Sonntag, 13. Dezember 2009

11.Siebengebirgsmarathon



Der letzte Marathon für dieses Jahr. Da wollte ich noch mal gut abschneiden. Auf der sehr anspruchsvollen gebirgigen Strecke im Siebengebirge lief ich im letzten Jahr eine 3:25. Das war damals für mich zu mindestens, eine gute Zeit. Die Ansprüche sind gestiegen und meinen 2.Start im Siebengebirge setzte ich mir als Ziel Sub 3:15. Um die teilweise heftigen Steigungen lockerer zu bewältigen, lege ich seit August fast wöchentlich eine Berg/Hügel Trainingseinheit, auf den an der Odenwälder Bergstraße gelegenen Melibokus ein. Das sollte sich auszahlen. Aber die bereits 10 gelaufenen Marathons in 2009 machen sich bemerkbar, und so ist es kein Wunder, dass ich mich in der Woche vor dem Siebengebirgsmarathon schlapp und müde fühle. Die letzte eigentlich einfache Testintervalleinheit am Mittwoch vorm Marathon schaffe ich nur mit Mühe in der Sollzeit. Entsprechend leicht gedämpft sind meine Erwartungen für den Wettkampf Tag.

Sonntag 13.12.2009

Aufstehen um 4:15 ! Frühstück mit Müsli, Joghurt, Apfel, Banane und ein Brötchen. Natürlich viel Kaffee. Nochmal entspannen, letzte Sachen in Tasche packen und um 5:45 geht es raus zum Auto. Dann die Überraschung. Alles voller Schnee und es schneit weiter ! Na das kann ja lustig werden. Auf dem Weg zum Siebengebirge nehme ich noch Gabi in Kriftel mit. Zum Glück läßt der Schneefall nach und schließlich hört es auf. Trotzdem sind die Temperaturen knapp über dem Gefrierpunkt alles andere als angenehm. Noch vor 8 Uhr treffen wir im Bürgerhaus von Aegidienberg ein. Es bleibt noch genug Zeit zum plaudern, Kaffeetrinken, und natürlich der Toilettengang. Wieder einmal hat sich die Tri-Power Rhein Sieg alle Mühe gegeben um den Siebengebirgsmarathon zu einer sehr schönen Veranstaltung zu machen. In diesem Jahr wurde neu eine Halbmarathonstrecke mit ins Programm genommen. Ich befürchtete schon einen Massenandrang und Chaos. Aber es läuft alles reibungslos und professionell ab.



Das Bürgerhaus Aegidienberg füllt sich langsam

In der Kloschlage treffe ich auf Han aus Zwolle/Niederlanden, wir plaudern über die Strecke von heute, und den Midwintermarathon in Apeldoorn. Überhaupt kommt man hier sehr schnell ins Gespräch, alles ist sehr familiär und vertraut. Nun wird es aber doch noch etwas hektisch, ich bin noch gar nicht richtig umgezogen und der Start rückt näher.



Umziehen für den Start

Hastig fertig gemacht und raus in Kälte. Ich entschließe mich zu kurzen Hosen, dünnes Langarmshirt mit Kurzarmshirt drüber, Mütze, Handschuhe und Tuch um den Hals. Es geht noch 10min durch den Ort zum Startplatz. Ein letztes Mal die Schnürung prüfen, schnell nach vorne drängeln und schon geht es auch los.

Ich versuche gleich von Start weg in eine bessere Position zu kommen. Trotz der hohen Teilnehmerzahl und gleichzeitigem Start von Marathon/Halbmarathon komme ich sehr gut weg. Es geht noch einmal kurz durch den Ort Aegidienberg, einige Zuschauer stehen schon an der Strecke, die Kirchenglocken läuten gerade zum Gottesdienst. KM1 in 4:17km/min und KM2 auf abschüssiger Strecke sogar in 3:48min/km. Wir sind schon im Wald und machen die ersten Erfahrungen mit dem aufgematschten Boden. Erster leichter Anstieg bis zu KM 3 zieht das Feld weiter auseinander. Oben im Feld angekommen stehen schon wieder Zuschauer um uns anzufeuern. 4:40min/km für KM3 trotz Steigung, ob das noch lange gutgeht ? Die Strecke macht jetzt eine Kurve und führt wieder in den Wald hinein. Bis KM 4,5 geht es heftig abwärts. Aber auf der anderen Seite sieht man schon den ersten fiesen Anstieg kommen. Die Strecke verläuft wie in einem U, man sieht jetzt gut, wie groß eigentlich das Läuferfeld ist. Der Anstieg kommt. KM5, die Uhr zeigt 20:36min, was einem KM Schnitt von 4:07/km entspricht. Also da darf ich jetzt gar nicht drüber nachdenken. Scheinbar wie weggeblasen sind die schlechten Eindrücke der letzten Trainingseinheiten, es läuft wie von selbst. Mir geht es gut. Bis hierher, denn jetzt wird es ernst bis KM 9,5 geht es fast nur steil nach oben. Kleine Schritte machen, und einfach nicht drüber nachdenken, dass man sich jetzt erst einmal 4km quälen muß. Der Blick zur Seite und nach unten entschädigt alles. Wunderschöne, leicht schneebedeckte Landschaften des Siebengebirges kommen zum Vorschein. Den Verpflegungspunkt 1 habe ich noch ausgelassen, aber bei VP2 direkt unterhalb der Löwenburg schnappe ich nach Wasser. Auf noch 1 km, dann ist die erste Hürde schon mal geschafft. Natürlich sind die Zeiten jetzt deutlich schlechter. Aber mit einem ungefähren Schnitt von 4:50min/km für diesen Aufstieg bis KM 9,5 bin ich total zufrieden. KM10 stoppt die Uhr bei 44:47. Ob ich das halten kann ? Das läuft einfach zu gut. Egal, jetzt geht es erst mal abwärts bis KM12,5. Zeit für Erholung. Doch die stark abfallenden Straßen im Örtchen Lahr machen ganz schon zu schaffen. An der Margaretenhöhe geht es wieder in den Wald zurück zur Löwenburg. Die beiden letzten KM abwärts in je 3:50min/km gelaufen. Doch jetzt heist es erst mal wieder Anstieg. 3 KM lang. Erst zum gemeinsamen VP unterhalb der Löwenburg, dann noch einmal rum um die Löwenburg. Bei KM15 ist auch diese Hürde überwunden. Die Zeit ist mit 1:06:48 immer noch super im Soll. Das wäre ein aktueller Schnitt von 4:27min/km. Es folgt ein 3 KM langes Stück fast nur bergab. Diesen Teil der Strecke sind wir schon vor gut 40 Minuten nach oben gelaufen. Es geht steil nach unten. Ich lege ordentlich an Fahrt zu. Immer wieder kommen noch Läufer/innen die Strecke nach oben. Mit einem Schnitt von 4:02/km stürze ich mich diese 3 KM nach unten. Noch einmal ein Verpflegungspunkt bevor es über die Bundesstraße L144 geht. Die Halbmarathonies biegen jetzt ab. Das erste Gel hab ich mir jetzt auch eingeworfen. Denn nun wird es schwierig. Bis KM33 folgt ein ständiges auf und ab und die Ermüdungserscheinungen nehmen zu. 1,2KM mit ca. 50 Höhenmeter Anstieg stehen an. Das läuft lange nicht mehr so locker wie am Anfang, aber es dauert nicht lange, die Strecke zweigt ab und es geht wieder ein Stück abwärts. Vorbei an ein paar Zuschauern am Straßenrand. In der Ferne sieht man die Häuser vom Ort Himberg. Doch jetzt kommt es knüppelhart. Abzweig in den Honnefer Stadtwald. Dieser Teil der Strecke ist mir noch in guter Erinnerung vom letzten Jahr. Für mich die brutalste Stelle des Siebengebirgsmarathons. Um den KM21 herum eine scheinbar endlose Steigung gilt es zu bewältigen. Da kommt einem schon mal der Gedanke einer Gehpause in den Kopf. Aber nichts da ! Irgendwie wurschtele ich mich da rauf. KM 21 gestoppt mit 4:56min/km kann ich selbst kaum glauben. Der Halbmarathondurchlauf dürfte also so bei ca. 1:33:30 liegen. Ein Wahnsinnstempo für dieses Höhenprofil. Die Berg Trainingseinheiten haben sich also ausgezahlt. Aber noch ist ja erst die Hälfte der Strecke geschafft. Bloß nicht zu früh jubeln. Ich erhole mich ein wenig beim abwärtslaufen, doch schon wieder steht die nächste Steigung auf dem Programm. KM22-27 mit ständig schwankenden Zeiten : 4:36, 4:54, 4:23, 4:49, 4:45 und KM27 sogar 4:00min/km. Ich laufe einsam vor mich hin. Einen Läufer konnte ich noch überholen. Die Strecke zweigt wieder ab, jetzt geht es durch den schlimmsten Matsch. Wer bis jetzt noch keine nassen Füße hat, der bekommt sie nun. Die Schuhe werden schwerer, ich hoffe nur, dass dieser Teil der Strecke bald vorbei ist. KM28 durch den Matsch Anstieg mit 5:02 ist akzeptabel. Es folgt eine leicht abfällige gerade Strecke über 2km. Schon kommt KM Schild 29. Mit 4:33 etwas langsamer. Tja, der Kräfteverschleiß macht sich jetzt doch bemerkbar. Trotzdem, ich liege super in der Zeit. KM 30 die Uhr steht bei 2:14:38. Das bedeutet bei einen 5'er Schnitt schaffe ich die Zielzeit von Sub 3:15. Wieder Abzweig nach links. Ich kann noch mal einen Läufer überholen. KM 31 in 4:24min/km genommen. Inzwischen bereite ich mich mental auf den letzten langen Anstieg von ca. 4km mit 100 Höhenmetern vor. Beim Blick nach rechts auf das schöne Hügelpanorama kann man schon erahnen was noch kommt. 100 Höhenmeter auf 4km verteilt, das klingt jetzt nicht sehr dramatisch, aber mit 32,5 gelaufenen KM in den Beinen durchaus eine ernst zu nehmende Herausforderung. Also nochmal schnell Gel rein und am Versorgungspunkt mit Wasser runtergespült. Es geht los ! Ich schleiche förmlich die stetige Steigung hinauf. Erster Messwert bei KM34 liegt 5:41min/km. Das war ja klar. Jetzt nur nicht gehen, einfach weiterlaufen kann jetzt nur noch die Devise sein. KM35 schon besser mit 4:52. Aber es war auch ein flaches Stück mit dabei. Jetzt werde ich auch noch überholt. Renneinteilung ist halt das A und O eines Marathons. Ich lerne es wohl nie. Schon wieder werde ich überholt. KM36 drücke ich mit 5:38min/km ab. Jetzt ist es gleich gepackt. Noch ein paar hundert Meter und die letzte Steigung ist erledigt. Nachmals überholen mich 2 Läufer ! So kann das nicht weitergehen. Zusammenreißen ! Noch 6km. Uhr steht bei 2:44:43. Also gut 30 min für 6,2km, was einem Schnitt von deutlich unter 5min bedeuten würde, um die Sub 3:15 zu schaffen. Los jetzt ! Da kommt schon der Scheitelpunkt, jetzt ist es nur noch halb so schlimm. Geschwindigkeit aufnehmen und einfach laufen lassen, auch wenn jetzt die Füße und Beine rebellieren. KM37 in 4:50, und KM38 in 4:36. Ich lasse es nur noch laufen, ohne Rücksicht auf Verluste. Einen der Läufer kann ich sogar wieder einholen. Vor mir der nächste Läufer, mit pinkfarbenen Kompressionsstrümpfen ! Der Hingucker schlechthin. Sowas brauch' ich auch noch ! KM 39 in 3:55 gestoppt. Ja sogar die pinkfarbenen Strümpfe kann ich noch einmal überholen. Wir nähern uns dem Ort Himberg. Strecke biegt ab nach rechts und.........es geht doch nochmal hoch ! Das hatte ich ja ganz vergessen, diese letzte Steigung ! Völlig verdrängt im Kopf. Ich quäle mich hinauf, da sehe ich doch vor mir wieder die pink farbenen Socken leuchten ! Na gut, dann geh' halt vorbei ! Hast es ja auch verdient. Sucht noch jemand ein Weihnachtsgeschenk für Läufer/innen ? Kauft diese pink leuchtenden Socken der Marke CEP ! Der Rest der Strecke ist der verdiente Showdown für jeden Siebengebirgsfinisher. Endlich wieder Zuschauer an der Straße. KM40 dank der nicht eingeplanten Steigung in 5:09. Über die abgesperrte Straße weiter nach Aegidienberg. KM41 in 4:16. Was sagt den eigentlich die Gesamtzeit ? 3:07:31. Das Ziel werde ich locker in Sub 3:15 erreichen. Aber nochmal Endspurt durch die Hauptstraße von Aegidienberg. Vorbei an der Sparkasse mit dem KM 42 Schild.



Die letzten Meter, fertig machen zum freuen und jubeln

Die Zuschauer klatschen und ich strahle über alle Backen. Rechts ab zum Bürgerzentrum, den abgesperrten Weg ins Bürgerhaus, Treppen runter und jubeln !!!!



Zieleinlauf. Nur noch die Treppen runter, schöner wie in der Festhalle Frankfurt.

3:12:20 handgestoppt. Ist das geil ! Über 12 Minuten schneller als letztes Jahr !
Im Zielauslauf wieder super Verpflegung von Müsliriegel bis Bananen. Nach einer kurzen Erholungspause und Analyse des Laufes mit anderen Teilnehmern, gehe ich wieder in den Zielberech. Eigentlich müßte Gabi ja auch bald eintreffen. Sie hat in den letzten 2 Wochen kaum mehr trainieren können und es bleibt abzuwarten, wie sich das ausgewirkt hat. In einem denkbar knappen Schlußspurt, muß Sie sich um nur 2 Sekunden auf Platz 3 der Frauenwertung, geschlagen geben. Im ersten Moment natürlich ärgerlich. Aber die Zielzeit von 3:28:43 ist auf alle Fälle eine super Leistung, und bringt Platz 1 in der AK 35 der Frauen. Super Gabi !
Nach dem Marathon gibt es noch eine Strecke zu überwinden. Nämlich den Weg zum 400m entfernten Hallenbad mit den Duschen. Erst bergab, und später wieder hoch. Aber das nimmt man gerne mit in Kauf.
Jetzt sind auch die vorläufigen Ergebnislisten vom Marathon verfügbar. Ich habe es tatsächlich geschafft den 2. Platz in der AK 35 zu belegen ! Besser kann man die Marathonsaison 2009 nicht beenden.

Für 2010 ist das Siebengebirge natürlich schon wieder vorgemerkt. Danke an Tri-Power Rhein Sieg für diese top organisierte Veranstaltung. Trotz ca.900 Teilnehmer fühlt man sich wie bei einer kleinen, familiären Laufveranstaltung.