenposten gesagt haben, dann bin ich jetzt auf Position 12. Das läßt doch hoffen auf eine Platzierung in der Altersklasse ! Bei KM 29 ist Cappel erreicht. Noch 13 km ! Was für ein Drama. Immer mehr schwinden die Kräfte. Schon lange denke ich in 5km Abschnitten. Mir geht der Ultramarathon von Eschollbrücken durch den Kopf. Wie einfach doch dort die ersten 40km waren im Vergleich zu heute. Naja, das waren eben auch andere Bedingungen. Das brutale Wettkampfprogramm der letzten Wochen geht halt auch nicht spurlos an mir vorbei. Bald kommt ja das Stadion, und da wird die Stimmung nochmal gut. Das ist wieder mal ein kurzer Highlight. Bei KM30 stehen 2:10:32 auf der Uhr. Jetzt will ich mal rechnen. Also unter 3:10 am Ende, das wäre schon toll. Dafür müßte ich jetzt aber einen Schnitt weit unter 5min/km bis ins Ziel durchhalten. Ich höre das Stadion. Der kleine Lahndamm ist überfüllt, ich muß ganz schön ausweichen, wieder drehen einige Läufer/innen ab ins Stadion. Ich muß noch ne Runde. Der Holzsteg ist logischerweise überfüllt. Ich rufe von weitem „Brücke frei !!!“ Es funktioniert bedingt. Die meisten machen Platz, aber auch einige Bremsmanöver sind nötig. So, jetzt noch eine Runde. Nochmal Gel mit Wasser runterspülen. Wo bleibt denn die Versorgungsstation. Es wird jetzt immer mehr zum Slalomlauf. Viele gehen schon, zu groß ist die Belastung am heutigen Tag. Endlich der Versorgungsstand. Ich muß allerdings Cola nehmen, da der ganze Wasserbereich total mit Läufern/innen belegt ist. Mist Cola ! Egal jetzt runter damit. KM32 kommt mit 2:19:53. Na das wären noch über ne Stunde für 10,2 km. Das muß doch klappen. Ich muß nur unter 5min/km bleiben. Zwischenzeitlich hat mich doch tatsächlich jemand überholt, mit einer wahnsinns Geschwindigkeit. Unglaublich ! Scheinbar ist er die ersten beiden Runden auf Sparflamme gelaufen und dreht jetzt erst richtig auf. Wieder runter Richtung Gisselberg. Eine große Läufergruppe ist vor mir. Ich rufe, und bitte um Platz, aber es funktioniert nicht. Irgendwie können sich ein paar aus der Gruppe nicht entscheiden, wo sie hin wollen. Ich rausche wieder voll rein. Sorry, Leute, aber ich hab noch ein Ziel vor Augen, das ich unbedingt schaffen will ! Ein letztes Mal durch Gisselberg. Kinder fahren mit den Fahrrädern auf der Straße rum, wieder Ausweichmanöver machen. Ich nehme Wasser und Iso Getränk am Stand mit. Ich bin total am Ende. Hastig wird das Wasser runtergeschüttet. Mist ich verschlucke mich, muß husten. Jetzt mache ich mir das Leben noch selbst schwer. Brücke über die Autobahn, Kraft sammeln bei runterlaufen. Meine Güte, wie viele gehen denn hier ? Ich bin ja fast der einzige der noch läuft ! Unter der Autobahn durch, da läuft eine Gruppe mit Marathonstartnummern ! Ja, ich kann wieder einige Plätze gutmachen ! Aber wo geht es jetzt weiter, keine Ordner mehr da. Es muß gerade aus gehen, denn nach rechts ist abgesperrt. Also auch in Runde 3 gibt es ne Zusatzschleife. Zur Sicherheit frage ich den nächsten Streckenposten. Alles richtig gemacht, und die Gruppe habe ich ebenfalls überholt. Lediglich einer davon klebt mir hartnäckig an den Fersen. Nochmal Trampelpfad, KM37 nehme ich mit einer 4:58/km. Jetzt wird es wirklich eng ! Auf jetzt, noch 5,2 km, zusammenreißen ! Die Uhr zeigt 2:43:55 und der Puls ist auf 157 (86%) runter gegangen. Die klassischen Anzeichen vom Einbruch. Nicht aufgeben, auch wenn es jetzt weh tut. Versau dir jetzt nicht alles. Ich habe noch gut 25 Minuten für 5km. Das muß doch zu schaffen sein. Zähne zusammenbeißen. Endlich KM 38 und nochmal ne 4:45/km. Na also. Auf noch 4km. Leider kann ich dem Antritt meines Mittstreiters nicht mehr standhalten und muß ihn ziehen lassen. Er wird 50 Sekunden vor mir im Ziel sein. Es wird langsam merklich dunkel. Die Uhr ist schwer abzulesen. Ich höre irgendwoher klar und deutlich AC/DC Musik aus einem MP3 Player. Hey, da ist Laufjoe, er muß noch ne Runde laufen. Ich soll ihm nicht alles Bier wegtrinken. Kein Problem, mit einem Bier dürfte ich heute sternhagelvoll sein. Ich erreiche das Industriegebiet von Cappel. Noch 3 KM. Mann, jetzt müßte doch mal bald das Lahnufer erreicht sein. Das zieht sich vielleicht. KM 39 bleibt konstant mit 4:48/km. So müßte es doch reichen. Ich bin total am Ende. Keine Ahnung wie das noch bis ins Ziel funktionieren soll. Nimmt das denn überhaupt kein Ende mehr ? Endlich KM 40. 2:58:19 jetzt muß es mit dem Teufel zugehen, wen ich das noch versemmele. Aber 2km können so lang sein. Super, da steht ja Michel, der Marathon Franzose und heitert mich noch auf. Halte durch gleich ist es geschafft ruft er mir zu. Und recht hat er ! Km 41 kommt. Nochmal ein Blick zur Uhr 4:49/km. So wird es vielleicht sogar noch unter die 3:09 gehen. Letzte Reserven mobilisieren. Der Triumpf ist zum greifen nah. Mein 11. Marathon wird gleich zu Ende sein. Und das war wirklich einer der brutalsten. Ich laufe auf dem Damm entlang. Schon kommt der Parkplatz vom Schwimmbad. Die Leute sind klasse, machen die Welle für mich. Wie geil ! Ich bedanke mich mit Daumen nach oben. Abzweig ins Stadion, nur noch die Ehrenrunde laufen. Ich bin schon auf der Bahn, da ruft mir Gabi zu. Ich bin etwas irritiert, was ist denn da passiert ? Na, ich werd' es gleich erfahren. Aber schön wenn man auf den letzten Metern nochmal angefeuert wird. KM 42 Schild ist schon passiert. Die Zielgerade sichtbar. Überholen tut mich keiner mehr, die sind weit hinter mir. Ab durch den Zielbogen. Geil, geschafft ! Zeit 3:08:53. Super, trotz der abnormalen Hitze meine 3. beste Marathonzeit. Was will man mehr ? Ich müßte in etwa auf dem 8. oder 9. Platz gelandet sein ! Das wäre ja der Hammer. Also abwarten auf die Ergebnislisten. So, was war jetzt bei Gabi los ? Probleme mit dem Knie ab KM 16. So ein Mist ! Dann lieber einen Halbmarathon in der Wertung, als einen abgebrochen Marathon. Hut ab, vor dieser Entscheidung ! Aber natürlich super ärgerlich, da die beste Frau ca. 5 Minuten langsamer ist als Gabi’s Bestzeit. Also das tut mir leid, und drückt jetzt ein bisschen die Stimmung.
Nach dem Duschen ist es klar, ich habe den Gesammtplatz 8 erreicht und bin in der Altersklasse auf Platz 3 gelandet ! Ich würd‘ mal sagen, das ist mein bestes Marathonergebnis :-)
Jetzt wird noch ein bisschen gefeiert, Joe ist inzwischen auch im Ziel, und benutzt gleich mal seine frisch erworbene Finischer Medallie als Bierflaschenöffner…….
Nach und nach trudeln die anderen bekannten Läufer ebenfalls ein, und es wird noch ein schöner Abschluss.
Marburg kann man wirklich empfehlen, top organisiert, ohne den Charme einer netten kleinen Veranstaltung zu verlieren. Die hohe Starterzahl nimmt man irgendwie gar nicht wahr. Die Strecke ist trotz 3 Runden im Süden von Marburg sehr schön. Die Stimmung ist ebenfalls sehr gut. Wenn es klappt, dann bin ich nächstes Jahr wieder dabei.

Mittwoch, 24. Juni 2009

32.Darmstädter Stadtlauf

Diese 5’er Läufe mag ich eigentlich gar nicht. Nichts wird es mit einer Renneinteilung, oder langsam angehen. Das bringt hier alles nichts. Hier heißt es von Anfang an, laufen was das Zeug hält, und irgendwie diese 5km hinter dich bringen. Warum mache ich dann diesen Lauf überhaupt mit ? Die Erklärung ist einfach. Der Lauf selbst ist einfach klasse. Es geht 3 ½ Runden durch die Darmstädter Innenstadt. Es gibt viele Zuschauer. Die Stimmung ist top. Der Preis von 13€ (incl. Nike Funktionsshirt) ist super günstig. Der Lauf hat eine sehr lange Tradition. Viele behaupten dies wäre „die Mutter aller Stadtläufe“.
Was das Training hierfür angeht, war es diesmal äußert schwierig. Ich hatte gerade das Marathontriple erfolgreich überstanden und versuche die Probleme an Leiste/Schambein irgendwie in den Griff zu bekommen. Ganz lockeres Training ist angesagt. 2 Wochen lang nur easy. Meistens lockere 10-12 KM, und am Wochenende auch mal über 25km. Keine Intervalle oder Tempoläufe. Die Leistenprobleme werden etwas besser, und so traue ich mich sogar am Tag vor dem Wettkampf 4 Steigerungen ins Abschlusstraining einzubauen.
Frühzeitig fahre ich nach Darmstadt. Der Lauf ist erst um 19:40 Uhr. Aber ich muß ja noch Startunterlagen holen, umziehen, Treffen mit Foris usw. Die Startunterlagen gibt es wie immer beim Sport Hübner. Hier kann man nochmal schön nach Laufsachen schauen und plaudern, mit der lokalen Laufgröße Abdel Graine.



Startnummern und T-Shirt Ausgabe beim Sport Hübner

Um 19:15 Uhr gibt es beim Ditsch Bretzel Stand einen kleinen Treff mit Thomas und Dominik (der extra für einen 5’er aus Fulda angereist ist !). Am Startplatz treffen wir noch auf Michael und Sascha. Zum anfeuern sind Gergor und Harald an die Strecke gekommen.
Es ist irgendwie schwülwarm, das warmlaufen reicht mir schon. 19:40 Uhr es wird eng am Ludwigsplatz. Jeder versucht noch irgendwie einen guten Startplatz zu bekommen. Ich starte aus, naja sagen wir mal 4. oder 5. Reihe. 299 Starter dicht gedrängt. Für mich zum letzten mal die „normale“ Klasse. Nächstes Jahr muß ich dann in der Senioren Klasse starten.



Der Start am Ludwigsplatz

Los geht’s! Ich versuche gleich mal in eine bessere Position zu kommen. Alles noch sehr eng. Runter die Elisabethenstraße, vorbei an Karstadt. Das erste Stück führt gleich hinunter zum Luisenplatz. Ab dort werden dann 3 Runden gelaufen. Aber dann mit dem müheseligen Anstieg rauf zur Kuppelkirche. Scharf rechts in die Wilhelminenstraße, zur rechten das Luisen Center. Tolle Stimmung, es läuft. Das Ziel ist auf dem Luisenplatz aufgebaut. Aber dort wird die „3“ hochgehalten, also ab jetzt 3 Runden.



Tolle Stimmung am Luisenplatz

Das Tempo ist brutal, Eine Kurve wird vor dem „langen Ludwig“ gelaufen. Hier steht jetzt Gregor und Harald. Super, mit Unterstützung läuft es doch viel besser. Rein in die enge Passage am Carree. Wieder raus auf den Carree-Platz.



Einlauf ins Carree

Tolle Stimmung, hier ist echt was los. Das ist der Vorteil wenn man Runden läuft. Weiter geht es scharf rechts in die Ernst-Ludwig-Straße, und kurz darauf wieder links, durch die engen Passagen, in Richtung Piazza an der Stadtkirche. Die Stadtkirche vor Augen sofort wieder rechts die gefürchtete Treppe an der Piazza hinauf. Geht doch ! Aber oben angekommen, schon leichte Ermüdungserscheinungen. Durch die überdachte Passage geht es auf die Schulstraße. Scharf rechts und schon kann man den Start am Ludwigsplatz sehen.



Sammelplatz für die Läufer/innen - der Ludwigsplatz

Kurz vorm Startplatz ist der erste Kilometer absolviert. Jetzt bin ich gespannt. 3:38/km. Das ist ja irre ! Das halte ich nie durch. Der Hammer kommt ja jetzt erst. Diesmal geht es nach Karstadt links hinaus zur Kuppelkirche. Der Anstieg läßt sich noch ganz gut nehmen. Aber ich bin froh, als ich am Wendepunkt vor der Kuppelkirche bin. Da muß ich jetzt noch 2 mal rauf ! Das schaffe ich unmöglich in diesem Tempo. Jetzt erst mal ein wenig erholen. Immer gerade aus runter bis zum Luisenplatz. Ein schönes Bild hat man hier vor Augen. Von beiden Seiten feuern die Zuschauer an. Mit erholen wird’s also nichts. Am Ziel wird jetzt die „2“ hochgehalten.



Der Zieldurchlauf, 3x muß man hier durch, bevor man dann in den Zielkanal nach rechts darf

Oh je ! Wie ich diese kurzen Läufe doch hasse. Los zusammenreißen. Die lange Kurve rum auf dem Luisenplatz, und plötzlich steht da ein Arbeitskollege von mir. Ja das gibt es doch gar nicht. Das ist ja super. Ich freue mich, und weiche von der Ideallinie ab, um mich bei Ihm per Handschlag dafür zu bedanken. KM2 zeigt die Uhr mit 3:37/km. Ich weis nicht wie, aber ich habe das Tempo sogar gehalten. Weiter geht es : Carree - Ernst-Ludwig-Straße – Piazza. Wieder die Treppe. Wenn es doch schon die letzte Runde wäre. Wieder mal mitreißen lassen beim Start. Ich lerne es wohl nie. Ein Blick auf den Pulsmesser 177 (97% HFmax). Ich laufe schon am Anschlag. Vorbei am Sport Hübner. Klasse Stimmung. Hier läuft laute Musik. Wieder hoch zur Kuppelkirche. Ich gebe nochmal alles. Anfeuerung von beiden Seiten. Das braucht man hier auch. Ich kann einfach nicht mehr dieses Tempo halten. Auf nochmal bis zur Kirche, dann geht es abwärts. Da kann ich wieder Kräfte sammeln. Fast am Wendepunkt kommt die Zeit für KM3. Immer noch eine 3:45/km. Auf geht’s nochmal runter zum „langen Ludwig“ dann ist es noch eine Runde. Durchhalten ! Das wird eine neue Bestzeit. Ein letztes Mal vorbei am Ziel. Die „1“ wird hochgehalten. Gregor und Harald feuern noch mal mächtig an. Durch‘s Carree geht es weiter. Ich bin total platt. Ich muß diese Runde noch irgendwie packen. Die Stadtkirche kommt, Treppe an der Piazza hochgekrochen.



die gefürchtete Treppe an der Piazza.........

Oben in der Passage bleibt einem fast die Luft weg. Ich komme fast nicht mehr in Tritt. Die Uhr meldet KM4 mit einer 3:52/km. Macht insgesamt 14:52. Die PB ist zum greifen nah ! Ich muß den letzten KM nur noch unter 4min laufen. Vorbei am Ludwigsplatz, Elisabethenstraße runter, noch hoch zur Kuppelkirche. Sofort kommt die Anfeuerung der Zuschauer „auf Frank, es ist gleich geschafft“. Tolle Zuschauer, ich fühle mich fast ein bisschen wie in Luxemburg. Jetzt nicht mehr schlapp machen. Wenn ich die Wende an der Kuppelkirche hinter mir habe kann nichts mehr schiefgehen. Ich quäle mich auf den letzten Reserven hinauf. Die Wende. Jetzt nur noch laufen lassen. Fahrt aufnehmen zum Endspurt. Nochmal alles rausholen. Das Ziel kommt immer näher, zur rechten schon das Luisen Center. Die Uhr zeigt weit unter 19 Minuten. Laufen was das Zeug hält. Die letzten Meter. Jaaaa !!! Geschafft !!!!
Was für ein Stau im Zielkanal. Aber das stört mich nicht. Ich schau mal auf die Uhr. 18:36 !!!! Jaaaaa !!!! Bestzeit. Und ganz ohne Intervalltraining oder sonst irgendwelche Tempoläufe. Ich bin super zufrieden. Gegen den Durst gibt es original Darmstädter Wasser aus dem Wasserhahn. Das gehört hier einfach dazu. Wie soll man auch bei dem geringen Betrag von 13 Euro noch Bier, Bananen und Isogetränke bereitstellen. Das ist schon in Ordnung so. Ich treffe im Zielauslauf auf Dominik, Thomas und Sascha. Nach einem kurzem Zielplausch, schnell trockene Sachen holen und an die Strecke stellen. Den im nächsten Lauf startet Michael und es kommen noch die Eliteläufe.



Stadtlauf gut überstanden Frank und Thomas


Schön war’s wieder in Darmstadt. Auch wenn 5km einfach nur ätzend sind, ich komme nächstes Jahr wieder.

Samstag, 6. Juni 2009

5.RZ-Mittelrhein Marathon

Der 3. Marathon innerhalb von 4 Wochen. Was kann man da noch trainieren ? Was macht Sinn, was ist eher kontra produktiv ? Ich weis es auch nicht.
Die Ausgangslage nach dem Luxemburg Marathon am 23.5.09 :
Müde aber dennoch halbwegs fit. Die Probleme im Bereich der Leiste und Schambein haben sich nach dem Luxemburg Marathon leicht verstärkt, lassen aber reduziertes Training zu. Wade/Wadenbeinproblem scheint komplett verschwunden zu sein.
Nach 2 Tagen Lauf-Pause (nur eine Gymnastik Einheit) steige ich vorsichtig wieder ins Lauftraining ein. Die Leiste macht keinen großen Ärger, aber man merkt es schon. Samstags dann noch mal ein langer Lauf von 25km. Sonntags ein bisschen flotter als sonst, aber nicht zu schnell. Noch 2 lockere Jogging Einheiten am Dienstag und Donnerstag. Fertig ist die Vorbereitung. Insgesamt 87,6 Trainings KM zwischen den beiden Marathon Läufen, und alles recht locker gelaufen.

Samstag 6.6.2009
Heute Abend ist es soweit. Mein 10. Marathon steht auf dem Programm. Es regnet in Strömen. Der Wetterbericht sagt auch für den ganzen Samstag nichts anderes voraus. Es ist ja schön, wenn es nicht zu warm ist, aber im strömenden Regen laufen macht auch keinen Spaß. Ich packe also lange und kurze Laufsachen ein. Bevor es losgeht in Richtung Koblenz, wird noch schnell die Wade und Leiste getaped, vielleicht bringt es ja was. Bisher hatte ich damit nur gute Erfahrungen gemacht.
Abfahrt kurz vor 12 Uhr. Das Wetter ist echt total mies. Ich fahre durch den Taunus nach Koblenz, das Wasser steht teilweise auf den Straßen. Während der Fahrt futtere ich kalte Nudeln aus der Tupperdose. Die Sporthalle am Oberwerth für die Startnummernausgabe läßt sich leicht finden. Eine riesige Halle, in der auch die Marathon Messe stattfindet. Ich hole meine Unterlagen samt Läuferbeutel ab. Ein bisschen klein der Läuferbeutel, um all die Kleidung und Dusch-Utensilien unterzubringen. Aber dafür habe ich meinen schönen großen Läuferbeutel vom Mainz Marathon dabei. Leider kann mir keiner in der Halle sagen, ob ich diesen Beutel überhaupt verwenden darf. Ich werde an das Orga-Team im Zielbereich am Deutschen Eck verwiesen (ca. 4,5km entfernt)! Toll, und jetzt ? Ich versuche einfach irgendwo in der Nähe der Duschen zu parken, dann brauche ich nicht so viel mitzuschleppen, und der original Mittelrhein Läuferbeutel wird dann reichen. Nach einigen Versuchen schaffe ich es tatsächlich ca. 100 Meter von den Duschen entfernt zu parken. Besser geht es nicht. Gut 1km zum Deutschen Eck, ca. 2km zum Hauptbahnhof und natürlich noch 42,2km Marathon zu laufen. Was will man mehr. Ich verweile noch im Auto, und hoffe darauf, dass es endlich aufhört zu regnen. Die Situation wird leider nicht besser und die Zeit drängt. Ich muß zum Hauptbahnhof ! Also die Tüte vom Darmstadt Marathon, welche ich eigentlich für meine nassen Sachen nach dem Lauf vorgesehen hatte, über den Kopf gehalten und die 2 km im strömenden Regen zum Bahnhof gelaufen. Im Bahnhof sind unzählige Läufer versammelt. Wenigstens ist es hier warm. Um 16:30 Uhr fährt der Sonderzug zum Start nach Oberwesel. Vielleicht kann ich mich ja während der Zugfahrt in aller Ruhe schon mal umziehen und die Startnummer befestigen. Irgendwie wird es immer voller, und nichts bewegt sich im Hauptbahnhof. Und auch die Anzeigetafel verstehe ich nicht. Da steht was von Sonderzug nach Oberwesel um 16:51 Uhr. Zur Sicherheit frage ich mal jemanden, der so aussieht als könnte er vom Orga-Team sein. Ja, tatsächlich 16:51 Uhr fährt der Zug ab, und nicht wie ursprünglich angegeben um 16:30 Uhr. Egal, macht ja nix. Reicht doch noch locker von der Zeit.



Wann fährt der Sonderzug ? Orga-Team sagt, keine Sorge, um 16:51 Uhr geht's dann los.

Um 16:40 Uhr begebe ich mich mal Richtung Bahnsteig. Evtl. ist der Zug ja schon da, und ich kann einsteigen. Der Sonderzug ist schon da ! Und er ist proppenvoll ! Nichts geht mehr. Und jetzt ? Ich laufe einfach der Meute hinterher und komme zu einem zweiten Zug (eine normale Regional Bahn). Auch schon sehr voll, aber man kann sich noch „reinquetschen“. Ich gehe einfach rein, denn auch in diesem Zug befinden sich fast nur Läufer/innen. Drinnen frage ich ungläubig, „fährt der nach Oberwesel ?“ Einige rufen „ja, du bist richtig“, andere meinen : „nein, nur bis Boppard“. Was wird denn hier eigentlich gespielt, ich will nur um 18:15 Uhr an der Startlinie in Oberwesel sein. Ein Läufer beruhigt mich : „Ich fahre auch nach Oberwesel, das wird hier ein bisschen länger dauern, aber das reicht noch von der Zeit“. Der eigentliche Sonderzug ist bereits schon weg und endlich setzt sich die Regio-Bahn in Bewegung. Also mit umziehen, oder Startnummer befestigen, das kann man mal komplett abhaken. Trotzdem ist die Stimmung im Zug gut, die Läufer/innen machen Witze und außerdem hat es aufgehört zu regnen ! An jedem popeligen Bahnsteig wird Halt gemacht. Um 17:40 Uhr ist endlich Oberwesel erreicht. Was für ein Chaos, und jetzt noch einen guten Kilometer zum Start laufen, umziehen, Kleiderbeutel abgeben usw. Gabi, Joe und Thomas haben trotz der knappen Zeit am Bahnübergang auf mich gewartet. Super !



Alles klar zum Start : Joe,Frank,Gabi und Thomas
(Foto von http://laufjoe.blogspot.com zur Verfügung gestellt)

Wir laufen gemeinsam zum Start, plaudern schnell noch ein bisschen. Hastig umgezogen, mit nervösen Händen die Startnummer befestigt, Schuhe an, noch mal die Toilette aufsuchen. Läuferbeutel ab in den bereitstehenden Lastwagen, der Sprecher sagt, noch 1 Minute, ich laufe mich quasi zum Start warm und schon geht es auch los. Jetzt muß alles stimmen. Schuh Schnürung etc. Ich kann jetzt nichts mehr ändern.



Gerade noch rechtzeitig am Start
(Foto von www.thomaswenning.de zur Verfügung gestellt)

Los geht es, ich versuche gleich mal in eine bessere Position zu kommen. So viele Marathon Starter/innen sind ja auch nicht unterwegs und die Bundesstraße 9 ist breit. Wenige Überholmanöver später habe ich Platz und auch der Lauf-Rhythmus ist gefunden. Was geht heute noch nach dem Hammer Programm der letzten 4 Wochen. Kann ich die Probleme mit der Leiste ausblenden ? Die ersten 3 KM laufen trotz leichtem Gegenwind recht gut 4:26,4:14,4:04. Auf der anderen Rheinseite kann man die ganze Zeit die Loreley und Burg Katz bewundern. Das Wetter ist für die Sehenswürdigkeiten am Rhein nicht optimal, aber dafür zum laufen umso besser. KM 4 laufe ich in einer Gruppe in 4:20. Ich ziehe der Gruppe davon und laufe weiter in 4:10, 4:12 und KM 7 auch in 4:12. Das ist ganz schön anstrengend, zumal der Gegenwind eher zunimmt. Aber mal ehrlich gesagt. Ich muß solche Zeiten laufen, will ich mir die minimal Chance auf ne Sub 3:00 offenhalten. Klar ist mir schon, dass dies eigentlich total unmöglich ist, aber ich kann ja mal so weiterlaufen bis zur HM Marke, dann wird sich zeigen in wie weit ich den Schnitt halten kann. Ehrlich gesagt, läuft das nicht so locker und leicht wie in Mainz vor 4 Wochen, und am liebsten würde ich jetzt schon gerne einen Gang zurück schalten. Wir durchlaufen St.Goar. Das Zuschauerinteresse an der Strecke ist leider sehr dürftig. Hier ist kaum was los. Aber was will man auch erwarten, bei diesem Wetter. Raus aus St.Goar richtet man gleich den Blick auf die Burg Rheinfels zur linken, und Burg Maus auf der rechten Seite über den Rhein. Ich lasse ein wenig mit dem Tempo nach. 4:19,4:20,4:18 sind die folgenden Zeiten bis KM10. 42:39 auf 10km. Das wären 9 Sekunden zu langsam für die Sub 3:00. Ich bin einfach nicht frisch genug um so was jetzt durchzuziehen. Dann der Wind noch dazu. Ich ziehe trotzdem noch mal an, um auf Kurs zu bleiben. Mit 4:12, 4:25 und 4:12 auf den jeweiligen Kilometer geht es weiter. Die Ortschaft Hirzenach wird durchlaufen. Inzwischen hat sich doch jemand in meinen Windschatten gemogelt. Sehr clever macht er das. Geht jede Richtungs und Tempoänderung mit. Ich gehe zur Seite, er geht mit. Ich werde langsamer, er wird ebenfalls langsamer. Also so geht das nicht, jetzt bist du mal dran, mit Pace machen. Nix zu wollen. Er geht einfach nicht nach vorne. KM 14-16 laufe ich in 4:12,4:23,4:18. In Bad Salzig folgt mir der Typ sogar zum Versorgungsstand.



Vorbildlich sind die Versorgungsstationen, wer da zu kurz kommt ist selber schuld !
(Foto von www.thomaswenning.de zur Verfügung gestellt)

Jetzt wird’s mir zu blöd. Egal was das jetzt für ne Kraft kostet, den häng’ ich ab. Ich ziehe kurz an, der Puls geht hoch bis 173 (95% HFmax). Abgehängt ! Das war’s mir wert. So muss ich mich nicht länger ärgern, und kann auf der anderen Rheinseite die Burg Liebenstein und Burg Sterrenberg bewundern. Trotz des kleinen Zwischenspurts wird KM 17 nur eine 4:13. KM 18 und 19 folgen mit 4:21/4:11. Rein geht es in das Städtchen Boppard. Hier wird die Stimmung bedeutend besser. Entlang am Rheinufer, vorbei an Hotel und Cafes. Es gibt es auch eine Passage mit Gefälle zum kurzen Verschnaufen. Das erste Gel wird nun runtergedrückt kurz vor KM 20. Hier kommt dank der Zuschauer eine kleine Euphorie auf. Ich laufe eine 4:15/km und für KM21 ne 4:19. Der Halbmarathondurchlauf kommt. Aber vorher muß man noch eine nicht unerhebliche, kurze Steigung, hinauf auf die Bundesstraße, hinter sich bringen. Zu meiner Überraschung steht da doch tatsächlich Klaus Hafner (auch bekannt als Stadion Sprecher vom Mainz 05) mit dem Mikrofon in der Hand und feuert die Läufer an. Kaum hat er meinen Namen ausgesprochen, da rufe ich ihm zu „hallo Klaus“. Etwas verwundert ruft er zurück „Grüss dich“. Das sind die kleinen Dinge, welche einem kurzzeitig von den Qualen ablenken. Jetzt mal die HM Zeit checken. 1:30:07 ! Ja ich bin noch auf Kurs zur Sub 3:00 ! Wär hätte das gedacht. Aber jetzt kommt ein endloses Stück, das ich fast schon alleine laufen muß. Ab und zu mal jemand von der Marathon Staffel, aber sonst nix los. Keine Zuschauer, keine Ortschaft. Das wird sich jetzt endlos ziehen bis Spay. Ich beiße die Zähne zusammen. KM23 - 4:19, KM 24 – 4:18 und KM25 sogar 4:10 ! Das sind noch über 17km und ich müsste ja mal ein paar KM wenigstens konstant unter 4:15 laufen um noch irgendwie eine theoretische Chance für die Sub 3:00 aufrecht zu erhalten. Es geht einfach nicht mehr. Ich bin total platt. KM26 in 4:18 und KM27 in 4:23. Inzwischen sind wir in Spay, und die Leute hier machen gute Stimmung. Ich versuche noch mal alles um eine vernünftige KM Zeit zu erreichen. Vergeblich. KM28 schaffe ich noch in 4:17. Bei KM29 dann die Ernüchterung 4:29 ! OK, da war jetzt auch ne kleine Steigung zu nehmen, aber bei allem was recht ist, ich muß mich jetzt endgültig von der verrückten Vision der 2:59:59 verabschieden und zusehen, dass ich irgendwie diese 13 KM noch schaffe, ohne komplett einzubrechen. Wieder Bundesstraße, aber mehr Läufer/innen. Sind das jetzt tatsächlich schon die ersten Halbmarathonies ? Muss wohl so sein. Zur rechten gibt es jetzt die Marksburg zu sehen. Das Örtchen Brey und Rhens kommt näher. Der Weg geht noch mal ab von der Bundesstraße durch die Fußgängerzone. Das Kopfsteinpflaster tut weh, aber der Beifall der Zuschauer tut gut. Ich habe mich inzwischen darauf beschränkt irgendwie anzukommen mit einer respektablen Zeit. Ne Zielzeit von 3:05-3:09 wäre bei meiner jetzigen Verfassung schon sehr zufriedenstellend. Eine Sub 3:05 wäre fast schon sensationell, aber das will ich jetzt unbedingt erreichen. KM 30 und 31 nehme ich in jeweils 4:31. Da ruft doch jemand der Zuschauer : “auf noch 10km !“ ja schön wär’s, es sind noch über 11km und ich kann einfach nicht mehr.



Der Marathon hinterläßt seine Spuren
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Raus aus Rhens, jetzt geht es wieder hinauf. Das sind im Normalfall nun wirklich keine schlimmen Steigungen, aber jetzt kommt mir das vor als wäre es ein Berglauf. KM32, die Uhr sagt 2:17:43. Noch 10km zu laufen. Jetzt rechnen, für Sub 3:05 bleiben mir noch 46 Minuten 16 Sekunden übrig für 10km. Und dann hätte ich noch 1 Minute für die letzten 200 Meter. Macht einen KM Schnitt von 4:38/km. Puh, das wird verdammt schwierig. Auf der anderen Rheinseite kann man noch die Martinsburg und Burg Lahneck bewundern. Aber das heitert mich jetzt nicht mehr auf. Ich muß jetzt den besagten KM Schnitt halten. Das ist jetzt meine Herausforderung. Jede Zeit über 3:05 würde jetzt einer Niederlage gleichkommen, nachdem ich so gut unterwegs war. Immer mehr Halbmarathonies auf der Straße. KM33 wird ne 4:35. Jetzt nicht nachlassen ! KM34 zum Glück wieder ne 4:26. Noch 8 endlose Kilometer. Es wird jetzt ne echte Qual. Da muß ich jetzt durch. Hirn ausschalten und nur noch laufen. Immer wieder geht es leicht hoch und runter. Oh je, jetzt kommt der K.O. KM 36 stoppe ich mit 4:38. Meine Güte zusammenreißen, kämpfen für die Sub 3:05 ! Ich kann die Königsbacher Brauerei schon sehen. Eine Blaskappelle spielt davor. Sehr schön, da ist noch mal was los. KM37 wieder eine 4:32. Noch 5 km, ich muß es jetzt durchziehen. 5km, wie beim 3x5000er Intervalltraining im Marathontempo. Los der letzte Intervall kommt jetzt. Auf geht’s ! Es wird immer schlechter 4:42 für KM 38. Zu allem Unglück bekomme ich jetzt schlimme Schmerzen in der Leistengegend. Die ganze Zeit ging es, und jetzt so kurz vorm Ziel. Es muß jetzt irgendwie halten bis zum Schluss. Jetzt steigt die Strecke auch noch an. Koblenz ist nun erreicht, wir sind ganz in der Nähe von der Halle am Oberwerth, wo ich heute Mittag noch die Startunterlagen geholt habe. Jetzt gibt es auch wieder ein paar Zuschauer. KM 39 wird die schlechteste Runde mit 4:51. Die Leiste schmerzt, die Füße kochen, die Reserven sind längst aufgebraucht. Ich schnappe noch mal nach Cola am Versorgungsstand. Diese letzten 3 KM muß ich jetzt schaffen. 2:50:06 stand auf der Uhr. Das würde bedeuten ungefähr ein KM Schnitt von 4:39. Die Zuschauer machen mir Mut. Ich muß jetzt wirklich alles in die Waagschale werden. Endlich KM40 kommt. 4:33, ok das passt. Weiter so. Noch 2 KM. Die Leute hier sind jetzt echt gut drauf und beflügeln mich. Die Leiste zieht und zieht. Jetzt habe ich es so weit geschafft, da wird das auch noch 2 KM gut gehen. Ich überquere den Friedrich-Ebert –Ring, dahinter ist doch schon die Fußgängerzone. Jetzt muß doch gleich die 41 kommen. Da kommt das erlösende Schild. 2:59:20 steht auf der Uhr. Das werde ich jetzt schaffen. Abzweig zum Rhein runter. Ich hab das Ufer erreicht. Wieder links rum auf's Konrad Adenauer Ufer. Ein Zuschauer ruft :“Ihr habt es gleich geschafft, die Zeit ist doch egal, Hauptsache ankommen“. Waaassss ??? Die Zeit ist für mich im Moment das Wichtigste ! Ich sehe schon den Einlauf vom Deutschen Eck. Das Kaiser Wilhelm Denkmal. Das KM 42 Schild erscheint. Jetzt sind es noch 200 Meter. Ein letzter Blick auf die Uhr 3:03:50 ! Jaaa, das nimmt mir keiner mehr. Das langt locker. Ich kann jetzt schon feiern. Der Zielbogen kommt. Wie geil, ich hab’s gleich. Geschafft !!!!!



Für die späteren Finisher gibt es brennende Kerzen im Zieleinlauf
(Foto von www.thomaswenning.de zur Verfügung gestellt)

Mann oh Mann, das war jetzt echt ne brutale Aktion, aber ich habe es geschafft. 3:04:41 ist meine offizielle Endzeit. 3. Marathon in 4 Wochen gelaufen ! Und nirgends geschont ! Geradeaus laufen kann ich auch noch, ohne zu hinken. Also auf zum Zielbierstand. Jetzt wird gefeiert !
Aber ehrlich gesagt ist es saukalt und ich ziehe es vor, mich erst einmal um meinen Läuferbeutel zu kümmern, um an trockene Sachen ran zu kommen. Ein Glück steht in der Nähe der Läuferbeutelausgabe ein kleines Zelt. Ich weis nicht wofür das Zelt gut ist, aber da drin stehen Bänke und man ist windgeschützt. Ewig dauert die umzieherei. Ich schaffe es kaum die Strümpfe aus zu bekommen. Mit halbwegs trockenen Klamotten geht es wieder raus. Da kommt auch schon Gabi freudestrahlend angelaufen. Sie hat doch tatsächlich den 3. Gesamtplatz der Frauenwertung erreicht. Das ist ja wirklich unglaublich ! Super Gabi ! Glückwunsch ! Wenn ich mir jetzt noch überlege, dass Sie direkt aus dem Urlaub an den Start gefahren ist, eigentlich kaum bis gar nicht trainiert hat, und seit ein paar Wochen mit dem Knie und Sprunggelenk Probleme hat. Da fällt mir echt nichts mehr ein. Was für eine Leistung. Also jetzt schnell duschen und zurück zur Siegerehrung ! Jetzt kommt auch Thomas, er strahlt ebenfalls. Mit seiner Zeit von 3 Stunden 18 Minuten ist er hoch zufrieden. Na dann gibt es ja einiges zu feiern im Biergarten. Fehlt nur noch Joe. Er ist am nächsten Wochenende in Biel am Start und wollte deswegen nicht ganz so schnell laufen. Die Duschen sind leider etwas über 1km vom Deutschen Eck entfernt. Es dauert also eine ganze Weile, bis ich wieder frisch geduscht am Deutschen Eck eintreffe. Tja, und dann kommt der Hammer. Die Siegerehrung war schon ! Selbst Gabi, die sich sehr beeilt hat, hat davon nichts mehr mitbekommen. Auch die 1.Plazierte der Frauen ist zu spät erschienen. Was soll man davon halten ? Irgendwie passt es in das gesamte Bild dieser Veranstaltung. Ab und zu kommen immer noch ein paar Läufer/innen durch das Ziel gelaufen. Leider gibt es kein Zielbier und keine Riegel mehr für die späten Finisher. Die Stände werden gerade abgebaut. Wirklich schade, dass es jetzt so enden muß. Im Biergarten ist auch schon Schluß. Joe und Thomas sind bereits schon auf dem Heimweg. Es wird leider nichts mehr mit der kleinen Feier. Ja dann, wenigstens noch ein alkfreies Bier vom offiziellen Bierstand. Aber auch das wird nichts mehr. Das alkfreie Bier ist bereits leer ! Nun ja, was soll’s – ab nach Hause !
Erst am Montag Nachmittag gibt es endlich die offiziellen Ergebnislisten mit Netto Zeiten. Für mich am Ende Platz 26 der Gesamtwertung, und Platz 4 in der Altersklasse. Also das ist unterm Strich eine super Leistung. Ich bin total zufrieden. Und die Sub 3:00 kann ich im Herbst nochmal gezielt angehen, dann wird es klappen !

Danke an www.thomaswenning.de und http://laufjoe.blogspot.com für die Fotos