Sonntag, 20. Februar 2011

5.Kristallmaraton Merkers



Nach dem Rodgau Ultra mußte ich das Training wegen anhaltender Knieprobleme stark reduzieren. Die Woche vor dem Untertagemarathon verzichte ich komplett aufs Training. Zu stark waren die Knieschmerzen. Lieber mit weniger Problemen starten. Zusätzlich kommt Freitags noch eine Erkältung hinzu. Die Nase ist dicht. Der Kopf drückt. Zahnschmerzen......das darf doch alles nicht wahr sein.

Am Samstag geht es los. Diesmal ist meine Lebensgefährtin Anja mit dabei. Wir wollen in Bad Salzungen übernachten, und Sonntags eben dann der Marathon. Ich habe gleich mal ein Ticket für eine Begleitperson mitgeordert.

Schon bei der Fahrt bekomme ich Kopfschmerzen wegen der Erkältung. Es ist zum kotzen. Als ob die Knieprobleme nicht schon genügen. Wir erreichen um 17 Uhr das Hotel in Bad Salzungen. Für 66 Euro ein Doppelzimmer mit Frühstück ist echt ok. Am Abend geht es in den "Kartoffelkäfer" zum Essen. Hier wird alles aus der Kartoffel gemacht. Ich gönne mir die Spezialität des Hauses - eine Kartoffelpizza. Sehr lecker und kalorienreich. Noch ein kleiner Spaziergang um den See am Hotel, dann falle ich auch schon todmüde ins Bett.



Kann man nur empfehlen, der "Kartoffelkäfer" in Bad Salzungen

Sonntag um 6 Uhr in der Früh aufstehen. Soweit schon mal alles einpacken, Knie und Oberschenkel noch schnell getaped. Die Kopflampe am Helm befestigt. 7 Uhr leckeres Frühstücksbüffet. Hier könnte ich mich jetzt wirklich sattessen. Aber geht leider nicht. Müsli mit Joghurt und 2 Brötchen. Start ist um 11 Uhr, das müßte ja dann gut verdaut sein.



Helm und Kopflampe sind Pflicht beim Untertagemarathon

Pünktlich 8:30Uhr sind wir im Gebäude der Erlebnisbergwelt Merkers. Ich hole die Startunterlagen und den Zeitmesschip ab. Im Umschlag befindet sich noch ein Fahrchip mit einem Kordel darum. Was wir jetzt noch nicht wissen, es ist bereits die Finisher Medaille. Eigentlich können wir auch schon die 500 Meter nach unten fahren. Vor dem Marathon gibt es noch einen 10KM Lauf. Also kann man sich das ja noch ansehen.



Das Bergwerk in Merkers



Bin schon sehr gespannt was mich 500 Meter tiefer erwartet



Ausgabe der Zeitmesschips



Ganz schön viel Elektronik für ne Zeitnahme



Das ist kein Fahrchip, das ist die Finisher Medaille!



Mit Transportern werden wir vom Förderschacht zum Start/Ziel Bereich gefahren



Erinnerungsfoto am riesigen Schaufelradbagger



allgemeines warten auf den Start



Noch ein bisschen von dem guten Rennsteig Wasser, die Luft hier unten ist sehr trocken



bereit zum Start

Die 10km Läufer sind fast alle durch. Jetzt wird der Marathon gestartet. 13 Runden mit je 3,25km sind zu absolvieren. Insgesamt rund 750 Höhenmeter. Das alles bei angenehmen 21-23° Grad. Los geht es! Die Gerade im großen Saal hinunter, gleich folgt eine scharfe Linkskurve raus aus dem Saal und hinein in die dunkeln Gänge des Bergwerkes. Aber was ist das denn für ein Hammer gleich zum Anfang! Ein brutal steiler Anstieg mit mehreren Kurven versehen. Natürlich geht das jetzt in der ersten Runde noch, aber ich bin echt froh, als ich die Kuppe erreiche und es erst einmal wieder eben ist. Weiter geht es im ständigen auf und ab. Ich bin schon total geschwitzt. Dieser fiese Anstieg gleich zu Anfang hat es wirklich in sich. Die Wege sind sehr breit, hier gibt es keinen Platzmangel. Vorbei an an verschiedenen Grubenfahrzeugen, einer kleine Nische mit Tischen für Untertage Feierlichkeiten. Alles in allem ist die Strecke gut ausgeleuchtet, ab und zu gibt es ein paar dunkle Stellen. Doch dafür hat man ja schließlich die Kopflampe. Nicht nur die Steigungen sind heftig, auch die Gefälle. Brutal geht es teilweise nach unten. Ich will gar nicht darüber nachdenken, wenn man da hinfällt. KM Marker sucht man vergebens, das macht es nicht einfach das Tempo vernünftig einzuteilen. Der Verpflegungsstand kommt. Pro Runde hat man 2x die Gelegenheit Sprudelwasser oder Cola nachzuladen. Ein Verpflegungsstand befindet sich direkt am Ausgang des großen Saales, der 2. etwa nach ca. 1,8km nach einem Anstieg. Jetzt folgt eine ewig lang gezogene leicht ansteigende Gerade. Die scheint ja gar nicht aufzuhören. Plötzlich ein Warnschild 15% Gefälle und ein Abzweig nach links. Das scheint nun der Gegenpart vom steilen Anstieg gleich zu Anfang des Rundkurses zu sein. Hier wird jetzt wirklich alles abverlangt von Knochen, Bändern, Muskeln und Sehnen. Noch einmal rechts um die Kurve, wieder ein Gefälle. Eine kleine Wendepunktstrecke folgt und ab geht es auf einer Geraden in Richtung dem großen Saal. Man kann das helle Licht schon sehen. Runter in den Saal. Die Ansagen aus dem Lautsprechen schallen einem entgegen. Auf einer kleinen Anzeigetafel wird für die Läufer die aktuelle Zeit und die Anzahl der noch zu laufenden Runden angezeigt. Der allererste Richtwert für Runde 1 liegt nun vor. 13:34min auf 3,25km das bedeutet ein KM Schnitt von 4:10min/km. Ein abartiges Tempo, welches ich da vorgelegt habe. Ich muß bescheuert sein!



Breite Laufwege. Bild von Wolfgang Bernath zur Verfügung gestellt. Danke!



Ausgediente Fortbewegungsmittel. Bild von Wolfgang Bernath zur Verfügung gestellt. Danke!



2. Verpflegungsstelle des Rundkurses. Bild von Wolfgang Bernath zur Verfügung gestellt. Danke!

Vorbei an den Zuschauern, da steht auch schon Anja und macht fleißig Fotos. Die zweite Runde folgt. Gleich mal der Hammer Anstieg. Ich bin ja jetzt schon so platt wie im Rodgau nach 20km! Das gibt hier ein Drama, wenn ich nicht bald etwas an Geschwindigkeit rausnehme. Schnell mal Wasser an der Verpflegung. Sprudelwasser! Was soll das? Haben die denn kein stilles Wasser. Ich habe echt kein Bock auf Seitenstechen! Aber es bleibt mir wohl nichts anderes übrig. Das Knie verhält sich bisher ganz gut, trotz diesen extremen Belastungen. Auch die verstopfte Nase und der Druck auf im Kopf lässt sich dank Wettkampfadrenalin gut ausblenden. Von langsamer werden keine Spur. Runde 2 in 13:41min Schnitt 4:12min/km.



Nach 2 Runden im viel zu hohen Anfangstempo kommen schon die ersten Zweifel

Auf in die 3. Runde, dann hätte ich schon mal fast 10km geschafft. Der Anstieg gleich zu Anfang macht mich völligst platt. Auch diese kleinen fiesen Anstiege werden schon zur Herausforderung. Jede Runde jetzt Sprudelwasser, es muß sein bei dieser trockener Luft. Durchlauf im großen Saal, ich höre Anja rufen, "du fällst immer weiter zurück". Ja das war klar! Aber trotzdem nehme ich Runde 3 und 4 noch im 4:19er Schnitt. 13km sind jetzt gelaufen. Endlich mal ne volle KM Zahl, da kann ich doch mal hochrechnen. 55min20sekunden das macht ein Gesamtschnitt von 4:15min/km. Ich muß wohl total die Nerven verloren haben, was für ein mörderisches Tempo bei diesem Höhenprofil. Noch nicht mal die Hälfte ist gelaufen und ich bin bereits am Limit. Runde um Runde verliere ich weiter an Boden.



Die Rundenzeiten: Wieder mal zu schnell angegangen, gegen Ende gibt es nur noch Schadensbegrenzung

Es wird zur Qual, die Fußsohlen melden sich bereits. In Runde 6 greife ich zum ersten Mal zu Gel. Gerade die Gefälle sind sehr schmerzhaft für die Fußballen. Hoffentlich kann ich das durchhalten.



Noch 7 Runden. Nach der nächsten Runde habe ich gerade mal die Hälfte geschafft!

Schon längst laufe ich irgendwie nur noch durch. Als nächstes Ziel habe ich mir KM26 vorgenommen. Hier sollte ich doch irgendwie noch unter 1:57:00 bleiben. Das würde bis dahin noch einem KM Schnitt von 4:30min/km bedeuten. Die schlimme Steigung gleich zu Anfang wird von den meisten Läufer/innen bereits halb im gehen, halb im joggen genommen. Das Ding hat es aber auch in sich. Kein Vergleich mit irgendwelchen Steigungen vom Bergtraining im Odenwald. Ich muß das alles auch noch alleine durchstehen, keiner läuft in meinem Tempo. Also auch kaum mentale Unterstützung unterwegs. Ebenfalls sehr mau der Durchlauf im Saal. Auch hier ist jetzt kaum mehr was los. Die 10km Läufer haben wohl das Bergwerk schon verlassen.



Wie leergefegt. Die meisten 10km Läufer/innen haben bereits das Bergwerk verlassen. Kaum mehr Unterstützung beim Durchlauf. Sehr schade....

Wie ferngesteuert laufe ich weiter. Die angepeilte KM26 Zeit schaffe ich trotzdem locker. Mit 1:53:27 bin ich wirklich gut im Soll. Natürlich kann ich diesen Schnitt nicht mehr halten, aber wenn ich mich jetzt zusammenreiße und das irgendwie durchziehe, dann sollte doch ne gute Platzierung rausspringen. Mich überholt doch seit Runden keiner! Auf los, nochmal Gel reingedrückt. Wieder diese 15% Gefälle. Mir platzen gleich die Füße! Durchlauf im Saal, 9.Runde geschafft. Noch 4 Runden! Jetzt wird nicht schlapp gemacht. Steigung rauf, komm weiter! Irgendwie wird es gehen. Immer schlimmer werden die Schmerzen von den Fußsohlen. Kaum irgendwelche Streckenteile sind zur Erholung zu gebrauchen. Die langgezogene leicht ansteigende Gerade scheint gar nicht mehr enden zu wollen. Und wenn es dann endlich geschafft ist, dann folgt das 15% Gefälle Warnschild. Wieder habe ich irgendwie diese Runde geschafft. Der KM Schnitt von 4:41min/km ist für meinen Zustand geradezu sensationell. Ich zeige Anja 3 Finger für 3 Runden beim Durchlauf im Saal. Steigung rauf. Denk ich doch mal so: wenn die Steigung geschafft ist, dann klappt der Rest auch. Noch 3x hier hoch. Jetzt nicht gehen, das ist das Ende, auch wenn es noch so verlockend ist. Lass die anderen ruhig gehen. Dafür bin ich eine Stunde früher im Ziel. Noch einmal überrunde ich Lauflegende Sigrid Eichner, die hier ganz bravourös ihre Runden dreht. Altersklasse W70, weit über 1500 gelaufenen Marathons........Riesenrespekt vor dieser Frau.



Lauflegende Sigrid Eichner. Bild von Wolfgang Bernath zur Verfügung gestellt. Danke!

Lange Gerade stur rauf, Gefälle stark abgebremst noch unten. Es geht echt nichts mehr. Die Fußsohlen brennen wie Feuer. Nach der Wende komme ich fast nicht mehr in Gang. Rein in den großen Saal. Nur noch 2 Runden, nur noch 6,5KM. Nur noch ist gut, der Anstieg holt mich gleich mal auf den Boden der Tatsachen zurück. Die Oberschenkel fangen schon leicht an zu verkrampfen. Wieder geschafft. Ich bin oben! Ob ich das noch einmal schaffe. Die Oberschenkel sind echt kurz vor der Krampfgrenze. Ich schleppe mich irgendwie durch diese Runde. Das Gefälle ist die Hölle. Aber der Gedanke, dass ich da nur noch 1x durch muß läßt mich weiter laufen.



Die letzte Runde wird eingeläutet, noch einmal alles rausholen

Steigung rauf, die Oberschenkel sind zum zerreißen gespannt. Jetzt nicht aufgeben, gleich bin ich oben. Noch eine Kurve, die Kuppe ist zu sehen. Ja! Ich bin oben, so jetzt nur noch die paar kleinen, kurzen Steigungen und natürlich die Gefälle. Die Füße brennen, ich darf gar nicht an die Gefälle denken. Nochmal Steigung zum Getränkestand rauf. Wasser geschnappt. Weiter geht es. Vor mir läuft noch jemand in meinem Tempo, der könnte auch in der letzten Runde sein. Ob ich da nochmal vorbei komme? Eher nicht, er zieht davon. Ich versuche dran zu bleiben. Nochmal das Hammer harte Gefälle. Ich weis nicht wie ich das schaffen soll. Ach egal, einfach runter. Die Hölle, es ist wie barfuß über heißen Asphalt laufen. Zum letzten Mal der Wendepunkt. Läufer vor mir im Blick. Ich bleibe dran. Er zieht an. Ich versuche auch nochmal alles. Die Gerade zum Saal. ich sehe schon das Licht. Ja und ich schaffe es doch tatsächlich an Ihm vorbei zu ziehen! Runter in den Saal. Ich habe es geschafft. Im Endspurt geht es zum Ziel. Ich jubele, freue mich, ich hab's geschafft. Ich kann es kaum glauben. Der Zielkanal kommt. Plötzlich zieht doch der bereits überholte Läufer noch an mir vorbei. Unglaublich! Ach was soll's. Ist mir egal. Im Ziel gibt es gleich das Ergebnis per Ausdruck. Ich bin Gesamt 11. und 1. in der Altersklasse 40. Was für ein Kracher! Es hat sich gelohnt! Die Quälerei war nicht umsonst. Wahnsinn! 3:12:05 meine Endzeit.



Geschafft und 1.Platz in der Altersklasse 40! Heute Abend wird gefeiert.

Leider gibt es hier nichts zu trinken im Zielauslauf. Auch die üblichen Riegel oder Äpfel sucht man vergebens. Sehr schade, bedenkt man noch den Preis von 44 Euro.......
Egal Anja holt mir gleich ein alkfreies Weizen von der Bar, und ne Banane habe ich auch noch dabei. Ich bin kaum mehr in der Lage zu gehen. Es ist wirklich heftig. Kurze Erholung, bisschen frisch machen auf der Toilette. Duschen gibt es Untertage leider keine. Aber ich habe Wechselklamotten dabei. Ich will eigentlich nur noch nach oben. Nun muß ich die Siegerehrung abwarten! Ich treffe noch auf Wolfgang Bernath, der heute seinen 50.Marathon/Ultramarathon gelaufen ist.



noch ein Grund zum feiern! Wolfgang Bernath finished seinem 50.Marathon! Bildquelle: Wolfgang Benrath. Danke!

Fast 2 Stunden warten bis zur Siegerehrung. Das alkfreie Weizen ist bereits aus! Endlich Siegerehrung! Aber außer ner Urkunde und einem Händedruck gibt es für die AK Sieger nichts! Ein bisschen ärgerlich ist das schon.
Um 17:15 Uhr sind wir dann endlich wieder oben an der frischen Luft. Die erste Zigarette für Anja seit 9 Uhr! Das ist auch ne tolle Leistung!

Samstag, 29. Januar 2011

12. Rodgau Ultramarathon



Der erste Wettkampf in 2011. Jetzt wird es sich zeigen, wie gut ich die Verletzung vom September letzten Jahres verkraftet habe. Das Lauf-Training hatte ich langsam seit November wieder aufgenommen. Im Januar dann zum erstem mal wieder richtig planmäßiges Training, mit allen Einheiten die man so in der Marathonvorbeitung macht. Ein wenig übertrieben hatte ich es auch. So bekomme ich doch 1 Woche vor dem Ultra Probleme mit dem linken Knie. Es knackt mal wieder beim Treppensteigen und fühlt sich auch sonst leicht instabil an. Trotzdem geht das Training normal weiter. Von beiden Seiten ein Kinesio Tape mit leichtem Zug für mehr Stabilität schafft ein wenig Abhilfe. Donnerstags Abends dann noch leichtes Halskratzen. Aber mit haufenweise gesunden Bonbons und ein paar Dolo Dobendan kommt es zum Glück nicht zu Halsschmerzen.

Samstag Morgen dann aufstehen um 5 Uhr, noch schnell Müsli und 2 Brote essen. Raus ins Auto. Es ist bitterkalt draußen -5° zeigt das Thermometer.
Im Rodgau hat sich schon alles versammelt. Viele bekannte Gesichter aus der Laufszene sind hier. Die Sonne scheint, und es sieht so aus als sollte das ein sehr schöner Tag werden. Ich werde mit 2 Schichten Kleidung, Halstuch und Mütze laufen. Das müßte doch reichen trotz -5° Grad. In der Sonne wird es sonst zu warm werden.
Schon traditionell folgt der Fußmarsch rüber zum Start am Gänsbrüh'. Ich bin irgendwie gut drauf fühle mich gut, obwohl das Knie getaped ist und der Hals immer noch leicht kratzt. Voller Euphorie stelle ich die Pace auf der Uhr bei 4:30min/km ein. Mal sehen, ich kann ja mal in diesem Tempo anlaufen. Wenn es am Ende knapp für unter 3:50 reichen würde, dann wär das absolut ok.



Wie in jedem Jahr, der Rodgau Ultra zieht an die 1000 Läufer/innen an



top organisiert, es fehlt an nichts. Um die 80 freiwillige Helfer stemmen diese Veranstaltung



Schneechaos beim Bärenfelsmarathon verbindet. Andy von der LT Hemsbach.



gehört einfach dazu: Fussmarsch zum Start am Gänsbrüh'



noch ein paar Minuten, dann geht es los. Gabi und Frank



Idylle kurz vorm Start

10:00 Uhr. Es wird ernst. Ich bin nicht ganz vorne an der Startlinie, aber dennoch so, dass ich nicht allzu viele kraftraubenden Manöver in der ersten Runde absolvieren muß. Ich komme ganz gut weg. Gleich mal um die erste scharfe Kurve rum. Da pfeift einem schon der kalte Wind ins Gesicht. Vorbei am Versorgungsstand, raus auf das offene Feld in die Sonne. Schön warm ist das, prima. 2 Schichten Kleidung bei -5° genau richtig! Ab und zu muß ich doch den Weg verlassen um mich an den anderen Läufer/innen vorbei zu schlängeln. KM1 in 4:36min trotz Läufermassen, sehr gut. Leichter Anstieg hinauf, jetzt noch spielend, und schon KM2 in 4:23min. Abzweig Wendepunktstrecke, Musik der 70'er dröhnt aus den Lautsprechern. Wendepunkt erreicht, rum um den Tisch ganz locker geht das noch. Nun wird es eng. Die große Läufermasse kommt einem natürlich auf der anderen Seite entgegen. Jetzt wieder die ganze Spur ohne Gegenverkehr. KM3 Schild hab ich übersehen, also weiter ohne Zeitangabe über das Feld in der Sonne. Also das ist doch herrlich heute. Ich frage mich wie all diese total vermummten Mitstreiter wohl nach 6 Runden ins Schwitzen kommen mit der X-fachen Menge an Kleidungs Schichten. Wieder rein in den Wald. Die Strecke ist mir ja gut bekannt, ich fühle mich total wohl. Es macht Spaß heute. Nochmal ein kurzes Stück rauf. KM4 Schild, diesmal die Zeitnahme nicht vergessen, Abzweig runter zum Gänsbrüh. Hier kann man jetzt noch mal ein bisschen Geschwindigkeit zulegen. Von weitem hört man gleich die Ansage vom Zielbereich. Fast jeder wird hier Runde für Runde namentlich erwähnt. Mal sehen was die Uhr sagt, Genau 22 Minuten für die erste Runde. Was für ein Auftakt. Das ist weit besser als ich gedacht hatte. Aber, jetzt nicht durchdrehen. Das ist ein KM Schnitt von 4:24min/km. Bisschen Tempo rausnehmen, das kann ich nicht durchhalten. Für so ne Geschwindigkeit habe ich mich im Training noch total gequält. Erst mal was trinken, außer 4 Tassen Kaffee habe ich noch nichts anderes zu mir genommen. Warmer Tee tut gut bei diesen frostigen Temperaturen. Ganz besonders weil mir heute morgen noch der Hals ein bisschen gekratzt hat. Trotzdem ist es in der Sonne total angenehm. Nur meine Fußzehen sind von der Kälte taub. Aber das wird sich bestimmt irgendwann bessern. Ganz locker geht es durch die zweite Runde. 21:43min - Schnitt 4:21min/km für Runde 2. Ich werd verrückt 43:44 für 10km. Sollte ich nicht Tempo rausnehmen? Das kann nicht funktionieren. Egal weiter geht es. Keine Schmerzen, Problemknie scheint gut zu laufen. Vom Bänderriss und den Frakturen merke ich gar nix. Trainingsprogramm habe ich auch komplett durchgezogen. Was soll das also, langsamer werde ich noch schnell genug. 3. Durchlauf KM15, 21:52min Schnitt 4:22min/km. Nun fängt es ein bisschen an weh zu tun beim leichten Anstieg, aber ein Plausch unter Läufern lenkt mich wieder ab. Wahnsinn! Mein Gesprächspartner läuft heute seinen ersten Ultra. Den Marathon läuft er in 2:38, aber normalerweise ist er mehr auf der Halbdistanz unterwegs. Schon ist auch die 4.Runde absolviert. 22:03min - 4:25min/km. Mal nachladen mit dem ersten Gelpack. Wasser zum runterspülen am Getränkestand geschnappt. Bäh! Mit Kohlensäure. Wenn das mal gutgeht. Ich muß es trinken. Es hilft ja nichts. Immer mehr Manöver für die überrundeten Läufer/innen müssen jetzt zusätzlich in Kauf genommen werden. Ganz besonders an der Wendepunktstrecke ist das jetzt teilweise nur noch neben dem befestigten Weg möglich. Das kostet extra Kraft. Bei der Wende merkt man jetzt immer mehr wie schwierig es ist wieder auf Touren zu kommen. Jetzt wird es zäh! Aber das war zu erwarten. Trotzdem ich bin sehr gut im Plan. Was wollte ich laufen? 3:50? Da geht heute mehr. Bestzeit muß das werden! OK, das Knie meldet sich leicht, aber ist alles noch ganz normal. Runter zum Zieldurchlauf. Nochmal Schwung holen. Halbzeit KM25 1:49:36 - 21:57min für Runde 5. Das ist sogar noch schneller als die 4.Runde. Wie war noch die 25km Durchlaufzeit vom Ultra im Bottrop? 1:49:30 also in etwa gleich. Doch heute bin ich besser drauf. Da geht was, durchhalten! Diese Runde kann ich noch mal mit 21:59min laufen. Noch 20km, die ersten Zweifel kommen auf und Seitenstechen kommt mit dazu. Das war mir irgendwie klar nach dem Sprudelwasser. Es wird jetzt echt hart. Ich versuche den Trick mit dem ausatmen beim auftreten. Es hilft, nach ca. 1km bin ich die Seitenstechen los. Wieder ne Runde geschafft. Aber jetzt mit 22:20min etwas langsamer, aber immer noch mit Schnitt unter 4:30min/km. Das hätte ich mir vor dem Lauf nie träumen lassen. Es wird zur Qual, los reiß dich zusammen! Nochmal Gelpack mit Koffein. Aber diesmal mit Iso runtergespült. Vielleicht bringt es nochmal was. Ich laufe den Anstieg hoch, da treffe ich auf Stefan vom Bärenfels Marathon. Was für eine Aktion, wenn ich da noch dran denke. Wir haben zusammen im Schneechaos mein Auto vom Parkplatz gezogen. Völlig durchnäßt und natürlich nach gelaufenem Marathon. Da werde ich doch diese 13km hier noch schaffen. Ja und was macht der Stefan da? Obwohl ich ihn zum 2. mal überrunde, dreht er voll auf und zieht mich! Mal locker 2km läuft er in meinem Tempo mit. Danke Stefan, super Aktion! Wieder ne Runde mehr. 22:55min - 4:35min/km das ist immer noch top. 2:57:42 die Zeit bei KM40. Mit einem 5'er Schnitt laufe ich locker unter 3:50. So war es ja geplant. Aber jetzt ist doch mehr drin. Bestzeit! Vielleicht sogar Sub 3:45. Das war doch mein Ziel für Bottrop 2010. Leider wurde es ja nichts durch diese blöde Verletzung. Aber heute bin ich wieder voll da. Los jetzt, 10km alles mobilisieren. Anstieg hochgeschleppt, Marathondurchlauf kommt. In diesem Jahr sogar mit extra Zeitmessmatte. 3:07:15 ich brech ab, diese Zeit bin ich beim letzten Koberstädter Waldmarathon nicht gelaufen. Und das hier ist ein 50'er! Also noch 7,8km beißen. Die Füße brennen jetzt auch, aber das werd' ich jetzt auch noch überstehen. Denk an das Zielbier, die Sub 3:45 es ist so greifbar nahe. Ich schleppe mich runter zum Gänsbrüh. Wenn ich jetzt da unten durch bin, dann ist es noch eine Runde. 23:25min - 4:41min/km. Mir kam das schon vor wie ein Schnitt über 5min/km. 5km noch, das ist doch eigentlich gar nichts. Wie viel Zeit bleibt mir noch? 24:46 für 5km. Ich darf also auf keinen Fall über die 5min/km kommen. Das wird verdammt hart in diesem Zustand. Zum letzten mal vorbei am Versorgungsstand. KM Marker kommt. 4:49 für KM46. So würde es reichen. Aber jetzt geht es erst mal wieder leicht hoch. Endlos zieht sich dieser eigentlich harmlose Anstieg. Bin total platt, KM 47 in 4:53min. Das kann doch nicht wahr sein, ich verliere immer mehr an Boden. Es geht nichts mehr. Wendepunktstrecke, nochmal überholen im Grünstreifen. Wende am Tisch, ich komme kaum mehr vom Fleck. Noch einmal übers Feld, dann in den Wald und runter zum Gänsbrüh'. Das ist doch echt nicht weit! 4:53min für km 48. So muß es doch reichen. Nur noch rüber in den Wald. Zum Gänsbrüh' runter geht es doch von selbst. Endlich rein in den Wald. Nochmal anziehen, jetzt alles rausholen. 4:50 zeigt die Uhr für KM49. Mir bleiben noch 5:20min für den letzten KM. Das werde ich schaffen. Den Lärm vom Ziel kann ich schon hören. Wie geil, das ist jetzt was für Genießer. Ich werde schneller. Das nimmt mir keiner mehr. Was für ein Comeback nach der Verletzung. Das hätte ich mir nicht träumen lassen. Das ist der Lohn für konsequentes Training. Mit der Zieluhr im Blick geht es runter. Das reicht locker für die Sub 3:45. Noch ein paar Meter. Ja, geschafft!! 3:44:20 neue Bestzeit auf 50km.



Nicht möglich! Sub 3:45 und neue PB über 50km



Alles da, vorbildliche Zielverpflegung



Immer wieder schön, der Zieleinlauf



Erst zieht er beim Bärenfelsmarathon mein Auto aus dem Schnee, dann macht er 2km lang die Pace in Runde 8 für mich. Stefan vom Bärenfelsmarathon Team

Der Rückweg zu den Duschen wie immer eine Qual. Ich werde ständig überholt. Wo nehmen die denn alle die Kraft her? Wohl nicht alles gegeben beim Ultra?
Noch etwas ganz besonderes in diesem Jahr. Die Duschen sind warm! Ein Traum!

Freitag, 24. Dezember 2010

9.Bärenfels Heiligabendmarathon



Was tut man nicht alles um unbedingt noch einmal einen Marathon in 2010 zu laufen. Da wird mal kurzer Hand der Siebengebirgsmarathon abgesagt und schon ist alles dahin. Wofür die Quälerei nach der überstandenen Verletzung? So kann man doch nicht ein Jahr abschließen. Ein Marathon muß noch gelaufen werden in 2010. Unbedingt!
Es gibt eine Alternative, der Bärenfels Heiligabendmarathon. Los geht's anmelden!
Also fleißig weiter trainieren im Schneechaos. Und genau da passiert das Unglück. Beim Bergtraining im Odenwald rutsche ich beim runter laufen vom Melibokus aus, und falle auf Knie und Brustkorb. Die Prellung und Schmerzen am Knie lassen schnell nach. Aber von Tag zu Tag wird das Luft holen schmerzhafter. Überhaupt die ganze Rippengegend ist druckempfindlich und schmerzt. Untersuchung ergibt, Rippenprellung oder sogar gebrochen. Machen kann man da nichts. Es gibt ein paar Schmerzmittel um das Ganze erträglicher zu machen.



Egal wie, Hauptsache noch mal einen Marathon laufen in 2010

Aufstehen am Heiligen Abend um 3:30 in der Früh! Müsli, Brote, Taschen ins Auto und ab in Richtung Bärenfels. Noch sind die Autobahnen entgegen aller Witterungsprognosen frei. Aber kurz vor Hoppstädten-Weiersbach fängt es immer heftiger an zu schneien und das Thermometer zeigt -5°Grad.

Startunterlagen gibt es im Campusgelände. Schnell mal hin und alles klar machen. Das Campus Gelände ist riesig. Keine Menschenseele zu sehen. Nur ein Cafe hat offen. Ein paar Läufer sitzen drin. Ich parke den Wagen auf einem völligst vereisten Parkplatz, da sonst nichts auf der abschüssigen Straße frei ist. Im Cafe sagt man mir, dass es die Startunterlagen irgendwo in der Nähe vom Start gibt. Aber so genau kann mir das auch niemand sagen. Sehr seltsam alles. Ich gehe zurück zum Wagen will losfahren, aber keine Chance. Die Antriebsräder haben sich inzwischen im Eis eingebuddelt. Super! Und nun? Zu Fuß weiter. Immer noch dunkel draußen, nichts zu sehen. Die Straßen sind spiegelglatt. Ich laufe ein paar hundert Meter den Berg hinunter. Nichts zu sehen von Anmeldung. In der Ausschreibung stand ja auch im Campusgelände. Also laufe ich wieder nach oben. Es ist saukalt. Das ganze Campusgelände suche ich ab. Nichts!
Nochmal zurück ins Cafe. Zum Glück ist dort noch jemand der auch zum Start will. Er nimmt mich in seinem Auto mit. Der Weg ist doch sehr weit, das hätte ich zu Fuß nie geschafft. Vor allem nicht mit voll bepackter Tasche.
Der Start und gleichzeitig das Verpflegungszentrum befindet sich in einem Tunnel.



Verpflegungszentrum, Startunterlagen, Rennleitung, Taschendepot alles im Tunnel untergebracht.



Es ist saukalt, spiegelglatt, mein Auto steckt fest und vor mir liegen noch 42,2km Marathon im Tiefschnee. Was gibt es schöneres?



kurz vorm Start ein Blick auf die Laufstrecke Fotoquelle laufticker.de

8:00Uhr. Noch ein paar Worte vom Orgateam, von wegen andere Strecke, vereiste Wege, vorsichtig laufen usw. Raus in den Tiefschnee, bei Schneefall und -5°Grad. Perfekt!

Los gehts in den Eiskanal. Gerade mal zwei Spuren im Schnee führen vom Start weg. Überholen erst mal unmöglich. Rechts und links beleuchten Fackeln den noch dunkeln Weg. Neuer Schnee kommt von oben.



los gehts, start frei für den Heiligabendmarathon Fotoquelle laufticker.de

9 Runden soll das jetzt so weiter gehen. Strecke ist leicht ansteigend. Die Unterführung der Autobahn kommt. Für ein paar Sekunden festen Beton unter den Füßen. Dann wieder weiter im Schnee.



erster leichter Anstieg nach der Autobahnunterführung Fotoquelle laufticker.de

Inzwischen nur noch eine Spur zum laufen. Wer überholen will, muß für ein paar Meter in den Tiefschnee. Nur so geht es.



wer überholen will, muß die Spur verlassen Fotoquelle laufticker.de

Zur rechten jetzt ein malerischer See in der Winterlandschaft. Es paßt einfach alles wenn man bedenkt, dass heute doch der Heilige Abend ist. Aber zum Marathon laufen ist das schlicht und ergreifend eine absolute Katastrophe.



Winterliche Idylle, zum Marathon laufen eher ungeeignet Fotoquelle laufticker.de

Der Unmut der Läufer/innen wächst. Fast jeder meckert vor sich hin. Ich auch. Es geht kaum vorwärts auf dem schwer zu laufenden Untergrund. Ich überschlage schon mal die mögliche Endzeit um die 4 Stunden 30. Hier fehlt es an jeglicher Motivation irgendwie schneller zu laufen. Es würde sowieso nicht funktionieren, da jedes Überholmanöver im Tiefschnee so viel Kraft kostet, dass man spätestens nach 2 Runden platt ist. Immer noch ansteigende Strecke. Plötzlich verwirrende blaue und auch gelbe Markierungen im Schnee. Hier ist die Verzweigung der Strecke. Ich laufe einfach den anderen hinterher. Wird schon passen. Der Weg wird nun noch ungemütlicher. Die Laufspur läßt gerade mal so 2 Füße in der Breite zu.



2 Schuh breite Laufwege Fotoquelle laufticker.de

Obwohl die Veranstalter alles erdenkliche versucht haben um die Strecke zu präparieren, ist es mehr als grenzwertig hier zu laufen. Jetzt kommt ne ganz spitze Kurve und weiter geht es den Berg hinauf. Dies ist auch gleichzeitig das steilste Stück. Die ersten gehen bereits. Das macht jetzt ganz schön zu schaffen. Ich merke die Rippenverletzung bei Luft holen. Ob ich das 9 Runden durchhalte? Ein Glück, die höchste Stelle der Strecke scheint erreicht zu sein. Jetzt geht es erst einmal runter. Wieder blaue Markierungen im Schnee, damit man auch schön auf dem Weg bleibt, den man eigentlich nur erahnen kann. Die Schleife ist gelaufen und wir kommen jetzt wieder auf den Streckenteil der runter zum Start führt. Hier ist jetzt mit Gegenverkehr zu rechnen! Wie soll das funktionieren bei gerade mal einer Spur? Ganz einfach. Es gibt 2 Möglichkeiten. Man hält an und stellt sich kurz in den Tiefschnee auf die Seite, oder man läuft ein Stück im beschwerlichen Tiefschnee weiter. Das kann es doch nicht sein, oder? Gegenverkehr im Eiskanal. Gleich zwei mal pro Runde. Beim hochlaufen und wieder beim runterlaufen. Damit hat man über die Hälfte der Runde mit Gegenverkehr zu kämpfen! Jetzt bin ich echt am überlegen, ob ich nicht abbrechen soll. Das hat doch nichts mehr mit laufen zu tun. Die Füße sind schon jetzt total durchgeweicht. Wieder unter der Autobahn durch. Jetzt wenigstens 2 Spuren bis runter zum Start/Ziel Bereich. Rein in den Tunnel. Die erste Runde ist geschafft. Am Verpflegungsstand jetzt schon viele Läufer/innen.



Heiße Getränke sind sehr willkommen Fotoquelle laufticker.de



Wendepunktmarkierung im Tunnel. Fotoquelle laufticker.de

Ich gehe in die 2. Runde. Das Ding wird hier zu Ende gelaufen. Egal wie! Den Hohn und Spott zu Hause möchte ich mir wirklich nicht antun. Jetzt ist natürlich auch beim Anstieg schon der Gegenverkehr. Die Hoffnung, dass die Strecke besser wird gebe ich nach einer weiteren Runde auf. Der Neuschnee macht die Spurrillen teilweise sogar noch enger. Irgendwie nur zu Ende laufen. Zeit völlig egal. Ich bin hier sowieso nur im jogging Tempo unterwegs. Mehr geht ja auch nicht. Irgendwann wird die Strecke noch voller. Ja es gibt noch eine Steigerung. Die Teilnehmer des 9,2km Laufes werden jetzt auch noch für 2 Runden auf die Strecke geschickt. Na prost Mahlzeit. Wenigstens gibt es ab und zu ne nette Unterhaltung auf der Strecke und man kann gemeinsam über die ausweglose Situation jammern. Gemeinsam meckern gibt Kraft für die nächsten Runden. Doch leider steigt mein Gesprächspartner aus Bensheim nach der 5.Runde aus. Seine Laufkumpels wollen nach Hause. So ein Mist, jetzt geht es wieder ganz alleine weiter.



Mir reicht es eigentlich schon, aber aufgeben geht ja gar nicht Fotoquelle laufticker.de

Noch 4 Runden. Es ist zum kotzen. An den Steigungen gehen die meisten. Aber fast jeder macht bereitwillig Platz und läßt die noch laufenden vorbei. Die Teilnehmerzahl schrumpft von Runde zu Runde. 55 Marathonstarter waren es am Start. 38 davon haben tatsächlich die komplette Strecke absolviert. Ich kann es den 18 Aussteigern wirklich nicht verdenken. Hier ist man schnell mal umgeknickt wenn die Kräfte schwinden. Ich muß mit meinem erst kürzlich überstandenen Bänderriss mit Wadenbeinfraktur auch höllisch aufpassen dass hier nichts passiert. Das würde jetzt noch fehlen. Also ganz gemütlich zu Ende laufen. Aber in Runde 7 passiert es dann doch. Ich laufe nach dem Tunnel den leichten Anstieg hinauf. Da kommen mir eine Läuferin auf der einen Spur und ein Läufer auf der, inzwischen durch die Überholmanöver gebildeten 2. Spurrille entgegen. Niemand macht Platz. Da hilf nur noch eins. Ich weiche aus in die Mitte in den Tiefschnee. Obwohl ich selbst nur ne leichte Berührung wahrgenommen habe, liegt die Läuferin plötzlich im Schnee. Sie hat Schmerzen im Gesicht. Scheinbar muß sie an meiner Schulter hängengeblieben sein. Ja das tut natürlich weh! Nach ein paar Minuten hat Sie sich beruhigt. Zum Glück ist scheinbar nichts schlimmeres passiert. Ich will noch mit nach unten zum Start/Ziel Bereich kommen, aber Sie meint es geht schon, ich soll mich nicht verrückt machen und weiter laufen. OK, ich laufe weiter, aber ausblenden kann ich das erst mal nicht. Das macht mir schon Gedanken. Ich laufe die letzten beiden Runden einfach nur noch so durch. Ich will jetzt nur noch fertig werden. Ich bin total durchnäßt, die Schuhe quaken, das macht kein Spaß. Was habe ich alles unternommen um unbedingt in 2010 noch einen Marathon zu laufen. Aber trotz den extremen Bedingungen habe ich den ganzen Lauf keine Probleme mit der schlimmen Sprunggelenksverletzung vom September bekommen. Auch die Rippen merke ich kaum. Noch ein paar Meter und ist geschafft.



Endlich nach über 4 Stunden ist das Ziel erreicht Fotoquelle laufticker.de

Der Forerunner zeigt noch nicht mal 39km. Trotzdem ist es meine 9. und letzte Runde. Vielleicht durch den Tunnel, oder sonst irgendwas hat den GPS Empfang gestört. Ich frag' lieber nochmal bei der Rennleitung. Aber ich habe alle 9 Runden hinter mir. Bin also fertig und sogar 7. bin ich geworden in 4:06:54. Finisher Medaillen gibt es auch. Aber nicht so wie sonst, sondern als Lebkuchenherz.



Statt Medaillen ein Lebkuchenherz. Auch schön.

Wie geht es jetzt weiter. Ich muß doch irgendwie zu den Duschen kommen. Mein Auto steckt ja fest. Aber hier sind alle so hilfsbreit, da kommt sofort auch schon jemand vom Bärenfelsteam und will mir helfen, mein Auto von dem Parkplatz runter zu ziehen. Ne geschlagene halbe Stunde versuchen wir den Wagen vom spiegelglatten Parkplatz zu bekommen. Ich habe immer noch meine Laufklamotten an. Klatschnasse Füße, der Schneefall hört nicht mehr auf. Für heute bin ich wirklich total bedient. Endlich meint Smart hat wieder eine halbwegs befestigte Straße unter den Rädern. Der nette Helfer vom Orgateam zeigt mir sogar noch den Weg zu den Duschen, den ich im Leben nie gefunden hätte.

Warme Duschen. Die ganzen Füße brennen. Alles tiefgefroren. Ich weis nicht mehr wie lange ich geduscht habe, aber so richtig warm ist mir immer noch nicht.
Die Siegerehrung findet im örtlichen Kino statt. Ein ganzer Kinosaal nur für uns Läufer. Klasse! Und auch das ist hier super familiär gemacht. Es wird jeder einzelne Teilnehmer aufgerufen. Dazu noch ein passender Spruch, ein schönes Geschenk und die Anerkennung für jeden, der heute dieses Drama mitgemacht hat. Sehr schöne Siegerehrung bei der mal nicht nur die Sieger und AK Platze im Vordergrund standen, sondern hauptsächlich die Teilnehmer. Klasse!
Die Heimfahrt über die inzwischen total verschneite Autobahn bekomme ich auch noch irgendwie geregelt. Jetzt noch schnell zum Weihnachtsessen bei den Eltern, und bloß nichts von den Strapazen des Marathons anmerken lassen, sonst wird das ein ungemütlicher Abend.

Vielen lieben Dank an:

-den Helfer vom Orgateam Bärenfels fürs Auto rausziehen und Weg zeigen.

-den Läufer aus Mannheim, der mich zum Start gefahren hat.

- Nicht zu vergessen natürlich alle Helfer und das Orgateam vom Bärenfels, die wirklich alles versucht haben die Strecke halbwegs zu präparieren.

- Gabi Gründling von laufticker.de für die meisten Bilder in diesem Bericht

Sonntag, 12. Dezember 2010

12.Siebengebirgsmarathon



Darauf freut man sich ein ganzes Jahr. Und jetzt das!

Sicherheit hat selbstverständlich höchste Priorität.
Kommentar des Veranstalters:

Liebe Starterinnen und Starter des Siebengebirgsmarathons und -halbmarathons, leider müssen wir auf Grund der aktuellen Wetter- und Schneeverhältnisse im Siebengebirge die Veranstaltung in diesem Jahr absagen.

Unsere Ersthelfer wären im Notfall nicht in der Lage, zu den Hilfebedürftigen vorzudringen. Das Risiko für die Sportler ist damit unkalkulierbar geworden, da auch insbesondere durch die Schneelage und herumliegende nicht sichtbare Äste und Steine erhöhte Verletzungsgefahr besteht. Die Sicherheit der Sportler hat oberste Priorität, alle anderen Ansprüche treten dahinter zurück.

Dann eben wieder in 2011, sehr schade!