Sonntag, 4. Oktober 2009

6.Kühkopflauf

Endlich, hat es mal geklappt. Der Kühkopflauf in meinem Heimatort steht auf dem Programm, und ich bin nicht verletzt. Dabei sah es nach dem Darmstadt Marathon gar nicht so gut aus. Ein eingeklemmter Nerv machte mir zu schaffen. Aber mit täglichen Dehnungsübungen und Gymnastikprogramm konnte ich das Problem rechtzeitig in den Griff bekommen. Das Training hatte etwas darunter gelitten, aber die wichtigen Einheiten wurden im Plan absolvieren. Diesmal wollte ich es wissen. Alles geben beim Kühkopflauf. Laufen bis zum umfallen. Einmal wollte ich doch als echter "Erweller" ganz vorne dabei sein, bei diesem inoffiziellen Lauf, auf dem schönen Naturschutzgebiet Kühkopf. Ich kenne hier jeden Ast und Stein. Das ist mein Trainingsgebiet. Das sollte mir doch einen entscheidenden Vorteil verschaffen.
Kurz nach 10 Uhr begebe ich mich auf den Weg zur TV Halle. Hier ist der Start/Ziel Bereich. Alles ist schon aufgebaut. Eine längere Schlange bei der Anmeldung. Sehr familiäre Atmosphäre. Man kennt sich zum größten Teil persönlich.
Ich treffe auf Michael,Gabi,Harald,viele Bekannte aus dem Ort und natürlich Ole, der den Kühkopflauf organisiert.



Die TV-Halle Start und Ziel vom Kühkopflauf



zwei Strecken werden angeboten : Halbmarathon und 9,1km. Für die nicht Ortskundigen ist es ratsam sich die Strecke einzuprägen



Nur mit der Ruhe, Dank vieler Nachmelder wird einfach ein paar Minuten später gestartet



Verpflegung nach dem Lauf, leckere Corny Riegel und viel Süßkram ist auch mit dabei



meine Startnummer, das spart Papier und reicht völlig



Gut gelaunt vorm Start : Frank,Michael,Gabi und Harald

Bei Temperaturen knapp über 12° und Windböen fällt die Kleiderwahl mal wieder sehr schwer. Ich entschließe mich dann doch für kurze Sachen.

Nochmal warmlaufen und dann hoch auf den Damm zu Start. Die Halbmarathonläufer starten nach rechts Richtung Yachthafen auf eine kurze Wendestrecke von nicht ganz 3km, die 9,1 Läufer/innen links gleich zur Brücke.

Los geht es. Um Überholmanöver zu vermeiden, begebe ich mich gleich nach vorne. Ich will versuchen einen Schnitt von 4:10/4:09 pro km zu halten. Sehr schnell bin ich gleich ganz vorne auf Position 3. Nur zwei Läufer, die sich gegenseitig Windschatten geben sind noch vor mir. Ich komme an die beiden nicht ran. Ein schnelles Anfangstempo. Cool bleiben, und nicht beeindrucken lassen. Ich versuche erst mal den beiden auf den Fersen zu bleiben. Es geht auf dem Damm am Sportplatz vorbei. Nun KM1. 4:05 zeigt die Uhr. Sehr schnell für den Anfang. Was haben die beiden wirklich drauf ? Das sieht alles sehr professionel aus. Schön abwechseln mit dem Windschatten. Ich fürchte fast, die ziehen das bis zum Ende durch. Ich kann nur versuchen mein Ding durchzuziehen. Die Wendemarke am Yachthafen kommt. Nun kann man kurz die entgegenkommenden Läufer/innen sehen. Zurück wieder zur TV Halle. Ich komme langsam etwas näher ran an da Führungsduo. An der TV-Halle bin ich bereits im Windschatten. Jetzt nicht abreißen lassen, dran bleiben. Weiter auf dem Damm KM2 4:10 und KM3 sogar 4:02. Jetzt rüber zum Kühkopf. Brücke hoch und gleich mal Platz verschaffen. Die Fußgänger sind auch schon unterwegs. Brücke runter, Geschwindigkeit aufnehmen.



Die Brücke auf den Kühkopf

Weiter geht es auf meiner Trainingsstrecke. Ich bleibe dicht hinter den Führenden. Die Zeiten 4:08/KM4 und 4:13/KM5. Der Abstand wird größer. Die ersten Walker von der 9,1km Runde müssen jetzt überholt werden. Es geht nun runter vom Damm. Ein paar Kurven müssen zeitsparend genommen werden. Das Tempo ist jetzt nicht mehr so hoch, ich versuche mich ein wenig zu erholen. Der Abzweig von 9,1 und HM kommt. KM6 ist ne 4:39 ! Jetzt die beiden Führenden blos nicht aus den Augen verlieren. Ich versuche wieder ran zu kommen. Und tatsächlich kurz bevor es wieder auf den Damm geht, bin ich wieder im Windschatten. Das Tempo bleibt trotzdem bei einer Pace von 4:30. Ich bleibe dicht im Schatten der Führenden. Die Beiden machen eine vorbildliche Führungsabwechslung. Ich nutze das langsamere Tempo zur Erholung. Was soll ich tun ? Ich bin schon gleich auf mit dem Einen. Warten die nur darauf, dass ich die Führungsarbeit leisten soll ? Der Dammbruch kommt. Es geht kurz runter und da gehe ich an den Beiden vorbei. Mal sehen was passiert. KM7 wird ne 4:34 ! Das müßte doch jetzt die Chance sein den Abstand gleich mal zu vergrößern.



Die Gelegenheit die Führung zu übernehmen, der Dammbruch

Ich werde schneller. Mal sehen, die Jungs sind mir weiterhin auf den Fersen, aber es zeichnet sich ab, dass einer von beiden langsamer wird. Weiter Dampf machen. Jetzt keine Schwäche zeigen. Es läuft und der Abstand wird leicht größer. Na also, wenn ich das so durchziehen kann, dann ist heute alles drin. KM8 drücke ich bei 3:45/km ab. Wahnsinn ! Jetzt nicht ausflippen, es ist noch ein langer Weg. Der Neurhein kommt näher. Am Fähranlegestand sind die ersten 10km absolviert. KM9 in 4:02/km. Das kann ich nicht durchhalten. Ich muß bremsen. es geht wieder runter vom Damm auf einen sehr schmalen Weg. Es bietet sich die Gelegenheit nach den Verfolgern zu schauen. Nur noch einer der Beiden ist zu sehen, aber da, plötzlich hat sich ein ganz anderer Läufer dazu gesellt. So ein Mist, das werde ich nicht verteidigen können. Der wird gleich an mir vorbei laufen. Vorbei an Fähranleger jetzt KM10 Zeit : 41:53 ! Viel schneller wird es wohl kaum gehen auf diesem Boden.



Der Neurhein ist erreicht.

Der Wind pfeifft jetzt empfindlich von der Rheinseite. Ein Blick nach hinten zeigt mir, dass der Läufer immer näher kommt. Aber mehr ist bei mir nicht drin. Ich mobilisiere alles. Aber jetzt nicht verrückt spielen, am Ende werde ich durch solche hirnrissigen "Zwischenspurts" noch von den anderen Beiden wieder eingeholt. Die erste Verplegungsstation kommt endlich. Ein Becher Wasser rein und weiter am Rhein bei Seitenwind. Der Abstand bleibt aber scheinbar konstant. Ich schätze mal 10 Sekunden, so wie ich die Stimmen am Verpflegungsstand hören kann. Nicht mehr umdrehen jetzt. Wartet der nur ab, oder was ist da los ? Warum läuft er nicht dichter auf, um im Windschatten Kraft zu sparen. Ich muß weiter mein Ding durchziehen. Der Abzweig zurück nach Erfelden ist erreicht und ich bin immer noch vorne. Über einen eher ungemütlichen Weg geht es weiter. Enge Spurrinnen machen keinen Spaß bei hohem Tempo. Bis KM 13 halte ich einen Schnitt von 4:13/km. Eine Doppelkurve erlaubt mal wieder einen Blick auf die Verfolger. Verdammt, die sind super nah dran. Auch einer der beiden ehemals Führenden ist wieder mit dabei. Jetzt habe ich es soweit geschafft, da lasse ich mich doch nicht überholen. Nochmal eine Schippe drauflegen. Das wäre ein Jammer, hier auf meiner Trainingsstrecke, die ganze Ehre als "Erweller" steht hier auf dem Spiel. Ich muß jetzt den Abstand vergrößern und den Beiden zeigen, dass ich noch Reserven habe. KM 14 und 15 wieder in 4:08. So wie ich erkennen kann, ist nur noch ein Läufer hinter mir. Da haben sich die beiden Führenden vom Anfang wohl doch überpaced. Was hat der Andere aber noch auf der Pfanne. Kann ich nochmal zulegen. der nächste Getränkestand kommt. Wasser rein und weiter mit allem was möglich ist. KM16 in 4:05/km. Noch 5km, das werde ich doch irgendwie schaffen. Den Stimmen nach vom Getränkestand zu urteilen, ist der Abstand weiterhin knapp. Ich drehe mich jetzt nicht mehr um. KM17 4:06/km das passt. Mehr geht wohl jetzt nicht mehr. Gleich knickt der Damm nach links ab. Das ist die Gelegenheit um aus dem Blickfeld der Verfolger zu verschwinden. KM18 in 4:08. Vorbei an der Stockstädter Brücke, den leichten Anstieg nach oben. Ich riskiere einen Blick nach hinten. Keiner mehr da !!! Die habe ich wahrscheinlich abgeschüttelt ! Auf noch die 3 km in einer vernünftigen Zeit, dann wird es reichen. Abzweig nach rechts auf den Lehrpfad zur Erfelder Brücke. Nochmal kurz etwas Geschwindigkeit raus. Ich bin platt. Vorbei an der Schutzhütte. KM19 in 4:12/km. Jetzt gilt es. Ich muß schon die ersten Walker vom 9,1km Lauf überholen, aber kein Problem. Alle machen prima Platz. Jetzt ist mir alles egal, nur noch Volldampf. Das nimmt mir keiner mehr. Ich bin schon am Ende vom Lehrpfad. Auf geht es zur Brücke, KM 20 in 4:03. Die Brücke kommt. Lautstark mache ich mich bemerkbar. Soviele Sonntagsspaziergänger auf der Brücke. Runter geht es. Die paar Treppen nicht gerade gelenkschonend genommen.



Die letzten Meter auf dem Damm oder unten auf der Straße

Es ist nicht mehr weit, ich nehme nochmal an Geschwindigkeit auf. Die Strecke ist wohl doch nicht 21,1km, aber das ist mir jetzt egal. Ich bin auf der Zielgeraden. Ich sehe die Halle, und Niemand ist hinter mir. Die Halle kommt. Jaaaa !!!! Das wars !!!! Ich habe den Kühkopflauf gewonnen. Wie geil !! Meine Handgestoppte Zeit 1:25:26. Das ist über 2 Minuten schneller als der Streckenrekord aus dem letzten Jahr. So hatte ich mir das vorgestellt, aber nicht erwartet.
Gleich mal ein paar trockene Sachen anziehen und jetzt geht es zu den Corny Riegeln !
Gabi ist auch schon da. Mit einer sensationellen Zeit um die 1:31 gewinnt Sie locker die Frauenwertung !
Erstmal den verdienten Kuchen für mich, und für die nicht Vegetarier eine warme Suppe mit Würstchen.



Selbstgemachter Kuchen, wer kann da schon wiederstehen ?



Gemütliche Runde nach dem erfolgreichen Lauf

Spaß hat es gemacht. Die Trainingsmühen haben sich gelohnt. Nächstes Jahr geht es wieder zum Kühkopflauf.