Samstag, 17. August 2013

24.Leipziger 100km Lauf



Irgendwann muß man ja mal so einen 100'er laufen. Dieser Gedanke spuckt mir schon länger im Kopf rum. Klar denkt dann jeder gleich an Biel. Das fällt aber bei mir leider raus. Denn als absolut bekennender Fan vom Luxembourg Marathon gibt es Jahr für Jahr immer wieder den gleichen Terminkonflikt. Nein Luxembourg lasse ich nicht sausen! Auch nicht für Biel! Also fiel die Wahl auf den 100'er in Leipzig. Terminlich quasi ideal, da kaum andere Wettkämpfe im August angesetzt sind. Problem könnte also lediglich die Hitze werden, aber auch das wird man letztendlich irgendwie regeln können.

Ohne groß einen Kopf drum zum machen, hab ich mich dann recht frühzeitig für Leipzig angemeldet. Mein Training habe ich einfach für die 12 Wochen vor Leipzig auf 100km plus pro Woche angehoben. Ansonsten nichts geändert. Tempoeinheiten, lange Läufe, Wettkämpfe (3xMarathons, 1xHalbmarathon und 3x10'er) alles wie bisher. Erstaunlich gut verlief die Vorbereitung. Fast keine orthopädischen Probleme. Lediglich entzündete Fußballen hatten mir für ein paar Tage, jedoch ohne das Training zu unterbrechen, Schwierigkeiten gemacht. Gesundheitlich hatte sich die chronische NNH Entzündung leider wieder verschlechtert. Aber auch das hat mich nicht gehindert das Training durch zu ziehen. 4 Tage vorm 100'er gab es noch einmal Oberschenkelprobleme. Ein Stechen und ziehen in der hinteren Muskulatur. Immer wieder erlebe ich diesen Effekt. Sobald man das Training etwas runter fährt, treten irgendwelche Probleme auf die kein Mensch braucht. Also wie üblich Kinesio Tape drauf, mit ein bisschen Zug über die betroffene Stelle, und weiter geht's. Beim lockeren Abschlusstraining über 10km am Donnerstag Abend hat man das nur noch ganz wenig gemerkt. Da war ich mir schon fast sicher, dass sich das beim Wettkampf nicht auswirken wird.

Freitag 16.August

Viel mehr Sorgen als der Oberschenkel machen mir eher die permanenten Kopfschmerzen und der Druck auf Nase und Ohren. Das ganze wird natürlich nicht besser, wenn man die 430km, bei brütender Hitze und ohne Klimaanlage nach Leipzig fährt. Ich bin wirklich froh, als ich endlich im Hotel angekommen bin. Jetzt erstmal kurz ein Stündchen auf's Ohr hauen und wieder erholen.

Um 17:30Uhr treffe ich mich mit Dirk und Alex. Dann geht es zur Startnummernausgabe und Nudelparty. Die beiden sind schon seit Dienstag in Leipzig, haben das komplette Kulturprogram bereits absolviert. Der 100'er in Leipzig ist einer meiner Highlights in diesem Jahr. Für Dirk und Alex ein weiterer Schritt zur Deutschen Meisterschaft im 24 Stundenlauf am 7/8 September in Karlsruhe.

Das Gelände des LC Auensee Leipzig liegt etwas außerhalb, im Westen von Leipzig. Urig und gemütlich, liegt der Sportplatz im Wald. Ein paar Zelte sind aufgebaut. Die Nudelparty ist schon im vollen Gange. Keine Massenveranstaltung, alles hat den Charme eines kleinen überschaubaren Volkslaufes. Die Helfer des Vereines sind sehr freundlich, witzig und irgendwie hat man gleich das Gefühl, man gehört hier dazu. Die Nudeln sind schon in der Startgebühr von 40Euro inbegriffen. Sogar eine 2.Portion gibt es gratis. Beim Essen wird nochmal die Laufeinteilung bequatscht. Dirk und Alex wollen sich auf keinen Fall abschießen wegen dem 24 Stunden Lauf in 3 Wochen. Ich hatte mir vorgenommen mit einem 5'er Schnitt zu starten und bis KM60 zu halten. Dann die restlichen 40km irgendwie durchbeißen. Am Ende sollte eine Zeit unter 9 Stunden auf der Uhr stehen.



Nudelparty, Getränkeausgabe, Nachmelder und Startnummerdruck alles unter einem Dach.



Startnummernausgabe und Essgelegenheit im anderen Zelt



alles hat seine Ordnung bei der Startnummernausgabe



Dirk und Alex füllen das Nachmeldeformular aus



Start und Ziel sind schon aufgebaut



Die leicht geänderte Strecke. Ganz so klar ist mir das noch nicht.



Großzügige Portionen und sogar Nachschlag ist im Startpreis mit drin



Karboloading mit Wettkampfbesprechung

Am Freitag wird nicht mehr viel gemacht. Nach der Nudelparty geht es ins Hotel. Ich packe meine Sachen für den nächsten Tag und versuche früh zu schlafen. Leider klappt das nicht so und ich wache ständig auf. Der Kopf brummt immer noch, kaum Besserung. Ich fürchte echt schlimmes für den nächsten Tag. So kann man doch unmöglich an der Startlinie zu einem 100'er stehen.

Samstag 17.August

Um 4 Uhr stehe ich auf. Eigentlich zu spät um noch ein Frühstück bis zum Start um 6 Uhr zu verdauen. Aber der Schlaf ist echt wichtig. Und heute bin ich ja nicht so schnell unterwegs. Der Schädel brummt immer noch. Aber ein bisschen besser als Gestern ist das schon. Also gleich mal starken Kaffee kochen und 2 Brötchen mit Honig und Banane schmieren. Beim Frühstück stelle ich mir die Frage der Schuhe. Mit was läuft man denn so ein 100'er? Ich habe 4 Paar Schuhe mitgenommen:

Asics DS Trainer 17 mit 900km eigentlich schon ausgelatscht
Asics DS Trainer 17 mit 60km irgendwie noch etwas steif
Brooks Ghost 5 mit 430km
Brooks Racer ST5 mit 100km

Entscheidung getroffen. Der ausgelatschte DS Trainer ist wohl die beste Wahl für so eine Strecke. Ich hatte lange auch über den Racer ST5 nachgedacht, aber der Kurs ist zum größten Teil auf Waldboden. Das wird mit zunehmender Kilometerzahl mehr Probleme machen, als dass es sich aufgrund des geringeren Gewichts und direkterem Laufgefühl rechnen würde.

5 Uhr Abfahrt am Hotel zum Auensee. Auf dem Gelände des LC Auensee Leipzig ist schon ganz schön was los. Wir haben extra einen Klapp-Tisch als Versorgungspunkt mitgenommen. Alles mal aufgebaut. Man weis ja nie was man im Laufe des Wettkampfes so alles braucht. Sogar Ersatzschuhe werden unter dem Tisch deponiert. Eine kleinere Schlage hat sich vor den gerade mal 2 Toiletten für die Männer gebildet. Die üblichen Dixi Klos sucht man vergebens. Es gibt keine! Ich schaffe es gerade so nochmal dran zu kommen. Kurz vor 6 Uhr stehe ich an der Startlinie. Der Veranstalter erklärt nochmal dass es aufgrund von Hochwasserschäden eine kleine Streckenänderung gibt, aber alles weiterhin amtlich vermessen und somit Bestenlisten fähig. Wir feuern uns nochmal gegenseitig an, und Punkt 6Uhr fällt der Startschuss.



Marathonfrühstück. 2 Brötchen mit Honig und Banane. Dazu reichlich Kaffee



unser Versorgungstisch. Voll gepackt mit legalem Doping

6 Uhr Start:

Runde 1:

Ein kurzes Stück auf der Aschenbahn, dann wird der Sportplatz verlassen. Weiter auf Asphalt vorbei an einzelnen Häusern und Kleingärten. Schnell ist KM1 erreicht und mit 4:51min etwas schneller als ich mir das vorgestellt hatte. Weiter am ersten Versorgungspunkt vorbei, geht es leicht ansteigend auf eine Holzbrücke über den Luppe Kanal. Sofort geht es auf der anderen Seite links runter auf einen Wald/Schotterweg. Schwer zu laufen, und schon jetzt bin ich froh meine DS Trainer für diesen Kurs ausgewählt zu haben. KM2 ist mit 4:56min vom Tempo her genau richtig. Auf einem Schild wird schon mal hingewiesen, dass man hier in der 5.Runde die Marathondistanz passiert. Der Weg wird immer beschissener, und so wie ich das verstanden habe, müssen wir hier auch wieder zurück laufen. Es geht weiter am Nahle Auslaßbauwerk. Eine Art Wasser Sperre welche bei Hochwasser geöffnet werden kann, um den Auenwald zu fluten. Genau das ist wohl vor kurzem gemacht worden, und dadurch ist der Streckenabschnitt durch den Auenwald heute nicht passierbar. Die Betonplatten vor dem Auslassbauwerk sind mehrfach gebrochen, man muß aufpassen wo man hin tritt.
Kleiner Anstieg rauf zum "Pilz". Hier gibt es einen Doppelversorgungspunkt mit allem möglichen Krams. Hier folgt jetzt auch der Abzweig nach rechts zur Wendepunktstrecke. Der Boden ist wieder angenehm zu laufen. Vorbei am KM3 Schild, die Pace hat sich jetzt auf 4:45min/km eingependelt. Das ist viel zu schnell, aber irgendwie war mir das klar.

Der Wendepunkt kommt. Zwei Streckenposten notieren die Nummern der Läufer/innen, schließlich soll ja niemand betrügen. Nun befinden wir uns wieder auf der Original Strecke zurück zum Pilz. KM4 Marker kommt kurz vor der Brücke über die Nahle. Nach der Brücke geht es gleich ab in den Wald. Dort kommt eine dunkle Unterführung, bei der man ab 2 Meter Körpergröße wahrscheinlich Probleme bekommt. Noch ein weiteres Stück durch den Wald, dann über die nächste Brücke (Luppe Kanal). Auf der anderen Seite führt die Strecke runter zum Auensee. Malerisch liegt er da der Auensee, morgens um 6:20 Uhr. Noch nichts los hier. Einmal rum um den See. KM5, ein weiterer Versorgungspunkt und KM6 werden dort passiert.

Nun führt der ganze Weg wieder zurück, allerdings ohne die Wendepunktstrecke. Brücke über den Luppe Kanal, Waldstück mit Unterführung, KM7 gleich nach der Brücke über die Nahle, Versorgungspunkt am Pilz, das Auslaßbauwerk, KM8 auf dem Schotter/Feldweg, Holzbrücke über den Luppe Kanal, KM9 an den Kleingärten vorbei und dann zurück zur Sportanlage. Kurz reinlaufen, bisschen Anfeuerung im Start/Zielbereich mitnehmen. Schleife laufen und schon sind die ersten 10km gepackt.

1.Runde 47:17min, Pace Runde 4:43,7



Absolutes Halteverbot am Marathontag.



Der erste Kilometer führt an den Kleingärten und ein paar Wohnhäusern vorbei



Die Holzbrücke über den Luppe Kanal



Schlecht zu laufen der Abschnitt am Luppe Kanal



vorbei am Auslassbauwerk. Die Betonplatten der Strecke sind gebrochen



Nach der Wendepunktstrecke geht es über die Nahle Brücke



Unterführung unter der Bundesstraße



nächste Brücke führt zum Auensee Erholungsgebiet



Malerisch liegt er da, der Auensee



Wenn das mal gut geht. Die Bimmelbahn schneidet 2x pro Runde unsere Laufstrecke



der Rückweg führt wieder hinter dem Auslassbauwerk vorbei. (hier die Vorderseite)



Einmal pro Runde vor der Holzbrücke muß man diesen kleinen Anstieg rauf.

Runde 2:

Es läuft gut. Sogar der Kopf klart langsam auf. Der Nasendruck läßt nach und ich fühle mich viel besser. Allerdings wird der Druck auf der Blase immer schlimmer. Hab ich so viel getrunken? Also das geht so nicht weiter. Normalerweise gehe ich bei Marathons nie in die Büsche. Aber heute, unerträglich! Es hilft nichts, schnell mal auf die Seite. Das kostet wertvolle Zeit. Aber ich bin noch gut dabei und kann das schnell wieder rauslaufen. Beim Verpflegungspunkt am Auensee kurz vor KM16 drück ich das erste Gel rein. Inzwischen blendet die Sonne, beim Durchlauf im Sportpark schnapp ich mir flux die Laufbrille mit dunkler Scheibe vom Versorgungstisch. Es läuft alles besser als gedacht. Ich bin allerdings einiges zu schnell, das wird sich später bestimmt rächen.

2.Runde 47:36min, Pace Runde 4:45,6

Runde 3:

Das Feld vermischt sich nun immer mehr. Das wird zum Problem auf dem schlecht zu laufenden Stück am Luppe Kanal. Es ist eng und es gibt Gegenverkehr. Hier will jeder in der Mitte laufen, da dort am wenigsten Schotter Steine liegen. Ich packe den ersten Riegel aus. Der wird in 2 Etappen gefuttert. So dass ungefähr 5km dazwischen liegen. Sogar das funktioniert gut. Keine Magenprobleme, kein Seitenstechen. Das läuft einfach zu gut. Schon 30km gelaufen und immer noch gut drauf. Der große Hammer kommt bestimmt noch.

3.Runde 47:18min, Pace Runde 4:43,8

Runde 4:

Die Wege rund um den Auensee füllen sich so langsam, da wird die kleine Bimmelbahn um den See bestimmt auch bald fahren. Hoffentlich kommt es da nicht zu Konflikten. Schließlich muß die Bahnlinie 2x pro Runde überquert werden. Sofort fällt mir wieder der Darmstadt Marathon 2008 mit dem beschrankten Bahnübergang mitten auf der Laufstrecke ein. Auf dem Rückweg kommt mir Dirk entgegen. Er will aussteigen, die Adduktoren machen scheinbar zu viele Probleme. So ein Dreck. Das ist echt ärgerlich, aber wohl am vernünftigsten jetzt raus zu gehen als sich komplett abzuschießen. Schließlich ist in 3 Wochen die DM im 24 Stunden Lauf. Evtl. kann man das bis dahin wieder halbwegs ins Lot bringen.
Nochmal ein weiteres Gel rein. Noch sind ja ein paar Kilometer zu laufen und ich hoffe mal, daß mir das ganze Zeug auch was bringt. Die mitgeschleppten Vorräte sind leer. Beim Durchlauf im Sportpark muß ich am Versorgungstisch schnell auffüllen. Bloß keine Zeit verlieren, hastig 2 Gels und ein Riegel eingepackt und weiter geht's.

4.Runde 46:44min, Pace Runde 4:40,4

Runde 5:

So langsam macht sich der Kräfteverschleiß bemerkbar. Das konnte ja auch nicht ewig so weiter gehen. Ein Blick auf die Uhr sagt mir, wenn ich nochmal so eine Runde laufe, dann bleibe ich beim 50km Durchlauf unter 4 Stunden! Das ist ja total verrückt! Trotzdem setzte ich alles dran um das zu packen. Schließlich wird die 50km Durchlaufzeit in die Wertung vom 50km Lauf genommen, sollte man vor den 100km Ziel ausstiegen. Da hätte ich ja wenigstens schon mal ne gute Zeit, sollte der Rest hier in die Hose gehen. Aber erstmal kommt die Marathon Markierung. Und die drücke ich mit 3:19:23 ab. Wenn ich diese Runde mit den letzten 10km von einem 50'er Ultra vergleiche, kann ich nur sagen, das läuft sensationell. Normal wäre ich jetzt schon total im Eimer mit dieser Pace. Das erhöhte Trainingspensum zahlt sich heute aus. Die 50km Durchlaufzeit ist bei 3:56:28.

5.Runde 47:37min, Pace Runde 4:45,3

Runde 6:

Ab jetzt betrete ich absolutes Neuland. Noch nie bin ich über 50km weit gelaufen. Die Kräfte lassen doch erheblich nach und ich habe gut zu kämpfen um dran zu bleiben. Als Tipp wurde mir gesagt, da müßte man jetzt Koffein/Guarana Tabletten einwerfen. Und genau das mach ich jetzt. Unter der Woche schon mal getestet beim Lauftraining, aber kein Effekt festgestellt. Egal rein damit und einen weiteren Riegel verputze ich im Laufe der Runde auch noch.

6.Runde 48:39min, Pace Runde 4:51,9

Runde 7:

60km hab ich jetzt hinter mir. Noch 40km zu laufen. Das wird jetzt echt hart. Vom Gefühl her ist das jetzt vergleichbar mit den letzten 10km eines 50'ers. Auch die Temperaturen steigen weiter an. An jedem Wasserstand wird grundsätzlich ein Becher über den Kopf geleert. Ich habe keine Ahnung wie ich das schaffen soll. Nochmal fast einen Marathon laufen. Oder nochmal den längsten langen Lauf aus der Vorbereitung laufen. Was für eine Vorstellung! Bloß nicht mehr dran denken. Das sind ja Horror Szenarien. Zusammenreißen und weiter laufen! Es war klar, daß dieser Punkt irgendwann kommen würde. Ich dachte das würde schon viel früher passieren. Jetzt muß ich irgendwie damit fertig werden. Am Auensee treffe ich nochmal auf Dirk, kurzer Plausch lenkt ein wenig ab. Er wird nach 60km ausstiegen. Zu stark sind die Schmerzen da geht gar nix mehr. Sehr viele Läufer/innen gehen schon. An den Versorgungspunkten staut es sich. Die Pace ist inzwischen bei 5:15min/km.

7.Runde 51:29min, Pace Runde 5:08,9

Runde 8:

Noch 3 Runden zu laufen. Wie in aller Welt soll ich das nur machen? Das sind keine 5km wo man einfach mal sagt, das beiße ich jetzt irgendwie durch. Nein, das sind noch 30km die da gelaufen werden müssen. Da ist ja kein Ende in Sicht! Was für eine ausweglose Situation. Jetzt werden die Pinkel Pausen plötzlich dazu genutzt um zu verschnaufen. Mensch, jetzt reiß dich am Riemen! Ich bin doch so gut unterwegs. Das dies hier kein Kaffeekränzchen wird, war doch von vorn herein klar! Ich darf jetzt nicht nachlassen. Und aufgeben geht schon mal gar nicht. Ich schlurfe weiter zum Auensee. Nur mit Mühe kann ich an einer wirklich langsamen Gruppe vorbeiziehen. Verzweifelt kaue ich auf meinem Riegel rum. Am nächsten Verpflegungspunkt steht ein Läufer und mischt sich Wasser mit Cola. "das hilft" meint er. Mir ist alles egal. Scheiß drauf! Ich nehme auch Wasser mit Cola. Mit dem Becher in der Hand gehe ich weiter. Laufe nicht an. Die Batterien sind komplett leer. Inzwischen zieht die langsame Gruppe wieder an mir vorbei. Ganz schlecht. Der Läufer vom VP ruft "auch noch 25km?". Ich rufe zurück: "ja und nix geht mehr, los wir bohren jetzt die Becher ab und laufen zusammen wieder an!" Und das klappt. Zusammen geht es weiter. Wir plaudern ein bisschen und so kann man sich gut von den Qualen ablenken. Tatsächlich laufen wir gemeinsam die komplette Runde zu Ende. Zu zweit jammern gibt neue Kraft! Von hier aus nochmal vielen Dank an den Läufer von der TG Kitzingen.

8.Runde 58:55min, Pace Runde 5:53,5

Runde 9:

Dirk steht schon frisch geduscht im Start/Zielbereich. Feuert nochmal an. "Los, Vereinsrekord!" ruft er mir nach. Ja, das ist gar nicht mal so unrealistisch. Aber dafür müßte ich jetzt noch 2 Runden unter 55 Minuten laufen. In diesem Zustand unmöglich, das kann ich komplett knicken. Ich muß hier aufpassen, dass ich diese beiden Runden irgendwie zu Ende laufen kann. Eine Rundenzeit unter einer Stunde wäre schon super. Mein Mittstreiter aus Runde 8 baut ab und ich muß leider wieder alleine weiter laufen. Immer wieder Anfeuerung mit den entgegenkommenden Läufer/innen. Man greift verzweifelt nach jedem Strohhalm. Ich kann kaum mehr die Pace aufrecht halten. Jetzt nicht aufgeben, nicht gehen! Weiter dranbleiben. Aber noch 20km. Was für ein Drama. Nochmal so ein Guarana Teil reingeschoben, auch wenn es nichts bringt. Noch 19km zu laufen. Ich bin kurz davor einfach stehen zu bleiben oder zu gehen. Ich beschließe für die letzten beiden Runden folgende Taktik: An 2 Verpflegungspunkten pro Runde wird angehalten und eine Wasser/Cola Mischung gemacht. Diese dann im gehen trinken, dabei versuchen kurz zu erholen und wenn der Becher leer ist, wird sofort wieder gelaufen. So sind dann die Etappenziele ca. 3-4km auseinander. Das klingt erstmal viel besser als "noch 19km zu laufen".

Es funktioniert. Ich schleppe mich so durch die 9.Runde. Das wiederanlaufen nach den VP's ist schwer, aber es klappt.

9.Runde 57:14min, Pace Runde 5:43,4

Runde 10:

Das letzte Mal die Schleife laufen im Start/Ziel Bereich. Alex ist nun auch am Versorgungstisch. Es sieht so aus als wird er nicht mehr weiterlaufen. Nochmal Wasser über den Kopf geschüttet. Was gibt's denn noch so. Rosinen, das soll ja helfen. Also rein damit und weiter in die letzte Runde. Die pack' ich jetzt auch noch! Alles zieht sich ewig. Endlich der erste Marker. Ein paar Helfer an der Strecke fragen, ob es mir noch gut geht. "Geht schon irgendwie, ist die letzte Runde" rufe ich zurück. Noch einmal die schwankende Holzbrücke. Man kommt sich vor wie besoffen auf der Brücke. Der Feld/Schotterweg am Kanal. Fast keiner läuft mehr. Nächster Marker. Nur noch 8km und der VP ist schon in Sicht. Die Helfer bieten mir alles Mögliche an. Aber ich möchte nur Wasser mit Cola. Überhaupt sind hier in Leipzig alle Helfer mit viel Engagement und Elan bei der Sache. Da steht keiner blöd rum. Das ist echt vorbildlich!
Ein letztes Mal die Wendepunktstrecke im Wald. Weiter zum Auensee. Noch einmal diese Runde. Der Anstieg rauf zur Brücke über den Luppe Kanal geht leichter als gedacht. Es ist das Ziel was hier jetzt die allerletzten Reserven frei setzt. Aber noch sind 4KM zu laufen. Die Unterführung hab ich schon hinter mir. VP am Pilz, ich brauch nix mehr. Kaputte Betonplatten und Schotterweg am Kanal. Alles zum letzten Mal. So langsam begreife ich, das Ding ist hier gleich durch! Der Anstieg rauf auf die Holzbrücke. Andere Seite runter, die Kleingärten. Ein Blick auf die Uhr. 8:25 - das wäre der Vereinsrekord gewesen. Ich muß noch gut ein Kilometer laufen. Alles tut weh, eigentlich geht gar nichts mehr, aber trotzdem habe ich ein Strahlen im Gesicht und drücke sogar nochmal auf's Tempo. Augenblickliche Pace von 5:15min/km zeigt der Forerunner an. Die letzten paar hundert Meter sind trotz aller Quälerei ein Vergnügen. Man scheint mir anzumerken, dass es die letzten Meter sind. Eine entgegenkommende Läuferin streckt mir spontan die Hand entgegen und wir klatschen uns ab. Einlauf in den Sportpark. Die letzten Meter auf der Aschenbahn, mein Name wird durchgesagt und es ist sogar der 7.Gesamtplatz. Was für ein Knaller! Ich laufe jubelnd auf das Ziel zu. Es ist gepackt. Mit 8:30:58 hab ich meinen ersten 100'er gefinished!

10.Runde 58:09min, Pace Runde 5:48,9



Die letzten Meter, für jeden ein großer Moment



Total im Eimer aber überglücklich. Der erste 100'er ist gelaufen



Wahnsinn 8:30:58. Das hätte ich mir beim Start nie träumen lassen



Frisch geduscht nach dem Lauf fühlt man sich gleich viel besser

Was für ein geiler Tag. Die Sonne knallt auf den Rasen vom Fußballfeld, Dirk hat mir einen Kaffee geholt und ich kann die Atmosphäre in vollen Zügen genießen. Obwohl offiziell nicht vorhanden, zaubern die Helfer vom LC Leipzig sogar ein alkfrei Weizenbier für mich aus dem Hut.

Nach kurzer Erholung geht es unter die warmen Duschen. Ich glaube 20 Minuten war ich da bestimmt drunter. Mit der Siegerehrung dauert es noch bis 18Uhr. Also fahren wir erst mal in die Stadt und gönnen uns Kaffee, Kuchen und Eis.

Pünktlich sind wir zurück auf dem Sportgelände. Immer noch kommen Läufer/innen ins Ziel. Fast 13 Stunden auf der Strecke. Jede(r) einzelne wird groß gefeiert.

Bei der Siegerehrung gibt es noch einen Grund zum feiern, ich hab den 2.Platz in der AK40 belegt.

Ein rundum gelungenes 100'er Debüt für mich. Schade für Dirk und Alex die vorzeitig aussteigen mussten. Trotzdem geht es am Abend in die Leipziger Innenstadt zum Feiern bei leckerem Essen und Bier.

Nächstes Jahr gibt es den 25.Jubiläumslauf in Leipzig. Dann sind wir ganz bestimmt wieder mit dabei. Zielzeit kann dann nur lauten unter 8:25



Am Abend geht es in die Leipziger Innenstadt



nach so einem Tag kann man ruhig mal ein paar Biere abhufen

Samstag, 3. August 2013

10.Gernsheimer Fischerfestlauf



Jedes Jahr findet ganz in meiner Nähe das Gernsheimer Fischerfest statt. Seit 2004 gibt es jeweils am Samstagnachmittag einen 10km Stadtlauf. Zum letzten mal war ich hier in 2009 am Start. Hatte ich doch die 10km Wettbewerbe völligst außer acht gelassen, und mich voll und ganz auf die Marathons konzentriert. Auch in diesem Jahr liegt der Schwerpunkt natürlich auf den Marathonläufen, aber um Tempohärte und Grundschnelligkeit zu verbessern, habe ich in diesem Jahr den einen oder anderen ungeliebten 10'er oder Halbmarathon eingeschoben.

Es gibt keine besondere Vorbereitung für diesen Lauf. Das Training ist seit Wochen auf das 100km Debut in Leipzig am 17.August ausgelegt. Erst letzte Woche hatte ich den Halbmarathon in Hausen spontan eingeschoben, und war überrascht welche Zeit man aus dem vollen Marathontraining heraus laufen kann. Somit rechnete ich mir für Gernsheim eine Zeit knapp unter 40 Minuten aus.

Leider meint es das Wetter nicht gut für uns Läufer/innen. Eine erneute Hitzewelle läßt die Temperaturen am Freitag vor dem 10'er auf fast 38°C steigen. Eine lockere Runde im Groß-Gerauer Nordwald über 16km haut mich total um. Am Wettkampf Samstag dann nur leichte Besserung. Das Thermometer klettert an die 30°C Marke. Dazu kommen leider wieder gesundheitliche Probleme mit chronischen NNH. Mir dröhnt der Kopf, die Ohren drücken. Versuche den Tag noch irgendwie zu relaxen und nicht mehr viel zu machen.

Um 15:30Uhr gehe ich aus dem Haus, ein Hitzeschwall kommt mir entgegen. Na prima, das kann ja lustig werden! Die Strecke in Gernsheim ist komplett in der Sonne! Gegen 16Uhr bin ich am Stadion. Bisschen anstehen in der Sonne für die Startnummern Ausgabe. Endlich dran! Für die Voranmelder gibt es diesmal sogar ein schönes Funktionsshirt! Da hat man sich zur 10.Ausgabe nicht lumpen lassen! Die Baumwolle Shirts aus den Starts in 2007,2008 und 2009 hatte ich allerhöchstens als Schlafshirt benutzt. Aber das hier, Donnerwetter! Das macht was her! Überhaupt ist mit 9 Euro die Startgebühr sehr preiswert. Denn auch die Zielverpflegung mit alkfrei Weizen, Wasser und isotonischen Getränken läßt keine Wüsche offen. Und wer nach dem Lauf das Fischerfest besucht, bekommt gegen Vorlage der Startnummer sogar noch ein richtiges Bier gratis!

Jetzt mal zurück zum Auto. Ich muß mich noch umziehen und für den Lauf fertig machen. Ich treffe auf Laufkumpel Gregor vom TV Hergershausen und sogar einen alten Klassenkameraden, der hier inzwischen seinem Sohn beim Hauptlauf zusieht. Oh je! Ich werde alt!

Wie schon beim Halbmarathon in Hausen, laufe ich diesmal nicht auf dem bewährten Marathonschuh Asics DS Trainier 17, sondern auf dem etwas leichteren und direkteren Brooks Racer ST5.

Fertig umgezogen und bereit zum Lauf befinde ich mich im Start/Ziel Bereich. Aber es kann noch nicht gestartet werden. Eine lange Schlange hat sich bei der Startnummernausgabe gebildet. Über den Lautsprecher höre ich die Ansage, dass aufgrund des großen Andrangs der Start um ein paar Minuten verschoben werden muß! Na prima! Weiter in der Hitze warten. Nix zu trinken dabei. Aber nur mit 5 minütiger Verspätung geht es nun zur Startaufstellung. Ich versuche sehr weit nach vorne zu kommen. Gerade bei Volksläufen wie in Gernsheim gibt es viele Fußball oder Handball Vereine, welche komplette Mannschaften stellen. Da wird es schwer von hinten durchzukommen. Außerdem gibt es hier keine Nettozeit Messung, sondern den klassischen Zielkanal. Die Zeit läuft für alle mit dem Startschuss.



Lange Schlage bei der Startnummernausgabe. Der Lauf startet mit etwas Verspätung



Laufkumpel Gregor ist auch wieder am Start in Gernsheim

Start:

Der Startschuss fällt. Eine Runde auf der sehr schlechten Aschenbahn im Stadion muß noch gelaufen werden. Die Bahn ist voll mit Läufer/innen und ich kann nicht die Innenbahn nehmen, muß zum überholen ein paar Meter mehr in Kauf nehmen. Jetzt folgt ein kleiner Anstieg rauf zum Rheinpark. Kleine Schleife und schon wird KM1 mit einer 3:50min abgedrückt. Viel zu schnell, da bin ich gleich platt bei 29°C und die Sonne knallt auf den Kopf.

Vorbei am Feuerwehrstützpunkt, weiter neben dem Hochwasserdamm. Die ersten Läufer welche sich überschätz haben werden überholt. Abzweig in die Burgunderstraße durch das Wohngebiet im Süden von Gernsheim. KM2 in 3:52min immer noch sehr schnell. Puls ist für dieses Tempo mit 160 (90%) noch recht gut. Die Hauptstraße wird überquert. Weiter in der Sudetenstraße zur Bahnlinie runter. Viele Gernsheimer stehen mit dem Gartenschlauch an der Strecke und sorgen so für eine willkommene Dusche.

Parallel zur Bahnlinie Mannheim-Frankfurt führt nun die Strecke in nördliche Richtung. Immer wieder kann ich den einen oder anderen Läufer überholen. Bereits enteilt aber noch in Sichtweite ist Laufkumpel Gregor, der 37:xx 10'er Zeiten vorzuweisen hat. Also wenn ich da dran bleiben kann, bin ich echt gut dabei. KM3 wieder in 3:52min. Aber es wird jetzt zäh! War ja auch klar! Wie kann man bloß so ein Tempo bei diesen Temperaturen vorlegen? Das bekomme ich ja nicht mal im Intervalltraining bei halbwegs normalen Bedingungen hin. Vielleicht hilft ja die Unterstützung in der Stadtmitte weiter.

Abzweig zum Stadtkern. KM4 ist mit 3:55min weiterhin auf Kurs Sub40. Die Stimmung wird besser. In der Innenstadt müssen 3 Runden gelaufen werden, bevor es wieder zurück zum Stadion geht. Man hat den Innenstadtkurs leicht modifiziert. Waren es früher 6 Abzweigungen und eine langgezogene Kurve, sind es jetzt nur noch 4 Abzweigungen und die langgezogene Kurve. Das macht diesen Abschnitt eindeutig schneller.

KM5 in 3:58min gestoppt. Gesamtzeit 19:28min. Die erste Runde ist noch relativ unproblematisch zu laufen. Aber nun in Runde 2 wird die Strecke durch die hinzukommenden langsameren Läufer/innen voller. Immer mehr Manöver sind nötig, aber alles noch machbar. Da hab ich schon schlimmeres erlebt. Am Wasserstand wird die eine Hälfte vom Becher getrunken, die andere über den Kopf geschüttet. Ich hab hier jetzt wirklich zu beißen. Die Führenden ziehen gerade an mir vorbei und dürfen schon wieder zurück zum Stadion.

Noch eine Runde muß ich hier laufen. KM6 wird eine 4:00min. Noch einmal die Zuschauerunterstützung an der Strecke mitnehmen. Wasser rein, Rest über den Kopf. Kurzer Bremser beim Abzweig in die Riedstraße durch langsamen Läufer. Aber jetzt ist die Bahn frei. Die Innenstadt ist erledigt. Zurück zum Stadion! Vor mir ein Läufer an den ich langsam ran kommen, und weiter vorne ist wieder Gregor in Sicht. Das zieht gut. Obwohl der Läufer beim Abzweig an der Bahnlinie über den Bürgersteig abkürzt, kann ich wenig später an Ihm vorbei gehen. KM7 in 3:44min gelaufen. Ich werd' wahnsinnig.

27:12min steht auf der Uhr. Noch 3km sind zu laufen. Ich rüttel an meiner 10'er Bestzeit von 39:14. Gelaufen dieses Jahr beim Groß-Gerauer Frühjahrslauf bei 2°C. Heute sind es 29°C und wenn ich diese 3km nur im 4'er Schnitt laufe, dann pack' ich ne neue PB. Los weiter, es sind nur 3km. Wieder unter der Dusche durch, jede Abkühlung hilft. Abzweig in die Sudetenstraße, Helfer reichen mir Wasser entgegen. Nee, nix mehr saufen. Nächstes Getränk ist ein Bier im Ziel!

Wieder jemanden überholt. Ob ich das noch so bis zum Schluss durchhalten kann? Es ist jetzt wirklich das Limit. KM8 in 3:54min. Los, noch 2km! Hier kann heute der ganz große Coup gelingen! Über die Hauptstraße rüber, weiter zum Damm. Ja, das glaub ich einfach nicht. Ich komme sogar wieder näher an Gregor ran. Abzweig am Damm. Weiter kämpfen! Es ist bald gepackt, das muß ich jetzt durchziehen. So eine Chance bekomme ich nie wieder! Wo bleibt nur die "9“? Leichter Anstieg rauf zum Feuerwehrstützpunkt. KM9 in 3:59min. Gesamtzeit 35:05min.

Wenn ich den letzten Kilometer noch durchziehen kann, dann packe ich heute locker eine neue PB. Oder vielleicht sogar Sub 39? Nee, das ist ein Ding der Unmöglichkeit. Da müßte ich ne 3:54min auf dem letzten KM laufen. Nicht in diesem Zustand. Die letzten Reserven werden mobilisiert. Mann bin ich platt, da geht wirklich nur noch dieser letzte Kilometer. Auf, ziehen, ziehen, ziehen. Weit ist das nicht mehr. Die Wende im Rheinpark ist erreicht, nochmal kurzer leichter Anstieg. Da ist mir doch jemand auf den Fersen? Der kommt immer näher. Wo nimmt der denn die Kraft her? Da schließe ich immer weiter auf Gregor auf, und da kommt ein ganz anderer von hinten an.

Nochmal alles in die Waagschale werfen. Leichtes Gefälle runter zum Stadion. Nur noch die eine Gerade zum Zielbogen. Die Ziel Uhr zeigt 38:35min. Vielleicht noch gut 100 Meter zu laufen. Endspurt und ich schaffe die Sub 39! Der Läufer überholt mich sogar noch auf der Aschenbahn. Aber das ist mir jetzt furz piep egal. Ich denke jetzt nur noch an die Sub 39! Mit der allerletzten Kraft laufe ich auf den Zielbogen zu. Das wird reichen! Wie geil ist das denn? Rein in den Zielkanal. Jubeln und geschafft! 38:53 die Zielzeit. Das ist ja total krank! Neue PB, Sub 39 und das bei 29°C.



Die letzten Meter auf der Aschenbahn zum Ziel



Ich werd verrückt. Neue 10'er PB und Sub 39 bei 29°C.

Was für ein geiler Tag. Erst mal 3-4 alkfreie Weizen abpumpen, kurzer Ziel Plausch mit Gregor. Nach dem Duschen wird die Freude noch größer. Platz 14 insgesamt und Platz 3 in der AK! Na dann, ab ins Festzelt zur Siegerehrung. Noch ein 6'er Pack alkfreie Weizen abkassiert und dann hoch zufrieden nach Hause. Dort gibt es dann erst mal ein richtiges Weizen

Sonntag, 21. Juli 2013

41.Hornisgrinde-Marathon



2.Start im Nordschwarzwald beim Hornisgrinde Marathon. Ganze 2 Wochen nach Marburg Marathon und dem 10'er in Dieburg. Das Training wurde nicht geändert, immer noch ist der Schwerpunkt voll und ganz auf den 100'er in Leipzig am 17.August ausgerichtet.

1.Woche 115,5km (inkl.17,5km/470Hm Berg/Hügel Training im Odenwald)
2.Woche 94,9km (inkl. Hornisgrinde Marathon)

Der letzte Intervall-Test 4 Tage vor dem Marathon war eher ernüchternd, und dämpft die Erwartungen für den Sonntag etwas. Anhaltend hohe Temperaturen bis an die 30°C Marke kommen noch mit dazu.

Noch etwas platt von den letzten Trainingswochen aber diesmal ohne ernstere orthopädische Probleme. Lediglich ein leichtes ziehen im rechten hinteren Oberschenkel hatte sich im Training bemerkbar gemacht. Ein Kinesio Tape sollte hier für Sicherheit sorgen. Die entzündeten Fußballen vom Marburg Marathon haben sich inzwischen relativ gut erholt.
Der Hornisgrinde Marathon ist wirklich nichts für Frühaufsteher. Aber diesmal bin ich echt froh, dass der Start schon um 8:30Uhr ist. Der Wetterdienst hat bis zu 30°C vorhergesagt. Aufstehen um kurz vor 4 Uhr. In aller Ruhe gemütlich frühstücken. 2 Brötchen mit Honig, Banane und Ei. Dazu viel Kaffee. Wasser hatte ich bereits am Samstag übermäßig viel getrunken, um hier schon mal ordentlich hydriert zu sein. Kurz nach 5 Uhr geht die Fahrt in den Schwarzwald los. Kurzer Toiletten Zwischenstopp auf dem Rastplatz nähe Baden-Baden, und pünktlich um 7:15Uhr bin ich auf dem Parkplatz Hundseck angekommen. Gleich mal rauf zum Start/Ziel Bereich die Startnummer holen. Immer wieder trinke ich weiter Wasser und bis zum Start habe ich bereits weitere 2 Liter abgepumpt.

Zu meiner Überraschung treffe ich auf Sven und Kathrin. Die beiden sind 1 Jahr durch die ganze Welt getingelt. Sind unter anderem Marathons/Wettbewerbe in den USA, Hawaii, Japan, China, Taiwan und Korea gelaufen. Wahnsinn! Da gibt es natürlich viel zu erzählen. Gerade mal 2 Tage wieder in Deutschland und schon steht der Hornisgrinde Marathon auf dem Plan. Respekt!

Noch schnell umziehen, einen Riegel futtern und ab zum Startplatz. Zielzeit für heute hab ich mir mit unter 3:10 gesetzt. Im letzten Jahr lief ich an gleicher Stelle 3:10:22. Allerdings waren die Bedingungen mit 10°C bei Start und 18°C im Ziel ja geradezu traumhaft. Wir haben jetzt schon 22°C und das wird noch ordentlich warm werden.



wieder gut besucht, der Hornisgrinde Marathon im Nordschwarzwald



Sven und Kathrin tingeln ein Jahr durch die ganze Welt, und das erste was die beiden wieder in Deutschland machen ist ein Marathon laufen!



Bereit zum 2.Start im Nordschwarzwald

8:30 Uhr Start:

Der Start erfolgt auf 900m Höhe direkt unterhalb vom Mehliskopf. Es ist hier wichtig relativ weit vorne zu stehen, denn auf den ersten KM wird es schwer im Pulk zu überholen.

Zuerst muß noch ein leichter Anstieg von ein paar hundert Metern genommen werden, dann geht es zum größten Teil bergab bis KM25. Ich bin in guter Position, zähle schon mal die Läufer welche vor mir sind. Platz 9, da bin ich ja gut weg gekommen. Die ersten 6 machen die Pace und setzten sich bereits etwas ab. KM1 in 4:01 und KM2 in 3:57min/km. So hatte ich mir das in etwa vorgestellt. Kurzes Stück bei "Sand" jetzt auf der Schwarzwaldhochstraße, jedoch gleich wieder rein in den Wald. KM3 mit 3:52min sehr schnell im Gefälle. Inzwischen konnte ich zwei weitere Läufer überholen und bin nun auf der 7.Position. Ich quatsche kurz mit einem Läufer, er will um die 3:10 laufen, genau wie ich. Die Strecke wird nun eben, wir passieren die Häuser von Plätting Bühlerhöhe. Ein erster knackiger Anstieg muß überwunden werden. Ich kann an der Steigung weiter an Boden gutmachen und habe sogar Position 6 in Sichtweite.

Verläuft die Strecke kurz außerhalb vom Wald, merkt man sofort die Temperaturen. Mir kommen erste Zweifel ob ich nicht im 2.Teil der Strecke total untergehe. Auf jeden Fall hole ich mir mal die 6.Position, denn der Läufer kann das hohe Anfangstempo nicht mehr mitgehen. KM4-7 ist wieder fast eben. Entsprechend die Pace um die 4:15min/km. Ich höre Schritte von hinten, da kommen zwei Läufer an. Und was soll ich sagen, einer der beiden ist mein Laufkumpel Sven. Der alte Fuchs. Macht noch vor dem Start einen auf Understatement, von wegen Jetlag und 3:30 als Zielzeit und jetzt zieht er mit mir gleich. Die Strecke ist wieder abschüssig. Wir quatschen ein bisschen, und schon kommt der 10km Marker. Die Uhr steht auf 41:06min. Das sind 47 Sekunden schneller als letztes Jahr.

Laufkumpel Sven mag nicht mehr weiter reden, somit ergreife ich die Initiative und erhöhe die Pace. Mit 3:57min für KM11 im Gefälle vergrößert sich der Abstand. Scharfer Abzweig am Waldgasthaus Scherrhof, dem beliebten Ausflugsgasthof für Wanderer. Schnell den Wasserbecher am Verpflegungsstand geschnappt und dran bleiben. Die Strecke ist wieder eben und somit bin ich mit 4:13min für KM12 voll zufrieden. Aber jetzt kommt der erste langgezogene Anstieg. Da merkt man ganz schön den Kräfteverschleiß. Außerdem höre ich immer noch Schritte hinter mir. Einer ist noch dran. Jetzt darf ich keine Schwäche zeigen, das wäre psychologisch sehr schlecht. 4:30min ist ok für diesen Abschnitt. Die Verfolger sind scheinbar abgeschüttelt.

Ein ständiges auf und ab der Strecke macht es nicht gerade einfach. Sogar 600 Meter müssen abseits des Weges auf einem Trampelpfad gelaufen werden. Hier kann man nicht überholen, aber ich laufe ja sowieso alleine. Trotzdem höchste Vorsicht wegen Wurzeln oder anderen Stolpersteinen. An die vielen Tannenzapfen hab ich mich schon gewöhnt. Scharfe V-Kurve vor der „roten Lache“, die Passhöhe der Bundesstraße L79. Nochmal Wasser am VP aufnehmen und weiter ganz alleine auf der Strecke. Zum Glück sind die Hinweispfeile und Markierungen in diesem Jahr etwas deutlicher als in 2012. Trotzdem beruhigt es doch ungemein, wenn das nächste KM Schild auftaucht.

Bis KM19 hält sich das Höhenprofil die Waage, aber jetzt muß man ca. 3km lang "beißen". Die Strecke steigt an. Erst langsam, dann immer mehr. Ich höre wieder Schritte von hinten. Da ist mir wieder jemand auf den Fersen. Die Pace pendelt sich in diesem Abschnitt um die 4:35/4:40min/km ein. Das ist noch gut. Aber bloß nicht zu viel Kraft verlieren. HM Durchlauf mit 1:29:32. Das ist nur noch 23 Sekunden schneller als letztes Jahr. Also ein kleines bisschen nachgelassen. Wieder ein kurzer Abschnitt auf einem Trampelpfad. Da fragt man sich echt ob das der richtige Weg ist. Es ist der richtige Weg! Ich komme am nächsten VP raus. Schnell Wasser im vorbeilaufen für das 1.Gel. Ich höre den Streckenposten im Hintergrund vom VP rufen: "Platz 7 und 8". Also sind sogar 2 Läufer dicht hinter mir.

Ich darf jetzt echt nicht die Nerven verlieren, muß mein Ding durchziehen. Versuchen das Gefälle runter zum Stausee zu nutzen um ein wenig neue Kraft zu sammeln. Ganz weit vor mir kann ich sogar einen weiteren Läufer erkennen. Der Abstand wir weniger! Der hat sich übernommen! Bei KM23 gehe ich an ihm vorbei. Super! 5.Platz! Ja wenn ich die anderen hinter mir lassen kann. Das wird nicht einfach werden. Aber erst mal geht es mit Pace 4:05min/km runter zum Stausee.

Nächster VP am Stausee. 500m Wendepunktstrecke am See. Vom Wendepunkt kommen mir jetzt schon 3 Läufer entgegen. Sonst niemand mehr. Also hat der Führende bereits einen sehr großen Vorsprung. Die niedrigste Stelle des Hornisgrinde Marathon ist bei KM25 erreicht. Jetzt geht es nur noch rauf! Zurück am Wendepunkt. Oh je! Da sind ja haufenweise Läufer auf der Gegenseite hinter mir her. Ob ich den Abstand halten kann? Ich bin jetzt echt platt. Auf komm! Zusammenreißen, noch 17km!

Die Sonne knallt jetzt auf den Kopf. Der Teil am Stausee ist nicht im Schatten. Entsprechend die Pace auf fast 4:30min/km angestiegen. Der nächste Marker kommt. Hä? Was war das denn? KM25? Das muß doch die "26" sein! Cool bleiben, der nächste Marker wird wieder richtig sein! Die Strecke steigt an. Ich hab jetzt mächtig zu kratzen. Meine Verfolger scheinbar auch, denn ich kann niemanden hinter mir sehen oder hören. Ich baue ab. 4:35min für den nächsten KM. Und wieder stimmt das Schild nicht! Jetzt steht hier die "26" und eigentlich sind wir doch schon bei "27". Ja bin ich blöd! Bin ich irgendwo eine Ehrenrunde gelaufen? Der Forerunner sagt auch 27km. Ja was ist denn hier los? Das wird sich bestimmt bald aufklären!

Der Kilometer rauf zum Behelfs Staudamm über den Schwarzenbach „Herrenwieser Schwallung“ wird mit 4:47min immer bedenklicher. Und wieder ist der KM auf dem Schild falsch. Beim vorbeilaufen rufe ich einem Streckenposten zu: "die KM Marker sind falsch! Wir sind hier schon bei KM28!" Keine Reaktion vom Streckenposten. Kurz vor der Querung der Bundesstraße L83 gibt es noch einen Versorgungspunkt. Allerdings sieht man den so spät, und die Helfer reichen auch keine Getränke, so dass ich hier leer ausgehe. Verdammter Mist! Es wäre so wichtig gewesen nochmal Wasser aufzunehmen. Aber anhalten kostet zu viel Zeit. Ich muß es so packen.

Über die abgesperrte Bundesstraße zum Schlussabschnitt. Jetzt wird es extrem. Das ist mir noch gut in Erinnerung. 30Hm für die nächsten 800m müssen gelaufen werden. Ich höre Applause vom Verpflegungspunkt, also Vorfolger gibt es auch noch. Ein Grund mehr hier alles in die Waagschale zu werfen. Rauf geht es mit allen Mitteln. Die vorläufige Kuppe scheint erreicht zu sein, der Weg wird erst mal eben. 4:54min für KM29 (bzw. 28 lt. Schild). Jetzt neue Kräfte sammeln für den nächsten Anstieg. Aber was ist das? Der Weg ist ganz neu geschottert! Das darf doch nicht wahr sein! Die Steine bohren sich in die Schuhe. Das macht keinen Spaß mehr! Und es hört auch nicht auf! Das ist ja schlimmer als das Kopfsteinpflaster beim Köln Marathon nach der Domplatte!

Scheinbar hab ich den Anstieg gut verkraftet. KM30 (29) mit 4:25min/km ist wieder im Soll. Für mich völlig überraschend kommt ein Verpflegungspunkt. Super, das passt! Nochmal im vorbeilaufen ein Gel mit Wasser rein und weiter geht‘s! Leicht ansteigend die Strecke, bis KM33 halte ich die Pace um die 4:40min/km. Die KM Schilder sind weiterhin falsch, aber das kratzt mich jetzt nicht mehr. Es überholt keiner und andere Läufer/innen sind auch nicht auf der Strecke. Also müßten ja alle falsch gelaufen sein.

Wirklich gar nichts los auf und an der Strecke. Ich kämpfe nur gegen mich selbst und die Ermüdung. Jeder KM Marker ist eine Erlösung, auch wenn das falsche drauf steht. Die Pace geht stark auf 4:50min/km zu. Jetzt nicht hängen lassen. Noch langsamer darf ich nicht werden! Bei KM36 gibt es nochmal Wasser. Rein damit und über den Kopf. 4:51min für den letzten KM. Das haut jetzt auch rein. ca.20HM pro KM sind augenblicklich zu überwinden. 4:54min für KM37. Nicht locker lassen, es sind nur noch 5km. Ein Fahrrad kommt mir entgegen. Eine Frau ruft "du bist 5." Also tatsächlich 5.Platz. Los jetzt, das lasse ich mir nicht mehr vom Brot nehmen. Und so wie das aussieht schaffe ich ne Sub 3:10 ganz locker!

5km den Berg rauf, hab ich doch alles trainiert im Odenwald, zig mal den Melibokus rauf gelaufen. Und das hier pack ich auch noch! 4:50/4:44min für KM38/39 ist echt top. Und was ist das? Ein Läufer ganz weit vorne ist zu sehen. Los, den hol ich noch ein! Das setzt die letzten Kräfte frei. 4:32min für KM40 und ich bin ganz dicht dran. Weiter dranbleiben! Er kommt immer näher, scheinbar ist er platt. Ganz locker und ohne große Mühe kann ich an ihm vorbei ziehen. Platz 4!

KM41 in sage und schreibe 4:12min abgedrückt. Aber jetzt gibt es nichts mehr zu lachen. Das Beste kommt zum Schluss. Der letzte finale Anstieg zum Ziel vom 50Hm steht an. Die Strecke wechselt auf die Bundesstraße. Hier hat man mit Hütchen eine kleine Spur für die Läufer gemacht. Kurze Schritte machen und bloß nicht gehen! Es ist die Hölle, aber der Gedanke dass gleich alles vorbei ist, läßt einem hier weiterlaufen. Ganz weit vorne, da läuft Platz 3. Aber das ist zu viel des guten, den pack ich nicht mehr. Er biegt schon ein zum Zielgelände. Ich hab es auch fast geschafft. Die Abzweigung ist zum greifen nahe. Hier gibt es jetzt auch wieder Zuschauer Unterstützung.

Abzweig zum Zielgelände, der letzte Anstieg, vorbei an der Gaststätte "Hundseck". Der Zielkanal ist vor mir. Jetzt darf gejubelt werden! Platz 4! Das ist meine beste Marathonplatzierung. Der Zielbogen wird durchlaufen. Die Uhr zeigt 3:07:23. Ziel von Sub 3:10 locker gepackt und das bei 28°C im Ziel.
Platz 4 insgesamt und Platz 2 in der Altersklasse. Was für ein geiler Tag!



brutal! auf den letzten KM müssen 50Hm überwunden werden



fast geschafft, der Abzweig zum Start/Ziel Gelände



Zieleinlauf



Hornisgrinde Marathon 2013 in 3:07:23 gefinished

Zum Duschen geht es wie immer nur über den "Trailpfad". Extrem schwierig zu gehen nach einem gelaufenen Marathon. Jeder der schon mal dort war, weis wovon ich rede. Nochmal hoch zum Start/Ziel Gelände zur Siegerehrung und warten auf die Ergebnislisten. Ich plaudere in der Zwischenzeit mit dem Sieger der M70 Karl Heinz Kern. Der 74. jährige ist hier eine 4:19:59 gelaufen! Das muß man sich mal reinziehen. Für mich der wahre Sieger des Hornisgrinde Marathons. Die Ergebnislisten hängen nun aus. Gerade mal 1 Minute 16 hat auf den 3.Gesamtplatz gefehlt. Schade, aber ich komme nächstes Jahr bestimmt wieder ins Bühlertal.

Freitag, 5. Juli 2013

16.Nachtmarathon Marburg



Wieder einmal steht der Marburger Nachtmarathon auf dem Programm. Für mich der 4.Start im Lahntal. Das Training hatte ich bereits auf mein 100km Debut am 17.Aug. in Leipzig angepasst. Also 6 Einheiten und mehr als 100km laufen pro Woche.

Erstaunlicherweise gab es keine größeren Probleme, lediglich ein bisschen platt war ich schon. Doch wie soll es anders sein, in der Woche vorm Marburger Nachtmarathon traten dienstags nach dem Training extreme Schmerzen in beiden Fußballen auf. Ebenso tagsüber auf der Arbeit, im sitzen ohne Belastung, waren die Schmerzen vorhanden. Ein mir nicht ganz unbekanntes Problem. Die Fußzehengrundgelenke sind entzündet und überlastet. Tja, was kann man da machen? Ehrlich gesagt gar nix. Ich hab dann am Mittwoch das Training ausgelassen, und donnerstags zum Test nochmal 8km gejoggt. Laufen leicht schmerzhaft aber irgendwie geht es. Nur 42,2km sind was anderes als 8km joggen. Egal wie, da waren schon ganz andere Probleme und am Ende bin ich doch im Ziel angekommen.

Donnerstags abends wie üblich 250gramm Nudeln gefuttert. Die Tasche gepackt und nochmal 250gramm Nudeln in die Tupperdose abgepackt für das Mittagessen am Freitag.

Freitag Marathontag:

Erstmal arbeiten bis kurz vor 15Uhr. In der Mittagspause zum Erstaunen meiner Arbeitskollegen die ganzen 250gramm Nudeln reingedrückt. Da ich normalerweise höchstens ein Brot zum Mittag esse, ist das jetzt doch eher Quälerei, muß aber sein.
Die Fahrt nach Marburg über die vollgestopfte A5 ist anstrengend. 28°C zeigt das Thermometer. Es sieht alles danach aus, als gibt es wieder wie bei meinen Starts in 2009,2010 und 2012, die typische Marburger Hitzeschlacht im Lahntal.

Sehr zeitig in Marburg angekommen. So habe ich noch alle Zeit der Welt. Ganz gemütlich die Unterlagen abgeholt. Laufkumpel Gregor vom TV Hergershausen getroffen, wir plaudern ein bisschen über die letzten Laufaktivitäten. Ja, der hat heute gute Chancen hier ganz vorne mitzulaufen. Beim diesjährigen Mannheim Marathon ist er mit 2:57:11 bei ähnlich warmen Temperaturen eine top Zeit gelaufen.

Die Sonne knallt ganz schön. Die restliche Zeit bis zum Marathon Start versuche ich möglichst im Schatten zu verbringen.



Das Universitätsstadion in Marburg. Eine schöne Anlage



Unterlagen klarmachen



Der Hirsefeldsteg gleich neben dem Stadion, dreh und Angelpunkt des Marburger Marathons. Gleich 3x muß man hier rüber.



Schwülwarme Temperaturen wie üblich in Marburg, so ziemlich jeder sucht nach einem schattigen Plätzchen.

Dirk und Alex sind nun auch im Universitätsstadion angekommen. Die Freude ist groß, als ich höre, dass beide beim 100'er in Leipzig gemeldet sind. Super! Das wird ja ne riesen Sause in Leipzig. Jetzt aber mal langsam in die Puschen kommen. Umziehen und dann noch der Fußweg zum Startplatz in der historischen Altstadt von Marburg.



Freudiges Wiedersehen in Marburg. Frank, Alex und Dirk



Bereit zum Start

Der Marktplatz ist schon proppenvoll, wir kommen nicht mehr ganz nach vorne zum Start. Mit 2076 Meldungen ist ein neuer Rekord beim Nachtmarathon aufgestellt worden. Leider sind davon lediglich 187 Marathonfinisher zu melden. Der Rest nimmt am Halbmarathon oder Staffelmarathon teil. Es folgt noch eine kleine Ansprache und pünktlich um 19:00Uhr fällt der Startschuss.

19:00 Uhr Start

Das Nadelöhr gleich zu Anfang der Strecke. Die enge Barfüßerstraße in der Marburger Oberstadt. Vorbei an den Tischen der Cafés und Kneipen. Extrem abschüssig und kein einfacher Untergrund. Ich habe es mir diesmal fest vorgenommen. Keine übertriebene Anfangspace, es wird sich später doppelt und dreifach rächen. Scharfe Wende am Barfüßertor in die Universitätsstraße, KM1 dank dem Gefälle in 3:57min abgedrückt. Top Stimmung hier im Stadtkern von Marburg, da wird man einfach mitgerissen. Vorbei am alten Brauhaus und der Philipps Universität. Abzweig Deutschhausstraße, die Elisabethkirche kommt für einen Moment zum Vorschein. Ein kleiner Schlenker noch, und schon haben wir Marburg verlassen. Pace für KM 2 und 3 mit 4:12min/km viel zu schnell. Es ist schwülwarm, wir haben jetzt noch um die 26°C, das wird nicht lange gutgehen.

Weiter in Richtung Norden nach Wehrda. Der erste Getränkestand wird sofort gerne mitgenommen. Die zahlreichen Halbmarathonies ziehen mich einfach mit. Die Pace ist jetzt leicht auf 4:16min/km abgefallen. Puls mit 151(83%) erstaunlich gut. Die angeschlagenen Fußballen merke ich natürlich, aber noch kein Grund zur Beunruhigung. Nochmal Zuschauer Unterstützung in Wehrda, dann geht es raus in die Lahnauen wieder zurück in südlicher Richtung. Normalerweise steht hier die Luft, aber heute geht es. Die Pace kann ich weiter um die 4:15min/km halten. Kurzer Plausch mit einem HM-Läufer lenkt ein wenig ab. Er will unter 1:30 finishen. Wenn ich so weiter laufe, dann bin ich auch erstmal auf diesem Kurs. Mir geht es gut, also hänge ich mich an ihn ran.

Wir nähern uns dem Stadtkern. Wieder mehr Zuschauer an der Strecke. Nun wird es interessant, der 10km Marker kommt. Die Uhr zeigt 42:08min. Abartig! Ich muß die Kräfte sparen für den 2.Abschnitt. Aber entlang am Lahnufer mit top Zuschauerunterstützung lasse ich mich nicht lumpen und bleib dran. Das Universitätsstadion ist in Sicht. Ein Pulk von Menschen drückt auf die Laufstrecke. Eine geile Stimmung hier am Hirsefeldsteg. Der neue, breitere Fußgängersteg über die Lahn ist durch ein Band in der Mitte geteilt. Somit stehen hier auch noch Zuschauer und sorgen für eine ganz besondere Atmosphäre. Angekommen auf der gegenüberliegenden Seite der Lahn ist weiter top Unterstützung, denn hier ist der Staffelwechsel.

Nun folgt der eher unangenehmere Teil der Strecke. Erst noch vorbei an den Grünflächen der Lahnauen. Hier feiern die Studenten Grillparties und trinken Bier. Jetzt wird es einsam. Bis runter nach Gisselberg zur Wende im Süden der Strecke. Irgendwie finde ich dass die Temperaturen ein wenig nachgelassen haben. Ja das ist doch richtig angenehm, wenn ich das mal mit den Jahren davor vergleiche. Und die Pace? Weiter bei 4:15min/km. Ich bin weiter dran am 1:30 HM-Läufer, der zieht gut! Abzweig zur Süd-Wende in Gisselberg. Wie immer bestens organisierter Verpflegungspunkt im Ort. Fast 16km gelaufen, soll ich schon ein Gel einwerfen? Nee, ich warte noch.

Raus aus Gisselberg, jetzt kommt der Knackpunkt der Strecke. Der lang angezogene Anstieg zur Brücke über die Lahn. OK, wird sind in der ersten Runde es geht noch. In dieser Runde muß noch keine zusatzschleife gelaufen werden. Es geht gleich auf dem "Planetenweg" weiter in Richtung Marburg. Die Pace ist jetzt auf 4:20min/km angestiegen. Die Fußballen machen so langsam aber sicher leichte Probleme. Aber alles noch im Rahmen. Unterm Strich läuft es gut. Schon ist der Planetenweg durch. Unterführung der "Südspange" kommt. Hier gibt es wieder Wasser. Gleich mal das Gel rein, das ist jetzt ein guter Zeitpunkt bei ca. KM18,5. Jetzt noch das Stück am Industriegebiet vorbei, dann Campingplatz Lahnaue, Aquamar Freizeitbad und schon ist die erste Runde gepackt!

Die Halbmarathonies biegen ab ins Stadion. Tolle Stimmung aus dem Stadion und natürlich wieder um den Hirsefeldsteg rum. Der Steg ist voll mit Läufer/innen welche grad' mal 11km hinter sich haben. Ich biege links ab auf den Steg, rufe "Achtung! Läufer von hinten". Ein bisschen Zeit kostet das jetzt, aber läßt sich kaum vermeiden. Am Staffelwechsel ist es eng geworden, aber dafür top Stimmung. Schnell mal die Zeit für den HM-Durchlauf checken. 1:29:50 Wahnsinn! Klar werde ich jetzt abfallen, aber die Zielzeit von Sub3:10 ist doch machbar! Weiter dranbleiben, das läuft heute!

Runde 2 und 3 entspricht genau dem 2.Abschnitt aus Runde 1 nach dem Hirsefeldsteg. Lediglich eine Schleife nach Giesselberg muß extra gelaufen werden. Zusätzlich müssen die vielen langsameren Läufer/innen auf den schmalen Radwegen überrundet werden. Meistens kein Problem, doch manchmal kommt es auch zu unnötigen Manövern. Vielleicht spornt ja genau das an, hier schnell an den Läufer/innen vorbei zu kommen. Bis Gisselberg runter kann ich wieder eine Pace von 4:16min/km halten. Jeder Verpflegungspunkt ist Pflicht. Bisschen trinken, Rest über den Kopf. So auch in Gisselberg. Am Ortsausgang gibt's noch eine Zuschauerwelle obendrauf für jeden der hier vorbei kommt. Super Gisselberg!

Der 2.Anstieg über die Lahnbrücke, diesmal tut's echt weh. Entsprechend wird KM26 mit 4:31min etwas langsamer. Zusatzschleife am Landschulheim Steinmühle vorbei, dann wieder auf den regulären Weg. Am kleinen Trampelpfad zum Planetenweg wird es nochmal eng, aber dann ist wieder Platz zum laufen. So langsam läßt die Kraft nach, die Beine werden schwer. KM28 in 4:25min ist noch ok. Aber lange kann ich dieses Tempo bestimmt nicht mehr weiterlaufen. Immer weiter ziehe ich stur an den immer noch sehr zahlreichen HM Läufern/innen vorbei. Nächste Gelaufnahme bei KM29 unter der "Südspange" wird vorbereitet. Klappt prima, die Helfer an den Ständen denken mit, Wasseraufnahme aus vollem Lauf überhaupt kein Problem.

Wieder am Industriegebiet "am Krekel" vorbei. KM30 in 4:20min abgedrückt. Gesamtzeit 2:08:21. So gut war ich hier noch nie unterwegs. Noch 12km. Los durchhalten, das wird ne Bombenzeit! Campingplatz Lahnaue, Schwimmbad Aquamar. Stadion zur rechten, Hirsefeldsteg zur linken überqueren. Auf los, noch einmal rüber! 1 popelige Runde noch! Los das packst du! Stimmung in der Staffelwechselzone aufgesaugt und wieder konzentrieren für den Schlussabschnitt. Plötzlich kommt von hinten jemand angelaufen und zieht an mir vorbei. Ja gibt's denn sowas? Hab ich so stark nachgelassen? KM32 in 4:27min ist etwas schwächer als die vorherigen Kilometer, aber für die letzte Runde mehr als gut. Mehr geht bei mir auch nicht mehr.

Ganz cool bleiben und jetzt nicht die Nerven verlieren. Der hat sich das eben gut eingeteilt. Und wie der abgeht. Da kann ich nicht mehr mitgehen. Auf jeden Fall hat er mich gut gezogen und KM33 ist mit 4:20min wieder besser. Schwups, da kommt der nächste angerauscht. Ja sag mal, was läuft den hier für'n Streifen? Sind die gedopt? Da kann ich nur sagen: "Respekt, das ist bärenstark!" Wie kann man in der letzten Runde nochmal so aufdrehen? Der erste ist weg, aber der zweite ist in greifbarer Nähe. Da bleibe ich jetzt dran, wenigstens bis Gisselberg. Und das klappt auch, mit 4:23 und 4:18min für KM34 bzw. KM35 erreiche ich Gisselberg.

Noch einmal hier durch. Die Stimmung hat jetzt doch merklich nachgelassen. Die Fußballen schmerzen immer mehr, ich kämpfe mit mir selbst. Los jetzt! Nur noch 7km, das wird irgendwie gehen! Die Zeit ist top, ich muß das Ding hier nur noch heimfahren. Selbst im 5'er Schnitt pack' ich locker ne Sub 3:10! Raus aus Gisselberg, KM36 mit 4:28min ist doch super. Letztes Jahr bin ich an gleicher Stelle ja quasi schon gekrochen. Zum letzten mal der Anstieg auf die Lahnbrücke. Das tut jetzt weh, aber gleich hab ich's gepackt. Jetzt erst mal wieder Kräfte sammeln und mit angezogener Handbremse auf der anderen Seite das Gefälle runter. Viel zu schmerzhaft sind die Schritte, als dass man es hier einfach laufen lassen könnte.

Weiter in der Zusatzschleife zum Landschulheim. Immer noch ist der Läufer, welcher mich Anfang der 3.Runde überholt hat in Sichtweite. Mit 4:34min für KM37 bin ich weiter super dabei. Noch 5km. Wenn ich diese Pace irgendwie halten kann, dann gibt das ne Zeit unter 3:05. Zurück auf dem Hauptweg wird es gleich richtig voll. Die letzten Halbmarathonies spazieren über die Strecke. Es ist erschreckend wie viele Läufer/innen hier am gehen sind. KM38 in 4:27min. Immer öfter sticht es jetzt auch noch in den Fußzehen. Das ist jetzt echt bedenklich, aber ich muß noch die restlichen 4 Kilometer zu Ende laufen. Hirn ausschalten und weiter den Planetenweg in Richtung Marburg. Fest im Blick das Marburger Schloss im Hintergrund. Je größer das wird, desto näher komme ich dem Ziel. KM39 in 4:29min. Gesamtzeit 2:48:06.

Nur noch 3 Kilometer! 3 lächerliche Kilometer! Auf jetzt reiß dich am Riemen und hol das letzte raus! Wasser geschnappt am Versorgungspunkt unter der Südspange. Hier brennt jetzt bereits das Licht, es ist mittlerweile schon sehr duster. Aber immer noch hell genug um den Kilometer 40 auf dem Forerunner abzulesen. 4:36min und 2:52:42 gesamt. Das gibt eine Hammer Zeit. Los! Weiter, weiter, weiter. Nicht nachlassen. Immer mal wieder stehen vereinzelnd Leute an der Strecke. "Los komm, du hast es gleich geschafft!" hört man immer wieder. Ja genau, die haben recht. Das lasse ich mir jetzt nicht mehr vom Brot nehmen. Die Sub 3:05 ist sicher und somit eine top 10 Zeit in meiner persönlichen Marathonbestenliste.

Da geht noch mehr, trotz aller Schmerzen in den Füßen versuche ich das letzte rauszuholen. Am Campingplatz Lahnaue drücke ich die "41" mit 4:32min ab. Der Endspurt wird eingeläutet. Noch einmal reichen Helfer nasse Schwämme. Vorbei am Aquamar. Der Lärm vom Stadion ist zu hören. Die letzten Meter auf dem Lahndamm neben dem Stadion sind trotz aller Quälereien ein Wahnsinns geiles Gefühl. Ich muß nicht mehr über den Hirsefeldsteg, jetzt geht es rechts runter ins Stadion! Dicht gedrängt stehen hier die Zuschauer, es wird ein bisschen eng, aber man kommt durch. Rein ins Stadion und rauf auf die Laufbahn. KM42 mit 4:21min gestoppt. Wildfremde Menschen strecken mir die Hände zum abschlagen entgegen. Nur noch die Kurve auf der Laufbahn und ich hab es gepackt. Die Uhr im Zielbogen steht noch unter 3:03. Das pack ich! Was für ein Triumpf, das hätte ich heute nie für möglich gehalten. Die letzten Meter, geschafft! 3:02:38 ist meine Endzeit! Ich werd' wahnsinnig. Das ist meine 5. beste Marathonzeit und das in Marburg wo man eigentlich nie schnell unterwegs ist.

Kurze Verschnaufpause und gleich mal haufenwiese Getränke angebohrt. Bananen, Kekse einfach alles schmeckt jetzt super! Jetzt mal schauen. So langsam müßte Dirk im Stadion eintreffen. Er ist noch nicht zu 100% fit und wollte eine Zeit um die 3:15 laufen. Und es dauert nicht lange da kommt er zum Tor rein. "Los, hau rein, die letzte Runde!" Mit 3:10:17 im Ziel, läuft er ebenfalls besser als erwartet. Super! Wenig später kommt Alex mit 3:31:03 durch's Ziel. Auch ein top Ergebnis für Ihn.

Beim duschen treffe ich Gregor wieder. Er ist mit 2:57:18 gesamt 2. geworden. Glückwunsch! Das sind Zeiten davon träume ich noch. Aber ich bin dran, nach zuletzt 2010, mal wieder eine Zeit unter 3 Stunden zu laufen. Nach dem duschen sind die Ergebnislisten draußen. Gesamt 5. und 3. in der AK40. Damit kann ich mehr als zufrieden sein. Dirk ist gesamt 9. und sogar 1. in der AK45. Ebenso top ist der 28. Gesamtplatz von Alex. Ein schöner Abend in Marburg geht zu Ende. Es war hart, aber hat um so mehr Spaß und Freude gemacht. Nächstes Jahr ganz bestimmt wieder in Marburg!



Stimmungsvoller Zieleinlauf in der Dämmerung



wieder vereint im Ziel

Beim duschen treffe ich Gregor wieder. Er ist mit 2:57:18 gesamt 2. geworden. Glückwunsch! Das sind Zeiten davon träume ich noch. Aber ich bin dran, nach zuletzt 2010, mal wieder eine Zeit unter 3 Stunden zu laufen. Nach dem duschen sind die Ergebnislisten draußen. Gesamt 5. und 3. in der AK40. Damit kann ich mehr als zufrieden sein. Dirk ist gesamt 9. und sogar 1. in der AK45. Ebenso top ist der 28. Gesamtplatz von Alex. Ein schöner Abend in Marburg geht zu Ende. Es war hart, aber hat um so mehr Spaß und Freude gemacht. Nächstes Jahr ganz bestimmt wieder in Marburg!

Und weil laufen so geil ist, stehe ich am Samstag späten Nachmittag schon wieder an der Startline beim 10km Dieburger Stadtlauf. Eigentlich wollte ich hier nur locker durchlaufen, aber am Ende steht dann doch ne 41:41min auf der Uhr. Das reicht zu meinem großen Erstaunen sogar noch für den 2.Platz in der AK40 und Platz 29 insgesamt. Scheinbar wollte hier keiner so richtig Gas geben bei Temperaturen um die 28°C. Da fällt mir ja echt nix mehr ein.

Samstag, 8. Juni 2013

8.ING-Europe Night-Marathon Luxembourg



Luxembourg Marathon ist immer etwas Besonderes. Darauf freue ich mich jedes Jahr aufs neue. Nicht weil man in Lux besonders schnelle Zeiten laufen könnte, nein das ganz bestimmt nicht. Ganz im Gegenteil, der Marathon ist sehr anspruchsvoll mit hügeligem Höhenprofil. Es ist die Stadt, die vielen verschiedenen Nationen welche hier friedlich zusammenleben und Jahr für Jahr für eine unvergessliche Marathonatmosphäre an der Strecke sorgen. Dem nicht genug. In 2013 gibt es das doppelte Jubiläum in Luxembourg. 5.Start in Lux und der 60.Marathon insgesamt.

Trainingsmäßig hatte ich ordentlich zugelegt nach dem Würzburg Marathon. Ganz besonders Tempoläufe waren mehr als sonst auf dem Plan. Bleibt also nur zu hoffen, dass es nicht zu viel des guten war. Ich bin doch ganz schön platt. Aber für Luxembourg werde ich mich zerreißen, das bin ich dieser geilen Stadt einfach schuldig. Eine Zeit unter 3:10 hab ich mir vorgenommen. Klingt jetzt nicht unbedingt schnell, aber ist in Lux bei insgesamt 550hm und einem sehr verwinkelten Stadtkurs eine echte Herausforderung.

Samstag 8.Juni 2013

Morgens um 8:00Uhr erst mal gut gefrühstückt mit 3 Honigbrote und ein Müsli. Die Tasche gepackt und um 12Uhr losgefahren. Es ist sehr warm und drückend. Das Thermometer im Auto zeigt teilweise 30°C. Immer wieder ein Knackpunkt ist bei Abend bzw. Nachtmarathons das Mittagessen. Normalerweise würde ich sonst ein Brot oder eben nichts zu Mittag essen, aber heute muß ich umdisponieren. Deshalb nehme ich mir extra eine Schale mit Nudeln mit. Um kurz vor 13:00Uhr halte ich auf einen Rastplatz und haue mir die ganze Schale mit Nudeln in den Kopf. Bleibt also zu hoffen, dass ich als reiner Abendesser das auch vertrage. Nach 2 weiteren Stunden Fahrt bin ich endlich in Luxembourg angekommen. Zwischendurch meldet sich noch Laufkumpel Jens aus Trier. Er will nach Lux rüberkommen und mich an der Strecke unterstützen. Prima, eine super Aktion. Da freue ich mich.



Zusätzliche Kohlenhydrate. Nicht gewohntes Mittagessen muß rein



15:00Uhr der ING Löwe begrüßt mich auf dem Lux Expo Gelände

Die relativ kleine Messe ist schnell durchlaufen. Unterlagen abgeholt und nun heißt es irgendwie die Zeit vertreiben bis zum Start um 19:00Uhr. Müde von der Fahrt und den ungewohnt hohen Temperaturen versuche ich mich mit Kaffee wieder aufzuwecken. Plötzlich lautes prasseln von den Scheiben. Was ist da los? Es schüttet wie aus Kübeln. Ein Wärmegewitter! Der Startplatz vor der Lux Expo steht komplett unter Wasser. Na hoffentlich gibt sich das bis zum Start. Ich kann es sowieso nicht ändern. Also weiter im Programm, den Ultrabar Starterpack mit Wasser runtergewürgt. Noch ein bisschen relaxen und irgendwie wird das prasseln an den Fensterscheiben weniger. Ja, der Regen läßt nach. Gleich mal raus auf den Startplatz. Nur noch wenige Regentropfen fallen vom Himmel, der Asphalt dampft, Nebel steigt auf. Ich bin fast alleine auf dem großen Vorplatz der Lux Expo. Aus den Lautsprechern dröhnt der 90'er Klassiker "Radio Orchid" von "Fury in the Slaughterhouse". Noch gut eine Stunde bis zum Start. Eine ganz besondere Stimmung liegt hier gerade in der Luft. Das sind diese Momente an die du immer wieder denken wirst wenn dieses Lied gerade irgendwo läuft.

Weiter zum Auto. Umziehen und den Läuferbeutel packen. Wieder runter zur Messe. Jetzt ist der Startplatz bereits deutlich gefüllt. Schnell noch zum vereinbarten Treff mit Jens, kurzer Plausch, dann weg mit dem Läuferbeutel. Man muß ein bisschen Zeit einkalkulieren für die Läuferbeutel Abgabe. Der Marathon ist seit Wochen ausgebucht, entsprechend viele Läufer/innen drängen zum Abgabeplatz. Nochmal auf's Klo und dann wieder raus zum Starterblock 3:00-3:29.

Noch einen Riegel reingedrückt. Mann, soviel hab ich noch nie vor einem Marathon gefuttert. Wenn das mal gut geht. Die Luft hat durch den Regen gut abgekühlt. Die Stimmung im Block steigt. Noch schnell die Vorstellung der Top Starter und der Prominentenstaffel mit Herbert Steffny, Thomas Dold, Lisa Hahner und Mellina Pol. Nur noch wenige Sekunden, der Countdown wird wie immer frenetisch mitgezählt. Start! Los geht's!



Die Sikhs um den 102 jährigen Fauja Singh sind auch wieder am Start. Allerdings hat Fauja Singh im Februar 2013 seinen Rücktritt vom Laufsport erklärt.



Ein heftiges Wärmegewitter geht vor der Lux-Expo runter



Den Starterpack noch reingedrückt



Der Regen läßt nach. Eine ganz besondere Stimmung liegt in der Luft.



Kleiderbeutelabgabe



bereit zum Start

19:00Uhr Start:

Der Pulk setzt sich nur mit Mühe in Bewegung. Viel zu dicht ist das Feld gedrängt. Der Startplatz vor der Lux Expo tobt. Wieder einmal ertönen die "Black Eyed Peas" - "Tonight's Gonna Be a Good Night" aus den Lautsprechern. Die Startline wird überquert. Fast kein vernünftiges laufen ist möglich. Ständig stockt das Feld. Jetzt kommt zu allem Überfluss noch die scharfe 180° Wende gleich am Anfang mit dazu. Haufenweise Läufer/innen scheinen sich in die schnelleren Blöcke geschummelt zu haben. Das nervt einfach nur noch. Ich komme ins stolpern, fliege fast hin. Hier sind wirklich Leute unterwegs die bei einem Spaß oder Firmenlauf wesentlich besser aufgehoben wären.

Der Ärger legt sich doch relativ schnell auf der breiten Straße um das RTL Sendezentrum. Das Feld entzerrt sich und mit 4:32min für km1 bin ich doch trotz allen Schwierigkeiten und leichter Steigung gut dabei. Jetzt läuft es und die ersten Kilometer auf dem Kirchbergplateau vergehen total fix. Bereits hier ist schon gute Stimmung an der Strecke. Mit 4:12/4:10/4:14 und 4:28min/km für KM2/3/4 und 5 läuft alles nach Plan. Ich fühle mich gut der Puls ist noch nicht über die 150 (81%) rausgegangen, was wohl auf die abgekühlte Temperatur zurückzuführen ist. Runter auf die Avenue John F. Kennedy, vorbei an der Coque in Richtung "Centre-Ville". Hier fliegen die KM Schilder einem nur so um die Ohren. Kein Wunder die Strecke ist abschüssig und so läuft es bis KM8 auf der "roten Brücke" über das Tal der Alzette mit einer Pace von 4:05min/km. Blöd nur, dass man das am Ende der Strecke völlig kraft und saftlos wieder rauf laufen muß.

Wir nähern uns dem ersten großen Highlight der Strecke, der "Champ du Glacis". Gleich 3 mal kommt man hier vorbei. Angetrieben von einer Welle der Begeisterung geht es durch das Zuschauerspalier. 2 Läufer passen hier noch nebeneinander durch. Nur mit Mühe können die Ordnungskräfte die Zuschauer zurückhalten. Jeder wird hier fanatisch gefeiert. Du bist der Star, und diese Bilder wirst du nie vergessen! Da merkt man kaum das die Strecke doch ganz schön ansteigt. Erst wenn die Stimmung etwas nachläßt wird einem bewußt, wie viel das an Kraft gekostet hat. Weiter im Stadtteil Limpertsberg. Ein ständiges auf und ab in verwinkelten Straßen zehrt bereits jetzt an den Reserven. KM10 Durchlauf mit 42:36min ist extrem schnell. Als 4 facher Luxembourg Finisher weis man genau, dass sich das spätestens nach dem Tal de Pétrusse bei KM32 doppelt und dreifach rächen wird.

Noch bin ich hier echt gut drauf und nach 4:21 und 4:05min/km für KM11 und 12 erreiche ich den "Champ du Glacis" zum 2.Mal. Man kann hier gar nicht anders. Wie könnte man dieses geile Publikum enttäuschen. Mit allem was die Beine hergeben zische ich in den Stadtpark rein. KM13 mit 4:12min abgedrückt. Im Stadtpark geht die Party weiter. Der Veranstalter spricht von 100.000 Zuschauern an der Strecke und das nehme ich voll und ganz ab. Raus aus dem Stadtpart, rein in die "Centre Ville". KM14 in 4:11min. Die sowieso schon schmalen Gassen sind rechts und links mit Absperrgittern gesichert. Wieder drängen die Zuschauer gegen die Gitter, kein freier Platz mehr zu sehen. Ich kenne das ja schon von den Jahren davor, doch jedesmal läuft mir ein Schauer über den Rücken. Das ist einfach nur sensationell! Unzählige Hände abklatschen, Daumen nach oben. Liebe Luxemburger ihr seid die Besten!!!

Die Cathédrale Notre-Dame de Luxembourg kommt kurz ins Blickfeld. Weiter zum „Place Guillaume II“, Umgangssprachlich "Knueddler" genannt. Das ist der zentrale Platz der Stadt Luxembourg. Hier befindet sich auch das Rathaus. Heute muß man hier seine Entscheidung treffen. Zwei Bahnen stehen zur Auswahl. In der Mitte winken die Helfer mit der "21" und der "42". Etwa nur jeder 5. läuft den Marathon. Dazu kommen noch 672 Team Staffeln. Für mich gibt es hier gar nix zu überlegen. Durch die Passage auf den „Place d’Armes“ und schon hat man die ganze Straße fast alleine. Weg sind die ganzen Läufer/innen mit der "21" auf dem Rücken. Leider läßt jetzt auch sehr schnell die Stimmung nach.
KM15 dank der tollen Zuschauer Unterstützung in der "Centre-Ville" mit 4:12min immer noch sehr schnell. Jetzt heißt es erst mal runterfahren und erholen. Der nächste Abschnitt im Stadtpark „Ed-J-Klein“ und der folgenden abschüssigen "Avenue Emile Reuter" zum Stadtteil "Belair" ist ideal dafür. Trotzdem mit 4:17min für KM16 noch sehr ordentlich. Ja selbst in Luxembourg gibt es Streckenabschnitte, da will man "einfach nur durch". Belair ist so ein Abschnitt. Die Anwohner geben sich auch hier alle Mühe und feiern kleinere Partys an der Strecke, aber man ist noch so gepuscht von der top Stimmung der Innenstadt und plötzlich ist Ruhe. Also schnell mal ein Gel reinschmeißen und stur weiterlaufen. Die Pace für die nächsten 3km pendelt sich um die 4:25min/km ein. Das ist für meinen Geschmack doch ein wenig zu langsam, wenn man da nicht dran bleibt, sackt man schnell ab.

Über die Avenue Gaston Diederich geht es nach dem Wendepunkt in Belair erstmal wieder zurück zum Stadtpark. KM20 im Stadtpark mit 4:14min gestoppt. Ich habe mich wieder ein bisschen gefangen. Kurzes Stück auf der Avenue Montery da sehe ich plötzlich Jens an der Straßenseite. Kurzer Report von mir. "Das wird zäh werden im 2.Abschnitt" und schon verschwinde ich wieder im Stadtpark "Bellevue". Jetzt wird es langsam interessant. Wie ist die Zeit beim HM Durchlauf? Ich bin schon längst auf der Avenue Marie-Therese, aber noch kein HM Durchlauf zu sehen. Was ist denn da los? Erst jetzt kommt der KM21 Marker. 5:34min! Ja spinn ich? Da stimmt ja wohl mal was ganz und gar nicht. Bin ich da ne extra Schleife gelaufen? 100Meter später kommt auch die HM Messmatte. 1:31:29 zeigt die Uhr.
Irgendwie bin ich jetzt total verunsichert. So langsam war ich nicht. Und siehe da, es dauert nicht lange, da kommt der 22'er Marker. Den drücke ich jetzt mit einer 2:55min ab. Also alles bestens, Schild und HM Durchlauf falsch postiert. Gibt's denn sowas? Also schätze ich die "richtige" HM Durchlaufzeit bei ungefähr 1:30:30. Lux-Marathon Faustformel zur Berechnung der Endzeit: HM Zeit x2 +8 Minuten. Da ist ne Zeit unter 3:10 heute drin. Also los dranbleiben, auch wenn das jetzt schon längst nicht mehr locker läuft. Weiter im Zick-Zack Kurs durch den Stadtteil Merl. KM23 in 4:17 und KM24 in 4:22min. Der Westlichste Teil der Strecke ist bereits passiert. Zurück über den Boulevard Marcel Cahen, leicht ansteigend, so wird KM25 mit 4:35min etwas langsamer.

Endlich, der "Parc du Merl" kommt. Ich bin platt, aber im Park ist super Stimmung. Da drehe ich nochmal auf. Verpflegungsstand kommt, wieder ein Gel rein. Raus aus dem Park weiter im Stadtteil Hollerech. Strecke abschüssig auf dem Boulevard Pierre Dupong, KM26 in 4:20min. Nun wird es ungemütlich. Durch die verwinkelten Gassen in Hollerech, und das auch noch ansteigend. Trotzdem kann ich immer wieder einige Läufer überholen. Immer wieder spielen sich an der Seite tolle Szenen ab. So sprintet jemand neben mir die Steigung rauf und feuert mich an. Etwas später wird man mit einer Zuschauerwelle empfangen. Es ist wirklich toll hier.

Geschafft, der Abzweig in die Avenue Marie-Therese kommt. Die Strecke ist wieder halbwegs eben. Auf der Gegenseite laufen immer noch Läufer/innen. Die haben ja noch nicht mal den Halbmarathondurchlauf hinter sich. Ich passiere den Marker für KM28 bei genau 2:01:00. Für die letzten beiden KM ist ordentlich Zeit draufgegangen. Die Pace ist auf 4:40-4:45min/km angestiegen. Los Frank, reiß dich am Riemen das Pétrusse Tal ist noch nicht mal durch. Noch 14km, noch passt alles. Jetzt nicht nachlassen! Nochmal ein Wasser am Verpflegungsstand geschnappt, bisschen getrunken, den Rest über den Kopf. Abzweig über die "Pont Adolphe" rüber in der Stadtteil Gare. Ein fantastischer Blick rüber zum "Place de la Constitution" und natürlich runter in das Pétrusse Tal. Wenn ich da unten durch bin, dann fängt der Spaß erst richtig an!



Blick zum "Place de la Constitution" im Hintergrund die "Cathédrale Notre-Dame de Luxembourg" Bildquelle: Jens



Kurz vorm Tal de Pétrusse ist noch alles ok. Bildquelle: Jens

Wie üblich muß hier erst mal eine Schleife gelaufen werden, bevor es runter ins Pétrusse Tal geht. Doch als langjähriger Lux-Marathon Läufer merke ich sofort, hier wurde die Strecke geändert! Die Schleife wird nun gerade entgegengesetzt gelaufen, und anstelle des extrem brutalem Gefälle, geht es erst einmal weiter auf dem Boulevard de la Pétrusse. Am Abzweig taucht plötzlich Jens wieder auf. Er knipst fleißig Fotos und heizt noch mal richtig ein. KM29 mit 4:19min ist wieder mehr als im Soll. Jetzt die Serpentinen hinunter ins Tal. Es ist steil aber wesentlich angenehmer zu laufen als die Variante aus den Jahren 2010-2012. Unten angekommen fühlen sich die Knie immer noch halbwegs ok an und somit kann ich gleich wieder Tempo machen. KM30 in 4:10min, Gesamtzeit 2:09:29. Der absolut tiefste Punkt der Strecke ist erreicht. Noch gut 12km zu laufen, aber die werden es gnadenlos in sich haben. Ab jetzt geht es nur noch rauf!

Jetzt erst mal tief durchatmen, die steil abfallenden Felsen und die Festung Luxembourg von unten bewundern. Neue Kräfte sammeln und erholen auf dem letzten halbwegs ebenen Abschnitt. Ich klammere mich an die nächste Läufergruppe ran. Nach und nach kann ich einen nach dem anderen überholen. Und das obwohl ich weiter abbaue. KM31 in 4:35min. Immer weiter steigt die Strecke an. Als krönenden Abschluss zwei kurz aufeinanderfolgende Rampen führen uns wieder aus dem Pétrusse Tal heraus. KM32 in 4:46min. Der weiter stark ansteigende Abschnitt durch das "Garer Quartier" fordert jetzt schon die letzten Reserven. KM33 mit 4:41min abgedrückt. Das ist top! Aber jetzt ist echt der Ofen aus. Wende am Bahnhof, ich muß dranbleiben. Nochmal ein Gel, vielleicht bringt's noch was.

Die breite Avenue de la Liberté zieht sich trotz Zuschauerzuspruch bekanntlich ganz schön in die Länge. Aber heute kommt es mir wirklich ewig vor. Nimmt das denn überhaupt kein Ende? Da muß doch mal die "34" kommen. Ich bin echt am Ende, aber im Vergleich zum letzten Jahr bin ich echt gut unterwegs. Endlich rüber zum Boulevard de la Pétrusse. KM34 in 4:49min abgedrückt. Was ist das denn? Hab ich da ne Kaffeepause eingelegt, oder was? So los jetzt! Kämpfen bis zum umfallen! Das ist Luxembourg und nicht irgendein popeliger Marathon. Diese Stadt hat es verdient dass man sich zerreißt!

Komm weiter! Abzweig über die Brücke "Viaduc" rüber zur "Centre Ville". Ich gebe jetzt alles was noch drin ist. Wo bleibt der "Place de la Constitution"? KM35 in 4:29min. Na das klappt doch. Uhr steht auf 2:32:48 noch 7,2km zu laufen. Die Sub 3:10 pack' ich heute. Das wäre ein riesen Erfolg auf diesem anspruchsvollen Kurs. Endlich "Place de la Constitution". Einmal die "Gëlle Fra" (dt.Goldene Frau) umlaufen. Da plötzlich, ein kleiner Stein verkantet sich im Schuh zwischen Lasche und Fuß. So kann ich nicht weiterlaufen. Schnell anhalten. Blitzschnell den Stein rausgefummelt und sofort wieder weiterlaufen. Das fällt verdammt schwer. Rein in die "Centre-Ville", vorbei an der berühmten "Cathédrale Notre-Dame de Luxembourg", doch dafür hab ich keinen Blick mehr. Ich muß hier irgendwie durchkommen.

Wieder geht es durch die kleinen Gassen der Innenstadt. Noch einmal durchläuft man die engen Zuschauergassen. „Allez Fronck“ ertönt es von allen Seiten. Obwohl ich total im Eimer bin, klatsche ich Beifall und halte den Daumen nach oben. Das haben diese tollen Leute hier einfach verdient. Jetzt gibt es auch noch einen kurzen Abschnitt mit Kopfsteinpflaster, das hatte ich ja fast schon vergessen. 4:59min für KM36! Das wird verdammt eng. Und der wirklich extreme Teil kommt ja noch! So wird es nix mit der Sub 3:10! Auf jetzt, das sind noch 6km. Vermassel es jetzt nicht! Hirn ausschalten und stur weiter laufen! Theaterplatz, Avenue de la Porte Nouve. Noch einmal muß man die Bahn wählen für "42" oder "21", dann der Abzweig am "Champ du Glacis" wieder rauf zum Kirchberg. Noch immer harren hier viele Zuschauer aus und feuern die Läufer/innen für den schwierigsten Abschnitt der Strecke an.

Über die "rote Brücke" verlassen wir den Stadtkern. Schlagartig lässt die Stimmung nach. Nur noch vereinzelnd gibt es lautstarke Unterstützung. KM37 in 4:48min. Gesamtzeit 2:42:37. Das muß doch zu schaffen sein. Aber dafür muß die Pace unbedingt unter der magischen 5:00min Grenze gehalten werden. Solange es eben geht. Der finale Anstieg beginnt. Vorbei an den beiden Türmen des Europaviertels. KM38 in 4:46min läuft ja besser als gedacht. Da taucht schon wieder Jens auf, feuert nochmal an und knipst Bilder. Wie macht er das bloß? Alles zu Fuß! Auf jeden Fall eine riesen Aktion von Jens, mal einfach nach Lux zu kommen, und mich beim Marathon zu unterstützen! Vielen Dank, das war echt klasse!

Die Coque wird passiert. Weit ist das nicht mehr! KM39 mit 4:47min ist der Hammer. Woher kommen denn diese Reserven noch? Jetzt nicht zu früh jubeln, es ist noch ein Stück zu laufen. Campus am Kirchberg zur linken, das bedeutet, der Abzweig in die Rue Richard de Coudenhove-Kalergi kommt. Das ist die letzte wirklich schlimme Steigung. Quasi das i-Tüpfelchen. Ok, dann mal los! Schön dranbleiben, weiter, weiter, weiter. Nicht langsamer werden auch wenn jetzt alles weh tut. Die Kuppe ist schon zu sehen. Es sind nur noch wenige Meter, dann ist es wieder eben. Nochmal ein Getränkestand. Bisschen Wasser rein und den Rest über den Kopf.

Abzweig nach rechts. KM40 mit 4:58min ist geradezu sensationell für diesen Teil. Aber nun sind die Batterien komplett leer. Das hat mich total umgehauen und die Strecke steigt weiter an. Ich schlurfe nur noch rauf. Abzweig in den Boulevard Pierre Frieden. Es sind nur noch 2km. Der letzte KM ist sogar abschüssig. Die Uhr springt auf 3 Stunden um. Nicht mal mehr 2km sind das bis zum Ziel. Die Sub 3:10 werde ich packen. Das gibt eine Bombenzeit. Die Kuppe kommt näher, KM41 mit 5:15min natürlich langsamer aber das ist ok für meinen Zustand. Langsam wird mir ein wenig übel, aber für 1km geht das nochmal. Die Lux-Expo kann man schon hören. Das zieht nochmal auf dem abschüssigen letzten KM. Durch den Kreisel, vorbei am Parkplatz, die Straße runter. Um die Kurve rum, da steht schon die "42". Letzter KM mit 4:41min nochmal alles rausgeholt. Wenn ich mich ranhalte schaffe ich sogar eine Zeit unter 3:08. Also los! Rein ins Lux-Expo Gebäude auf den blauen Teppich. Eine Wahnsinns Stimmung ist hier in der Messehalle. Der letzte Bogen, Zieldurchlauf im Blick. Einmal jubeln, das hab ich mir jetzt verdient. Mit dem allerletzten sprinte ich durch den Zielbogen. Geschafft! 3:07:54. Was für ein Knaller! Und der 60.Marathon ist damit auch gefinisht.



nach 3:07:54 der verdiente Zieleinlauf



60.Marathon gefinisht und das auf meinem Lieblingskurs in Lux.

Völligst platt, aber glücklich schlurfe ich rüber in die andere Halle zum Kleiderbeutel und den Verpflegungsständen. Kurze Versorgung vom reichhaltigen Angebot. Das beliebte Erdinger alkfrei darf natürlich nicht fehlen. Na dann prost! Ein geiler Tag in Luxembourg. Nächstes Jahr ganz bestimmt wieder!
Nach billig Kippchen + Kaffee Einkauf und Kaffeestop bei Jens im Süden von Trier, bin ich um 4Uhr morgens endlich wieder zu Hause.