Samstag, 2. Juni 2012

8.Mittelrhein Marathon



Eigentlich war der Luxembourg Marathon ja genug und ich wollte mich erst mal erholen. Doch kaum ist der Marathon vorbei, da macht man sich auch schon Gedanken wie es weitergehen soll. Da war doch noch was, ach ja der Mittelrhein Marathon. Nicht gerade einer meiner Favoriten, aber man kann nachmelden für überteuerte 62 Euro. Dafür aber ist keine Übernachtung nötig, Anfahrt dauert höchstes 2 Stunden und man kann sogar ausschlafen, da der Start erst gegen Abend ist. 2 Wochen Abstand, das geht auch noch!
Also erst mal das Training so gestaltet, dass man einen Marathonstart noch einschieben kann. Zwar war ich doch ganz schön mitgenommen nach Luxembourg (besonders die Oberschenkel), dafür aber die Knieschmerzen links fast weg. Es ging auch alles sehr gut bis nach dem langen Lauf am Sonntag. Plötzlich fing es im Fußballen an zu schmerzen. Natürlich noch zu Ende gelaufen und erst mal nichts dabei gedacht. Montags Schmerzen beim Auftreten. Dienstags kam dann noch ein brennen und kribbeln in beiden Fußballen/Zehenbereiche dazu. Das kenne ich, sowas hatte ich letztes Jahr schon mal. Ging nach ein paar Wochen irgendwann von alleine weg. Aber die Schmerzen beim Auftreten das ist schon was anders. Dienstags abends ne lockere Runde gelaufen. Irgendwie ging es doch. Das waren jetzt allerdings nur 12km, am Samstagabend wären es ein paar mehr. Abwarten, das wird schon irgendwie. Mittwochs abends nochmal ganz locker 10km gejoggt. Das fühlt sich alles nicht gut an. Deshalb am Donnerstag und Freitag lieber gar nichts mehr gemacht. Was mach ich jetzt den bloß? Laufen, oder ärgern dass ich nicht dabei bin?
Na laufen was denn sonst! Wettkampfadrenalin ist besser als jedes Schmerzmittel, ich werd‘ das schon irgendwie packen, hat bisher noch immer geklappt.

Samstag 2.Juni

Mit bester Laune um 11:15Uhr losgefahren. Die Füße fühlen sich schon leicht besser an. Schnell alles gefunden in Koblenz, nicht lange rumgesucht. Wenn man 62 Euro für ne Nachmeldung ausgibt, da kommt es auf die Kosten der Tiefgarage direkt unter dem Kurfürstlichen Schloss auch nicht mehr an. Zentraler kann man nicht mehr parken. Marathonmesse ca. 5 Minuten, Bahnhof ca. 15 Minuten und Duschen auch ca. 15 Minuten zu Fuß.
Im sehr edlen Kurfürstlichen Schloss war alles schön hergerichtet, gefällt mir viel besser als in der Vergangenheit die abgelegene Sporthalle am Oberwerth. Viel persönlicher alles. Gleich mal das Nachmeldeformular ausgefüllt, 62 Euro berappt. Auf meiner Startnummer ist jetzt halt kein Name drauf, aber das macht ja auch nix. Wir sind hier nicht in Luxembourg, die Stimmung an der Strecke ist hier, mal abgesehen von ein paar kleinen Stimmungsnestern, sowie sehr verhalten. Hier werden keine Namen gerufen, und kennen tut mich hier schon mal gar niemand. Jetzt hab ich noch so viel Zeit. Also ein bisschen rumgeschaut, den neuen Barfuß Schuh Adidas Adipure Adapt angetestet, bisschen auf die Wiese vor dem Schloss gesetzt. Die Sonne scheint, nichts zu merken von dem angekündigten Regen. Quasi traumhaftes Wetter, vielleicht 20° oder ein bisschen mehr. Ich freue mich schon auf den Lauf. Die Füße schmerzen zwar noch etwas beim gehen, aber das wird schon.



Die Marathon Messe mit Startnummernausgabe findet diesmal im Kurfürstlichen Schloss statt.



Ja das ist doch was ganz anderes als die Sporthalle am Oberwerth



Dann mal rein und nachmelden



Die Laufstrecke ist ja bekannt von 2009 und 2010



Nachmeldeformular ausfüllen



Kritisch werden alle Angaben vom Orga Team geprüft



WIe schade: Die schönen Weizenbiergläser von Erdinger gibt es diesmal nur für die ersten 1000 Anmelder



Mittelrhein Marathon Fanshop. Hier gibt es alles vom Handtuch bis zum Plüschtier

15 Uhr. Umziehen und die nötigsten Sachen in den Kleiderbeutel. Fußmarsch zum Bahnhof. Warten auf den Sonderzug nach Oberwesel. Weiter im Sonderzug zum Start. Bei der Fahrt lässt sich schon die Laufstrecke begutachten. Ankunft um 16:45Uhr in Oberwesel. Noch fast eine Stunde Zeit bis zum Start. Nun gut, ungefähr einen Kilometer muß man noch bis zum Start laufen. Der Start befindet sich diesmal 150 bis 200 Meter weiter nördlicher als sonst, weil ein kleiner Streckenteil in Koblenz geändert worden ist. Umziehen und Läuferbeutel abgeben. Wie immer Läuferbeutel in den Transporter, paar kurze Lauftests, Schuhschnürung prüfen und warten auf den Start. Aus den Lausprechern dröhnt eine ganz schlechte Live-Version von AC/DC‘s Hells Bells und dann geht es los.



Hauptbahnhof Koblenz



Warten auf den Sonderzug



Sascha Kaufmann läuft in diesem Outfit den Marathon in 4:24:40 Wahnsinn!



Immer wieder sehr unterhaltsam, die Zugfahrt nach Oberwesel



Auf zum Start!



Wer zu spät kommt, den bestraft der Bahnübergang



Auf nach Koblenz!



Der Start ist diesmal nicht am Ochsenturm, sondern ca 200m weiter vorne wegen irgedwelcher Streckenänderungen in Koblenz.



Am Start treffe ich auf Wolfgang Bernath



fertig umgezogen



Kleiderbeutel weg



Weg mit den Sprit Stinkern! Das "Follow me" Fahrzeug ist ein E-Smart. Eine super Sache!

17:40 Uhr Start.

Überhaupt kein Platzgerangel, aber das ist beim Mittelrhein normal. Das Starterfeld vom Marathon mit 700 Läufer/innen + Team und Duo Marathon ist gegenüber den 2400 Halbmarathonteilnehmern (startet in Boppard um 19:45Uhr) weitaus kleiner. Schnell hab ich meinen Rhythmus gefunden und bin gespannt auf den ersten KM Marker. Was kann ich heute erreichen? Trotz Schmerzen in den Fußballen hab ich mir natürlich ein Zeit Ziel gesetzt. Die Strecke ist relativ flach bis auf ein paar kleine Anstiege. Es gibt so gut wie keine Kurven. Wenn ich ähnlich gut drauf bin wie in Düsseldorf vor 5 Wochen, dann sollte eine Zeit unter 3:15 drin sein. Aber man darf eines nicht vergessen, das ist mein 4. voll gelaufener Marathon innerhalb 7 Wochen. Naja mal sehen 4:23min für KM1 ist schon mal ein guter Einstieg. Aber dieser erste KM zeigt es mir schon, dass es nicht einfach wird. Der Wind kommt direkt von vorne, die Sonne knallt auf den Kopf. Schnell zieht sich das Feld auseinander und man bekommt den Gegenwind noch mehr zu spüren. KM2 in 4:28min/km fällt mir nicht mehr ganz so leicht. Die Fußballen brennen leicht, aber das lässt sich bisher ganz gut aushalten. Ich versuche in der Gruppe zu bleiben um nicht den ganzen Wind abzubekommen. KM3 in 4:28min/km. Auf der anderen Rheinseite kann man jetzt den Loreley Felsen bewundern. Der Gegenwind nimmt weiter zu und das alles kostet jetzt schon so viel Kraft. KM4 in 4:34min/km zeigt schon deutlich dass es hier nicht einfach wird. Ich muß ein bisschen mehr zulegen wenn ich im 4:30’er Schnitt bleiben will. Hier ist überhaupt nichts los an der Strecke. Vereinzelnd mal ein paar Leute am Straßenrand mit zaghaftem klatschen. Das Feld zieht sich immer weiter auseinander, ich muß wirklich jetzt schon beißen um an der Gruppe dran zu bleiben. KM5 drücke ich in 4:24min ab. Gesamtzeit 22:16min. Eigentlich zu schnell für mich, aber andererseits muß ich jetzt an der Gruppe bleiben, denn die nächste Gruppe ist viel zu weit hinten. Zur rechten die Burg Katz sorgt für kurze Ablenkung. Wir durchlaufen St. Goar und leider wirkt das Ort auf mich wie ausgestorben. Ein paar Leute stehen an der Straße aber die große Unterstützung bleibt aus. Weiter KM6 in 4:28min. Direkt im Blick jetzt die Burg Rheinfels und auf der andern Seite die Burg Maus. Ich hab jetzt schon so zu kratzen, kann mich an den Burgen gar nicht so erfreuen. Ich glaub das war zu schnell für den Anfang. Es hilft nichts, jetzt muß ich diesen Weg gehen. Verbissen versuche ich das Tempo zu halten, erst laufen wir zu dritt, dann nur noch zu zweit. Weiter geht es mit 4:20min, 4:31min und 4:24min/km für KM9. Ich kann dieses Tempo nicht mehr mitgehen, ich muß meinen letzten Mitläufer ziehen lassen. Er schafft es, sich einer Gruppe anzuschließen. Verzweifelt kämpfe ich um den Anschluss an die Gruppe herzustellen. Sie sind einfach zu schnell. Ab jetzt muß ich alleine im Wind laufen.



Burg Katz, Bildquelle Johannes Brobalotoff



Burg Rheinfels oberhalb von St.Goar. Bildquelle: Tobias Knab



Burg Maus. Bildquelle: Peter Weller

KM10 Durchlauf bei 44:20min. Das ist nicht schlecht, aber ich habe kaum mehr Reserven. Weiter stur die B9 rauf, KM11/4:28 und KM12/4:37 in Hirzenach. Endlich wieder mal ein paar Leute an der Strecke, aber schnell ist Hirzenach vorbei und schon ist man wieder alleine auf der Straße. Die Gruppe ist noch in Reichweite, aber der Abstand wird immer größer. Unmöglich für mich da nochmal ran zu kommen. Burg Liebenstein und Burg Scherrenberg auf der anderen Rheinseite sorgen für etwas Abwechslung. Endlich Bad Salzig ist erreicht, längst ist der KM Schnitt auf über 4:30min/km angestiegen. Gerade mal 16km sind gelaufen und ich fühle mich schon wie bei KM30! Die Unterstützung in Bad Salzig macht wieder Mut. Jetzt ist es nicht mehr weit bis zum Halbmarathonstart in Boppard. Nach weiteren 2km auf der Bundesstraße erreichen wir Boppard. Ich überhole sogar mal wieder einen Läufer trotz abnehmender Pace. Die Bundesstraße wird verlassen und über eine kleine Querstraße geht es an der Rheinpromenade weiter. KM20 in 4:32min/km ist noch akzeptabel. Längst habe ich schon das erste Gel verdrückt. Bleibt zu hoffen, dass es nicht wieder zu Seitenstechen kommt wie in Luxembourg vor 2 Wochen. Kurz vorm Halbmarathondurchlauf steht Michel Descombes und klatscht jeden Teilnehmer ab. Sehr schön! Noch ein letzter schwerer Aufstieg und wir befinden uns wieder auf der Bundesstraße 9. Hier ist jetzt richtig was los, denn die Halbmarthonies haben sich zum Start in Boppard eingefunden. Über die Messmatte von KM21,1. Jubel von allen Seiten. Das kann ich sehr gut gebrauchen. 1:34:17, ein bisschen schneller als in Lux. Mein Name wird noch durchgesagt und schon befinde ich mich wieder auf den einsamen, endlosen Kilometern der B9.



Burg Liebenstein. Bildquelle: Roland Todt



Burg Sterrenberg. Bildquelle: Roland Todt



Die Rheinpromende in Boppard. Die Hälfe des Marathons ist fast geschafft. Bildquelle: Tk

Zum Glück hat sich das mit dem Wind jetzt ein bisschen gebessert. Nochmal ein kurzes Aufbäumen, KM22 in 4:24min, KM23 in 4:29min und KM24 in 4:30min. Aber bei KM25 erfolgt die Ernüchterung mit 4:37min. Linke Wade meldet jetzt schon leichte Probleme, aber nach ein paar KM gibt sich das zum Glück wieder von selbst. Füße brennen, aber ist erträglich. Und das Knie? Nichts! Keine Schmerzen! Das ist ja mal was Neues. An den Versorgungsstellen ist wenigstens immer für gute Stimmung gesorgt, ansonsten ist in diesem Streckenabschnitt wirklich gar nicht los. Noch einmal mit einer 4:29min den KM26 abgedrückt, aber jetzt kommt der Einbruch häppchenweise. Die Strecke führt nun durch den Ort Spay. Hier ist auch wieder gute Stimmung. Mit Bier und leckeren Speisen haben es sich die Einwohner am Straßenrand gemütlich gemacht. Ich schaffe es sogar noch an der 2.plazierten Frau vorbeizugehen. Doch kaum ist mir das gelungen, kommt von hinten die bisherige 3.plazierte Frau und überholt uns beide. Ja die kenne ich noch von den ersten Kilometern. Sie hat alles richtig gemacht. Nicht überpaced und schön konstant das Tempo gehalten. Sowas zahlt sich eben aus. Am Ende wird Sie mit 3:11:21 ganz souverän den 2.Platz der Frauenwertung belegen. Ich lern‘ das halt nie und irgendwie ärgert mich das. Was hätte das heute so gut laufen können, wenn ich am Anfang nicht so überzogen hätte. KM28 in 4:34min immer noch ok, aber jetzt verlassen wir Spay und der langgezogene Aufstieg kommt. Erst nochmal ne Unterführung, aber dann muß eine heftige Rampe auf die B9 überwunden werden. Hat man das endlich geschafft, bleibt die Strecke immer leicht ansteigend. Für solche Aktionen habe ich mir überhaupt keine Reserven mehr gelassen und folglich werde ich immer langsamer. KM29 in 4:45min, KM30 in 4:47min. Nochmal der Blick über den Rhein zur Marksburg. Zum Glück ist die Steigung vorbei, die Strecke führt jetzt durch die Orte Brey und Rhens. Gerade in Rhens durch die Altstadt ist ein weiterer stimmungsvoller Höhepunkt der Strecke. Die Stimmung ist wirklich saugut, aber das hilft mir kaum mehr. 4:59min für KM32. Na das kann ja lustig werden, 10km nur noch versuchen zu überleben. Jetzt überholt mich auch der Läufer, welchen ich noch vor Boppard selbst überholt hatte. Aber sonst, zieht niemand an mir vorbei. Ja klappen die alle so zusammen wie ich? Noch gut 10,2km zu laufen und 2:25:01 stehen auf der Uhr. Gesamtpace 4:32min/km. Ich fürchte ich werde die Sub3:15 diesmal nicht schaffen. Der Schnitt liegt schon augenblicklich bei 5min/km. Erholung nicht in Sicht. Das wird heute nix! Ich muß jetzt echt schauen dass ich hier ohne Gehpausen ordentlich ins Ziel komme. Was für ein Drama. Nochmal Kohlenhydrate nachladen? Ich hab ein Riegel und Gel dabei. Nein, besser nicht. Immer noch die schlechten Erinnerungen von den Seitenstechen aus Luxembourg im Kopf.



Die Marksburg auf der anderen Rheinseite schafft keine Ablenkung von den Strapazen. Bildquelle: Holger Weinandt



Durch das Stadttor von Rhens. Bildquelle: Roland Struwe



Der Ortsken von Rhens. Hier ist auch diesmal wieder tolle Stimmung. Bildquelle: Roland Struwe

Wieder raus aus den Ortschaften auf die B9, leichter Anstieg. Trotzdem KM33 noch in 4:59min gelaufen. Ich werfe nochmal alles in die Waagschale was geht. Dank leichtem Gefälle schaffe ich noch einmal 4:43min für KM34 und 4:53min für KM35. Aber jetzt ist endgültig der Ofen aus. Ich schlurfe nur noch über die Strecke. 7km noch, was für ein Desaster. Ich sehne jeden KM Marker herbei. Nach einer gefühlten Ewigkeit kommt die 36. 5:04min und Gesamtzeit 2:44:42. 6KM noch. Was sind 6km? Das sind eine Runde +1km auf der Rodgau Ultrastrecke, oder ein bisschen mehr als ne halbe kleine Trainingsrunde. Das muß doch zu packen sein! Reiß dich zusammen! Aber ein paar Helfer an der Stecke nehmen mir wieder allen Mut. „Schau mal der sieht schon ganz schön fertig aus“, „der ist am absoluten Limit“ höre ich von Straßenrand. Sehr aufbauend. Aber die beiden haben absolut recht! Weiter an der ehemaligen Königsbacher Brauerei (jetzt Koblenzer Brauerei). Bisschen Stimmung ist hier, aber ich registriere das kaum mehr. Durchkommen, um jeden Preis ist jetzt angesagt. KM37 in 5:05min. Das ist ok. 5km noch! Gleich sind wir in Koblenz dann ist die Stimmung wieder da. Denk an den tollen Empfang am Deutschen Eck. Durchhalten! Aber schon wieder ein brutaler Anstieg. Ich kann echt nicht mehr. Aber ich weiß noch aus 2009 und 2010, nach diesem Aufstieg kommt keine Steigung mehr. Einen Läufer kann ich sogar noch überholen. Rauf auf die Kuppe, kämpfen! KM38 in 5:09min gut so! Auf der rechten Seite ist das Stadion am Oberwerth zu erkennen. Weiter nach Koblenz rein. Da kommt ja wieder diese Abzweigung zur Oberwerth Halle. Hier mußte man noch sinnlose Schleifen laufen in 2010 wegen den Bauarbeiten am Deutschen Eck. Wenn ich da noch dran denke. Zum Glück ist das jetzt Vergangenheit.



Die ehemalige Königsbacher Brauerei. Jetzt Koblenzer Brauerei. Leider kein Ausschank an der Strecke. Bildquelle: Holger Weinandt



Sportpark Oberwerth. Diesmal sind keine hirnrissigen Schleifen zu laufen wie in 2010. Bildquelle: Amt für Wirtschaftsförderung der Stadt Koblenz

KM39 in 5:16min. Hier geht jetzt gar nix mehr. Noch 3km das kann doch alles nicht wahr sein. Wie kann man sich nur so abschießen am Anfang. Wieder geht die Unterstützung der Zuschauer los. Kinder strecken Ihre Hände zu Abklatschen raus. Aber sorry, ich laufe heute keinen extra Meter mehr. Tut mir leid! Die Idealline wird ab jetzt nicht mehr verlassen! Immer wieder die Sprüche: „ist nicht mehr weit“. Es ist noch verdammt weit. So weit waren 2,5km noch nie gewesen! Ab und zu kommt jemand vom Staffelwettbewerb angefegt und saust nur so an einem vorbei. Das darf mich jetzt nicht aus dem Konzept bringen. Weiterlaufen, nicht gehen. Immer weiter! Komm es geht noch! Das wirst du packen! Rede ich mir immer wieder zu. KM40 endlich. 5:17min, Gesamtzeit 3:05:45. Weiter so! Das wird noch ne ganz ordentliche Zeit. Nicht nachlassen! Die Mainzer Straße will überhaupt nicht enden. Weiter unter den Ausläufern der Pfaffendorfer Brücke durch. Da ist endlich das Kurfürstliche Schloss. Jetzt kann es doch nicht mehr weit sein. KM41 in 5:28min! Das ist jetzt wirklich zu langsam. Komm! Hau nochmal rein! Abzweig rechts in die Stresemannstraße leicht runter zum Rhein. Vor mir eine komplette Staffel von den Handwerkern. Die haben hier Ihren Schlussläufer empfangen und laufen jetzt gemeinsam ins Ziel. Die Rheinpromenade kommt. Nochmal Abzweig nach links. Alles geben jetzt. Prima Unterstützung von allen Seiten. Das ist echt toll. Wirklich sehr schön und stimmungsvoll die letzten 500 Meter zum Deutschen Eck. Das Kaiser Wilhelm Reiterdenkmal kommt immer näher und auch der Zielbogen. Herrliche Atmosphäre am Deutschen Eck. KM42 sogar nochmal in 5:09min/km. Mit allerletzter Kraft laufe ich auf den Zielbogen zu. Wieder mal gepackt. Die letzten Meter. Jubel von allen Seiten. Das entschädigt doch ein wenig für die vielen einsamen Kilometer auf der B9. Geschafft! Was für ein Kampf! Medaille umhängen und gleich rüber zu den Getränken.



Vorbei am Kurfürstlichen Schloss. Weit ist es nicht mehr.



Nur noch zum Deutschen Eck, dann ist es geschafft.



Das Deutsche Eck. Endlich wieder das Zielgelände des Mittelrhein Marathons nach 2010/2011 in der Innenstadt. Bildquelle: Holger Weinand



Von weitem schon sichtbar. Das Reiterdenkmal Kaiser Wilhelm I. Bildquelle: Dennis Schaarschmiadt



Irgendwie wieder mal durchgekommen. Mittelrhein 2012 gefinished in 3:17:24 Bildquelle: Koblenzer Rhein-Zeitung

Wieder zittere ich am ganzen Körper so wie vor 2 Wochen in Lux. Erst mal was trinken sonst brech ich zusammen. Schnell der Erdinger Stand. Völligst im Eimer torkele ich weiter zum Versorgungsstand mit Essen. Apfel rein, dann weiter zur Läuferbeutelausgabe. Bin nur noch am frieren. Ich brauch jetzt was zum drüber ziehen. Da höre auf einmal jemand zu mir sagen: „Ein Scheiß, den man sich da immer wieder an tut!“. Es ist die 3.Frau welche ich in Spay überholt hatte. Sie muß kurz nach mir ins Ziel gekommen sein. Hat also das gleiche Drama ab KM30 hinter sich wie ich. Sie hat Recht, aber spätestens nach dem Duschen werde ich bestimmt schon wieder darüber nachdenken wo man denn als nächstes Laufen könnte! Mit einem halbstündigen Fußmarsch, immer schön langsam, geht es zu den Duschen, welche ungefähr 1km entfernt im Koblenzer Hallenbad sind. Das alles erinnert mich gerade so ein bisschen an den Weg zu den Duschen beim Rodgau Ultra, nur ist es zum Glück nicht so kalt. Ich werde überholt von allen möglichen Läufer/innen und spazierenden Rentnern. Die warmen Duschen im Hallendbad schaffen endlich Abhilfe gegen das zittern am ganzen Körper. Mein Zustand normalisiert sich wieder. Jetzt ist auch kein Problem die ca. 1,2km zurück zur Tiefgarage am Kurfürstlichen Schloss zu laufen. Am Schloss schlurfen noch die letzten Läufer vorbei, dahinter gleich der Besenwagen. Die Straße wird wieder freigegeben und ich kann ohne größere Verzögerung gleich nach Hause fahren.

Auf jeden Fall dank dem Deutschen Eck ist der Mittelrhein Marathon wieder viel attraktiver geworden als bei meinem letzten Start in 2010. Aber ob ich mir sowas für 62Euro Nachmeldegebühr nochmal antun werde, ist fraglich.

Samstag, 19. Mai 2012

7.ING Europe Luxembourg Marathon


3 Wochen Zeit blieben mir um mich vom Düsseldorf Marathon zu erholen. Aber wie immer in der Euphorie völligst das Training überzogen. Von wegen Erholung. Die ersten beiden Wochen mit je 6 Trainingseinheiten absolviert. Dann kam der Rückschlag! Heftige Knieschmerzen, schon wieder. Aber diesmal war es wirklich schlimm. Nur noch Dienstags und Donnerstags gerade so gelaufen, Rest der Woche versucht das Knie zu schonen. Beim letzten Test 2 Tage vorm Marathon immer noch keine Besserung. Schmerzen beim Laufen, ich war froh als ich endlich zu Hause war. Was ist das jetzt bloß wieder. Hab ich doch übertrieben? Es hilft ja nichts, jetzt muß man das Beste daraus machen. Luxembourg sausen lassen, das kommt ja überhaupt nicht in die Tüte. Erst mal hinfahren und schauen wie es läuft. Hat ja bisher immer funktioniert.

Samstag 19.Mai 2012

Morgens ordentlich gefrühstückt. Für die Fahrt noch die restlichen Käse Tortelloni/Rucola-Ricotta-Capoelletti, Brötchen mit Käse und eine Banane mitgenommen. Das schmerzende Problemknie getaped. Sachen ins Auto rein und ab ins schöne Lux!
Schon während der Fahrt hab ich alles außer der Banane verdrückt. 14Uhr bin ich auf dem Kirchberg P+R Parkplatz direkt vor der Lux-Expo. Noch immer haufenweise Parkplätze sind frei. Das kenne ich so von den Jahren davor nicht. Schnell sind die Unterlagen klar gemacht. Restliche Zeit bis 19Uhr bleibt noch zum rumhängen. Das Wetter ist trotz aller Regenprognosen noch gut. Ja vielleicht sogar noch ein Tick zu warm. Die kleine Marathon Messe gibt nicht viel her in Luxembourg. Obwohl erst für 18Uhr geplant, treffe ich jetzt schon auf Christoph und Balazs aus Frankfurt. Christoph ist schon mehrfach in Lux gestartet und ist sich noch unschlüssig ob er die volle Distanz laufen soll. Er hat nicht optimal trainiert und fürchtet gerade den 2.Teil der Strecke. Balazs ist auch am überlegen, ob voll oder nur halb. Es wäre sein Marathondebut. Bisher ist er einen Halbmarathon in 1:45 gelaufen, nachdem er ein Weizenbier getrunken und eine Bratwurst gegessen hatte!
Für's Marathondebut Luxembourg ausgewählt! Na viel Spaß! In Lux hat man ja freie Wahl bei KM15 auf dem Place Guillaume II. Obwohl ich selbst ein Haufen eigener Probleme habe, rede ich natürlich auf die beiden ein, die komplette Strecke zu laufen.


Gibt's doch gar nicht, noch 143 freie Plätze


Bis um 1:00Uhr Nachts geht hier mal gar nix mehr!


Dieses Jahr ein regulärer Parkplatz!


Wer will schon warten bis die Marathonsperrung des P+R Parkplatzes geöffnet wird. Mein Ausgang für "vor 1:00Uhr Nachts" ist schon klar gemacht.


Trotz aller Unwetter Warnungen erstrahlt der Löwe in der Sonne


Treff mit bekennendem FC Köln Fan Christoph aus Frankfurt Griesheim


Christoph und sein Kumpel Balazs sind noch am überlegen ob Halb oder voll. Am Ende laufen beide die volle Distanz. Christoph in 4:50 und Balazs bei seiner Marathonpremiere in 4:28! Sauber gemacht! Glückwunsch an beide!


Manu Cuadra aus Südfrankreich läuft den Marathon auf Stelzen


Fauja Singh mit 101 Jahre ältester Langstreckenläufer der Welt. Hier mit seiner Staffel.


Der Marathon ist in Luxembourg ein Fest für die ganze Stadt


Hab ich doch schon immer gesagt, Wer Marathon läuft braucht kein Sex!


Wie immer Kleiderbeutel weg und ab zum Start.

Jetzt heist es noch ewig lange warten bis es endlich 19Uhr ist und der Startschuss fällt. Vor lauter Langeweile futtere ich auch noch die Banane rein! Irgendwie viel zu überladen im Magen. Ob das gut geht? Läuferbeutel weg, raus in den Starterblock. Nochmal Schuhe prüfen, ja alles passt. Wieder vertraue ich als auf die Asics DS Trainer 16. In meinem Block sind fast nur Starter mit dem "21" Schild auf dem Rücken. Ich verstehe das nicht! Wie kann man sich bei so einem Event nur mit der Hälfte zufrieden geben? Das Wetter hält immer noch. Keine Spur von den befürchteten heftigen Regenfällen. Die Top Athleten werden noch vorgestellt, Uhr runtergezählt. Start! Wieder einmal ertönen die Black Eyed Peas - Tonight's Gonna Be a Good Night durch Lautsprecher. Ca. 30 Sekunden später laufe ich über die Messmatte.

Scharfe 180° links Kurve auf dem Lux Expo Gelände bisschen Gedrängel, vorbei am P+R Parkplatz, leichte Steigung zum RTL Sendezentrum und schon wird KM1 abgedrückt mit 4:42min. Über Boulevard Konrad Adenauer zum Kirchbergplateau wo die ersten Zuschauergruppen schon gut anfeuern. Es läuft erstaunlich gut. KM2 in 4:16, KM3 und 4 in je 4:25min/km. Das Knie ist leicht instabil macht aber sonst noch keinen Ärger. Na also! Geht doch! Der 7.Luxembourg Marathon läuft und ich bin zum 4. Mal mit dabei! Erste Wasserverpflegung aufgeschnappt. Vorbei am Campus Kirchberg, runter auf die große Avenue John F. Kennedy. Immer schön leicht abschüssig läuft man super Zeiten. Einer ruft, ich kenn‘ dich doch von Düsseldorf. Ja, klar! Wir plaudern ein bisschen, dann ziehe ich weiter davon. Die rote Brücke über das Tal der Alzette ist schon erreicht. KM8 mit 4:13min/km Gesamtzeit von 35:12min auf der Uhr. Wäre ein KM Schnitt von 4:24min/km. Das ist viel zu schnell für meinen Leistungsstand und jetzt schon merke ich dass ich mich ganz schön überpaced habe. Rüber in den Stadtkern. Man kann die gnadenlos gute Stimmung vom Glacis hören. Jetzt am Roundpoint brennt die Luft. Da ist wieder einer der Momente warum ich immer wieder in Lux laufen will. Hier lassen dir die Zuschauer gerade so viel Platz wie du zum laufen brauchst. „Allez Fronck“ höre ich immer wieder. Und die schreien für jeden, das ist der Hammer. Jetzt doch ein bisschen Anstieg auf der Avenue Victor Hugo. Das ist jetzt nicht mehr locker. Oben angekommen drücke ich den KM9 in 4:36min/km ab. Ich versuche jetzt im Stadtteil Limpertsberg ein wenig zu verschnaufen. Aber schon wieder geht es bergauf. Leute ich bin platt! Mal sehen was die 10’er Messmarke sagt. 44:19min. Also KM Schnitt 4:25min/km. Das Knie fängt jetzt auch leicht an. Erst mal weiterlaufen. Wieder Steigung rauf. Wasser aufgenommen. Alphornbläser an Strecke. Das ist ein Applaus wert! Avenue de la Faienceri wieder abschüssig runter zum Glacis. Eine Kneipe total im Bayern München Fieber, wegen des Campions League Endspieles, macht mächtig Stimmung. Die fangen ja auch bald an. Dann werden die Straßen bestimmt etwas leerer werden. Das Knie meldet immer mehr Schmerzen und wir sind doch erst bei KM12. Um den Champ du Glacis herum. Also was hier los ist. Da muß ich noch mal zulegen. Zum ersten Mal geht es in den Stadtpark. Hier auch top Stimmung. Wieder so eine kleine fiese Steigung und weiter geht es. Das zehrt jetzt und wir haben noch nicht mal die Innenstadt durchlaufen. Raus aus dem Park, rein in die „Centre-Ville“. Wie immer enge Gassen mit Absperrungen rechts und links. Begeisternde Zuschauer jolen was das Zeug hält. Wieder leg ich an Geschwindigkeit zu. Im Hintergrund kann man jetzt die Cathédrale Notre-Dame de Luxembourg erkennen. Kurz vorher kommt aber der „Place Guillaume II“. Hier muss man sich jetzt entschieden. HM oder die volle Distanz. Also diese Frage stellt sich mir eigentlich gar nicht. Rechts rum! Marathon, was sonst! Die altbekannte Passage auf den „Place d’Armes“ und schon sind Sie alle weg mit der „21“ auf dem Rücken.


Der Knuedler (Place Guillaume II) Zentraler Platz der Stadt mit Hotel de ville und Cathédrale Notre-Dame. Hier bei KM 15,6 ist die Verzweigung von Halbmarathon und Marathon. Bildquelle: Cayambe



Nach der Passage auf den Place D'Armes ist die Strecke wie leergefegt. Die Halbmarathonies sind schon auf dem Rückweg. Bildquelle: Johnny Chicago

Ich laufe jetzt fast alleine. KM 15 und 16 in 4:22 bzw. 4:23min/km machen wieder neuen Mut. Noch einmal ein Stück durch den Stadtparkt „Ed-J-Klein“ und dann steht erst mal der etwas langweiligere Abschnitt durch den Stadtteil „Belair“ auf dem Programm. Vorbei ist die Stimmung und der Zauber der schönen Innenstadt. Ein letztes Mal den Schwung mitnehmen, denn nun folgt die ganz leicht ansteigende Val-Sainte Croix. Am Wendepunkt müssen noch ein paar Schleifen in einem halb fertigen Neubaugebiet gelaufen werden. Das ist jetzt nicht mehr so toll, aber man kennt das ja schon von den letzten Jahren. Der Himmel zieht sich zu. Es wird immer dunkler und ein paar Regentropfen bekomme ich auch schon ab. Das wird doch jetzt nicht schütten? Endlich auf der Rue Gaston Diederich geht es zurück. KM19 in 4:38min gelaufen. Da ist schon ein leichter Zeitverlust erkennbar. Die Kraftreserven schwinden, es wird Zeit für ein Gelpack! Die Regentropfen werden mehr und mehr. Es geht los! Es schüttet in Strömen. Die Wettervorhersage hatte es ja prophezeit. Über ein paar Seitenstraßen geht es raus aus „Belair“ wieder in den Stadtpark „Ed-J-Klein“. Durch die Bäume nimmt man den Regen nicht mehr so wahr, aber beim Blick auf den Teich im Park sieht man erst einmal wie sehr das hier eigentlich runter schüttet! Alles klebt an mir und Bäume gibt es auch keine mehr. Wir haben den Park verlassen und laufen über die breite Avenue Marie-Therese in Richtung Stadtteil „Merl“ und „Hollerich“. Der Halbmarathondurchlauf kommt. Ich lege nochmal zu um irgendwie eine bessere Zeit auf die Uhr zu bekommen. 1:34:23 - das klingt erst mal gut, aber ich bin ja nicht zum ersten mal hier und weis ganz genau was noch auf mich zukommt. Für mich gilt die Lux-Marathon Faustformal Endzeit = HM Durchlauf x2 + ca.8 Minuten. Also da komme ich auf eine Zeit um die 3 Stunden 17 Minuten. Meine Schuhe sind inzwischen total durchgeweicht. Das Wasser läuft die Straße runter. Keine Besserung am Himmel in Sicht. Leider hat das Wetter auch viele Zuschauer an der Strecke vertrieben. Keine kleinen Partys mit Grill Steak und Bier. Aber es stehen doch einige mit Regenschirmen da und versuchen mit Anfeuerungsrufen uns ein wenig aufzuheitern. Avenue Guillaume, Rue du Maréchal Foch, Rue Charlemagne immer weiter geht es. KM23 mal wieder etwas besser mit 4:31min/km. Ein paar Schleifen sind zu laufen im Stadtteil „Merl“ bis endlich der westlichste Punkt der Strecke erreicht ist. Über den Stadtteil „Hollerich“ geht es jetzt wieder zurück zum Stadtkern. KM24 sogar in 4:24min/km gelaufen. Ich wundere mich nur noch, denn ich bin jetzt schon platt wie ein Eimer. Darf gar nicht an die restlichen 18km denken. Der Parc du Merl muß jetzt durchlaufen werden. Immer weiter geht es durch den strömenden Regen. KM25 mit 4:44min/km gelaufen. Gesamtzeit 1:52:08, also derzeitiger km Schnitt von 4:29min/km. Das ist immer noch sehr gut. Ich weiß dass hier bald nichts mehr geht, doch geblendet vom guten KM Schnitt träume insgeheim von der Sub 3:15. Ich muß realistisch bleiben. 2010 war ich hier sogar bis KM31 auf Kurs Sub3 und am Ende haben gut 7 Minuten auf die Sub3 gefehlt. Am Ausgang vom Parc du Merl höre ich zum ersten Mal eine Live Übertragung vom Championsleague Endspiel. Natürlich ist hier gleich mehr los. Den breiten Boulevard Pierre Dupong hinunter. Die Gegend gibt nicht so viel her. Hier ist noch vieles in Bau. Wieder links rein in Rue Poincaré. KM26 sogar in 4:26min/km. Ich flipp gleich aus. Aber jetzt geht es im Zick-Zack Kurs durch die Seitenstraßen wieder rauf. Ich sehne jede Kuppe herbei. Das kostet jetzt Kraft. KM27 am Place de Nancy schon eine 4:42min/km. Der Regen läßt nach, aber das bringt ehrlich gesagt auch nichts mehr. Es ist sowieso alles durchgeweicht. Über die Route D’Esch zurück zur Avenue Marie Therese. Auf der anderen Straßenseite laufen immer noch viele Läufer/innen den Abschnitt um KM21 herum. Die Strecke steigt nur noch an. Eigentlich nicht sehr viel, aber für mich reicht es. Endlich die Pont Adolphe über das von allen Startern gefürchtete „Tal de Pétrusse“. KM28 in 4:49min/km. Das sieht gar nicht gut aus! Los zusammenreißen! Noch mal ein schöner Anblick von der Staatsparkasse, kurze Schleife laufen und jetzt geht es runter ins Tal de Pétrusse.


Über die Pont Adolphe in den Stadtteil "Gare". Im Hintergrund die Staatssparkasse. Bildquelle: Claude Wians

Brutal dieses Gefälle! Mir schmerzen die Knie, da weiß man gar nicht ob man jetzt bremsen soll, oder laufen lassen. Das ist jetzt echt nicht mehr angenehm. Ich hole den Versorgungs Riegel raus und versuche langsam Stück für Stück davon zu essen. Da kommt man außer Puste aber ich brauche den Energieschub dringend. Das hatte sich in Düsseldorf gut bewährt mit dem Riegel anstelle eines Gels. KM29 mit 4:33min/km eigentlich zu langsam bedenkt man das heftige Gefälle. Egal weiter jetzt. Bald ist es wieder eben, da können sich die Knie wieder etwas erholen. Immer weiter runter ins Tal noch eine Kehre. Der tiefste Punkt der Strecke ist erreicht. Ich bin völlig bedient. Die Ebene Strecke ist jetzt total ungewohnt nach dem Gefälle und ich habe Mühe damit zurecht zu kommen. KM30 drücke ich ab bei 2:15:12. Das ist immer noch eine Pace von 4:30min/km. Aber wie schon gesagt, vor 2 Jahren hatte ich an gleicher Stelle eine Pace von 4:14min/km auf der Uhr stehen und am Ende total eingebrochen. Noch einmal Getränk aufgenommen. Versuchen zu erholen in der Ebene vom Tal de Pétrusse. Aber ich bin fertig! Total kaputt! Komm‘ reiß dich am Riemen. Aber irgendwie werde ich auch nicht überholt. Lediglich ab und zu kommt einer dieser „Team“ Runner und zieht vorbei. Aber das ist ja auch keine große Schwierigkeit die Jungs und Mädels müssen ja auch nur einen Abschnitt von 10,55km laufen. Psychologisch jetzt total wichtig, dass ich an den anderen dran bleibe. Das gelingt mir auch, aber trotzdem in 2km geht der gnadenlose Anstieg los. Kleine Brücke führt auf die rechte Seite der Pétrusse und paar hundert Meter weiter auch wieder zurück auf die linke Seite. Wirklich eine malerische Umgebung. Weit oben blickt man auf die Festungsmauern. KM31 in 4:45min/km obwohl die Strecke eben ist. Plötzlich fangen leichte Seitenstechen an. Was ist denn das jetzt für ein Mist! Es wird immer heftiger. Erst mal die üblichen Tricks versucht das Ganze in den Griff zu bekommen. Keine Chance. Die Rampe aus dem Pétrusse Tal kommt. Es geht nach oben. Das Seitenstechen wird immer schlimmer beim Anstieg. War das der Riegel? Hab ich doch schon x-mal getestet. Hat immer geklappt. Es geht nicht vorbei. Ich muß mich damit jetzt irgendwie arrangieren. Platt wie ein Eimer, Knieschmerzen, Seitenstechen und noch 10km meist anteigend zu laufen. Was kommt da noch? Wenigstens habe ich das Pétrusse Tal hinter mir. Rue de Strassbourg weiter. Durch den Stadtteil „Gare“. KM33 in 4:56min/km. Versuche echt alles um dieses blöde Seitenstechen loszuwerden aber nix hilft. Jeder Eliteläufer würde jetzt aussteigen, aber sowas kann ich mir nicht erlauben. Ich muß und will das hier zu Ende laufen! Avenue de la Liberté zum historischen Bahnhof runter. Fast 180° Wende am Bahnhof in die Avenue de la Gare. Die Stimmung wird wieder besser. Über die Rue du Fort Bourbon wieder auf die Avenue de la Gare. Vorbei an den historischen Gebäuden der Arcelor Stahl Zentrale und der Staatssparkasse.


Die Zentrale des weltgrößten Stahl Herstellers ArcelorMittal kurz vor KM34. Bildquelle: Werneuchen

Wo bleibt denn der nächste KM Marker? Abzweig rüber zur Rue de la Pétrusse, KM34 in 5:02min/km. Gesamtzeit auf 2:34:50. Jetzt mal schnell rechnen. 8,2 km zu laufen, selbst bei einem 5’er Schnitt komme ich ungefähr auf ne 3:16. Also vergiss den Irrsinn mit der Sub 3:15, Sub 3:20 wäre heute unter den Voraussetzungen echt gut. Am Pétrusse Tal geht es weiter. Schöner Blick nach unten. Abzweig nach links über die Brücke „Viaduc“. Wieder im Stadtkern „Ville Haut“ muß ich jetzt irgendwie den „Place de la Constitution erreichen. Zähne zusammenbeißen. KM35 zu meinem Erstaunen in 4:42min/km. War ja auch noch einmal ein fast ebener Abschnitt. Die Schleife auf dem Platz laufen. Leider hier nicht so viel los wie in den vergangenen Jahren. Der heftige Regen hat wohl die Leute vertrieben. Es regnet zwar nicht mehr, aber überall klatscht man in die Wasserpfützen. Vorbei an der Cathédrale Notre Dame in die Innenstadt.


Einmal den Place de la Constitution umlaufen. Bildquelle: Cayambe


Vorbei an der Cathédrale Notre Dame in die Innenstadt. Bildquelle: John Williams

Wieder geniale Stimmung wie man es kennt. Mit dem Seitenstechen hab ich mich wohl irgendwie abgefunden und merke das jetzt nicht mehr so sehr. „Allez Fronck, c‘est très bien“ höre ich aus der Menge. Die sind wirklich super hier. Danke Luxembourg! Ohne diese Unterstützung würde ich das auch gar nicht schaffen. Unter tosendem Beifall quäle ich mich durch die Fußgängerzone. Vorbei am Pizzaduft und Weizenbier. Jetzt auch noch ein Stück Kopfsteinpflaster! Place du Théatre. Die Innenstadt ist fast geschafft. Ich bin schon wieder auf der Avenue de la Porte Nouve, steuere geradezu auf den Roundpoint Robert Schuhman vor den Glacis zu. Hier sind jetzt noch einmal Bögen mit Marathon und Halbmarathon aufgebaut. Getränkeaufnahme, rechts ab am Roundpoint zum letzten entscheidenden, schwierigsten Abschnitt. Rauf zum Kirchberg! Noch geht es auf der „roten Brücke“ über die Alzette und den Stadtteil Pfaffenthal hinweg. KM37 kommt 2:49:47 steht auf der Uhr. Der KM Schnitt jetzt locker über 5min/km. Es wird langsam duster, kein Wunder es ist ja auch schon kurz vor 22Uhr. Ich schleppe mich den Kirchberg rauf. Nicht gehen! Immer weiter! Konzentrieren! Das geht hier aber auch rauf. Kein Wunder, dass man auf den ersten KM in entgegengesetzter Richtung so schnell ist. Ich schaue nach dem nächten KM Marker. Über den Schildern wurden extra blinkende Baustellen Lampen angebracht. Aber hier auf der Avenue John F. Kennedy ist eine Großbaustelle. Hier blinkt alles! Doch da kommt die 38! 5:12min/km ist noch sehr ordentlich. Weiter so, noch 4km. Nicht nachlassen! Höre ich da Musik von hinten? Da hat aber jemand seinen MP3 Player laut gestellt! Nein das ist ein Handy! Da kommt jemand mit dem Handy am Arm gelaufen, Musik auf laut gestellt und läßt sich berieseln! Sachen gibt’s! Da fällt mir nichts mehr ein. Er zieht an mir vorbei. Der erste welcher mich seit langem überholt. Ich klemme mich ran. Erst fällt es mir extrem schwer, doch dann kann ich dranbleiben. Zur linken jetzt die Coque und da kommt ja auch schon KM39. 5:14min/km. Macht 3:00:13 in der Summe. Die Sub 3:20 schaffe ich. Da bin ich mir ziemlich sicher. Aber diese letzten 3km sind noch so lang. Noch einmal Samba Drums zum aufheitern an der Ecke. Abzweig links in die stark ansteigende Rue Richard Coudenhove-Kalergi. Ich dreh‘ durch! Das nimmt ja überhaupt kein Ende. Kämpfen jetzt! Brauch ich nochmal Wasser. Ja aber nur ein kleiner Schluck. Jetzt bloß keine weiteren Seitenstechen mehr. Ich bin oben. Rechts rum und erst mal ist die Strecke wieder eben. KM40 in 5:37min/km ist eigentlich logisch. Ich schaue schräg links auf die letzten beiden KM über den Boulevard Pierre Frieden. Eine idyllische Ruhe ist das jetzt hier. Nach 22Uhr, leicht kühl, fast keine Menschen mehr an der Strecke. Ich höre das trippelt meiner Schuhe ganz klar. Nur noch die zwei, dann hast du es geschafft! Abzweig links noch einmal die lang angezogene Steigung. Höchstens noch 10 Minuten, dann stehst du im Zielauslauf, Medaille umgehängt, Weizen in der Hand. Die Kuppe ist erreicht. Von jetzt an geht es nicht mehr hoch. KM41 abgedrückt in 5:34min/km. Jetzt nochmal alles was geht. Das Messegelände ist sichtbar. Weiter! Abzweig links. Gleich muß doch der Zieleinlauf zu sehen sein. Ja da ist die Einbiegung runter zur Messe. Die letzten Meter sind mit Kerzen ausgeleuchtet. Nicht so schön und beeindruckend wie 2009 vor der Coque, aber für mich ist es jetzt ok. Die Musik aus der Messehalle wird deutlich lauter. KM42 in 5:06min/km, na also! Nochmal anziehen, rein in die Halle auf den blauen Teppich. Tolle Stimmung wie immer! Letzte Kurve, Zielbogen ist vor mir. Ich hab’s gepackt! Was für ein Kampf! Uhr abdrücken und freuen.


Sehr schön! Mit Kerzen die letzten Meter zum Ziel beleuchtet.


Zieleinlauf in der Halle


Das war heftig! Total platt im Ziel.

3:17:16 ist meine Endzeit. Das ist echt gut für die ganzen Probleme in der letzten Zeit. Da kann ich mehr als zufrieden sein. Schnell die Tüte gegen das auskühlen übergezogen und rüber in die zweite Halle zu den Kleiderbeuteln. Ich zittere am ganzen Körper, mir geht es plötzlich echt beschissen. Ich fummele an dem Kleiderbeutel rum, schaffe es aber nicht den selbstgemachten Knoten aufzumachen. Irgendwann hab ich es geschafft. Es wird immer schlimmer, ich zittere als hätten wir -20° Grad. Schnell in die 3.Halle rüber zur Verpflegung und Duschen. Ein Apfel, Banane paar Getränke. Das ist heftig heute. Zum Glück gibt es den Hans Grohe Duschtruck mit warmem Wasser. Das warme Wasser tut gut und ich erhole mich wieder. Frisch geduscht nehme ich nach kurzer Wartezeit den Massage Service in Anspruch. Das ist heute wirklich nötig und die Physio Mädchen und Jungs geben sich alle Mühe. Nach der Massage will ich noch was für die Kaffeekasse der fleißigen Physio’s geben. Was muß ich da feststellen. Ich bin der erste der nach einer Kaffeekasse fragt. Das ist ja wohl mal unglaublich! Die machen hier einen Knochenjob über mehrere Stunden und alles unentgeltlich. Keiner der Läufer/innen drückt hier irgendein Trinkgeld ab. Schämt euch!
Jetzt noch ein bisschen was futtern und trinken dann geht es auf die 3 stündige Heimreise. Zum Glück ist wieder der Geheimausgang an der Bushaltestelle offen, sonst hätte ich noch über eine Stunde mit der Heimfahrt warten müssen. So bin ich inklusive billig Tanken und billig Kippchen für Anja mitbringen um 3 Uhr zu Hause.


Was wäre ein Marathon ohne den Erdinger Stand?


Trotz später Stunde immer noch tolle Party im Zielbereich


Tschüß ING Löwe, bis zum nächsten Jahr.

4.Start in Luxembourg war sehr schön. Es führt kein Weg dran vorbei. Nächstes Jahr wieder würde ich sagen.